Friday, September 11 2009

Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (III): 4 Artikel von solidarischen Nicht-Zwittern + Updates

Kann ein Zwitter Sünde sein?Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Nach einigen Beispielen generell bekloppter Berichterstattung sowie einem krassen Fall von Medizynerpropaganda diesmal ein Hinweis auf 2 gelungene Artikel von "ExpertInnen", die sich in Sachen Zwitter nicht zum ersten Mal kompetent zu Wort melden, gefolgt von Artikeln, die ebenfalls positiv aus der aktuellen Tragödie herausstechen.

Bereits am 26.8.09 erschien auf Freitag.de von Oliver Tolmein eine lesenswerte Zusammenfassung des aktuellen Stands der Dinge betreffend Geschlechter-Richtlinien im Sport, inkl. einer Besprechung von 2 Publikationen dazu aus ethischer Perspektive von Alice Dreger (ISNA) und Claudia Wiesemann (federführend beim Netzwerk-Ethikpapier): >>> Geschlecht kann man nicht testen

Von Kathrin Zehnder erschien in der Wochenzeitung vom 10.9.09 ein lesenswerter Beitrag aus Genderperspektive, der ebenfalls Klartext bringt (zum Lesen ins Bild links klicken, danach ev. nochmals in den Artikelscan klicken, bis er in Originalgrösse erscheint). Leider hält es die WoZ genau gleich wie die im Artikel (zu Recht) kritisierte Boulevardpresse: Erst jetzt anlässlich der unsäglichen Spekulationen über das "Geschlecht" von Caster Semenya wird "Intersexualität" plötzlich ein Thema, während auch der WoZ sämtliche Protestaktionen von Zwitterorganisationen in den letzten 2 Jahren keine einzige Zeile wert waren – in krassem Gegensatz zu manch bürgerlichem CH-Kommerzmedium (vgl. etwa den Medienspiegel zur Aktion vor dem Inselspital vom 16.8.09).

Ein Aspekt fehlt mir weiter, wenn – wie im vorliegenden Text – die Probleme der Gesellschaft mit den Zwittern schlicht unter "Homophobie" rubrifiziert werden. Dies nicht etwa, weil der Homophobievorwurf nicht zutreffend wäre. Sondern, weil der Ausdruck suggeriert, LGBT-Menschen hätten solche Vorurteile gegenüber Zwittern nicht. Was leider nicht immer zutrifft: Auch von Lesben werden lesbische Zwitter oft diskriminiert und nicht für voll behandelt, etwa, weil ihre Scheide blind endet und sich keine Gebärmutter tasten lässt (wie Betroffene berichten). Und auch schwule Zwitter mit einem Mikropenis dürften es nicht immer leicht haben (auch wenn mir persönlich hierzu keine Berichte bekannt sind). Wird mangelnde Akzeptanz von Zwittern ausschliesslich mit "Homophobie" erklärt (was bei weitem nicht nur im vorliegenden Artikel der Fall ist), so erfährt der Begriff demzufolge eine Erweiterung, die in schwul-lesbischen Kreisen wohl noch nicht überall wirklich reflektiert wurde ...

PS: Sehr schön auch: "Sie erfahren durch Zufall, wer sie sind" – hm, hab ich doch irgendwo schon mal gehört? ;-)

Nachträge 14-17.9.09: Nach wie vor werden weltweit stündlich neue Pressemeldungen veröffentlicht über Caster Semenyas entwürdigende Behandlung – allein in den letzten 16 Stunden über 70! Noch dazu erfreulicherweise je länger auch desto solidarisch-kritischere. Einige Beispiele:

>>> Katholischer Sportverband DJK verurteilt Vorgehen um Caster Semenya "Es widerspricht allen Regeln der menschlichen Würde, Vermutungen um eine eventuelle Intersexualität der jungen Frau öffentlich zu diskutieren." Warum stehen nicht mehr Verbände offensiv ein für die Menschenrechte von Caster Semenya und anderen verunglimpften Sportlerinnen?

Englische Berichte:

>>> The IAAF Rape of Caster Semenya (Streaming und mp3-Download) Gelungener englischer Radiobeitrag aus feministischer Perspektive von KPFA Women's Magazine auf Indybay. Klartext und O-Töne für einmal nicht nur aus der nördlichen Halbkugel, kurz und auf den Punkt gebracht in 2:25 (plus vorher Anmonderation der ganzen Sendung bis 0:29).

>>> Meet Genderizer--If You Want to Compete, Drop Your Pants! Insgesamt gelungener englischer Artikel der Perspektive einer gelernten Krankenschwester von Rebekah Price auf americanchronicle.com. Erwähnt "wahrscheinliche Menschenrechtsvetzungen" und bringt Klartext, worüber die meisten Artikel schweigen: "Wäre dies [einer Sportlerin aus] den Vereinigten Staaten passiert, wäre bereits ein Heer von Anwälten involviert und zu allermindestens eine Klage fällig wegen Verletzung der Privatsphäre."

>>> "Leichtathlet des Jahrhunderts" Carl Lewis solidarisiert sich mit Caster Semenya "Dies vor der ganzen Welt herauszuposaunen, ich bin sehr enttäuscht über [den südafrikanischen Athletikverband ASA], weil ich finde, sie wird ungerecht behandelt. Ihr ganzes Leben wird sie gezeichnet sein." Warum gibt es diese Meldung nirgends auf Deutsch? Nachtrag: Die Berliner Morgenpost war am schnellsten.

Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!
>>> AFI to monitor Semenya's gender test to make out Santhi's case
Der Indische Athletikverband AFI beobachtet laut seinem Generalsekretär Lalit Bhanot das Verfahren um Caster Semenya und erwägt eine Beschwerde gegen den Olympic Council of Asia, welcher der Mittelstreckenläuferin 2006 im Anschluss an einem Gentest inkl. Medien-Schlammschlacht eine Silbermedaille aberkannte.
>>> Gender and Athletics: India's Own Caster Semenya "Ich würde gerne wieder rennen, aber ich weiss, dass es nicht mehr möglich ist. Ich bin körperlich und geistig am Boden zerstört. Aber für Caster Semenya ist es noch nicht zu spät." Santhi Soundarajan redet Klartext und solidarisert sich mit Caster Semenya!
>>>
Santhi 'medal should be returned' Santhi Soundarajan klagt an: "Aufgrund meiner finanziellen Verhältnisse habe ich nicht die Kraft, einen einsamen Kampf zu führen. [...] Ich wurde im Stich gelassen, meine Sportkarriere ruiniert und all meine Träume für immer zerstört, wegen diskriminierender Ansichten der Sportfunktionäre." Lalit Bhanot, Generalsekretär des Indischen Leichtathletikverbandes AFI zeigt sich kampfwillig, falls Caster Semenya ihre Medaille behalten dürfe.
>>> Semenya and Santhi: A study in contrast Gedanken von Dr. Ashok Ahuja, ehemals Chef der Abteilung Sportmedizin Nationales Sportinstitut Netaji Subhash.
>>> Let Semenya run, says India's sex test case "Ich bete, dass sie Semenya nicht vom Laufen abhalten können. Es tut mir Leid für sie. Sie sollte dagegen ankämpfen. Ich bin sicher, sie hat die Kraft, zu überwinden, was mit ihr geschieht. Ich hoffe, sie wird weiterhin rennen und gewinnen. Meine Gebete werden sie immer begleiten." 
>>> India athlete makes plea for Semenya Santhi über die Aberkennung ihrer Medaille: "Es war der grösste Schock meines Lebens. Und der Schock ist immer noch in mir drin. Es war geistige Folter." Über die daraus resultierende Ausgrenzung: "Jeder dachte, ich wäre eine schlechte Sportlerin. Es war, als hätte ich ein Verbrechen verübt." Über Caster Semeya: "Ich bin immer noch traurig. Deshalb will ich, dass Semenya ehrenvoll behandelt wird. Sie ist eine gute Athletin. Nehmt ihr die Medaille nicht weg. Sie sollte weiterhin als Frau starten dürfen."
>>> Indian runner knows about gender-test backlash
Santhi Soundarajan redet Klartext, wie sie dem Selbstmord nahe war, wünscht Caster Semenya Kraft und fordert Gerechtigkeit! Wir drücken alle Daumen!

