Thursday, April 10 2008

Schon wieder! 10 Monate altes Baby kastriert - und das 2008!

Der am diesjährigen Treffen in Bad Orb bekannt gewordene Fall löste unter Zwischengeschlechtlichen tiefste Betroffenheit aus (Diskussion im nichtöffentlichen Bereich des IS-Menschen Forums). Von dem Kind war noch nicht einmal eine genaue Diagnose bekannt, und trotzdem wurde es von gewissenlosen Medizinern kurzerhand präventiv verstümmelt. Einmal mehr wurden die Eltern von den Medizinern mit den üblichen Fehlinformationen zur Einwilligung genötigt -- obwohl sie dies nach deutschem Gesetz gar nicht dürften!

(Ok, verglichen mit Nella, die 1965 im Alter von 2 1/2 Monaten kastriert wurde, erfolgte heuer der Eingriff immerhin erst "etwas später" -- welch ein Fortschritt :-( )

Leider trotz allem auch heute noch kein Einzelfall: Erst gestern propagierte der Mediziner Dr. Frank vom Dorp vom Universitätsklinikum Essen im WDR öffentlich genitale Zwangsoperationen an Babies! Vom Dorp hat nach eigenen Angaben "im Schnitt drei bis vier geschlechtsangleichende Operationen im Monat" auf dem Gewissen. (Sein Chef am Universitätsklinikum Essen ist übrigens kein Geringerer als Prof. Dr. "Facharzt für Aktenverlust" Herbert Rübben, der bekanntlich u.a. Christianes Akten "verlor".)

Alles in allem bekommt mensch den Eindruck, als wollten gefühllose Zwangsoperateure, wenn sie das Rad der Zeit schon nicht aufhalten können, wenigstens auf Teufel komm raus noch soviele Babies wie irgendwie möglich verstümmeln ...

Saturday, April 5 2008

Helma Katrin Alter – transsexuell oder intersexuell?

Helma Katrin Alter (Bild: dgti) entdeckt 2008 plötzlich ihre "Intersexualität" ...

Die Galionsfigur der Transsexuellenbewegung ist erste Vorsitzende der von ihr gegründeten "Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti)". Dass "Intersexualität" dabei am Schluss steht, ist kein Zufall, sondern Programm.
 
(Dass der Zusatz "Intersexualität" überhaupt angefügt wurde, ist der Verdienst der zwischengeschlechtlichen Claudia Kreuzer-Clüsserath, die der dgti aber bald enttäuscht den Rücken kehrte.)

Die heute 62-jährige Alter lebte 46 Jahre lang als Ernst Helmar Alter "im falschen Körper" und zeugte als Mann zwei Kinder. Im Juli 1994 "outete" sie sich: "Zehn Tage später stand mein neuer Name im Ausweis." Ihr (Nachtrag: u.a. der "Church of Sexology" abgelauschtes, mehr dazu z.B. hier und hier) Credo, das sie auch im Namen der dgti predigt:

Transgender muss als Sammelbegriff für alle Menschen verstanden werden, die nicht in eine starr polarisierte Vorgabe von Mann oder Frau passen.

Transsexualität [ist] nur eine Sonderform der Intersexualität [...], [die] hirnorganisch bedingt [ist].

Einmal mehr: "Intersexualität" wird lediglich als Mittel zum Zweck herangezogen, um die von vielen Transsexuellen erwünschten geschlechtsangleichenden Operationen zu begründen.

Folgerichtig heisst dann der erste Satz der Präambel unter "Aufgaben der dgti":

Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Der Begriff "Intersexualität" kommt auch sonst unter "Aufgaben der dgti" kein einziges Mal vor, sondern wird stillschweigend unter "Lobby für Transgender" 'mitgemeint'.

Im selben Geist entstand auch der Vorschlag der dgti für ein "Transgendergesetz" (als Ablösung für das bisherige Transsexuellengesetz). Einmal mehr wurden darin "Intersexuelle" unter Transgender subsummiert, einmal mehr stehen ihnen lediglich die Optionen "Mann" oder "Frau" offen, getreu dem dgti-Motto: "Es geht nicht um ein '3. Geschlecht'". Zwischengeschlechtliche waren bei der Ausarbeitung des "Transgendergesetzes" trotz gegenteiliger Behauptungen seitens der dgti nicht beteiligt, im Gegenteil: ihre kritischen Einwände wurden in den Wind geschlagen:

Nein, dem TrGG geht es nicht um eine Situationsverbesserung intersexueller Kinder, sondern es schlagen sich zwei gesellschaftliche Tendenzen darin nieder: Auch Zwitter soll eine Sondergesetzgebung mit Sonderbehandlung erfassen (als ob wir von T4 nichts gelernt hätten) und die Grenzen zwischen Trans- und Intersexuellen sollen verschwimmen. Davon haben fast alle etwas: Mediziner, Psychiater und Transsexuelle. Erstere beide können ihre Klientel ausdehnen und letztere haben endlich eine somatische Begründung für ihre Geistesstörung, als die der Wunsch nach einer Geschlechtsredefinition bis heute gesehen wird. Nicht etwa die Emanzipation vom Gesundheitswesen und die Einforderung einer voraussetzungslosen körperlichen Veränderung ist das Ziel, ebensowenig die Infragestellung polarisierter Geschlechtermuster, sondern schlicht eine Ausweitung des ohnehin durchweg pathologisierten Terrains. (Michel Reiter: "Hurra, es ist da – das neue Transchända")

Soweit so schlecht. Doch es kommt noch "besser":

Am 6. Februar 2008, dem Tag des historischen Sieges der zwischengeschlechtlichen Christiane Völling vor dem Kölner Landesgericht, nach einer bisher nie da gewesenen Medienpräsenz des Themas "Intersexualität", entdeckt Katrin Alter nun plötzlich in einem Zeitungsinterview ihre "Intersexualität": Sie hätte "äußerlich nur über verkümmerte Merkmale eines Jungen" verfügt, offenbart sie dem Journalisten Dagobert Ernst von "Der Westen":

der Penis war winzig und die Hoden waren nicht sichtbar. [...] Ein Schicksal, das schätzungsweise 80 000 Menschen in Deutschland teilen: Ihr Geschlecht lässt sich nicht eindeutig zuordnen, das Rechtssystem aber kennt keinen Zwitter-Status. Um Eindeutigkeit herzustellen werden deshalb sogar schon Babys umoperiert.

Eine bewährte Vereinnahmungstaktik, die vor ihr u.a. schon die Schweizerin Laura Armani perfektionierte ...

In der Tat sind die Parallelen verblüffend: Auch Laura Armani trat zunächst lange als Transsexuelle öffentlich in Erscheinung. Auch sie hat aus einer Ehe vor ihrer Transition zwei Kinder, von denen sie zunächst behauptete, sie selber gezeugt zu haben, obwohl ihr Genital im selben Artikel beschrieben wird: "Ein versteckter Stummel, [...] der Hodensack darunter leer."

Offensichtlich gedenkt Katrin Alter auf dieser Vereinnahmungsschiene weiter zu reiten: Aktuell ist beim Deutschlandfunk eine auf Anfang Mai geplante Sendung der Journalistin Thekla Jahn über das Thema "Intersexualität und Transsexualität" in Vorbereitung. Einmal mehr wurden die Zwischengeschlechtlichen als letzte angefragt: Das Interview mit der "Transsexuellen-Vertreterin" ist schon im Kasten, die Termine mit den Netzwerkmedizinern sind vereinbart, und zum Schluss wird nun noch eine "Intersexuellen-Vertreterin" gesucht, die aber nicht zu weit weg wohnen darf, sonst passt sie nicht mehr ins Budget. Die "Transsexuellen-Vertreterin" ist Helma Katrin Alter von der dgti. Laut Thekla Jahn äusserte sich Alter im Interview wiederum dahin gehend, dass es bei ihr irgendwie nicht so klar sei, dass sie möglicherweise eben doch "intersexuell" sei.

Die meisten Zwischengeschlechtlichen haben nicht die Wahl, von Fall zu Fall, ganz nach Bedarf und Publizitätslage "irgendwie" und "möglicherweise" auch zwischengeschlechtlich zu sein, sondern werden von den Medizinern ungefragt durch die (meist auch operative und/oder hormonelle) Zwangszuweisungsmaschinerie gedreht – inklusive der bekannten (auch psychischen) Folgen. Unter diesen Vorzeichen mutet das Gebahren von Laura Armani und auch Katrin Alter zumindest doch sehr mutwillig an, und es stellt sich weiterhin die Frage: Helma Katrin Alter – transsexuell oder intersexuell?

