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Saturday, October 22 2016

CH > Kanton Zürich arbeitet Zwangsmassnahmen auf – "institutionelle Unabhängigkeit und Quellenzugang zentral"

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!

In Bezug auf die angekündigte Intersex-"Aufarbeitung" des Kinderspitals Zürich ist die in der Schweiz seit längerem laufende Debatte und mittlerweile angelaufene Aufarbeitung und Entschädigung von Betroffenen von sog. "administrativen" oder "fürsorgerischen Zwangsmassnahmen" inkl. "Fremdplatzierungen" von Kindern als billige Arbeitskräfte (sog. "Verdingkinder") höchst interessant (dieser Blog berichtete | 2 | 3).

Kürzlich bewilligte nun auch der Kanton Zürich eine historische Aufarbeitung, dotiert mit 500'000 Franken – zufälligerweise genau der gleiche Betrag, den auch der Schweizerische Nationalfonds (SNF) für das Kispi-Projekt sprach. In einem >>> Bericht zur Zwangsmassnahmen-Aufarbeitung des Kantons in der NZZ kommt der Historiker Jakob Tanner zu Wort, seinerzeit Mitglied der auch als "Bergier-Kommission" bekannten "Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK)" – mit Aussagen, welche gleichzeitig ein grelles Schlaglicht werfen auf die hauptsächlich von Kispi-ArztInnen selbst geleitete Intersex-"Aufarbeitung", bei der zu Beginn gleich mal 90% der Krankenakten zu IGM 1 "vermännlichende Genitalkorrekturen" vorsorglich vernichtet wurden:

"«Wenn Behörden ein solches Projekt ins Rollen bringen, ist es zentral, dass die institutionelle Unabhängigkeit des Teams gewährleistet wird», sagt er. [...] Weiter sei es für die Forschungsfreiheit wichtig, dass die Quellen für die weitere Forschung zugänglich gemacht werden: «Weil dies bei der UEK zum Teil nicht der Fall war, haben wir vieles ausführlich dokumentiert und am Ende 11 000 Seiten publiziert.»"

Meine 2 Cent: Offensichtlich wird am Kispi sobald es um Intersex-Kinder geht nicht nur in Sachen Recht auf körperliche Unversehrtheit mit zwei Ellen gemessen, sondern auch betreffend "Aufarbeitung".

>>> Kispi: Intersex-"Aufarbeitung" ohne Betroffene und durch Aktenvernichtung?
>>>
“Meist eine Operation” – Kinderspital gibt Intersex-Genitalverstümmelungen zu!
>>> PODCAST + TRANSKRIPT: Interviews auf SRF "Heute Morgen", 12.10.2016

>>> Mai 2015: Intersex-Klitorisamputationen: Kispi Zürich beginnt Aufarbeitung
>>> Pressemitteilung 01.06.2015: Intersex-Aufarbeitung – Kispi-Ball-Protest ausgesetzt 
>>>
16.06.2015: Medienbericht zur Aufarbeitung von IGM-Praktiken im Kispi Zürich

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert (1)
- Opfer von CH-Zwangsmassnahmen: Entschuldigung, aber keine Entschädigung (2)
- "WIr lassen uns nicht über den runden Tisch ziehen" (3)
- Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen 
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

 >>> Download Folien (PDF, 700 KB) 

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Wednesday, April 29 2015

"Niemand von uns ist frei, bis wir alle frei sind"

"None of us is free until all of us are free" (Plaki Bildmitte) Baltimore, 28.04.2015 >>> Quelle

Siehe auch:
- "Was wollt ihr?" - "Gerechtigkeit!" - "Wann wollt ihr sie?" - "Jetzt!"
- Von der Frauenbewegung lernen (1): "Vom Nutzen unseres Ärgers"  
- Menschenrechtsverbrechen: Wer schweigt, macht sich mitschuldig  
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"  

Sunday, December 29 2013

"Entstellte" Sarah: «Meine Muttermale haben mich zu dem sensiblen, empathischen, sozialen, aber auch starken Menschen gemacht, der ich heute bin.»

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

[ Bild: "Sarah wurde wegen ihrer Muttermale selten gehänselt: Keck blickt sie in die Kamera des Schulfotografen." ]

>>> Hochinteressanter Artikel über eine Frau mit Muttermalen, die froh ist, dass ihre Eltern sie selbst entscheiden liessen, ein >>> Interview mit einem Kinderchirurgen, der Muttermale am liebsten an Kleinkindern "korrigiert", sowie >>> ebendort in der Box ein Audiobeitrag mit der Familie eines 2.-Klässlers, dessen Familie ihn sein Muttermal ebenfalls behalten liess, alle von Noemi Landolt auf Tamedia/Newsnet. Dieser Blog sagt der portraitierten Sarah und allen anderen Beteiligen Danke für ihren Mut und wünscht weiterhin viel Kraft!

Auf den ersten Blick ist deren Situation eine ganz andere:

Menschen mit Muttermalen, vor allem im Gesicht, fallen im Unterschied zu Intersexen in der Öffentlichkeit unvermeidlich blitzschnell auf – sehen sich aber im Alltag in der Regel nicht speziell mit all den üblichen Komplexen, Fantasien, Schambeladenheiten usw. im Zusammenhang mit Genitalien und "Geschlächt" konfrontiert.

Bei allen Unterschieden sind die Gemeinsamkeiten frappierend:

  • die Schuldgefühle der Mütter
  • pädo-chirurgische "Korrekturen" am gesunden Kind
  • fehlende Evidenz
  • "vor allem aus kosmetischen Gründen"
  • das angeblich "sehr hohe" Krebsrisiko
  • die terminal operationsgeilen Kinderchirurgen ("[...] in der Regel mehrere Eingriffe nötig [...] Die Haut ist im Kleinkindalter noch elastischer [...]"), für welche neumodisches Beigemüse wie Psychologen und andere nicht-operierende KollegInnen sowie "zahlreiche Gespräche" mit den Eltern primär dazu dienen, die Durchsetzung von Zwangsoperationen am gesunden Kind ("[Die Eltern] müssen es wirklich wollen") gegen aussen und innen abzusichern: 

    "Wir Chirurgen sind Macher und sind überzeugt, dass wir gut sind. Vor allem bei komplizierteren Fällen, bei denen wir gerne operieren würden, ist es nicht einfach, sich zurückzuhalten. Da müssen uns die Psychologen und Dermatologen, die nicht operieren, manchmal etwas bremsen. Aber wenn sich die Eltern nach zahlreichen Gesprächen mit uns allen für eine Operation entscheiden, haben am Ende auch wir ein besseres Gefühl."

  • die übertrieben Fantasien der Medzyner über einen "sozialen Super-GAU" ohne frühe "Korrektur"
  • die praktischen Gegenbeispiele unversehrt aufwachsender Kinder
  • die überragende Wichtigkeit des Kontakts zu anderen Betroffenen (statt zu OP-geilen MedizynerInnen) und des Zugangs zu Selbsthilfegruppen

Meine 2 Cent: Wie u.a. die medizynische "Behandlung" vom Menschen mit mehr als 10 Fingern zeigt auch der medizynische Umgang mit Menschen mit Muttermalen, dass Intersex-Genitalverstümmelungen als gesamtmedizynisches Menschenrechts-Problem (und der Pädiatrie im Speziellen) begriffen und analysiert werden muss (und NICHT durch die "Geschlechter-Konstruktions-Brille"), um die strukturellen Gegebenheiten und traditionellen Ausreden der TäterInnen auch als solche zu entlarven, und ebenso die historische Entwicklung der Intersex-Verstümmelungen inkl. die Verbindungen zur NS-Medizyn, um letztlich (nicht nur) den Intersex-GenitalabschneiderInnen hier und heute wirksam Paroli bieten zu können.

