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Thursday 26 January 2012

"Intersex": Deutscher Ethikrat verabschiedet Stellungnahme – Schweizer Ethikkommission startet Anhörungen

UDPATE: Die Ethikrat-Stellungnahme wird am 23.2.12 in Berlin vorgestellt  

Friedliche Mahnwache der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vor dem 'Campus Virchow Klinikum' der 'Charité', 11.11.2011Bild: Friedliche Mahnwache + Offener Brief Kinderklinik "Charité", Berlin 11.11.2011

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 26.01.2012:

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Schwere Zeiten für westliche Genitalverstümmler: Heute verabschiedet der Deutsche Ethikrat seine mit Spannung erwartete "Stellungnahme zum Thema 'Intersexualität'". Gleichzeitig erhielt in der Schweiz die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CEN) vom Bundesrat unlängst ebenfalls den Auftrag zu einer Stellungnahme und startete dazu bereits erste Anhörungen mit Betroffenen und Eltern, im Gegensatz zu Deutschland allerdings hinter verschlossenen Türen.

Ende gut, alles gut?

In beiden Fällen benötigte es zunächst ein gerütteltes Maß an öffentlichem und politischem Druck durch Betroffenenorganisationen, bevor die beiden Regierungen schließlich einlenkten. Und die jeweiligen nationalen Ethikgremien, die zuvor über Jahre aus eigenem Antrieb keinerlei Handlungsbedarf erkennen wollten, zu Stellungnahmen beauftragten:

In Deutschland brauchte es nach 15 Jahren vergeblichen parlamentarischen Vorstößen im Bundestag erst den Umweg über die UNO, bis die Bundesregierung keine andere Wahl mehr hatte als endlich zuzugeben, dass genitale Zwangsoperationen an Zwitterkindern eben doch nicht so unproblematisch sind wie zuvor stets behauptet. Auch beim Deutschen Ethikrat direkt waren Betroffenenorganisationen zunächst über Jahre stets aufs Neue vergeblich vorstellig geworden.

In der Schweiz ging es nicht zuletzt dank von Anfang an breit abgestützten politischen Vorstößen wesentlich schneller, doch ohne langjährige Proteste von Betroffenen wäre es ebenfalls nie soweit gekommen. Noch 2010 hatte der Präsident der Zentralen Ethikkommission (ZEK) der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW) öffentlich verkündet, aus Sicht der ZEK würde die Problematik kosmetischer Genitaloperationen an Kindern "nicht als so brennend und mit großem Handlungsbedarf behaftet gesehen".

Kinderkliniken verstümmeln ungerührt weiter - Politiker schauen weg

Auch in Deutschland propagieren Mediziner-Standesorganisation in allen einschlägigen AWMF-Leitlinien kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern unbeirrbar weiter; sämtliche einschlägigen AWMF-Leitlinien stehen seit Jahrzehnten unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1 (z.B. Leitlinien 027/047 "Adrenogenitales Syndrom", 006/026 "Hypospadie", 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung"). Bei Überarbeitungen werden Betroffenenorganisationen wenn überhaupt, dann weiterhin erst ganz am Schluss und lediglich alibimäßig konsultiert.

Parallel rüsten viele Kinderklinken, in denen medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an der Tagesordnung sind, massiv auf. Prominentes Beispiel ist die Etablierung eines neuen "überregionalen Zentrums für Kinderurologie und plastisch rekonstruktive Urologie" der Berliner "Charité-Universitätsmedizin", in der die Amputation "übergrosser Kitzler bei jungen Mädchen" seit mindestens 1831 traurige Tradition darstellt (vgl. Hulverscheidt, Weibliche Genitalverstümmelung, S. 113). Während gleichzeitig der Berliner Senat die regelmäßigen Verstümmelungen in Berliner Kinderkliniken unverändert rundheraus leugnet (Drucks. 16/144436).

06.02.2012: 8. Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung - wiederum unter Ausblendung der Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken?

Seit bald 20 Jahren prangern Überlebende kosmetischer Genitaloperationen im Kindesalter diese öffentlich an als "immens destruktiv für die sexuelle Empfindsamkeit und das Gefühl für körperliche Unversehrtheit" (Cheryl Chase, Sciences, July/August 1993), als "westliche Form von Genitalverstümmelung", "medizinisches Verbrechen" und "fundamentale Menschenrechtsverletzung" – Anklagen, die seit Jahren auch von namhaften internationalen ExpertInnen und Menschenrechtsorganisationen gestützt werden, vgl. u.a. Hulverscheidt 2000, Lightfoot-Klein 2003, Terre des Femmes Deutschland 2004, Asefaw 2005, Terre des Femmes Schweiz 2009, Amnesty International Schweiz 2010, Amnesty International Deutschland 2010.

Die Antwort der verantwortlichen Behandler darauf bis heute: Ablenkungsmanöver, Ausreden, Spott und Hohn – sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfrist juristisch nicht oder kaum je belangt werden können. Wie lange noch?

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Anhörung "Deutscher Ethikrat"  
>>>
Anhörung "Nationale Ethikkomission im Bereich der Humanmedizin"   
>>> 06.02.2012: "Null Toleranz für Intersex Genitalverstümmelung!"

Monday 23 January 2012

Hingehen! "Intersex"-Vortrag in Hamburg, Mi 25.1.12 um 19:15h

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Bereits letzte Woche hatte dieser Blog auf die Veranstaltung "Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen" am nächsten Mittwochabend in Hamburg lobend hingewiesen.

Inzwischen ist auf der Homepage der AG Queer Studies eine detailliertere >>> Ankündigung online gegangen, die noch einmal verdeutlicht, weshalb sich der Besuch dieses Vortrags lohnt (im Gegensatz zu leider, leider vielen anderen Veranstaltungen, bei denen Zwitter bloss zum x-ten Mal als Kanonenfutter für Anliegen Dritter herhalten müssen).

Dafür allen Beteiligten ein herzliches Danke! 

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

Tuesday 17 January 2012

Aktuelle Veranstaltungen

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Kann ein Zwitter Sünde sein?

Vorschau auf einige Vorträge, in denen "Intersex" auf die eine oder andere Weise eine titelgebende Rolle spielt:

Göttingen, 19. Januar 2012
Friederike Maaßen: „Und was ist es jetzt?“ - Hebammen im Umgang mit Intersexualität bei Neugeborenen
>>> Ankündigung  >>> neuer Ort & Zeit  >>> Kommentare dazu "Der Vortrag stellt eine Abschlussarbeit vor, die Intersexualität in Medizin und Gesellschaft beleuchtet und momentane politische Bewegungen aufgreift. Es kommen Hebammen zu Wort, die ein Kind mit uneindeutigem Geschlecht entbunden haben. Sie erzählen von ihren Erfahrungen im Umgang mit Eltern und Ärzt*innen. Zudem berichten Lehrkräfte für Hebammenwesen, wie Intersexualität in den Lehrplan aufgenommen werden kann, um zukünftige Hebammen für das Thema zu sensibilisieren."
Interessant und hochaktuell klingender Vortrag zu einem wichtigen Thema: Hebammen bringen bekanntlich bessere Voraussetzungen mit zu einem menschlichen Umgang mit Zwitterkindern als die in den Kliniken tonangebenden Genitalabschneider. Nachdem was und Hebammen erzählten, findet jedoch ungünstiger Weise aktuell eher eine Entmachtung der Hebammen statt zugunsten der Verstümmler – mit den bekannten Folgen für die betroffenen Kinder. Während wir gleichzeitig von den Medizynern selbst zu hören bekommen, ene Hebamme würde in ihrer Laufbahn höchstens 0.5 mal ein Zwitterkind zur Welt bringen, weshalb das Thema in der Hebammen-Schulung nix verloren habe, sondern das Kind vielmehr schnell den Medizynern zu übergeben sei – mit den bekannten Folgen. Schön, dass sich das das (geistes-)wissenschaftliche Interesse hier mal auf ein konkretes Thema richtet (statt dass es wie sonst so oft bloss um Gender-Blabla geht).
Nachtrag:
Dieser Blog bedauert sehr, dass ausgerechnet die Gleichstellungsbüros und Fachschaftsräten der Sozialwissenschaftlichen und Philosophischen Fakultät und der AStA der Uni Göttingen diesen Vortrag nicht zulassen wollen. Offensichtlich sind sie nicht in der Lage, die Wichtigkeit des Themas (und damit verbunden die Dringlichkeit der Verhinderung künftigen Leids von durch Verstümmelung bedrohten Kinder) zu erkennen. Es ist noch ein weiter Weg ... (Und für manche ist er offensichtlich öfters gar noch etwas länger.)

Dresden, 18.-20. Januar 2012
"Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft" – Internationale und Interdisziplinäre Konferenz
>>> Ankündigung  >>> Programm (PDF)  >>> letzte Änderungen  >>> Pressemitteilung 9.1.
>>> Offener Brief von Zwischengeschlecht.org vom 18.01.2012 
"[...] treffen sich führende Wissenschaftler_innen der Transgender- und Intersex-Forschung, Künstler_innen sowie Sprecher_innen von Betroffenenorganisationen zu einer internationalen Konferenz [...] Ein Hauptanliegen der Konferenz "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft" besteht darin, die biologisch-medizinische Perspektive auf Transgender und Intersex mit einer kulturwissenschaftlichen zu verknüpfen sowie die Erkenntnisse der Wissensform Kunst einzubeziehen.[...] Ein weiteres wesentliches Ziel der Konferenz ist es, Betroffenen Gehör zu verschaffen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren." (Pressemitteilung 1 + 2)
Soweit für diesen Blog ersichtlich, handelt es sich entgegen der vollmundigen Pressemitteilung letztlich leider bloss wieder um die übliche Vereinnahmung der Leiden der real allermeist genitalverstümmelten Zwitter durch privilegierte Dritte, namentlich LGBT & Gender Studies. Während unverändert 90% aller Zwitterkinder uneingewilligt verstümmelt werden (wohlbemerkt auch durch praktische alle Institutionen, an denen die Vortragenden sonst ihre Brötchen verdienen, ebenso wie durch die veranstaltende TU Dresden selbst!), sind die meist grausamen Schicksale der Betroffenen – bzw. die Projektionen Aussenstehender auf "die Zwitter" – einmal mehr bloss Material und Gegenstand "wertfreier" Wissenschaft und Kunst, die sich um die realen Implikationen ihrer "interdisziplinären Diskurse" auf die wirkliche Welt einen Dreck zu kümmern scheint. Soweit diesem Blog ersichtlich wurden von "Intersex"-Seite weder Betroffene noch ExpertInnen eingeladen, die eine konkrete Praxis betreffend Beendigung der Verstümmelungen vorzuweisen hätten, noch geht es irgendwo konkret um die Menschenrechte der verstümmelten Kinder, noch macht sich die ganze Veranstaltung in irgendeiner Form konkret für sie stark. Allem Anschein nach folglich eine ethisch stark fragwürdige Angelegenheit, bei der "Intersex" einmal mehr als mitgemeintes Anhängel zwecks Fördergeldereintreibens für Anliegen privilegierter Dritter herhalten muss – während sowohl in Dresden wie auch den Institutionen der "führenden Wissenschaftler_innen" täglich widerspruchslos weiterverstümmelt wird ...

