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Sunday 17 August 2014

USA: Protest gegen Zirkumzision kritisiert IGMs – 2x!

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In diesem >>> Youtube Video (englisch) von einem Anti-Zirkumzisionsprotest in Denver (Colorado) im Anschluss an die "Genital Autonomy 2014" Konferenz (englisch) werden Intersex-Genitalverstümmleungen gleich 2x hintereinander explizit kritisiert.

DANKE, Bloodstained Men & Friends, Jonathan Friedman, Katherine, Brother K, James Loewen!

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report to the UN Committee on the Rights of the Child (CRC)
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>>
Table of Contents 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Friday 28 February 2014

Fr 7.3.: Soliparty + Info im ABS Zürich mit Norton, Joules, Das Archea

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Soliparty für Zwischengeschlecht.org im Autonomen Beauty Salon (ABS), Hohlstr. 481, Zürich-Altstetten

22h Info zu Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

23h Konzerte mit Norton (HC-Punk), Joules (Stoner), Das Archea (Metal), dazwischen Kurzfilme zum Thema, anschl. DJ Ritchi Bitch

Fettes Dankeschön an alle, die das möglich machen!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe 

Sunday 29 December 2013

"Entstellte" Sarah: «Meine Muttermale haben mich zu dem sensiblen, empathischen, sozialen, aber auch starken Menschen gemacht, der ich heute bin.»

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

[ Bild: "Sarah wurde wegen ihrer Muttermale selten gehänselt: Keck blickt sie in die Kamera des Schulfotografen." ]

>>> Hochinteressanter Artikel über eine Frau mit Muttermalen, die froh ist, dass ihre Eltern sie selbst entscheiden liessen, ein >>> Interview mit einem Kinderchirurgen, der Muttermale am liebsten an Kleinkindern "korrigiert", sowie >>> ebendort in der Box ein Audiobeitrag mit der Familie eines 2.-Klässlers, dessen Familie ihn sein Muttermal ebenfalls behalten liess, alle von Noemi Landolt auf Tamedia/Newsnet. Dieser Blog sagt der portraitierten Sarah und allen anderen Beteiligen Danke für ihren Mut und wünscht weiterhin viel Kraft!

Auf den ersten Blick ist deren Situation eine ganz andere:

Menschen mit Muttermalen, vor allem im Gesicht, fallen im Unterschied zu Intersexen in der Öffentlichkeit unvermeidlich blitzschnell auf – sehen sich aber im Alltag in der Regel nicht speziell mit all den üblichen Komplexen, Fantasien, Schambeladenheiten usw. im Zusammenhang mit Genitalien und "Geschlächt" konfrontiert.

Bei allen Unterschieden sind die Gemeinsamkeiten frappierend:

  • die Schuldgefühle der Mütter
  • pädo-chirurgische "Korrekturen" am gesunden Kind
  • fehlende Evidenz
  • "vor allem aus kosmetischen Gründen"
  • das angeblich "sehr hohe" Krebsrisiko
  • die terminal operationsgeilen Kinderchirurgen ("[...] in der Regel mehrere Eingriffe nötig [...] Die Haut ist im Kleinkindalter noch elastischer [...]"), für welche neumodisches Beigemüse wie Psychologen und andere nicht-operierende KollegInnen sowie "zahlreiche Gespräche" mit den Eltern primär dazu dienen, die Durchsetzung von Zwangsoperationen am gesunden Kind ("[Die Eltern] müssen es wirklich wollen") gegen aussen und innen abzusichern: 

    "Wir Chirurgen sind Macher und sind überzeugt, dass wir gut sind. Vor allem bei komplizierteren Fällen, bei denen wir gerne operieren würden, ist es nicht einfach, sich zurückzuhalten. Da müssen uns die Psychologen und Dermatologen, die nicht operieren, manchmal etwas bremsen. Aber wenn sich die Eltern nach zahlreichen Gesprächen mit uns allen für eine Operation entscheiden, haben am Ende auch wir ein besseres Gefühl."

  • die übertrieben Fantasien der Medzyner über einen "sozialen Super-GAU" ohne frühe "Korrektur"
  • die praktischen Gegenbeispiele unversehrt aufwachsender Kinder
  • die überragende Wichtigkeit des Kontakts zu anderen Betroffenen (statt zu OP-geilen MedizynerInnen) und des Zugangs zu Selbsthilfegruppen

Meine 2 Cent: Wie u.a. die medizynische "Behandlung" vom Menschen mit mehr als 10 Fingern zeigt auch der medizynische Umgang mit Menschen mit Muttermalen, dass Intersex-Genitalverstümmelungen als gesamtmedizynisches Menschenrechts-Problem (und der Pädiatrie im Speziellen) begriffen und analysiert werden muss (und NICHT durch die "Geschlechter-Konstruktions-Brille"), um die strukturellen Gegebenheiten und traditionellen Ausreden der TäterInnen auch als solche zu entlarven, und ebenso die historische Entwicklung der Intersex-Verstümmelungen inkl. die Verbindungen zur NS-Medizyn, um letztlich (nicht nur) den Intersex-GenitalabschneiderInnen hier und heute wirksam Paroli bieten zu können.

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Tuesday 10 December 2013

Jena Mi 11.12.13 19h: Intersex-Infoabend + Film XXY + Diskussion

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19h, Hörsaal 7, Carl-Zeiss-Str. 3

Morgen Mittwoch findet in Jena ein Intersex-Infoabend mit Film und Diskussion statt, organisiert vom Fachschaftsrat Soziologie und dem Gleichstellungsreferat der Friedrich Schiller-Universität Jena.
>>> Download Flyer (PDF 290kb)

Das Programm: Zuerst gibt's einen Beitrag von yours truly a.k.a. Markus Bauer zu "Intersex-Genitalverstümmelungen & Widerstand: Geschichte & Gegenwart", gefolgt vom argentinischen Film "XXY", einem Input von Anja Gregor + Diskussion. Dank an alle, die das möglich machen! 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Intersex-Verstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
 
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben

Sunday 24 November 2013

«Wer beschäftigt sich schon gern mit seiner Schuld?» - Gründe für und Mittel gegen geringes Interesse an Aufarbeitung (nicht nur) in den USA

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Wieviel jahrzehntelange Anstrengungen es braucht, um in einer Gesellschaft eine öffentliche Aufarbeitung vergangenen Unrechts durchsetzen zu können (und erst recht eine faire Entschädigung der Opfer), davon können nicht nur als Kinder genitalverstümmelte Zwitter ein Lied singen.

Aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums der Kennedy-Ermordung gab's zu diesem Thema ein >>> interessantes Interview mit dem US-Politologen Ned Lebow über "schwarze Löcher" in der Geschichtsschreibung und erforderliches Durchhaltevermögen ebenso wie notwendigen Druck von aussen, um dem (Ver-)Schweigen der (Mit-)TäterInnen ein Ende setzen zu können. 

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Saturday 19 October 2013

Heinz-Jürgen Voß: "Intersexualität vor dem Hintergrund aktueller Debatten und gesellschaftlicher Entwicklungen in der BRD" (2013)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

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Am diesjährigen 11. interdisziplinären SGA-Workshop mit Themenschwerpunkt "D$D", an dem u.a die Urologin Prof. Dr. Susanne Krege kosmetische Genitaloperationen an Intersex-Kindern propagierte (dieser Blog berichtete), gab's auch einen gelungenen Kontrapunkt durch Heinz-Jürgen Voß.

Nachfolgend einige Ausschnitte:

»Durch die aktuellen Debatten und Gesetzesinitiativen scheint auch klar, dass sich das Behandlungsprogramm so nicht fortsetzen lassen wird. (S. 87)

Derzeit treibt die Politik die Medizin. Das sollte anders sein. Zwar können Ausführungen von behandelten Menschen Mediziner/-innen auch einmal persönlich verletzen. Aber einerseits sollten diese Darstellungen ernst genommen werden, gerade vor dem Hintergrund der bzgl. Intersexualität drastischen medizinisch verursachten Leidensgeschichten bei vielen dieser Menschen. Mediziner/-innen sollten gerade aus den Erfahrungen lernen und eine Vorreiterrolle bei der Abwicklung des Behandlungsprogramms einnehmen. (S. 86)

Mediziner/-innen haben lediglich die Entscheidung, ob sie durch juristische Instanzen weiterhin getrieben werden wollen (ggf. sogar für Handeln persönlich belangt werden, da die desaströsen Ergebnisse der Outcome-Studien nun einmal vorliegen und bekannt sind) oder ob sie sich hier als Akteur/-innen einer pluralen und akzeptierenden gesellschaftlichen Entwicklung klar positionieren – und die geschlechtszuweisenden Eingriffe bei Kindern jetzt beenden. (S. 87)«

Der ganze gelungene Vortrag von Heinz-Jürgen Voß "Intersexualität vor dem Hintergrund aktueller Debatten und gesellschaftlicher Entwicklungen in der BRD" ist online erhältlich im >>> SGA-Proceedingband 2013 (PDF), S. 82-88 oder >>> einzeln via Voß' Homepage (PDF).

Heinz-Jürgen Voß (>>> "Das Ende des Sex"), bekannt durch seinen auch von diesem Blog empfohlenen Band "Intersexualität - Intersex. Eine Intervention" (2012), hatte im Vorfeld Zwitter-Organisationen angefragt, ob es in deren Sinne wäre, wenn er der Einladung zum SGA-Workshop nachkommen würde (was zumindest Zwischengeschlecht.org ausdrücklich begrüßte). Dafür und für den gelungenen Votrag von diesem Blog ein ganz herzliches Dankeschön! 