Nella & Seelenlos

Siehe auch: Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002
Siehe auch: Die Rede von der psychischen Intersexualität
Siehe auch: Laura Armani – intersexuell oder transsexuell?

Nachtrag: Schiebung! Wie die dgti den "Intersex"-Eintrag auf Wikipedia manipuliert & verfälscht

Wednesday, April 2 2008

Spiegel TV hat's nicht kapiert ...

Kann ein Zwitter Sünde sein?Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Mit viel Spannung erwartet, flimmerte gestern spät die Sendung mit Christiane Völling, A*** und "Dusty" Karim Merah über die Mattscheibe. Leider hatten sich die Befürchtungen angesichts der ziemlich bescheuerten Ankündigung weit gehend bestätigt. [Wer "Eindeutig zweideutig! Hermaphroditen, Zwitter und Intersexuelle" (sic!) verpasste: Einen kurzen Einblick ermöglicht der Trailer. Wie bei Siegel TV üblich, ist die Sendung ansonsten nicht umsonst online anzugucken.]

Zwar vermochten die interviewten Zwischengeschlechtlichen deutlich zu schildern, was für eine Tortur es ist, von einer zwangsgeschlechtzuweisungsgeilen Gesellschaft hilflos der Macht gewissenloser Mediziner überantwortet zu werden (was wohl erklärt, weshalb die Sendung erst nach 23 Uhr angesetzt war). All das Leid bei den zahllosen Untersuchungen (wo es vor allem darum zu gehen scheint, wie oft und wie heftig die amtierenden "Ärzte" wieviele Finger in zwittrige Genitalöffnungen rammen können), gefolgt von menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen und ebensolchen Hormontherapien. Alles mit dem Ziel, nach Belieben ein eindeutiges Geschlecht herzustellen. Ob dies den Betroffenen nun passt oder nicht ist dabei Nebensache.

In was für ein Schema diese erschütternden Interviews jedoch von den verantwortlichen RedaktorInnen gepresst wurden, unterstützt durch den grösstenteils selten hanebüchenen Kommentar, ist eindeutig unter aller Sau und kommt m.E. einer nochmaligen Vergewaltigung der Portraitierten gleich. Selten habe ich eine derart undifferenzierte und unsensible Berichterstattung gesehen (und mensch ist sich bei diesem "Tabuthema" ja einiges gewohnt).

Ein kleines Beispiel, was ich unter "selten hanebüchenen Kommentar" verstehe:

Kastrationen im Kindesalter lassen sich nur schwer rückgängig machen.

Ich meine, sorry, aber so ne Scheisse kann nur jemand rauslassen, der 1) das Privileg hat, mit intakten Geschlechtsorganen aufgewachsen zu sein, und zudem 2) von der Materie keinen blassen Schimmer. Hallo, dummer Spiegel: Der "Witz" einer Kastration besteht ja gerade darin, dass sie nicht mehr rückgängig zu machen ist!

Am meisten tat jedoch weh, wie die Redaktion dauernd alles tat, die Zwischengeschlechtlichen (nach bekanntem Muster) quasi "transsexualisiert" darzustellen. Nämlich als wäre es das einzige bzw. eigentliche Problem, dass alle Interviewten zunächst irrtümlich dem "falschen" Geschlecht zwangszugewiesen wurden, doch nun mit einer nachträglichen (so "gut" das überhaupt noch geht) nochmaligen "Geschlechtsangleichung" wäre dann alles in Butter. So nach dem Motto, endlich alles richtig verortet im (nie hinterfragten) Raster von "echten Weiblein" und "richtigen Männern", und alles wird gut. Dass dieses blindwütige Bloss-nicht-über-dieses-"gottgegebene"-Raster-hinausdenken-wollen das ganze Leid erst produziert (auch heute noch), davon hat die bescheuerte Spiegel-TV-Redaktion (im Gegensatz zur Printredaktion) offensichtlich nicht den geringsten Schimmer einer Ahnung (oder gar Einsicht), sondern ist im Gegenteil offensichtlich gar noch stolz auf die eigene Dummheit! Pfui, 6 minus, nachsitzen, setzen!

Schade, die mutigen und bewegenden Aussagen der Zwischengeschlechtlichen, die ihnen bestimmt nicht leicht gefallen sind (und auch die ihrer Angehörigen, Nachbarinnen und Freunde, die ebenfalls kein Blatt vor den Mund nahmen, ebenso die von Christianes Anwalt Georg Groth und ihrem jetzigen Arzt), wären definitiv einer intelligenteren Sendung würdig gewesen. So bleibt lediglich der Trost, dass diese gründlich missratene "Reportage" allem redaktionellen Humbug zum Trotz wiederum mehr Menschen mit dem Unsinn der frühkindlichen Zwangsoperationen und sonstigen zwangszuweisenden Praktiken konfrontierte und sie somit hoffentlich für diese in der Öffentlichkeit nach wie vor zu wenig bekannten Menschenrechtsverletzungen sensibilisierte. Dafür allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön!

Tuesday, April 1 2008

Christiane Völlings Gerichtsakte "verloren gegangen"!!

Wie bereits berichtet, muss die zwischengeschlechtliche Christiane Völling, die ihren ehemaligen Chirurgen wegen schwerer Körperverletzung anzeigte und am 6. Februar 2008 den "Zwitterprozess" in erster Instanz gewann, weiter kämpfen - und zwar wie bisher an mehreren Fronten. Denn anlässlich eines Treffens am Wochenende erfuhren wir von Christiane Unfassbares: Die Gerichtsakte des Amtsgerichts Kleve betreffend Personenstandsänderung wurde an den Gutachter Prof. Dr. Herbert Rübben vom Universitätsklinikum Essen weiter gereicht und ist dort "verloren gegangen"!!

Das Amtsgericht Kleve, bei dem sich Christianes Personenstandsänderung mittlerweile seit 20 Monaten hinzieht, schreibt nämlich an "Herr Völling!":

Der mit der Erstellung des Gutachtens beauftragte Sachverständige Prof. Dr. Rübben liess mitteilen, dass die Gerichtsakte im Universitätsklinikum Essen verloren gegangen sei. Trotz intensiver Suche sei die Akte nicht mehr auffinddbar. Aus diesem Grunde wurde kein Gutachten erstattet.

Angesichts der eindeutigen Feststellungen, welche das Landgericht Köln in seinem Grundurteil vom 12.12.2007 (...) getroffen hat, beabsichtige ich, über Ihren Antrag nunmehr ohne Einholung eines Gutachtens zu entscheiden. Hierführ ist es jedoch erforderlich, dass zunächst die Gerichtsakte rekonstruiert wird. Ohne genaue Kenntnis deren Inhalts ist mir eine Entscheidung in der Sache selbstredend nicht möglich.

Akte verschwunden und nicht mehr auffindbar? Wie passend! (Nachtrag: Schon in Christianes Strafprozess war praktischerweise u.a. der zentrale OP-Bericht "nicht mehr auffindbar" – im Gegensatz zu nachträglich angefertigten, für den fehlbaren Chirurgen günstigeren Dokumenten.) Das Amtsgericht Kleve schickt Prof. Dr. Rübben die Gerichtsakte ins Universitätsklinikum, wo diese spurlos verschwindet. Richter Laux, der 4. in der Folge, will "nunmehr ohne Einholung eines Gutachtens entscheiden". Jedoch sei dafür - wer hätte das gedacht - die Rekonstruktion der Gerichtsakte erforderlich.

Bleibt zu hoffen, dass Amtsrichter Laux das Verfahren nunmehr zügig vorantreibt und innert nützlicher Frist zu einem Abschluss bringt, statt einfach wieder in den altbewährten bürokratischen Teufelskreis zurückzufallen. Zumal es in seiner Verantwortung lag, dem offensichtlich alles andere als gewissenhaften und zuverlässigen Prof. Dr. Rübben Original-Gerichtsakten anzuvertrauen statt einer Kopie. Jede weitere Hinauszögerung wäre deshalb ein nicht wieder gutzumachender Skandal!