Medienkritische Berichte aus Südafrika
>>>
Semenya: the blame game Beleuchtet die Kontroverse aus medienethischer Perpektive – was auch in "westlichen" Redaktionen mal nicht schaden könnte ...
>>> Media is failig Semenya Weiterer herausragender Artikel aus Südafrika und aus medienethischer Perspektive.
>>> We're proud of you, Semenya Und noch einer.
>>> Casting Stones at Semenya Und noch einer.
>>> A terrible Invasion of Privacy Und noch einer.
>>> Ashamed to be Part of the Media ... Und noch einer.
>>> Let human decency be first Und noch einer.
>>> Expedient outrage and the Semenya tests Und noch einer, mit Analyse des Artikels mit der ursprünglichen Indiskretion.
>>> Why Semenya case will change sport forever Und noch einer, mit einer objektiven Analyse der Verantwortlichkeiten im südafrikanischen Sportverband ASA. Auch hiervon könnten sich speziell in den letzten Tagen noch manche "westlichen" Redaktionen ne Scheibe abschneiden ...

>>> It's time intersexual people were protected by law Diese Veröffentlichung aus Kenia fordert tatsächlich rechtlichen Schutz für Zwitter! Wie kommt es, dass "nördliche" Redaktionen das Offensichtliche nicht sehen, geschweige denn drucken können?

>>> Diverse englische Sportmeldungen aus Südafrika Kommerzielle Sportberichterstattung auf news24.com. Könnte noch so manche Redaktion in der nördlichen Hemisphäre davon lernen ... 

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I) 
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (II): "The Guardian" und "Freitag.de" propagieren Genitalverstümmelungen
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" - Tages-Anzeiger, 16.9.09 (IV) 
- Zwitter solidarisieren sich mit Caster Semenya (V)
- IAAF offeriert Caster Semenya "Gratis Genitaloperation" (VI) 
- Caster Semenya verklagt IAAF auf 120 Mio Dollar und ASA auf 18 Mio Dollar? (VII) 
- Sarah Gronert
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit 
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09    

>>> Report on Discrimination of Hermaphrodites in Sports
>>>
Open Letter to IOC Chief Jacques Rogge demanding Justice for Santhi and Caster

Wednesday, September 9 2009

Update: GPGF Kongress, Zwittersymbol, "Nature oder Nurture"

Wem gehört das Zwittersymbol?Im Anschluss an den Blogpost zum Thema vom 19.8. hatte Nella im Namen von Zwischengeschlecht.org sowohl die GPGF wie auch Hertha Richter-Appelt mehrfach angeschrieben betreffend unserer Bedenken in Sachen a) problematische Behandlung von "Nature vs. Nurture" als "rein akademisches Thema" unter Ausblendung der damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen an Zwittern sowie b)  wegen der fragwürdigen Verwendung des Zwittersymbols im GPGF-Logo.

Nach harzigen Anläufen erhielten wir unterdessen erste inhaltliche Antworten:

Die Interdisziplinäre Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen und Genderfragen GPGF liess uns wissen, sie hätten uns das Kongressprogramm zugesandt, "weil wir immer den Dialog gerne mit Betroffenen suchen." (Wir selber halten fest, zufällig durch eine solidarische BesucherIn vom Kongress erfahren zu haben.)

Auch haben wir natürlich vom IS-Projekt ["Hamburger Studie"] von Frau Professor Richter-Appelt gehört, sie deshalb eingeladen und das ganze Thema in das Kongressprogramm aufgenommen.

Immer wieder wird ja reklamiert, dass dieses Thema so wenig in den Fortbildungen für Mediziner und Psychologen beachtet wird. Wie Sie aus den Publikationen von Frau Richter-Appelt wissen, werden wir das Thema verantwortungsvoll und sensibel vermitteln.

Das Symbol wurde von uns gewählt, um damit Männer und Frauen darzustellen und es war nicht bekannt, dass das auch das Zwittersymbol ist. Also keine in irgendwelche Weise böse Absicht dahinter, sondern nur Unwissen. Es tut mir leid.

Es wurde uns angeboten, über unsere Anliegen zu einem ruhigeren Zeitpunkt nach dem Kongress persönlich zu diskutieren, was wir gerne annahmen.

Hertha Richter-Appelt
verwies uns auf eine Publikation in einem Buch, das auf Zwischengeschlecht.info schon mehrmals erwähnt wurde (u. a. wurde auch just Richter-Appelt gegen Anwürfe deswegen verteidigt). Richter-Appelt vertrat die Meinung, das Zwittersymbol sei nur das Logo der Veranstaltung (statt fester Bestandteil des GPGF-Logos) und deshalb "gerechtertigt" (aus unserer Sicht hingegen nicht einmal, wenn es sich tatsächlich nur um ein Veranstaltungslogo handeln würde, da a) "Intersexualität" nicht alleiniges Thema der Veranstaltung ist und b) Betroffene nicht einbezogen wurden). Ihre Vorträge halte Richter-Appelt "in der Regel frei" und habe deshalb "auch nicht mehr Informationen". Und weiter:

Bitte achten Sie darauf, dass Ihre Aktionen nicht dazu führen, dass das Thema Intersexualität wieder von Fachtagungen verschwindet. Das könnte passieren, wenn Sie bereits im Vorfeld (in meinen Augen unbegründete) Kritik anbringen.

Meine 2 Cent:

Seit Jahrzehnten und bis auf den heutigen Tag wird der "theoretisch-akademische Diskurs" um "Nature oder Nurture" als unkontrolliertes Feldexperiment buchstäblich an den zwangsoperierten Körpern der Zwitter ausgetragen.

Solange nicht unmissverständlich klar ist, dass die daraus resultierenden, schwerwiegenden ethischen und menschenrechtlichen Komplikationen auch an wissenschaftlichen Fachtagungen, bei Medieninterviews usw. jedesmal adäquat gewürdigt werden – solange nicht alle an diesem unkontrollierten Feldexperiment beteiligten Disziplinen (wozu auch Psychiatrie und Sexologie gehören) die damit verbundenen ethischen und menschenrechtlichen Probleme endlich grundlegend reflektieren und aufarbeiten – solange ist kontinuierliche und unüberhörbare Kritik daran offensichtlich weiterhin notwendig.

Sollte die vorerst einzige Reaktion auf diese Kritik sein, dass – wie von Hertha Richter-Appelt angedroht – "das Thema Intersexualität wieder von Fachtagungen verschwindet", ist dies letztlich besser so und nur zu begrüssen. (In der Öffentlichkeit, vor Gericht, in den Parlamenten etc. werden die Zwangsbehandlungen ohnehin Thema bleiben – ob's den direkt oder indirekt daran beteiligten WissenschaftlerInnen passt oder nicht.)

Die an den Zwangsbehandlungen beteiligten Disziplinen werden sich wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass sie nirgends mehr Kongresse über Zwitter abhalten können, an welchen die Frage der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern nicht klar und gebührend adressiert wird, ohne dass sie dabei auf kritische Fragen oder gar Widerstand stossen – je länger desto entschlossener. Dasselbe gilt auch für die fragwürdige und unreflektierte Verwendung des Zwittersymbols.