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Sunday, November 24 2013

«Wer beschäftigt sich schon gern mit seiner Schuld?» - Gründe für und Mittel gegen geringes Interesse an Aufarbeitung (nicht nur) in den USA

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Wieviel jahrzehntelange Anstrengungen es braucht, um in einer Gesellschaft eine öffentliche Aufarbeitung vergangenen Unrechts durchsetzen zu können (und erst recht eine faire Entschädigung der Opfer), davon können nicht nur als Kinder genitalverstümmelte Zwitter ein Lied singen.

Aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums der Kennedy-Ermordung gab's zu diesem Thema ein >>> interessantes Interview mit dem US-Politologen Ned Lebow über "schwarze Löcher" in der Geschichtsschreibung und erforderliches Durchhaltevermögen ebenso wie notwendigen Druck von aussen, um dem (Ver-)Schweigen der (Mit-)TäterInnen ein Ende setzen zu können. 

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Thursday, July 4 2013

Wie MedizynerInnen mit "menschlichen Versuchskaninchen" umgehen

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Ausgeliefert! Zwischengeschlecht.org on FacebookVor allem in der "medizinischen Forschung" sind Zwitter bei weiten nicht die einzigen, die von "karrierebewussten" MedizynerInnen menschenverachtend behandelt werden – die kosmetischen Genitaloperationen und weiteren experimentellen Zwangsbehandlungen an Intersexen werfen ein grelles Schlaglicht auf ein institutionelles Problem, das generell von traumatisierten Betroffenen oft lieber verdrängt als konkret angegangen wird.

Aktuell wurde in der Schweiz die >>> Geschichte eines misshandelten "menschlichen Versuchskaninchens" öffentlich, die nicht nur den menschenrechtswidrigen Umgang der Medizyn mit hilfebedürftigen Menschen beleuchtet, sondern auch die von Arroganz geprägte anschliessende Nicht-Aufarbeitung bzw. Vertuschung der ganzen Geschichte. Da hierbei die Mechanismen stets dieselben sind, ist diese Geschichte (auch) für betroffene Interexe lehrreich. Danke fürs Öffentlichmachen!

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Wednesday, May 8 2013

"Wir lassen uns nicht über den runden Tisch ziehen" - vom Mut und dem Gerechtigkeitssinn der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen lernen (3)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Begonnen hatte es mit einem kritischen Artikel im >>> SonntagsBlick v. 5.5., in welchem der Präsident der von netzwerk-verdingt.ch kein Blatt vor den Mund nahm – unter expliziten Verweis auf den Beschiss beim "Runden Tisch Heimerziehung" in Deutschland (vgl. ebenso >>> tages-anzeiger.ch):

«Wir setzen uns nicht an den runden Tisch», sagt Vereinspräsident [Walter] Zwahlen. Die Gruppe sei zu gross. Er nennt sie ein «untaugliches, parteipolitisch inspiriertes Konstrukt». Es brauche «eine Expertenrunde statt reaktionäre, ewiggestrige Kräfte, Bremser und Profiteure.»

Zwahlen befürchtet ein ähnliches Szenario wie beim runden Tisch für Heimkinder in Deutschland: «Dort wurden die Betroffenen über den Tisch gezogen und mit kläglichen 190 Millionen Euro abgespeist.» Stoisch weigerten sich Bund wie Bauern, die Leistung der Verdingkinder aufzurechnen. «Ist diese Zahl einmal ausgesprochen, lassen sich Reparationszahlungen kaum vermeiden», so Zwahlen.

Der wirtschaftliche Wert der Kinderarbeit ist bekannt. Ein Ökonom der UBS kalkulierte ihn im Herbst 2011 für SonntagsBlick. Demnach hatte die Schweizer Landwirtschaft kostenlose Leistungen von mindestens 20 Milliarden Franken erhalten. Umrechnet auf den heutigen Geldwert entspricht das einem Betrag von 120'000 Franken pro Person.

Bei 10'000 noch lebenden Verdingkindern beträgt die Schuld 1,2 Milliarden Franken. Wobei nur Saläre, nicht aber erlittenes Unrecht berücksichtigt sind. «Total stehen uns vier Milliarden Franken zu», sagt [Hugo Zingg, ehemaliges Verdingkind].

Mitlerweile ist laut >>> Tages-Anzeiger v. 7.5. (Paywall) bereits der 2. designierte Betroffenenvertreter ausgestiegen:

Nach Zwahlen entschied gestern überraschend auch [Sergio Devecchi, ehemaliges Heimkind, half bei der Vorbereitung des Gedenkanlasses vom 11. April], nicht am runden Tisch teilzunehmen. Wie er in einem Mail an [Alt-Ständerat Hansruedi Stadler, Delegierter für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen] sowie alle Mitglieder der Vorbereitungsgruppe für den Gedenkanlass schreibt, stört er sich daran, dass Justizministerin Sommaruga «den entscheidenden Schritt» nicht tun wolle – «nämlich die Trägerschaft, das heisst die volle Verantwortung für den runden Tisch, zu übernehmen». Sie – und nicht der Delegierte des Bundesrats, also Stadler – müsse den runden Tisch «bundesrätlich und offiziell» einrichten und «ihm in Form eines Pflichtenheftes einen klaren Auftrag mit Zeithorizont» erteilen.

Mit "Experten", die am runden Tisch nicht vorgesehen seien, mag netzwerk-verdingt-Vereinspräsident Zwahlen etwa an den ausgewiesenen >>> Historiker Thomas Huonker gedacht haben, Verfasser mehrerer Bücher zu relevanten Theman, darunter das herausragende >>> "Diagnose: 'moralisch defekt'. Kastration, Sterilisation und Rassenhygiene im Dienst der Schweizer Sozialpolitik und Psychiatrie 1890-1970" (PDF, 294 MB).

In einem aktuellen >>> Interview auf tages-anzeiger.ch v. 7.5. diskutiert Huonker die Entschädigungsfrage, verweist dabei auf "übergeordnete rechtliche Grundsätze. Zum Beispiel, dass geschehenes Unrecht gesühnt werden muss" sowie auf das Versagen der Opferhilfe-Organisationen.

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert (1)
- Opfer von CH-Zwangsmassnahmen: Entschuldigung, aber keine Entschädigung (2)
- Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen 
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Thursday, May 2 2013

Vom Mut und der Hartnäckigkeit der Duogynon-Opfer lernen

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!

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"Duogynon", "Primodos" und "Cumorit" waren Handelnamen der Firma Schering (heute Bayer) für ein wirtschaftlich einträgliches Hormonbomben-Präparat, eine Kombination aus den Sexualhormonen Progesteron und Östradiol, welches u.a. als angeblich "harmloser" Schwangerschaftserkennungstest in Deutschland von 1950-1981 im Handel war, in Afrika, Kolumbien, Mexiko und den Philippinen sogar bis 1987.

Obwohl vermehrtes Auftreten von ernsthaften medizinischen Problemen bei Neugeborenen (u.a. Wasserkopf, fehlende oder verkrüppelte Glieder, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Herzfehler, offene Rücken, offener Bauch) wie auch "intersexuelles Genitale" nach Verabreichungen von Duogynon etc. den Konzern-Verantwortlichen erwiesenermassen schon in den 1960er Jahren bekannt waren, und bereits 1978 auch das Bundesgesundheitsministerium vor Risiken warnte (vgl. Frontal21-Bericht), mauert Bayer öffentlich bis heute, leugnet jegliche Verantwortung und demütigt stattdessen die Opfer – dank Verjährung gerne auch mit gerichtlicher Unterstützung.

Seit 1978 protestieren Betroffene in Grossbritannien und Deutschland, fordern Gerechtigkeit und Aufarbeitung und lassen sich auch durch wiederholte Rückschläge nicht unterkriegen. Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft und Erfolg!