Dasselbe gilt auch für die ebenfalls endlos sich hinziehende "Behandlung" des Antrags auf Kostengutsprache für die "Rekorrektur OP" durch den MDK-Gutachter in Köln, Dr. med. Hans-Günter Pichlo ...

Fortsetzung folgt ...

Nachtrag: Wie wir unterdessen erfuhren, waren Christianes durch Dr. Hübben "nicht mehr auffindbare" Akten kein Einzelfall ...

"Ich möchte ein Zwitter sein"

Neulich postete ich unter der Überschrift "Zwitter-Neid" über Menschen, die Zwischengeschlechtliche als (fiktives) Ideal verherrlichen, während sie gleichzeitig reale Zwitter missachten. Hier ein (ironischer) Nachtrag in ihr Stammbuch, der mir auf dem Weg an die Uni so durch den Kopf ging (zu summen nach der Medodie von ihr-wisst-schon):

Ich möchte ein Zwitter sein
Im kalten Spital
Dann dürfte ich nie mehr schrein
Alles wär normal
Zwitter dürfen nie weinen
Zwitter dürfen nie weinen

Friday, March 28 2008

Das Privileg, mit intakten Genitalien aufzugewachsen – Reparationen für zwangsoperierte Zwitter!

selbsterklärender disclaimer: seelenlos ist ein "normaler" XY, meine freundin nella ist der zwitter. ich habe von "intersexualität" überhaupt erst durch sie erfahren und war gelinde gesagt etwas geschockt, obwohl ich mich schon länger z.b. mit polizeigewalt und zensur auseinandersetze, und möchte deshalb zwischengeschlechtliche anliegen und ihre durchsetzung möglichst unterstützen.

Meine Eltern gehörten zu denen, die nach dem Krieg sagten, von den KZs und den Öfen hatten wir nichts gewusst. (Vor Kriegsende war es in der Schweiz tatsächlich verboten, in der Zeitung darüber zu schreiben. Nichtsdestotrotz hielten sich Redewendungen wie "bis zur Vergasung" – statt z.B. "bis zur Verblödung" – in der CH-Öffentlichkeit inkl. meinem Elternhaus bis in die Siebziger ...)

Ich hatte eine behütete Kindheit, Gräueltaten fanden längst wieder ausschliesslich in wirklich gebührender Entfernung statt, wie sich's gehört. Dachte ich zumindest. Ja, ich hatte eine behütete Kindheit. Weil ich, ich hatte das Privileg, mit einem intakten Körper aufzuwachsen, ohne Ärzte, die meine Genitalien und Reproduktionsorgane nach Lust und Laune zurechtschnibbelten, amputierten und herausrissen.

"Schnipp, schnapp, Schwanz ab!" ist für Zwischengeschlechtliche keine (theoretische) feministische Parole, sondern die weitverbreitetste Form der "äusseren Geschlechtsangleichung", wie sie bei zwischengeschlechtlichen Kindern bis in die 80er von gewissenlosen Medizinern praktiziert wurde. Michel Reiter und Alex Jürgen sind nur die prominentesten Beispiele dieser besonders unmenschlichen Praxis (als wäre operative Zwangszuweisung + lebenslanges Belügen an sich nicht schon menschenrechtswidrig genug). Und auch heute laufen die "verbesserten" Operationsmethoden nur zu oft immer noch auf dasselbe hinaus, und praktisch immer zumindest auf eine starke Verminderung des sexuellen Empfindens durch irreparable Schädigung der Sexualnerven.

Und tja, ehrlich, bis vor kurzem hab auch ich davon rein gar nichts gewusst! Und nein, es ist heutzutage nicht wirklich verboten, darüber in der Zeitung zu schreiben, weder in der Schweiz noch sonstwo. Bloss steht nach wie vor trotzdem nix drin davon. Na, so ein Zufall aber auch ...

Noch können Ärzte und Ämter das ganze Ausmass erfolgreich unter dem Teppich behalten. So war noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts die (damals rot-grüne) Bundesregierung sich nicht zu blöd, u.a. frech zu behaupten: "Der Bundesregierung ist nicht bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenenalter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert." Ich meine, dieses Statement muss mensch sich erstmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen ... Menschenwürde, von wegen! Und unantastbar, am Arsch!

Trotzdem, die Tage des fröhlich ungestraften Zwangsoperierens an Zwittern sind u.a. dank den Prozessen von Michel Reiter und Christiane Völling (hoffentlich!) gezählt. Noch ist es bis dahin aber ein weiter Weg, bedarf es tonnenweise zusätzlichen öffentlichen und politischen Drucks ...

Ein gutes Mittel hierzu wäre m.E. Michel Reiters (--> "Ziele organisierter Intersexen") und Georg Klaudas (--> "Agenda der KritikerInnen dieser Praxis", 3.)

Forderung nach Reparationen für Zwangsoperierte durch den Staat

aufzunehmen und sie möglichst breit und offensiv öffentlich und politisch einzufordern, etwa mit folgender

Begründung:

Die überwiegende Mehrzahl der Zwangsoperierten und -kastrierten leidet massiv unter dem ihnen angetanen Unrecht und hat deshalb Anrecht auf ein angemessenes Schmerzensgeld. Alle haben zudem lebenslängliche medizinische Folgekosten durch Hormonersatztherapie und auch Psychotherapien zur Aufarbeitung der durch die Zwangsoperationen verursachten Traumen, die oft von der Kasse nur zu einem Bruchteil übernommen werden. Diese Kosten können sich für Betroffene bis zu mehreren hundert Euro monatlich belaufen. Da dieses von den Medizinern an Zwischengeschlechtlichen jahrzehntelang begangene und immer noch andauernde Unrecht mit dem ausdrücklichen Segen von Staat/Bundesregierung angetan wurde (siehe oben), ist auch der Staat für Reparationen/Schmerzensgeld/Entschädigungen zuständig und soll bezahlen.

(Und wer von den anwesenden Damen und Herren PolitikerInnen damit nicht einverstanden ist, bitte vortreten und Hosen runter, damit die "harmlose" und "bekanntlich von keinen Betroffenen kritisierte" Geschlechtsangleichung unverzüglich per Schere vorgenommen werden kann – mal gucken, ob sie anschliessend ihre Meinung nicht doch noch ändern ...)

Geschmackloser Scherz beiseite: Wenn mensch sich vor Augen führt, wie schändlich dieselbe Bundesregierung (und alle ihre Vorgänger) sich sträubten (und ihre Nachfolgerin sich nach wie vor sträubt und windet), bloss schon homosexuelle (igitt!) KZ-Überlebende zu entschädigen (eins / zwei / drei), dürfte klar sein, dass diese Forderung realpolitisch kaum Chancen hat: Schliesslich geht's um ne ziemliche Stange Geld. Gerade deshalb ist aber das Aufstellen und möglichst hartnäckige Beharren auf dieser Forderung ein sinnvoller Beitrag dazu, endlich die unmenschliche Praxis der Zwangsoperationen und -Kastrationen abzuschaffen!

Mittlerweile können sich MedizinerInnen und PolitikerInnen nämlich dank der bundesfinanzierten Hamburger Studie nicht mehr damit herausreden, von nix gewusst zu haben ... Umso grösser wird ihre Angst sein, ev. doch noch gerichtlich und/oder politisch belangt zu werden, wenn sie die Zwangsoperationspraxis (abgesehen von ev. einigen rein verbalen Zugeständnissen à la "sollte") weiterhin aufrechterhalten, wie dies aktuell immer noch der Fall ist (z.B. eins / zwei (Abschnitt MEDIZIN) / drei (pdf-Download) / usw.usf.).

Je lauter deshalb die Forderung nach Reparationen gestellt wird (und je mehr Prozesse gegen MedizinerInnen noch stattfinden werden), desto schneller werden die menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen endlich aufhören! 

Deshalb ist es wichtig, dass die Forderung nach Reparationen für Zwangsoperierte von allen fortschrittlichen Organisationen und Individuen, welche die Zwangsoperationen verurteilen, aufgenommen, zu einem Teil ihrer politischen Agenda gemacht und offensiv öffentlich vertreten wird.



Siehe auch: Faule Eier für "die Bundesregierung"

Siehe auch: Weiße Kittel mit braunen Krägen, reloaded

Thursday, March 27 2008

Zwitter @ Spiegel TV Di 1.4.08 23:05h Vox

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Mit dabei sind unter anderen Christiane (Bild: Spiegel TV), Chappi und Dusty!