Hamburg, 25. Januar 2012
Michaela, eine Ärztin aus Halle: Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen
>>> Ankündigung (neu)  Empfehlenswerter Vortrag einer Ärztin, die weder Kinder verstümmelt noch Verstümmelungen gut heisst, sondern fundiert argumentiert, warum kosmetische Genitaloperationen an Kindern diesen letztlich nicht Gutes tun, im Rahmen einer Reihe, bei der im Dezember bereits die "Klinefelters" zu Gast waren, und veranstaltet von der "AG Queer Studies", die sich auch sonst schon durch praktische Solidarität und durch konstruktive Auseinandersetzung mit unreflektierten Vereinnahmungen hervortat – auch sowas gibt's zum Glück.

Vorankündigung:
23. Februar 2012 – Daniela "Nella" Truffer im Thurgauer Frauenarchiv (Schweiz)

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter  

Wednesday 26 October 2011

"Widersprüchliches um Magnus Hirschfeld"

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Auf die >>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 17.10.11 über Magnus Hirschfelds Wirkung bezüglich heutige Genitalverstümmelungen an Zwittern ging über den Sündikat-Verteiler am 20.10.11 eine >>> Replik von Ulrike Klöppel [TGNB/TrIQ/IVIM] und Rainer Herrn [Magnus Hirschfeld Gesellschaft]. Darin wurden uns mehrfach Aussagen unterschoben, die in der Pressemitteilung gar nicht standen. Gleichzeitig wurden die darin konkret angesprochenen Kritikpunkte ausgeblendet wurden und Magnus Hirschfeld stattdessen einmal mehr pauschal zum Zwitter-Wohltäter hochstilisiert. Am 22.10.11 ging die >>> Rückantwort von Zwischengeschlecht.org dazu wiederum über den Sündikat-Verteiler.

Vielleicht kommt es ja irgandwann doch mal noch zu einer sachbezogenen Diskussion über die Folgen von Hirschfelds Werk und Vermächtnis für heutige genitalverstümmelte Zwitter?

(Bild: Dr. Magnus Hirschfeld entsorgt ein amputiertes Zwitter-Lustorgan.  – Standbild aus Rosa von Praunheims Hirschfeld-Filmbiographie "Der Einstein des Sex".)

Thursday 20 October 2011

Heidi Walcutt - Zwitter, die kein Blatt vor den Mund nehmen 1

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Heidi Walcutt in 'Hermaphrodites speak!'"Ich möchte einfach ein stumpfes, rostiges Messer nehmen und anfangen Ärzten die Genitalien abzuhacken und sagen: 'Da, du Hurensohn! Was denkst du, wie es sich anfühlt!!'"
- Heidi Walcutt (20.10.1961–10.11.2010)

Das übersetzte Zitat stammt aus dem Video "Hermaphrodites speak!", aufgenommen am 1. internationalen "ISNA Retreat" vor 15 Jahren im Herbst 1996; just dieser Ausschnitt war auch zu sehen im diesjährigen Film "Intersexions"

Von Heidi Walcutt ist zudem ein berührendes Gedicht "Ode to a Life" bekannt sowie die autobiografischen Texte "Time for a Change" und "Physically Screwed by Cultural Myth: The Story of a Buffalo Children’s Hospital Survivor" (in: "Hermaphrodites with Attitude" Fall/Winter 1995-96, PDF --> S. 10) und ein Leser_innenbrief ebendort --> S. 12.

Heidi Walcutts obiges unverblümtes Zitat (das wohl so oder in ähnlicher Form auch anderen Zwangsoperierten schon durch den Kopf ging) und der ungeschminkte Ausdruck ihrer Wut auf ihre Peiniger und deren KollegInnen erregte damals schon Aufsehen und schockierte viele, so dass ihre Aussage auch in der ISNA-Broschüre "Teaching Intersex Issues" (PDF 1.29MB --> S. 7) aufgegriffen wurde: "Warum ist diese Wut schockierend, wenn man bedenkt, was ihr und anderen angetan wurde? Was sagt diese Wut aus über die bisherigen Intersex-Behandlungen?"

Vielleicht liesse sich da noch hinzufügen: "Und was über die politisch Verantwortlichen, die prinzipiell "auf die andere Seite schauen", die "Behandlungen" öffentlich verleugnen und ungehindert weiterlaufen lassen?"

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben  

(Um Missverständnissen vorzubeugen: Dieser Blog befürwortet Redefreiheit, Offenheit, Transparenz und gewaltfreien Widerstand. – Maulkörbe, Denkverbote, Geheimnistuerei sowie Gewalt als Mittel zum Erreichen unserer politischen Ziele befürwortet er NICHT.)

Saturday 8 October 2011

Zwitter-Genitalverstümmelungen: "1. Berliner Inter*Tagung", Es / Thoralf Mosel, IVIM und TrIQ drücken sich vor inhaltlicher Diskussion

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Bis vor kurzem war auf der Homepage der "1. Berliner Inter*Tagung" zu lesen, Zwischengeschlecht.org sei zusammen mit Intersexuelle Menschen e.V. und IVIM von der "Inter*Tagung" "angefragt" worden für eine "Diskussion: Menschenrechtsverletzungen an Inters* stoppen!".

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, es waren Nella und yours truly gewesen, die im Namen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org eine solche Diskussion bezüglich der täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken der "Inter*Tagung" überhaupt vorgeschlagen hatten. Worauf die "1. Berliner Inter*Tagung" diesen Vorschlag dann in verwässerter Form und als "Eigenleistung" getarnt ins Programm hob mit den erwähnten Zusätzen, u.a. auch Zwischengeschlecht.org wäre dazu "angefragt" worden.

Gleichzeitig wurde unsere Delegation in Tat und Wahrheit von der "1. Berliner Inter*Tagung" auf Betreiben von Es/Thoralf Mosel, seines Zeichens u.a. "Ansprechpartner von IVIM", "Mitglied von TransInterGenderSex", "hauptamtlicher Projektleiter von TransInterQueer (TrIQ)" und "hauptverantwortlicher Organisator der jährlichen Berliner Trans*-äh-Inter*Tagungen", zunächst wochenlang hingehalten (eins/zwei) und letztlich explizit aufgrund einer inhaltlichen Vereinnahmungs-Kritik auf diesem Blog "in Rücksprache mit IVIM und dem TrIQ-Vorstand" von der ganzen Tagung ausgeschlossen. Einzig Nella als "Privatzwitter" sollte noch an der "Inter*Tagung" teilnehmen dürfen.

Mittlerweile wurden im Tagungs-Programm usw. die Namen aller "angefragten" Organisationen stillschweigend entfernt; stehen gelassen wurde dafür die Behauptung, die Diskussion bezwecke angeblich "Vertreter_innen unterschiedlicher Inter*Gruppen im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit bieten, sich konstruktiv über ihre verschiedenen und gemeinsamen Ziele bezüglich der Menschenrechtsverletzungen an Inters* auszutauschen und diese auf respektvolle Weise zur Diskussion zu stellen".

Fakt bleibt, dies ist das 3. Mal, dass IVIM/TrIQ & Co. sich vor einer inhaltlichen Diskussion drücken und/oder Nella oder Seelenlos von einer Veranstaltung "ausladen".

Meine 2 Cent:

Offensichtlich fehlt es den Vereinnahmer_innen Thoralf Mosel sowie IVIM/TrIQ/TGNB & Co. etwas an inhaltlichen Argumenten ...

Und bekanntlich nicht zuletzt an einer konkreten eigenen Praxis im Kampf gegen die Genitalverstümmler.

Dazu passt auch, wie Es/Thoralf Mosel, IVIM, TransInterQueer (TrIQ), TransInterGenderSex, 1-0-1 intersex, Transgender Netzwerk Berlin (TGNB) etc. sich stattdessen seit über einem Jahr widerspruchslos vom Berliner Senat (--> Drucks. 16/14436) für die Leugnung und dadurch Perpetuierung der täglichen Zwitter-Verstümmelungen vor ihrer Haustüre vor den Karren spannen lassen ...

>>> Beendigung der Genitalverstümmelungen - Vorschlag für Diskussion Inter*Tagung

>>> Genitalverstümmelungen: TrIQ & Co. seit Jahr und Tag als Feigenblatt 

>>> Vereinnahmung: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ...
>>>
Zwitter-Vereinnahmung: "TrIQ", Thoralf & "taz" können es einfach nicht lassen ... 
>>> Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Diskriminierung oder Verbrechen? (II)  

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: "Immer noch wird so früh wie möglich operiert" - Ernst Bilke

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Ernst Bilke: „Immer noch wird so früh wie möglich operiert. Eltern können mit Uneindeutigkeit nicht leben, also wird gehandelt. Später operieren wäre oft möglich, es wäre auch möglich, die Entwicklung des Kindes abzuwarten. Doch die plastischen Chirurgen genießen ihr Experimentierfeld und sind stolz auf ihre Resultate. Die Argumente älterer Intersexueller werden ignoriert. Die Arbeit der Selbsthilfegruppen sei angeblich nicht hilfreich, weil sie die Eltern verunsichern. ‘Bedauerliche Einzelfälle leidvoller Erfahrung’, sagte man mir, ‘dürfen nicht dazu führen, eine optimale Behandlung zu verhindern und das Vertrauen der Eltern in die Ärzteschaft zu erschüttern.’“

Der Baden-Württemberger Ernst Bilke weiss, wovon er spricht als Betroffener von endlosen „maskulinisierenden Korrekturoperationen“ wegen „Hypospadie“, die erst aufhörten, als er alt genug war, sich weiteren „Nachbesserungen“ erfolgreich zu verweigern – zum Bedauern seines Arztes, der „das Ergebnis gerne vervollkommnet“ hätte.

>>> Ernst Bilke: "Die Wut ist gut versteckt" - Biographie mit "Hypospadie"
>>> Hypospadie: "Kindheit voller Schmerz, Operationen und Isolation" (Tiger Devore)

>>> Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet 

Tuesday 4 October 2011

Hypospadie: "Meine Kindheit war angefüllt mit Schmerz, Operationen, Hauttransplantationen und Isolation" (Tiger Howard Devore)

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Dr. Tiger Howard Devore ist aktiv in der US-Selbsthilfegruppe "Hypospadias & Epispadias Association (HEA)", die sich für das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen stark macht, und spricht sich seit Jahren immer wieder öffentlich gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern aus.

Laut John Money war Tiger Devore 1984 der erste Intersexuelle, der sich öffentlich im Fernsehen in einer Sendung mit Oprah Winfrey äusserte. Auf seiner Homepage stellt Dr. Tiger diesen und eine Vielzahl weiterer Clips zur Verfügung. Besonders eindrücklich sind seine kürzlichen Auftritte in "Intersexions" (2011) und "Genital Mutilation: America's Double Standard" (2011).

Tiger Devores autobiografischer Text >>> "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom" ist eines der eindrücklichsten Zeugnisse über den Unsinn der kosmetischen "Hypospadie-KorrekturOPs" an Kindern und das dadurch verursachte, erhebliche und lebenslange Leid. Nachfolgend einige Auszüge:

Ich verbrachte viele Jahre mit chirurgischen Operationen, deren einziger Sinn darin bestand, aus meiner Penisspitze pinkel zu können ["Hypospadiekorrektur"]. Ich bin insgesamt sechzehn mal an meinen Genitalien operiert worden. Bis zum Alter von zehn Jahren schon zehn mal, ziemlich genau einmal pro Jahr. Wenn sie meine Harnröhrenöffnung da gelassen hätten wo sie war: am Penisschaft nahe der Hoden, hätten mir mindestens zwölf Operationen erspart bleiben können.