>>> www.dougynonopfer.de 
>>> Westfälischen Rundschau: "Verjährt - aber nicht vergessen" (PDF) 
>>> Tagesspiegel: "Prozess gegen Bayer Wahrheit verjährt nicht" 
>>> Rede von Valerie Williams an der Bayer-Hauptversammlung 2013 (PDF)
>>> Video Frontal21: "Vertuschte Nebenwirkungen? Opfer klagen" 
>>> Video Tagesschau: "Duogynon führte zu schweren Behinderungen bei Kindern"  

>>> Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Saturday, April 13 2013

Schweiz: Entschuldigung für Opfer administrativer Zwangsmassnahmen (u.a. Verdingkinder, Zwangssterilisierte), aber keine Entschädigung (2)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!

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Unter dem Titel "administrative" oder "fürsorgerische Zwangsmassnahmen" wurde in der Schweiz z.T. bis in die 1980er Jahre eine Vielzahl gravierender Menschenrechtsverletzungen an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gerechtfertigt, darunter Kindeswegnahme, Einweisung in Heime und Gefängnisse, das Verdingkindwesen (weggenommene Kinder und Waisen wurden als billige Arbeitskräfte an Bauern versteigert), sowie eugenische Abtreibungen, Zwangsserilisierungen und Zwangskastrationen, aber auch Pharma-Experimente (dieser Blog berichtete).

Diese Woche hat sich nun eine Vertreterin der Bundesregierung offiziell bei den Betroffenen entschuldigt – das Thema "Entschädigung" wurde dabei allerdings höchstens indirekt angesprochen, wie Betroffene zu Recht kritisieren. Stattdessen soll nun – wohl nach deutschem "Vorbild" – ein "Runder Tisch" einberufen werden, um die lästigen Opfer mundtot zu machen und letztlich abzuwimmeln. Dazu gehört auch, dass eine generelle Entschädigung für Opfer vom mit dem "Runden Tisch" Beauftragten kategorisch abgelehnt wird, wie Betroffene ebenfalls zu Recht empört konstatieren. Sie fordern, die offizielle Entschuldigung dürfe "nur ein Anfang sein". Auch die Deutsche Apothekerzeitung berichtete über die offizielle Regierungs-Verlautbarung vom "dunklen Kapitel in der Geschichte unseres Landes" (jedoch ohne Erwähnung der Entschädigungsforderung der Betroffenen).

Nachtrag: Sehr guter Artikel von Fredi Lerch 

>>> netzwerk-verdingt.ch 
>>> www.kinderheime-schweiz.ch
>>> verdingkinderreden.ch 
 

Siehe auch:
- Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen 
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Monday, March 18 2013

Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

"Die ehemaligen Heimkinder haben es ja gut: Immerhin wurde das ihnen angetane Unrecht öffentlich anerkannt, und sogar Entschädigung haben sie bekommen!" Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer jüngst Berichte und Verlautbarungen in der Öffentlichkeit konsultierte, jedoch – wie auch die Bundesregierung – NICHT die Betroffenen selbst, bzw. nur alibimässig.

Nach demselben faulen Muster hat der Bundestag bekanntlich soeben auch die Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern abgespiesen, und wurden Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter im "Ethikrat-Diskurs Intersexualität" mundtot gemacht. Umso wichtiger, betreffend der Winkelzüge gegenüber den ehemaligen Heimkindern mal wieder genauer hinzuschauen – und auch zu würdigen, wie die Betroffenen trotzdem weiterhin öffentlich machen, was Sache ist.

Anfang Monat gab's im ZDF mit "Und alle haben geschwiegen" einen dramatisierten Spielfilm zum Thema, und damit zusammenhängend weitere Medienberichte. Zum ZDF-Film gibt's z.B. eine >>> erhellende Kritik von Heidi Dettinger (Verein ehemaliger Heimkinder, im Bild oben 4. von links). Und im Vorfeld einen >>> sehenswerten Beitrag von Frontal 21, in dem auch der Betroffene Dietmar Krone (im Bild oben ganz links) zu Wort kommt; zum Hauptbeitrag gibts auch ein >>> Transkript (PDF).

Unbedingt auch angucken: Das zusätzliche Video-Interview mit dem Betroffenenvertreter Manfred Kappeler "Es ist die Billiglösung" (3. Reiter über dem Frontal21-Hauptbeitrag oder >>> youtube), der Klartext redet: "[Fehlende] Einsicht in die eigene Schuld – da liegt das Versagen und damit, das will ich mal deutlich sagen, ist auch wieder neue Schuld entstanden." Beim Verein ehemaliger Heimkinder gibt's auch dazu ein >>> Transkript des Interviews.

Weiter verlinkt der Verein >>> zusätzliche Wortmeldungen Betroffener + Medienberichte und >>> dokumentiert den gesamten ZDF-Chat zum Film, der auf der ZDF-Hompage gleich wieder runtergenommen wurde ...

Wetten, dass Bundesregierung und Bundestag auch gegenüber den Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern nach genau derselben faulen Masche weiterkutschieren werden?!

(Mit Dank an NetzwerkB für den Hinweis.)

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Wednesday, March 13 2013

NetzwerkB: Demo zur Bundestagsberatung über sexualisierte Gewalt an Kindern, Do 14.3.13

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Soweit wie die Lobbyorganisationen der Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern ist die Zwitterbewegung leider noch lange nicht: Immerhin haben erstere in der politischen Diskussion längst durchgesetzt, dass es sich bei dem ihnen Angetanen um schwere Verbrechen handelt, die fraglos bestraft gehören, und dass Kinder keine Gegenstände sind, mit denen Eltern und andere Erwachsene nach Gutdünken verfahren dürfen.

Nach jahrelangem Herumlavieren um einen "Runden Tisch Kindesmissbrauch", bei dem die Betroffenen gekonnt weitgehendst aussen vor gelassen wurden – wie auch die die ehemaligen Heimkinder beim "Runden Tisch Heimerziehung" und die Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter im "Ethikrat-Diskurs Intersexualität" – berät nun der Bundestag morgen Donnerstag >>> gleich eine Reihe verschiedener Vorstösse, die erwachsenen Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Kindesalter künftig besser zu ihrem Recht verhelfen sollen – oder zumindest ein ganz, ganz kleines bisschen.

Denn leider steckt auch dort der Teufel im "Detail". >>> NetztwerkB kritisiert in einer Pressemitteilung die Vorstösse als "Verkennung der Situation der Opfer" und "Täterschutz". Und ruft >>> von 12-17h zu einer angemeldeten Demo auf.

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft!

Nachtrag: Kritik von NetzwerkB am verabschiedeten Gesetz: "Ein paar Tempotaschentücher" + Bericht von der Demo vor dem Bundestag.

Siehe auch:

- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- NetzwerkB: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Saturday, January 26 2013

Zürich: Aufarbeitung über Gewalt in Kinderheimen gefordert, Betroffene als Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie (1)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Laut einem >>> Artikel im Tages-Anzeiger vom 24.1.13 fordern die SP-Kantonsräte Susanna Rusca Speck, Rolf Steiner und Ursina Egli eine Aufarbeitung über "Missstände" in Kinderheimen, der Kantonsrat soll dazu eine Studie in Auftrag geben. Bereits letztes Jahr wurde im Kanton Luzern eine Studie über die Situation in Kinderheimen zwischen 1930 ud 1970 publiziert, die (einmal mehr) >>> "Gewaltexzesse und sexuellen Missbrauch" bestätigte. In Zürich hat sich der Kanton bis heute nie bei den Bteroffenen entschuldigt. Auf Gemeindeebene gab es zwar in Zürich und Winterthur individuelle "symbolische Wiedergutmachungen", doch das war's dann. Laut dem Artikel ist aktuell auch im Kanton Schwyz ist ein Vorstoss zur Aufarbeitung der Geschichte von Heim- und Verdingkindern hängig, und auf Bundesebene soll ein Ende letztes Jahr ernannter "Delegierter für Opfer fürsorgerischer Massnahmen" ebenfalls die Aufarbeitung vorantreiben.