Leider klingt die Ankündigung alles andere als berauschend. Nur schon der Titel ist ziemlich peinlich: "Eindeutig zweideutig! Hermaphroditen, Zwitter und Intersexuelle". Ähm, würde bitte mal jemand dem Spiegel ein Wörterbuch schenken? Vielleicht merken sie dann, dass diese Ausdrücke alle dasselbe bedeuten ...

Als nächstes wird dann die Zahl Zwischengeschlechtlicher in Deutschland unten angesetzt: Spiegel TV schreibt von 80'000, alle anderen Quellen nennen 80-100'000 (ok, mit Ausnahme "der [noch inkompetenteren] Bundesregierung"). Immerhin, die Zahl von 1-2 neugeborenen Zwischengeschlechtlichen täglich ist korrekt.

Mit der folgenden "Definition" schiesst die Spiegel-Redaktion den Vogel dann vollends ab:

sogenannte Intersexuelle mit sowohl weiblichem als auch männlichem Chromosomensatz

Würde bitte irgendwer mal etwas für öffentliche Aufklärung sorgen? Von Spiegel TV ist das offensichtlich zuviel verlangt ...

Im selben Stil geht's dann weiter: Von "schockierten jungen Eltern" ist die Rede, welche "Das Wort 'Zwitter' [...] als herabwürdigend [empfinden]". Auf die Empfindungen der darauf Zwangsoperierten wird hingegen nicht eingegangen (noch wird überhaupt gesagt, dass die Operationen ohne Einwilligung der Betroffenen erfolgen), einmal mehr werden Zwischengeschlechtliche dafür pathologisierend dargestellt: "viele Intersexuelle [neigen] in ihrer weiteren Entwicklung zu depressivem und selbstverletzendem Verhalten".

Entlarvend auch der Abschlussatz: "SPIEGEL TV begleitet Betroffene bei Arztbesuchen, Kleiderkauf, Rechtsberatung, Familientreffen und ihrer Identitätsfindung." Fürs Filmen beim Schminken und in der Badewanne haben sich die Betroffenen wohl nicht hergeben wollen ...

Bleibt zu hoffen, dass das Niveau des Beitrags nicht dem dieser bedenklichen Ankündigung entspricht, bzw. dass die darin portraitierten Zwischengeschlechtlichen mit ihren Statements das Steuer herumreissen können!

Fortsetzung: Spiegel TV hat's nicht kapiert (Kritik zur Sendung)

Wednesday, March 26 2008

Doch menschlich

vor einigen tagen überkam mich wieder einmal diese rasende wut, als müsste ich zerspringen, und plötzlich war da dieses bild, nein, mehr ein gefühl: sie halten mich fest, ich kann mich nicht bewegen, sie sind zu stark. ich habe keine chance, bin starr vor angst, wehre mich aber nicht. ich habe mich nie gewehrt.

mit zweieinhalb monaten haben sie mich kastriert und nahmen dabei in kauf, dass ich aufgrund meines lebensbedrohenden herzfehlers die narkose und die operation nicht überleben würde.

mit sieben haben sie meinen mikropenis auseinandergesäbelt und banden mir eine woche lang nacht für nacht die hände, damit ich nicht an meinem verletzten, mit hämatomen verzierten geschlecht rummache.

mit sechzehn standen sie zu dritt um mich herum, eine neovagina war in planung, und einer meinte mit entnervtem kopfschütteln: das geht nicht, das ist viel zu eng, das kann man nicht operieren! ich sehe seinen blick noch vor mir: kein funken mitgefühl. ich schämte mich so sehr, hätte beinahe gesagt: bitte entschuldigen sie die umstände!

mit siebzehn rammte mir der chirurg bei der voruntersuchung ohne ein wort seinen finger in meine nicht-vagina-harnröhren-öffnung, um zu testen, wie weit es reingeht. ich hab keinen ton von mir gegeben, war ganz starr. danach durfte ich vor eine gekachelte wand stehen.

mit achtzehn stakste ich mit einem plastikstöpsel in der blutenden neovagina in meinem elternhaus herum und schämte mich. diese zur schau getragene geschlechtlichkeit. niemand sagte etwas und ich sagte auch nichts.

ich hab mich nie gewehrt. hab nie geschrien, geweint, mich beschwert – nichts. ich habe starr alles über mich ergehen lassen. nur nicht noch mehr auffallen. lange habe ich mir das vorgeworfen, auch heute noch ist es nicht ganz weg: du bist schuld. meine strategie war der totale rückzug. um diese ohnmacht ertragen zu können, habe ich mir eine fantasiewelt konstruiert, in der ich allmächtig war: ich bin nicht schwach, ich fühle keinen schmerz, ich brauche keine liebe, ich stehe über allem. kalt und hart. ich habe nur verachtung für diejenigen übrig, die so schwach sind, so menschlich. ich bin nicht menschlich.

es war meine rettung. aber der preis war verdammt hoch. ich zahle heute noch. denn ich bin doch menschlich.

nella

Tuesday, March 25 2008

PRESSEMITTEILUNG - Christiane: Der Kampf geht weiter


Christiane in einem von vielen Interviews nach dem Urteil im Langericht Köln, 6.2.08

Die zwischengeschlechtliche Christiane Völling, die ihren ehemaligen Chirurgen wegen schwerer Körperverletzung anzeigte und am 6. Februar 2008 den "Zwitterprozess" in erster Instanz gewann, muss weiter kämpfen: der fehlbare Chirurg weigert sich, das Schmerzensgeld zu zahlen, und geht in Berufung.

Der Prozess, der am 12. Dezember 2007 am Landgericht Köln in die erste Runde ging, und die vom Verein Inters**uelle Menschen e.V. organisierte Demo brachten eine noch nie da gewesene Resonanz in der Öffentlichkeit zum Thema der genitalen Zwangsoperationen an Zwittern – und für die langjährigen Forderungen Zwischengeschlechtlicher: Recht auf körperliche Integrität, optionalen 3. Geschlechtseintrag, Entschädigungen für Zwangsoperierte sowie generell "Menschenrechte auch für Zwitter". Christiane Völling klagte ihren damaligen Operateur an: dieser hatte der damals 18-Jährigen ohne ihre Einwilligung die gesunden inneren weiblichen Fortpflanzungsorgane entfernt.

Knapp zwei Monate später kam es am Landgericht Köln zur Urteilsverkündung: Christiane Völling siegte in erster Instanz gegen den Mediziner. Der 6. Februar 2008 wurde zum historischen Tag für Zwischengeschlechtliche und ihren Kampf um körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde. Das Urteil wird als Präzedenzfall in die Geschichte der Bewegung zwischengeschlechtlicher Menschen in Europa eingehen.

Wie zu erwarten war, geht der Beklagte nun in Berufung. Dazu Christiane Völling:

"Der Prozess geht also in die nächste Runde - wie ich mir bereits gedacht habe, denn welcher Mediziner gesteht schon gerne Fehler ein. (...) Erneuter Presserummel usw., weitere Aufmerksamkeit für uns, aber für mich ein weiterer Gang durch die seelische Hölle."

In der Tat muss Christiane Völling, nachdem ein gewissenloser Mediziner ihr Leben zerstört hat, nun auf dem Rechtsweg mit weiteren jahrelangen Schikanen rechnen. Der Beklagte hält an seinen in der Urteilsurkunde festgehaltenen Behauptungen fest: Christiane Völlings Organe seien "hochgradig verkümmert" gewesen und er habe sich "als Chirurg auf die Diagnose der vorbehandelnden Fachärzte der Medizinischen Klinik" verlassen dürfen. Tatsache ist, dass bei der Operation "eine normale weibliche Anatomie mit präpuberalem Uterus, normal grossen Ovarien" aufgefunden wurde. Zudem war Christiane Völlings weiblicher Chromosomensatz bekannt. Trotzdem schreckte der Chirurg vor diesem irreversiblen Eingriff nicht zurück und entfernte seiner nicht aufgeklärten Patientin kurzerhand sämtliche inneren weiblichen Geschlechtsorgane.

Unwürdig behandelt wird Christiane Völling auch beim Amtsgericht Kleve, das versucht, sie zu einer Personenstandsänderung nach dem Transs**uellengesetz zu drängen. Dieselbe Taktik verfolgt auch der Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) Köln, der ebenfalls mit allen Mitteln versucht, Christiane entgegen allen Fakten Völling Transs**ualität - die offiziell als "psychische Störung" gilt - unterzuschieben, um Schmerzensgeldforderungen infolge einer Fehlbehandlung zu verhindern und den Ärtztepfusch zu vertuschen.