Dass auch progressive VertreterInnen dieser Disziplinen – wie im vorliegenden Fall z.B. Hertha Richter-Appelt – damit offensichtlich immer noch etwas ihre liebe Mühe haben, unterstreicht lediglich, wie arg es mit den beteiligten Disziplinen als Ganzes steht und wie dringend eine umfassende Aufarbeitung offensichtlich Not tut. (Trotzdem sollten in der Kritik die Unzulänglichkeiten der Progressiven nicht mit den Machenschaften der Ewiggestrigen verwechselt oder gar in einen Topf geworfen werden.)

Dass die GPGF freundliche Botschaften sendet und den Dialog anbietet, ehrt sie und ist ein guter Anfang. Trotzdem wird sich noch zeigen müssen, wohin dieser Dialog konkret führt. Wie etwa das Negativbeispiel "Netzwerk DSD" zeigt, letztlich sind es die Taten, die zählen.

Fortsetzung folgt ...     

Saturday, September 5 2009

Zwitterprozess: Zwangsoperateur gibt sich geschlagen – 100'000 Euro Schmerzensgeld für genitale Zwangsoperation!

Wie Christiane Völling mitteilt, verzichtet der am 12.8.2009 zum dritten Mal in Folge verurteilte Chirurg Prof. Dr. L. auf eine Berufung und hat das Schmerzensgeld bereits überwiesen! Sieg auf der ganzen Linie für Christiane und ihren couragierten Anwalt Georg Groth!


Christiane Völling und Rechtsanwalt Dr. Georg Groth im Landgericht Köln, 6.2.08

Mit der erfolgten Zahlung kam der nunmehr über zwei Jahre dauernde Zwitterprozess schneller als erwartet zu einem historischen Ende: Zum allerersten Mal wurde in Deutschland ein Chirurg für eine nicht-eingewilligte Kastration an einem zwischengeschlechtlichen Menschen wenigstens zivilrechtlich belangt – und unterlag definitiv durch alle Instanzen! (Nachtrag: Schlussurteil LG zur Entschädigungshöhe)

Ein grosser Tag für alle zwischengeschlechtlichen Menschen und alle UnterstützerInnen in ihrem Kampf um die sofortige Beendigung der genitalen Zwangsoperationen und aller sonstigen nicht-eingewilligten Zwangseingriffe, für Selbstbestimmung und "Menschenrechte auch für Zwitter"!

Zwischengeschlecht.org gratuliert Christiane Völling – und bedankt sich auch bei allen, die ihren Kampf durch Spenden oder vor Ort unterstützten, sowie speziell bei Rechtsanwalt Georg Groth, ohne dessen Engagement der "Zwitterprozess" gar nicht erst zu Stande gekommen wäre.

Christiane Völling: "Die Öffentlichkeit aufrütteln"

Christiane Völling, die ihre Lebensversicherung auflöste, um diesen Pilotprozess führen zu können, hatte stets betont, es ginge ihr in erster Linie um die moralische Genugtuung. Sie wolle durch den Prozess die Öffentlichkeit aufrütteln und auch andere Geschädigte ermutigen, gegen ihre Zwangsbehandler zu klagen.

Zum 3. Prozesstag am 20.5.2009 hatte Christiane Völling Bundeskanzlerin Merkel und die für die Zwangsoperationen an Zwittern politisch verantwortlichen Ministerinnen Anette Schavan, Ulla Schmidt und Brigitte Zypries persönlich eingeladen. In ihrem Schreiben behielt sie sich weitere rechtliche Schritte gegen die Angeschriebenen vor und zeichnete als "Christiane Völling, zwangskastrierte Intersexuelle".

"Mein Leben lang hatte ich mich nur verborgen, eine Normalität vorgetäuscht und den Mund gehalten. Der Prozess war eine 180-Grad-Wendung", sagte sie Zwischengeschlecht.info.

"Dass es so schnell zu einem positiven Abschluss gekommen ist, kann ich noch gar nicht fassen. Ich hoffe, ich kann nun nach vorne schauen und ein neues Leben beginnen. Und dass Chirurgen es sich künftig zwei mal überlegen, bevor sie den nächsten Zwitter einfach so kastrieren."

     
Demo 1. Prozesstag, 12.12.07 (Bild: ddp / Ruhr Nachrichten

Druck auf die Bundesregierung wächst ...

Nach Christianes definitivem Sieg im Zwitterprozess wird auch die Bundesregierung, die seit 1996 die Zwangsoperationen  stets verteidigt und als "medizinisch notwendig" propagiert, künftig schlechter abstreiten können, was unter anderem kürzlich die BMBF-finanzierte "Hamburger Studie" sowie im Februar 2009 der UN-Auschuss CEDAW in einer Rüge an die Bundesrepublik an den Tag gebracht hatten, nämlich

  • dass eine Mehrzahl der Zwitter unter den kosmetischen Zwangsoperationen massiv leidet,
  • dass Zwangseingriffe an Zwittern ohne Einwilligung der Betroffenen einen Verstoss gegen Menschenrechte und Grundgesetz darstellen, insbesondere gegen GG Art. 2 Abs.2, "Recht auf körperliche Unversehrtheit", und, wie auch das OLG Köln in seinem Beschluss vom 3.9.2008 einstimmig festhielt, gegen das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, und
  • dass kosmetische Zwangsoperationen an Zwittern auch strafrechtlich nicht haltbar sind!


Gesetzgeber gefordert: Kosmetische Genitaloperationen an Kindern

Christiane Völling hatte insofern Glück im Unglück, dass sie, nicht zuletzt Dank ihrem Anwalt Georg Groth und buchstäblich in letzter Minute vor Eintreten der absoluten Verjährung, überhaupt noch wenigstens gegen ihren ehemaligen Chirurgen klagen konnte, wenn auch nur zivilrechtlich.

Den meisten Zwangsoperierten steht dieser Weg wegen der Verjährungsfristen nicht mehr offen. Da auch heute noch Mediziner und Eltern zwangsoperierten Zwittern die Wahrheit vorenthalten und diese meist schon viel früher als Säuglinge zwangsoperiert werden, erfahren die meisten erst zu spät von ihrem Schicksal und/oder sind wegen der oft schweren Traumatisierungen durch die erlittenen Zwangseingriffe nicht in der Lage, rechtzeitig zu klagen.

Was es nunmehr endlich braucht, sind gesetzgeberische Massnahmen, um die Grundrechte der Zwitter künftig endlich praktisch und umfassend durchzusetzen – ohne dass zuerst noch Tausende Betroffenen mehr einen Leidensweg durchlaufen müssen wie Christiane Völling und Zehntausende andere auch!

Zwischengeschlecht.org fordert:

  1. Gesetzliche Massnahmen zur sofortigen Beendigung aller Zwangseingriffe an Zwittern, Aufhebung/Verlängerung der Verjährungsfristen und Bestrafung aller TäterInnen!
  2. Zwangsbehandelte Zwitter sind unverzüglich und umfassend zu entschädigen!
  3. Rechtliche Anerkennung der Zwitter inkl. optionalem 3. Geschlechtseintrag für Zwitter!
  4. Intersexualität als nicht-pathologische biologische Besonderheit muss auf allen Ebenen in allen biologischen und sozialen Fächern unverzüglich in den Lehrplan aufgenommen werden!
  5. Umgehende Schaffung verbindlicher "Standards of care", inkl. psychologischer Beratung und Peer Support, unter Einbezug der betroffenen Menschen und ihrer Organisationen! 

