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Tuesday 9 March 2010

"Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht" - öffentliche Diskussion, Bremen 14.4.10 20h

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Ort: "belladonna", Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V., Sonnenstraße 8 , 28203 Bremen

Von Michel Reiter auf auf seiner Homepage und im Hermaphroditforum gepostete Ankündigung:

Talkrunde
[...]

Weder Frau noch Mann
Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht

in Kooperation mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bremen

Die Existenz von Menschen, die sich biologisch nicht eindeutig in die Kategorie „Frau“ oder „Mann“ einordnen lassen, wird in der Öffentlichkeit meist gar nicht wahrgenommen. So genannte Intersexuelle, Hermaphroditen oder auch Zwitter werden schon als Kleinkinder medikamentös oder operativ behandelt mit dem Ziel, ihnen ein „eindeutiges“ Geschlecht zuzuweisen. Meist geschieht das, bevor sie alt genug sind mitzuentscheiden. Sie geraten in die Mühlen der Medizin und leiden unter den Folgen der Behandlung oft ihr ganzes Leben lang. Der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung führt häufig zu Depressionen, nicht selten auch zu Suiziden. Angehörige werden häufig nicht umfassend aufgeklärt und beraten. Sie fühlen sich massiv unter Druck gesetzt.
„Warum und wieso kann es nicht einfach akzeptiert werden, dass es ein `drittes Geschlecht´ gibt? Es ist die unbeschreibliche Ohnmacht, die einen überfällt wenn man einmal mehr als NICHT EXISTENT bezeichnet wird.“ (Auszug aus einem online-Tagebuch eines Betroffenen).

Impulsreferat von Michel Reiter: „Hermaphroditen: das unaussprechlich Reale?“
Er kämpft seit Jahren für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

In der Talkrunde:
Lucie Veith, Gruppe Intersexueller Menschen e.V., Hamburg
Prof. Dr. Konstanze Plett, Professorin für Rechtswissenschaften und Gender Law, Universität Bremen
Moderation: Björn Fecker, MdBB, stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die Diskussionsveranstaltung ist für Frauen und Männer

Kommentar: Die Formulierung "Für Frauen und Männer"  ist, wie schon im Hermaphroditforum festgehalten wurde, Standard bei vielen Frauenprojekten, wenn zu einer Veranstaltung nicht ausschliesslich Frauen zugelassen sind, und folglich nicht böse gemeint, wenn auch im vorliegenden Fall zumindest formell unsensibel.

In der Sache selbst scheint diese Veranstaltung, in löblichem Gegensatz z.B. zum sog. "Fachgespräch" der Bundestags-Grünen vom letzten Jahr, endlich gewillt, die Leiden der Zwangsoperierten Ernst zu nehmen und auf sie zu hören. Danke! Bleibt zu hoffen, dass als nächster Schritt konkrete politische Aktionen folgen, um die kosmetischen Zwangseingriffe endlich zu stoppen!

Allein in Deutschland wird etwa JEDEN TAG ein Zwitterkind genitalverstümmelt, in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES! Wie lange noch?

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen
- Euro-DSD: Lübecker Zwitterstudie frisiert
- Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert

Saturday 6 March 2010

Schweiz: Verfassungsartikel Forschung am Menschen – Chance im Kampf gegen genitale Zwangsoperationen und sonstige experimentelle Zwangsbehandlungen an Zwittern

Nachtrag: Der Verfassungsartikel wurde mit über 77% Ja-Stimmen angenommen!

Menschenrechte auch für Zwitter!In der Schweiz wird am kommenden Wochenende über einen Verfassungsartikel abgestimmt, der den Bund beauftragt, Forschung am Menschen landesweit mittels Vorschriften zu reglementieren, da bisher nur teilweise kantonale, uneinheitliche und lückenhafte Vorschriften bestehen. Da die meisten Parteien und auch die betroffenen medizinischen Standesorganisationen die Vorlage befürworten, hat sie gute Chancen.

Obwohl u.a. die Pflicht zur Kontrolle von Menschenversuchen im Verfassungsartikel leider nur mangelhaft verankert wurde, könnte die Zwitterbewegung in ihrem Kampf gegen die experimentellen kosmetischen Zwangseingriffe an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen von einer Annahme des Verfassungsartikels klar profitieren.

Bezüglich einer verbindlichen und transparenten Kontrolle sämtlicher Menschenversuche besteht jedoch aus der Sicht der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org dringend zusätzlicher Handlungsbedarf.
 

Seit den 1920ern:
Serienweise uneingewilligte und unkontrollierte Menschenversuche an Zwittern

Seit über 90 Jahren werden kosmetische Genitaloperationen, Zwangskastrationen, Zwangshormon"therapien" und weitere, nicht eingewilligte, medizinisch nicht notwendige Zwangseingriffe an Zwittern von den SerientäterInnen ausschliesslich experimentell durchgeführt, d.h. es wurde weltweit nirgends und nie klinisch getestet, ob die "Behandlungen" für die Zwangsbehandelten überhaupt eine "Verbesserung" bringen, und wie es im Gegenzug mit den "Nebenwirkungen" ausschaut (sog. "mangelnde bzw. fehlende Evidenz").

Die insbesondere nach Zwangskastrationen lebenslangen Zwangshormon"therapien" wurden ebenfalls nie klinisch geprüft, die verwendeten Medikamente für diese Anwendungen weltweit nirgends und nie von einer Arzneimittelbehörde geprüft und folglich auch nicht freigegeben (sog. unkontrollierter "Off-Label Use"). Dasselbe gilt auch für die seit Ende der 1970er ebenfalls seriell durchgeführten pränatalen Zwangshormontherapien.

Schlimmer noch, obwohl diese medizinisch nicht notwendigen, uneingewilligten experimentellen Zwangsbehandlungen seit den 1950ern – also seit deutlich über einem halben Jahrhundert! – an allen entdeckten neugeborenen und erwachsenen Zwittern systematisch vollzogen werden, haben die TäterInnen sich bisher um klinische Tests oder nur schon systematische Nachuntersuchungen (sog. "Follow-Ups") stets foutiert, nicht zuletzt, da solche einen zentralen Aspekt der "Therapien" in Frage stellen würden, nämlich das Verschweigen der Eingriffe und des wahren Geschlechts den misshandelten "PatientInnen" gegenüber.

Alle Zwangsbehandlungen an Zwittern erfolgen demzufolge seit jeher als unkontrollierte medizinische Menschenexperimente bzw. als unkontrollierte Feldversuche.

Der einzige angebliche "Beweis" für die Zwangsbehandlungen, John Moneys infames "John/Joan"-Zwillingsexperiment, wurde bereits 1997 als krasse wissenschaftliche Fälschung entlarvt. Trotzdem tun die Medizyner in der Regel heute noch so, als ob es sich bei diesen Zwangsbehandlungen um einen erprobten medizinischen Standard handle, und preisen die Zwangsbehandlungen vor allem den in der Regel überforderten Eltern gegenüber seit Jahrzehnten widerrechtlich als "sicher" und "erprobt" an – obwohl sehr viele Fälle unzufriedener Erwachsener publik sind, auch in offiziellen Studien.


2010: Was könnte der neue Verfassungsartikel für Zwitter bringen?

Allen gegenteiligen Lippenbekenntnissen von Medizynern zum Trotz werden die experimentellen, medizinisch nicht notwendigen, nicht eingewilligten Zwangsbehandlungen an Zwittern auch in der Schweiz weiterhin systematisch praktiziert. Zwischengeschlechtlich geborene Menschen sind wohl die Bevölkerungsgruppe, die widerrechtlichen medizynischen Menschenversuchen am schutzlosesten ausgeliefert sind.

Unter diesen Umständen können Zwitter von einer evtl. auch nicht ganz perfekten Reglementierung von Menschenversuchen auf Bundesebene, wie sie der Verfassungsartikel vorsieht, praktisch nur profitieren. Auch die als Folge des Verfassungsartikels folgende politische und öffentliche Diskussion um konkrete Gesetzesvorschriften stellt eine grosse Chance dar, die menschenrechtswidrigen experimentellen Zwangsbehandungen an Zwittern öffentlich anzuprangern.

(Auch wenn eine öffentliche Diskussion selbst bei Annahme des Verfassungsartikels grosse konkrete Anstrengungen erfordern wird, da, wie andernorts bereits festgestellt, schon der Verfassungsartikel im Vergleich mit den übrigen Abstimmungsvorlagen weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit blieb.)


Schwachpunkt: Mangelnde Transparenz und Kontrolle

Aus Sicht der Zwitterbewegung stellt der schwerwiegendste Makel des Verfassungsartikels die nur ungenügend vorgeschriebene Erfassung und Kontrolle von medizinischen Humanexperimenten dar. Die im Verfassungsartikel verankerte "unabhängige Überprüfung" (Art. 118b Abs. 2 b.) "von einer unabhängigen Stelle (z.B. einer Ethikkommission)" (Erläuterungen des Bundesrats, Abstimmungsbroschüre (PDF) S. 8) ist klar zu wenig verbindlich, um unkontrollierte Menschenversuche, wie sie an Zwittern seit über 90 Jahren serienweise sowie seit bald 60 Jahren systematisch praktiziert werden, erfolgreich einzudämmen. Hier besteht bei der späteren Ausformulierung konkreter Gesetzesvorschriften dringender Handlungsbedarf.

Wie etwa das Beispiel der letzten Monat in Amerika erfolgreich angelaufenen Initiative zur Überprüfung der experimentellen pränatalen Zwangshormontherapien zeigt, braucht es verbindliche Regelungen, damit medizinische Menschenexperimente ohne Registrierung und kontinuierliche, transparente Kontrolle durch entsprechende Kontrollstellen nicht durchgeführt werden dürfen, sofern der vom Verfassungsartikel propagierte Schutz vor unethischen und gar schädlichen Humanexerimenten ganz nach dem Belieben der ExperimentatorInnen nicht ein blosser Papiertiger bleiben soll, sowohl für Zwitter wie auch für alle anderen, zum Zeitpunkt der Experimente nicht einwilligungsfähigen menschlichen "Versuchsobjekte".
 

  • Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org unterstützt aus obigen Überlegungen den zur Abstimmung stehenden Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen.
     
  • Und fordert alle Parteien und Interessengruppen auf, sich dafür einzusetzen, dass eine verbindliche und transparente Kontrolle aller medizinischen Menschenversuche in den zu schaffenden Gesetzesvorschriften verbindlich verankert wird.


Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Zwangsoperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Thursday 4 March 2010

OII-Petition gegen Diskriminierung von Zwittern durch das Internationale Olymische Komitee (IOC)

>>> Caster Semenya and Discrimination of "Hermaphrodites" in Sports
>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Gender Tests, Surgery for Intersexed Athletes
>>> "Hermaphrodites" in sports: IOC and IAAF deny responsibility
>>> Open Letter to IOC      >>> IOC's (Non-)Answer     >>> Stop Genital Surgery

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Organisation Intersex International (OII) hat eine unterstützenswerte >>> Online-Petition an das Internationale Olympische Komitee aufgeschaltet, verfasst von Hida Viloria, worin gefordert wird:

1. Das IOC soll seine Forderungen zurücknehmen, wonach zwischengeschlechtliche Sportlerinnen ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") diagnostizieren und "behandeln" lassen müssen [dieser Blog berichtete].

2. Das IOC soll den erwähnten Athletinnen, bekannt als zwischengeschlechtliche Frauen ("intersex women"), erlauben als Frauen an Wettkämpfen teilzunehmen, ohne ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") zuerst diagnostizieren und "behandeln" lassen zu müssen.

3. Das IOC, die Presse und Mediziner sollen diese Frauen mit körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") als "Intersex Frauen" bezeichnen, und nicht als "Frauen mit einer Störung der geschlechtlichen Entwicklung".

Kommentar: Nach dem unterstützenden Statement vom 17.2.10 (siehe hier --> 7) zur Kampagne gegen Dexamethason-Zwangsbehandlungen ergreift die Organisation Intersex International (OII) nun schon zum 2. Mal im neuen Jahr konkrete Schritte gegen ZwangsbehandlerInnen von Zwittern und ihre Handlanger und Helfershelfer (statt der sonst eher üblichen Aktivitäten betreffend "internen Grabenkämpfen" sowie zu den Themenkreisen "Identität" und "(Trans-)Gender").
Wir gratulieren!
Und fordern alle auf: >>> Unterschreibt auch!