Christiane Völlings Schicksal ist kein Einzelfall. Allein in Deutschland leben mehr als 100'000 Zwischengeschlechtliche, mit wenigen Ausnahmen alle zwangsoperiert. Der beklagte Mediziner erreicht mit seinem Vorgehen genau das, was auch seine Berufskollegen begrüssen: weitere Zwitter davor abschrecken, Christiane Völlings Beispiel zu folgen. Denn ein sich über Jahre hinweg ziehender Prozess wäre wohl für die meisten traumatisierten Zwitter ein unwürdiger und Kräfte zehrender Zustand. Es ist längst überfällig, sämtliche Zwangsoperierten für das ihnen zugefügte Leid kollektiv zu entschädigen -- wie dies Zwischengeschlechtliche schon seit Jahr und Tag fordern (siehe z.B. hier unter "Agenda", 3. oder hier unter "Forderungen": "Opferentschädigungszahlungen").

Christianes Kampf um Gerechtigkeit ist noch lange nicht ausgefochten. Die Menschenrechte von Zwischengeschlechtlichen werden nach wie vor mit Füssen getreten. Wir werden zusammen mit Christiane weiterhin für die Rechte eines jeden zwischengeschlechtlichen Menschen auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde kämpfen!

Christianes Prozess auf diesem Blog:
- Christiane Völlings Geschichte
- 1. Pressemitteilung
- Demoaufruf 1. Prozesstag
- Bericht 1. Prozesstag
- Pressespiegel 1. Prozesstag
- Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll
- Wegen Zwitterprozess: Druck auf Ärzte wächst
- Bericht und Pressespiegel 2. Prozesstag
- Christiane: Der kampf geht weiter
- Bericht provisorischer Entscheid OLG
- Bericht definitiver Entscheid OLG
- Pressespiegel definitiver Sieg vor OLG
- Internationale Artikelübersicht auf OII


Saturday, March 22 2008

Faule Eier für "die Bundesregierung"!

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Bisher sieben mal hat sich meines Wissens nach "die Bundesregierung", gezwungen durch Anfragen und Anträge, mit dem Thema "Intersexualität" auseinandergesetzt (bzw. so getan als ob).

Dem Antrag 3 (PFD) entsprangen m.E. auch die Gelder für und damit das "Netzwerk" überhaupt. Ebenso liegt darin die Begründung für die Verpflichtung, das "Netzwerk" müsse mit den Betroffenen zusammenarbeiten (naja, zumindest theoretisch ... zur nur zu oft gängigen Praxis siehe hier eins / zwei / drei).

Dass es überhaupt zu irgendwelchen Anfragen kam, geht m.E. klar auf die Aktivitäten von Michel Reiter zurück (dessen Engagement für die Belange aller Zwischengeschlechtlichen m.E. leider bis heute nicht einmal durch die Betroffenen selbst entsprechend gewürdigt wird, da viele durch die Zwangsoperationen etc. zu sehr traumatisiert sind, um sich damit überhaupt auseinander zu setzen).

Die Antworten "der Bundesregierung" zu allen Anfragen sind derart beschämend und ignorant, dass es ein reichlich dickes Fell braucht, sie bis zum Schluss durchzulesen (was trotzdem bzw. gerade deshalb wichtig ist).

Einige Müsterchen:

Der Bundesregierung ist nicht bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenenalter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert.  Antwort 2 (PFD)

Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse von derartigen Schadensersatzforderungen. [...] Die Bundesregierung plant keine Entschädigung Intersexueller, da ein staatliches Handeln, das Anknüpfungspunkt für eine Entschädigung durch den Staat sein könnte, nicht gegeben ist.  Antwort 2 (PFD)

"Intersexualität" muss nach Auffassung der Bundesregierung als eine Abweichung von der Norm betrachtet werden, unter der die Betroffenen schon wegen ihres "Andersseins" leiden. [...] Bei Intersexualität, dem Fehlen dieser eindeutigen Unterscheidung, sei in der Regel eine normale Funktion in den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung ausgeschlossen. Sie müsse somit als "krankhafte Störung" angesehen werden. Pressemitteilung 2b

In Deutschland leben etwa 8.000 bis 10.000 Intersexuelle - Menschen mit den körperlichen Merkmalen beider Geschlechter. Pressemitteilung 5b  [Anmerkung: "Die Bundesregierung" beschränkt sich hier aus leicht durchschaubaren Gründen auf "schwerwiegendere Abweichungen", vgl. Anfrage 5 (PDF). Tatsächlich beträgt die Zahl Zwischengeschlechtlicher in Deutschland das 10-fache, nämlich 100'000! Siehe z.B. hier, hier, hier und hier. Nachtrag: Siehe auch: Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge]

Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Mehrzahl der betroffenen Menschen, bei denen in der Kindheit eine operative "Vereindeutigung ihres Genitalbefundes" stattgefunden hätte, dies für richtig befunden hätte. In Anbetracht der Tradition der Zweigeschlechtlichkeit sei es für Eltern eine schwierige Entscheidung, keine Geschlechtszuweisung ihres Kindes vorzunehmen und es in einem "Zwischenraum der Geschlechter" aufwachsen zu lassen. Pressemitteilung 5b [Anmerkung: Tasächlich ist die "Behandlungsunzufriedenheit [...] eklatant hoch", wie dies Betroffene seit Jahrzehnten klarstellen und es wie jüngst auch in der Fachzeitschrift Gynälologische Endokrinologie zu lesen war: Über zwei Drittel der Befragten leiden meist massiv unter den Zwangseingriffen! Dabei wäre noch zu berücksichtigen, dass lediglich "mehr als die Hälfte" der Befragten zur Gruppe der Zwangsoperierten gehören ... Nachtrag: Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!]

Fazit: Manchmal kann mensch gar nicht so viel essen, wie mensch kotzen möchte ...

Wetten, wenn "die Bundesregierung" in dieser Angelegenheit öfters mal z.B. mit faulen Eiern beworfen worden wäre, würde sie wesentlich schneller kapieren?!

Obwohl, konkret wären ev. nicht mal faule Eier nötig, würde nur schon kontinuierliche Lobby- und Pressearbeit durch eine Organisation Zwischengeschlechtlicher wie z.B. der Verein Intersexuelle Menschen e.V. einiges ausrichten ...

Nachtrag: Das mit den faulen Eiern gilt auch für praktisch alle Bundestagsfraktionen – nach wie vor ist DIE LINKE die einzige Fraktion überhaupt, die bisher je konkrete Vorstösse zu Gunsten der Zwitter unternommen hat – obwohl inzwischen sämtliche Fraktionen wieder und wieder durch Zwischengeschlecht.org auf die Menschenrechtsverletzungen an Zwittern aufmerksam gemacht wurden ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Nachfolgend die Links zu den einzelnen Bundestags-Anfragen (PDF) und -Pressemitteilungen:

(Bei Anfragen sind jeweils die Antworten "der Bundesregierung" verlinkt, welche die Fragen mit enthalten. Die weiteren Links sind, soweit nicht anders vermerkt, Pressemitteilungen "der Bundesregierung".)