Christianes Prozess auf diesem Blog:
- Christiane Völlings Geschichte
- 1. Pressemitteilung
- Demoaufruf 1. Prozesstag
- Bericht 1. Prozesstag
- Zwitter-Demo in der "Rundschau" und auf "Planetopia" 
- Pressespiegel 1. Prozesstag
- Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll
- Wegen Zwitterprozess: Druck auf Ärzte wächst
- Bericht und Pressespiegel 2. Prozesstag
- Christiane: Der Kampf geht weiter
- Bericht provisorischer Entscheid OLG
- Bericht definitiver Entscheid OLG
- Pressespiegel definitiver Sieg vor OLG
- Zwitterprozess: Verurteilter Chirurg will nicht zahlen!  
- Merkel & Co: Einladung zum Zwitterprozess!
- Zwitterprozess: Verurteilter Chirurg als Gutachter für Behandlungsfehler   
- "Schmerzensgeld-Prozess" - Sat1 NRW 19.5.09
- 3. Prozesstag 20.5.09: "Netzwerk DSD" fällt Chirurgen in den Rücken
- Zwitterprozess: 100'000 Euro plus Zinsen Entschädigung für genitale Zwangsoperation
> Pressemeldungen zum "Zwitterprozess"
> Internationale Artikelübersicht auf OII    

Thursday, September 3 2009

Du sollst nicht die Leiden der Zwitter als Aufhänger und 'Material' für deine eigenen Forderungen und Kämpfe benutzen!

Kann ein Zwitter Sünde sein?"Auch wenn [sie] die besten Absichten hegen, untergraben fehlendes Bewusstsein für und die fehlende Beachtung der Realitäten von Intersexuellen die adäquate Darstellung des Themas. Dabei werden unbeabsichtigt die Nicht-Sichtbarkeit und die Objektivierung der Intersexuellen perpetuiert." (Emi Koyama / Lisa Weasel)

Zum Beispiel:

In der Printausgabe des Tages-Anzeigers vom Montag nach der Aktion vor dem Inselspital prangte auf Seite 2 ein grosses Portrait von Nella: "Zwitter wie sie sollten nicht «zurecht gestutzt» werden"  (>>> Onlineversion)

Darüber auf der gleichen Seite ein längerer Artikel "Was Kinder alles beherrschen sollten", über den Widerstand des Dachverbandes der Schweizerischen Lehrerinnen und Lehrer gegen die Aufnahme einer Reihe zusätzlicher Pflichtstoffe in den neuen Einheitslehrplan aller deutschschweizer Kantone – darunter, so der Tages-Anzeiger süffisant im Lead, >>> "«Geschlechterkompetenz», Sexualkunde und 10-Finger-System".

Laut dem Artikel fordern "einige" progressive Kantonsbehörden, sekundiert von der Schweizerischen Schwulen- und der Schweizerischen Lesbenorganisation, u.a. Aufnahme von "Genderkompetenz", "Genderbewusstsein", "unterschiedliche Lebensformen und -entwürfe sowie Fragen der sexuellen Orientierung" und "sexuelle Orientierung und Identität" in den neuen Lehrplan.

Der Lehrerdachverband sei demgegenüber "eher skeptisch" eingestellt und verwahre sich dagegen, "bei den überfachlichen Kompetenzen sämtliche gesellschaftlichen Missions- und Nacherziehungs-Anliegen zu deponieren".

In der Printausgabe vom übernächsten Tag (19.8.09, S. 15) gab es unter dem Titel "Braucht es im neuen Lehrplan ein Fach «Geschlechterfragen»?" drei LeserInnenbriefe zu diesem Artikel. Einer davon griff beide Artikel zusammen auf: 

Nicht missionarisch. Das Thematisieren von Sexualitäten gehört in den Lehrplan. In einer Zeit, in der Intersexuelle noch immer «zurechtgestutzt» werden und «schwul» auf dem Pausenplatz oder im Ausgang als Schimpfwort für angeblich verweichlichte Jugendliche benutzt und diesen mit Gewalt gedroht wird, ist dies eines der dringlichsten Anliegen. Insbesondere sind auch Jugendliche, deren Eltern aus patriarchalischen Kulturen stammen, über die hiesigen Gepflogenheiten in Genderfragen aufzuklären. [...]


Kommentar:

Auch wenn es vermutlich als nette Geste gedacht war: Diesen Leserbrief kann wohl nur ein Mensch geschrieben haben, der sich in seinem ganzen Leben noch nie Gedanken um die (mangelnde) Unversehrtheit seiner Geschlechtsteile machen musste:

  • Die "dringlichsten Anliegen" der Zwangsoperierten betreffen die Beendigung der Genitalverstümmelungen, und NICHT das "Thematisieren von Sexualitäten".

  • Solange die Genitalverstümmelungen nach wie vor andauern und täglich neue Opfer zu beklagen sind, werden junge Zwangsoperierte herzlich wenig davon profitieren, wenigstens anschliessend in der Schule "über die hiesigen Gepflogenheiten in Genderfragen [aufgeklärt]" zu werden. 

Fazit, lobbyieren für Massnahmen gegen Schwulenfeindlichkeit und gegen "christlich-konservative Weltanschauung im Hintergrund" im Namen der Schwulen und Lesben ist gut und unterstützenswert.

Den Kampf der Zwitter solidarisch unterstützen auch.

Dagegen, kurz mit dem Leid der Zwangsoperierten winken, um dann stracks für den Rest des Sermons auf die eigene Kampagne umzuschwenken: Nein, nicht gut, tut weh, bitte nicht.

Nicht, so lange noch täglich Zwitterkinder genital zwangsoperiert werden.

Auch wenn es noch so gut gemeint war: Aua, aua, aua. 

Bitte nicht mehr. Danke.

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

PS: Auch andere Gruppierungen wie z.B. Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch wehren sich gegen die "Bagatellisierung" ihrer Leiden und Anliegen, wo diese etwa unter "Sexualität" bzw. "Verletzungen des sexuellen Selbstbestimmungsrechts" 'entsorgt' werden.

Wednesday, September 2 2009

"Intersexualität und Recht" in Österreich - Eva Matt, 8.11.06

Menschenrechte auch für Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da!

>>> http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/intersexualitat-und-recht/10/neste/205.html

Erschienen in der "Online-Zeitung der Universität Wien", mit aktuellem Bezug zu Alex Jürgen, "Tintenfischalarm" und intersex.at. Eva Matt "ist Juristin in Wien und arbeitet [...] an einer Dissertation zum Thema "Intersexualität aus rechtlicher Perspektive".

Kommentar: "körperliche Integrität und Selbstbestimmung" – einmal mehr allen ins Stammbuch, die nachher sagen werden, "Das haben wir aber nicht gewusst!"

Traumatisierende Eingriffe

Zusammenschlüsse von Intersexuellen machen seit Mitte der 1990er Jahre darauf aufmerksam, dass die an "Betroffenen" im Rahmen von Geschlechtszuweisungen durchgeführten genitalchirurgischen Eingriffe keineswegs als heilend empfunden wurden, sondern für diese missbrauchsähnlich, verstümmelnd und traumatisierend waren. Sie fordern ein sofortiges Abgehen von Genitalkorrekturen und verlangen einem patientenorientierten Behandlungsmodell folgend den offenen, tabulosen Umgang mit intersexuellen Menschen und dem Thema Intersexualität. Den Kindern soll ein Geschlecht "zugewiesen" werden, in dem sie aufwachsen; irreversible Eingriffe sollen aber jedenfalls aufgeschoben werden, bis das Kind selbst zustimmen kann.

[...] Auf juristischer Ebene steht die wissenschaftliche und praktische Auseinandersetzung mit dem Thema Intersexualität noch am Anfang. [...]

[...] Rechtspolitische Überlegungen sollten sich auch hierzulande der Frage widmen, wie die Rechte intersexueller Menschen auf körperliche Integrität und Selbstbestimmung so weit wie möglich gewahrt werden können und wie etwa ein "Recht auf eine offene Zukunft" rechtlichen Niederschlag finden kann.

>>> http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/intersexualitat-und-recht/10/neste/205.html

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Recht auf körperliche Unversehrtheit) 

Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (II): "EuroDSD"-Projektleiterin Prof. Wiebke Arlt propagiert Genitalverstümmelungen im "Guardian" und auf "Freitag.de"

Kann ein Zwitter Sünde sein?Die aktuellen öffentlichen Spekulationen und Ferndiagnosen in den Medien u.a. darüber, ob Caster Semenya möglicherweise gedopt, keine richtige Frau, ein Mann, oder eventuell ein intersexueller oder zwischengeschlechtlicher Mensch, Zwitter, Hermaphrodit oder eine "DSD-Gestörte" sei, sind entwürdigend.