>>> Intersex-"Genitalkorrekturen": Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben

Thursday 4 July 2013

Wie MedizynerInnen mit "menschlichen Versuchskaninchen" umgehen

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Ausgeliefert! Zwischengeschlecht.org on FacebookVor allem in der "medizinischen Forschung" sind Zwitter bei weiten nicht die einzigen, die von "karrierebewussten" MedizynerInnen menschenverachtend behandelt werden – die kosmetischen Genitaloperationen und weiteren experimentellen Zwangsbehandlungen an Intersexen werfen ein grelles Schlaglicht auf ein institutionelles Problem, das generell von traumatisierten Betroffenen oft lieber verdrängt als konkret angegangen wird.

Aktuell wurde in der Schweiz die >>> Geschichte eines misshandelten "menschlichen Versuchskaninchens" öffentlich, die nicht nur den menschenrechtswidrigen Umgang der Medizyn mit hilfebedürftigen Menschen beleuchtet, sondern auch die von Arroganz geprägte anschliessende Nicht-Aufarbeitung bzw. Vertuschung der ganzen Geschichte. Da hierbei die Mechanismen stets dieselben sind, ist diese Geschichte (auch) für betroffene Interexe lehrreich. Danke fürs Öffentlichmachen!

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Wednesday 8 May 2013

"WIr lassen uns nicht über den runden Tisch ziehen" - vom Mut und dem Gerechtigkeitssinn der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen lernen (3)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Begonnen hatte es mit einem kritischen Artikel im >>> SonntagsBlick v. 5.5., in welchem der Präsident der von netzwerk-verdingt.ch kein Blatt vor den Mund nahm – unter expliziten Verweis auf den Beschiss beim "Runden Tisch Heimerziehung" in Deutschland (vgl. ebenso >>> tages-anzeiger.ch):

«Wir setzen uns nicht an den runden Tisch», sagt Vereinspräsident [Walter] Zwahlen. Die Gruppe sei zu gross. Er nennt sie ein «untaugliches, parteipolitisch inspiriertes Konstrukt». Es brauche «eine Expertenrunde statt reaktionäre, ewiggestrige Kräfte, Bremser und Profiteure.»

Zwahlen befürchtet ein ähnliches Szenario wie beim runden Tisch für Heimkinder in Deutschland: «Dort wurden die Betroffenen über den Tisch gezogen und mit kläglichen 190 Millionen Euro abgespeist.» Stoisch weigerten sich Bund wie Bauern, die Leistung der Verdingkinder aufzurechnen. «Ist diese Zahl einmal ausgesprochen, lassen sich Reparationszahlungen kaum vermeiden», so Zwahlen.

Der wirtschaftliche Wert der Kinderarbeit ist bekannt. Ein Ökonom der UBS kalkulierte ihn im Herbst 2011 für SonntagsBlick. Demnach hatte die Schweizer Landwirtschaft kostenlose Leistungen von mindestens 20 Milliarden Franken erhalten. Umrechnet auf den heutigen Geldwert entspricht das einem Betrag von 120'000 Franken pro Person.

Bei 10'000 noch lebenden Verdingkindern beträgt die Schuld 1,2 Milliarden Franken. Wobei nur Saläre, nicht aber erlittenes Unrecht berücksichtigt sind. «Total stehen uns vier Milliarden Franken zu», sagt [Hugo Zingg, ehemaliges Verdingkind].

Mitlerweile ist laut >>> Tages-Anzeiger v. 7.5. (Paywall) bereits der 2. designierte Betroffenenvertreter ausgestiegen:

Nach Zwahlen entschied gestern überraschend auch [Sergio Devecchi, ehemaliges Heimkind, half bei der Vorbereitung des Gedenkanlasses vom 11. April], nicht am runden Tisch teilzunehmen. Wie er in einem Mail an [Alt-Ständerat Hansruedi Stadler, Delegierter für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen] sowie alle Mitglieder der Vorbereitungsgruppe für den Gedenkanlass schreibt, stört er sich daran, dass Justizministerin Sommaruga «den entscheidenden Schritt» nicht tun wolle – «nämlich die Trägerschaft, das heisst die volle Verantwortung für den runden Tisch, zu übernehmen». Sie – und nicht der Delegierte des Bundesrats, also Stadler – müsse den runden Tisch «bundesrätlich und offiziell» einrichten und «ihm in Form eines Pflichtenheftes einen klaren Auftrag mit Zeithorizont» erteilen.

Mit "Experten", die am runden Tisch nicht vorgesehen seien, mag netzwerk-verdingt-Vereinspräsident Zwahlen etwa an den ausgewiesenen >>> Historiker Thomas Huonker gedacht haben, Verfasser mehrerer Bücher zu relevanten Theman, darunter das herausragende >>> "Diagnose: 'moralisch defekt'. Kastration, Sterilisation und Rassenhygiene im Dienst der Schweizer Sozialpolitik und Psychiatrie 1890-1970" (PDF, 294 MB).

In einem aktuellen >>> Interview auf tages-anzeiger.ch v. 7.5. diskutiert Huonker die Entschädigungsfrage, verweist dabei auf "übergeordnete rechtliche Grundsätze. Zum Beispiel, dass geschehenes Unrecht gesühnt werden muss" sowie auf das Versagen der Opferhilfe-Organisationen.

Siehe auch:
- Gewalt und Pharma-Experimente in CH-Kinderheimen: Aufarbeitung gefordert (1)
- Opfer von CH-Zwangsmassnahmen: Entschuldigung, aber keine Entschädigung (2)
- Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen 
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Thursday 2 May 2013

Vom Mut und der Hartnäckigkeit der Duogynon-Opfer lernen

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!

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"Duogynon", "Primodos" und "Cumorit" waren Handelnamen der Firma Schering (heute Bayer) für ein wirtschaftlich einträgliches Hormonbomben-Präparat, eine Kombination aus den Sexualhormonen Progesteron und Östradiol, welches u.a. als angeblich "harmloser" Schwangerschaftserkennungstest in Deutschland von 1950-1981 im Handel war, in Afrika, Kolumbien, Mexiko und den Philippinen sogar bis 1987.

Obwohl vermehrtes Auftreten von ernsthaften medizinischen Problemen bei Neugeborenen (u.a. Wasserkopf, fehlende oder verkrüppelte Glieder, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Herzfehler, offene Rücken, offener Bauch) wie auch "intersexuelles Genitale" nach Verabreichungen von Duogynon etc. den Konzern-Verantwortlichen erwiesenermassen schon in den 1960er Jahren bekannt waren, und bereits 1978 auch das Bundesgesundheitsministerium vor Risiken warnte (vgl. Frontal21-Bericht), mauert Bayer öffentlich bis heute, leugnet jegliche Verantwortung und demütigt stattdessen die Opfer – dank Verjährung gerne auch mit gerichtlicher Unterstützung.

Seit 1978 protestieren Betroffene in Grossbritannien und Deutschland, fordern Gerechtigkeit und Aufarbeitung und lassen sich auch durch wiederholte Rückschläge nicht unterkriegen. Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft und Erfolg!

>>> www.dougynonopfer.de 
>>> Westfälischen Rundschau: "Verjährt - aber nicht vergessen" (PDF) 
>>> Tagesspiegel: "Prozess gegen Bayer Wahrheit verjährt nicht" 
>>> Rede von Valerie Williams an der Bayer-Hauptversammlung 2013 (PDF)
>>> Video Frontal21: "Vertuschte Nebenwirkungen? Opfer klagen" 
>>> Video Tagesschau: "Duogynon führte zu schweren Behinderungen bei Kindern"  

>>> Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Saturday 13 April 2013

Schweiz: Entschuldigung für Opfer administrativer Zwangsmassnahmen (u.a. Verdingkinder, Zwangssterilisierte), aber keine Entschädigung (2)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Hände weg von Kindergenitalien!

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Unter dem Titel "administrative" oder "fürsorgerische Zwangsmassnahmen" wurde in der Schweiz z.T. bis in die 1980er Jahre eine Vielzahl gravierender Menschenrechtsverletzungen an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gerechtfertigt, darunter Kindeswegnahme, Einweisung in Heime und Gefängnisse, das Verdingkindwesen (weggenommene Kinder und Waisen wurden als billige Arbeitskräfte an Bauern versteigert), sowie eugenische Abtreibungen, Zwangsserilisierungen und Zwangskastrationen, aber auch Pharma-Experimente (dieser Blog berichtete).

Diese Woche hat sich nun eine Vertreterin der Bundesregierung offiziell bei den Betroffenen entschuldigt – das Thema "Entschädigung" wurde dabei allerdings höchstens indirekt angesprochen, wie Betroffene zu Recht kritisieren. Stattdessen soll nun – wohl nach deutschem "Vorbild" – ein "Runder Tisch" einberufen werden, um die lästigen Opfer mundtot zu machen und letztlich abzuwimmeln. Dazu gehört auch, dass eine generelle Entschädigung für Opfer vom mit dem "Runden Tisch" Beauftragten kategorisch abgelehnt wird, wie Betroffene ebenfalls zu Recht empört konstatieren. Sie fordern, die offizielle Entschuldigung dürfe "nur ein Anfang sein". Auch die Deutsche Apothekerzeitung berichtete über die offizielle Regierungs-Verlautbarung vom "dunklen Kapitel in der Geschichte unseres Landes" (jedoch ohne Erwähnung der Entschädigungsforderung der Betroffenen).

