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Intersex Awareness Day 2019: Protest gegen Intersex-Genitalverstümmelungen in den Genfer Universitätskliniken (HUG)

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Bild: Friedliche Mahnwache von Zwischengeschlecht.org vor der UNO, Genf 26.01.2019. 

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IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on Facebook

Am 26. Oktober feiern Intersex-Menschen, Überlebende, Partner, Familien, Freunde und Verbündete rund um den Globus den "Intersex Awareness Day (IAD)" zur Erinnerung an den allerersten INTERSEX PROTEST am 26.10.1996 in Boston gegen den Jahreskongress der American Academy of Pediatrics (AAP), und zur Unterstützung des mittlerweile über 25-jährigen Kampfes zur Beendigung von INTERSEX-GENITALVERSTÜMMELUNGEN (IGM). Zwischengeschlecht.org führt seit 2009 regelmässig Aktionen zum Intersex Awareness Day durch – am 26.10.2009 wurde im Kantonsrat Zürich der 1. Intersex-Vorstoss der Schweiz eingereicht.

Anlässlich des diesjährigen Intersex Awareness Day organisiert die seit 2008 in Genf tätige Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org am 26. Oktober zwei friedliche Mahnwachen, um gegen die fortdauernden IGM-Praktiken an den Universitätsspitälern Genf (HUG) zu protestieren.

  • von 11:00 bis 14:00 Uhr vor den HUG, die trotz der Verurteilung durch die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) und die UNO-Komitees CRC, CEDAW, CAT, CCPR, CRPD sowie der Motionen 2491 und 2541 des Grossen Rates des Kantons Genf weiterhin Intersex-Genitalverstümmelungen praktizieren.

  • von 15:00 bis 16:00 Uhr auf dem Place des Nations (vor der UNO), um bald 50 UNO-Verurteilungen wegen IGM zu feiern.

In der Öffentlichkeit behaupten die Genfer Universtitätskliniken HUG, IGM-Praktiken schon seit 2012 "zumindest in der frühen Kindheit" vollständig abgeschafft zu haben,[1] weigern sie sich aber, Daten über relevante Eingriffe offen zu legen.[2] Gleichzeitig werben die HUG auf ihrer Website unverändert für IGM-Praktiken: "Das ideale Alter für die Durchführung der Operation liegt zwischen 1 und 2 Jahren",[3] ebenso auch in einer aktuellen Dissertation der Universität Genf von einem Kinderchirurgen der HUG, illustriert durch chirurgische Fotos von blutigen, verstümmelten Kindergenitalien[4].

Bis heute werden Kinder mit Varianten der Geschlechtsentwicklung nicht nur an den HUG unverändert Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) unterworfen, darunter "maskulinisierende" oder "feminisierende" Genitaloperationen, sterilisierende Eingriffe und andere nicht-eingewilligte, unnötige und irreversible Prozeduren, die in der Regel vor dem 2. Lebensjahr durchgeführt und in der Schweiz von der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) bezahlt werden. Obwohl die Betroffenen seit Jahrzehnten dagegen protestieren und die schweren körperlichen und geistigen Schmerzen und Leiden beklagen, die durch IGM-Praktiken verursacht werden, welche nach wie vor ohne Nachweis eines Nutzens für die betroffenen Kinder durchgeführt werden.

Diese Verstümmelungen werden auch in den HUG ungestraft weiterpraktiziert, trotz der beiden jüngsten Motionen 2491 und 2541[5] im Grossen Rat des Kantons Genf, die ein Verbot der Praxis fordern, welche die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) bereits 2012 verurteilte. Auch die UNO hat die Schweiz bereits viermal wegen Intersex-Genitalverstümmelung unmissverständlich verurteilt als schädliche kulturelle Praxis (wie FGM), als unmenschliche Behandlung die unter das absolute Folterverbot fällt, und als nicht-eingewilligte medizinische oder wissenschaftliche Experimente: der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) und der Ausschuss gegen Folter (CAT) im Jahr 2015, der Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) im Jahr 2016 und der Menschenrechtsausschuss (CCPR) im Jahr 2017.[6] Aktuell untersucht auch der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) IGM-Praktiken in der Schweiz, hoffentlich gefolgt von einer weiteren Rüge im 2020.

Zwischengeschlecht.org: Wer sind wir?

Zwischengeschlecht.org, gegründet 2007, ist eine internationale Intersex-Menschenrechts-NGO mit Sitz in der Schweiz, die von Intersex-Menschen, ihren Partnern, Familien und Freunden geleitet wird.[7] Laut ihrer Satzung arbeitet Zwischengeschlecht.org daran, öffentlich aufzuklären, Menschenrechtsverletzungen gegen Intersex-Menschen zu beenden und diejenigen zu unterstützen, die für Rechtszugang und Gerechtigkeit kämpfen.