Meine Kindheit war angefüllt mit Schmerz, Operationen, Hauttransplantationen und Isolation. Ich weiß noch, wie das war, wenn die Schulferien begannen, und die anderen Kinder irgendwo hinfuhren, um Spaß zu haben. Ich musste in den Ferien ins Krankenhaus, damit ich nicht zu viel vom Unterricht versäumte. Wenn die Ferien vorüber waren, kehrte ich in die Schule zurück, oft waren die letzten Operationsnarben noch nicht einmal verheilt. Manchmal hingen mir zu Schulbeginn noch die Schläuche aus dem Körper, man sah die Nähte und Narben, und ich konnte kaum laufen.

Jedes Jahr operierten sie mich, und ich konnte zusehen und fühlen, wie die plastische Chirurgie jedes Mal wieder in sich zusammenfiel. Das hätte auch ihnen auffallen müssen – außer Arroganz und Inkompetenz gab es für viele der Eingriffe, die sie an mir ausführten, keinen Grund.

Die Harnröhre, durch die die meisten Männer pinkeln, ist nicht aus normaler Haut, sondern aus speziellem Endothel, das den Kontakt mit Urin aushält und auch wenn es immer feucht und warm ist, nicht in sich zusammenfällt oder sich ständig entzündet. Die Röhre, die sie mir aus Haut von anderen Körperteilen schufen, löste sich ständig auf und ich bekomme regelmäßig Blasenentzündungen. Und ich muss mich immer noch hinsetzen beim Pinkeln. Ich war niemals ohne Fisteln, diesen Löchern in meinem Penis, wo die Methode versagt hatte. Die gesamte Harnröhre musste zweimal komplett erneuert werden, mit unfangreichen Hauttransplantaten. Wenn sie mich doch nur im Sitzen hätten pinkeln lassen, dann hätten weder ich noch meine Familie all das ertragen müssen – die Kosten, die Schmerzen, die wiederholten Operationen, die Medikamente, die immer wiederkehrenden Transplantatabstoßungen und die Fisteln aus denen der Urin floss. Ich hätte gut damit leben können, aus dem Schaft meines Penis zu pinkeln, statt aus der Spitze, aber dafür nicht in der Empfindsamkeit beeinträchtigt zu sein.

>>> Tiger Howard Devore: "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom" (1997)

>>> Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 

Saturday 1 October 2011

Häufigste Intersex-Genitalverstümmelungen ausgeblendet: IMeV-Schattenbericht zur UN-Folterkonvention (CAT 2011)

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Intersexuelle Menschen e.V. (Berichterstatterin: Lucie Veith) hat in Kooperation mit der Humboldt Law Clinic einen weiteren Schattenbericht bei der UNO in Genf eingereicht, diesmal zum "Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT)" (>>> PDF 668 KB). Der Bericht wird anlässlich der 47. CAT Session im November 2011 in Genf behandelt werden.

Leider rückt der Bericht (wie schon der vorherige CESCR-Bericht) einmal mehr schamlos die Partikularinteressen (C)AIS-Betroffener ins Zentrum, sprich Kritik an "Gonadektomie (Kastration)" (S. 17f.) und "Feminisierende Operationen" (S. 18ff.), die als einzige konkret behandelt werden, und zwar unter gleichzeitiger expliziter Ausblendung der wohl häufigsten "Diagnose" für Genitalverstümmelungen in hiesigen Kinderkliniken, nämlich "Hypospadie" und weitere "vermännlichende Korrektureingriffe".

Zwar fordert der Schattenbericht in seinen Empfehlungen vollmundig die "Beendigung jeglicher kosmetischer Operationen an den Genitalien von Kindern" (S. 29), doch das verkommt zur Farce, wenn in der konkreten Kritik zum wiederholten Male ausschliesslich auf die Bedürfnisse und Partikularinteressen einer bestimmten Minderheit eingegangen wird. Zudem steht auch hier diese Forderung wiederum erst an 2. Stelle NACH der Forderung nach Beendigung der Gonadektomien.

Paradoxerweise behandeln die angehängten, hochinteressanten Fallberichte auch das durch "vermännlichende" Verstümmelungen angerichtete Leid, bzw. zumindest derjenige von Christiane Völling (S. 39f.). Das Stichwort "Hypospadie" taucht im Fallbericht Nr. 4 (S. 38) ein einziges Mal im ganzen Bericht auf, der Fallbericht scheint jedoch Zusammenhang mit dem verherigen Schattenbericht die Lesart nahezulegen, wäre das Kind "in Richtung männlich korrigiert" worden (statt wie geschildert "verweiblichend operiert"), wäre ja alles OK.

Weiter wird im Fallbericht Nr. 3 (S. 37f.) eine entgegen dem audrücklichen Willen der Eltern vorgenommene "Peniskorrektur" kritisiert, jedoch gleichzeitig eine "fertilisierende operative Hodenverlagerung" unkommentiert als positiv und erwünscht dargestellt.

Dies alles, obwohl Betroffene solcher Eingriffe auch in Deutschland seit langem sowohl "Hypospadie-" und "Peniskorrekturen" (--> Ernst Bilke) wie auch "fertilisierende operative Hodenverlagerungen" als medizinisch nicht notwendige Eingriffe kritisieren und von dadurch verursachten Traumen und lebenslangen Schmerzen berichten. Zudem wurde bekanntlich die Wirksamkeit der "fertilisierenden operativen Hodenverlagerungen" nie wissenschaftliche belegt.

Erst recht, weil bei Intersexuelle Menschen e.V. nach wie vor (C)AIS-Betroffene klar überproportional an den Schalthebeln sitzen, gilt leider unverändert das schon zum letzten CESCR-Schattenbericht angemerkte Fazit:

Ein Verein, der wie Intersexuelle Menschen e.V. für sich in Anspruch nimmt, alle Zwitter zu repräsentieren, deren elementare Menschenrechte mit Füssen getreten werden, müsste hier DRINGEND von der steten Beschränkung des Blickwinkels auf die eigene, persönliche "Besonderheitsperspektive" wegkommen, hin zu einer angemessenen und realitätsentsprechenden Würdigung ALLER Menschenrechtsverletzungen gegen die körperliche Unversehrtheit an Kindern und Erwachsenen mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

>>> http://intersex.schattenbericht.org 

>>> Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch 
>>>
Ernst Bilke: "Die Wut ist gut versteckt" - Biographie mit "Hypospadie"
>>> Hypospadie: "Kindheit voller Schmerz, Operationen und Isolation" (Tiger Devore) 

>>> Warum nicht alle Bio-Zwitter gleich nicht-privilegiert sind   

Friday 5 August 2011

"Der medizinische Umgang mit Intersexuellen Kindern: Eine Analogie zum sexuellen Kindesmißbrauch" - Tamara Alexander

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Ausgeliefert! >>> Leider immer noch brandaktueller Text von 1997 mit zahlreichen Belegen über ein Thema, das viele Überlebende von Genitalverstümmelungen im frühen Kindesalter seit langem anklagen, verfasst von der Partnerin des Intersex-Aktivisten Max Beck, die beide u.a. im Dokfilm "Das dritte Geschlecht" auftraten (dieser Blog berichtete). Nachfolgend ein Auszug (hier ohne die Literaturbelege):

[...] Vergleichbar den Opfern kindlichen sexuellen Mißbrauchs werden Kinder mit intersexuellen Merkmalen Opfer wiederholter genitaler Traumata, die sowohl in der Familie wie im kulturellen Umfeld geheimgehalten werden. Die Kinder sind verängstigt, beschämt, fehlinformiert und verletzt. Sie erleben ihre Behandlung als eine Form des sexuellen Mißbrauchs und betrachten ihre Eltern als Personen, von denen sie betrogen wurden und die mit den medizinischen Experten kollaboriert haben. Wie bei sexuellem Mißbrauch umfassen die psychologischen Folgen Depression, Suizidversuche, die Unfähigkeit zu intimen Beziehungen, Störungen des Körperbildes und dissoziative Muster. [...]

Medizinische Photograpien der Genitalien, Untersuchungen an den Genitalien bei verfrühtem Einsetzen der Pubertät und intersexuellen Merkmalen, Kolposkopie [Scheidenspiegelung] und Untersuchungen eines Mädchens, das DES [Diethylstilbestrol] ausgesetzt war, Cystoskopie [Harnröhren- und Blasenspiegelung] und Katheter-Anlagen und Hypospadie-Korrektur führen zu Symptomen, die mit denen des kindlichen sexuellen Mißbrauchs stark korreliert sind: Dissoziation, negatives Körpererleben, und PTSD-Symptomatik. Einer von Moneys Patienten berichtet: „Ich lag da, nur mit einem Tuch über mir, und ungefähr 10 Ärzte kamen herein, und das Tuch kam weg, und sie fühlten hier und da und diskutierten darüber, wieviel Fortschritte ich gemacht hatte. Ich war vor Angst versteinert. Dann kam das Tuch wieder 'drüber und es kamen ein paar andere Ärzte herein und sie taten dasselbe. Das war unheimlich. Ich hatte Angst. Ich hatte Alpträume davon..."

[...] Sowohl Angela Moreno als auch Max Beck berichten über weitreichende Abspaltungsepisoden. Max erinnert sich: „Ich war die meiste Zeit meiner Jugend ein herumlaufender Kopf". Moreno sagt daß sie sich erst „nach Jahren therapeutischer Behandlung endlich in ihrem Körper fühlte, ihre Haut ausfüllte und nicht nur umhertrieb." Diese Aussagen ähneln denen von CSA [Child Sexual Abuse = sexueller Kindesmissbrauch] Opfern, die berichten, daß sie sich emotional von ihren Körpern getrennt haben, um den physischen Angriffen Widerstand entgegensetzen zu können. Eine Frau, die wiederholten Kolposkopien unterworfen wurde, gibt an, daß sie „die vaginalen Untersuchungen nur überlebt hat, indem sie sich vollständig von ihrem unteren Körper abgespalten hat - d.h. daß sie unterhalb ihrer Taille taub war, ohne Empfindung und Gefühl“. [...]

Weitere behandelte Themen: Scham und Verlegenheit, Heimlichkeit und Schweigen, Fehlinformation, Dissoziation und Körperentfremdung, Verratstraumata u.a.m.

>>> Der ganze Text von Tamara Alexander mit zahlreichen Literaturbelegen

>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Tuesday 2 August 2011

Liste aller Kommentare auf dem Online-"Diskurs" des Deutschen Ethikrates über "Intersexualität"

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>>> UPDATED! 

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Da auf dem Ethikrat-"Diskurs"-Blog nur jeweils die letzten 5 Kommentare sichtbar sind, ist es fast unmöglich, alle mitzubekommen, geschweige denn auf dem "Diskurs" nachträglich Kommentare einzelner Autor_innen wiederzufinden, denn die Kommentare werden in der "Diskurs"-Suchfunktion nicht berücksichtigt und bei Google nur schleppend erfasst. 

Dieser Blog präsentiert deshalb eine >>> (fast) vollständige Liste aller Kommentare auf dem "Intersex-Diskurs" (inkl. denjenigen, von denen der Deutsche Ethikrat nicht will, dass Sie sie lesen können).

Diese Liste wird bis zum Ende des "Diskurses" kontinuierlich aufdatiert, ebenso die seit Beginn gelistete Auswahl von aus unserer Sicht besonders relevanten oder bemerkenswerten Kommentare, Statements und Meldungen

Nachtrag 8.8.11: Inzwischen sind alle bekannten Kommentare in der Liste verlinkt sowie in der Statistik berücksichtigt 

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
   

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Monday 25 July 2011

Zensur im Ethikrat-Online-"Diskurs": 4 weitere Fälle dokumentiert (VI)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 25.7.11) (IV)
>>> Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

Menschenrechte auch für Zwitter!