Nachtrag: Sehr guter Artikel von Fredi Lerch 

>>> netzwerk-verdingt.ch 
>>> www.kinderheime-schweiz.ch
>>> verdingkinderreden.ch 
 

Siehe auch:
- Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen 
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Tuesday 26 March 2013

Intersex-Zwangsbehandlungen und Genozid [UPDATE3]

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Darf mensch im Zusammenhang mit Zwitter-Zwangsbehandlungen von Genozid reden?

Auf dem Sündikat-Verteiler gibt's dazu aktuell eine kontroverse Diskussion. Als Romeo im Zusammenhang mit einem Hinweis auf den Film "Orchids: My Intersex Adventure" auf Arte und unter Verweis auf die Praxis in unseren Kinderspitälern >>> das G-Wort benutzte, gab's umgehend >>> geharnischte Kritik:

«Romeo, "genozid" heisst VÖLKERmord. Die doch so raren Intersex-Personen, Hermaphroditen, mit Völkern zu vergleichen, überstrapaziert die Sache. Ich grenze mich in aller Form von dem Vergleich ab, auch weil er zweitens unselige Ereignisse wie die Shoah oder den Genozid in Ruanda, in Armenien, in Bosnien, o.ä. hervorruft und nivelliert. Und drittens ist das Verunmöglichen einer nicht-normkonformen ExistenzWEISE und Lebensform etwas anderes, als die EXISTENZ zu vernichten. [...]»

Romeo hielt wiederum >>> dazu u.a. fest: "Genozid heisst im Ursprung immer noch Ausrottung. Mit meiner Menschenethik, beziehe ich Stellung gegenüber einer Tatsache die hier und jetzt geschieht und es eben keine Ausreden mehr geben sollte!"  Was meint ihr?

[UPDATES] 

>>> Meine 2 Cent (mit Belegen), warum nach Definition des UN-Übereinkommens über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (CPPCG) sehr wohl Genozid vorliegt, worauf Überlebende bekanntlich seit längerem hinweisen, gleich anschliessend unten in den Kommentaren, sowie ebendort eine >>> Antwort darauf via Sündikat-Verteiler, die zudem (in Bezug auf obige geharnischte Kritik) festhält, die (mangelnde) Grösse einer Gruppe rechtfertige keinesfalls Ausgrenzung.

Auf dem Hermaphroditforum gibt's einen >>> Kurzkommentar von mimi, einen
>>>
ausführlichen Kommentar von StrangeFruitHH und >>> einen weiteren von Frances, die es alle richtig und wichtig finden, im Zusammenhang mit den Meschenrechtsverbrechen an Zwittern von Genozid zu sprechen, und zusätzliche Gründe dafür vorbringen.
>>>
Heike findet dagegen, das G-Wort werde überhaupt inflationär verwendet und sollte nur gebraucht werden z.B. in Bezug auf "Kulturen [...], die tatsächlich bis auf das letzte Individuum ausgerottet wurden", was auch auf die "erwähnten Armenier, Juden und Bosniaken" nicht zutreffe.
>>>
Alex übersetzt Genozid mit "Geschlecht zerhacken" [!] und argumentiert, diese Bezeichnung sei ausschliesslich vergeben an "Juden, Sinti und Roma", für Zwitter müsse ein neues Wort konstruiert werden.
Eine >>> Replik von StrangeFruitHH hält demgegenüber fest: "Wir Juden erheben keinen Allmachtsanspruch auf den Begriff des Genozids. Genozid fing mit uns nicht an und hört(e) mit uns nicht auf. [...] Die Begrifflichkeit des Genozids ausschliesslich auf uns Juden zu projizieren ist historisch inkorrekt [...]". Und erläutert den Ursprung des Begriffs von Raphael Lemkin über Helen Fein bis zur UN-Völkermordkonvention.   Und was meinst du?

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

Monday 18 March 2013

Vom Mut und den Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder lernen

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

"Die ehemaligen Heimkinder haben es ja gut: Immerhin wurde das ihnen angetane Unrecht öffentlich anerkannt, und sogar Entschädigung haben sie bekommen!" Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer jüngst Berichte und Verlautbarungen in der Öffentlichkeit konsultierte, jedoch – wie auch die Bundesregierung – NICHT die Betroffenen selbst, bzw. nur alibimässig.

Nach demselben faulen Muster hat der Bundestag bekanntlich soeben auch die Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern abgespiesen, und wurden Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter im "Ethikrat-Diskurs Intersexualität" mundtot gemacht. Umso wichtiger, betreffend der Winkelzüge gegenüber den ehemaligen Heimkindern mal wieder genauer hinzuschauen – und auch zu würdigen, wie die Betroffenen trotzdem weiterhin öffentlich machen, was Sache ist.

Anfang Monat gab's im ZDF mit "Und alle haben geschwiegen" einen dramatisierten Spielfilm zum Thema, und damit zusammenhängend weitere Medienberichte. Zum ZDF-Film gibt's z.B. eine >>> erhellende Kritik von Heidi Dettinger (Verein ehemaliger Heimkinder, im Bild oben 4. von links). Und im Vorfeld einen >>> sehenswerten Beitrag von Frontal 21, in dem auch der Betroffene Dietmar Krone (im Bild oben ganz links) zu Wort kommt; zum Hauptbeitrag gibts auch ein >>> Transkript (PDF).

Unbedingt auch angucken: Das zusätzliche Video-Interview mit dem Betroffenenvertreter Manfred Kappeler "Es ist die Billiglösung" (3. Reiter über dem Frontal21-Hauptbeitrag oder >>> youtube), der Klartext redet: "[Fehlende] Einsicht in die eigene Schuld – da liegt das Versagen und damit, das will ich mal deutlich sagen, ist auch wieder neue Schuld entstanden." Beim Verein ehemaliger Heimkinder gibt's auch dazu ein >>> Transkript des Interviews.

Weiter verlinkt der Verein >>> zusätzliche Wortmeldungen Betroffener + Medienberichte und >>> dokumentiert den gesamten ZDF-Chat zum Film, der auf der ZDF-Hompage gleich wieder runtergenommen wurde ...

Wetten, dass Bundesregierung und Bundestag auch gegenüber den Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern nach genau derselben faulen Masche weiterkutschieren werden?!

(Mit Dank an NetzwerkB für den Hinweis.)

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Wednesday 13 March 2013

NetzwerkB: Demo zur Bundestagsberatung über sexualisierte Gewalt an Kindern, Do 14.3.13

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Soweit wie die Lobbyorganisationen der Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern ist die Zwitterbewegung leider noch lange nicht: Immerhin haben erstere in der politischen Diskussion längst durchgesetzt, dass es sich bei dem ihnen Angetanen um schwere Verbrechen handelt, die fraglos bestraft gehören, und dass Kinder keine Gegenstände sind, mit denen Eltern und andere Erwachsene nach Gutdünken verfahren dürfen.

Nach jahrelangem Herumlavieren um einen "Runden Tisch Kindesmissbrauch", bei dem die Betroffenen gekonnt weitgehendst aussen vor gelassen wurden – wie auch die die ehemaligen Heimkinder beim "Runden Tisch Heimerziehung" und die Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter im "Ethikrat-Diskurs Intersexualität" – berät nun der Bundestag morgen Donnerstag >>> gleich eine Reihe verschiedener Vorstösse, die erwachsenen Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Kindesalter künftig besser zu ihrem Recht verhelfen sollen – oder zumindest ein ganz, ganz kleines bisschen.

Denn leider steckt auch dort der Teufel im "Detail". >>> NetztwerkB kritisiert in einer Pressemitteilung die Vorstösse als "Verkennung der Situation der Opfer" und "Täterschutz". Und ruft >>> von 12-17h zu einer angemeldeten Demo auf.

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft!

Nachtrag: Kritik von NetzwerkB am verabschiedeten Gesetz: "Ein paar Tempotaschentücher" + Bericht von der Demo vor dem Bundestag.

Siehe auch:

- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- NetzwerkB: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Wednesday 6 February 2013

10 Jahre Internationaler Tag "Null Toleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung" - Zwischengeschlecht.org gratuliert

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 06.02.2013:

»Ein Land, das sexuelle Verstümmelungen als 'barbarisch' ächtet und zu Recht bestraft,    
sollte auch kosmetische 'Genitalkorrekturen' an Kindern nicht mehr tolerieren.«
    
Daniela Truffer    

Hände weg von Kindergenitalien!

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Der Kampf von Betroffenen von weiblicher Genitalverstümmelung und ihrer UnterstützerInnen dauert schon ungleich länger als die Bestrebungen der Zwitterbewegung, und immer noch werden täglich wehrlose Mädchen genitalverstümmelt.

Es kam nicht von heute auf morgen, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO Position für die Betroffenen ergriff.

Wir gratulieren allen Beteiligten solidarisch zum heutigen Jubiläum, und wünschen weiterhin viel Kraft und Erfolg! Und bringen zur Feier des Tages auf dem Weblog Zwischengeschlecht.info nur gute Nachrichten. [eins] [zwei]

Gleichzeitig möchten wir alle westlichen UnterstützerInnen dieses Kampfes respektvoll daran erinnern:

Was Kindern mit "atypischen Genitalien" in unseren Kinderkliniken immer noch angetan wird, von "aufgeklärten" MedizynerInnen und bis heute letztlich mit stillschweigender Duldung von Gesellschaft und Politik, ist nicht in allen, aber in vielen Aspekten vergleichbar mit der "afrikanischen Genitalverstümmelung", und wird seit 20 Jahren von Betroffenen öffentlich angeklagt als "westliche Form der Genitalverstümmelung".

Bis in die 1980er-Jahre wurde "im Westen" tausenden und abertausenden wehrlosen Kindern eine "zu große Klitoris" kurzerhand amputiert oder gar "ausgekernt".