Und obendrein rassistisch – auch wenn dies das "aufgeklärte" westliche Publikum in der Regel partout nicht wahrhaben will
(mehr dazu >>> "Is the Caster Semenya Sex Controversy Racist?" Nachtrag: >>> Leserkommentar auf welt.de: "Als Südafrikaner mit europäischer Abstammung kenne ich diese Überheblichkeit der Europäer, von der die Rede ist. [...] Es ist eine andere Art des Rassismus, als während der Apartheid praktiziert wurde. Wenigstens ist Apartheid hinter uns...") .

Schon was kürzlich Sarah Gronert angetan wurde, war unakzeptabel und unerträglich – und kein Einzelfall. Was nun Caster Semenya aktuell erleiden muss, ist als "Medienereignis" wohl nicht nur in der Welt des Sports buchstäblich noch nie dagewesen.

Quasi als "ExpertInnen der ersten Stunde" im Medien-Hype um "Frau oder Mann?" von Anfang an dick mit drin – die Medizyner und Zwangsoperateure u.a. von "EuroDSD" / "Netzwerk DSD/Intersexualität". (Im Gegensatz dazu in den Medien erst spärlich vertreten sind die Zwitter selbst als die eigentlichen Expert_innen – davon ein andermal mehr.)

Das bisher abschreckendste Beispiel eineR menschenverachtenden Medizyner-ExpertIn fand ich im englischen Sozi-Blatt >>> "The Guardian", verfasst von Sarah Boseley, "Redaktion Gesundheit". Zitiert wird darin eine "Medizin-Professorin" namens Wiebke Arlt von der Universität Birmingham. Die deutsche Übersetzung dazu erschien bei >>> "Freitag.de" (wo die Autorin irrtümlich Bosley heisst). Was der Artikel verschweigt: Es handelt sich bei Wiebke Arlt nicht um irgendeine Medizynerin, sondern um "Projektleiterin" des Zwangsoperateurverbandes "Euro-DSD". Wenig überraschend propagiert sie unverfroren Genitalverstümmelungen an Zwittern:

Es gibt Babys, die ohne chirurgischen Eingriff beides und zugleich keines von beiden sind. Sie wurden Hermaphroditen, Pseudohermaphroditen und intersexuelle Kinder genannt, die Ärzte ziehen es mittlerweile allerdings vor, von sexuellen Entwicklungsstörungen zu sprechen, da Störungen in vielen Fällen behoben werden können. Diese Kinder müssen nicht ihr ganzes Leben im Zustand sexueller Mehrdeutigkeit leben. Wenn der Zustand früh genug erkannt wird, kann ihnen geholfen werden, in einem ausdrücklich männlichen oder weiblichen Körper aufzuwachsen.

Kommentar: Und es gibt offensichtlich immer noch mehr als genug MedizynerInnen und JournalistInnen, die sind menschlich, moralisch und ethisch derart gestört, denen würde wohl nicht mal mehr "geholfen" und die "Störungen [...] behoben", wenn ihnen selber mal ungefragt an intimen Körperstellen herumgeschnippelt würde ... aber wetten, nachher würden sie zumindest anders darüber reden?!

Immerhin haben auf "Freitag.de" wenigstens die bisherigen >>> Kommentare zumindest betreffend der Zwangsoperationen ein ethisch deutlich höheres Niveau als die "Euro-DSD"-"Expertin" Wiebke Arlt sowie ganz allgemein dieser (im Gegensatz zum menschenverachtenden Statement von Prof. Arlt wohl nicht mal beabsichtigtweise) voll infame und niederträchtige Artikel. Danke!

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I)
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (III): 2 Artikel von solidarischen Nicht-Zwittern 
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" - Tages-Anzeiger, 16.9.09 (IV)
- Zwitter solidarisieren sich mit Caster Semenya (V)
- IAAF offeriert Caster Semenya "Gratis Genitaloperation" (VI) 
- Caster Semenya verklagt IAAF auf 120 Mio Dollar und ASA auf 18 Mio Dollar? (VII) 
- Sarah Gronert
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit 
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09    

>>> Report on Discrimination of Hermaphrodites in Sports
>>>
Open Letter to IOC Chief Jacques Rogge demanding Justice for Santhi and Caster

Monday, August 31 2009

Keine Zwangsoperationen mehr in Biel? - Berner Zeitung, 17.8.09

Gratuliere, es ist sein Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Den ganzseitigen Artikel in der BZ von Andrea Sommer anlässlich der Aktion am Inselspital Bern schätzen mehrere Beteiligte als den insgesamt gelungensten ein. Dies wohl nicht zuletzt wegen der zusätzlichen Kästen zu Christianes Prozess und zum Offenen Brief, sowie wegen eines Aufsehen erregenden Interviews mit der Chefärztin der Kinderklinik in Biel, das wir nachfolgend dokumentieren:

>>> online bei der Berner Zeitung

«Betroffene sollen wählen»

Die Chefärztin der Bieler Kinderklinik Wildermeth wehrt sich gegen den Zwang zum eindeutigen Geschlecht.

In ihrer Aktion vor dem Inselspital von gestern prangerte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org die Praxis der Zwangsoperationen an. Auch heute noch würden Kleinkinder unklaren Geschlechts mit dem Skalpell und ohne ihre Einwilligung zu Mädchen oder Buben gemacht.

Dass es auch anders geht, zeigt die Kinderklinik Wildermeth in Biel. Chefärztin Christine Aebi ist auf Kinderendokrinologie spezialisiert, also auf die Lehre der Hormone. Aebi wehrt sich gegen den Zwang zum eindeutigen Geschlecht. "Ob Mann oder Frau, das wird nicht allein durch das äussere Geschlecht bestimmt, sondern auch durch den Gender, also das innere Fühlen als Frau oder Mann."

Bei Säuglingen mit unklarem Geschlecht werde eine Chromosomenanalyse durchgeführt, die Aufschluss darüber gebe, ob das Kind eher ein Bub oder ein Mädchen ist, sagt Aebi. "Unabhängig vom Resultat raten wir den Eltern, zu warten, bis ihr Kind sein Geschlecht selber wählen kann." Die Eltern würden dies akzeptieren, sagt Aebi. "Natürlich brauchen sie dann Begleitung durch Fachleute." Laut Aebi ist eine Operation einzig aus gesundheitlichen Gründen angebracht. "Etwa dann, wenn es durch die Ausbildung der Geschlechtsorgane zu Infektionen der Nieren kommt oder der Stuhlgang behindert wird."

Aebi ist seit zehn Jahren Chefärztin der Kinderklinik Wildermeth. Davor praktizierte sie länger in Kanada. "Dort ist die Politik jene, dass man die Kinder sein lässt, wie sie geboren wurden, bis sie selber entscheiden können", so Aebi. In anderen Kulturen seien intersexuelle Menschen akzeptierter als in unseren Breitengraden. Etwa in Indien. Aebi: "Dort geht man davon aus, dass der Mensch gespalten wurde und das Weibliche und Männliche wieder in sich vereinen muss. Kommt ein zwischengeschlechtliches Kind zur Welt, dann ist dies ein Geschenk."

(Berner Zeitung, 17.08.2009, S. 19)

Solche Aussagen von MedizinerInnen wie die obigen von Christine Aebi machen immer froh und sind Anlass zu Optimismus und (Vor-)Freude auf eine bessere Zukunft – auch für kleine Zwitterkinder. Danke!!!

