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>>> Flugblatt zur Fachtagung 09.07.2014 | LIVEBLOG   >>> Pressemitteilung 08.07. 

«Ah, ein Zwitter! Da müssen wir gleich ein paar lebenserhaltende Massnahmen ... öhm ... ABSCHNEIDEN!!!»

Eigentlich kaum zu glauben, aber wahr: In Hamburg werden in Kinderkliniken regelmäßig wehrlose Kinder ohne medizinische Notwendigkeit chirurgisch genitalverstümmelt!

Noch dazu mit dem Wissen und der stillschweigenden Billigung von Senat und Bürgerschaft – niemand von den politischen Verantwortlichen in Hamburg kann ehrlich sagen, er/sie habe es nicht gewusst ...

Der Beweis dazu aus hochoffizieller Quelle:

"Es gibt keine Qualitätskontrolle, und alleine in Hamburg würde ich drei oder vier Krankenhäuser benennen können, die solche Operationen durchführen oder durchgeführt haben. "
(Aussage von "EuroDSD"-Chefverstümmler Prof. Dr. Olaf Hiort vor der Hamburgischen Bürgerschaft, 19.4.09 - Wortprotokoll PDF --> S. 40)

Um welche Hamburger Kinderkliniken es sich dabei konkret handelt, "benannte" Prof. Dr. Hiort wohlweislich nicht – und bezeichnenderweise wollte es auch von den anwesenden Hamburger ParlamentarierInnen lieber niemand wissen resp. niemand getraute sich nachzufragen.

Jedoch zeigt ein flüchtiger Blick auf das im Internet öffentlich angepriesene "Behandlungsangebot" von Hamburger Kinderkliniken, dass Prof. Olaf Hiort mit seiner offenherzigen Aussage wohl kaum zufällig noch untertrieb: Nicht nur in "drei oder vier Krankenhäuser[n]" wurden oder werden in Hamburg kleine Kinder chirurgisch genitalverstümmelt – sondern derzeit in mindestens fünf!

Zwar sind die Hamburger GenitalabschneiderInnen (im Gegensatz z.B. zu den KollegInnen etwa in Baden-Württemberg, Lübeck, Bremen oder Göttingen) spätestens seit der Anhörung in ihren öffentlichen Anpreisungen offensichtlich etwas vorsichtiger geworden: weder "Intersex" noch "DSD" werden als "Diagnosen" namentlich erwähnt (mit einer Ausnahme), und auch "Klitorisverkleinerungen" oder "Genitalkorrekturen" als solche werden ebenfalls nicht mehr offen angepriesen, sondern nur noch verklausuliert z.B. unter "Korrektur angeborener Fehlbildungen" oder "angeborene [...] Erkrankungen [...] des äußeren Genitale".

Weniger Hemmungen zeigen die VerstümmlerInnen demgegenüber bei der (auch in Hamburg häufigsten – und komplikationsreichsten!) "Diagnose" für "kosmetische Genitaloperationen" an Kindern und Jugendlichen, nämlich bei "Hypospadie" – wohl nicht zuletzt, weil hier die öffentliche Kritik aktuell noch etwas weniger laut und unmissverständlich wurde ...

"Hier drin tagen GenitalverstümmlerInnen!" Eingang zur "DGE 2011", Hamburg 2.4.2011

Nachfolgend ein Überblick über bisher bekannt gewordene Hamburger Kinderkliniken, die menschenrechtswidrige kosmetische Genitaloperationen an Kindern öffentlich anpreisen – und, wie die Senatsantworten auf eine Kleine Anfrage von 2013 aufzeigen, auch durchführen:

1. Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) ("Ein Unternehmen des UKE")

Diese Klinik, eine Filiale des "Hamburger Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)", verfügt einerseits über eine allgemeine "Fachabteilung Kinderchirurgie" (Leitender Arzt: Prof. Dr. med. Konrad Reinshagen), deren "Einheit für Ambulantes Operieren" u.a. Operationen bei "Hodenhochstand" im Angebot führt.

Sowie weiter eine "Fachabteilung Kinderurologie" (Leitende Ärztin: Prof. Dr. med. Margit Fisch, Oberärztin Dr. med. Silke Riechardt), welche in Zusammenarbeit mit der "Einheit für Ambulantes Operieren" das ganze Spektrum kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen feil hält unter der diskret anmutenden Bezeichnung "alle angeborenen [...] Erkrankungen [...] des äußeren Genitale".

Die verantwortlichen Kinderurologie-Ärztinnen Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt betreuen ausserdem die Seiten zu "Hypospadie" auf operation.de, worauf sie Operationen an Kleinkindern mit der zwar nie getesteten, aber bei MedizynerInnen nichtsdestotrotz seit Lawson Wilkins/John Money traditionell "üblichen" Pseudo-"Begründung" rechtfertigen:

Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“).