Die Medizyner behaupteten dazu bis in die 1990er-Jahre "die Orgasmusfähigkeit leidet unter der Klitorisentfernung nicht", und stellten diese Eingriffe zum Teil explizit in eine Reihe mit der "Beschneidung von Mädchen bei afrikanischen Naturvölkern".

Bis heute weigern sich die beteiligten Universitäten und Standesgesellschaften, dieses Unrecht nur schon anzuerkennen, geschweige denn aufzuarbeiten oder nur schon endlich mit den heutigen "modernisierten" Verstümmelungsformen aufzuhören.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen? 
>>> Zum 10. Welttag "Null Toleranz gegen FGM" nur gute Nachrichten (1) 
>>> Zum 10. Welttag "Null Toleranz gegen FGM" nur gute Nachrichten (2) 
>>> "Klitorisamputationen an Kindern - Aufarbeitung tut Not!" Offener Brief an Uni ZH

Saturday 26 January 2013

Zürich: Aufarbeitung über Gewalt in Kinderheimen gefordert, Betroffene als Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie (1)

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Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Laut einem >>> Artikel im Tages-Anzeiger vom 24.1.13 fordern die SP-Kantonsräte Susanna Rusca Speck, Rolf Steiner und Ursina Egli eine Aufarbeitung über "Missstände" in Kinderheimen, der Kantonsrat soll dazu eine Studie in Auftrag geben. Bereits letztes Jahr wurde im Kanton Luzern eine Studie über die Situation in Kinderheimen zwischen 1930 ud 1970 publiziert, die (einmal mehr) >>> "Gewaltexzesse und sexuellen Missbrauch" bestätigte. In Zürich hat sich der Kanton bis heute nie bei den Bteroffenen entschuldigt. Auf Gemeindeebene gab es zwar in Zürich und Winterthur individuelle "symbolische Wiedergutmachungen", doch das war's dann. Laut dem Artikel ist aktuell auch im Kanton Schwyz ist ein Vorstoss zur Aufarbeitung der Geschichte von Heim- und Verdingkindern hängig, und auf Bundesebene soll ein Ende letztes Jahr ernannter "Delegierter für Opfer fürsorgerischer Massnahmen" ebenfalls die Aufarbeitung vorantreiben.

Im Artikel kommt auch der Betroffene Armin Meier zu Wort, dessen einziges "Verbrechen" es war, als uneheliches Kind geboren zu sein:

«Viele Opfer sind inzwischen alt, schaffen es nicht mehr, über das Unrecht zu sprechen.» Er hofft, dass die Anfrage im Kantonsrat verhindert, dass in den Heimen Akten verschwinden. «Sie sind der einzige Beweis für das, was sich abgespielt hat.»

Der Historiker Thomas Huonker verweist auf mehrere «Fälle, in denen rücksichtslose Täter als grosse Erzieher gefeiert wurden», und konstatiert: «Alle haben sich gegenseitig gedeckt, die Jugendanwaltschaft, der Justizapparat, Ärzte, Pfarrer und Psychiater.»

Interessant weiter die >>> Kommentarseite mit mehreren Wortmeldungen Betroffener, z.B. diese (25.01.2013, 09:29): "Wir 4 Mischler-Buben waren alle in der selben Situation. Nur 2 von uns haben die Kraft sich damit auseinander zu setzen."

Heimkinder als Versuchskaninchen für Pharmaexperimente

Ende 2012 wurde zudem die Anschuldigungen des Betroffenen Peter Nowak bestätigt, dass er und viele andere im Kinderheim Fischingen eingesperrte in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen über Jahrzehnte als >>> Versuchskaninchen für Psychopharmaka missbraucht wurde. Ein >>> Nachfolgeartikel vom 18.1.13 weist anhand noch vorhandener Akten nach, dass Betroffene seit 1950 in Münsterlingen für Experimente herhalten mussten, wofür die Klinik von den betreffenden Pharmaunternehmen grosszügige Spenden erhielt.

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Friday 14 December 2012

12.12.2012: Schwarzer Tag für die Kinderrechte

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Hände weg von Kindergenitalien!Am letzten echten Schnapszahlendatum dieses Jahrtausends gab der Deutsche Bundestag passend und erwartungsgemäss mit 434:100 Stimmen (46 Enthaltungen, 40 nicht abgegebene) per Sonder-Schnellgesetz die Geschlechtsteile aller neugeborenen Knaben zur medizinisch nicht notwendigen Verstümmelung – Pardon: Beschneidung – frei. Die endgültige Gutheissung erfolgte ebenso erwartungsgemäss heute Freitag durch den Deutschen Bundesrat.

Eine >>> Pressemitteilung von Terre des Femmes nahm den Entscheid schon vor dem Abstimmungresultat vorweg:

„Das ist ein schwarzer Tag für die Kinderrechte“, [...] denn „ausgerechnet in dem Gesetz, das im Jahre 2000 unter Rot-Grün das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung verankert hat, soll nun Eltern erlaubt werden – aus welchem Grund auch immer - ihren männlichen Kindern die Vorhaut entfernen zu lassen. Damit werde das Recht auf Unversehrtheit des Kinderkörpers massiv eingeschränkt.“

Und man wird nicht einmal sagen können, Betroffene seien dabei gar nicht angehört worden: Wenige Stunden vor der Abstimmung durfte in einer Anhörung des Familienausschusses wenigstens ein einziger, der 23-jährige Alexander Bachl, eine >>> lesenswerte Stellungnahme abgeben. Darin kritisierte er mehrfach auch die Ausblendung der Betroffenen:

Es ist noch früh am Tag, aber es ist gleichzeitig schon sehr spät. Jetzt, wo die Beschneidungsdebatte in Deutschland eigentlich gerade begonnen hat, soll sie schon wieder zuende sein. Und jetzt, kurz vor Toresschluss, darf ich zumindest zu Ihnen hier doch noch sprechen. [...] Ich bitte Sie jetzt nicht darum, den einen oder den anderen Gesetzesentwurf zu unterstützen. Es ist anscheinend gelaufen. Die Täter haben vorerst wieder einmal gewonnen. Der alternative Gesetzesentwurf geht mir persönlich eigentlich nicht weit genug, aber als Kompromiss kann ich ihn zumindest mittragen, weil er uns Betroffenen die Würde zurückgibt, die uns der Regierungsentwurf definitiv nehmen wird.

Und strafte eindrücklich auch die üblichen "nur ein kleiner Eingriff – tut nicht weh"-Ausreden der BefürworterInnen Lügen:

Die für mich größte Einschränkung, die durch die Amputation der Vorhaut entsteht, ist der Verlust der sexuellen Empfindsamkeit. Das ist es, was mich auf ewig verfolgen wird. Viele im Erwachsenenalter Beschnittene berichten ebenfalls von diesen Einschränkungen. Der Aufklärungsbogen zur Zirkumzision bei einer Phimose sagt dazu auch: "Keine Komplikation, sondern die notwendige Folge einer kompletten Beschneidung ist die bleibende Beeinträchtigung der Gefühlsempfindung beim Geschlechtsverkehr". Rühmen sich viele junge Männer vielleicht noch, dass sie "länger können" als andere, so ist vielen vielleicht nicht klar, dass dies mit einem enormen Verlust an Empfindsamkeit einhergeht. Diese Gefühlslosigkeit führt bei nicht wenigen Männern später bis zur Impotenz, eine Sorge, die auch mich verfolgt.

Alexander Bachl war auch in einem >>> gelungenen heute-Beitrag vertreten. Von Önder Özgeday, einem Betroffenen aus Bochum, erschien ein ebenfalls >>> lesenwertes Interview.

Während der Abstimmung gab es an Brandenburger Tor eine >>> solidarische Protestkundgebung inkl. nachhörbaren Redebeiträgen, u.a. von Alexander Bachl  (Betroffener, siehe oben), Ali Utlu (Betroffener und Menschenrechtsaktivist in der Piratenpartei, >>> lesenswertes Interview bei siegessäule.de), Rolf Stöckel (Deutsche Kinderhilfe), Irmgard Schewe-Gerigk (Terre des Femmes), Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Moslime), Christian Bahls (MOGiS), Rechtsanwalt Walter Otte  (AK Kinderrechte Giordano Bruno Stiftung).

ZDF heute brachte einen Bericht auch mit >>> Bildern der Protestkundgebung inkl. öffentlichkeitwirksamer Aktion:

In einer >>> gemeinsamen Pressemitteilung von Terre des Femmes und MOGIS e.V. wird u.a. Irmingard Schewe-Gerigk weiter zitiert:

“Kindern wurde das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit genommen. Menschenrechte von Kindern können jetzt legal im wahrsten Sinne des Wortes beschnitten werden.”

Sowie der Betroffene Alexander Bachl (siehe oben):

“Dieses Gesetz raubt mir meine Würde ein weiteres Mal. Das Gesetz verneint ja nicht nur eine Strafbarkeit der Beschneidung ohne therapeutischen Nutzen, sondern stellt die Betroffenen auch zivilrechtlich gegenüber ihren Eltern komplett rechtlos. Mein Leiden und das vieler andere negativ Betroffener wird ignoriert. So wie Betroffene auch schon im ganzen Gesetzgebungsprozess konsequent ignoriert wurden. Von Anfang an stand fest, dass Beschneidung erlaubt werden soll, eine Debatte über die nicht-therapeutische Vorhautamputation und ihre tatsächlichen Folgen fand gar nicht richtig und vor allem in der Abwesenheit der davon negativ Betroffenen statt.”