1) Kleine Anfrage von Christina Schenk und PDS vom 29.10.96: "Genitalanpassungen in der Bundesrepublik Deutschland" (Anfrage 13/5757, Antwort 13/5916)
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/059/1305916.pdf
(Presseerklärung dazu von Michel Reiter: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kombo/k_34ispm.htm)

2) Kleine Anfrage von Christina Schenk und PDS vom 01.03.01: "Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit" (Anfrage 14/5425, Antwort 14/5627)
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/056/1405627.pdf
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2005/1017/bic/hib/2001/2001_060/07.html
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2006/0404/bic/hib/2001/2001_085/07.html 

3) Antrag von Christina Schenk, Dr. Ilja Seifert, Rosel Neuhäuser, Dr. Ruth Fuchs und PDS vom 12.06.01: "Forschungen zur Lebenssituation intersexueller Menschen" (Antrag 14/6259)
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/062/1406259.pdf
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2006/0706/bp/2001/bp0107/0107078b.html 
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2007/0108/aktuell/hib/2001/2001_182/08.html

Dazwischen gabs 2004 einen Artikel von Oliver Tolmein in der Zeitschrift Das Parlament. Anlass war wohl die 2. instanzliche Weigerung, Michel Reiter den Geschlechtseintrag "zwittrig" zuzulassen:
http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/46/thema/016.html

4) Kleine Anfrage von Dr. Barbara Höll, Karin Binder, Katja Kipping, Kersten Naumann, Petra Pau, Dr. Kirsten Tackmann und DIE LINKE vom 30.1.07: "Rechtliche Situation Intersexueller in Deutschland" (Anfrage 16/4147, Antwort 16/4322)
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/043/1604322.pdf
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_039/19.html
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_052/05.html

5) Kleine Anfrage von Dr. Barbara Höll, Karin Binder, Katja Kipping,  Kersten Naumann, Dr. Kirsten Tackmann und DIE LINKE  vom 05.02.07: "Situation Intersexueller in Deutschland" (Anfrage 16/4287, Antwort 16/4786)
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/047/1604786.pdf 
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_044/09.html  
http://www.bundestag.de/presse/hib/2007_06/2007_168/09.html

Nachtrag: 2009 gab's bisher 2 neue Anfragen "Zur Situation intersexueller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland", wiederum von der Fraktion DIE LINKE, die beide auf eine Zuarbeit von Zwischengeschlecht.org zurückgehen:

6) Rechtliche und statistische Aspekte (Anfrage 16/12769, Antwort 16/13269)

7) Medizinische Aspekte und die Förderung Betroffener (Anfrage 16/12770, Antwort 16/13270)


PS:

Einige Infos zu Christian Schenk (vormals Christina), der die ersten 3 Eingaben/Anfragen im Bundestag einreichte:
http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/03/03/a0002
http://www.christina-schenk.de/index.html

Z.B. Trans*menschen werden übrigens von "der Bundesregierung" auch nicht besser behandelt (und auch dort schreibt sie ebenso kritiklos die Plädoyers der Mediziner in eigener Sache ab):
http://genderbefreit.blogspot.com/2008/03/die-reform-des-tsg_07.html

Suche in Bundestagsdokumenten nach "Intersexualität":
http://suche.bundestag.de/searchAction.do?queryAll=&queryOne=intersexuell+intersexuelle+intersex+intersexualit%E4t

Friday, March 21 2008

"Intersex" als legales 3. Geschlecht in Südafrika

Menschenrechte auch für Zwitter!Annette Brömdal:
Intersex – A Challenge for Human Rights and Citizenship Rights.
Political Science, Master’s Thesis Spring Session 2006, Södertörn University College

S. 65 (im pdf auf S. 73):

South Africa is the ‘only’ country in the world, at the time of writing, that has
included Intersex as a sex in its legal system.

http://www.diva-portal.org/diva/getDocument?urn_nbn_se_sh_diva-890-1__fulltext.pdf

Nachtrag: Siehe auch >>> Cape Times 1.12.04 (englisch), u.a. mit Statements der "South African Human Rights Commission" und von Sally Gross, Gründerin der "Intersex Society of South Africa".

Thursday, March 20 2008

"Gigi"-Editorial über Christiane und diesen Blog

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Gigi ist die einzige Zeitschrift, die zwischen 1999 und 2001 Michel Reiter kontinuierlich eine Plattform bot, um auf die unwürdige Situation Zwischengeschlechtlicher aufmerksam zu machen. Die Nummer 8 (siehe Bild) trug gar das Motto "Intersexualität – Überleben zwischen den Geschlechtern". Dies macht die vom wissenschaftlich-humanitären komitee whk herausgegebene Zeitschrift für sexuelle Emanzipation (so der Untertitel) zur sprichwörtlichen Ausnahme unter den (falls das Thema überhaupt angesprochen wird) sonst eher von der üblichen Zwitter-Vereinnahmung geprägten Veröffentlichungen aus der "lesbisch-schwulen Presselandschaft".

Umso mehr freut es, dass Gigi das Editorial der aktuellen Nr. 54 unter der Überschrift "Chirurgie" voll und ganz Christiane Völling und ihrem Prozess widmet und dabei m.e. trotz der gebotenen Kürze alle wichtigen Punkte anspricht. Und ja, Sätze wie der folgende gehen uns latürnich erst recht runter wie Honig:

Die Berichterstattung der Mainstream-Medien wäre sicher unscheinbarer ausgefallen, hätte Zwischengeschlecht.info den Prozeß in Kooperation mit der Klägerin nicht minutiös begleitet und dokumentiert.

Wir sagen Danke und hoffen, dass Gigi Christianes Kampf und andere Vorstösse von Zwischengeschlechtlichen um ein menschenwürdiges Dasein weiterhin solidarisch, wohlwollend und kritisch begleiten wird.

Tuesday, March 18 2008

Christiane: Chirurg geht in Berufung

Christiane Völling teilt mit:

Der Chirurg will nicht zahlen, da er der Meinung ist, er sei für  die Aufklärung nicht verantwortlich, da ich internistischer Patient war und meine Organe seien "hochgradig verkümmert" gewesen.

Er geht in Berufung vor dem OLG Köln.

Der Prozess geht also in die nächste Runde - wie ich mir bereits gedacht habe, denn welcher Mediziner gesteht schon gerne Fehler ein.

D.h.: Erneuter Presserummel usw., weitere Aufmerksamkeit für uns, aber für mich ein weiterer Gang durch die seelische Hölle.

Termin steht noch nicht fest.
Da das OLG nicht so zügig arbeitet wie das LG wird der nächste Prozess voraussichtlich im kommenden Jahr stattfinden.

Freundliche Grüße

C. Völling


Der Kampf geht also weiter ... Auch bei Christianes anderen zwei Verfahren, bei denen die zuständigen Beamten nach wie vor blocken und mauern wie gehabt ... Wir wünschen Christiane viel Kraft und Solidarität!

Jesus loves me!

ich kann mich noch gut an dieses gefühl erinnern, als ich mit weissem kleid, blumenkranz, schleier und kerze zur ersten kommunion gehen, den leib christi zu mir nehmen durfte. ich fühlte mich angenommen, beseelt, auch ich war es wert, jesus hatte mich lieb. ich war ganz aufgeregt und glücklich und stolz. es war wie eine bestätigung, dass ich doch auch dazu gehöre. obwohl ich abartig und nicht richtig war. das war wie eine absolution. dass ich nicht richtig war, hatte man mir ein jahr vorher unmissverständlich gezeigt, als man trotz lebensbedrohendem herzfehler mein zwittriges genital zurecht stutzte. der liebe gott nahm mich im gegensatz zu den menschen an, zumindest glaubte ich daran. ich war als kind sehr gläubig und dachte eine zeitlang sogar darüber nach, wie es wäre, nonne zu werden, in der abgeschiedenheit und im schutz der katholischen kirche zu leben. hab offenbar schon früh damit begonnen, meine optionen abzuwägen.

Monday, March 17 2008

"Zwitter-Neid": Zwischengeschlechtliche als (fiktives) Ideal

Es ist ein altes Lied, dass viele, vor allem Trans*menschen und "Gender"-EnthusiastInnen, "Bio-Zwitter" als (fiktives) Ideal verherrlichen -- während sie gleichzeitig die realen, zwangsoperierten Zwischengeschlechtlichen systematisch aus ihrer Wahrnehmung ausblenden bzw. für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren und damit deren berechtigte Anliegen mit Füssen treten. Im besten Fall sind solche Menschen wohl einfach naiv und wissen schlicht von nix (obwohl's schon komisch dünkt, wie mensch sich so wenig für etwas interessieren und davon wissen kann, das mensch dauernd im Mund führt und als "Beweis" für seine Theorien hinzuzieht).

Solche Menschen sagen dann oft, sie wären gerne Zwitter, oder sie würden Zwitter gar um ihr Schicksal beneiden. In einem neueren [inzwischen gelöschten] Kommentar von User supernovist zur Polylux-Sendung letzten Donnerstag hat's just mal wieder so ein Statement (zu den früheren Kommentare siehe unter PS):

Ich fände es eher einen Segen mit beiden geschlechtern ausgestattet zu sein. Und ich beneide, jene die dies Glück haben.