Siehe auch:
- Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
- Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit

Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen: Weitere Antworten auf Offene Briefe

Menschenrechte auch für Zwitter!

Heute wurden auf fetaldex.org/updates neue Antworten auf Offene Briefe der Kampagne veröffentlicht von der US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen und der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society. Links und Zusammenfassungen:
UPDATES >>> 7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche

Wednesday 3 March 2010

Schweiz: Zwitter-Vereinnahmung im Zusammenhang mit Amnesty-Petition - Sündikat gibt Gegensteuer!

Heute behandelt der Schweizer Nationalrat eine >>> Motion vom 9.6.09 der Grünen Katharina Prelicz-Huber (PDF) zur Erweiterung des Flüchtlingsbegriffs um "Fluchtgründe[...] im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung und/oder Identität", um eine "Sensibilisierung" zu erreichen "bezüglich der geschlechtsspezifischen Verfolgungssituation von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transsexuellen usw." (vgl. dazu auch ihre damit zusammenhängende >>> Interpellation gleichen Datums (PDF)). Zu deren Unterstützung lancierte Amnesty Schweiz eine Kampagne "Homosexuelle Flüchtlinge brauchen unseren Schutz", sowie eine (unterdessen abgeschlossene) >>> Online-Petition.

Wohl nicht von Amnesty selbst, aber z.T. im Namen von (Queer-)Amnesty Schweiz wurde u.a. mit Rundmails (Wortlaut siehe z.B. hier und hier) für diese Petition geworben, in denen (im Gegensatz zur Amnesty Kampagne und Petition selbst) einmal mehr die übliche Zwittervereinnahmung betrieben wurde, indem "Intersexuelle" einmal mehr "mitgemeint" werden, ohne dass jedoch auf ihre spezifischen Probleme überhaupt eingegangen wird (wie es derzeit auch in Deutschland im Zusammenhang mit dem Kampf um Aufnahme des Schutzes von "sexueller Identität" ins Grundgesetz allenthalben praktiziert wird).

Soweit, so altbekannt. Ganz neu war hingegen, dass in der Schweiz die Queer-Interessengruppe Sündikat diese Zwitter-Vereinnahmung öffentlich kritisierte und sich mit der Zwitterbewegung aktiv solidarisierte, indem sie den besagten Aufruf zwar weiterleitete, aber nur unter folgendem Vorbehalt:

Sündikatverteiler mit Vorbehalte zum Petitionstext

Liebe alle

Wir haben uns nach einiger diskussion dafür entschieden, die untenstehende petition *trotz vorbehalten * weiterzuleiten. Wir stören uns an der willkürlichen und unsystematischen aufzählung der betroffenen (im ersten satz geht es um lesben, schwule, bisexuelle und transgender, ein paar sätze weiter dann um transsexuelle und intersexuelle, und im vorgeschlagenen gesetzestext steht nochmals ein anderer text). *Vor allem aber finden wir problematisch, dass die petition mit den rechten von intersexuellen argumentiert, obwohl sie rein gar nichts dafür tut. Die formulierung "sexuelle orientierung und/oder identität" schließt intersexuelle im zweifelsfall nicht ein, und auf das recht auf körperliche unversehrtheit wird mit keinem wort eingegangen.* (Natürlich, *weil dieses leider auch in der schweiz immer noch nicht garantiert werden kann!*)

Trotz dieser mängel halten wir die petition für einen schritt in die richtige richtung. Aber keinesfalls für den letzten!

Wir möchte uns diesem Vorbehalt anschliessen und bedanken uns für diesen Akt der Solidarität bei allen Beteiligten ganz herzlich! (Wenn auch leider ferien- und krankheitshalber erst jetzt.)

Zudem scheint, nachdem Amnesty Schweiz noch im alten Jahr in anderer Sache einen mit dem kritisierten Rundmail vergleichbaren, scheinbar unbeirrbaren Vereinnahmungskurs fuhr, im neuen Jahr, ebenfalls dank Hinweisen des Sündikats, bei Amnesty Schweiz nun prinzipiell etwas in Bewegung zu kommen ... Auch dafür allen Beteiligten schon mal herzlichen Dank!

Nachtrag: Wie Pink Cross mitteilte, lehnte der Nationalrat am 3.3.10 die Motion von Katharina Prelicz-Huber mit 125 zu 64 Stimmen ab: "PINK CROSS bedauert, dass dem speziellen Schutzbedürfnis von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender nicht Rechnung getragen wird. Sie werden zwar nach der Praxis vom Gesetz "mitgemeint", doch hätte die ausdrückliche Erwähnung zu einer verstärkten Sensibilisierung geführt, die sehr wichtig gewesen wäre." Sowohl kommerziellen noch sonstigen deutschsprachigen Medien war dies offensichtlich keine einzige müde Zeile Wert ... (Oder zumindest findet sich online keine einzige Meldung.)

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Sunday 28 February 2010

Kampagne gegen pränatales Dexamethason: Weitere Offene Briefe

Menschenrechte auch für Zwitter!

Hilde Lindemann und Alice Dreger schrieben einen 4. Offenen Brief, plus zusätzliche Offene Briefe an weitere Organisationen, u.a. im Zusammenhang mit Studien von Heino Meyer-Bahlburg. OII publizierte zudem ein unterstützendes Statement.
UPDATES >>> 7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche

Saturday 20 February 2010

Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt" - Südwest Presse, 20.2.10

“Sexualisierte Gewalt ist Seelenmord – ihn mit Liebe zu vergleichen, ein Verbrechen.”  (Norbert Denef)

Wie traumatisierte Opfer von sexualisierter Gewalt im Kindesalter wurden auch traumatisierte zwangsoperierte Zwitter meist von klein an massiven Gewalttaten und Übergriffen ausgesetzt, gekoppelt mit gewaltsam durchgesetzen Schweigegeboten und dem Zwang, sich konstant verleugnen müssen.

Viele zwangsoperierte Zwitter stellen immer wieder fest, wie sehr mitunter Aussagen von Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch Ähnlichkeiten haben mit ihren eigenen Geschichten. So auch Nella >>> bei diesem Fernsehbeitrag.

Ebenfalls gemeinsam haben sie die "doppelt so [hohe Rate bei] [...] selbstverletzendem Verhalten und Selbstmord [...] wie bei der Normalbevölkerung", wie etwa Hertha Richter-Appelt mehrfach öffentlich zitiert wird.

Was jedoch zur Zeit in Deutschland in Sachen aktiver Kampf gegen Kindesmissbrauch abgeht, da können Zwitter und solidarische Nichtzwitter derzeit nur neidisch gucken – und sich freuen!

Aus aktuellem Anlass ein weiterer Blick über den "eigenen" Tellerrand hinaus:

>>> Interessanter Leitartikel von Elisabeth Zoll zu einem ebenfalls
>>> interessanten Artikel über einen wiederum
>>>
interessantem Spiegel-Follow-Up-Artikel zur schon wieder
>>>
interessanten vorletzten Spiegel-Titelgeschichte.

Diese beindruckende Medienresonanz kommt nicht von Ungefähr:

>>> Seit langem Aktive
>>> mit
vorbildlicher und hochinteressanter öffentlicher Präsenz
auf >>> vielen Kanälen >>> machen mobil:

Jetzt bricht eine neue Ära an – Opfer stehen für sich ein

Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind Opfer sexualisierter Gewalt. Es reicht!

Wir Betroffenen wenden uns an alle anderen Gewaltopfer und alle Gutwilligen, die die Kraft haben, die Barbarei, die sexuelle Gewalt bedeutet, wahr zu nehmen und sich ihr entgegen zu stellen. Viel zu lange hat uns unsere Scham den Mund verschlossen.

Aber so werden wir nie etwas ändern. Es wird immer so weiter gehen, immer weiter wird es Kinder geben, die dran glauben müssen, wenn wir unsere Erfahrungen bei uns behalten, als würden sie nur uns etwas angehen. Nein, sie gehen alle an!

Und >>> fordern:

"Nur der radikale Ausstieg aus der Opferrolle, verbunden mit dem Ablegen aller Masken, die wir bisher zum Schutz getragen haben, kann den Opfer-Täter-Täter-Opfer Kreislauf beenden."

Dass es nur mit genügend Druck und Entschlossenheit tatsächlich real möglich ist, Täter öffentlich blosszustellen und juristisch zur Verantwortung zu ziehen, und zwar überall, war schon dem Spiegel-Titel nicht entgangen:

[...] Wie ihre deutschen Brüder versuchten Nordamerikas katholische Bischöfe jahrelang, ihre Priester zu schützen, die Vorwürfe kleinzureden, die Opfer abzubügeln - bis US-Gerichte, Politik und Öffentlichkeit sie zu Antworten drängten. Und zu Entschädigungen. Der Gesetzgeber hob Verjährungsfristen auf, beispielsweise im Bundesstaat Delaware, was zu einer Flut neuer Klagen führte; Urteile zwangen Diözesen, ihre Archive zu öffnen.

Mehr und mehr Opfer meldeten sich, am Ende überrollte die katholische Kirche Nordamerikas der größte Skandal ihrer Geschichte. Die Bilanz der US-Bischöfe: Seit 1950 missbrauchten mehr als 5000 Priester etwa 12 000 Heranwachsende.

Gleich mehrere Bistümer gingen pleite, weil sie die Entschädigungen nicht zahlen konnten, zum Beispiel Tucson in Arizona und San Diego in Kalifornien, jedes Mal hatten Hunderte Betroffene Ansprüche gestellt. Allein die Erzdiözese Los Angeles überwies über 660 Millionen Dollar. Insgesamt zahlte die US-Kirche deutlich über zwei Milliarden Dollar an Entschädigungen.

Dieser Blog freut sich für alle Opfer von sexualiserter Gewalt, die nun hoffentlich nicht nur in Deutschland endlich der Gerechtigkeit einen hoffentlich entscheidenden Schritt näher kommen, und wünscht allen aktiv Beteiligten weiterhin viel, viel Kraft und Ausdauer!

>>> http://norbert.denef.com   

Monday 15 February 2010

"Geschlechtstests im Sport: Wer legt eigentlich fest, was als normal gilt?" - FAZ, 15.2.10

>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Tests & Surgery      >>> Background Report

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!>>> Lesenswerter Artikel von Oliver Tolmein über das "Tabu" der "Offiziellen" betreffend "Geschlechtstests in Vancouver": Der Autor belegt, wie in sämtlichen offiziellen Verlautbarungen und Publikationen zur aktuellen Winterolympiade das heisse Eisen des menschenrechtswidrigen Umgangs mit Zwittern vom IOC schlicht totgeschwiegen wird.

Weiter rekapituliert der Artikel das empörende IOC-Medizyner-"Symposium" in Miami vom letzten Monat:

Die Diskussion, zu der nur ein handverlesener Kreis von Medizinern, aber weder Sportler noch Vertreter von Organisationen Intersexueller oder Transsexueller geladen waren, verlief offenbar so kontrovers, dass konkrete Richtlinien, die bei den Winterspielen umgesetzt werden könnten, nicht verabschiedet wurden.

Anders als z.B. in einem kürzlich im >>> Time Magazine publizierten Artikel moniert Oliver Tolmein zu Recht, dass Mokgadi Caster Semenya auch über ein halbes Jahr nach ihrem Sieg in Berlin immer noch im Ungewissen gelassen wird (während ihre Konkurrenz schon frohlockt, dass sie in Doha wohl nicht antreten wird >>> englischer Artikel).

Ebenso das Schicksal der "der indischen Weltklasseläuferin Santhi Soundarajan, der nach einem intransparenten Verfahren aufgrund eines Gentests die Silbermedaille aberkannt wurde".

Leider beschränkt sich Oliver Tolmein in der juristischen Würdigung einzig auf die Auseinandersetzung um "eventuelle Schadenersatz- und Schmerzensgeldzahlungen"; dass es sich beim unlauteren Vorgehen von IOC, IAAF & Co. um klare Menschenrechtsverletzungen handelt, wird einmal mehr nicht erwähnt.