Im Artikel kommt auch der Betroffene Armin Meier zu Wort, dessen einziges "Verbrechen" es war, als uneheliches Kind geboren zu sein:

«Viele Opfer sind inzwischen alt, schaffen es nicht mehr, über das Unrecht zu sprechen.» Er hofft, dass die Anfrage im Kantonsrat verhindert, dass in den Heimen Akten verschwinden. «Sie sind der einzige Beweis für das, was sich abgespielt hat.»

Der Historiker Thomas Huonker verweist auf mehrere «Fälle, in denen rücksichtslose Täter als grosse Erzieher gefeiert wurden», und konstatiert: «Alle haben sich gegenseitig gedeckt, die Jugendanwaltschaft, der Justizapparat, Ärzte, Pfarrer und Psychiater.»

Interessant weiter die >>> Kommentarseite mit mehreren Wortmeldungen Betroffener, z.B. diese (25.01.2013, 09:29): "Wir 4 Mischler-Buben waren alle in der selben Situation. Nur 2 von uns haben die Kraft sich damit auseinander zu setzen."

Heimkinder als Versuchskaninchen für Pharmaexperimente

Ende 2012 wurde zudem die Anschuldigungen des Betroffenen Peter Nowak bestätigt, dass er und viele andere im Kinderheim Fischingen eingesperrte in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen über Jahrzehnte als >>> Versuchskaninchen für Psychopharmaka missbraucht wurde. Ein >>> Nachfolgeartikel vom 18.1.13 weist anhand noch vorhandener Akten nach, dass Betroffene seit 1950 in Münsterlingen für Experimente herhalten mussten, wofür die Klinik von den betreffenden Pharmaunternehmen grosszügige Spenden erhielt.

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Tuesday, July 10 2012

Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen im 2. Monat - ONLINEPETITION

>>> Aktion HEUTE Fr 13.7. 14h vor dem Bundestag     >>> Onlinepetition

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Der Hungerstreik von Norbert Denef und aktuell 2 MitstreiterInnen von der Betroffenenlobby NetzwerkB geht in den 2. Monat. Auslöser dieser gewaltfreien Protestaktion ist, dass die SPD zwar am Bundesparteitag beschloss, sich für die Aufhebung der Verjährung bei sexualisierter Gewalt an Kindern einzusetzen, konkret im Bundestag dann aber den Schwanz einzog (dieser Blog berichtete, inkl. warum diese Aktion auch für Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter von Bedeutung ist).

Das auf NetzwerkB/presse laufend dokumentierte Medienecho von aktuell "Zeit" über "Spiegel" und "Publik-Forum" bis hin zu diversen Regionalblättern zeigt, dass diese Form des gewaltfreien Widerstandes (im Gegensatz zu zahlreichen vorherigen höflichen Bitten) Wirkung zeigt und deshalb nicht nur berechtigt, sondern auch nötig war und ist. Die redaktionellen Kommentare (und ebenso manche der LeserInnen) machen allerdings ebenso deutlich, dass (nicht nur) Deutschland in Sachen Theorie und Praxis der gewaltfreien Aktion eher zu den Entwicklungsländern gehört ...

Inzwischen ist für das Anliegen der Hungerstreikenden und ihrer UnterstützerInnen eine

>>> neue Onlinepetition gestartet worden - jede Unterschrift zählt!

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft und Erfolg!

Lesetipp zum Thema gewaltfreier Widerstand:
Walter Wink: "Angesichts des Feindes. Der dritte Weg Jesu in Südafrika und anderswo", Claudius Verlag München 1988
>>> Relevante Ausschnitte online     >>> Dito auf englisch (PDF) | Artikel englisch html

>>> 1. Bericht zum Hungerstreik

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
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Tuesday, June 26 2012

Landgericht Köln: Knabenbeschneidung ist "Körperverletzung" und verstösst gegen "Recht auf körperliche Unversehrtheit"

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"Die Grundrechte der Eltern aus Artikel 4 Abs. 1, 6 Abs. 2 GG werden ihrerseits durch das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung gemäß Artikel 2 Abs.1 und 2 Satz 1 GG begrenzt." (Urteil 151 Ns 169/11)

>>> Nachträge bis 4.7.12     >>> Das Urteil im Wortlaut    >>>  Urteil als PDF 

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!Laut einem >>> Artikel von gestern Abend in der Financial Times fällte das Landgericht Köln in 2. Instanz ein "wegweisendes Urteil": Das Gericht bewertete die Knabenbeschneidung als "schwere und irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit" und als "Körperverletzung", in welche Eltern für ihre Kinder nicht einwilligen dürfen. Zwar wurde der Arzt von Strafe verschont, weil er sich im "Verbotsirrtum" befunden habe, sprich nicht gewusst habe, dass Knabenbeschneidungen eigentlich verboten sind:

Über Jahrzehnte hatten Ärzte in Deutschland in einer juristischen Grauzone agiert, wenn sie Jungen aus rein religiösen Gründen beschnitten, ohne dass es eine medizinische Notwendigkeit gab. Bislang konnten sie sich jedoch darauf berufen, keine Kenntnis von der Strafbarkeit religiöser Beschneidungen gehabt zu haben. Selbst wenn ein Gericht den Einzelfall später als Körperverletzung anerkannte, musste der Arzt wegen des so genannten Verbotsirrtums freigesprochen werden. Mit dem Kölner Urteil fällt diese Möglichkeit nun weg.

In einem >>> heutigen Artikel in der Süddeutschen (mit interessanten weiteren Links) wird präzisiert:

Das Recht des Kindes auf Unversehrtheit überwiege in diesem Fall gegenüber dem Erziehungsrecht der Eltern und deren Grundrecht auf Religionsfreiheit.

Auf >>> Deutsch Türkische Nachrichten erschien heute nachmittag ein interessantes Interview mit dem Strafrechtler Holm Putzke, der (zusammen mit den Münchener Ärzten Maximilian Stehr und Hans-Georg Dietz) seit 4 Jahren öffentlich darlegt, Knabenbeschneidung sei juristisch nicht zulässig. Darin findet sich u.a. folgender bedeutsamer Wink:

Übrigens steht in Art. 24 Abs. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (kurz: „UN-Kinderrechtskonvention“), dass die Vertragsstaaten wirksame Maßnahmen treffen müssen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen. Nicht zuletzt deshalb sollte alles getan werden, um Kinder vor religiösen Beschneidungen zu bewahren.

Meine 2 Cent: Und das am selben Tag wie die bahnbrechende "Intersex"-Anhörung im Bundestag, und im selben Landgericht Köln, wo vor bald 5 Jahren der siegreiche "Zwitterprozess" von Christiane Völling und damit auch die aktuelle Zwitterbewegung ihren Anfang nahmen! Insbesondere auf den "Verbotsirrtum" werden sich früher oder später noch so manche GenitalverstümmlerInnen ebenfalls stürzen - wetten?! Nach der gestrigen Anhörung und diesem Urteil wird ihnen das allerdings je länger desto schwerer fallen ...

Nachträge (Stand 4.7.12):

Kommentar von Holm Putzke zum Urteil auf >>> Legal Tribune Online.

FAZ-Artikel mit sehr interessanten >>> Auszügen aus den Gerichtsurteilen inkl. Vorinstanz (Amtsgericht). und interessanten Kommentaren, z.B. dieser von Ulrich Hinderer (tiger_78) - 27.06.2012 16:17 Uhr:

Ich kenne zwei Männer, die offen über die Scham und Schmerzhaftigkeit des gegen ihren Willen vorgenommenen, religiös motivierten Eingriffes sprechen. Eine andauernde Desidentifikation mit ihrem "behandelten" Geschlechtsteil und ein starkes Ohnmachtsefühl, das wehrlose, von den vertrauten Eltern erzwungene Ausgeliefertsein an einen Fremden, wurde geschildert.