Durch Recherchen dieses Blogs konnten inzwischen 4 weitere durch den Deutschen Ethikrat zensierte Kommentare von ETEKAR auf dem Online-"Diskurs" zu "Intersexualität" dokumentiert werden (Kommentare Nr. 176, 188, 189 u. 192). Alle haben sie gemeinsam, dass der Ethikrat dabei (wie schon bei anderen auch) perfiderweise sogar ETEKARs Autorenangabe gelöscht bzw. verfälschenderweise durch "Redaktion" ersetzt hatte.

Der Deutsche Ethikrat wäscht derweil seine Hände weiterhin in Unschuld, leugnet unbeirrbar die Zensur auf seinem Online-"Diskurs" und behauptet gegenüber ETEKAR gar noch unverfroren, es seien ja nur "einige Ihrer Kommentare" gelöscht worden.

Aus diesem Anlass ein wenig Statistik zum aktuellen Wissensstand dieses Blogs zur Zensur durch den Deutschen Ethikrat:

ETEKAR publizierte insgesamt 29 Kommentare. 2 davon waren lediglich administrativer Natur (Bitte um nachträgliche Änderungen), 1 war ein Einzeiler, dass sie die Zensur zurückweise.

Es bleiben also 26 inhaltliche Beiträge zum "Diskurs".

Davon wurden durch den Ethikrat 21 zensiert bzw. gelöscht.

Die entspricht einer Zensurrate von über 80%!

Mit je 1 Ausnahme wurden zudem gelöscht:
a) alle längeren Kommentare
b) alle Kommentare, auf die sich weitere Nutzer in eigenen Kommentaren (meist positiv) bezogen
c) alle Kommentare mit Literaturangaben zu Nazi-GenitalverstümmlerInnen 

Soviel zum Thema nur "einige" wenige Zensurfälle ...

Die willkürliche Auslegung durch den Ethikrat nicht nur gegenüber ETEKAR, was alles "gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen"  verstosse und was alles nicht (nämlich wörtlich dasselbe je nach Lust und Laune der Redaktion mehrmals ausdrücklich nicht und dann rückwirkend plötzlich doch), wurde bereits hier dokumentiert (--> Willkür). Ebenso, dass der Ethikrat ein sehr eigenartiges Verständnis von angeblich illegalen Äusserungen hat, die er leider zensieren müsse, dokumentiert hier (--> Tatbeweis).

Dass es laut Deutschem Ethikrat angeblich einen zensurwürdigen Verstoss gegen die Nutzungsbedingungen bzw. gar einen Straftatbestand darstelle (--> § 185 StGB ("Beleidigungen") sowie § 187 StGB ("Verleumdungen")), wenn ETEKAR als Betroffene von Genitalverstümmelungen im Kleinkindesalter Genitalabschneider als "medizynische[s] Gesocks" bezeichnet, während Nicht-Betroffene die Verstümmler auf dem "Diskurs" ungehindert u.a. als "KINDERSCHÄNDER" bezeichnen dürfen, illustriert einmal mehr die Voreingenommenheit des Deutschen Ethikrates gegenüber den Opfern.

Fortsetzung folgt ...

>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
 

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

Tuesday 12 July 2011

Freie Meinungsäusserung à la Deutscher Ethikrat: "Willigen Sie in folgende Verstümmelung ihrer Äusserung ein, oder ziehen Sie Ihre Meinung lieber gleich freiwillig ganz zurück?" (III)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR "Wir sind keine Kinder,
       auch wenn Sie uns so behandeln!" (II)

 
Von:
[Redaktion Ethikrat]
Gesendet: 08.07.2011 12:19:57
An: [ETEKAR]
Betreff: Ihre Kommentare von gestern | Online-Diskurs Intersexualität

wir haben drei Ihrer gestern abgegebenen Kommentare nun freigeschaltet. Bezüglich des letzten noch nicht freigeschalteten Kommentars kontaktieren wir Sie, um abzuklären, ob wir den Kommentar, wie unten aufgeführt, abgeändert veröffentlichen sollen oder, ob Sie die Veröffentlichung des Kommentars dann zurückziehen möchten. Leider können wir den Kommentar in seiner ursprünglichen Form nicht online stellen, weil nicht deutlich wird für wen Sie sprechen, wenn Sie von "wir" sprechen. Wenn Sie sich von der Redaktion wie ein Kind behandelt fühlen, sind wir durchaus bereit Ihren Kommentar in unten stehender Form auf die Diskurs-Seite zu stellen.
Wir bitten um Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion
 
Sehr geehrte Redation des Deutschen Ethikrates,
ich bin kein Kind, auch wenn Sie mich so behandeln!
 

«Am I a Body Fascist?» Seelenlos, 2006Meine 2 Cent:

Es gibt Dinge, die sind so unglaublich, dass sie nur real sein können. Und jedesmal, wenn du glaubst, niedriger ginge nun ganz bestimmt nicht mehr, wirst du wohl bald eines Besseren belehrt. Dies zumindest mein persönliches Fazit als bescheidener solidarischer Nicht-Zwitter betreffend dem aktuellen Stand im Ethikrat-Online-"Diskurs" über "Intersexualität".

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken ist bekanntlich weder ein erhebendes Thema noch sonst irgendwie belustigend – wie wohl jede_r bestätigen kann, der_dem sowas selber angetan wurde, oder der_die Überlebende persönlich kennt. Um sich damit fortgesetzt auseinanderzusetzen brauchen Überlebende schier übermenschliche Mengen an Mut und Kraft, die viele Nicht-Betroffene sich wohl gar nicht vorstellen können. Nur die wenigsten Betroffenen schaffen das mehrere Jahre, geschweige denn länger. Noch als solidarischer Nicht-Zwitter braucht mensch ziemlich Nerven, weil irgendwann tut es einfach zu sehr weh und mensch möchte eigentlich lieber nicht mehr länger hinschauen.

Überlebende Zwitter, die hinstehen und das ihnen angetane Unrecht den TäterInnen & Co. ins Gesicht schleudern und nicht davor zurückschrecken, dabei konkret zu werden und notfalls auch unbotmässig, gehören zu den tapfersten Menschen, die jemals über diese Erde wandelten.

Wer sich nicht vorstellen kann, warum, lese zum Beispiel Michel Reiters bahnbrechenden >>> Vortrag am Kongress der "european federation of sexology (efs)" vom 30.06.2000, Nellas Redebeiträge zur >>> 5. Jahresversammlung des "Netzwerk DSD/Intersexualität" vom 06.09.2008 oder >>> vor angehenden MedizinerInnen am 09.11.2010, oder die Lebensbeschreibungen von >>> Katrin Ann Kunze † oder >>> Christiane Völling

Eine der Tapfersten dieser Tapferen ist ETEKAR, wie sie sich im Ethikrat-Online-"Diskurs" nannte. >>> ETEKARs Kommentar zur Strafbarkeit der Genitalverstümmelungen und ihr >>> Kommentar über Nazi-Genitalabschneider gehören zumindest meiner bescheidenen Meinung nach zu den besten und relevantesten Statements während des ganzen öffentlichen Ethikrat-"Diskurses" überhaupt.

Dass ETEKAR immer noch die Kraft findet, hinzustehen und laut zu schreiben, was viele andere nur verschämt denken, nach all den Jahren, den Demütigungen, den Entwürdigungen, den Erniedrigungen und all den körperlichen und seelischen Folterqualen, die ihr angetan wurden nicht nur von gewissenlosen Medizynern in ihrer Kindheit und Jugend und später vom "Netzwerk Intersexualität/DSD", sondern auch von weniger tapferen Mit-Zwittern mit einer ungesunden Dosis Stockholm im Hirn in den sogenannten Selbsthilfegruppen und von ebensolchen Eltern mit zusätzlich offensichtlich nicht den besten aller Gewissen ebendort, kann ich nur bewundern.

Was nun die geistig, moralisch, menschlich und ethisch herausgeforderten Mietsklaven der so genannten "Redaktion des Deutschen Ethikrates" sich einbilden, wie sie mit ETEKAR herumspringen könnten und sie noch weiter erniedrigen, demütigen und entwürdigen, nur weil sie denken, sie hätten die Macht dazu und mit ETEKAR könnten sie's ja machen, ist sowas von feige und durchtränkt vom Privileg der unreflektierten Selbstverständlichkeit, nie um die Unversehrtheit der eigenen Lustorgane gefürchtet haben zu müssen, dass es eigentlich nur Hohn und Verachtung wert wäre.

Ausser, dass ich mir leider vorstellen kann, dass es ETEKAR, die unzweifelhaft schon mehr durchgemacht hat als die verlogene, feige und korrupte Ethikrat-Redaktion und ihre Medizyner-Leinenhalter zusammen, trotzdem auch heute immer noch genau gleich weh tut, von selbstgerechten SpeichelleckerInnen gedemütigt und erniedrigt zu werden, schlimmer noch, dass solche Misshandlung jedesmal die früheren Entwürdigungen und Erniedrigungen und Schmerzen wieder hochkommen lässt. Und dass ich mir weiter denken kann, dass auch die scheinheilige Ethikrat-Redaktion selbst nur zu genau weiss, was sie ETEKAR antun. Und es trotzdem nicht lassen, oder nicht lassen können, oder noch schlimmer.

Wir sind alle nur Menschen, aber eins weiss ich: ETEKAR ist mehr Mensch und ein besserer Mensch als alle, die sie je peinigten.

Fortsetzung folgt ...

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II) 
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV)   
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

Siehe auch:

- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 7 July 2011

"Als wären wir zur Strafe hier" - Buchrezension über Gewalt in einem Behindertenheim + "Runder Tisch Heimerziehung (RTH)" fest in TäterInnenhand

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

>>> Gelungene Rezension von Helmut Jacob über das Buch der HistorikerInnen Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler: "Als wären wir zur Strafe hier". Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung – der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren. Der Clou der Besprechung ist dabei, wie Helmut Jacob den belegten erschreckenden Tatbeständen die Rechtfertigungen und Beschönigungen aus dem "Geleitwort" von Prof. Dr. Dierk Starnitzke gegenüberstellt, seines Zeichens Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und somit quasi heutiger Rechtsnachfolger der seinerzeitigen TäterInnen.

Wer den aktuellen "Intersex"-Diskurs des Deutschen Ethikrates verfolgt, wird dadurch einige Aha-Erlebnisse haben und sich möglicherweise nicht zum ersten Mal fragen, warum eigentlich immer die TäterInnen in der Debatte die längeren Spiesse zugeteilt bekommen, warum stets die einen Bittsteller-, öhm, Opfergruppen gegen die anderen ausgespielt werden sollen und wozu das alles jedesmal sozusagen zwangsläufig führt ...

Dito bei einem ebenfalls >>> gelungenen Update von Helmut Jacob über die Bundestags-Anhörung "Heimerziehung" als Nachfolgeübung des "Runden Tisch Heimerziehung (RTH)", bei dem die TäterInnen & Kompagnons + NachfolgerInnen letztlich unter sich blieben und entgegen einem vorherigen Bundestagsbeschluss den Opfern jegliche finanzielle Entschädigung vorenthalten wollen. Ein Schelm, wer dabei z.B. an entsprechende aktuelle und frühere "JuristInnenexpertisen" zum Thema Entschädigungen beim Ethikrat denkt ...