Und woher gar die Behauptung stammt, bei Caster Semenya sei "offenbar" AGS/CAH "diagnostiziert" worden, bleibt ebenfalls im Dunkeln (bisher lauteten die seit September kursierenden, verletzenden Gerüchte und "Indiskretionen" im Gegenteil, Caster Semenya habe einen XY-Karyotyp und "im Bauchraum verborgene Hoden").

Fazit: Alles in allem trotzdem ein Artikel, der einmal mehr den Finger auf offene Wunden legt und erfreulicherweise ohne "Identität", "sexuelle Orientierung" und ähnliche Vereinnahmungen auskommt.

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org vom 22.01.2010

Friday 12 February 2010

Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen: UPDATES

Menschenrechte auch für Zwitter!

Inzwischen wurde in den USA ein zweiter Offener Brief publik gemacht, plus ein Artikel u.a. von Alice Dreger, plus ein dritter Brief von "Betroffenen":
7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche
8) Eine neue Form von Widerstand
9) Handlungsbedarf auch in Europa

Hilde Lindemann on fetal dexamethasone

Wednesday 10 February 2010

Wenn Zwitter sich als transsexuell verkaufen - Süddeutsche, 10.2.10

Nachtrag 2: >>> Thread auf dem Hermaphroditforum

Kann ein Zwitter Sünde sein?>>> Zwiespältiger Artikel von Anna Fischhaber über die "Intersexuelle" JJ Eichmann, der einmal mehr zeigt, wie positive Medienresonanz ohne kontinuierliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit schnell mal wieder Schnee von gestern wird, und die altbewährten Medinzyner- und Trans-Deutungshoheiten erneut ihr Haupt erheben, als wäre nie etwas gewesen.

Der vorliegende Artikel bringt wie von unsichtbarer Hand gesammelt fast alle einschlägigen Ingredienzen, beginnend mit den Haupt- und Zwischentiteln wie z.B. "Zwitter in München: Mit Bart und Busen" oder "Ich werde ein richtiges Vollblutweib", gefolgt von durchgehenden "Weisheiten" à la "Frauen ohne Gebärmutter, mit Penis. [...] Männer mit Brüsten, ohne Bart.", "mehr oder minder glückliches Doppelleben", "sogar die Fräsmaschine in der Fabrik bedient sie in schwarzen Lackpumps", "überbordende[...] Sexualität", usw. usf.

Während die portraitierte JJ Eichmann einerseits als jemand geschildert wird, die ihre "Sexualität [...] öffentlich macht" (nicht zuletzt durch obige "einschlägige Weisheiten"), lauten die letzten Sätze des Artikels programmatisch:

Heute sagt die Wirtin wieder öfter, sie sei transsexuell, wenn ein Gast genauer hinschaut. Nicht weil sie sich schämt. "Übers Schämen bin ich längst hinaus", sagt JJ. Aber Zwitter, das klingt so unanständig, so fremd. Bei Zwitter kommen immer die Fragen. "Aber wie kann ich erklären, wie ich mich fühle. Wer kann das schon verstehen?"

Ohne Offenlegung und Aufarbeitung der auch in diesem Artikel einmal mehr von A-Z sorgfältig ausgeklammerten Menschenrechts- und Ethikverbrechen wohl tatsächlich niemand.

Die Gender-, Sexologen- und Medizynerfraktionen freuts ...

Nachtrag: Älterer, noch etwas weniger durchgehend "psychopathologisierter" Artikel über JJ Eichmann in der >>> Abendzeitung – teilweise mit wörtlich denselben "Weisheiten" ... 

Nachtrag 2: >>> Thread auf dem Hermaphroditforum  

Stern: Medizyner-Märchen-Diskussion auf dem Hermaphroditforum

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

>>> aktueller Thread zum 2. Artikel auf dem Hermaphroditforum

Noch im alten Jahr erschienen auf Stern-Online innert drei Tagen 2 Artikel, beide Male berichtete diesem Blog unter "Stern verbreitet Medizyner-Märchen" und mit dem Fazit (Artikel 1 / Artikel 2):

Erneut ein Machwerk, das letztlich unter "Medizyner Medien Offensivchen möchte gern zurückschlagen" abgelegt werden muss. Und das als Warnung dienen sollte, dass "positive Medienresonanz" keine Selbstverständlichkeit darstellt, sondern durch harte Lobbyarbeit jedes Mal von neuem erkämpft werden muss – und die Medizyner schlafen nicht ... 

Tuesday 9 February 2010

USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen "auf Verdacht hin"

Menschenrechte auch für Zwitter![ UPDATE 4.3.10: Antworten auf Offene Briefe --> Teil 7 ]

Das gab es meines Wissens nach noch nie: AkademikerInnen kritisieren Medizyner namentlich und fordern aktiv die Einhaltung ethischer Standesregeln auch bei "Experimentalbehandlungen" an Zwittern, indem sie organisiert und öffentlich bei zuständigen Aufsichtsbehörden Meldung erstatten! Hipp, hipp!


Englische Kampagnenseiten:

>>> Fetaldex.org
>>> Advocates for Informed Choice (AIC)
>>> Comment and Videos @ bodyfascist.com 
 

Patient Advocate questions use of Dexamethasone on moms and their unborn babies>>> Englisches Video zur Kampagne mit Janet Green
 

Pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen
bei "Verdacht" auf AGS/CAH

INHALT

1) Einleitung
2) AGS/CAH
3) Dexamethason: Rein kosmetische Zwangsbehandlungen
4) Seit 30 Jahren: Experimentalbehandlungen ohne Evidenz
5) Zwangsbehandelt "auf Verdacht": 9 von 10 sind gar keine Zwitter
6) Im Schatten der Zwangsoperationen
7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Maria I. News unkontrollierte Menschenversuche
8) Eine neue Form von Widerstand
9) Handlungsbedarf auch in Europa
Wird fortgesetzt ...


1) Einleitung

Bislang standen die Dexamethason-Zwangsbehandlungen quasi im Schatten der genitalen Zwangsoperationen. Hoffentlich gerät mit den aktuellen Aktionen diese bisher kaum beachtete Form von ebenfalls medizinisch nicht notwendigen, hormonellen Zwangsbehandlungen an Menschen mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen, noch dazu "auf blossen Verdacht hin" (nur jeder 8. zwangsbehandelte Mernsch ist tatsächlich ein Zwitter!) und mit teils gravierenden "Nebenwirkungen", künftig nicht nur in den USA endlich vermehrt ins Blickfeld der öffentlichen Kritik.

So käme das internationale Zwitterjahr 2010 plötzlich doch noch gut in die Gänge, nachdem im Januar die IOC-Medizyner mit ihren meist menschenverachtenden Ansinnen für einen bisher alles andere als sportlich-runden Start gesorgt hatten. Mit der New Yorker Medizynerin Maria Iandolo New (Mount Sinai Medical Center) gerät nun in Sachen Dexamethason ironischerweise eine Serien-Zwangsbehandlerin unter Beschuss, die erst gerade auch im Namen von IOC, IAAF und FIFA besonders unverholen obligatorische Zwangsbehandlungen für als Zwitter verdächtigte Sportlerinnen gefordert hatte ...

2) AGS/CAH

AGS (Adrenogenitales Syndrom) oder, von Vielen bevorzugt, CAH (Congenital Adrenal Hyperplasia = Angeborene Nebennieren Hyperplasie) ist unter den vielen, vielen verschiedenen Ursachen für die Entstehung von menschlichen Bio-Zwittern die am häufigsten auftretende Form und eine der medizinisch vergleichsweise am besten erforschten (in sehr vielen andere Fällen tappen die Medizyner betreffend Ursachen oder nur einer verlässlichen Diagnose auch heute noch weitgehend im Dunkeln: "finden wir häufig nicht").

Da bei AGS/CAH die Nebennierenrinde statt der Hormone Aldosteron und Cortisol vermehrt Testosteron produziert, kommen diese Kinder oft mit "uneindeutigen" äusserlichen Geschlechtsorganen zur Welt, die von den Medizynern in der Regel von allen Zwitterkindern wohl am massivsten zwangsoperiert werden, um aus ihnen "richtige Mädchen" zu machen.

AGS/CAH ist unter allen Zwitter-Formen insofern eine grosse Ausnahme, dass wegen der damit oft verbundenen mangelnder Bildung von Aldosteron und Cortisol eine medizinisch indizierte Behandlung notwendig ist, nämlich die lebenslange künstliche Ersetzung dieser Hormone, weil sonst tatsächliche körperliche Probleme auftreten (Salzverlust), die je nach Schwere bis zum Tode führen können. Dies betrifft jedoch ausschliesslich diesen Aspekt des Mangels dieser lebensnotwendiger Hormone, NICHT jedoch die körperliche "Uneindeutigkeit".

3) Dexamethason: Rein kosmetische Zwangsbehandlungen

Seit den späten 1970ern werden zur Verhinderung der körperlichen "Uneindeutigkeit" bei AGS/CAH-Ungeborenen schwangeren Frauen, die als "genetische Trägerinnen" verdächtigt werden, "prophylaktisch" mit dem Glukokortikoid Dexamethason traktiert. Ausgehend von Frankreich ist diese nach wie vor unerprobte "Experimentalbehandlung" in den "entwickelten Ländern" inzwischen globaler Quasi-Standard.

Die pränatalen Dexamethason-Zwangsbehandlungen sind – wie auch die genitalen Zwangsoperationen – rein kosmetischer Natur, die oben erwähnten, realen Gesundheitsprobleme wegen möglichen Aldosteron bzw. Cortisol-Mangels bleiben von der Dexamethason-Zwangsbehandlungen unberührt!

Die angestrebte Wirkung betrifft unbestrittenermassen ausschliesslich die Vereindeutigung der "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmale – zur "Vermeidung späterer chirurgischer Eingriffe". Oder wie es in Deutschland die medizynernahe "AGS-Eltern und Patienteninitiative e.V." in ihrer "Infobroschüre" im Abschnitt "A. h. Die vorgeburtliche Therapie des AGS" farbig hervorhebt (S. 27): 

Die vorgeburtliche Behandlung bei Mädchen mit AGS hat zum Ziel, die Vermännlichung der äußeren Geschlechtsorgane zu verhindern und dem Kind dadurch lästige und traumatisierende Operationen zu ersparen.


4) Seit 30 Jahren: Experimentalbehandlungen ohne Evidenz

Wie auch bei den verschiedenen Formen der kosmetischen Genitaloperationen an Zwittern handelt es sich ebenfalls um ein "experimentelles Verfahren", das von den Medizynern jedoch seit Jahrzehnten öffentlich quasi als erprobter Standard verkauft wird. Obwohl die Wirksamkeit der angeblichen "Heilbehandlung" empirisch nie nachgewiesen wurde (mangelnde Evidenz).

Im Gegenteil, jegliche solche empirische Überprüfung oder nur schon Nachfolgestudien (Follow Up), die auch mögliche Nebenwirkungen und die Behandlungs(un)zufriedenheit erfassen würden, wurden Jahrzehnte lang gar nie ernsthaft angestrebt. Kein Wunder, verschiedene Studien belegen "Nebenwirkungen" wie u.a. verlangsamte oder ausbleibende motorische und geistige Entwicklung, 8-fache Hospitalisierungsrate im ersten Lebensjahr sowie nicht abgestiegene Hoden bei männlichen Neugeborenen.

Die unkontrollierte Weiterführung dieser Behandlungen ist eine flagrante Verletzung medizinischer Vorschriften, u.a. betreffend der Rechte der Teilnehmer an Experimentalbehandlungen wie auch gegen das Verbot, Experimentalbehandlungen als Standard zu "verkaufen".

Bei den pränatalen Zwangsbehandlungen mit Dexamethason handelt es sich zudem zudem (wie bei manch anderen Hormon"behandlungen" an Zwittern auch) um einen von den Arzneimittelbehörden weder kontrollierte noch freigegebene Anwendung (Off Label Use).