Wobei ich jetzt mal eher bezweifle, dass der Betreffende unbedingt zur zwangsoperationsgeilen Fraktion gehört (die "Intersexuelle" aus diesem Grund beneiden) ... Trotzdem, wie jemand als Kommentar zu einer Sendung, in der auch die Zwangsoperationsproblematik wiederholt angesprochen wurden, sowas rauslassen kann, werd ich wohl nie begreifen. Zum Glück hat Interlife in anderem Zusammenhang zu diesem Thema schon vor bald drei Jahren wohl alles wesentliche gesagt, so dass ich hier einfach mal ein Zitat daraus anfüge:

Wie kann sich ein transidenter Mensch wünschen intersexuell zu sein?
Läßt man sich den gerne befummeln, operieren und genitalverstümmeln? Nimmt man gerne sein Leben lang Medikamente? Macht es Spaß nicht fortpflanzunsfähig zu sein (Ok, es gibt Ausnahmen)?

Offensichtlich besteht grad in der "Gender"-Szene, die sich (wie z.B. supernovist) moralisch ja so meilenweit über den "blösen [sic!] Kleinbürger Hirn[en]" fühlt, ein erheblicher Aufklärungsnachholbedarf -- womöglich noch mehr als bei den SpiesserInnen-Normalos, die schlicht über gar keine Informationen zum Thema verfügen.

Und vom mangelnden Willen, sich mit den berechtigten Anliegen der Zwischengeschlechtlichen praktisch zu solidarisieren, fang ich heut wohl besser gar nicht erst an ...

Friday, March 14 2008

Zwitter @ Polylux -– jetzt zum anschaun! Yipyip!

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Ist ja voll cool geworden! Gratulation den beiden! Ganz schön frech & Nagel auf den Kopf! Yipyip!

Auch auf dem Genderfreeblog kommentiert Nikanj das Resultat zufrieden wie folgt:

Ganz schön geworden, etwas vereinfacht und leicht schräg dargestellt, aber bei der Kürze transportiert der Beitrag schon die richtige Message!

PS: Definitiv weniger doll sind hingegen die (bisher 2) Kommentare unten auf der Polylog-Page: Halt der Niederschlag der üblichen Mediziner-Lügen von wegen "heute sind wir schon längst nicht mehr so zwangsoperationsgeil (ab und zu, wenn die Eltern sich absolut quer stellen und mit dem Anwalt drohen, machen wir nämlich auch ne, öhm, Ausnahme)" + "innere Zwitter-Geschlechtsteile müssen sowieso in jedem Fall sofort raus wegen Krebsgefahr (wie übrigens jede Normalo-Prostata, Brust und Gebärmutter auch, bloss hindert uns hier bisher leider das Familienministerium dran)". Offensichtlich bleibt da noch ne Menge Öffentlichkeitsarbeit zu leisten ...

Zur Dokumentation hier noch der [ergänzte] Ankündigungs-Text von der Polylux-Homepage:

Sendung vom 13.03.2008

Thema: Intersexuelle - das dritte Geschlecht

Claudia Bäckmann
Christina Zoller
[mit Ins A. Kromminga und Anja Kumst (1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.)]

Sie sind weder Mann noch Frau und haben damit kein Problem. Intersexuelle fordern ihren Platz in der Gesellschaft.

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Vor vier Wochen machte europaweit ein einmaliger Prozess Schlagzeilen: Ein Arzt wurde verurteilt, weil er der 48jährigen Christiane Völling bei einer Blinddarmoperation Gebärmutter und Eierstöcke heraus operiert hatte. Ohne sie vorher zu fragen. Der Grund: Christiane Völling ist intersexuell, hat somit auch die männlichen Geschlechtsorgane. Der Arzt wollte mit seinem Eingriff also nur Ordnung schaffen, ein gängige Praxis in Deutschland. Denn es darf nur entweder oder geben. Mann oder Frau. Und damit Basta. Warum eigentlich?

Thursday, March 13 2008

Zwitter in aller Munde

Michel Reiter und Heike Bödeker waren 1996 der Urknall, Elisabeth Müller, Katrin Ann Kunze, Claudia Kreuzer-Clüsserath, Ins A. Kromminga, Alex Jürgen und viele andere trugen die Flamme unermüdlich weiter, und mit dem sensationellen Prozesserfolg von Christiane Völling wurde 2008 aus dem Tabu-Thema "Zwitter und ihre unmenschliche 'Behandlung' durch die Gesellschaft und insbesondere die Mediziner-Zunft" endlich ein veritabler Flächenbrand (weiter angefacht auch durch diverse Pressemitteilungen dieses Blogs, *selbstschulterklopf*). Besser noch, die Zwitter-Öffentlichkeits-Offensive geht ungebrochen weiter und weiter ...

Noch eine positive Folge, "Intersexualität" bleibt weiterhin verschärft Gegenstand von Schul- und Semesterarbeiten etc. Ein weiteres Beispiel dieses Trends ging vor wenigen Tagen online.

Zwar wird darin nach wie vor m.E. zu sehr und nicht immer gerade super-kritisch auf Mediziner-Statements z.B. aus dem Netzwerk abgestellt, zur Behandlungsunzufriedenheit wird allein aus einer Studie (ausgerechnet) aus dem Johns Hopkins zitiert, während die aktuellere und einiges eindeutiger ausfallende Hamburger Netzwerkstudie anscheinend unterhalb des Radars blieb, ebenso die die Zusammenhänge zwischen Gendertheorie und Zwangsoperationen, in der Linkliste fungiert (ausgerechnet) die dgti einmal mehr vor dem Verein Intersexuelle Menschen e.V., es bleibt unerwähnt, dass Zwitter (theoretisch) ihr zwangszugewiesenes Geschlecht per Personenstandsgesetz ändern können (und lediglich Mediziner und Kassen-Beamte aus durchsichtigen Gründen regelmässig nichts unversucht lassen, sie stattdessen in die Trans*schiene zu zwingen) usw., doch alles in allem, die Tendenz würd ich doch mal als eindeutig positiv bezeichnen (ganz zu schweigen im Vergleich zu noch so manchem Medienprodudukt).

Dann hoffen wir doch, dass es auch künftig in diese Richtung weitergeht ... mit Zwitter-Power und solidarischem Echo überall!

Wednesday, March 12 2008

drachenschwanz I

wenige tage vor meinem auftritt in der schweizer rundschau brauchte ich dringend eine tonerkassette für den druck des demo-flugblattes. die firma x hatte das teil nicht an lager. der sachbearbeiter wollte jedoch nachfragen und mich umgehend zurück rufen. er liess mich dann aber hängen und war auch bei meinem erneuten anruf zwei stunden später noch nicht weiter, er hätte noch anderes zu tun. da die zeit drängte, rief ich also bei einer anderen firma an und wurde dort fündig. der typ von der firma x hatte inzwischen die tonerkassette erhalten und war ziemlich sauer. ich liess mich aber nicht verunsichern, denn es war nicht meine schuld, was er schliesslich einsah.

kaum hatte ich aufgehängt, fuhr es mir durch den kopf: der sieht dich am mittwoch in der rundschau und wird denken: dieser blöde abartige zwitter hat mich verarscht! und weiter: der typ findet heraus, wo ich wohne, kommt vorbei, beschimpft und bespuckt mich, ist wütend, weil er jetzt auf einer teuren tonerkassette sitzen bleibt, die niemand kaufen will. er schlägt mich zusammen oder vergewaltigt mich. kein wunder, wenn ich schon so schamlos im fernsehen über meine genitalien rede! ich fantasiere weiter: er erschlägt meinen hund, der mich verteidigen will, das arme tier. der film in meinem kopf ist noch nicht zu ende: mein freund kommt rein und will mir helfen und der typ schlägt ihn spitalreif, vor meinen augen, mein baby verletzt, alles nur wegen mir! tod und verderben! und ich bin schuld, ich bin schuld! das kommt davon, weil ich abartiger zwitter nichts besseres zu tun habe, als ans fernsehen zu gehen, über meine genitalien zu reden und leute bloss zu stellen. ich habe das schweigegelübde gebrochen und das hab ich nun davon!

oder vor ein paar monaten, als ein anonymer zettel an meiner wohnungstüre klebte, dass meine hunde in den trockenraum der waschküche scheissen und so weiter (es war katzenkacke). und was geht mir als erstes durch den kopf? die haben mich in der rundschau gesehen und ekeln mich jetzt raus, weil die keinen abartigen zwitter im haus wollen.