Ihrer Homepage nach verfügt die Bieler Kinderklinik Wildermeth gar nicht (mehr?) über eine urologisch-kinderchirurgische Abteilung, die auch Zwangsoperationen vornimmt.

Bleibt zu hoffen, dass auch diejenigen Spitäler, die nach wie vor Zwangsoperationen anbieten (in der Schweiz sind dies die Kinderspitäler in Basel, Bern, Lausanne, Luzern, Genf, St. Gallen und Zürich), endlich zur Besinnung kommen ...  

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

"Kampf der Zwitter gegen Zwangsoperationen" - mehrsprachiger Artikel auf swissinfo.ch

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Gelungener Artikel von Clare O'Dea über die Aktion am Inselspital Bern, erschienen auf englisch, portugiesisch und französisch:

Nella redet einmal mehr Klartext:

"Zwangsoperationen sind keine Lösung", sagte sie und verwies auf medizinische Studien, die "schlechte Resultate" zum Vorschein brachten und zeigten, dass die meisten PatientInnen ein Leben lang an den Folgen leiden.

"Diese Operationen sind schmerzhaft und irreversibel und führen oft zu einer Verminderungen des sexuellen Empfindens oder zerstören es ganz. Nicht-eingewilligte kosmetische Operationen verletzen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Es ist eine Menschenrechtsverletzung", sagte Daniela Truffer swissinfo.ch.

Die Soziologin Kathrin Zehnder erzählt als weitere Expertin von einem Kind, das unoperiert aufwächst, ohne dass es zu den von den Medizynern immer berichteten Katstrophen gekommen wäre.

"Ich weiss nicht, ob man ein Kind durch Operationen davor schützen kann, anders zu sein. Was wollen Sie tun, wenn sich ein Kind anders fühlt? Das kann man nicht wegoperieren", fügte sie hinzu.

Christianes Prozessiege werden erwähnt. Die Rechtsprofessorin Andrea Büchler wird zitiert:

"In der Regel können die Eltern für ihr Kind zustimmen. Geschlechtszuweisende Operationen aber tangieren die höchstpersönlichen Rechte und dürfen nicht ohne Zustimmung des betroffenen Kindes vorgenommen werden – ausser es ist medizinisch notwendig."

Christine Aebi, Chefärztin der Kinderklinik Wildermeth in Biel wird zitiert:

"Wir raten den Eltern zu warten, bis das Kind sich selbst entscheiden kann", sagt sie. In Biel wird nur noch operiert, wenn es durch die Ausbildung der Geschlechtsorgane zu Infektionen kommt oder der Stuhlgang behindert wird.


Die französische Version gefiel mir natürlich vom Titel her am besten, weshalb der Titel dieses Posts darauf zurückgeht. :-)  
>>> Le combat des hermaphrodites contre les opérations forcées (28.08.2009)  

Die englische Ursprungsversion. Hat als obligaten Videolink eine Doku über staatliche "Kinderzwangsarbeit in der Schweiz". Definitiv mal was anderes als das sonst grad übliche "Transsexuelle in der Politik" ;-)
>>> Doctors "playing God with children's sex" (26.08.2009)

Portugiesisch – vielleicht lern ichs ja mal noch, immerhin schon der 2. Artikel innert Wochenfrist ... :-)  
>>>
Hermafroditas lutam pelo direito de decidir sexo (26.08.2009) 

Nachtrag 1.9.09: Jetzt auch auf chinesisch!
>>> 医生“主宰”着儿童的性别 (01.09.2009)

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

Sunday, August 30 2009

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2.2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)

Foto: Kundgebung zum 1. Prozesstag im 'Zwitterprozess' vor dem Landgericht Köln,12.12.2007.

V.l.n.r.: Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Jeder hat das [...] Recht auf körperliche Unversehrtheit", steht im Deutschen Grundgesetz (Artikel 2.2).

Auch in der Schweizerischen Bundesverfassung ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit verankert (Artikel 10.2).

In Österreich ist Recht auf körperliche Unversehrtheit kein explizites Grundrecht, aber "anerkanntes öffentliches Interesse". (Vgl. Anhang)

Genitale Zwangsoperationen an zwischengeschlechtlichen Kindern sind eine massive Menschenrechtsverletzung!

Seit 1996 verurteilen zwangsoperierte Zwitter aus Deutschland, aus der Schweiz und aus Österreich öffentlich die an ihnen begangenen Zwangseingriffe explizit als Menschenrechtsverletzung und fordern ihre sofortige Beendigung – nicht zuletzt unter Berufung auf ihr "Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung"  (Vgl u.a. XY-Frauen, Zwischengeschlecht.org, Intersex.ch, Intersexuelle Menschen e.V., OII Deutschland / IVIM).

Zwangsoperiert wird in diesen Länder trotzdem weiterhin ungebrochen (wie leider ja auch sonst so ziemlich überall in der "aufgeklärten Welt"). 

Als bisher einzige Regierung der drei genannten Länder musste sich die Deutsche Bundesregierung aktuell immerhin schon sieben Mal wenigstens im Parlament unbequeme Fragen gefallen lassen. Auch explizit betreffend Verfassungswidrigkeit der systematische Genitalverstümmelungen an zehntausenden, wehrlosen kleinen Zwitterkindern allein in ihrem Zuständigkeitsbereich.

Wo sie nicht schlichtwegs jede Antwort verweigerte ("derzeit keine relevanten Informationen" heisst es stereotyp auch gegenüber der UNO), propagiert die Deutsche Bundesregierung seit über 10 Jahren unbeirrt die nicht-eingewilligten genitalen Zwangsoperationen an Zwitterkindern als "medizinisch notwendig" und "am Kindeswohl aus[ge]richte[t]", eine Grundrechtsverletzung durch Zwangseingriffe sei deshalb "nicht anzunehmen":  

Deutscher Bundestag
Drucksache 14/5627 >>> PDF-Download
14. Wahlperiode, 20. 03. 2001 Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 16. März 2001 übermittelt.
Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christina Schenk und der Fraktion der PDS
– Drucksache 14/5425 –
Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit

[Frage:]
30. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, das medizinische Interventio-
nen zum Zwecke einer geschlechtlichen Polarisierung an nicht Einwilli-
gungsfähigen den verfassungsrechtlich zugesicherten Grundrechten auf
Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit zuwiderlaufen?
Wenn ja, sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf?
[Fettschreibung durch zwischengeschlecht.info]

[Antwort:]
Die Fragen 29 bis 31 werden zusammenfassend wie folgt beantwortet:
Die Ausübung des elterlichen Sorgerechts hat sich stets am Kindeswohl auszu-
richten (§ 1627 BGB). Deshalb dürfen die Menschenwürde und die Rechte des
Kindes auch durch eine Einwilligung der Eltern in medizinische Eingriffe nicht
verletzt werden. Eine solche Verletzung ist aber nicht anzunehmen, wenn ein
Eingriff medizinisch indiziert ist.
[Fettschreibung durch zwischengeschlecht.info]

Anmerkung 1: Kosmetische Operationen an den "uneindeutigen" Genitalien kleiner Kinder sind etwa so "medizinisch notwendig" wie eine Nasenverkleinerung für sagen wir mal Elefanten. Wetten: Würde "der Bundesregierung" nur einmal auf solche Weise ungefragt ein wenig zwischen den Beinen herumgeschnippelt (oder nur schon an der Nase) – "die Bundesregierung" würde plötzlich einiges ziemlich anders sehen ...


Anmerkung 2: Argumentationen, welchem angeblichen oder tatsächlichen gesellschaftlichen "Zweck" diese kosmetischen Zwangsoperationen von welchem Standpunkt aus gesehen jeweils dienen (z.B. "geschlechtliche Polarisierung" vs. "stabile Geschlechtsidentität", "Herstellung von Normalität", "Aufrechterhaltung des Zweigeschlechtersystems" usw.), sind wenig hilfreich zur realpolitischen Durchsetzung des Kernarguments "Beendigung der genitalen Zwangsoperationen innert nützlicher Frist".