5) Zwangsbehandelt "auf Verdacht": 9 von 10 sind gar keine Zwitter

Dies, weil die Behandlung möglichst in den allerersten Schwangerschaftswochen beginnen muss; wenn ab der 7 Woche die Geschlechtsentwicklung beginnt, ist es bereits zu spät. Deshalb sollten aus Medizynersicht schwangere Frauen, die schon einmal ein Kind mit AGS/CAH geboren haben, oder bei denen (wie auch bei den Partnern) aufgrund genetischer Tests ein "Risiko" besteht, flächengeckend "auf Verdacht hin" unter Dexamethason gesetzt werden – obwohl in diesem Fall aus genetischen Gründen nur jedes 8. Kind erneut wieder mit AGS/CAH auf die Welt kommt.

Genauer gesagt also: 87.5% aller Zwangsbehandelten sind keine Zwitter. Die restlichen 2.25% sind Zwitter, die trotz Zwangsbehandlung unerwünscht "uneindeutig" bleiben (aber trotzdem unter den Nebenwirkungen leiden).

6) Im Schatten der Zwangsoperationen

Bisher wurden die pränatalen Dexamethason-Zwangsbehandlungen kaum je öffentlich kritisiert.

Auch innerhalb der Zwitterbewegungen fiel Dexamethason öfters mal unter den Tisch (vgl. z.B. die Auflistung im CEDAW-Schattenbericht. Auch auf Zwischengeschlecht.org wurden pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen erst 2009 nachgetragen).

Die meines Wissens nach erste prinzipielle öffentliche Kritik erfolgte 2006 durch die Herausgeberin Sharon Sytsma in "Ethics and Intersex" (Springer 2006, S. xxiv >>> PDF sowie S. 241-258). Sytsma denunzierte die unkontrollierten Behandlungen als unzulässig und unethisch. Auch innerhalb amerikanischer Endokrinologesorganisationen ist Dexamethason zwar nicht überall unumstritten. Trotzdem stiess auch Sytsmas Kritik zunächst auf wenig Widerhall. Geschweige denn, dass jemand versucht hätte, offensichtlich unverbesserliche ZwangsbehandlerInnen konkret zu stoppen ...

7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Maria I. News unkontrollierte Menschenversuche

Nicht nur Amerika werden die experimentellen, pränatalen Dexamethason-Zwangstherapien verschiedentlich öffentlich als "sicher" angepriesen und vermarktet, obwohl Dexamethason für diese Anwendung weder in Amerika noch in Europa je geprüft oder oder gar freigegeben wurde, und solche Anpreisungen für experimentelle "Off-Label"-Anwendungen untersagt ist. Zudem wurden die Dexamethason-Zwangsbehandlungen (wie alle anderen kosmetischen Zwangsbehandlungen an Zwittern auch!) nie klinisch geprüft, weshalb es auch keine Evidenz für ihre angebliche Wirksamkeit und Verträglichkeit gibt. 

Die in Amerika wohl exponierteste Propagandistin der pränatalen Zwangseingriffe, die auch sonst notorische Zwangsbehandlerin Dr. Maria I. New, wurde auf Mediziner-Kongressen von besorgten KollegInnen verschiedentlich auf ihre vorschriftswidrigen Anpreisungen angesprochen, wich jedoch der Diskussion jeweils aus.

In einem ersten Schritt rügten nun 35 BioethikerInnen diese möglichen Verstösse gegen geltende Vorschriften und Gesetze in einem >>> 1. Offenen Brief vom 2.2.10 an die US-Arzneimittelbehörde (FDA Office of Pediatric Therapeutics), an die US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen (HHS Office for Human Research Protections) sowie an Maria I. News Vorgesetzte in den Institutionen, wo sie diese Behandlungen offensichtlich ohne genügenden Schutz für ihre menschelichen Versuchskaninchen regelmässig vorschriftswidrig anpreist und durchführt (Mount Sinai Medical Center, Weill Medical School of Cornell University, Florida International University).

Im Offenen Brief vom 2.2.10 forderten die BioethikerInnen die angeschriebenen Stellen auf zu einer eingehenden Untersuchung von Maria I. News Praktiken, ob diese so überhaupt zulässig sind und allenfalls gegen rechtliche Vorschriften verstossen.

Die US-Arzneimitelbehörde soweie die University of Florida sicherten laut Fetaldex.org am 8.2.10 rsp. 3.2.10 zu, die im Offenen Brief formulierten Anliegen MedizinethikerInnen zu untersuchen.

Der Offene Brief wurde auf einer eigens für die Kampagne geschaffenen Webseite >>> Fetaldex.org öffentlich zugänglich gemacht, ebenso Hintergrundinformationen und eine >>> Videobotschaft von Janet Green, einer betroffenen Patientenfürsprecherin und Mutter mit CAH.

In einem weiteren Schritt informierte Fetaldex.org am 8-9.2.10 die Eltern- und Patienteninitiative CARES Foundation, die – wie in Deutschland die "AGS Eltern- und Patientenitiative e.V." – pränatale Dexamethason-Zwangstherapien als erprobt anpreisen und Maria I. new überdies einen Preis verliehen, über den Stand ihrer Erkenntnisse.

Weiter verfasste die Lobbyorganisation Advocates for Informed Choice (AIC) mit Datum vom 3.2.10 ein >>> offizielles Statement zur Problemlage und veröffentlichte dieses Auf ihrer Homepage.

Das Bioethikforum des Hastings Center publizierte am 8.2.10 einen >>> Artikel von Hilde Lindemann, Ellen K. Feder, und Alice Dreger zum Thema unter dem Titel "Fetal Cosmetology". Siehe auch >>> Videobotschaft von Hilde Lindemann.

Hilde Lindemann on fetal dexamethasone

Die Advocates for Informed Choice (AIC)-Direktorin Anne Tamar-Mattis schrieb im Namen ihrer Organisation am 10.2.10 einen >>> 2. Offenen Brief (PDF) an dieselben Stellen, indem sie erneut detailliert die möglichen Verstösse von Maraia I. New auflistet und eine eingehende Untersuchung fordert.

Wiederum organisiert von AIC wurde am 11.2.10 ein >>> 3. Offener Brief an die üblichen Adressaten versandt, diesmal von 11 öffentlich aktiven erwachsenen Zwittern, darunter auch Daniela "Nella" Truffer von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org.

Organisation Intersex International (OII) publizierte am 17.2.10 ein unterstützendes Statement zur Kampagne.

Hilde Lindemann und Alice Dreger hakten am 22.2.10 in einem >>> 4. Offenen Brief an die üblichen Adressaten nach und präsentieren weitere Quellen dafür, dass Maria I. New und Konsorten unbewilligte, unbeaufsichtigte und unkontrollierte Menschenversuche betreiben. Gleichzeitig schrieben sie weitere Offene Briefe >>> an die Columbia University betreffend fragwürdiger Studien des altbekannten Handlangers der Zwangsbehandler, Heino Meyer-Bahlburg; sowie >>> an den Präsidenten der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society, >>> an das Ethikkomitee der Endocrine Society und >>> erneut an die CARES Foundation.

In einer Antwort der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society vom 25.2.10 geht diese gar nicht erst auf die wesentlichen Punkte des Offenen Briefes vom 22.2.10 ein.

Einer Antwort der US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen vom 3.3.10 auf die Offenen Briefe vom 2.2.10 (1. OB), 11.2.10 (3. OB) und 22.2.10 (4. OB) ist indirekt zu entnehmen, dass die Behörde eine Untersuchung eingeleitet hat.

8) Eine neue Form von Widerstand

So etwas gab es meines Wissens in der ganzen Geschichte der Zwitterbewegungen noch nie: Zwitter, PartnerInnen, solidarische Nicht-Zwitter, AkademikerInnen und verschiedene Lobbyorganisationen ziehen gemeinsam am gleichen Strick mit dem Ziel, gegen unethischen Medizyner öffentlichen und amtlichen Druck aufzubauen, um ihnen ganz konkret das Zwangsbehandeln zu erschweren oder gar künftig zu verunmöglichen.

Zum ersten Mal geht es nicht darum, die Medizyner allein durch höfliches Argumentieren überzeugen zu wollen und so eine Reform in der Behandlung rein auf Grund der Gutwilligkeit längst verhärteter SerienzwangsbehandlerInnen erreichen zu wollen – ein leider vergebliches Unterfangen, wie die bald 20 Jahre Zwitterbewegungen weltweit stets aufs Neue schmerzlich beweisen.

M.W.n. zum ersten Mal wird somit ersthaft versucht, die Medizyner durch institutionellen Druck und sonstige Waffen aus dem Arsenal des Gewaltfreien Widerstands konkret daran zu hindern, ungestört weiter zwangszubehandeln.

Wenn diese Weg weisende Kampagne konsequent weitergeführt wird (und auch entsprechend um sich greift), so besteht m.E. zum allerersten Mal eine konkrete Chance, Medizyner wenigstens in diesem bisher oft vernachlässigten, aber ethisch besonders frangwürdigem (und deshalb auch angreifbarem!) Teilbereich der kosmetischen Zwangsbehandlungen erfolgreich zu stoppen, und zwar unabhängig davon, ob die Serienverstümmler es nun einsehen wollen oder nicht!

Ob dies alles tatsächlich gelingt, muss sich erst noch herausstellen. Dass aber überhaupt zum ersten Mal ein konkreter Versuch in diese Richtung unternommen wird, wird den ZwangsbehandlerInnen schon einmal gehörig Dampf machen.

9) Handlungsbedarf auch in Europa

Bekanntlich werden die pränatalen kosmetischen "Off Label"-Zwangsbehandlungen mit Dexamethason global als angeblich "sicherer" Quasi-Standard durchgeführt. Noch nirgends auf der Welt wurde meines Wissens nach irgendeine Form der kosmetschen Zwangshormontherapien je staatlich geprüft und zugelassen, überall wird damit wohl gegen Gesetze, Vorschriften und Standesgrundsätze verstossen.

Auch in Deutschland. Auch in der Schweiz. Auch in Österreich. Auch in allen unseren Nachbarländern.

Ebenso wie in den USA durch Maria New und die "CARES Foundation" wird auch in Deutschland u.a. durch Prof. Dr. med. Rolf Peter Willig, Dr. med. Achim Wüsthof, das "Endokrinologikum Hamburg", das "Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V.", die "Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie e. V.", die "Gemeinschaftspraxis Raue, Frank-Raue, Hentze, Heidelberg" sowie durch die "AGS Eltern- und Patienteninitiative e.V." die unkontrollierten Menschenversuche mit Dexamethason öffentlich als sicher und wirksam propagiert und angepriesen. Obwohl es auch in Deutschland unter Medizinern durchaus auch kritische Stimmen gibt, die insebsondere die Nichteinhaltung eigentlich verbindlicher Standards bei experimentellen Behandlungen beschreiben.

In der Schweiz werden pränatale Dexamethason-Zwanhsbehandlungen z.B. durch das Kinderspital Zürich und das Inselspital Bern als "nebenwirkungsfrei" bzw. "keine Auffälligkeiten [bekannt]" propagiert und angepriesen werden.

In Österreich dito durch die "Arbeitsgruppe Pädiatrische Endokriniologie & Diabetologie Österreich (APED)" und die "Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde".

Höchste Zeit, dass diese neue Aktionsform auch hier zur Anwendung kommt, und endlich öffentlich auf die Einhaltung der Regeln für "Experimentalbehandlungen" auch für Zwitter gepocht wird.

Sollte es tatsächlich gelingen, den Tätern und ihren Zulieferern auf diese Weise eine empfindliche Niederlage zu verabreichen, wäre dies ein erstklassige Ausgangspunkt, den SerienverstümmlerInnen auch ihre restlichen "Hobbies" endlich derart zu vermiesen, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung endlich auch für Zwitter uneingeschränkt gilt.

ZwangsbehandlerInnen wir kriegen euch!

Fortsetzung folgt ...

Sunday 7 February 2010

"Selbsthilfegruppen boomen" - SonntagsBlick-Magazin, 7.2.10

Menschenrechte auch für Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

In der Beilage zur heutigen Sonntagsausgabe der CH-Boulevardzeitung fndet sich in der Rubrik "Gesellschaft" ein gelungener mehrseitiger Artikel von Sarah Fasolin über Selbsthilfegruppen, dem auch das Editorial gewidmet ist.

Prominent aufgemacht und gleich an erster Stelle mit dabei ein Beitrag über zwischengeschlecht.org-Präsidentin Daniela "Nella" Truffer, hier in ihrer Funktion als Gründungsmitglied der CH-Selbsthilfe intersex.ch.