Zwischengeschlecht.org berichtet regelmässig an relevante UNO-Komitees über Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen in verschiedenen Ländern, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Intersex-MenschenrechtsverteidigerInnen und NGOs,[9] und leistete dadurch einen entscheidenden Beitrag zu den derzeit 46 "Abschliessenden Bemerkungen" durch UNO-Vertragsorgane, die IGM als schwere Verletzung unabdingbarer Menschenrechte verurteilen[10].

In der Schweiz initiierte oder unterstützte Zwischengeschlecht.org politische Initiativen in den Kantonen Zürich, Bern, Basel, Luzern und Genf sowie im Nationalrat und Ständerat, was u.a. zur Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE) und zu einem Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) über die historische Behandlung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung führte[11].

In Genf ist Zwischengeschlecht.org seit 2008 aktiv.[12][13][14][15][16]

[1]  Commission des Droits de l'Homme (droits de la personne) du Grand Conseil de Genève (2018), V. Audition du Dr Jacques Birraux, chirurgien pédiatrique, le 29 novembre 2018, p. 35, http://ge.ch/grandconseil/data/texte/M02491A.pdf

[2]  « Même si cela semble absurde, nous n'avons pas de chiffres, souligne le Docteur Jacques Birraux. Nous aurons besoin d'une décennie pour avoir des chiffres suisses. », 20minutes (18.04.2019), https://www.20min.ch/ro/news/geneve/story/Un--gigantesque-pas-en-avant--pour-les-intersexes-26455395

[3]  Pour des références et plus d'exemples, voir Soumission StopIGM.org au Grand Conseil (26.9.2018), p. 8-9, http://stop.genitalmutilation.org/public/StopIGM-Geneve-M2491-mutilations-personnes-intersexes.pdf

[4]  Jacques Maurice Birraux, Thèse (2018) : « Management of disorders of sexual development: state of the art - a surgeon's perspective of western Switzerland », p. 37, 33-35 dans la thèse, p. 40, 30-32 en PDF, https://archive-ouverte.unige.ch/unige:103975

[5]  Motion 2491 « pour en finir avec les mutilations des personnes intersexes », http://ge.ch/grandconseil/search?search=2491
Motion 2541 « Plus jamais de mutilations pratiquées sur des personnes intersexes », http://ge.ch/grandconseil/search?search=2541

[6]  CRC/C/CHE/CO/2-4, paras 42–43; CAT/C/CHE/CO/7, para 20; CEDAW/C/CHE/CO/4-5, paras 24-25; CCPR/C/CHE/CO/4, paras 24-25

[7]  Pages françaises: http://zwischengeschlecht.org/post/Pages-Francaises
English pages: http://stop.genitalmutilation.org/
Seiten auf Deutsch: http://Zwischengeschlecht.org/

[8]  http://Zwischengeschlecht.org/post/Statuten

[9]  http://intersex.shadowreport.org

[10]  http://stop.genitalmutilation.org/post/IAD-2016-Soon-20-UN-Reprimands-for-Intersex-Genital-Mutilations

[11]  http://www.snf.ch/fr/pointrecherche/newsroom/Pages/news-161010-communique-de-presse-le-traitement-des-personnes-intersexuees-revisite.aspx

[12]  Le Matin Dimanche (17.05.2008), Geneviève Comby, « Les médecins ont décidé que je serai une fille », http://asso.orfeo.free.fr/17052008-suisse/

[13]  Tribune de Genève (30.01.2009), Hermaphrodisme, faut-il se soumettre au bistouri?, https://www.amge.ch/2009/01/30/hermaphrodisme-faut-il-se-soumettre-au-bistouri/

[14]  rts.ch, Le Journal (11.10.2009), Le droit de choisir, https://www.rts.ch/play/tv/19h30/video/en-suisse-un-enfant-sur-deux-mille-nat-intersexuel-un-cas-rare-que-defendent-certaines-associations?id=1470680

[15]  Tribune de Genève (02.08.2015), Caroline Zuercher, « Les docteurs ne pouvaient pas dire si j'étais un garçon ou une fille », https://www.tdg.ch/suisse/docteurs-pouvaient-j-garcon-fille/story/16092478

[16]  http://zwischengeschlecht.org/post/Pages-Francaises  

Wir wünschen allen einen kämpferischen Intersex Awareness Day 2019!

Hermaphrodites With Attitude, Boston 26.10.1996

•  Intersex Awareness Day 2009
•  Intersex Awareness Day 2010
•  Intersex Awareness Day 2011
•  Intersex Awareness Day 2012
•  Intersex Awareness Day 2013
•  Intersex Awareness Day 2014
•  Intersex Awareness Day 2015
•  Intersex Awareness Day 2016
•  Intersex Awareness Day 2017
•  Intersex Awareness Day 2018 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 36 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

 >>> Download Folien (PDF, 700 KB) 

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)