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Wednesday 6 July 2011

Anja Gregor: Vortrag zum Thema Intersex-Bewegung, Jena Do 7.7.11 + Rezension zu Caroline Stern: "Intersexualität"

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>>> Nachtrag zur Ankündigung

Geschlecht: Zwangsoperiert

Anja Gregor, die aktuell ihre Doktorarbeit über "Intersexualität" schreibt, hält diesen Donnerstag um 20h im Café Wagner einen Vortrag mit folgender Ankündigung:

Bis heute werden vielen Eltern intersexueller Neugeborener medizinische Interventionen angeraten, um dem Kind einen "eindeutigen" Geschlechtskörper herzustellen. Trotz einer erstarkten Intersex-Bewegung, die sich deutlich gegen derartige Operationen im  Genitalbereich und die Entfernung der Keimdrüsen ausspricht, findet weiterhin die Feminisierung oder – seltener – Maskulinisierung intersexueller Kleinkinder statt. Welche Konsequenzen hat die Diagnose für die Intersexuellen? Und welche Art der Widerständigkeit hat sich seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum herausgebildet? 

Der Vortrag richtet sein Augenmerk insbesondere auf das politische Engagement medizinisch manipulierter Intersexueller. Die 20-jährige Geschichte des Widerstandes wird als Kampf um körperliche Selbstbestimmung rekapituliert und zentrale Forderungen der Intersex-Bewegung im Kontext der Menschenrechte dargestellt. Indem  Intersexualität als soziales, nicht medizinisch pathologisiertes Phänomen verstanden wird, stellt der Vortrag die Belange Intersexueller in den Mittelpunkt: Es geht explizit um die Handlungsebene der  Individuen und ihr Potential zur Modifikation gesellschaftlicher Normen, nicht um die Diskussionen um die Verunsicherung der zweigeschlechtlichen  Norm.

Auf querelles.net erschien zudem kürzlich von Anja Gregor eine >>> Rezension zu Caroline Stern: "Intersexualität. Geschichte, Medizin und psychosoziale Aspekte" (2004/2010)

Nachträglicher Kommentar zu Sprache und Inhalt des Ankündigungstextes: "Medizinische Interventionen" bzw. "medizinisch manipuliert" ist zwar schon besser als die in Gender-Kreisen sonst "üblichen" Ausdrücke wie z.B. "geschlechtsangleichende", "normierende" oder "geschlechtsbestätigende Eingriffe", m.E. aber immer noch zu nah an der TäterInnensprache dran: der Witz an diesen Eingriffen ist ja gerade, dass sie medizinisch NICHT notwendig sind! Für Menschen, die noch nicht genau über das Thema Bescheid wissen, können sie deshalb leicht das Gegenteil suggerieren ...

Warum also nicht klar z.B. von "medizinisch nicht notwendigen Interventionen" bzw. "medizinisch nicht notwendigen chiurgischen und hormonellen Eingriffen" reden, für die es zudem bis heute "keine Evidenz" gibt, und die von Betroffenen und FGM-ExpertInnen schon lange als "westliche Genitalverstümmelungen" angeklagt werden. Oder objektiv und neutral zumindest von "kosmetischen Genitaloperationen", die dazu noch "ohne Einwilligung der Betroffenen" erfolgen? Sprache ist wichtig!

Ob "maskulinisierende" kosmetische GenitalOPs wirklich "seltener" sind, ist eine Definitionsfrage, wobei die Medizyner natürlich (wie immer, wenn Kritik an den Verstümmelungen laut wird) aktuell die Definitionen im öffentlichen Diskurs jeweils stark einengen und z.B. "vermännlichende Hypospadiekorrekturen" nicht zu "Intersex-OPs" zählen – eben gerade, weil "Hypospadiekorrekturen" die mit Abstand häufigsten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern sind! (Unter sich klassifizieren die Medizyner "Hypospadiekorrekturen" hingegen klar als "DSD-Operationen", vgl. z.B. Vorträge von "EuroDSD"-Genitalabschneider Pierre Mouriquand).

Auch geht es m.W.n. den meisten Zwittern NICHT darum, "gesellschaftliche Normen modifizieren" zu wollen, sondern in erster Linie darum, endlich an bestehenden und für alle anderen selbstverständlichen Normen teilhaben zu können, z.B. dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen durchgesetzt wird.

Davon abgesehen aber nicht zuletzt ein Dankeschön dafür, dass der Schwerpunkt auf dem Kampf der Betroffenen gegen die kosmetischen Genitaloperationen liegen soll!

Siehe auch:
- Anja Gregor: "Es waren zwei Königskinder ..." - arranca! #43 + mehr (Selbst-)Kritisches gegen Zwittervereinnahmung
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Kurze Geschichte der Zwittervereinnahmung: Hirschfeld-Money-Butler
- Wie Dr. Magnus Hirschfeld einen Zwitter genitalverstümmelt, um mit dem Erlös das "Institut für Sexualwissenschaft" zu finanzieren
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002 (Georg Klauda)
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Genitalverstümmelungen an Zwittern als "Nebenwiderspruch" des Zweigeschlechtersystems? (Von der Frauenbewegung lernen 2)
- "Westliche Form der Genitalverstümmelung"
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Zwitter-Vereinnahmung im Zusammenhang mit Amnesty-Petition - Sündikat gibt Gegensteuer!
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität"  

Sunday 26 June 2011

"Wollt ihr denn keine Behandlung?" - Erpressung, Zwittertabu & Medizynermacht (III)

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Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "APE-AGPD 2010", Augsburg 5.11.

(Full Disclosure: Seelenlos ist verantwortlicher Redakteur dieses Blogs, Gründungsmitglied und Kampagnenleiter bei Zwischengeschlecht.org und ein mit einem Zwitter verbandelter "normaler" XY, also ein solidarischer Nicht-Zwitter.) 

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Ein wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung von gesellschaftlichem Zwittertabu und verinnerlichtem Schweigegebot der Betroffenen besteht darin, dass Betroffene und Eltern konstant und quasi reflexartig von Medizynern damit erpresst werden, es würden ihnen künftig eventuell notwendige echte Heilbehandlungen verweigert, sobald sie sich gegen medzinisch nicht notwendige Behandlungen sträuben oder gar öffentlich ihre Stimme dagegen erheben wollen.

Meiner Erfahrung nach können bzw. könnten so ziemlich alle Betroffenen von solchen impliziten oder expliziten Drohungen berichten. Kommt dazu, dass manche Betroffenen lebenslang auf medizinisch notwendige hormonelle Behandlung angewiesen sind, z.B. bei Cortisolmangel (AGS/CAH) oder nach Kastrationen.

Ein von Nella öffentlich dokumentiertes Beispiel anlässlich der 5. Jahresversammlung des "Netzwerk DSD/Intersexualität" vom 06.08.2008 in Kiel --> Programmpunkt 2 "Vorstellung und Diskussion der Selbsthilfeinitiativen zur gesundheitlichen Versorgung der IS-Betroffenen":

Claudia Kreuzer [hielt] ein kurzes Referat zu den Folgen der Fehlbehandlungen [d.h. "Substitution" mit Östrogenen nach Kastration bei AIS, obwohl Testosteron produzierende Hoden entfernt wurden]. [...] [Worauf] die Endokrinologin PD Dr. med. Dagmar l'Allemand-Jander auf Claudias Ausführungen nichts Gescheiteres zu tun hat, als Intersexualität mit anderen chronischen Krankheiten zu vergleichen, die doch auch lebenslanger Behandlung bedürfen.

Auf Claudias Aufforderung, doch bitte zu erklären, was mit einem gonadektomierten XY-Zwitter geschieht, wenn er in der Pubertät mit Östrogenen 'therapiert' wird, weiss Dr. l'Allemand nichts zu antworten, ausser ein schnippisches: "Wollt ihr denn keine Behandlung?"

Ich weiss von vielen Betroffenen und Eltern, dass solche (re)traumatisierende Drohungen auch in "Behandlungsgesprächen" permanent fallen. Die Auswirkungen auf die Adressaten kann sich wohl jedeR, der/die noch einen Funken von Mitgefühl sein/ihr eigen nennt, zumindest ansatzweise selber vorstellen.

Da manche Formen von "Intersexualität" und "atypischen Genitalien" genetisch bedingt verwandtschaftlich gehäuft auftreten, erstrecken sich Geheimhaltungsdruck und Drohungen durch die Medizyner oft über mehrere Generationen und quer über ganze Familienverbände. Hier kommen komplexe Verdrängungsdynamiken und Maulkorbkaskaden zum spielen, wie sie auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung oder im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt an Kindern gehäuft zu Tage treten. Dort werden solche ja nunmehr langsam auch öffentlich bekannt und diskutiert. Jedoch leider bisher kaum im Zusammenhang mit Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken und "Intersexualität". Obwohl Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen seit Jahr und Tag diese und andere Parallelen unterstreichen.

Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."
George Santayana (1863 – 1952)

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 

Siehe auch:
- Trauma, Opferrolle, Befreiung
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich" - AGGPG 1998
- Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik", 23.6.10
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist."
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday 24 June 2011

"Mit welchem Recht stellt sich die Medizin über die Gesetze dieses Landes?" - Christiane Völling zum Ethikrat-Diskurs

UK Aachen, 30.05.2011: Christiane Völling protestiert gegen "Ethik"-Vortrag
von Genitalabschneiderin Susanne Krege
(im Bild ganz rechts)

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Christiane Völling konnte leider nicht zur Ethikrat-Anhörung vom 8.6.11 nach Berlin kommen. Was sie zu sagen gehabt hätte, lässt sich jedoch nachträglich via Diskurs-Blog nachlesen, wo ihre >>> Statements als PDF erhältlich sind. Einige Ausschnitte:

Intersexualität stellt keine Krankheit dar im Sinne der Definition von Krankheit.

Krankheit  bedeutet „Abwesenheit von Gesundheit“.

Eingriffe am Harn ableitenden System und den Genitalien sind nur dann notwendig wenn ein Verschluss dieses Systems vorliegt und somit das Kind sich in Lebensgefahr befindet.

Durch Intersexualität ensteht kein akutes Organversagen, so dass hier  kein medizinischer Notfall vorliegt, das Kind sich nicht in akuter Lebensgefahr befindet. Demzufolge sind chirurgische Operationen am intersexuellen Genitale von Säuglingen und Kleinkindern überflüssig, da sie rein kosmetischer Natur sind und die Geschlechtsidentität und Wünsche des intersexuellen Kindes nicht berücksichtigt. Die Medizin sagt selbst, dass sie nicht vorhersehen kann, als was  der spätere Erwachsene/der/die Jugendliche sich fühlt. Warum operiert sie dann überhaupt? Wer oder was soll durch diese irreversiblen Eingriffe dann „geheilt“ werden? Das betroffene Kind kann es wohl nicht sein. Zudem stellen diese angeblich „rein kosmetischen“ Operationen einen eklatanten Verstoß gegen die Grund- und Kinderrechte dieses Landes dar. Mit welchem Recht stellt sich die Medizin über die Gesetze dieses Landes?

[...] Des Weiteren gesteht die Medizin ein, dass es keine Langzeitstudien gibt über die Erfolge und Misserfolge dieser Operationen, auch auf mögliche Langzeitkomplikationen und Langzeitschäden, z.B. chron. Harnwegsinfekte, Stenosen, Sensibilitätsstörungen, wiederholte notwendige Eingriffe am Genitale geht sie kaum ein. Auch weitere Behandlungsmöglichkeiten und weitere Vorsorgeuntersuchungen ohne Operationen werden mit den Eltern und den betroffenen Kindern unzureichend besprochen. Zu einer vollständigen korrekten Aufklärung inklusive aller Langzeitschäden durch z.B. durchgeführte Kastrationen, Folgeoperationen ist die Medizin juristisch verpflichtet.