Im kurzen Portrait redet Nella wie gewohnt Klartext:

Weil ich mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kam, wurde ich über die Jahre mehrfach operiert – ohne meine Einwilligung. [...] Ärzte wollen, so meine Erfahrung, den Austausch unter uns Zwittern verhindern, weil wir sonst die vielen medizinischen Fehlentscheide aufdecken könnten. Vor ein paar Jahren fand ich im Internet die Selbsthilfegruppe in Deutschland. Ich reiste hin und es war wie eine Offenbahrung. Ich sass ganz glücklich unter all den anderen Zwischengeschlechtlichen – erleichtert, nicht mehr alleine zu sein. Diese Treffen waren waren sehr heilsam [...]

Weiter werden im Artikel folgende Selbsthilfegruppen portraitiert: Hinterbliebene nach Suizid, Polybneuropathie-Betroffene, Depressive und Borderline-Patienten. Obwohl der Schwerpunkt des Artikels klar bei "Krankheiten" und "Patienten" liegt, bringt Sarah Fasolins Begleittext auch aus Perspektive der Zwitter, die ihre Besonderheit explizit nicht als Krankheit verstehen, wichtige allgemeine Dinge auf den Punkt, z.B.:

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation den Regierungen schon 1982 empfahl, die Selbsthilfe zu fördern und entsprechende Anlaufstellen zu schaffen, fanden die Selbsthilfegruppen erst Ende der 1990er Jahre auch in Ärztekeisen Anerkennung. «Die Fachleute trauten den Betroffenen zu wenig zu», erklärt Vreni Vogelsanger, Geschäftsleiterin der Stifung Kosch (Koordination und Förderung von Selbsthilfegruppen in der Schweiz).

Danke!

Friday 5 February 2010

"Caster Semenya: Was macht eine Frau zur Frau?" - evangelisch.de, 4.2.10

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion>>> Erfrischend unaufgeregter und umsichtiger Artikel von Petra Thorbrietz um die aktuelle IOC-"Gender-Kontroverse", nebst dem "Fall" Caster Semenya werden auch die Schicksale von Santhi Soundarajan und María José Martínez-Patiño angesprochen. Zwar konzentriert sich der Artikel etwas einseitig auf "Hormonbehandlungen", offensichtlich ist der Autorin die menschenrechtswidrige Praxis der genitalen Zwangsoperationen noch nicht bekannt.

Auch werden immer noch zu viele Lügen der Medizyner unhinterfragt referiert – wohl ebenfalls mangels Sachkenntissen –, so z.B. die unsägliche Krebslüge: "So gäbe es Frauen, die Hoden in ihrem Bauchraum trügen, ohne es zu wissen - was genauso wie überhöhte Hormonwerte ein Krebsrisiko darstelle."  

Bleibt zu hoffen, dass die Autorin bezüglich der unmenschlichen "Behandlungen", wie sie an Zwittern nicht nur im Sport immer noch die Regel darstellen, noch dazu lernt, desgleichen betreffend der damit untrennbar verbundenen Menschenrechtsproblematik.

Trotzdem weicht der Artikel zentralen ethischen Fragen nicht aus, wenn z.B. angemerkt wird:

Unter Gesichtspunkten der Fairness ist eine Behandlung also fraglich. [...] Und auch das Leben der Betroffenen würde durch eine solche Hormonbehandlung verändert: Sie würden in eine Norm gepresst, die nie die ihre war. Ein solcher Schritt müsste in seinen Auswirkungen problematisiert werden und dürfte selbstverständlich nur freiwillig geschehen. Doch die Dopinggeschichte zeigt, was Athleten alles bereit sind, mit sich und ihrem Körper zu tun und dass Freiwilligkeit im Sport ein relativer Begriff ist.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Pluspunkt: Im Gegensatz etwa zu mehreren Jungle-World-Artikeln, die ebenfalls die Zwangsoperationsproblematik schmählich unterschlagen, kommt evangelisch.de ganz ohne Vereinnahmung aus. Mehr davon, bitte!

>>> http://www.evangelisch.de/themen/wissen/caster-semenya-was-macht-eine-frau-zur-frau11251

Siehe auch:
- Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010 
- Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung 
- IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen" 
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit    

Tuesday 2 February 2010

Zwangsoperationen an Zwittern: Wie können die Täter gestoppt werden?

Manchem zwangsoperierten, traumatisierten und belogenen Zwitter sind wohl schon handfeste und eher drastische Möglichkeiten durch den Kopf gegangen, wie sich die Zwangsoperateure am schnellsten und ganz konkret vom Zwangsoperieren abhalten liessen. Reden tun die wenigsten darüber. Zu tief steckt das Trauma in den Knochen, sogar wenn die Identifikation mit dem Agressor längst überwunden ist. Zu viele nehmen sich das Leben.

2 gewaltfreie Möglichkeiten, die Täter politisch erfolgreich zu stoppen:

1) Die politische Forderung eines ausdrücklichen gesetzlichen Verbots von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern, und zwar als Offizialdelikt, zumindest solange, bis diese menschenrechtswidrige Praxis endgültig gebrochen ist und die Täter sich zu Entschädigung und Wiedergutmachung verpflichtet haben. Nur schon die öffentliche und politische Diskussion um die Forderung nach einem solchen Verbot wird aufklärend wirken und die Täter stark verunsichern.

Massive Genitalverstümmelungen sind in unserer Gesellschaft nicht mehrheitsfähig, auch an Zwittern nicht. Als eigenständiges Menschenrechtsanliegen und unter Berufung auf das verfassungsmässig garantierte Recht auf körperliche Unversehrtheit hätte ein erweitertes Verbot von medizinisch nicht indizierten Zwangseingiffen an Zwittern reale Chancen:

Ein Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern liesse sich mit bestehenden, unbestrittenen und mehrheitsfähigen Grundrechten gegenüber einem breiten politschen Spektrum stichhaltig begründen und durchsetzen.

Die Forderung nach einem Verbot der genitalen Zwangsoperationen trifft unmittelbar den Kern der Sache. Zwitter würden künftig nicht mehr verstümmelt und könnten unversehrt aufwachsen. Dadurch beginnen sie wieder real in unserer Gesellschaft sichtbar zu werden, wodurch auch alle anderen Forderungen nach unteilbaren Grund- und Menschenrechten auch für Zwitter zwangsläufig in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses rücken.

2) Gerichtliches einklagen der bestehenden verletzten Menschen- und Verfassungsrechte, namentlich des Rechts auf körperliche Unversehrtheit. Wenn die Verfassung und die Menschenrechte wirklich das wären, was sie versprechen, dürfte es die jahrzehntelange Praxis der genitalen Zwangsoperationen an Zwitter nie gegeben haben.

Auch wenn es ab und zu positive Überraschungen gibt, geht es jedoch den meisten Gerichten (im Gegensatz zur Öffentlichkeit) letztlich primär um die Staatsraison, weshalb protegierte Medizyner dort prinzipiell die besseren Karten haben als irgendwelche geschädigte Habenichtse. Doch sogar wenn die Zwangsoperateure ungehörigerweise vor Gericht gewinnen, wird das dazu beitragen, dass sie letztlich verlieren werden:

Werden Klagen nämlich öffentlichkeitswirksam inszeniert, geraten die Zwangsoperateure auch bei Freisprüchen  vermehrt unter den Druck einer kritischen Öffentlichkeit, was sie ebenfalls stark verunsichern wird (und ausserdem auf die Politik und dadurch wieder auf die Gerichte rückkoppeln wird).

Gleichzeitig können öffentlichkeitswirksame Klagen der politischen Forderung nach einem konkreten gesetzlichen Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern zusätzlichen Auftrieb verleihen.

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009
(Bild: Peter Schneider / Keystone / Berner Zeitung)

Meine 2 Cent:

Natürlich gibt es theoretisch noch andere Möglichkeiten, die auch seit längerem immer wieder mal probiert werden, wenn auch bisher stets ohne nennenswerten Erfolg:

a) Zu versuchen, die Zwangsoperateure & Co hinter verschlossenen Türen höflich zu bitten, mit dem Zwangsoperieren doch künftig etwas zurückhaltender zu sein, oder vielleicht bis dahin zumindest etwas "humaner" zu zwangsoperieren, oder vielleicht zumindest etwas fachgerechter, oder vielleicht wenigstens die eigene Syndromgruppe prioritär etwas zu verschonen, falls es grad keine zu grosse Einkommensbusse bedeutet. Traumatisierte Zwitter scheinen bis zu einem gewissen Grad prädestiniert zu sein für diese Variante. Auch Elterngruppen lavieren bevorzugt auf diese Tour (sofern es ihnen nicht eh bloss darum geht, ihre Kinder möglichst von einem "hochkarätigen Experten" persönlich zwangsoperiert zu bekommen). Zwitter, dies stattdessen entschlossenes Vorgehen gegen die Zwangsoperateure fordern, werden von den anderen oft gemobbt und versucht mundtot zu machen.

b) Zu versuchen, die Zwitter bei den "starken" LGBTs einzugemeinden, damit diese im Namen der Zwitter versuchen, z.B. die Abschaffung des amtlichen Geschlechtseintrags durchzusetzen, oder Schaffung neuer Grundrechte (wie z.B. aktuell "sexuelle Identität"), oder die Zwitter in der nächste Fassung des Transsexuellengesetzes mit einzugliedern. Und wenn es erst einmal keine Geschlechter mehr gibt usw., hätten es ja auch die Zwitter besser, so die Theorie. Auch traumatisierte Zwitter erwärmen sich mitunter für solche Mogelpackungen, meist wenn sie persönlich in einem soziokulturellen LGBT-Umfeld leben und sich dieses verpflichten wollen, oder weil sie nicht selber hinstehen wollen oder sich gar nicht vorstellen können, dass eigenständige Zwitterforderungen überhaupt möglich sein könnten. Viele Zwitter und solidarische Nicht-Zwitter kritisieren andrerseits die ungefragte Eingemeindung als "Vereinnahmung" und "Kolonialisierung", sowie die daraus resultierende erneute Unsichtbarmachung der Zwitter im Allgemeinen wie auch die Ausblendung der andauernden Genitalverstümmelungen im Besonderen.

Leider haben – im Gegensatz zur politischen Forderung eines gesetzlichen Verbots der Genitalverstümmelungen – diese "theoretischen Möglichkeiten" 2 entscheidende Probleme gemeinsam:

Einerseits, dass sie in der politischen Praxis keine realen Chancen haben – zumindest nicht in absehbarer Zukunft.

Sowie, dass, sogar wenn sie einmal durchsetzbar wären, die Täter trotzdem ungehindert weiter Zwitterkinder zwangsoperieren werden, weil sie nach wie vor niemand verbindlich und aktiv vom Verstümmeln abhält, Abschaffung des Geschlechtseintrags und "humanere" Zwangsoperationstechniken hin oder her.

Wer Texte von Michel Reiter aus AGGPG-Zeiten liest oder solche von seinerzeitigen solidarischen Nicht-Zwittern wie Georg Klauda, erhält unwillkürlich den Eindruck, dass "die Zwitterbewegung" schon mal weiter war.

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Zwar melden sich in letzter Zeit vermehrt Zwitter und solidarische Nicht-Zwitter zu Wort, die der Ablenkungsmanöver müde sind, während gleichzeitig täglich weitere Zwitterkinder genitalverstümmelt werden – allein in Deutschland etwa EINES JEDEN TAG, und in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES!

Wird 2010 das Jahr, in dem zum ersten Mal ein gesetzliches Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern auch in Deutschland öffentlich eingefordert wird?

Siehe auch:
-
Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday 31 January 2010

"Tag der seltenen Krankheiten"-Symposium 26.2.10 Hannover: Wem der Schuh passt ...

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung!

Am 28. Februar ist scheints der offizielle "Rare Disease Day" ("Tag der seltenen Erkrankungen"). Dazu gibt's 2 Tage zuvor am 26.2. in der Medizinischen Hochschule Hannover ein Symposium, veranstaltet von Orphanet Deutschland / Institut für Humangenetik. Der >>> Flyer dazu (PDF) wurde auch von der Selbsthilfegruppe XY-Frauen kommentarlos rundgemailt, wohl wegen folgendem Programmpunkt (in der üblichen, scheinbar gottgegeben Reihenfolge):

16.10 –16.30 Uhr
Transidentität und Intersexualität aus Sicht der Patienten
Andrea T. Ottmer (Dt. Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. [DGTI]) 

Wem der Schuh passt ...