NetzwerkB hatte im Vorfeld in einer >>> exzellenten Stellungnahme an den Rechtsausschuss sowie einer >>> Pressemitteilung dargelegt, warum beide dem Bundestag vorliegenden Varianten den Menschenrechten nicht Genüge tun:

Wir in netzwerkB sehen bei Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Einwilligungsfähigkeit für diesen medizinischen Eingriff nicht für gegeben an. Die Einsichtsfähigkeit liegt noch nicht im vollen Umfang vor. Bei Kindern ist völlig absehbar, dass sie dem sozialen Druck durch Familie und Umfeld grundsätzlich nicht gewachsen sind.

Auch diverse >>> LeserInnenkommentare auf netzerkB nehmen kein Blatt vor den Mund.

Immerhin liegt ja die Stimmabgabe der Abgeordneten namentlich vor. Bleibt zu hoffen, dass sich WählerInnen, denen Kinderrechte noch nicht ganz am Arsch vorbeigehen, sich folgende Listen gut aufbewahren werden ...

>>> Namentliche Abstimmung Gesetzesantrag (PDF):
Total: Ja 434; Nein 100; Enthaltung 46; Nicht abgeg. 40.
CDU/CSU: Ja 215; Nein 3; Enthaltung 3; Nicht abgeg. 16.
SPD: Ja 89; Nein 32; Enthaltung 16; Nicht abgeg. 9.
FDP: Ja 79; Nein 5; Enthaltung 2; Nicht abgeg. 7.
Linke: Ja 17; Nein 44; Enthaltung 10; Nicht abgeg. 5.
Grüne: Ja 34; Nein 16; Enthaltung 15; Nicht abgeg. 3.

>>> Namentliche Abstimmung Gegenvorschlag (PDF) (>>> dieser Blog berichtete):
Total: Ja 91; Nein 461; Enthaltung 31; Nicht abgeg. 37.
CDU/CSU: Ja 2; Nein 219; Enthaltung 1; Nicht abgeg. 15.
SPD: Ja 32; Nein 92; Enthaltung 13; Nicht abgeg. 9.
FDP: Ja 0; Nein 86; Enthaltung 2; Nicht abgeg. 5.
Linke: Ja 44; Nein 20; Enthaltung 7; Nicht abgeg. 5.
Grüne: Ja 13; Nein 44; Enthaltung 8; Nicht abgeg. 3.

Und zum Schluss noch ein Wort an alle MedizynerInnen, die sich betreffend Knabenbeschneidung in der Öffentlichkeit lautstark gegen "religiöse Rituale" aussprachen (wie sie dies bekanntlich auch bei "weiblicher Genitalverstümmelung" gerne tun), die aber gleichzeitig zu den täglichen Intersex-Genitalverstümmelungen schweigen (oder gar noch fleissig mitverstümmeln): HeuchlerInnen! Euch geht's nicht um Kinderrechte, sondern um eure Standesmacht und um eure Pfründe.

>>> Unversehrtheit von Kindern: Kosmetische GenitalOPs u. Knabenbeschneidungen
>>> Helsinki-Deklaration des Rechts auf genitale Autonomie 2012
>>> Landgericht Köln: Knabenbeschneidung ist "Körperverletzung"
>>> Bevölkerung für Vebot - Bundesregierung will per Schnellgesetz legalisieren
>>> Ethikrat guckt Beschneidungs- u. Ohrstech-Videos, Zuschauerin fällt in Ohnmacht

Tuesday 20 November 2012

Knabenbeschneidung im Bundestag: Gegenvorschlag stützt Kinderrechte

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Zum heutigen Welttag der Kinderrechte nur gute Nachrichten (1):

Hände weg von Kindergenitalien!Wie u.a. nach dem Willen vieler BundestagspolitikerInnen das wehrloser Knaben auf körperliche Unversehrtheit nicht einen Pfifferling wert oder höchstens als politische Manövriermasse (Hallo, Volker Beck & Co.!) gefragt ist, hat dieser Blog schon verschiedentlich mitverfolgt (eins/zwei/drei).

Am 22. Nov. soll im Bundestag die Beratung zur umgehenden Beschneidungslegalisierung losgehn, auf den 26.11. ab 12h ist zudem eine "Expertenanhörung" vor dem Rechtsausschuss geplant mit – Überraschung! – ziemlich einseitiger Zusammensetzung.

Doch seit längerem gibt es auch eine Gegenbewegung, die unmissverständlich die Rechte der betroffenen Kinder hochhält, insbesondere deren Recht auf körperliche Unversehrtheit, und ExponentInnen davon – federführend sind mehrheitlich Frauen, Erstunterzeichnerinnen sind: Marlene Rupprecht (SPD), Diana Golze (Linke) und Katja Dörner (Grüne) – haben nun einen >>> Gegenvorschlag (PDF) eingebracht, der sich sehen lässt. Danke!

Dieser Gegenvorschlag setzt zum unter BerufspolitikerInnen offenbar vorherrschenden Terror – Pardon: Tenor – nach dem Motto "Kinder sind Gegenstände mit weniger Schutz als Haustiere, Eltern können mit ihnen tun, was immer sie wollen" einen bemerkenswerten Kontrapunkt. Obwohl auch dieser Blog den sich an der Religionsmündigkeit orientierenden und insofern taktisch sinnvollen Vorschlag einer Altersgrenze von 14 Jahren bestenfalls als das kleinere Übel betrachtet.

Mehr Lesenswertes und Interessantes dazu in >>> Kommentaren auf netzwerkB, im
>>>
Beschneidungsforum, auf >>> diesseits.de, in der >>> ÄrzteZeitung, in der
>>>
Jüdischen Allgemeinen und in >>> Deutsch Türkisches Journal.

(Letzteres hat verdankenswerterweise alle Mitunterzeichnenden nach Parteien aufgeschlüsselt – könnte bei den nächsten Wahlen praktisch kommen ... Ebenso bleibt zu hoffen, dass namentlich abgestimmt wird – und jedeR PolitikerIn, die gegen diesen Gegenvorschlag stimmt, sollte künftig keine Stimme kriegen, sofern den Wählenden irgend etwas an Kinderrechten liegt ... Und à propos: Werden wir es noch erleben, dass Monika Lazar auch für Zwitterkinder dieselben Mindeststandards hochhält, wie sie es hier verdankenswerterweise für "richtige" Knaben tut?)

>>> Unversehrtheit von Kindern: Kosmetische GenitalOPs u. Knabenbeschneidungen
>>> Helsinki-Deklaration des Rechts auf genitale Autonomie 2012
>>> Landgericht Köln: Knabenbeschneidung ist "Körperverletzung"
>>> Knabenbeschneidung: Bundesregierung will per Schnellgesetz legalisieren
>>> Ethikrat guckt Beschneidungs- u. Ohrstech-Videos, Zuschauerin fällt in Ohnmacht

Thursday 15 November 2012

"Intersex-Diskussion abgeblockt" - Pressemitteilung AStA Goethe-Uni FFM zur Senatssitzung 14.11.12

Friedliche Aktion + Offener Brief (PDF) Uniklinikum Frankfurt, 11.11.2012

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>>> Die AStA-Pressemitteilung als PDF        >>> LIVEBLOG aus der Senatssitzung

Menschenrechte auch für Zwitter!

Zwischengeschlecht.org on Facebook

Intersex-Diskussion abgeblockt –
Aktivist*innen empört über Ignoranz des Uni-Senats

Auf der Sitzung am Mittwoch, den 14. November 2012, behandelte der Senat der Universität Frankfurt am Main einen Antrag zum Thema Intersexualität und ihre Behandlung an der Hochschule und ihren Kliniken – oder viel mehr: Er entzog sich der Verhandlung. Studentische Vertreter*innen hatten die Einrichtung einer Kommission beantragt, darüber hinaus die Aufarbeitung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit „atypischen“ Geschlechtsmerkmalen und die Infragestellung solcher Praktiken an der Goethe-Universität.

Continue reading...

"Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern am Beispiel von kosmetischen Genitaloperationen und Knabenbeschneidungen" - Interpellation von Jacqueline Fehr, 28.9.12

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1) Zwischengeschlecht.org on Facebook

>>> Wirklich exzellente Kleine Anfrage 12.3920 im Schweizer Nationalrat, die Klartext bringt, eingereicht von der SP-Abgeordneten und Präsidentin der Stiftung Kinderschutz Schweiz, Jacqueline Fehr.
Danke!!!

>>> Wir müssen lernen, dass Kinder sich selbst gehören" - Interview Jacqueline Fehr

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> "Klitorisamputationen an Kindern - Aufarbeitung tut Not!" Offener Brief an Uni ZH

Sunday 21 October 2012

"Aktionen gegen Genitalverstümmelungen von Zwischengeschlecht.org" - bbz-lebensart.de, Halle

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Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Eintrag auf der Homepage des Begegnungs- und Beratungs Zentrum "lebensart" e.V. aus Anlass der September-Proteste u.a. vor dem Universitätsklinikum Halle, inkl. einem PDF mit den Hintergrundinfos aus der seinerzeitigen Prssemitteilung. Ein Vertreter des BBZ war seinerzeit auch bei der Infoveranstaltung anwesend. Danke! Weiter plant das BBZ im nächsten Jahr eine öffentliche Veranstaltung zum Thema.

>>> Genitalverstümmelungen in KInderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
"Aufarbeitung tut not!" Unis, Klitorisamputationen u. a. "Genitalkorrekturen

Saturday 13 October 2012

Helsinki-Deklaration des Rechts auf genitale Autonomie 2012

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Hände weg von Kindergenitalien!Am "12th International Symposium on Law, Genital Autonomy and Children's Rights" wurde am 3.10. die "Helsinki Deklaration des Rechts auf genitale Autonomie" verabschiedet. Danke!
>>> Engl. Original online   >>> PDF

Nachtrag: Inzwischen liegt eine >>> gelungene deutsche Übersetzung durch den Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. vor.