ich schäme mich dafür, aber ich habe sogar schon fantasiert, dass ich mein patenkind nicht mehr umarmen darf, nachdem dessen mutter, eine liebe freundin, meine geschichte erfahren hatte. soweit haben die mich gebracht.

in solchen augenblicken wird mir bewusst, wie tief diese angst trotz all der befreiung der letzten jahre immer noch sitzt und dass sie immer ein teil von mir sein wird. die angst, die sie mir eingepflanzt haben, die ich selber genährt habe, die grösser und grösser geworden ist: die angst, sich zu zeigen. die angst vor dem eigenen körper. dieser dicke, obszöne drachenschwanz, den niemand sehen darf.

es macht mich unendlich traurig, wenn ich daran denke, dass diese angst mein ganzes bisheriges leben bestimmt hat: ich habe mich geduckt, versteckt, versucht, so unauffällig wie möglich zu sein. ich habe mich verleugnet, immer und immer wieder. aber ich habe daran geglaubt, wie ein kind halt daran glaubt, dass unter dem bett ein monster ist. und es tut weh, wenn man eines tages heraus findet, dass diese angst irrational ist, dass nichts so schreckliches geschieht. denn das schreckliche ist schon lange geschehen.

die meisten von uns sind gefangene dieser angst. sie lähmt uns, macht uns schwach und einsam. auch wenn die 'haftbedingungen' nicht mehr so schlimm sind und man sich austauschen kann: in seiner zelle sitzt jeder allein.

man kann aus diesem gefängnis heraus treten. ein gefängnis – so schlimm es auch ist – bedeutet jedoch auch schutz ...

nella

Monday, March 10 2008

Zwitter @ Polylux Do 13.3.08 23:45h

Wie Kitty berichtet, wird die Zwitter Medien Offensive bereits am nächsten Donnerstag auf ARD fortgesetzt. Weitere TV-Beiträge sind übrigens schon in Vorbereitung, u.a. bei Spiegel-TV, Beckmann und 37° ... Sind also schon mal gespannt wie Flitzbögen -- und gratulieren allen Beteiligten ebenfalls für ihren Mut! Und sagen Danke!

Nachtrag 2: Mittlerweile ist auf der Polylux-Homepage der Beitrag online:

Thema: Intersexuelle – das dritte Geschlecht

Sie sind weder Mann noch Frau und haben damit kein Problem. Intersexuelle fordern ihren Platz in der Gesellschaft.

Klingt doch schon mal gut ... :-)

Tuesday, March 4 2008

Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!1063 jahre lang nix gelernt ...

– oder wie das systematische verleugnen der naziverbrechen durch die mediziner-zunft mit ihrer heutigen ethischen inkompetenz zusammenhängt: 

>>> beweisstück 1    >>> beweisstück 2 
>>> beweisstück 3    >>> beweisstück 4 (PDF)

Ausgerechnet Medizinstudenten wissen wenig über das dunkelste Kapitel der deutschen Medizingeschichte: die Verbrechen von Ärzten im Nationalsozialismus. b1

Die Ergebnisse [einer Studie von 2001] lassen deutliche Defizite in der Ausbildung zu einem ethisch kompetenten Arzt erkennen. b2

Das liegt aber nicht am mangelnden Interesse der Medizinstudenten. b1

Von vielen einflussreichen Ärzten und Lehrenden wird dieses Thema bis heute totgeschwiegen. b1


Aktueller Bezug in der Ethikdebatte b1

Der Großteil der Ärzte, die in KZs, Kliniken und Heilanstalten Verbrechen gegen die Menschlichkeit beging, kam ohne adäquate Bestrafung davon. b1

Viele dieser Ärzte führten ihre Praxen bis in die Neunzigerjahre weiter oder setzten ihre Karriere ungebrochen fort. b1

Eine adäquate Aufarbeitung der medizinischen Verbrechen im Dritten Reich fand nicht statt. Die etablierte Ärzteschaft tat sich schwer mit einer offenen und ehrlichen Vergangenheitsbewältigung. b1

Drei Präsidenten der Bundesärztekammer nach 1945 waren Mitglieder in der SA oder SS gewesen. 1993 wollte sich einer von ihnen - Hans Joachim Sewering - zum Präsident des Weltärztebundes wählen lassen. Protest aus dem Ausland verhinderte jedoch seine Wahl, da er 1943 die Euthanasie-Ermordung eines 14-jährigen Mädchens mitverschuldet hatte. b1

Auch der Göttinger Rechtsmediziner Klaus-Steffen Saternus sieht großen Diskussions- und Aufklärungsbedarf: "Mit der Verwertbarkeit von Menschen rechtfertigten viele die KZ-Experimente", sagt Saternus. b1

[Dr. Peter Langkafel, Autor der erwähnten Studie an der der Humboldt-Universität Berlin:] "Dem Bedürfnis der Studierenden nach Auseinandersetzung mit medizinethischen Themen insgesamt wird die Fakultät in nur geringem Maße gerecht." b2

Interesse an der Verwendung des in Berlin erstellten Fragebogens bekundete nur eine einzige staatliche Stelle – eine israelische Universität. b1


Von Kollegen als Nestbeschmutzer diffamiert [& hinausgeworfen] b1

[Professor Wolfgang Eckart, Leiter des Instituts der Geschichte der Medizin, Heidelberg:] "Dass ein Medizinstudent im Zeitalter ständiger Ethikdebatten sein Studium absolvieren kann, ohne je mit den schlimmsten Auswüchsen medizinischer Forschung konfrontiert zu werden - das kann doch nicht sein!" b1

[Sein] Engagement auf dem Gebiet der Heidelberger Beteiligung in Euthanasieverbrechen und Menschenversuche löst immer wieder Anfeindungen aus. Selbst Kollegen wollen davon nichts mehr hören. Nestbeschmutzer könne man nicht brauchen. b1

Als der junge deutsche Arzt Hartmut Hanauske-Abel in der Fachzeitschrift ,The Lancet' 1986 Material über die Vergangenheit der deutschen Ärzte veröffentlichte, wurde er dafür vom höchsten deutschen Ärztefunktionär Karsten Vilmar persönlich angegriffen und verlor seine Arbeitsstelle.
b1  b3  b4 (PDF) 

"Deutsche Mediziner mochten die Forschungsmöglichkeiten nicht missen, die ihnen der Massenmord bot", kommentiert Dr. med. Hartmut Hanauske-Abel, 36, die Praxis der NS-Ärzte. "Die industrialisierte Menschenabschlachtung wurde medizinisch organisiert."

Diese unbestreitbare, schändliche Wahrheit publizierte der hessische Arzt 1986 im britischen Fachblatt "The Lancet", der weltweit angesehensten Medizinerzeitschrift. Seither lernt Hanauske-Abel, wie gefährlich es für einen deutschen Arzt sein kann, am bestgehüteten Tabu seines Standes zu rühren.

Der angehende Kinderarzt wurde im "Deutschen Ärzteblatt" - Auflage: 197 000 und jedem westdeutschen Arzt als "Pflichtblatt" ins Haus geschickt - als eine Art vaterlandsloser Geselle, als Nestbeschmutzer und Ignorant vorgeführt: in einem Interview, bei dem das Medizinerblatt über acht Seiten den Präsidenten der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, höchstpersönlich und untertänigst befragte. Die für Hanauske-Abel zuständige Bezirksärztekammer Rheinhessen strich den Kollegen umgehend aus ihrer Mitgliederliste. Ruck, zuck und in zeitlicher Koinzidenz verlor er auch die Berechtigung, am ärztlichen Notfalldienst teilzunehmen; Verdienstausfall bisher: rund 60 000 Mark.

Auf amtlichem Papier verbreitete der "Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer" über den jungen Forscher den unbelegten Satz: "Diverse Falschaussagen sind von ihm hinreichend bekannt." Die Verleumdung hat sich inzwischen bis in die USA verbreitet, wo der wahrheitsliebende Doktor seit kurzem an der Kinderklinik der Harvard Medical School in Boston arbeitet.   b3

(gefunden via Forum Privates Netzwerk Medizingeschädigter)

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- AWMF-Leitlinie: Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Genitalverstümmler
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation"  – Dr. med. Jörg Woweries
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Terre des Femmes: "vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung"
- "Ethik als Freifahrtschein" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren Verstümmelungen
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Tagung RECHTE VON KINDERN IN MEDIZIN UND FORSCHUNG, Göttingen
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

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