Saturday 30 January 2010

Georg Klauda über Knut Werner-Rosen ("Netzwerk DSD/Intersexualität") und Psychologen als Windfahnen

Menschenrechte auch für Zwitter!

In einem >>> Vortrag vom 5.6.2002 an der Freien Universität Berlin zum Themenabend "Medizin und Verbrechen" im Rahmen der Reihe >>> "Beiträge zur Biotechnologie- und Medizinkritik" kritisierte Georg Klauda explizit den Berliner Psychotherapeuten und heutiges "Netzwerk DSD"-Mitglied Knut Werner-Rosen.

Knut Werner-Rosen fungiert seit längerem als öffentliches Aushängeschild des sog. "Berliner Modells", dass nebst der (offensichtlich nach wie vor als vorrangig betrachteten) endokrinologischen und chirurgischen "Betreuung" von Anfang an auch psychologischen Support für Eltern und zwischengeschlechtliche Kinder vorsieht – prinzipiell erstmal etwas Positives.

Dennoch geriet und gerät Knut Werner-Rosen immer wieder in die (berechtigte) Kritik von Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern, da auch er offensichtlich prinzipell zuerst mal auf seiner eigenen Seite steht und, wo es aus der Perspektive seines Einkommens vorteilhafter erscheint, als Opportunist auch Zwangsoperationen befürwortet und mitträgt und sich so zum Mittäter macht.

Nachfolgend die Werner-Rosen betreffenden Abschnitte aus Georg Klaudas auch sonst lesenswertem Vortrag:

[...] Als repräsentativ [für die Psychiatrisierung der Hermaphroditen] kann dabei auch das Auftreten des Psychotherapeuten Knut Werner-Rosen bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur "Situation intersexueller Menschen" gelten, das am 27. Februar diesen Jahres stattfand. Seit einigen Jahren arbeitet der Seelenklempner Werner-Rosen mit der Serienverstümmlerin Prof. Annette Grütters an der Virchow-Klinik zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, den Eltern des verstümmelten Kindes eine Gehirnwäsche zu verpassen: Sie sollen die Behandlung und das neue Geschlecht ihres Kindes unter keinen Umständen in Zweifel ziehen. Trotzdem interessierte sich Werner-Rosen auf dem Fachgespräch nicht im geringsten für die Frage, ob medizinische Eingriffe nun notwendig seien oder nicht. Vielmehr ging es ihm an diesem Tag allein darum, die psychotherapeutische Behandlung künftig regulär bei den Krankenkassen abrechnen zu können, ob mit oder ohne Verstümmelung.

Das Thema seines Vortrags "Kann die Gesellschaft Intersexualität verkraften?" begann er deshalb mit dem ungeheuerlichen Satz, das Verkraften beginne ja schon damit, dass er durch die Teilnahme an diesem Fachgespräch auf 300 Euro Honorar verzichte. Kein Zweifel: So jemand wie Werner-Rosen wird auch nach der Abschaffung der Zwangsverstümmelungen an Hermaphroditen sein Geschäft machen.

Verquere Verbindungen

Werner-Rosen steht dabei in Verbindung zu dem Studiengang Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin, an dessen Praxistag er den Studierenden sein Berufsfeld vorstellte. Unübersehbar gibt es auch sonst eine enge Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Gender-DekonstrukteurInnen in der Sexualmedizin und der nicht minder professionalisierten Variante derselben Spezies in den Kulturwissenschaften. Beide Sparten des Betriebs sind nicht nur in einem Studiengang vereinigt, sondern stützen sich auch inhaltlich gleichermaßen auf radikalkonstruktivistische Prämissen, nämlich auf die Behauptung, dass Menschen bei Geburt ein "unbeschriebenes Blatt" seien, denen man nach Belieben und chirurgischer Machbarkeit eine Männer- oder Frauenrolle zuweisen könne. [...]

Weitere von Georg Klauda im vorliegenden Vortrag angeschnittene Themen sind die entwürdigende Praxis der wiederholten medizinischen Zurschaustellung von Zwitterkindern inkl. Genitalaufnahmen; wie mit dem bundesfinanzierten "Netzwerk DSD/Intersexualität" der Bock zum Gärtner gemacht wurde, indem ausgerechnet die Zwangsoperateure & Co. zum Beurteilen (bzw. Vertuschen) der von ihnen angerichteten Schäden hinzugezogen wurden; das Positivbeispiel der geläuterten Medizinerin Prof. Ursula Kuhnle; das Negativbeispiel Heino Meyer-Bahlburg; die u.a. von Prof. Helmuth-Günther Dörr propagierten unethischen pränatalen Dexamethason-Therapien und ihre Nebenwirkungen; und "warum alle zuschauen, während in den Kliniken vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert wird", u.a.m.

>>> Ganzer Vortrag    >>> Georg Klauda über Instrumentalisierung 

Friday 29 January 2010

CH: Grüne gegen "chirurgische und hormonelle Eingriffe" an "intersexuellen" Kindern

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Ein an der letzten Delegiertenversammlung der Grünen Schweiz diskutiertes Papier >>> "Frauen + Männer = ? Grüne Positionen zur Geschlechterdemokratie im 21. Jahrhundert" (PDF) ging unter einem historischen Punkt "5. Körperliche Unterschiede und gesellschaftliche Zuschreibungen" explizit auch auf kosmetische Zwangseingriffe an Zwitterkindern ein (S. 11-12):

Körperliche und sexuelle Integrität unantastbar
Die körperliche und sexuelle Integrität ist unantastbar. Daher kämpfen die Grünen gegen die Genitalverstümmelung; diese sind bei Mädchen und Frauen strikt zu bestrafen. Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden. Von Intersexualität betroffene Kinder und Jugendliche müssen bei Volljährigkeit selber entscheiden dürfen, welchem Geschlecht (wenn überhaupt) sie angehören. Chirurgische und hormonelle Eingriffe sollen daher nicht vorher vorgenommen werden dürfen.
[...]

Damit diskutierten die Grünen als erste Partei in der Schweiz offiziell über gesetzliche Massnahmen gegen genitale Zwangsoperationen an Zwittern! Besonders erfreulich zudem, dass sie – anders als u.a. die deutschen Grünen, die SPD (aber auch etwa bei Amnesty Schweiz) – in keiner Weise der allgegenwärtige LGBT-Vereinnahmung verfallen. Danke!

Leider wurde das Papier an der Delegiertenversammlung laut Agenturmeldungen wegen verschiedener strittiger Punkte zunächst zur Überarbeitung an den Vorstand zurückgewiesen. Wohl nicht zuletzt ausschlaggebend war eine ein unmittelbar vor der Versammlung in verschiedenen Medien losgetretene Kontroverse um den Satz: "Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden." Zwar unterstrich der Urheber des umstrittenen Satzes, Diego Hättenschwiler, es gehe um nichts weniger als "das Recht eines jeden Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit", und betonte erneut, bezüglich der Knabenbeschneidung gehe es um die Forderung nach einer öffentlichen Diskussion, und nicht um ein Verbot. Trotzdem wurde als Reaktion auf die Medienschelte auch parteiintern sogleich öffentlich unterstellt, das Papier wolle Knabenbeschneidungen "verbieten".

(Vor lauter Kontroverse dazu musste auch dieser Blog auf die für Zwitter historische Stossrichtung des Papiers zuerst in einem Kommentar hingewiesen werden – Sorry für diesen peinlichen Lapsus.)

Fazit: Bleibt zu hoffen, dass die Grünen sich zumindest in Sachen kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht indizierte Zwangseingriffe an Zwitterkindern nicht ins Bockshorn jagen lassen – und dass möglichst viele andere Parteien ebenfalls deutlich Stellung beziehen gegen die menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen!

Tuesday 26 January 2010

"Zwangsoperationen verletzen die Menschenrechte" - Hamburger Abendblatt, 23.9.09

Menschenrechte auch für Zwitter!

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Allen Zwangsoperateuren, Zulieferern & Co. zur Erinnerung:

"Die Mediziner versuchen über Jahrzehnte hinweg auf Deubel komm' raus, das Thema Zwitter totzuschweigen und helfen auch noch mit Operationen nach. ...

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Monday 25 January 2010

IOC: Obligatorische Geschlechtstests für Frauen, GenitalOPs für Zwitter

>>> http://blog.zwischengeschlecht.info/pages/IOC:-Obligatorische-Geschlechtstests-f%C3%BCr-Frauen,-GenitalOPs-f%C3%BCr-Zwitter

Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Meine 2 Cent:

1) Die Kinderchirurgen führen das Skalpell, sie verursachen die Schäden unmittelbar und persönlich.

Auch wenn sie dies möglicherweise guten Glaubens tun, stehen sie trotzdem in der Verantwortung, erst recht, wenn die Eingriffe seit langem experimentell erfolgen, d.h. ohne dass je klinisch getestet wurde, ob sie für die Operierten überhaupt eine Verbesserung bringen, und wie es mit den Nebenwirkungen ausschaut. Und nochmals erst recht, wenn schon so viele Fälle unzufriedener Erwachsener publik sind, auch in offiziellen Studien.

Da sie zumeist Kleinkinder zwangsoperieren, schützen die Verjährungsfristen die Zwangsoperateure perfiderweise meist vor gerichtlicher Verfolgung. Schon viele betrogenen Eltern und erwachsene geschädigte Zwitter haben versucht, einen Zwangsoperateur vor Gericht zu bringen – erfolglos. Erst 2007 gelang es Christiane Völling als erster – und immer noch einziger! –  praktisch in letzter Minute vor Eintritt  der absoluten Verjährung ihren früheren Chirurgen anzuzeigen und ihn in einem dreijährigen Verfahren über zwei Instanzen erfolgreich auf 100'000.-- Euro Schmerzensgeld zu verklagen. Wäre Christiane wie die meisten Zwitter schon als Kleinkind operiert worden, wäre auch ihr Zwangsoperateur ungestraft davongekommen.

Chirurgen, die jahrzehntelang Zwitter zwangsoperieren, ohne jegliche Evidenz, auch nach über 50 Jahren noch, ja, ohne sich überhaupt je glaubwürdig um Evidenz zu bemühen, sind offensichtlich gewissenlose Serientäter, sowohl als Individuen wie auch als Kaste, und gehören gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

2) Die Endokrinologen liefern die Vorgaben für die Zwangsoperateure.

Obwohl sie sich selber die Finger nur mittelbar schmutzig machen, pfeifen auch sie seit über 50 Jahren auf jegliche Evidenz, genau gleich wie die Zwangsoperateure, mit denen sie ebensolange eng zusammenarbeiten. Die Endokrinologen sind deshalb als Individuen wie auch als Kaste genau gleich offensichtlich gewissenlose Serientäter, und gehören genau gleich gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren lassen statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

Leider konnte bisher noch kein einziger Endokrinologe gerichtlich belangt werden (auch bei Christiane Völlings Prozess konnte wegen Verjährung ausser dem Chirurgen niemand mehr belangt werden).

3) Psychologen und Psychiater sind meist erstmal vergleichsweise nur am Rande an den Zwangsoperationen mitbeteiligt.

In den meisten mir bekannten Fällen ziehe ich einen Psychologen oder Psychiater unbedingt vor, wenn's um die Behandlung von jungen Zwittern und ihren Eltern geht: Ihr Gehalt ist (im Gegensatz zu den Kinderchirurgen und den Endokriniologen) nicht zwingend davon abhängig, ob das Kleine auch möglichst bald zwangsoperiert wird. Wohl kaum zufällig kommen zumindest ansatzweise solidarische Stimmen, sofern es sowas unter praktizierenden Medizinern überhaupt gibt, noch am ehesten aus den Reihen der Psychologen und Psychiater.