Medizin und Psychologie sind juristisch in die Pflicht zu nehmen, Eltern korrekt und vollständig über die Intersexualität ihres Kindes aufzuklären,ohne daraus einen sofortigen „medizinischen“ oder „sozialen“ Notfall zu konstruieren, denn ihr Kind ist genauso gesund wie Junge oder Mädchen. Intersexuelle Kinder haben das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Unversehrtheit ihres Körpers. [...]

Die Lebensqualität intersexueller Menschen ist durch die inkorrekte Aufklärung, Geheimhaltungspolitik der Medizin und durch die nicht eingewilligten und zum großen Teil nicht notwendigen operativen Eingriffe (Zwangskastration, Verlust der Sensibilität ihrer noch vorhandenen Genitalien, Komplikationen) stark eingeschränkt, in vielen Fällen auch zerstört. Dies geht aus den Studien des Netzwerkes und der Hamburger Forschergruppe für Intersexualität eindeutig hervor. [...]

>>> Ethikrat-Statements von Christiane Völling als PDF
>>>
Christiane Völling: Zur Frage der Entschädigung (5.7.11) 

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    >>> Offener Brief an das "Forum Biomedizin und Ethik" Aachen

>>> Christiane Völling: Die Biographie einer Überlebenden
(Buchbesprechung von Daniela "Nella" Truffer)

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- Sieg für Christiane Völling!!!
- Zwitterprozess: 100'000 Euro Schmerzensgeld für Zwangskastration!
- Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten 
- "Tabu Intersexualität" - Dok. u.a. mit Christiane Völling
- Die Bielefelderin Britta Dombrowe über "Tabu Intersexualität"
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info

Thursday 9 June 2011

Öffentliche "Intersex"-Anhörung des Deutschen Ethikrates: Statements + Online-Diskurs + Audioprotokolle + mehr

>>> Updates folgen ... 


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>>> Ethikrat Online-Diskurs bis 07.08.11     >>> "Um was es wirklich geht"
>>>
Liste aller Kommentare auf dem Online-"Diskurs" + Statistik 
>>> Bisher offengelegte "Experten"-Statements  
>>> Betroffenenbefragung bis 19.6.11  
>>> Öffentliche Anhörung 8.6.11: Programm + Audioprotokoll   >>> Textprotokoll (PDF)
>>>
Statement von Nella 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement von Nella 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"
>>>
Ethikrat-Anhörung: Radio Vatikan macht Stimmung gegen Zwitter (8.6.11)  
>>> Pressemitteilung Deutscher Ethikrat vom 10.6.11   
>>> 1. Einschätzung des Deutschen Ethikrates vom 15.6.11   >>> Kommentar von Nella
>>> ETEKAR über Strafbarkeit der Verstümmelungen   >>> Kommentar von Nella 
>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement von Daniela "Nella" Truffer 
>>> Thread zur aktuellen Ethikrat-Anhörung auf dem Hermaphroditforum  
>>> ETEKAR über medizynische Auslöschung und die Anonymität der TäterInnen (22.6.) (I)
>>> Christiane Völling: Statements zur Anhörung  
>>> Nazi-Genitalabschneider: ETEKAR nennt Namen und Kliniken (II) (24.6.11)  
>>> "Grausam wäre es, nicht zu operieren" - Nella zu Tätersprache im Ethikrat-Diskurs
>>> "Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?" (30.6.11)  
>>> Operiertes Kind als Idealfall? - Nella zu Vereinnahmung im Ethikrat-Diskurs (I) 
>>> Michel Reiter: Welche Experten wurden angefragt? (4.7.11)  >>> Nachfrage (2.8.11)
>>> ETEKAR über gleiche Rechte für Zwitter wie für alle anderen auch (5.7.11)  
>>> Operiertes Kind als Bsp. f. "tolerable Erziehung?" - Nella zu Vereinnahmung (II) 
>>> C.LARA über "wissenschaftliche Standards" ohne Evidenz und Menschenrechte (5.7.11) 
>>> Christiane Völling: "Zur Frage der Entschädigung" (5.7.11)
>>>
Lucie Veith über Schutzpflicht d. Staates bei "Standards" ohne Evidenz u. Einwilligung  
>>>
ETEKAR über 3 Gruppen unter den Opfern (5.7.11) 
>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs - Nella (I) (9.7.11)
>>> Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR + UPDATES (II) (10./11.7.11) 
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>> Ethikrat-Redaktion "als neutraler Vermittler disqualifiziert" - Lucie Veith (12.7.11) 
>>> Genitalverstümmelung: "kein Handwerk für schwache Nerven" - Dr. J. Woweries (12.7.)
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 25.7.11) (IV)
>>> Sichtbarkeit: zuerst muss stille Scham in Wut umschlagen können - Simon Zobel (15.7.)
>>> "Betroffene wegdrängen statt ihnen zuhören ist entscheidender Fehler" - ab (16.7.11) 
>>> "Löschen von verweifelten Postings wird Wahrheit nicht aufhalten" - Lucie Veith (16.7.) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Geheimes Hinterzimmergeklüngel mit 40 Ärzten? - Lucie Veith (19.7.)  >>> 2. Anfrage
>>> Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (20.7.) (V)
>>> "Privilegien für Täter, Zensur für Opfer" Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 
>>> Typisch vereinnahmender und verharmlosender Bericht in der taz (22.7.11)   
>>>
Michel Reiter: Verschiedene Gruppen und Maslowsche Bedürfnispyramide (23.7.11) 
>>> Lockerungen beim Geschlechtseintrag stoppen Verstümmelungen NICHT - Simon Zobel
>>> Zensur im Ethikrat-Online-"Diskurs": 4 weitere Fälle dokumentiert (VI) (25.7.11) 
>>> "Diskurs von Transsexuellen gesprengt" - Lucie Veith (26.7.11)  
>>> Ins A. Kromminga über Ignoranz und Überheblichkeit der VerstümmlerInnen (27.7.11)
>>> ETEKAR über Genitalverstümmelungen und Personenstandsdiskussionen als Ausrede  
>>> Opfer von Verstümmler Prof. Dr. Martin Westenfelder packt aus – hope less (28.7.11) 
>>> Der Partner einer "kosmetisch kastrierten" XY-Frau sagt wie's ist - Johannes (28.7.11) 
>>> Medizinisch nicht notwendige "Hypospadie-Op" als Verstümmelung – kwhal (28.7.11)
>>> Dr. med. Jörg Woweries: "Die Befreiung aus den medizinischen Denksystemen"  
>>> Solidarität mit ETEKAR und Daniela Truffer - seelenlos (2.8.11)  
>>> "Mal regelkonform, mal wiederholter Verstoss, wie's grad passt" - Nella über Willkür  

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)

Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Flugblatt Zwischengeschlecht.org (PDF, 3.3 MB) 
Inkl. den Statements zur Anhörung (ohne Fussnoten)
WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

Jetzt auf der Homepage des Deutschen Ethikrates:
>>> Programm und Audioprotokolle der öffentlichen Anhörung (letztere ganz zu unterst)

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
Genitalverstümmelung im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Saturday 4 June 2011

"Politische Nebelkerzen" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus".

Nella machte mich auf folgendes Video aufmerksam (zum abspielen reinklicken):

Nella fiel (woher wohl?) sogleich auf, dass die beschwichtigende Ministerin darin wohl nur so daherredet und wohl selbst nicht glaubt, was sie da für Ausreden verzapft.

Ebenfalls auf netzwerkB.org hat es einen eindrücklichen Bericht der im Video portraitierten Liza Stein über die Aktion unter dem vielsagenden Titel >>> "Noch so eine Tagung ohne uns". Nicht nur der folgende Ausschnitt dürfte dem einen oder anderen "Kampfzwitter" ebenfalls nicht ganz unbekannt vorkommen:

In Schwerin im Justizgebäude angekommen… bekam ich sichtlich des großen Gebäudes weiche Knie. Für weiche Knie war keine Zeit und wie ich nun mal bin sagte ich laut “ich will nach Hause”. Laut gesagt, aber im Winde verhallt und ich wollte ja nicht wirklich nach Hause… ich wollte nur dass meine Beine aufhörten unaufhörlich zu wackeln.

An dieser Stelle von diesem Blog einmal mehr ein grosses "Alle Achtung!" an all die unermüdlichen AktivistInnen um netzwerkB. Und nachfolgend ein weiteres gelungenes Beispiel, dass sich einmischen und sich-nicht mundtot-machen-lassen sich lohnt (um mehr über die betreffende Aktion zu lesen reinklicken):

 
Nellas seinerzeitiger spontaner Kommentar zum Bild: "Die sind auch nur so wenige!" Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass es von klein auf Traumatisierten besonders schwerfällt, öffentlich hinzustehen und das an einem begangene Unrecht unübersehbar und unmissverständlich einzuklagen. Trotzdem ist und bleibt es im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. Ein weiterer gelungener Bericht auf netzwerkB.org zur selben Demo trägt passenderweise den Titel >>> "Unbequeme Betroffene".

Dass unbequem sein nicht nur (Selbst-)Überwindung braucht, sondern auch das Risiko bergen kann, damit plötzlich seinerseits von Seiten der "Mächtigen" (und derer, die sich dafür halten) möglicherweise nicht unbeträchtlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt zu werden, die auf Überlebende zudem potentiell retraumatisierend wirken können, wurde uns von Zwischengeschlecht.org spätestens bei der Aktion in Heidelberg klar, als ein solcher "Möchtegern-Mächtiger" uns zunächst (leer) mit der Polizei drohte und zuletzt vor Ort ziemlich ausfällig wurde. Einmal mehr eine Erfahrung, welche die AktivistInnen um netzwerkB und SNAP auch hatten machen müssen, bezeichnenderweise bei einer Aktion im Vatikan (für 2 Artikel dazu in die beiden Bilder klicken):


Dass Norbert Denef und seine tapferen netzwerkB-MitstreiterInnen sich trotzdem nicht unterkriegen lassen, sondern weiterhin unbequem und "unverschämte Opfer" bleiben, kann ihnen gar nicht hoch genug angerechnet werden!

Und: Wohl kaum zufällig findet sich auf netzwerkB.org auch ein interessanter Post >>> "Gewaltfreie direkte Aktion" ...

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"

Friday 3 June 2011

Anja Gregor: "Es waren zwei Königskinder ..." - arranca! #43 + mehr (Selbst-)Kritisches gegen Zwittervereinnahmung

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Noch sind (selbst-)kritische und nicht-vereinnahmende, sondern mit der Zwitterbewegung konkret solidarische Äusserungen, Publikationen und Aktionen von LGBTQ-AktivistInnen leider klar die Ausnahme und immer noch nicht die Regel. Trotzdem kommt nun erfreulicherweise in den letzten ein, zwei Jahren da und dort langsam etwas in Bewegung.

Ein weiteres Beispiel dafür ist ein in der >>> arranca! #43 erschienener >>> Artikel von Anja Gregor: "Es waren zwei Königskinder ..." (PDF). (Der Artikel wird ab ca. Sommer auf der arranca-Homepage online sein.) Anja Gregor doktoriert aktuell an der Unversität Jena ebenfalls zum Thema "Intersexualität".

Untenstehend einige zentrale Zitate aus dem Artikel, gefolgt von einigen kritischen Anmerkungen plus Hinweisen auf aktuelle weitere positive Entwicklungen in Leipzig, nämlich die explizit nicht-vereinnahmende Behandlung des Themas durch das heute anlaufende "Paranoid Paradise Queer Film Festival" sowie einen kürzlichen Vortrag von Anja Gregor am Ladyfest Leipzig.