Schluss mit Genitalverstümmelungen an Kindern! Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Schlussmit genitalen Zwangsoperationen!

Anhang:

"Recht auf körperliche Unversehrtheit" in der Verfassung in Deutschland, Österreich und in der Schweiz


Deutschland: >>> Grundgesetz Artikel 2 (Vgl. auch Art. 1.1, 2.1 und 2.3)

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Schweiz: >>> Bundesverfassung Artikel 10 (Vgl. auch Art 10.3)

(2) Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.

Österreich:

In Österreich ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit zwar "anerkanntes höchstrangiges öffentliches Interesse", aber "kein explizites Grundrecht". (Quelle)

Siehe auch:
- Amnesty D: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Schweiz: Amnesty International und Terre des Femmes fordern Strafbarkeit von Genitalverstümmelung auch bei Zwittern
- "Intersexualität und Recht" in Österreich - Eva Matt
- Faule Eier für "die Bundesregierung"! 
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday, August 28 2009

"Transidente" inszeniert sich als P*rn0-"Zwitter": Nikita Noemi Rothenbächer

Angefangen hatte Nikita Noemi Rothenbächer (* 1957) als typische "ich-bin-auch-intersexuell"- "Transidente" wie manch andere Zwitter-vereinnahmende Transsexuelle auch (vgl z.B. Helma Katrin Alter).

Als "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" reklamiert sie seit Mai 2009 auf dem Netz u.a. Christiane Völlings Prozesssieg für sich selbst und publiziert reihenweise geklaute Texte u.a. von Michel Reiter und Georg Klauda als ihre eigenen – umrahmt von Nacktfotos und Tierp*rn0-Videos.

Die Namen der realen Zwitter in den gestohlenen Texten löscht sie heraus und setzt stattdessen ihren eigenen ein.

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Thursday, August 27 2009

"Chciała być kobietą, zrobił z niej mężczyznę" - rp.pl, 15.8.09

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Artikel auf Polnisch über Christianes 3. Prozessieg:


>>> Artikel von Aleksandra Rybińska und Marta Gmiter

(Meine Polnischkenntnisse sind leider sehr beschränkt. Wendungen wie "Dosyć przymusowych operacji! Koniec kastracji!", "100 tysięcy euro" und einige weitere Fragmente im vorliegenden Artikel kann ich mir notfalls grad noch so in etwa zusammenreimen, doch ansonsten hab ich ehrlich gesagt nicht viel Ahnung, was da genau drin steht. Entsprechende Hinweise/Kommentare werden gern entgegen genommen!)

Wednesday, August 26 2009

"Intersexuelle in der Geschichte und heute: Ausschluss und Misshandlungen des Dritten Geschlechts" - suite101.de, 13.7.09

Gratuliere, es ist sein Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Gelungener und interessanter Artikel von Jennifer Gregorian. Beleuchtet das Thema aus philosophisch-feministischer Perspektive.

Greift eine Feststellung aus einem früheren Artikel derselben Autorin "Menschenrechtsverletzungen an Zwittern: Zwangsoperationen bei Intersexuellen" wieder auf:

Allein die Existenz Intersexueller und erst recht ihre volle Akzeptanz als Teil der Gesellschaft würde das patriarchale Paradigma zum Einsturz bringen.

Und bringt sie zum logischen Abschluss:

So stellen Zwitter, ohne erst diesbezüglich aktiv zu werden, eine Systembedrohung dar.

Daher hat die Unterstützung des Widerstandes zweigeschlechtlicher Menschen sowohl aufgrund der an ihnen verübten Verbrechen, als für die Gleichberechtigung höchste Priorität.

Kommentar: Nun brauchte sich nur noch das scheinbare Paradox weit genug herumzusprechen, dass die "volle Akzeptanz" der Zwitter "als Teil der Gesellschaft" sich realpolitisch am schnellsten verwirklichen lässt unter Berufung auf die jetzt schon mehrheits-fähigen – auch von Jennifer Gregorian explizit erwähnten – Grundrechte "auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde" – während ihre Durchsetzung im Namen von "Gender", "Identität" usw. realpolitisch von vornherein zum scheitern verurteilt ist ...  

"Direitos humanos também para os hermafroditas - Não às operações genitais forçadas!" - Do topo dos Alpes, 19.8.09

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!


Interessanter Artikel (soweit ich Portugiesisch verstehe) auf dem >>> Blog des brasilianischen Journalisten Alexander Thoele (hier ohne Anmeldung) über die Aktion vor dem Inselspital in Bern und weitere Proteste. Der dann via OII Brasilien schwupps auf den ersten Transsexuellen Kantonsrat der Schweiz umschwenkt. Wie's halt manchmal so läuft "in den Medien" ...

>>> Hermafroditas exigem fim das operações obrigatórias de sexo (hier brauchts Anmeldung) 

(Der Titel dieses Posts ist aus der Bildlegende des Artikels, die portugiesische Übersetzung der 2 Parolen auf dem Schild – Danke!)

Monday, August 24 2009

"intersex" - flegeljahre einer königin, 30.9.07

Gratuliere, es ist sein Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da!

Gelungener persönlicher Blogpost von Monique Chantal Huber über Alex Jürgen und den Film "Tintenfischalarm", publiziert zur selben Zeit, als dieser Blog seine Eierschalen abstreifte.

Mit provokanten Erkenntnissen zur "psychosomatische[n] durchschlagskraft" der Begriffe "KASTRATION", "HYSTEREKTOMIE" und "GENITALVERSTÜMMELUNG" ("sollte wenigstens bei einem viertel der anwesenden eine deutliche äußerung des körperlichen unbehagens bewirken").

>>> http://geleeroyale.twoday.net/stories/4306646/

Friday, August 21 2009

"das Recht intersexueller Kinder auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit"

Menschenrechte auch für Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da!

Aus Nellas allererstem Interview von 2002 für die Lesbenzeitschrift Die, nachgedruckt im Megafon und in der Fabrikzeitung:

Was fordern Selbsthilfeorganisationen für Intersexuelle?

Sie fordern das Recht intersexueller Kinder auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit. Intersexualität soll nicht mehr als Krankheit definiert, sondern die Menschen sollen mit ihrer individuellen Körperlichkeit jenseits von starren Geschlechtszuweisungen wahrgenommen werden. Sie setzen sich für die Aufklärung der Öffentlichkeit über das Thema und seine Enttabuisierung ein.

Das ganze Interview im megafon-Archiv:
>>> «Wir erfahren durch Zufall, wer wir sind»
Megafon Nr. 255, Januar 2003

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Recht auf körperliche Unversehrtheit)    

Thursday, August 20 2009

Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I)

Kann ein Zwitter Sünde sein?Unabhängig davon, ob die siegreiche südafrikanische Sportlerin intersexuell ist oder nicht – die aktuelle Medienberichterstattung um den "Geschlechtstest" offenbart einmal mehr, dass noch ne ganze Menge Aufklärungsarbeit zu leisten bleibt – sowohl über Zwitter selbst, als auch über ihren Status in der Welt des Sports.

>>> Diskussion auf dem Hermaphroditforum

Nachfolgend einige wenige Blüten mit Kommentar – es gäbe bestimmt hunderte weitere:

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Wednesday, August 19 2009

GPGF Basel 10.-12.09.09: Stop Vereinnahmung des Zwittersymbols im Namen von "Gender" und "Psychiatrie"!

Wem gehört das Zwittersymbol?"Nature vs. Nurture" hat für Zwitter einen besonders bitteren Geschmack: Schliesslich wurde und wird dieser "theoretisch-akademische Diskurs" seit Jahrzehnten und bis auf den heutigen Tag buchstäblich an ihren zwangsoperierten Körpern ausgetragen.

