Manchem zwangsoperierten, traumatisierten und belogenen Zwitter sind wohl schon handfeste und eher drastische Möglichkeiten durch den Kopf gegangen, wie sich die Zwangsoperateure am schnellsten und ganz konkret vom Zwangsoperieren abhalten liessen. Reden tun die wenigsten darüber. Zu tief steckt das Trauma in den Knochen, sogar wenn die Identifikation mit dem Agressor längst überwunden ist. Zu viele nehmen sich das Leben.

2 gewaltfreie Möglichkeiten, die Täter politisch erfolgreich zu stoppen:

1) Die politische Forderung eines ausdrücklichen gesetzlichen Verbots von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern, und zwar als Offizialdelikt, zumindest solange, bis diese menschenrechtswidrige Praxis endgültig gebrochen ist und die Täter sich zu Entschädigung und Wiedergutmachung verpflichtet haben. Nur schon die öffentliche und politische Diskussion um die Forderung nach einem solchen Verbot wird aufklärend wirken und die Täter stark verunsichern.

Massive Genitalverstümmelungen sind in unserer Gesellschaft nicht mehrheitsfähig, auch an Zwittern nicht. Als eigenständiges Menschenrechtsanliegen und unter Berufung auf das verfassungsmässig garantierte Recht auf körperliche Unversehrtheit hätte ein erweitertes Verbot von medizinisch nicht indizierten Zwangseingiffen an Zwittern reale Chancen:

Ein Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern liesse sich mit bestehenden, unbestrittenen und mehrheitsfähigen Grundrechten gegenüber einem breiten politschen Spektrum stichhaltig begründen und durchsetzen.

Die Forderung nach einem Verbot der genitalen Zwangsoperationen trifft unmittelbar den Kern der Sache. Zwitter würden künftig nicht mehr verstümmelt und könnten unversehrt aufwachsen. Dadurch beginnen sie wieder real in unserer Gesellschaft sichtbar zu werden, wodurch auch alle anderen Forderungen nach unteilbaren Grund- und Menschenrechten auch für Zwitter zwangsläufig in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses rücken.

2) Gerichtliches einklagen der bestehenden verletzten Menschen- und Verfassungsrechte, namentlich des Rechts auf körperliche Unversehrtheit. Wenn die Verfassung und die Menschenrechte wirklich das wären, was sie versprechen, dürfte es die jahrzehntelange Praxis der genitalen Zwangsoperationen an Zwitter nie gegeben haben.

Auch wenn es ab und zu positive Überraschungen gibt, geht es jedoch den meisten Gerichten (im Gegensatz zur Öffentlichkeit) letztlich primär um die Staatsraison, weshalb protegierte Medizyner dort prinzipiell die besseren Karten haben als irgendwelche geschädigte Habenichtse. Doch sogar wenn die Zwangsoperateure ungehörigerweise vor Gericht gewinnen, wird das dazu beitragen, dass sie letztlich verlieren werden:

Werden Klagen nämlich öffentlichkeitswirksam inszeniert, geraten die Zwangsoperateure auch bei Freisprüchen  vermehrt unter den Druck einer kritischen Öffentlichkeit, was sie ebenfalls stark verunsichern wird (und ausserdem auf die Politik und dadurch wieder auf die Gerichte rückkoppeln wird).

Gleichzeitig können öffentlichkeitswirksame Klagen der politischen Forderung nach einem konkreten gesetzlichen Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern zusätzlichen Auftrieb verleihen.

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009
(Bild: Peter Schneider / Keystone / Berner Zeitung)

Meine 2 Cent:

Natürlich gibt es theoretisch noch andere Möglichkeiten, die auch seit längerem immer wieder mal probiert werden, wenn auch bisher stets ohne nennenswerten Erfolg:

a) Zu versuchen, die Zwangsoperateure & Co hinter verschlossenen Türen höflich zu bitten, mit dem Zwangsoperieren doch künftig etwas zurückhaltender zu sein, oder vielleicht bis dahin zumindest etwas "humaner" zu zwangsoperieren, oder vielleicht zumindest etwas fachgerechter, oder vielleicht wenigstens die eigene Syndromgruppe prioritär etwas zu verschonen, falls es grad keine zu grosse Einkommensbusse bedeutet. Traumatisierte Zwitter scheinen bis zu einem gewissen Grad prädestiniert zu sein für diese Variante. Auch Elterngruppen lavieren bevorzugt auf diese Tour (sofern es ihnen nicht eh bloss darum geht, ihre Kinder möglichst von einem "hochkarätigen Experten" persönlich zwangsoperiert zu bekommen). Zwitter, dies stattdessen entschlossenes Vorgehen gegen die Zwangsoperateure fordern, werden von den anderen oft gemobbt und versucht mundtot zu machen.

b) Zu versuchen, die Zwitter bei den "starken" LGBTs einzugemeinden, damit diese im Namen der Zwitter versuchen, z.B. die Abschaffung des amtlichen Geschlechtseintrags durchzusetzen, oder Schaffung neuer Grundrechte (wie z.B. aktuell "sexuelle Identität"), oder die Zwitter in der nächste Fassung des Transsexuellengesetzes mit einzugliedern. Und wenn es erst einmal keine Geschlechter mehr gibt usw., hätten es ja auch die Zwitter besser, so die Theorie. Auch traumatisierte Zwitter erwärmen sich mitunter für solche Mogelpackungen, meist wenn sie persönlich in einem soziokulturellen LGBT-Umfeld leben und sich dieses verpflichten wollen, oder weil sie nicht selber hinstehen wollen oder sich gar nicht vorstellen können, dass eigenständige Zwitterforderungen überhaupt möglich sein könnten. Viele Zwitter und solidarische Nicht-Zwitter kritisieren andrerseits die ungefragte Eingemeindung als "Vereinnahmung" und "Kolonialisierung", sowie die daraus resultierende erneute Unsichtbarmachung der Zwitter im Allgemeinen wie auch die Ausblendung der andauernden Genitalverstümmelungen im Besonderen.

Leider haben – im Gegensatz zur politischen Forderung eines gesetzlichen Verbots der Genitalverstümmelungen – diese "theoretischen Möglichkeiten" 2 entscheidende Probleme gemeinsam:

Einerseits, dass sie in der politischen Praxis keine realen Chancen haben – zumindest nicht in absehbarer Zukunft.

Sowie, dass, sogar wenn sie einmal durchsetzbar wären, die Täter trotzdem ungehindert weiter Zwitterkinder zwangsoperieren werden, weil sie nach wie vor niemand verbindlich und aktiv vom Verstümmeln abhält, Abschaffung des Geschlechtseintrags und "humanere" Zwangsoperationstechniken hin oder her.

Wer Texte von Michel Reiter aus AGGPG-Zeiten liest oder solche von seinerzeitigen solidarischen Nicht-Zwittern wie Georg Klauda, erhält unwillkürlich den Eindruck, dass "die Zwitterbewegung" schon mal weiter war.

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Zwar melden sich in letzter Zeit vermehrt Zwitter und solidarische Nicht-Zwitter zu Wort, die der Ablenkungsmanöver müde sind, während gleichzeitig täglich weitere Zwitterkinder genitalverstümmelt werden – allein in Deutschland etwa EINES JEDEN TAG, und in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES!

Wird 2010 das Jahr, in dem zum ersten Mal ein gesetzliches Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern auch in Deutschland öffentlich eingefordert wird?

Siehe auch:
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Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?