Allerdings gilt sinngemäss auch das Umgekehrte, nämlich dass für Psychologen und Psychiater eine Zwangsoperation ebenfalls nicht zwingend finanziell unattraktiv ist. Wohl kaum zufällig wird mehreren seit längerem vorgeworfen, Windfahnen zu sein, und den Psychologen und Psychiatern als Kaste, seit mehr als 50 Jahren je nach politischer Grosswetterlage immer mal wieder den Endokrinologen und Zwangsoperateuren zuzuarbeiten.

(Womöglich ein und dieselben Personen, die vorher noch Verständnis für die Leiden der Zwangsoperierten zeigten, und ev. auch später wieder zeigen wird – und manche Zwitter, die sich hüten würden, auf einen offensichtliche Kollegen der Zwangoperateure und Endokrinologen hereinzufallen, kriechen solchen Windfahnen trotzdem immer wieder auf den Leim).

Von Fall zu Fall müssen Psychiater und Psychologen wo nötig jedesmal zur Rechenschaft gezogen werden – moralisch, öffentlich und wo nötig auch gerichtlich, und als Kaste haben sie ebenfalls einen Teil zur Wiedergutmachung beizutragen.

Bisher wurde leider noch nie ein fehlbarer Psychologe oder Psychiater angeklagt, obwohl es auch unter ihnen offensichtlich gewissenlose Serientäter gibt – vor Gericht gehen sie im Gegenteil noch als "Sachverständige" ein- und aus, wobei sie oft gar Zwangsoperierten zum Schaden noch den Spott nachliefern.

4) Die Politiker hätten in Europa als Verantwortliche für Spitäler usw. erst recht die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die (ansonsten autonome) Ärztezunft sich an übergeordnete Spielregeln hält wie z.B. Verfassung, Menschenrechte, ratifizierte (UN-)Abkommen und -Pakte zum Schutze der Kinder, benachteiligter Geschlechter, usw. Hierbei haben sie seit Jahrzehnten schmählich versagt.

Schlimmer noch, jedesmal wenn die Leiden der Opfer vor ihnen laut wurden, hielten sie zuerst ihre Ohren zu und mehrten anschliessend die Leiden gar noch mit Spott und Medizynersprüchen.

Auch wenn angesichts dessen, womit speziell Politiker sonst noch allem straflos davonkommen, hier wohl am wenigsten Hoffnung auf Erfolg besteht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen: auch die Politiker sind sowohl als Individuen wie auch als Kaste gewissenlose Serientäter gehören für ihr alles andere als unerhebliches Verschulden zur Rechenschaft gezogen und bestraft, und der Staat als Brötchengeber der Zwangsoperateure & Co. hat einen angemessenen Teil an Wiedergutmachung zu leisten.

5) Eltern, die ihre Kinder zwangsoperieren lassen, sind in der Regel erst selbst mal Opfer der Zwangsoperateure & Konsorten. Die erst hinterher erfahren, dass sie belogen wurden, oder dass ihnen zumindest nicht die ganze Wahrheit erzählt wurde.

Wohl die meisten Eltern, wenn sie von Anfang an wüssten, was sie ihren Kindern letztlich antun, hätten es nie so weit kommen lassen, und hätten heute ein besseres Verhältnis zu ihren Kindern. So viele Eltern werden sich erst hinterher bewusst, worin genau sie da letztlich "einwilligten", und bereuen es hinterher ehrlich.

Doch es gibt auch Ausnahmen – wie z.B. diejenigen Eltern, die erst vor kurzem ihr erst wenige Monate altes Kind unbedingt kastrieren lassen wollen, obwohl noch nicht mal eine Diagnose feststand, und als das erste Spital sich gar weigerte, suchten sie einfach eines mit weniger Skrupeln und liessen dort ihr Kind kastrieren noch bevor es ein Jahr alt war.

Solchen und anderen verantwortungslosen Eltern gehört eindringlich ins Gewissen geredet (und nicht einfach weggeschaut wie es mitunter in Selbsthilfegruppen geschieht), über die Existenz solcher Fälle muss öffentlich aufgeklärt und unmissverständlich daran Kritik geübt werden. Ansonsten brauchen aber auch diese Eltern erstmal Hilfe. Stellen sie sich aber taub und zwingen trotzdem ihrem Kind unbeirrbar weitere Zwangseingriffe auf, werden auch sie zu Wiederholungstätern.

Zur Rechenschaft gezogen gehören jedoch auch hier zunächst mal all die gewissenlosen Serientäter, die verzweifelten Eltern immer noch als Lösung anbieten, ihr eigenes Kind verstümmeln zu lassen.

NB: Diese Liste ist nicht vollständig ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Thursday 21 January 2010

IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

IOC-Protest, Lausanne, Nov. 19, 2009 (Photo: Ärger)

>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Gender Tests, Surgery for Intersexed Athletes

>>> "Hermaphrodites" in sports: IOC and IAAF deny responsibility

>>> Open Letter to IOC      >>> Background Report      >>> Stop Genital Surgery

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Mittlerweile sind 2 englische Berichte online über das berüchtigte IOC-Medizyner-Symposium in Miami, bei dem auch der Athletikweltverband IAAF und der Fussballweltverband FIFA teilnahmen:
>>> IOC recommends gender-test centers (AP-Meldung)
>>> IOC Panel Calls for Treatment in Sex Ambiguity Cases (New York Times u.a.m.)

Beide Berichte scheinen Befürchtungen zu bestätigen, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ginge es vor allem darum, zwischengeschlechtlichen Athletinnen GenitalOPs und Hormonbehandlungen aufzuzwingen, weil sie sonst prinzipiell disqualifiziert würden – egal, ob sie durch ihre Besonderheit gegenüber "normalen" Frauen Wettbewerbsvorteile haben oder nicht.

Ein Zitat von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist aus der AP-Meldung spricht diesbezüglich Bände:

Unter den zentralen Schlussfolgerungen befindet sich ein Vorschlag, Gesundheitszentren einzurichten, worin Experten Atheletinnen mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung" diagnostizieren und behandeln würden. In den meisten Fällen, sagte Ljungqvist, würden diese Behandlung benötigen wie Operationen und Hormontherapie.

"Wir können nicht erwarten, dass Sportverbände in jedem Land über die dazu nötige Expertise verfügen", sagte Ljungqvist am Telefon. "Dies ist nicht möglich. Deshalb empfehlen wir Zentren an strategischen Orten, wohin Fälle wenn nötig überwiesen werden können. Die Experten müssen dann entscheiden, was mit jedem einzelnen Fall getan werden muss. [...]"

Weiter plant das IOC laut AP offenbar allgemeine "Geschlechtstests" für weibliche Athletinnen quasi durch die Hintertüre wieder einzuführen:

Die Delegierten erwähnten weiter den möglichen Nutzen von "Vor-Teilnahme Gesundheitsuntersuchungen" für aufstrebende Athletinnen. Ljungqvist sagte, einige Länder, darunter Italien, verlangten von Athletinnen, sich medizinischen Checks zu unterziehen, bevor sie zu Wettbewerben zugelassen werden.

"Wir betonten, dass diese Voruntersuchungen ein sehr wichtiges und nützliches Instrument sein könnten, um Athletinnen mit diesen Störungen zu identifizieren", sagte er.

Das IOC wolle sich nun laut AP mit seinen Rechtsanwälten beraten sowie mit der IOC-Athletenkommission, um dann in einem nächsten Schritt verbindliche Richtlinien zu formulieren.

Im NYT-Artikel kommen einige weitere "ExpertInnen" zu Wort. Auch hier ist der Tenor ziemlich niederschmetternd. Bezeichend, dass von den Medizynern scheinheilig betont wird, zwischengeschlechtliche Menschen seien per se behandlungsbedürftig – obwohl dies nur in Ausnahmefällen zutrifft:

Teilnemende des Panels sagten, ihre Sorge betreffe die Verantwortlichkeit der Sportverbände für Athletinnen mit medizinischen Störungen. Die Gesundheit von Athletinnen könne gefährdet sein, wenn ihre Störungen nicht diagnostiziert und behandelt würden, sagten sie.

Am vielsagendsten sind die Zitate von Genetikerin und Pädiaterin Maria I. New von der "Mount Sinai School of Medicine" in New York, Co-Direktorin der "2nd World Conference Hormonal and Genetic Basis of sexual Differentiation Disorders and Hot topics in endocrinology", an welche sich das IOC-Symposium angehängt hatte:

"Diejenigen, welche in die Behandlung einwilligen, werden eine Starterlaubnis erhalten", sagte Dr. Maria New, eine Panelteilnehmerin. "Diejenigen, die eine Behandlung auf einer Fall-zu-Fall-Basis verweigern, werden keine Starterlaubnis erhalten."

Die Medizinerin Maria New wird weiter zitiert, am Symposium seien entgegen der offiziellen Verlautbarung von IOC-Chefmedizyner Ljungqvist bereits konkretere Pläne gewälzt worden:

Sportverbände würden Fotografien von Athletinnen zu Experinnen wie sie selbst übermitteln. Wenn der Experte denke, die Athletin hätte möglicherweise eine Störung der sexuellen Entwicklung, würde der Experte weitere Tests anordnen und eine Behandlung vorschlagen.

"Dies ist eine grundlegende Veränderung im Vergleich zu was wir heute tun", sagte New.

Dass es sich bei diesen "Fotografien" wohl kaum um Portraitaufnahmen und dergleichen handelt, sondern vielmehr vor allem um erniedrigende Genitalaufnahmen, wie sie von Medizynern seit jeher gerne im Überfluss von zwischengeschlechtlichen Menschen hergestellt werden ohne Rücksicht auf ethische oder menschenrechtliche Bedenken, und über welche sich auch Caster Semenya im Anschluss an ihre "Geschlechtstests" bitter beklagte, liegt auf der Hand.

Ebenso, dass die Medizyner wie gehabt vor allem ihr eigenes (finanzielles) Wohlergehen im Auge haben werden, was die "vorgeschlagenen Therapien" betrifft, die von zwischengeschlechtlichen Menschen schon lange als "medizinische Folter" und "Zwangstranssexualisierung" beschrieben werden.

Das Einzige, was diese kommende Katastrophe für zwischengeschlechtliche Athletinnen, die wohlbemerkt gegenüber "normalen" Frauen vielfach keinerlei illegitime Wettbewerbsvorteile haben, noch aufhalten bzw. wieder rückgängig machen könnte, wären wohl einerseits saftige Strafklagen gegen die unmenschlichen Sportverbände, sowie massive öffentliche Entrüstung, wie sie früher schon die allgemein obligatorischen "Geschlechtstests" für weibliche Athletinnen zu Fall brachten. Beide Möglichkeiten scheinen jedoch aktuell leider nicht besonders realistsch ...

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Wednesday 20 January 2010

Basel-Stadt: Politischer Vorstoss gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern!

>>> Text der Anfrage von Martina Saner (SP) (PDF)

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sind massive Menschenrechtsverletzungen. Sie sind medizinisch nicht notwendig und verletzen die höchstpersönlichen Rechte der Kinder. Eltern haben deshalb kein Recht, im Namen ihrer Kinder in eine kosmetische Operation einzuwilligen.

Schon allein aufgrund des explizit in der Bundesverfassung festgehaltenen Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung müsste es eigentlich selbstverständlich sein, dass man bei kleinen Kindern nicht ungefragt an gesunden Genitalien irreversible kosmetische Operationen vornimmt. Auch nach medizinethischen Grundsätzen und Richtlinien sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern klar unzulässig.

Jahrzehnte lange Klagen der Opfer werden durch namhafte Studien bekräftigt. 2009 kritisierte erstmals der UN-Ausschuss CEDAW die Zwangsoperationen.

Trotzdem wird von Ärzten auch in der Schweiz auf Eltern Druck gemacht zu einem möglichst raschen Entscheid – obwohl kein medizinischer Notfall vorliegt, die Operationen irreversibel sind und es für die betroffenen Kinder um eine existenzielle Frage geht.

Viele Eltern beklagen sich später darüber, dass sie nicht umfassend informiert wurden, und dass ihnen keine oder wenig Unterstützung für alternative Überlegungen geboten wurden, insbesondere Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten zu Betroffenen und Selbsthilfegruppen.

In der Aus- und Fortbildung von medizinischem Personal und Hebammen sind die Existenz zwischengeschlechtlicher Menschen und die ethischen Probleme mit der jetzigen Behandlung ebenfalls kein Thema.