Die vom Humanistischen Pressedienst publizierte >>> ursprüngliche deutsche Übersetzung durch den "Arbeitskreis Kinderrechte" war leider noch ins Fettnäpfchen getreten, "genital" mit "geschlechtlich" einzudeutschen, was fraglos den bekannten Verwechslungen und Vereinnahmungen mit bzw. durch Anliegen betr. sexueller Identität, Orientierung usw. Vorschub leistet und somit der Sache womöglich mehr schadet als nützt.

Schade, denn in der im Original beabsichtigen (und in der neuen Übersetzung korrekt eingedeutschten) Lesart ist die Erklärung sehr positiv zu werten, wie auch sonst die diesbezüglichen Aktivitäten der dahinter stehenden Organisationen, die regelmässig Kinderrechte und das Recht auf körperliche Unversehrtheit für ALLE Kinder ins Zentrum rücken – wovon sich manche politischen VereinnahmerInnen ruhig mal ne Scheibe abschneiden könnten ...

Weiter bügelt die "Helsinki Erklärung 2012" die Defizite der seinerzeitigen "Declaration"  zum 1. Symposium von 1989 in Anaheim/Kalifornien (>>> engl.) aus, welche noch stark auf männliche wie weibliche Beschneidungen fixiert war, und explizit z.B zwar Vorhaut, Klitoris und Schamlippen für schützenswert erklärten, jedoch nicht Penisse, und somit diesbezügliche medizinisch nicht notwendige Eingriffe wie z.B. "Hypospadiekorrekturen" schlicht aussen vor liess.

>>> Genitalverstümmelungen in KInderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
"Aufarbeitung tut not!" Klitorisamputationen u.a. "Genitalkorrekturen" an Kindern

Sunday 30 September 2012

Podcast: "Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen" - von Michaela, Ärztin aus Halle

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)Aus Anlass der "DGKJ 2012"-Proteste in Hamburg wurde auf der AG Queerstudies-Homepage nun der >>> Podcast dieses gelungenen Vortrags von Anfang Jahr freigeschaltet.

Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön! 

>>> Offener Brief an Hamburger Universitätskinderkliniken UKE und AKK
>>>
"Aufarbeitung tut not!" Klitorisamputationen u.a. "Genitalkorrekturen" an Kindern

Friday 20 July 2012

Knabenbeschneidung: Bevölkerung für Verbot - Bundesregierung will per Schnellgesetz legalisieren - Bundestags-Petition - UPDATES 15.8.

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>>> Nachtrag: Kinderspital Zürich setzt Beschneidungen aus - St. Gallen erwägt Stopp

Hände weg von Kindergenitalien!Nach den Reaktionen auf das Urteil des Landgerichts Köln, Knabenbeschneidung als strafbare Körperverletzung und Verstoss gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit einzustufen (>>> dieser Blog berichtete), wollen nun Bundesregierung sowie alle Parteien (mit Ausnahme von die Linke) der aktuellen öffentlichen Diskussion mit einem Schnellgesetz einen Riegel vorschieben. Unterstützt wird dieses Vorhaben durch ein Trommelfeuer von Medienberichten, welche lautstark "Beschneidung [sic!] der Religionsfreiheit" reklamieren.

Auf der anderen Seite wurde die in Online-Kommentaren zum Vorschein kommende Tendenz, dass die (meist erdrückende) Mehrheit es mit dem Landgericht hält und das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Kinder hochhält, mittlerweile auch durch Meinungsumfragen untermauert: 

  • Laut einer >>> Emnid-Umfrage von Focus (--> zu unterst) ergibt sich ein Verhältnis von 56% BefürworterInnen des Verbots gegenüber 35% GegnerInnen. Pikant: "Unter allen Parteianhängern finden sich die meisten Befürworter des Urteils bei Wählern der Union mit 69 Prozent, gefolgt von Unterstützern der Linkspartei mit 68 Prozent. Anhänger der SPD bewerten den Richterspruch zu 53 Prozent als richtig."
    ...
    Verbot der Beschneidung: Juden und Muslime fordern Korrektur des Urteils - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/verbot-der-beschneidung-juden-und-muslime-fordern-korrektur-des-urteils_aid_775212.html
  • Eine >>> mingle-Umfrage ergab 59% BefürworterInnen des Verbots gegenüber 28% GegnerInnen, Eltern waren gar zu 64% für ein Verbot.
  • Eine >>> YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa kam auf 45% BefürworterInnen des Verbots gegenüber 42% GegnerInnen, weiter war eine Mehrheit (55%) der Ansicht, ein Verbot wäre für Deutschlands Ansehen  in der Welt NICHT schaden (eines der Hauptargumente der GegenrInnen), und "83 Prozent meinen, Religionen sollten mit der Zeit gehen und nicht um jeden Preis an alten Traditionen festhalten. Nur neun Prozent meinen, eine Modernisierung religiöser Bräuche sei nicht nötig."
  • Eine >>> 2. Emnid-Umfrage von Focus, diesmal im Zusammenhang mit dem Legalisierungs-Schnellgesetzvorhaben, kam auf 48% BefürworterInnen des Verbots gegenüber 40% GegnerInnen. Diesmal pikant: "In Ostdeutschland stellen die Beschneidungsgegner die deutliche Mehrheit: Hier wenden sich 55 Prozent gegen die geplante Legalisierung, die Union, FDP und SPD im Herbst verabschieden wollen. 38 Prozent der Ostdeutschen hält sie für gut. Nur bei Anhängern der Union und der Grünen sind mit 45 beziehungsweise 53 Prozent eine Mehrheit für das Beschneidungsgesetz. Wähler von FDP, SPD und Linkspartei lehnen den geplanten Paragraphen mehrheitlich ab."

Erfreulicherweise gab es in in den Medien trotz überwiegender redaktioneller Anti-Verbots-Kommentare auch wichtige und gewichtige Gegenstimmen, die sich für das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit stark machen, so etwa der Artikel >>> "Beschneidungen: Unterschätztes Trauma-Risiko" in der Frankfurter Allgemeinen und >>> "Kindermissbrauch - Tabu im Judentum" auf hagalil.com/bet-debora (danke an KommentatorInnen auf NetztwerkB für die Hinweise), weiter >>> "Streit um das Beschneidungsurteil Ratio zwischen Recht und Religion" in der Süddeutschen und >>> "Beschneidung: Das richtige Urteil!" in der Zeit sowie der Anwalt Thomas Stadler: "Die Beschneidung des Rechtsstaates". Ebenso ein >>> Interview mit Maximilian Stehr: "Das Wohl des Kindes ist nicht verhandelbar" in der Frankfurter Rundschau (Danke an Sabrina Schwanczar für den Hinweis).

Zudem im Spiegel >>> Bettina Röhl: Beschneidung - Ein Plädoyer für das Grundgesetz und in der Taz mit Blickpunkt auf "christliche Beschneidungen" >>> Beschneidung als Kur gegen Masturbation sowie ein >>> Interview mit der jüdischen Gruppe Ben Schalosch ("Vollständiger Sohn"), die sich in seit 20 Jahren gegen Beschneidungen einsetzt, die sie als "Ein Akt der Vergewaltigung" klassifiziert.

Dezidiert für ein Verbot votierten die >>> Giordano Bruno Stiftung: "Vorhautbeschneidung ist keine Bagatelle" sowie deren Vorsitzender >>> Michael Schmidt-Salomon: "Bundestag will Kinderrechte beschneiden" (inkl. >>> witziger Karikatur) und die >>> "Erklärung zum Kölner Beschneidungsurteil" auf beschneidung-von-jungen.de (ebenfalls auf manndat.de).

Die >>> Deutsche Kinderhilfe warnt vor "Blankocheck für Kindesmisshandlung", und der >>> Humanistische Verband Deutschlands warnt "vor Rückbau des säkularen Rechtstaates".

Die Lobbygruppe für Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern >>> netzwerkB lehnt die Beschneidung von Kindern aus religiösen Motiven als Gewalt gegen Kinder ab, ebenso >>> MOGIS e.V. im "Offener Brief an alle Kinderrechte- und Kinderschutz-Verbände".

Der >>> Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert ein Moratorium und einen Runden Tisch und startete u.a. zusammen mit dem >>> Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. und der Deutschen Kinderhilfe eine Bundestags-Petition.

Auch die >>> Kinderlobby Schweiz will einen politischen Verbots-Vorstoss starten.

Plus: Guter >>> Offener Brief „Religionsfreiheit kann kein Freibrief für Gewalt sein“ von bisher über 140 MedizinerInnen und JuristInnen auf FAZ.net.

Plus ein >>> Focus-Interview mit Holm Putzke mit dem Titel "Die Politik reagiert reflexhaft, nicht reflektiert".

Plus ein >>> Tagesspiegel-Interview mit der Familienrechtlerin Susann Bräcklein in der Süddeutschen mit dem Titel "Erlaubt ist, was nicht schadet".

Plus ein >>> NZZ-Bericht über Kontroversen unter CH-Juristen.

Nachtrag:

Kinderspital Zürich stoppt Beschneidungen - Kispi St. Gallen erwägt Moratorium

Inzwischen hat das Kinderspital Zürich ein vorläufiges Motatorium für medizinisch nicht notwendige Knabenbeschneidungen erklärt (>>> Beobachter / Tages-Anzeiger). In einer TA-Online-Umfrage mit bisher über 2000 Beteiligten >>> begrüssen 80% aller Abstimmenden diesen Entscheid

Nach den Sommerferien >>> will auch das Kinderspital St. Gallen über ein Moratorium beraten.