Zitate aus "Es waren zwei Königskinder":

[...] Für ‚Intersexuelle’ steht damit das Recht auf körperliche Unversehrtheit an erster Stelle [...]

‚Intersexualität’ als politisches Moment steht damit zunächst für die Auseinandersetzung mit der Verhinderung von Operationen im Genitalbereich, die die Betroffenen als Verstümmelung ihrer gesunden Körper ansehen. Weiter gedacht steht er damit für die Aufklärung von Eltern ‚intersexueller’ Kinder und Mediziner_innen sowie die Krisenintervention bei Betroffenen. [...]

Es muss also zunächst die Existenzberechtigung ‚intersexueller’ Körper gesichert werden. ‚Intersex’ Politiken beinhalten nicht zwingend auch gleich die Auseinandersetzung mit der Kritik des kulturellen Systems der Zweigeschlechtlichkeit im Allgemeinen. Und damit wären wir bei den Reibungspunkten mit queer Aktivist_innen.

[...] Selten wird dagegen in queeren Texten auf die Forderungen von ‚intersex’ eingegangen. ‚Intersexuellen’ geht es aber zunächst einmal unabhängig von ihrem Verständnis als geschlechtliche Wesen, also unabhängig davon, ob sie sich als geschlechtlich ein- oder mehrdeutig oder als nicht verortbar verstehen, um die Beendigung der Gewalt gegen ihre Körper und ein Aufwachsen ohne traumatisierende Gewalterfahrungen. So kann beim Lesen solcher queer Texte schon einmal der Eindruck entstehen, ‚Intersexuelle’ werden lediglich als Beweis der gewaltvolle Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit angebracht aber nicht als Mitstreiter_innen mit eigenen Forderungen gesehen. [...]

Die Sichtbarmachung traumatisierender medizinischer Behandlungspraxen gegen ‚intersexuelle’ Menschen und die konkrete Forderung der Beendigung genitaler Operationen im Kleinkind- und Jugendalter muss selbstverständlichen Eingang in queer Politiken finden, und zwar unabhängig vom Gender-Verständnis der Betroffenen. [...]

Sich die eigene privilegierte Position bewusst machen und das entsprechende Handeln folgen lassen, das Bewusstsein von der Normierungspraxis der Medizin an ‚intersexuellen’ Körpern und ihren intrinsischen Begründungslogiken, die Suche nach einer gemeinsamen Sprache aufgrund von ähnlichen (jedoch nicht ohne weiteres vergleichbaren) Erfahrungen, indem von Seiten der Queers aktiv der Dialog mit Instanzen des ‚Intersex’-Aktivismus gesucht wird, können Schritte einer geschwisterlichen Zusammenarbeit sein.

Meine 2 Cent: Ein weiterer Text, der die 2002 durch Emi Koyama und Lisa Weasel formulierten Kritikpunkte an Vereinnahmung/Objektivierung der realen Zwitter u.a. durch Gender Studies aufnimmt und weiterentwickelt und daraus folgernd das Recht auf körperliche Unversehrtheit korrekt an erste Stelle stellt (siehe Zitate oben). Dafür ein herzliches Danke!

Nach wie vor liegen jedoch einige Probleme in Details: Nach wie vor dominieren klassische Queer-Anliegen à la "Verunsicherung hegemonialer Geschlechtskonzepte" bzw. Kampf gegen die "ausschließende Zweigeschlechtlichkeit des Grundgesetzes" z.T. unterschwellig den Text, wenn z.B. auf konkrete Grund- und Gesetzesparagraphen einmal mehr nur im Zusammenhang mit Geschlecht und Personenstandsgesetz verwiesen wird, während z.B. GG Art. 2.2 (Recht auf körperliche Unversehrtheit) nicht konkret aufgeführt wird, ebensowenig wie relevante Paragraphen betreffend Körperverletzung etc. Auch das Grundproblem der Nicht-Einklagbarkeit der Verstümmelungen an Kleinkindern aufgrund der Verjährungsfristen wird nicht angesprochen, ebenso weder in diesem Zusammenhang noch sonstwo die Gemeinsamkeiten der Leiden und Kämpfe der verstümmelten Zwitter z.B. mit den Überlebenden von sexualisierter Gewalt an Kindern.

Noch ganz unterhalb des Wahrnehmungsradars bleiben leider die konkreten politischen Probleme einer Zusammenarbeit im Namen von Queer & LGBT, nämlich dass der Kampf gegen die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken so in der politischen Wahrnehmung schnell mal als "marginales Schwulenanliegen" schubladisiert und abgetan werden, und so konservative/christliche PolitikerInnen (die aktuell in den meisten Parlamenten nach wie vor die Mehrheit stellen) von vornherein auf Ablehnung schalten, noch bevor die Zwitter-Aktivist_innen überhaupt je die Gelegenheit erhalten, zu erklären, worum es überhaupt geht – während umgekehrt bekanntlich auch konservative/christliche PolitikerInnen das Unrecht der Verstümmelungen erkennen und auch entsprechend politisch Stellung beziehen, wenn entsprechende Anliegen/Vorstösse eben NICHT in/aus der LGBTQ-Terminologie/Ecke kommen ...

Deshalb ist es gerade im politischen Kampf (und auch bei Demos) wichtig, dass fortschrittliche LGBTQs sich konkret mit den Zwitterforderungen solidarisieren (bekanntlich gehen nur wenig traumatisierte Zwangsoperierte auf die Strasse), aber eben ausdrücklich als Solidarische und NICHT als "Queer-Aktivisten", bzw. im politische Kampf entsprechend Zurückhaltung üben und entsprechenden Wert darauf legen, dass auch christliche/konservative PolitikerInnen zum Zug kommen – nur so wird die notwendige politische Mehrheit zur Beendigung der Verstümmelungen möglich sein ...

Fazit: Ein wichtiger Anfang ist gemacht, doch der Weg ist noch nicht zu Ende ...

Leipzig 30.6.:
"El último verano de la Boyita" @ "Paranoid Paradise Queer Film Festival"

Am Do 30. Juni läuft in Leipzig der bisher neueste Zwitterfilm aus Argentinien (Regie: Julia Solomonoff). Auf der >>> Homepage des Festivals hat dazu ein Statement, von dem sich noch so manche andere ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnten – hört, hört:

Das paranoid:paradise-Team möchte an dieser Stelle seine Solidarität mit den Forderungen nationaler und internationaler Intersex-Verbände und -Aktivist_innen und seine reflektierte und ambitionierte Position bekunden. „Intersex“ wird von uns in diesem Kontext ganz klar NICHT innerhalb von (selbstgewählten) queeren Identitäts- und Lebensentwürfen angesiedelt. Es soll nicht als Abstraktum, Metapher, Mystifizierung oder Idealvorstellung einer Irritation der gesellschaftlichen Zweigeschlechterordnung instrumentalisiert werden, denn die individuelle Lebensrealität intergeschlechtlicher Menschen ist vielmals von erniedrigenden und schmerzlichen, körperlich- materiellen Erfahrungen geprägt und sollte daher nicht in einer (queeren) Homogenität untergehen/vergessen werden. Intersexualität ist vor allem ein medizinisches und gesellschaftliches "Problem" und uneindeutige Genitalien ein ästhetisches "Tabu". Auch wir fordern: "Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!" und rufen alle Interessierten auf, sich z.B. bei folgenden Organisationen über die gegenwärtige Behandlungspraxis an intersexuellen Menschen und deren Konsequenzen kritisch zu informieren.

Anja Gregor @ Ladyfest Leipzig: "Medizinische Macht und Intersexualität - gegenwärtige Praxis und Wege der Emanzipation"

Vortrag vom 19.5.11, mehr dazu hier.

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Zwitter und Patriarchat aus feministischer Perspektive 
"Westliche Form der Genitalverstümmelung"
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ
- Wie Dr. Magnus Hirschfeld einen Zwitter zwangsoperiert, um mit dem Erlös das "Institut für Sexualwissenschaft" zu finanzieren
- LSVD und Zwittersolidarität: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück?
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität"

Thursday 26 May 2011

Ethikrat: Betroffenenbefragung verlängert bis 19.6., Anmeldeformular für Öffentliche Anhörung vom 8.6. online

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Wie der Ethikrat mitteilt, wurde die Betroffenenbefragung verlängert bis 19. Juni. (Haben sich wohl immer noch keine zufriedene Verstümmelte gemeldet?) >>> Infos zur Befragung hier!  

Ausserdem wurde nun für die Öffentliche Anhörung vom 8.6.11 in Berlin von 10-17h das >>> Online-Anmeldeformular aufgeschaltet.

Wir sehn uns!  

Tuesday 10 May 2011

SP Schweiz: Engagement gegen Genitalverstümmelungen im Kinderspital

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Stellungnahme von Zwischengeschlecht.org vom 10.05.2011

STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!Nach Differenzen um eine von Zwischengeschlecht.org initiierte Interpellation im Nationalrat betreffend der Finanzierung von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern durch die Invalidenversicherung IV kam es am 14.04.2011 zu einer positiv verlaufenen Aussprache mit den SP-Nationalrätinnen Jacqueline Fehr und Margret Kiener Nellen sowie mit dem SP-Parteisekretär Carsten Schmidt.

Daniela "Nella" Truffer als Präsidentin von Zwischengeschlecht.org und Seelenlos als Kampagnenverantwortlicher legten dar, inwiefern aus ihrer Sicht die politische Zusammenarbeit für die schnellstmögliche Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderspitälern nicht gut funktioniert hat. Sie formulierten als Wunsch der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org an die SP Schweiz:

[...] dass sie unser Anliegen der schnellstmöglichen Beendigung der Verstümmelungen auf den richtigen Ebenen/in den adäquaten Ressorts politisch wirksam angeht und mit einbezieht, nämlich:

- Menschenrechte (insbesondere Recht auf körperliche Unversehrtheit)

- Kinderrechte (insbesondere Schutz vor grausamer Behandlung/Verstümmelung/Folter)

- Verbot von Genitalverstümmelungen auch in den Kinderspitälern

- Wirksame Massnahmen gegen unkontrollierte medizinische Humanexperimente

(Und NICHT unter Rubriken/Diskursen wie "Sexualität", "sexuelle Orientierung", "Geschlechtsidentität", inkl. austauschbarem Gebrauch von "Intersexualität" in einer Reihe mit Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität usw.)

Entsprechender Einbezug in aktuelle politische Debatten, z.B.:

- Verbot der (weiblichen) Genitalverstümmelung

- Humanforschungsgesetz / Regulierung systematischer experimenteller "Heilversuche"

Die SP-VertreterInnen bedauern, dass die SP-"Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität", welche innerhalb der SP Schweiz bisher für das Dossier "Intersexualität" zuständig war, bei der inhaltlichen Aufarbeitung des Themenfeldes und der Vorbereitung des politischen Vorstosses ausgerechnet Zwischengeschlecht.org nie konsultierte. Die vorliegende Interpellation sei jedoch nicht böswillig erfolgt, auch nicht die Aktivitäten der SP-"Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität". Die Tonalität der Kritik auf dem Weblog Zwischengeschlecht.info sei deshalb als störend empfunden worden.

Parteisekretär Carsten Schmidt schlug vor, "Intersexualität" bei der "Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität" herauszunehmen und künftig bei Menschenrechten sowie Gesundheitspolitik unterzubringen. Jacqueline Fehr sicherte weiter zu, nach erfolgter Antwort des Bundesrates in Absprache mit Zwischengeschlecht.org umgehend weitere politische Schritte zu veranlassen.

Zwischengeschlecht.org ist sehr erfreut und erleichtert über diese konstruktive Lösung.