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass dieser Eingriff auch aus "medizinischer Notwendigkeit" im Alter von sechs Jahren weder Vergnügungssteuerpflichtig ist noch dazu dient, Selbstvertrauen oder Körpergefühl zu verbessern. Das Gegenteil war bei mir der Fall. Auch unter Nennung rationaler Gründe sind die Schmerzen dieses Eingriffs sehr erniedrigend.

Stellen Sie sich vor, jemand betäubt Sie, schnippelt absichtlich an Ihrem besten Stück rum und Ihr Penis fühlt sich für die nächsten Wochen bei jeder Bewegung an, als hätten Sie Ihren Reißverschluss massiv fehlbedient und beim Pinkeln als hätte man ihn angezündet.

Interessante Kommentare in der >>> Süddeutschen und >>> FAZ.

Sowie ebd. ein >>> Artikel zu Widerständen aus organiserter Religion + Politik, mit lesenswerten Kommentaren zu allen Aspekten, inkl. diesem: "Welch seltene Front: Juden, Katholiken, Protestanten, Muslime, FDP, Grüne -alle an einem Strang" und diesem: "Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Volker Beck, Schwulenrechtler und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, die Religionsfreiheit für wichtiger hält als die körperliche Unversehrtheit von Kindern." 

>>> Neues Deutschland mit folgendem Hinweis auf das BGB:

»Das Grundgesetz garantiert das Recht auf körperliche Unversehrtheit«, erläutert der Jurist Peter Stein, ein Familienrichter im Ruhestand, »wann dieses Recht eingeschränkt ist, ist ebenfalls genau festgelegt. Eine Einschränkung aus religiösen Gründen ist nicht vorgesehen. Nicht nur das: Vor einigen Jahren wurde im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Gewalt ist, wenn ihnen Schmerzen zugefügt werden. Dieses Verbot ist absolut; es gibt keine Einschränkungen« Seiner Ansicht nach tun Ärzte deshalb gut daran, alles sein zu lassen, wofür es keine medizinischen Gründe gibt: »Im Urteil dreht es sich natürlich zunächst nur um die Beschneidung. Doch seine Begründung ist auch auf alles andere anwendbar - auch auf das Stechen von Ohrlöchern und was Eltern sonst noch so einfällt.«

Weiterer >>> FAZ-Artikel mit verräterischem Pro-Beschneidungsargument (und prompter Replik in den Kommentaren):

Man könne diese jahrtausendealte Tradition nicht aufgeben. Juristisch möge das Kölner Urteil mit seiner Berufung auf das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit womöglich eine gewisse Fundiertheit besitzen, doch: „Das Leben besteht nicht nur aus Juristerei.“ Mit der Lebenswirklichkeit habe dieser Richterspruch wenig zu tun. Korn wies darauf hin, dass aller medizinischen Erkenntnis zufolge das Schmerzempfinden von Babys in den ersten drei Lebensmonaten kaum ausgeprägt sei. Die Kinder würden also unter dem Eingriff nicht leiden.

>>> Der Tagesspiegel sieht "verheerende praktische Auswirkungen, die ein generelles Beschneidungsverbot hätte" – nämlich: "Beschneidungs-Tourismus in Nachbarländer" (so ein Zwischentitel) bzw. aus religiösen Gründen beschneidungswillige Eltern "könnten in die Illegalität gedrängt werden oder müssten künftig die Mühsal eines Beschneidungs-Tourismus in ein Nachbarland auf sich nehmen". (Hm, wo hatten wir dieses "Argument" bloss schon mal? Ach, richtig, hier.)

>>> Auch der Chirurg Martin Büsing haut auf >>> wdr.de prompt in die altbekannte "Tourismus"-Kerbe. Auch er sollte vielleicht mal die Kommentare zum Artikel lesen ...

Der Kinderschutzbund BW befürwortet den Entscheid laut >>> dieser Agenturmeldung.

Dito Terre des Femmes laut >>> scharf-links.de und >>> taz.

Interessanter Exkurs in einem Pro-Beschneidungsinterview des Vize-Präsidenten der Berliner Zwitterverstümmler-Uni FU, dem Theologen und Philosphen Michael Bongardt in >>>  Cicero (auch hier: sehr elsenswerte Kommentare!):

"Es gibt derzeit eine in einem ähnlichen Bereich angesiedelte Diskussion um Kinder, deren Geschlecht nicht eindeutig zu bestimmen ist und die Frage, ob Eltern das Recht haben, das Geschlecht zu einem sehr frühen Zeitpunkt durch einen medizinischen Eingriff festzulegen zu lassen. Ein solcher Eingriff hat eine völlig andere Massivität als eine Beschneidung! Da sage ich sofort: Wenn nicht zwingend medizinische Gründe dafür sprechen, sollte er verboten werden. Denn das ist eine Festlegung, die das Kind in einer nicht mehr zu rechtfertigen Weise in seiner weiteren Entwicklung beeinflusst."

Hochinteressanter Post von Oliver Tolmein mit einem internationalen Überblick zum Thema auf seinem >>> FAZ-Blog Bioethik.

Bemerkenswerter Kommentar auf >>> nachrichten.ch, der auch "Intersex"-Verstümmelungen anspricht und mit dem Titel "Hände weg von kindlichen Sexualorganen!".

>>> Das Urteil im Wortlaut (PDF)  

>>> UPDATE: Bevölkerung für Verbot - Bundesregierung will legalisieren - Petition für Verbot

>>> Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen? 
>>>
»Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wird mit Füßen getreten« 
>>> Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (körperliche Unversehrtheit) 

Friday, June 15 2012

Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen geht in die 2. Woche

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Norbert Denef und aktuell 4 MitstreiterInnen der Betroffenenlobby NetzwerkB haben sich auf eine traditionelle Form des gewaltfreien Widerstands besonnen und befinden sich >>> seit 7 Tagen im Hungerstreik – aus Protest dagegen, dass die SPD zwar am Bundesparteitag beschloss, sich für die Aufhebung der Verjährung bei sexualisierter Gewalt an Kindern einzusetzen, konkret im Bundestag dann aber den Schwanz einzog.

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht viel Kraft und Erfolg! Mögen bei den verantwortlichen PolitikerInnen die Telefone heisslaufen, die Mailboxen überfluten und das öffentliche Interesse und der öffentliche Druck stetig weiter zunehmen, bis endlich die Gerechtigkeit siegt!

Und hoffentlich wird diese gewaltfreie Aktion mittelfristig das Potential der zahllosen Betroffenen, sich konkret (und notfalls auch ungefragt und unbotmässig) Gehör zu verschaffen, nachhaltig verstärken. Wie sich vor allem in den ersten Tagen in manchen Kommentaren auf netzwerkB.org zeigte, ist es für traumatisierte Überlebende nicht einfach, weil potentiell re-traumatisierend, konkret Widerstand zu leisten gegen die tägliche Weiterführung eines Unrechts, unter dessen Folgen sie immer noch selber täglich leiden. Weshalb manchen Überlebenden diese unverhoffte Aktion wohl einiges mehr an die Nieren ging als den eigentlich angesprochenen PolitikerInnen nicht nur innerhalb der SPD.

Auch für Überlebende von kosmetischen Genitaloperationen ist dieser aktuelle Kampf aus mehreren Gründen hochinteressant:

- Der Kampf um Aufhebung der Verjährung wird auch im Kampf um die Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken mäglicherweise matchntscheidend sein – wohl erst wenn die Genitalabschneider reale juristische Konsequenzen zu befürchten haben, werden sie endlich mit dem Verstümmeln aufhören.

- Wie bei den Überlebenden sexualisierter Gewalt kann auch bei den Überlebenden kosmetischer Genital"korrekturen" im Kindesalter die Verjährung einer Tat von den TäterInnen möglicherweise als juristischer Maulkorb für das Opfer missbraucht werden.