Demnächst einmal mehr am "9. Kongress der interdisziplinären Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen und Genderfragen (GPGF)", heuer unter dem Motto "Gender – Psyche – Lebensphasen", dessen Eröffnungstag ganz dem Thema gewidmet ist: "Geschlechtsidentität: nature oder nurture?" Darin zentral platziert ein Referat von Hertha Richter-Appelt (--> "Hamburger Studie") mit dem Titel "Geschlechtidentität bei XY-Frauen und XX-Männern" (>>> Programm).

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Tuesday, August 18 2009

Inselspital Bern: Aktion gegen genitale Zwangsoperationen 16.8.2009

(Bild: Ärger)

Am 16.8.2009 protestierte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vor dem Inselspital Bern. In einem Offenen Brief (PDF) wurden Verantwortliche kritisiert und die sofortige Beendigung der Zwangseingriffe gefordert. Auch wenn es dazu konkret noch ne ganze Menge mehr Druck braucht, wehte den Zwangsoperateure darauf aus den Medien eine ziemlich steife Brise entgegen ...

Nachdem leitende Ärzte aus dem Inselspital in den Medien verschiedentlich Zwangsoperationen öffentlich verharmlosten und propagierten, war nach der letztjährigen Sauregurkensonntagsaktion vor dem Kinderspital Zürich die Wahl diesmal auf die Bundeshauptstadt gefallen. Das Inselspital ist möglicherweise die grösste Zwangsoperationsklinik der Schweiz. Auch Nella war im Inselspital mit 2 1/2 Monaten zwangskastriert und mit 7 Jahren genital zwangsoperiert worden.

Erneut waren mehrere Demoteilnehmer_innen zum Teil einiges angereist, wie vor der UNO in Genf beteiligte sich auch ein solidarischer Kinderarzt. Dazu hatte uns eine stattliche lokale Solidelegation vor dem Spital erwartet. Fettes Dankeschön an alle!

Das französisch-schweizerische Fernsehen drehte für einen längeren Beitrag, mehrere Agenturen und Medien waren vor Ort, mehrere grosse Tageszeitungen brachten zusätzlich vorgängig gegebene Interviews. Durch die Vielzahl von Pressemeldungen erfuhren zahlreiche weitere Menschen im ganzen Land von den Menschenrechtsverletzungen an Zwittern und zeigten sich empört. Auch von SpitalbesucherInnen erhielten wir beim Flugblätter verteilen vielfach aufmunternde Kommentare.

Unsere Präsenz am Insel war nicht nur vor Ort weitherum unverkennbar. Der nächste Sauregurkensonntag kommt bestimmt! Zwangsoperateure passt bloss auf!!!

>>> Medienspiegel & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

Sunday, August 16 2009

«Menschenrechte auch für Zwitter» - Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.09

(Bild: Peter Schneider / Keystone / Berner Zeitung)

>>> Offener Brief an das Inselspital Bern (PDF)

>>> Hintergrund: Genitale Zwangsoperationen im Inselspital  
>>> Bericht über die Aktion
 

Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

PRESSESPIEGEL

>>> «Menschenrechte auch für Zwitter»: Gelungene sda-Agenturmeldung (mit Kommentaren) zur Aktion im Inselspital. Auch die Alternativtitel lassen sich sehen, z.B. "Zwitter fordern Ende von Zwangsoperationen" (Tagesschau.sf.tv, mit Kommentaren – siehe auch Wiler Zeitung, mit anderem Bild, und viele andere mehr). Ebenso die slogantaugliche Kurzform "Zwitter gegen Zwangsoperationen" (vgl. weitere Treffer).

Gelungener Artikel von Christine D’Anna-Huber im Multipack:
>>>
Zwitter wie sie sollen nicht «zurecht gestutzt» werden
(Tages-Anzeiger Printausgabe 17.8.09 S. 2, online mit Kommentaren)
>>> «Zur Frau umgebastelt» (Der Bund, Printausgabe vom 17.8., Stadt & Region Bern)
>>>
Als Zwitter geboren: «Kastriert hat man mich»
(online an weiteren Orten).

Gelungener ganzseitiger Artikel von Andrea Sommer mit Kästen & Interview:
>>> Intersexualität: Das verwaltete Geschlecht
(Berner Zeitung; Printausgabe 17.8., S. 19)
>>> «Betroffene sollen wählen»
Aufsehen erregendes Interview mit der Chefärztin der Kinderklinik Biel.

Gelungener französischer Artikel von Vincent Donzé:
>>>
Opérations forcées: «on m'a castrée»
(Le Matin Printausgabe 18.8.09, S. 10, sowie online mit Kommentaren).

Gelungener Artikel von Clare O'Dea auf englisch, französisch, portugiesisch und chinesisch:
>>> Kampf der Zwitter gegen Genitaloperationen (dt. Teilübersetzung)
>>>
Doctors "playing God with children's sex"
>>>
Le combat des hermaphrodites contre les opérations forcées
>>> Hermafroditas lutam pelo direito de decidir sexo

>>> 医生“主宰”着儿童的性别

Interessanter portugiesischer Artikel von Alexander Thoele:
>>> Hermafroditas exigem fim das operações obrigatórias de sexo 

Hintergrundartikel von Nella & Seelenlos (Megafon 335, September 2009, S. 7-9):
>>> Geschlecht: Zwangsoperiert

Gelungener französischer Tagesschau-Bericht (TSR, 11.10.09):
>>> Le droit de choisir 

Französischer Dokfilm u.a. mit Nella und über die Aktion (TSR, 29.10.09):
>>> «Entre deux sexes»

Video mit Nella zum politischen Vorstoss betr. Inselspital (TeleBärn, 18.3.10):
>>> "Zwangsoperiert wird schon lange nicht mehr" - Inselspital lügt wie gehabt ...

Siehe auch:
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 6.7.08 
-
Politischer Vorstoss gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Inselspital
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008  

Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern

Menschenrechte auch für Zwitter!

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden

Wie in Basel, Lausanne, Luzern, Genf, St. Gallen und Zürich werden die Zwangsbehandlungen auch im Inselspital experimentell durchgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Prof. Dr. med. Primus Mullis, Abteilungsleiter für pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Medizinische Universitäts-Kinderklinik Bern, liess 2007 noch gönnerhaft durchblicken, "unter den Ärzten [wachse] die Bereitschaft, ein unbestimmtes Geschlecht auch einmal sein zu lassen" (Das Magazin 36/2007).

Zacharias Zachariou, Direktor der Kinderchirurgie des Inselspitals, betonte demgegenüber, wie wichtig es sei, "möglichst in den ersten zwei Jahren nach der Geburt zu einer Entscheidung zu kommen" – gefolgt von der klassischen 'Begründung': "Stellen Sie sich einmal den psychischen Druck für ein Kind vor, das nicht weiss, ob es ein Knabe oder Mädchen ist. Oder wenn es mit den Jungs in die Umkleidekabine geht und die anderen sehen, dass es keinen Penis hat!" (NZZaS 13.07.2008)

Aufgeschreckt durch die zunehmende Medienpräsenz unzufriedener Zwangsoperierter schwenkte Primus Mullis wenige Monate später gänzlich um und behauptete plötzlich: "Hier werden keine Zwangsoperationen durchgeführt." Um dann im selben Atemzug als "Ausnahme in kosmetischer Hinsicht" diejenigen "Mädchen" zu nennen, die mit dem so genannten adrenogenitalen Syndrom geboren werden: "Die oft vergrösserte Klitoris werde wegen des sozialen Stigmas verkleinert." Bezeichnenderweise handelt es sich bei der "Ausnahme" AGS-"Mädchen" um die zahlenmässig grösste "Patientengruppe". (Der Bund 15.11.2008)

Fazit: Wie überall in der Schweiz werden auch im Inselspital nach wie vor wehrlose Zwitterkinder genital zwangsoperiert!

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

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