Meine 2 Cent: Schade nur, dass beide Kliniken bisher bei Kindern mit "atypischen" Genitalien weniger Skrupel zeigen, medizinisch nicht notwendige Genitaloperationen durchzuführen, geschweige denn im Namen der Kinder darauf zu verzichten - obwohl letztere massiv gravierendere Eingriffe sind und auch viel häufiger praktiziert werden: Allein das Kinderspital Zürich führt nach Aussagen von Angestellten dort  2 "Hypospadiekorrekturen" wöchentlich durch (im Vergleich zu den im Artikel erwähnten 2 medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen monatlich).

UPDATES: Auch das >>> Berner Inselspital will nach den Sommerferien über ein Moratorium beraten. Das >>> Bieler Spital Wildermeth lehnt ein Moratorium ab, >>> dito das Basler Kinderpsital, >>> dito Luzern.

UPDATES 2: Am 10.8.12 hob das Kinderspital Zürich das Beschneidungsmoratorium wieder auf (>>> Tages-Anzeiger >>> NZZ 1 >>> 20min >>> TA-Interview mit Kispi-Direktor Sennhauser >>> NZZ 2).

Davor gabe es eine Anzeige gegen das Kispi, die Staatsanwaltschaft lehnte eine Untersuchung jedoch ab (>>> NZZ).

Das Kispi St. Gallen lehnte inzwischen ein Moratorium ab und beschneidet unverändert wie eh und je  (>>> DRS)

>>> Chirurgische "Genitalkorrekturen" an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen? 
>>>
Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> "Aufarbeitung tut not!" Klitorisamputationen u.a. "Genitalkorrekturen" an Kindern

Tuesday 10 July 2012

Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen im 2. Monat - ONLINEPETITION

>>> Aktion HEUTE Fr 13.7. 14h vor dem Bundestag     >>> Onlinepetition

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Der Hungerstreik von Norbert Denef und aktuell 2 MitstreiterInnen von der Betroffenenlobby NetzwerkB geht in den 2. Monat. Auslöser dieser gewaltfreien Protestaktion ist, dass die SPD zwar am Bundesparteitag beschloss, sich für die Aufhebung der Verjährung bei sexualisierter Gewalt an Kindern einzusetzen, konkret im Bundestag dann aber den Schwanz einzog (dieser Blog berichtete, inkl. warum diese Aktion auch für Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter von Bedeutung ist).

Das auf NetzwerkB/presse laufend dokumentierte Medienecho von aktuell "Zeit" über "Spiegel" und "Publik-Forum" bis hin zu diversen Regionalblättern zeigt, dass diese Form des gewaltfreien Widerstandes (im Gegensatz zu zahlreichen vorherigen höflichen Bitten) Wirkung zeigt und deshalb nicht nur berechtigt, sondern auch nötig war und ist. Die redaktionellen Kommentare (und ebenso manche der LeserInnen) machen allerdings ebenso deutlich, dass (nicht nur) Deutschland in Sachen Theorie und Praxis der gewaltfreien Aktion eher zu den Entwicklungsländern gehört ...

Inzwischen ist für das Anliegen der Hungerstreikenden und ihrer UnterstützerInnen eine

>>> neue Onlinepetition gestartet worden - jede Unterschrift zählt!

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht weiterhin viel Kraft und Erfolg!

Lesetipp zum Thema gewaltfreier Widerstand:
Walter Wink: "Angesichts des Feindes. Der dritte Weg Jesu in Südafrika und anderswo", Claudius Verlag München 1988
>>> Relevante Ausschnitte online     >>> Dito auf englisch (PDF) | Artikel englisch html

>>> 1. Bericht zum Hungerstreik

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Monday 18 June 2012

"Intersex": Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingereicht wegen medizinischer Folter

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Menschenrechte auch für Zwitter!

Wie ETEKAR mitteilt, hat der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein Az. 14310/12 eröffnet und prüft nun ihre Beschwerde, in der sie medizinische Folter geltend macht und u.a. auf die Befassung durch den UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verweist. Ihre 19-seitige Individualbeschwerde und z.T. vom EGMR nachgeforderte Unterlagen sind inzwischen alle termingerecht in Strassburg eingetroffen. ETEKAR ist m.W.n. die erste Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen, der es gelang, beim EGMR soweit zu kommen. Dieser Blog gratuliert und wünscht viel Erfolg!

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung 19.7.11 "Ethikrat zensiert Betroffene von OPs im Kindesalter" 

Friday 15 June 2012

Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt: Hungerstreik gegen untätige PolitikerInnen geht in die 2. Woche

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Norbert Denef und aktuell 4 MitstreiterInnen der Betroffenenlobby NetzwerkB haben sich auf eine traditionelle Form des gewaltfreien Widerstands besonnen und befinden sich >>> seit 7 Tagen im Hungerstreik – aus Protest dagegen, dass die SPD zwar am Bundesparteitag beschloss, sich für die Aufhebung der Verjährung bei sexualisierter Gewalt an Kindern einzusetzen, konkret im Bundestag dann aber den Schwanz einzog.

Dieser Blog sendet solidarische Grüsse und wünscht viel Kraft und Erfolg! Mögen bei den verantwortlichen PolitikerInnen die Telefone heisslaufen, die Mailboxen überfluten und das öffentliche Interesse und der öffentliche Druck stetig weiter zunehmen, bis endlich die Gerechtigkeit siegt!

Und hoffentlich wird diese gewaltfreie Aktion mittelfristig das Potential der zahllosen Betroffenen, sich konkret (und notfalls auch ungefragt und unbotmässig) Gehör zu verschaffen, nachhaltig verstärken. Wie sich vor allem in den ersten Tagen in manchen Kommentaren auf netzwerkB.org zeigte, ist es für traumatisierte Überlebende nicht einfach, weil potentiell re-traumatisierend, konkret Widerstand zu leisten gegen die tägliche Weiterführung eines Unrechts, unter dessen Folgen sie immer noch selber täglich leiden. Weshalb manchen Überlebenden diese unverhoffte Aktion wohl einiges mehr an die Nieren ging als den eigentlich angesprochenen PolitikerInnen nicht nur innerhalb der SPD.

Auch für Überlebende von kosmetischen Genitaloperationen ist dieser aktuelle Kampf aus mehreren Gründen hochinteressant:

- Der Kampf um Aufhebung der Verjährung wird auch im Kampf um die Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken mäglicherweise matchntscheidend sein – wohl erst wenn die Genitalabschneider reale juristische Konsequenzen zu befürchten haben, werden sie endlich mit dem Verstümmeln aufhören.

- Wie bei den Überlebenden sexualisierter Gewalt kann auch bei den Überlebenden kosmetischer Genital"korrekturen" im Kindesalter die Verjährung einer Tat von den TäterInnen möglicherweise als juristischer Maulkorb für das Opfer missbraucht werden.

- Auch die Zwitterbewegung ist mit dem Faktum konfrontiert, dass Re-Traumatisierung viele daran hindert, öffentlich und entschlossen gegen die TäterInnen und für die Unversehrtheit der kommenden Generation einzustehen – weshalb sich der Teufelskreis erst recht weiterdreht.

>>> Forstetzung: Hungerstreik jetzt im 2. Monat!

>>> neue Onlinepetition

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Monday 11 June 2012

Klitorisamputation: "Ich wollte verzweifelt die vollständigen Krankenhausakten bekommen, um zu erfahren, wer meine Klitoris operativ entfernt hatte, und warum" - Cheryl Chase (1995)

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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Einige Ausschnitte aus einem >>> autobiographischen Text von Cheryl Chase, Begründerin der Intersex Society of North America (ISNA), auf Deutsch seinerzeit auf der AGGPG-Homepage:

Die Geschichte meiner Kindheit ist eine Lüge. Ich weiß jetzt, daß meine Eltern nach der Klitorektomie dem ärztlichen Ratschlag gefolgt sind, indem sie jeden noch so kleinen Beweis, daß Charlie jemals existierte, vernichteten.

Wofür sind Genitalien? Meiner Auffassung nach sind meine Genitalien für mein Vergnügen.

Ich erinnere mich an mich als einen zurückgezogenen, depressiven Jugendlichen, immer versuchend einen Blick auf weibliche Genitalien werfen zu können. Sehen sie so aus wie meine? Ich hatte niemals eine nackte Frau aus der Nähe gesehen. Ich hatte keine Ahnung davon, daß an meinen Genitalien Teile fehlten. Eigentlich kann man die Unterschiede zwischen meinen Genitalien und denen von irgendeiner anderen Frau, ohne die äußeren Schamlippen zu öffnen, nicht erkennen. Ich erinnere mich, wie ich in einem Buch das Phänomen der Masturbation entdeckte. Ich konnte jedoch den Mittelpunkt der lustbringenden Empfindungen in meinen Genitalien nicht lokalisieren, konnte den Trick nicht zustande bringen, über den ich gelesen hatte. Ich war nicht in der Lage, dieses Versagen mit dem Geheimnis über die vergrößerte Klitoris, die entfernt wurde, in Verbindung zu bringen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß mir jemand eine solche unwiderrufliche Sache angetan hatte, besonders nicht Erwachsene, die für mein Wohl verantwortlich sind. Oft weckten mich Alpträume, in denen mein Leben in Gefahr, mein Geschlecht fraglich und meine Genitalien deformiert waren und aus mir so wie Organe heraus schwappten. Als junge Erwachsene, gelang es mir, eine Verbindung zwischen der Entfernung meiner Klitoris und meiner schwachen sexuellen Reaktion, der Unfähigkeit einen Orgasmus zu erleben, zu erkennen.