Allein in der Schweiz wird etwa jede Woche ein weiteres Kind zwangsoperiert – auch in Basel. Während Genitalverstümmelungen in Afrika verurteilt und juristisch bekämpft werden, sind Genitalverstümmelungen an Zwittern vor der eigenen Haustüre nach wie vor meist kein Thema.

Zwischengeschlecht.org freut sich deshalb sehr, dass heute Mittwoch, den 20. Januar, im Grossen Rat Basel-Stadt ein politischer Vorstoss zugunsten von Zwittern eingereicht wird.

Martina Saner (SP, BS) wird eine Anfrage zum Thema "Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit 'uneindeutigen' körperlichen Geschlechtsmerkmalen" einreichen und der Regierung Fragen stellen über die Art und den Umfang solcher Zwangseingriffe an Kindern im Kanton Basel-Stadt und wie die Regierung diese beurteilt

Der 20. Januar 2010 wird ein wichtiger Tag für alle Zwischengeschlechtlichen und für alle, die sie in ihrem Kampf um Selbstbestimmung unterstützen!

>>> Text der Anfrage von Martina Saner (SP) (PDF)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Zwangsoperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Monday 18 January 2010

Caster Semenyas Anwälte gegen SASCOC: "Sie wurde nicht disqualifiziert"!

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionLaut einem englischsprachigen sapa-Agenturmeldung aus Südafrika u.a. auf >>> timeslive.co.za und >>> iol.co.za setzen sich die Anwälte von Mokgadi Caster Semenya, Greg Nott und Jeffrey Kessler zur Wehr gegen die Behauptung des südafrikanischen Nationalen Olympschen Komitees SASCOC, Caster Semenya sei "nicht qualifiziert, an einem offiziellen Wettkampf oder Rennen teilzunehmen".

In einer Medienmitteilung hielten Greg Nott und Jeffrey Kessler fest:

"Ihre Medaille ist bestätigt, ebenso ihr Preisgeld und ihr Eintrag als Weltmeisterin. Sie wurde nicht disqualifiziert, an beliebigen zukünftigen Wettkämpfen teilzunehmen." 

"Jedoch werden ihre Rechte einmal mehr verletzt. Caster ist Weltmeisterin. Sie hat kein Unrecht begangen."

"Wir hoffen weiterhin, mit der IAAF zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Gleichzeitig werden wir weiterhin alles notwendige unternehmen, um sicher zustellen, dass Caster die Würde und den Respekt entgegengebracht wird, die ihr zustehen, und dass sie fair behandelt wird in derselben Weise wie alle anderen Athletinnen auch."

Die Anwälte seien in Verhandlungen mit dem Weltathletikverband IAAF, um Caster Semenyas persönliche Rechte zu wahren, ebenso ihre Rechte als südafrikanischen Nationalsportlerin.

Typisch: Während die SASCOC-Mitteilung vom angeblichen "totalen Startverbot" für Caster Semenya von kommerziellen Medien sogleich weltweit aufgegriffen und weiterverbreitet wurde (wie u.a. auch das unsägliche Angebot der IAAF, Caster Semenya eine "Gratis Genitaloperation" zu spendieren), wurde das obige Dementi von Greg Nott und Jeffrey Kessler bisher ausserhalb von Südafrika und China bisher noch kaum publiziert ...

Nachtrag: Meldung auf >>> telegraph.co.uk mit vollstandingem Statement der Anwälte am Schluss.

Friday 15 January 2010

"XXY ungelöst" - Jungle World 14.1.10

>>> 2. Update 18.1.10

Pünktlich zum IOC-Medizyner-Symposium steht die aktuelle Ausgabe im Zeichen von "Sport, Sex und (wie könnte es anders sein?) 'Schända'". Mit dabei u.a. ein Artikel von Oliver Tolmein.

Das Stichwort "Menschenrechte" kommt in allen 4 Artikeln nirgends vor, ebenso wenig Kritik daran, dass sowohl die IOC wie auch die IAAF betreffend Teilnahme von Zwittern hauptsächlich genitale Zwangsoperationen verkaufen wollen ...

Continue reading...

Südafrikanisches Olympisches Komitee: Absolutes Startverbot für Caster Semenya!

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Neue Wendung im unwürdigen Seilziehen um die Zukunft der amtierenden 800-Meter-Weltmeisterin Mokgadi Caster Semenya:

Laut aktuellen Meldungen aus südafrikanischen Medien (timeslive.co.za, iol.co.za) habe nun das südafrikanische Olympische Komitee "SA Sports Confederation and Olympic Committee (Sascoc)" durchgegriffen und unter Berufung auf den Athletikweltverband IAAF ein absolutes Startverbot verkündet!

Dies, nachdem zuvor Caster Semenyas Trainer hatte verlauten lassen, sie bereite sich aktuell auf die südafrikanische Leichtathletiksaison vor und plane auch den Start bei 3 internationalen Wettkämpfen. Gefolgt von raschen Dementis, der Athletikweltverband IAAF lasse internationale Starts nicht zu, weshalb Caster Semenya nur lokal antreten dürfe (wobei westliche Medien den Schwarzen Peter kurzerhand dem südafrikanischen Athletikverband ASA unterjubelten).

Vom Athletikweltverband IAAF ist weiterhin keine Stellungnahme erhältlich, weder zur Sache, noch wie lange der Verband noch mit seinem "Geschlechtstest" weiter zu experimentieren gedenkt. Was theoretisch noch unendlich lange sein kann, da der aktuelle Stand der Medizyner, trotz jährlichen Forschungsmillionen, bei XY-chromosomalen Zwittern (und demzufolge auch bei als sochen Verdächtigten) in 50% aller Fälle nach wie vor weder eine Diagnose noch sonst qualifizierte Feststellungen treffen kann – was die Sportverbände trotzdem nicht hindert, exklusiv auf ebendiese Medizyner abzustellen.

Die Ironie dieses neuesten Winkelzugs: Das südafrikanische Olympiakomitee untersteht letztlich dem Internationalen Olympischen Komitee IOC – demselben IOC, das unlängst präventiv jegliche Mitverantwortung an der unwürdigen und menschenrechtswidrigen Behandlung Caster Semenyas abstritt ...

Nachtrag: Unterdessen gibts die Meldung auch auf Deutsch von der dpa.

Nachtrag 2: Caster Semenyas Anwälte gegen SASOC: "Sie wurde nicht disqualifiziert"!

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I) 
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (II): "The Guardian" und "Freitag.de" propagieren Genitalverstümmelungen
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (III): 4 Artikel von solidarischen Nicht-Zwittern
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" - Tages-Anzeiger, 16.9.09 (IV) 
- Zwitter solidarisieren sich mit Caster Semenya (V)
- IAAF offeriert Caster Semenya "Gratis Genitaloperation" (VI) 
- Caster Semenya verklagt IAAF auf 120 Mio Dollar und ASA auf 18 Mio Dollar? (VII) 
- Caster Semenya wieder für Frauenwettkämpfe zugelassen? (VIII)
- Sarah Gronert
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit 
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09 

>>> Report on Discrimination of Hermaphrodites in Sports
>>>
Open Letter to IOC Chief Jacques Rogge demanding Justice for Santhi and Caster

Thursday 14 January 2010

Zwischengeschlecht.org Soliparty @ Kalkbreite ZH, Fr 22.1.2010

Zwischengeschlecht.org Soliparty, Fr 22.1.2010 @ Kalkbreite ZH
       Film
21h

       Bands und DJs ab 22h

       Ort: Kalkbreite 4, Zürich

       >>> mehr Infos

Wednesday 13 January 2010

Caster Semenya wieder für Frauenwettkämpfe zugelassen? (VIII)

Menschenrechte auch für Zwitter!Laut einer brandaktuellen Meldung >>> im "Guardian" habe Michael “Sponge” Seme, der Trainer von Mokgadi Caster Semenya, heute Mittwoch bekannt gegeben, laut Semenyas Anwälten habe der Athletikweltverband IAAF sie wieder für internationale Wettkämpfe zugelassen! Von IAAF gäbe es allerdings keinen offiziellen Kommentar dazu, Anwalt Greg Nott sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen. Wir drücken alle Daumen!

Laut einer weiteren Meldung in der heutigen Ausgabe der >>> südafrikanischen Zeitung "Sowetan" (welche die Zulassung noch nicht thematisierte), sei Caster Semenya in guter Form für die nächsten Monat beginnende südafrikanische Leichtathletiksaison und habe zudem "3 internationale Wettkämpfe im Auge", nämlich die African Senior Championships in Kenya im April, die Junior World Championships in Kanada im Juli und die Commonwealth Games in Indien im Oktober.

Nachtrag: Inzwischen haben dpa und zahlreiche deutsche Medien nachgezogen,
z.B. >>> Welt-Online.

Nachtrag 14.1.10: Schon bald nach den obigen Meldungen hagelte es Dementis, sowohl von den Anwälten sowie laut heutigen Meldungen indirekt auch von der IAAF. Bezeichnend, wie einmal mehr westliche Medien in ihren aktuellen Meldungen Müll verbreiten: So wird in schweizer Medien einmal mehr verbreitet, bei Caster Semenya handle es sich um eine "mutmasslich transsexuelle Leichtathletin aus Südafrika", oder Spiegel-Online will in bekannter Manier alles auf den südafrikanischen Verband ASA abwälzen (obwohl gerade dieser am wenigsten Interesse hat, zu "verhindern, dass die 19-Jährige [...] noch im kommenden Monat ihr Comeback geben kann" – im Gegensatz zur IAAF). Nicht zum ersten Mal berichten südafrikanische Medien wesentlich kompetenter und akkurater, sie z.B. eyewitnessnews.co.za oder iol.co.za.

Tuesday 12 January 2010

CH-Grüne: «Die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden» – Medien unterschlagen gleichzeitige Kritik an genitalen Zwangsoperationen an Zwittern ...

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Laut >>> heutigen Medienmeldungen sorgt der Grüne Diego Hättenschwiler (Gründer von Maenner.ch, Dachverband der Männer- und Väterorganisationen) für reichlich Aufsehen, weil er "aus medizinischen und rechtlichen Gründen" folgende Sätze in ein "Positionspapier zur Gleichstellung" einbrachte:

«Die Grünen kämpfen gegen die Genitalverstümmelung, diese sind bei Mädchen und Frauen strikt zu bestrafen. Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden.»

Eine Zirkumzision berge durchaus Risiken, es sei dabei gar schon zu Todesfällen gekommen, sagt Hättenschwiler. Zudem sei das Recht eines jeden Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit zu berücksichtigen. Unter diesem Aspekt seien Beschneidungen an Säuglingen, die ihr Einverständnis dazu nicht geben können, heikel. Genau darum habe zum Beispiel Schweden Beschneidungen ohne medizinische Begründung bei Knaben, die älter als zwei Monate sind, verboten. Ein solches Verbot fordert Hättenschwiler zwar nicht. «Doch die Gesellschaft muss auch über diese Probleme diskutieren», sagt er, und nicht nur über die – weitaus schlimmere – Genitalverstümmelung bei Mädchen. (Hervorhebung durch zwischengeschlecht.info)

[ Soweit, so gut. Ausser, dass die massiven Genitalverstümmelungen an Zwittern einmal mehr von vornherein unter den Tisch fallen! Terre des Femmes Schweiz war da schon mal weiter. ]

Korrektur: Wie ein >>> Kommentar zu Recht darauf hinwies, kritisieren die Grünen tatsächlich in ihrem >>> Positionspapier (PDF, --> S. 11f.) die genitalen Zwangsoperationen explizit! Leider war mir das bein verfassen dieses Posts nicht bewusst, da mir das Papier selbst nicht vorlag und ich mich lediglich auf die Medienberichte bezog, für die das bezeichnenderweise kein Thema war. Sorry - und Danke!!!

Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern 
- Zwangsoperationen verfassungswidrig (Art. 10.2: Recht auf körperliche Unversehrtheit)  
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert 
- Zwangsoperation tangiert "höchstpersönliche Rechte" – Eltern dürften nicht zustimmen 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung

Zwitter im Sport: IOC leugnet Verantwortung

>>> http://blog.zwischengeschlecht.info/pages/Zwitter-im-Sport:-IOC-leugnet-Verantwortung

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