- Auch die Zwitterbewegung ist mit dem Faktum konfrontiert, dass Re-Traumatisierung viele daran hindert, öffentlich und entschlossen gegen die TäterInnen und für die Unversehrtheit der kommenden Generation einzustehen – weshalb sich der Teufelskreis erst recht weiterdreht.

>>> Forstetzung: Hungerstreik jetzt im 2. Monat!

>>> neue Onlinepetition

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Tuesday, June 5 2012

Offener Brief von NetzwerkB mit Fakten zu Traumatisierung - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

>>> Exzellenter Offener Brief von NetzwerkB an den "Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" Johannes-Wilhelm Rörig, der auch für den Kampf von als Kinder genital Zwangsoperierten um Gerechtkeit in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung ist.

Einerseits, weil das darin geschilderte Vorschieben des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) statt echten Schutzes und Entschädigung auch Zwittern blühen kann (wie auch die anderen Methoden, mit denen Opfer von sexualisierter Gewalt und ehemalige Heimkinder immer wieder von PolitikerInnen auseinanderdividiert und zum Schweigen gebracht werden). 

Zum andern, weil der Offene Brief hochinteressante Fakten und Quellen zu Hauf referiert (siehe auch Anhang), die auch für manche Überlebenden von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter nicht unbekannt sein werden.

Drittens, weil der Kampf um die Aufhebung der Verjährungsfristen auch im Kampf gegen die Genitalverstümmler in den Kinderkliniken von zentraler Bedeutung ist – auch sie werden erst aufhören, wenn sie ernsthafte, d.h. juristische und finanzielle Konsequenzen zu befürchten haben.

Die jahrelange, hartnäckige Arbeit von Norbert Denef und NetzwerkB bleibt inspirierend und Mal für Mal ein Aufsteller!

>>> Petition Aufhebung der Verjährungsfrist für "sexuellen Missbrauch" im Zivilrecht

>>> NetzwerkB Positionspapiere 

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Saturday, May 5 2012

Schnipp, schnapp! "In westlichen Ländern lassen viele Eltern die zusätzlichen Finger oder Zehen ihrer Kinder entfernen ..."

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

"... um eine Stigmatisierung zu vermeiden. Medizinisch notwendig sei dies aber in aller Regel nicht."

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

12 Finger und 14 Zehen hat die kleine Le Yati Min (…). Die anatomische Besonderheit sei für ihre Tochter bisher kein Nachteil gewesen, sagt Phyo Min Min Soe. Im Gegenteil: Das 16-monatige Mädchen habe einen viel festeren Griff als andere Kinder im gleichen Alter. (…) Das Phänomen nennt sich Polydaktylie und tritt bei etwa einer von 500 Geburten auf. In westlichen Ländern lassen nach Angaben des amerikanischen Chirurgen Craig Camasta viele Eltern die zusätzlichen Finger oder Zehen ihrer Kinder entfernen, um eine Stigmatisierung zu vermeiden. Medizinisch notwendig sei dies aber in aller Regel nicht.

Meine 2 Cent: Wer hätte sowas gedacht: Überforderte Eltern, die ihre unschuldigen Kinder zwischen den Beinen verstümmeln lassen, und die ihnen dabei gern behilflichen Medizyner schrecken auch anderswo vor medizinisch nicht notwendigen "Korrekturen" selten zurück - Hauptsache, das bewegliche Eigentum sieht möglichst "unauffällig" aus und niemand stellt dumme Fragen. Da fühlt mensch sich als "Stino" doch schon gleich wieder besser ...

>>> Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder   
>>> Chirurgische "Genitalkorrekturen" an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe

Thursday, July 7 2011

"Als wären wir zur Strafe hier" - Buchrezension über Gewalt in einem Behindertenheim + "Runder Tisch Heimerziehung (RTH)" fest in TäterInnenhand

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

>>> Gelungene Rezension von Helmut Jacob über das Buch der HistorikerInnen Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler: "Als wären wir zur Strafe hier". Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung – der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren. Der Clou der Besprechung ist dabei, wie Helmut Jacob den belegten erschreckenden Tatbeständen die Rechtfertigungen und Beschönigungen aus dem "Geleitwort" von Prof. Dr. Dierk Starnitzke gegenüberstellt, seines Zeichens Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und somit quasi heutiger Rechtsnachfolger der seinerzeitigen TäterInnen.

Wer den aktuellen "Intersex"-Diskurs des Deutschen Ethikrates verfolgt, wird dadurch einige Aha-Erlebnisse haben und sich möglicherweise nicht zum ersten Mal fragen, warum eigentlich immer die TäterInnen in der Debatte die längeren Spiesse zugeteilt bekommen, warum stets die einen Bittsteller-, öhm, Opfergruppen gegen die anderen ausgespielt werden sollen und wozu das alles jedesmal sozusagen zwangsläufig führt ...

Dito bei einem ebenfalls >>> gelungenen Update von Helmut Jacob über die Bundestags-Anhörung "Heimerziehung" als Nachfolgeübung des "Runden Tisch Heimerziehung (RTH)", bei dem die TäterInnen & Kompagnons + NachfolgerInnen letztlich unter sich blieben und entgegen einem vorherigen Bundestagsbeschluss den Opfern jegliche finanzielle Entschädigung vorenthalten wollen. Ein Schelm, wer dabei z.B. an entsprechende aktuelle und frühere "JuristInnenexpertisen" zum Thema Entschädigungen beim Ethikrat denkt ...

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Saturday, June 4 2011

"Politische Nebelkerzen" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus".

Nella machte mich auf folgendes Video aufmerksam (zum abspielen reinklicken):

Nella fiel (woher wohl?) sogleich auf, dass die beschwichtigende Ministerin darin wohl nur so daherredet und wohl selbst nicht glaubt, was sie da für Ausreden verzapft.

Ebenfalls auf netzwerkB.org hat es einen eindrücklichen Bericht der im Video portraitierten Liza Stein über die Aktion unter dem vielsagenden Titel >>> "Noch so eine Tagung ohne uns". Nicht nur der folgende Ausschnitt dürfte dem einen oder anderen "Kampfzwitter" ebenfalls nicht ganz unbekannt vorkommen:

In Schwerin im Justizgebäude angekommen… bekam ich sichtlich des großen Gebäudes weiche Knie. Für weiche Knie war keine Zeit und wie ich nun mal bin sagte ich laut “ich will nach Hause”. Laut gesagt, aber im Winde verhallt und ich wollte ja nicht wirklich nach Hause… ich wollte nur dass meine Beine aufhörten unaufhörlich zu wackeln.

An dieser Stelle von diesem Blog einmal mehr ein grosses "Alle Achtung!" an all die unermüdlichen AktivistInnen um netzwerkB. Und nachfolgend ein weiteres gelungenes Beispiel, dass sich einmischen und sich-nicht mundtot-machen-lassen sich lohnt (um mehr über die betreffende Aktion zu lesen reinklicken):

 
Nellas seinerzeitiger spontaner Kommentar zum Bild: "Die sind auch nur so wenige!" Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass es von klein auf Traumatisierten besonders schwerfällt, öffentlich hinzustehen und das an einem begangene Unrecht unübersehbar und unmissverständlich einzuklagen. Trotzdem ist und bleibt es im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. Ein weiterer gelungener Bericht auf netzwerkB.org zur selben Demo trägt passenderweise den Titel >>> "Unbequeme Betroffene".

Dass unbequem sein nicht nur (Selbst-)Überwindung braucht, sondern auch das Risiko bergen kann, damit plötzlich seinerseits von Seiten der "Mächtigen" (und derer, die sich dafür halten) möglicherweise nicht unbeträchtlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt zu werden, die auf Überlebende zudem potentiell retraumatisierend wirken können, wurde uns von Zwischengeschlecht.org spätestens bei der Aktion in Heidelberg klar, als ein solcher "Möchtegern-Mächtiger" uns zunächst (leer) mit der Polizei drohte und zuletzt vor Ort ziemlich ausfällig wurde. Einmal mehr eine Erfahrung, welche die AktivistInnen um netzwerkB und SNAP auch hatten machen müssen, bezeichnenderweise bei einer Aktion im Vatikan (für 2 Artikel dazu in die beiden Bilder klicken):


Dass Norbert Denef und seine tapferen netzwerkB-MitstreiterInnen sich trotzdem nicht unterkriegen lassen, sondern weiterhin unbequem und "unverschämte Opfer" bleiben, kann ihnen gar nicht hoch genug angerechnet werden!