Bewusst bieten die Verstümmlerinnen ebenda auch "Operation[en] aus kosmetischen Gründen" an. Und waschen ihre Hände mit der (nicht nur) bei deutschen Medizynerverbänden handelsüblichen "Begründung" schon mal prophylaktisch in Unschuld: "Diese Entscheidung liegt bei den Eltern." (Immerhin widersprechen sie sich im letzten Satz beiläufig betreffend "Fenster-Theorie" gleich noch selber: "Es gibt auch keine gesicherten Daten dazu, ob eine spätere Korrektur irgendwelche Nachteile hat." – Hauptsache wohl, "Korrektur" MUSS. Sein. Bleiben.)

AKK-Statistik: Laut Senatsantwort auf die Kleine Anfrage 20/6850 "Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen" wurden im AKK von 2010-2012 insgesamt 216 IGM-OPs an Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren durchgeführt – laut Senat angeblich allesamt medizinisch notwendig bzw. durch Betroffene informiert eingewilligt, und kein einziger "rechtswidriger Eingriff" darunter ...


Ausgeliefert!2. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Die AKK-Muttergesellschaft UKE delegiert mittlerweile wohl einen guten Teil der Verstümmelungen an die Tochterfirma Altonaer Kinderkrankenhaus, mit deren Kinderchirurgie die UKE-"Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie" (Direktor: Prof. Dr. med. K. Reinshagen, Stellvertretender Direktor: Herr I. Kanellos-Becker) inzwischen "fusioniert[e]".

Die UKE-Kinderchirurgie "biete[t] eine Sprechstunde für kinderchirurgische Fragestellungen, zur Planung von ambulanten Eingriffen", darunter u.a. "Hodenhochstand", und "versorg[t]" "[i]nterdisziplinär [...] Kinder mit angeborenen Fehlbildungen".

Unter "Klinische Schwerpunkte" im UKE weiter im Angebot: "Laparoskopische Hodensuche bei Kryptorchismus" (=diagnostische Schlüssellochchirurgie bei Bauchhoden). Kastrationen bei Bauchhoden werden zwar nicht (mehr) explizit angeboten, jedoch beklagen Überlebende und Eltern bekanntlich seit längerem, dass MedizynerInnen es dabei in der Unterscheidung von Diagnostik und Entfernung gerne nicht so genau nehmen

UKE-Statistik: Laut Senatsanwort auf die Kleine Anfrage 20/6850 "Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen" wurden im UKE von 2010-2012 insgesamt 155 IGM-OPs an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren durchgeführt – laut Senat angeblich allesamt medizinisch notwendig bzw. durch Betroffene informiert eingewilligt, und kein einziger "rechtswidriger Eingriff" darunter ...


3. Asklepios Klinik Nord

Seit dem Umzug der Kinderabteilung in die Klinik Nord bietet die neu zusammengelegte "Kinderchirurgie" und "Kinderurologie" (Neuer Sektionsleiter: Bernward Koch) offenbar weiter das ganze Spektrum von "Probleme[n] [...] im Genitalbereich sind bei Kindern" "behandelt".  Unter "Kinderurologie" z.B.:

Korrektur angeborener urologischer Fehlbildungen

    • Hypospadie (Harnröhrenfehlbildung)

Sowie unter "Allgemeine Kinder- und Säuglingschirurgie":

Elektivchirurgie

    • Hexadaktylie (überzählige Finger)
    • Hodenhochstand

Die Abteilung "Minimalinvasive Kinderchirurgie" schweigt sich zwar über konkret vorgenommene Eingriffe nach wie vor vornehm aus, jedoch dürften auch dort medizinisch nicht notwendige "prophylaktische Kastrationen" vorgenommen werden.

Bis mindestens Ende 2012 hieß es unter Hypospadie zudem lapidar: "Diese angeborene Fehlbildung heißt Hypospadie und kommt bei einem von 300 neugeborenen Jungen vor. Das ist sehr häufig. Für die chirurgische Behandlung der Hypospadie benötigte man eine Lupenbrille, viel Erfahrung und eine sehr ruhige Hand." (Wenig überraschend kein Wort von den chronisch hohen Komplikationsraten – und auch sonst ganz schön geschäftstüchtig: Etwa das aktuelle Medizynerhandbuch von 2008, "Kinderchirurgie. Basiswissen und Praxis", beziffert für "Hypospadie" ein Vorkommen von 4,8–8:1000.)

Auf Asklepios-"Urologisches Zentrum Hamburg" wurde zudem bis mindestens Ende 2012 zusätzlich auf das Angebot der "Sektion Kinderchirurgie/Kinderurologie" für "Behandlungen" bei "Hodenhochstand" und "angeborenen neurologischen und sonstigen komplexen Fehlbildungen" hingewiesen.

Asklepios-Statistik laut Senatsanwort auf die Kleine Anfrage 20/6850 "Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen": "Von April 2011 bis 13. Februar 2013 erfolgten 30 Operationen bei Hypospadie. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei drei Jahren (derzeitiger Standard hier 12 bis 24 Monate)."

4. Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Hier verspricht die "Kinderchirurgie" (Chefarzt: Dr. med. Olaf Krüger ) unter "Leistungsspektrum" typisch kryptisch:

"In der Kinderchirurgie werden kleine, mittlere und ausgewählte größere Operationen durchgeführt: z.B. bei [...]

• Hodenhochstand [...]
• Penisfehlbildungen [...]"

Unter "Wichtige Krankheitsbilder auf einen Blick: Erkrankungen des Kinder- und Jugendalters" wird weiter angeführt: "Häufige, im Kindesalter auftretende Erkrankungen, die eine operative Therapie erfordern, sind [...] kindlicher Hodenhochstand und frühkindliche Fehlbildungen." 

Fazit: Offensichtlich werden auch In der Helios Mariahilf Klinik Hamburg menschenrechtswidrige kosmetische "Hypospadiekorrekturen", "Prophylaktische Kastrationen" und wohl auch "Genitalkorrekturen" bzw. "Klitorisverkleinerungen" angeboten und durchgeführt ...

Helios-Mariahilf-Statistik laut Senatsanwort auf die Kleine Anfrage 20/6850 "Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen": "In 2012 wurden folgende Eingriffe durchgeführt: je eine Orchidektomie (operative Entfernung von Hoden), Ovariektomie (operative Entfernung von Eierstöcken) und Hypospadie-Korrektur."

5. Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift Hamburg

Auch hier will die "Kinderchirurgie" (Leitung: Dr. Rüdiger Werbeck, Dr. Uwe Hübner) ausgelastet sein. Unter "Ambulante Operationen" u.a im Angebot: "Hodenhochstand".

Sowie (unvermeidlich) unter "Kinderurologie":

"Für die Behandlung von Hypospadien (Fehlmündung der männlichen Harnröhre) steht ein breites Spektrum von operativen Methoden zur Verfügung."

Ebenda erfolgt auch die einzige Erwähnung von "Intersex" unter allen hier aufgeführten Kliniken - bezeichnenderweise quasi als Positivmeldung: 

"Extrem seltene Fehlbildungen wie die Blasenekstrophie, Kloakenfehlbildung oder das intersexuelle Genitale werden nach entsprechenden Voruntersuchungen an verschiedene spezialisierte Zentren deutschlandweit weitergeleitet."

Letztlich wohl nicht allzuweit – z.B. an eine der obigen Verstümmlerkliniken, oder etwa an die "DSD-Zentrale des Bösen" in Lübeck ...

Wilhelmsstift-Statistik laut Senatsanwort auf die Kleine Anfrage 20/6850 "Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen": "Es werden jährlich zwischen 30 und 50 Hypospadie-Operationen durchgeführt."

Genitalverstümmelungen: Hamburger PolitikerInnen als MittäterInnen ...

Hamburg war bekanntlich das erste Bundesland, in dem es auf Länderebene politische Vorstösse zum Thema kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken gab (z.B. diese 3, diesen oder diesen, sowie die eingangs zitierte Bürgerschafts-Anhörung).

Leider wollten es aber (wie schon eingangs erwähnt bei der Anhörung) – aus welchen Gründen auch immer – letztlich weder die Bürgerschaft noch der Senat nur schon genauer wissen, geschweige denn konkret etwas gegen die Genitalverstümmelungen in ihrem Zuständigkeitsbereich unternehmen.

Zwar gab es im Anschluss an die Anhörung insgesamt 3 politische Vorstösse. Jedoch ging KEIN EINZIGER DAVON konkret auf die fortdauernden Genitalverstümmelungen ein, sondern alle verloren sich ausnahmslos in Nebenschauplätzen bzw. beschränkten sich von vornherein auf politische Vereinnahmung von genitalverstümmelten Kindern im Namen von LGBT. In einem 4. Vorstoss spielte sich gar der damals politisch Hauptverantwortliche für die Verstümmelungen, Ole von Beust, zusammen mit Mittäter-Kollege Wowereit gegen aussen als "Zwitterschützer" auf.

Währenddessen laufen die täglichen Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken ungehindert weiter – auch in Hamburg ...

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Flugblatt zur Fachtagung vom 09.07.2014    >>> Pressemitteilung vom 08.07.2014 

>>> IGM: "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein, 2009)
>>> Offener Brief an Universitätsklinikum (UKE) + Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK)
>>> Hamburger Senat: "Intersex-Genitalverstümmelungen nicht rechtswidrig"
>>> Hamburg: "Früher war es vielleicht schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert"

>>> Hamburg: "Hypospadie = Krankheit, Korrektur-OPs = medizinisch indiziert"
>>> Hamburg: Kosmetische Klitorisamputationen bis mindestens 1976

>>> Hamburg: "Orgasmusfähigkeit leidet durch Klitorisamputation nicht"

>>>
Hamburg: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011", 30.3.-2.4.11
>>> Hamburg: Proteste gegen Genitalabschneider-Kongress "DGKJ 2012", 13.-16.9.12

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report to the UN Committee on the Rights of the Child (CRC)
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>>
Table of Contents 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGMs): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGMs – eine Genealogie der TäterInnen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?