Es war nicht leicht die intensiven Schamgefühle zu überwinden. Als Frau bin ich weniger als vollständig – ich habe eine geheime Vergangenheit, mir fehlen wichtige Teile meiner Genitalien und sexuellen Reaktionen. Eine medizinische Anomalie, so zusammengeflickt wie es der Chirurg am besten bewältigen konnte. Wenn eine Geliebte mit ihrer Hand das erste Mal meine Genitalien berührt, wird der Mangel sofort offensichtlich für sie. Ich wurde brutal verstümmelt, zurückgelassen voller Fragen, und auf der Suche nach der Wahrheit befand ich mich in völliger Stille und Isolation.

>>> Ganzer Text: Cheryl Chase, "Beleidigende Vernunft (Affronting Reason)" 

>>> Chirurgische "Genitalkorrekturen" an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Kosmetische Klitorisamputationen in Uni-Kinderkliniken - Aufklärung tut not! 
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
 

Tuesday 5 June 2012

Offener Brief von NetzwerkB mit Fakten zu Traumatisierung - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (4)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

>>> Exzellenter Offener Brief von NetzwerkB an den "Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" Johannes-Wilhelm Rörig, der auch für den Kampf von als Kinder genital Zwangsoperierten um Gerechtkeit in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung ist.

Einerseits, weil das darin geschilderte Vorschieben des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) statt echten Schutzes und Entschädigung auch Zwittern blühen kann (wie auch die anderen Methoden, mit denen Opfer von sexualisierter Gewalt und ehemalige Heimkinder immer wieder von PolitikerInnen auseinanderdividiert und zum Schweigen gebracht werden). 

Zum andern, weil der Offene Brief hochinteressante Fakten und Quellen zu Hauf referiert (siehe auch Anhang), die auch für manche Überlebenden von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter nicht unbekannt sein werden.

Drittens, weil der Kampf um die Aufhebung der Verjährungsfristen auch im Kampf gegen die Genitalverstümmler in den Kinderkliniken von zentraler Bedeutung ist – auch sie werden erst aufhören, wenn sie ernsthafte, d.h. juristische und finanzielle Konsequenzen zu befürchten haben.

Die jahrelange, hartnäckige Arbeit von Norbert Denef und NetzwerkB bleibt inspirierend und Mal für Mal ein Aufsteller!

>>> Petition Aufhebung der Verjährungsfrist für "sexuellen Missbrauch" im Zivilrecht

>>> NetzwerkB Positionspapiere 

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- "Als wären wir zur Strafe hier" + "Runder Tisch Heimerziehung" fest in TäterInnenhand
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Sunday 3 June 2012

"Kosmetische Eingriffe grundsätzlich bis zum Erreichen der Volljährigkeit verbieten" - Ulrike Klöppel (Klartext in Ethikrat-Sachverständigen-Stellungnahmen 5)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1) Auch nach der Veröffentlichung der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates (Friedliche Aktion von Zwischengeschlecht.org vom 23.2.12) präsentiert dieser Blog weitere Highlights aus den vom Ethikrat eingeholten, öffentlich zugänglichen "Stellungnahmen von Sachverständigen".

Ulrike Klöppel verfasste ihre Doktorarbeit "XX0XY ungelöst" über "Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin", ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Mitglied bei TGNB/TrIQ/IVIM und schreibt u.a. für die Magnus Hirschfeld Gesellschaft und die Jungle World.

In der Vergangenheit hatte dieser Blog Publikationen rsp. Auftritte Ulrike Klöppel schon konkret kritisiert, wenn wir fanden, Überlebende von kosmetische Genitaloperationen an Kindern würden darin als blosses Mittel zum Gendertheorie-Zweck erneut missbraucht, Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken lediglich in Tätersprache abgehandelt und ihr tägliches Fortdauern (nicht nur) in Deutschland im Allgemeinen und in der Charité im Besonderen sträflich ausgeblendet.

Umso mehr freut es, dass Ulrike Klöppel in ihrer >>> schriftlichen Stellungnahme an den Deutschen Ethikrat (PDF) Klartext bringt und mit klaren Aussagen nicht spart (die der Ethikrat bekanntlich lieber nicht hören wollte). Danke!

Einige relevante Ausschnitte:

Meiner Meinung nach müsste folgende Regelung getroffen werden:

Sämtliche genitalplastischen Eingriffe sowie Sexualhormonbehandlungen, die keiner "zwingenden medizinischen Indikation" unterliegen, sondern kosmetischen Zwecken der Angleichung an ein weibliches oder männliches Idealbild dienen (im Nachfolgenden als "geschlechtsverändernde Eingriffe" bezeichnet), sind grundsätzlich bis zum Erreichen der Volljährigkeit verboten. Darunter fallen auch Klitorisresektionen (egal bei welcher "Größenabweichung" und welcher chirurgischen Technik) sowie Gonadenentfernungen, die nicht auf der Grundlage eines signifikanten Entartungsrisikos erfolgen. Ebenso müssen jegliche kosmetischen Eingriffe bei AGS, inklusive der angeblich minimalinvasiven "Introitusplastiken", verboten werden.

Auf dieser Grundlage können Ausnahmen gestattet werden, um das sexuelle Selbstbestimmungsrecht Jugendlicher zu gewährleisten, sofern sichergestellt ist:

  • Einwilligungsfähigkeit des_r Jugendlichen;
  • umfassende Information über mögliche körperliche und psychische kurz- und langfristigen Folgen der Eingriffe sowie über Alternativen zu geschlechtsverändernden Eingriffen;
  • peer-to-peer counselling durch erwachsene intergeschlechtliche Menschen;
  • von der medizinischen Betreuung unabhängige, psychologische Beratung des Kindes und der Erziehungsberechtigten.

Begründung:

1. Geschlechtsverändernde Eingriffe ohne informed consent verstoßen gegen das Menschenrecht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Somit verbieten sich solche Eingriffe eigentlich von selbst. Dennoch hat sich an der Behandlungspraxis bei Intergeschlechtlichkeit bislang nicht viel verändert: Sanktioniert durch das Consensus Statement on 21-Hydroxylase Deficiency von 20021 werden bei AGS weiterhin Klitorisreduktionen und Introitusplastiken im Kindesalter durchgeführt, so z.B. an der Berliner Charité. AGS ist das häufigste intergeschlechtliche Erscheinungsbild, somit kann keineswegs davon ausgegangen werden, dass in der medizinischen Betreuungspraxis bereits ein wirkliches Umdenken eingesetzt hätte. [...] Nur ein Verbot wird m.E. eine wirksame Änderung der Situation herbeiführen können: Der Normalfall muss sein, dass geschlechtsverändernde Eingriffe ohne informed consent des Betroffenen keine Option sind. Auf dieser Grundlage sind allerdings Ausnahmeregelungen nötig, die der Wahrung des sexuellen Selbstbestimmungsrechts des Heranwachsenden dienen.

2. AGS muss genauso wie andere Erscheinungsbilder von Intersexualität betrachtet und vor medizinischen Eingriffen im Kindesalter geschützt werden. [...]

4. Geschlechtsverändernde Sexualhormonbehandlungen gehören genauso verboten wie chirurgische Eingriffe, da sie ebenfalls irreversible körperliche Transformationen bewirken können. [...]

8. Psychischen und sozialen Schwierigkeiten des Kindes und der Erziehungsberechtigten im Umgang mit der Intergeschlechtlichkeit kann und muss mit anderen Mitteln begegnet werden als mit geschlechtsverändernden Eingriffen. [...] [S. 1-3]

Die Frage der "Zufriedenheit mit der Geschlechtsidentität" ist m.E. irrelevant für die Bewertung des bisherigen Behandlungsvorgehens. Maßstab muss – neben der Behandlungszufriedenheit resp. -unzufriedenheit – in erster Linie die Lebensqualität, wie sie die befragte Person selbst einschätzt, sein. Die Lebensqualität eines Menschen bestimmt sich nicht in erster Linie durch seine "Zufriedenheit mit der Geschlechtsidentität"; vielmehr können körperliche, soziale, psychische oder sexuelle Probleme unabhängig davon auftreten. Die Geschlechtsidentität sagt also nichts aus über die Lebensqualität und darf somit nicht der Maßstab des Behandlungsvorgehens sein. [S. 5f.]

>>> Chronologie Deutscher Ethikrat 2008-2013

>>> "Es wird weiter an den Genitalien von Kleinkindern geschnitten" - Eva Matt (1)
>>> "Es muss sich grundsätzlich etwas ändern" - Deutscher Hebammenverband (2)
>>>
"Verjährungsvorschriften sind dringend zu überarbeiten" - Konstanze Plett (3)
>>>
"Eltern dürfen nicht einwilligen" - Oliver Tolmein (4) 
>>>
Ethikratdiskurs: "Wie so oft wird um den heissen Brei herumgeredet"
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer 

Tuesday 15 May 2012

Heute 15.5.12: "Intersex-Exploration" mit Diana Hartmann in Hamburg, "Das verordnete Geschlecht" mit Elisabeth Müller in Jena, "Intersex"-Tatort Premiere in Luzern

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Hamburg 12h: "Intersex Exploration" mit Diana Hartmann  

Jena 19h: "Das verordnete Geschlecht" mit Elisabeth Müller 

Luzern 20:15h: "Tatort"-Premiere um ermordeten Verstümmler

>>> "Intersex"-Veranstaltungen an Unis - Aufruf zu Solidarität!
>>>
"Intersex"-Tatort "Skalpell" um ermordeten Kinderchirurgen

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