Und: Wohl kaum zufällig findet sich auf netzwerkB.org auch ein interessanter Post >>> "Gewaltfreie direkte Aktion" ...

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Wednesday, December 15 2010

"Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...

>>> Demo Berlin 15.4.10 | jetzt-reden-wir.org | mehr Bilder

Aus aktuellem Anlass ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":
 

INHALT:
1.  Vom Petitionsausschuss des Bundestages
     zum "Runden Tisch Heimerziehung"
2.  Zum zweiten Mal gedemütigt und erpresst
3.  "schlau geheuchelter Kompromiss"
4.  Kommentar: Altbewährte Methoden
5.  Für alle, die nachher wieder sagen werden,
     sie hätten das alles ja gar nicht wissen können ...
 

1. Vom Petitionsausschuss des Bundestages
    zum "Runden Tisch Heimerziehung"

Wir ehemaligen Heimkinder wurden über Jahre hinweg in meist kirchlichen Heimen systematisch gedemütigt und misshandelt, viele von uns auch sexuell missbraucht und als „Arbeitssklaven“ ausgebeutet.

Wir waren den Jugendämtern und dem Heimpersonal schutzlos ausgeliefert.

Lange Zeit hat man uns zum Schweigen gebracht, doch... 

JETZT REDEN WIR!!!

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF) 

Vor langen Jahren waren überlebende ehemalige Heimkinder den Petitionsausschuss des Bundestags um Hilfe angegangen, noch vor den Betroffenen von sexualiserter Gewalt, und aktuell Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern.

Ehemalige Heimkinder hatten als bisher einzige insofern "Erfolg", dass der Petitionsausschuss auf ihre Anliegen eintrat und nach 2-jährigen Beratungen ein "Runder Tisch Heimerziehung" einberufen wurde, dessen Abschlussbericht nun am letzten Montag in Berlin vorgelegt wurde. Der "Verein ehemalige Heimkinder e.V." organisierte eine unmittelbar anschliessende Gegenkonferenz im Namen der übergangenen Betroffenen:
"Ehemalige Heimkinder fühlen sich verraten"  
Betroffene kritisieren den Plan als "billige Abspeisung"  
 

2. Zum zweiten Mal gedemütigt und erpresst

Die menschenverachtende „Erziehungs“- Praxis in deutschen Heimen wird zurzeit aufgearbeitet. Dazu hat der Deutsche Bundestag einen „Runden Tisch Heimerziehung“ einberufen, der im Januar 2010 einen Zwischenbericht vorlegte. Mit diesem Bericht sind wir nicht einverstanden!
 
Denn noch immer wird ignoriert...
- dass in den Heimen systematisch Menschenrechte verletzt wurden
- dass die in den Heimen geleistete Arbeit Zwangsarbeit war

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF) 

Betroffene waren beim "Runden Tisch Heimerziehung" zwar formal vertreten (wie auch beim "Runden Tisch Kindesmissbrauch"), jedoch letztlich nur als Alibi:

Gegenüber den TäterInnen und ihren Organisationen waren ehemalige Heimkinder eine kleine Minderheit mit einer noch kleineren Zahl von Stimmen, als einzige Gruppe durften sie zudem ihre Delegierten nicht frei wählen, die grösste Interessenvertretung erhielt keinen Zugang, und den Zugelassenen wurde (wiederum als einziger Interessensgruppe am "Runden Tisch") rechtlicher Beistand willkürlich verwehrt.
--> Presseerklärungen vom 27.3.09 + 30.6.10 
 

3. "schlau geheuchelter Kompromiss"

Am 13.12.10 legte nun der "Runde Tisch Heimerziehung" seinen Abschlussbericht mit einem "schlau geheuchelten Kompromiss" vor. Die verbleibenden BetroffenenvertererInnen waren wegen des ungenügenden Ergebnisses drauf und dran gewesen, den "Runden Tisch" aus Protest zu verlassen, wurden dann aber mit potentiell re-traumatisierenden Drohungen erpresst, sie würden so "alles kaputt machen" und wären noch selber schuld daran.
>>> Pressemitteilung Verein ehemaliger Heimkinder e.V., 13.12.10 (PDF)

>>> "Der Runde Tisch war ein Kasperle-Theater" (Rolf Breitfeld, Betroffenenvertr.)
>>> Diskussion unter Betroffenen 1 (in KOmmentaren)   >>> Diskussion 2
>>> Zusatzbericht von 4 BetroffenenvertreterInnen am Runden Tisch
>>> Zusatzbericht zum Runden Tisch von Rolf Kappeler (PDF)

>>> Einige Medienberichte, Kommentare und eine Solidaritätserklärung dazu auf NetzwerkB.org:
- Heimkinder können auf “ein bisschen” Entschädigung hoffen
- Betroffene von sexualisierter Gewalt erklären sich solidarisch mit den Heimkindern
- Zum zweiten Mal gedemütigt 

>>> "Von Staat und Kirche verraten" - Pressekonferenz VEH e.V. 13.12.10:
>>> Pressemappe (PDF)     >>> Video    >>> Medienspiegel

Auch dieser Blog solidarisiert sich mit den Forderungen der ehemaligen Heimkinder, ebenso mit den Forderungen der Betroffenen von sexualisierter Gewalt!
 

4. Kommentar: Altbewährte Methoden

Durch jahrelange, hartnäckige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit haben engagierte ehemalige Heimkinder es als erste geschafft, genügend Druck aufzubauen, dass der Bundestag schliesslich einen "Runden Tisch Heimerziehung" einberief, um ihre berechtigten Forderungen zu überprüfen und umzusetzen. Soweit sind die Zwitter leider noch nicht.

Trotzdem sollte der Ausgang des "Runden Tisches Heimerziehung" auch Zwittern und ihren Interessensvertretungen zu denken geben – insbesondere, wie die VertreterInnen der ehemaligen Heimkinder wohl weder als erste (noch als letzte) durch unfaire und unproportionale Untervertretung sowie Verweigerung rechtlichen Beistands über den "Runden Tisch" gezogen und anschliessend durch emotionale Erpressung unter Druck gesetzt wurden

Denn dieselben "Methoden" rsp. altbewährten BürokratInnen- und PolitikerInnentricks werden mit grosser Wahrscheinlichkeit immer noch gängig sein, falls es auch die Zwittern dereinst gelingt, genügend Druck aufzubauen, dass Bundesregierung und Bundestag auch ihre berechtigten Forderungen nicht mehr länger nach bekanntem Muster einfach nur ableugnen können (in dem sie z.B. schamlos behaupten, die Betroffenen wären mit den Zwangsoperationen ja zufrieden, siehe u.a. Antwort 16/4786 S. 3).

Z.B. die von ehemaligen Heimkindern und ihrer Rechtsvertretung u.a. in der Presseerklärung vom 30.6.10 beschriebene Hinhaltetaktik mit unverbindlichen VIP-"Kaffeekränzchen mit einem warmen Händedruck am Ende" bzw. blossen leeren Versprechungen:

Genau dies hat das BMBF-finanzierte "Netzwerk Intersexualität/DSD" mit Zwittern ja schon mehrfach erfolgreich durchexerziert.

Dito 2009 der Bundestags-"Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" ...

... sowie ähnlich ebenfalls 2009 letztlich auch die Hamburgische Bürgeschaft ...

... und 2010 der Deutsche Ethikrat.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...
 

>>> "Verwahrloste Schwererziehbare" in der "Anstalt Freistatt" | mehr Bilder

5. Für alle, die nachher wieder sagen werden,
    sie hätten das alles ja gar nicht wissen können ...

Wir klagen an... 
- weil wir geschlagen wurden 
- weil wir missbraucht und vergewaltigt wurden 
- weil wir gefoltert wurden 
- weil wir in dunklen Kellerzimmern eingesperrt wurden 
- weil wir seelisch zu Grunde gerichtet wurden 
- weil wir unzureichend ausgebildet wurden 
- weil wir zu Zwangsarbeit herangezogen wurden 
- weil man uns medizinische Hilfe versagte 
- weil man bis heute die Verbrechen an uns leugnet oder verharmlost

Wir fordern von Kirche und Staat...
- Leistet Wiedergutmachung wie zuvor in Irland, Kanada und den USA!
- Verzichtet auf Verjährungsansprüche!
- Öffnet die Archive zur Akteneinsicht!
- Gewährleistet unabhängige Forschung!
- Stoppt die Aktenvernichtung!

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF)

"(...) oft jahrelange Qualen, sexuellen Missbrauch und Zwang zur Arbeit, den man aber um Gottes Willen nicht Zwangsarbeit nennen soll. Angeblich um keine unziemlichen Vergleiche mit den Zwangsarbeitern während der Nazizeit zu ziehen. In Wahrheit aber, um den Rechtsstaat Bundesrepublik nicht in Verruf zu bringen. (...)

Deutsche Justiz und Täter werden geschont

(...) es soll keine nachträgliche rechtliche Einzelfallprüfung geben, angeblich um die Opfer nicht weiter zu traumatisieren - aber wohl eher um die deutsche Justiz und die Täter und Täterinstitutionen zu schonen.

Manche Opfer fühlen sich durch den Druck am Runden Tisch ein zweites Mal gedemütigt und erpresst. Die ohnehin wenigen Vertreter der Opfer sahen sich einer Übermacht professioneller Vertreter der Täterinstitutionen gegenüber. Sie wollten nicht mit leeren Händen aus den ungleichen Verhandlungen kommen. Deshalb haben sie dem unbefriedigenden Ergebnis zugestimmt.

(...) ein gutes Omen für vergleichbare Verfahren, etwa für den Runden Tisch zum Thema sexuellen Missbrauch, ist das nicht."   Tagesschau.de 13.12.10

Verein ehemaliger Heimkinder e.V. | jetzt-reden-wir.org

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Saturday, October 23 2010

Activist Trauma Support

Geschlecht: ZwangsoperiertIn Unterschied etwa zu GlobalisierungsgegnerInnen oder FriedensaktivistInnen sind die meisten Zwitter von von klein an stark traumatisiert. Deshalb kann für Zwangsoperierte jeder Akt der Auflehnung gegen ihre früheren PeinigerInnen die Gefahr einer (Re-)Traumatisierung beinhalten. Erst recht potentielle direkte Konfrontationen beispielsweise durch Teilnahme an einem öffentlichen Protest. Die meisten Zwitter bleiben kaum zufällig prinzipiell am liebsten gut versteckt und wollen keinesfalls, dass ihre persönliche Existenz und Geschichte als solche überhaupt öffentlich wahrgenommen wird, wurden ihnen doch Schweigegebote und Bloss-nichts-merken-Lassen oft von Anfang an krass eingetrichtert bis buchstäblich in den Körper geschnitten.

GlobalisierungsgegnerInnen etc. werden demgegenüber oft zum ersten Mal überhaupt traumatisiert, wenn sie im Zusammenhang mit einer Aktion Opfer von massiver körperlicher Gewalt werden oder zusehen müssen, wie andere neben ihnen verletzt werden, und haben prinzipiell weniger Angst, sich öffentlich zu zeigen, ja, sind manchmal gar erstaunt, wenn das auch für sie soziale Folgen haben kann (z.B. am Arbeitsplatz).

Aus diesen Gründen braucht es für traumatisierte Zwitter ein Vielfaches von Mut, um überhaupt physisch und öffentlich gegen die VerstümmlerInnen Stellung zu beziehen.

Und ist es m.E. doppelt wichtig, dass Zwitter-Proteste unbedingt friedlich und explizit auf Vermeidung physischer Konfrontationen angelegt sind, weil die Konfrontation auf der ideellen Ebene für Zwangsoperierte schon problematisch genug ist.

(Ohnehin ist m.E. das Mittel der gewaltfreien Aktion nach dem Vorbild der "klassischen" sozialen Bewegungen im Kampf gegen die Zwangsoperateure und für "Menschenrechte auch für Zwitter!" letztlich am wirkungsvollsten).

Ebenso müsste eine Unterstützung für Zwitter beim Bewältigen drohender "Nebeneffekte" des friedlichen Einstehens für die eigenen Rechte und gegen die GenitalabschneiderInnen auch anders aussehen als bei entsprechenden Selbsthilfegruppen für "herkömmliche Polit-AktivistInnen".

Trotzdem kann m.E. ein "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" auf die noch junge Tradition "herkömmlicher" AktivistInnen Trauma Selbsthilfe auch für Zwitter-Aktivist_innen interessant sein:

Die Bilder zeigen die Bergung des Globalisierungskritikers Martin Shaw, der 2003 bei einer G8-Blockadeaktion über 20 Meter in die Tiefe stürzte, als ein Polizeibeamter kurzerhand das Seil durchschnitt, an dem er knapp unterhalb der Brücke hing. Martin Shaw überlebte den Sturz in den seichten Fluss wie durch ein Wunder mit zerschmettertem Fuss, zerschmetterter Hüfte und einer Rückgratverletzung. Und konnte wie durch ein weiteres Wunder nach mehr als einem halben Jahr schliesslich wieder stehen und laufen. Seine seelischen Verletzungen heilten jedoch bedeutend langsamer. Ebenso bei seiner Kollegin Gesine Wenzel, die auf der anderen Seite der Brücke von HelferInnen im letzten Moment noch am durchgeschnittenen Seil gehalten werden konnte. Beide brauchten lange, bis sie sich eingestehen konnten, dass sie dieses Erlebnis nicht "einfach so" verarbeiten konnten. Und mussten die Erfahrung machen, dass ihre persönliche Umgebung zum Teil ebenfalls überfordert war, gerade, als sie die Unterstützung am nötigsten gehabt hätten, und nicht verstehen konnte, warum sie "nicht endlich einfach weitermachten".

U.a. dieser konkrete Vorfall war der Anlass zur Gründung des englischen Gruppe Activist Trauma Support. Auf deren Homepage gibt's viele nützliche Informationen "auch für den alltäglichen Wahnsinn" (Nella), z.B. ein kritischer Artikel über Risiken und Nebenwirkungen der Psycho-Industrie für Trauma-Hilfesuchende (englisch), persönliche Geschichten (englisch), Links auf ähnliche Gruppen sowie ein Infoflugblatt auf Deutsch (PDF).

Mit Out Of Action gibt es inzwischen in Berlin auch eine deutschsprachige Gruppe; am potentiell interessantesten für Zwitteraktivist_innen fand ich auf dieser Homepage die Diskussionsprotokolle "Traumatisierung und Widerstand" und "Trauma zur Waffe machen?" einer Veranstaltungsreihe.

Siehe auch:
- Menschenrechtsverbrechen: Wer schweigt, macht sich mitschuldig 
- "Was wollt ihr?" - "Gerechtigkeit!" - "Wann wollt ihr sie?" - "Jetzt!"
- Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen (1)
- 16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10
- "Monsanto – mit Gift und Genen"   
- 30 Jahre Irren-Offensive
- "Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- "Sexueller Missbrauch": Justizministerin fordert Entschädigungen auch "in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist"
- Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt" - Südwest Presse, 20.2.10
- "Give Peace a Chance" – Stop Genozid

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