Der Weblog Zwischengeschlecht.info nimmt den pauschalen Vorwurf der Vereinnahmung per sofort zurück, der entsprechende Blogpost und die Titel der dazugehörigen Pages wurden entsprechend überarbeitet.

>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Schweiz: Invalidenversicherung (IV) bezahlt Genitalverstümmelungen
- Kosmetische Genitaloperationen auf der IV-"Liste der Geburtsgebrechen"   

Monday 2 May 2011

Ethikrat: Betroffenenbefragung "Intersexuelle" in Deutschland

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>>> Newsletter Zwischengeschlecht.org vom 29.4.11

>>> Befragung verlängert bis 19.6.
>>> Nachträge 3.5.11 und 4.5.11

Der Ethikrat führt aktuell eine Befragung von in Deutschland lebenden "Intersexuellen" durch. Das Ausfüllen des Fragebogens ist sowohl online möglich wie auch per Brief.

Zwischengeschlecht.org fordert ALLE von kosmetischen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken Betroffenen oder davon Bedrohten auf, an der Umfrage teilzunehmen.

Und sich dabei insbesondere und ausdrücklich für die Forderung nach schnellstmöglicher Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen u.a. durch ein gesetzliches Verbot einzusetzen, die im Fragebogen leider ziemlich an den Rand gedrängt wurde.

Damit die täglichen Verstümmelungen in den Kinderkliniken endlich aufhören – und zwar ALLE und nicht nur bei ausgewählten "Intersex"-Diagnosen!

>>> Link zum Online-Fragebogen

Der Ethikrat führt zudem am 8. Juni eine öffentliche ExpertInnenanhörung durch, mehr Infos dazu im Newsletter vom 29.4.

Nachtrag 3.5.11: Der Ethikrat hat inzwischen auf seiner Homepage das "mehrstufige Diskurs-Verfahren Intersexualität" >>> offiziell angekündigt. Entgegen dem Rückzieher nach dem letztjährigen Ethikforum "vorerst kein Handlungsbedarf" erarbeite der Ethikrat inzwischen "im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme zur Situation von Menschen mit Intersexualität in Deutschland". Ziel u.a. der Betroffenenbefragung sei es, "eine solide empirische Basis für seine Stellungnahme schaffen".

Wie durch die "anonyme" Befragung, an der sich offenbar jedeR als Zwitter ausgeben und irgend etwas angeben kann, "eine solide empirische Basis" gewährleistet werden soll, wird sich zeigen. Ebenso, ob bereits vorhandene empirische Erkenntnisse z.B. aus den BMBF-Studien (die von den Medizynern selber bekanntlich seit längerem frisiert werden) vollumfänglich oder nur selektiv einfliessen. Sowie, welche "ExpertInnen" an der kommenden Anhörung zum Zuge kommen werden ...

Nachtrag 4.5.11: Von OII Deutschland (Internationalen Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen IVIM) gibt es eine >>> kritische Stellungnahme zur Umfrage. Von Intersexuelle Menschen e.V. wurde verlautet, der Verein stünde schon sehr lange in gutem Kontakt mit dem Ethikrat und hätte bei der Entwicklung des Fragebogens mitgewirkt.

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Tuesday 19 April 2011

Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011": Bilder der 2. Mahnwache

>>> Lübeck 20.-22.5.11: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "3rd EuroDSD"

"Hier drin tagen GenitalverstümmlerInnen!" Eingang zur "DGE 2011", Hamburg 2.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

Bei Postkartenwetter bauten wir am Samstagmorgen die Transparente und Schilder auf zur mittlerweile 3. Friedlichen Protestaktion gegen das Genitalabschneider-Jahrestreffen der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" sowie der "Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)" (wobei letztere mit den Verstümmelungen angeblich nichts am Hut haben will, aber scheints wegen Kompetenzproblemen auch nicht konkret Stellung dazu beziehen könne). Unterstützt wurden wir erneut durch eine noch zahlreicher erschienene, lokale Soli-Delegation. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Konkreter Anlass für die heutige Mahnwache war der "DGE 2011"-Programmpunkt "Meet the Expert: Adrenogenitales Syndrom [CAH/AGS]". Dabei propagierte die "EuroDSD"-"Expertin" Dr. Nicole Reisch (Klinikum Universität München / School of Clinical & Experimental Medicine, Birmingham) dem Vernehmen nach erwartungsgemäss die üblichen medizinisch nicht notwendigen, chirurgischen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kleinkindern, getreu der von der DGE mitverantworteten AMWF-Verstümmlerleitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom"

"In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt."

Allerdings klappte das mit dem Anpreisen von Genitalverstümmelungen dann doch nicht ganz so ungestört, wie es Dr. Nicole Reisch und ihre GenitalabschneiderkomplizInnen wohl gern gehabt hätten ...

An der bewährten Zwitter-Flugblatt-Brigade kam nämlich auch diesmal keinE KongressbesucherIn unbehelligt vorbei, weder auf dem Hin- noch später auf dem Nachhauseweg. Freundlich, aber bestimmt wurden sie allesamt einmal mehr auf das menschenrechtswidrige Treiben im Congress Centrum Hamburg aufmerksam gemacht. 

Da parallel zu den "Meet the Expert Sessions" auch noch diverse PatientInnenveranstaltungen auf dem Programm standen, gab es unter den BesucherInnen auch viele Nicht-MedizinerInnen, die wie noch so viele andere MitbürgerInnen auch noch gar nicht wussten, was in den hiesigen Kinderkliniken vor sich geht.

Die Flugblätter (>>> Download PDF, 168KB) gingen weg wie warme Semmeln, zwischendurch mussten wir gar zusätzliche 150 nachdrucken.

Auch ergaben sich beim Verteilen zahlreiche interessante und positive Gespräche mit BesucherInnen. Viele reagierten betroffen und empört über die Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre, solidarisierten sich und kündigten gar an, von sich selber für weitere Aufklärung über diese Praktiken zu sorgen.

Erneut taten auch an den Verstümmelungen nicht direkt mitbeteiligte MedizinerInnen ebenfalls ihre Unterstützung für unser Anliegen kund.

Diejenigen der TäterInnen selber, die sich überhaupt auf Gespräche einliessen, sagten auffällig oft dasselbe, bevor sie rasch weitereilten:

"Wir machen es uns bestimmt nicht leicht!"

Nun ja, für die Verstümmelten, die später ein Leben lang an den Folgen leiden, bestimmt beruhigend zu wissen ...

Mal abgesehen davon, dass "Unbedingt zwangsoperieren, so schnell wie möglich, zack-zack!", wie es nicht nur die DGE-Verstümmlerleitlinie 027/047 nach wie vor propagiert, auch nicht gerade besonders differenziert und wohlabwägend daherkommt.

Dass die "herausforderungssüchtigen" GenitalabschneiderInnen auch schlicht endlich damit aufhören könnten, täglich weitere wehrlose Kleinkinder irreversibel zu verstümmeln, ist ihnen wohl definitiv zu unkompliziert. Wo sich doch all die schönen Komplikationen (WARNUNG!) für sie selber und ihre Brötchengeber offensichtlich bestens rentieren ...

Vielsagend auch folgende Kommentare eines offensichtlich selber an den Verstümmelungen beteiligten Kongressteilnehmers:

"Kommt ihr auch nach Lübeck ['3rd EuroDSD Symposium' 20.-22.5.]?"

"Ein Verbot wäre auch keine Lösung!" 

Gekrönt vom anscheinend obligaten letzten Schluss aller offensichtlich Unverbesserlichen:

"Dann gehen die Eltern nämlich einfach ins Ausland!"

Meine 2 Cent: Immerhin scheint sich auch unter den hartgesotteneren TäterInnen langsam herumzusprechen, dass sie sich künftig nicht mehr beliebig zu Städteausflügen treffen können, ohne dass jeweils Überlebende und solidarische Nicht-Betroffene draussen vor dem Eingang gegen ihr menschenverachtendes Treiben friedlich, aber unübersehbar protestieren – ob's den GenitalabschneiderInnen drinnen passt oder nicht. 

Sowie, dass ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen in den Kinderkliniken eine realistische, legitime und logische Forderung darstellt, die mehr und mehr ins Gespräch kommt und inzwischen nicht mehr länger einfach als rein utopisch abgetan werden kann. 

Logisch sind mit einem Verbot der Verstümmelungen nicht automatisch alle weiteren Probleme gelöst, im Gegenteil: Danach können die eigentlichen Fragen nach einer menschenwürdigen psychosozialen Versorgung von Eltern und "Betroffenen" erst konsequent angegangen werden. 

Für das Problem der wenigen ebenfalls unverbesserlich menschenverachtenden Eltern lassen sich (wie übrigens auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung vorgesehen) kosmetische Genitaloperationen an Kindern zudem problemlos auch unter Strafe stellen, wenn die Tat selber im Ausland begangen bzw. veranlasst wurde – ebenso die dringend notwendige Aufhebung/Verlängerung der Verjährung.

Und nicht zuletzt, wie sich der betreffende Medizyner in Hamburg von einer Überlebenden sagen lassen musste:

"Erst, wenn die Forderung nach einem Verbot der Verstümmelungen unübersehbar im Raum steht, werden die Medizyner beginnen, ernsthaft mit den Betroffenen zu reden."

In diesem Sinne: Wir sehn uns, wo die Action ist!

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)
>>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

>>> Chirurgische Arbeitsgemeinschaft geht auf Distanz (will sich aber nicht distanzieren)

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07 

Saturday 2 April 2011

Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011": Bilder der 1. Mahnwache

1. Mahnwache vor der "DGE 2011", Hamburg 1.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Demo-Flugblatt (PDF)   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.

Als gestern morgen früh die Mitglieder des Genitalabschneider-Standesorganisation "Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" zu ihrer Jahresversammlung 2011 ins Congress Centrum Hamburg CCH eilten, empfing sie das unvermeidliche Empfangskomitee mit Flugblättern (>>> Download PDF, 168KB), Schildern und Transparenten – sowie verstärkt um eine lokale Soli-Delegation. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Und von den "DGE 2011"-TeilnehmerInnen offensichtlich mittlerweile nicht mehr ganz unerwartet: "Ah, die Demo!", begrüsste uns lautstark schon der erste Pulk, sobald er vom Bahnhof her um die Ecke bog. Auffallend viele Male hörten wir diesmal auch beim Flugblattverteilen erfreuliche Aussagen wie: "Ich bin auf eurer Seite!" – obwohl nach wie vor die Mehrzahl der KongressteilnehmerInnen Gesichter schnitt, als hätten sie in etwas besonders Saures gebissen ...

Und während dann die DGE-GenitalabschneiderInnen drinnen tagten, überbrachte die unermüdliche Zwitter-Flugblattbrigade am "DGE 2011"-Empfang den obligaten >>> Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org.

Auch PassantInnen wurden erneut zahlreich über die Genitalverstümmelungen vor ihrer Haustüre informiert. Wie schon gestern überwiegend mit positiven Reaktionen: "Warum warten die nicht einfach zu?", sprach etwa ein junger Mann ein grosses Wort gelassen aus.

Ja, warum eigentlich nicht?

Und damit bis zur heutigen 2. Mahnwache, Samstag 09:30-13:30 Uhr am selben Ort ...

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009

Monday 28 March 2011

«Hermaphrodite - Phoebes intersexuelles Abenteuer» - HEUTE 28.3.11 22:50h SF1 (Wiederholung: 4.4.11, 11:10h SF1)

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Zufällig entdeckt: Heute abend läuft auf SF1 die deutsche Fassung der australischen Filmbiographie von Phoebe Hart (Originaltitel: "Orchids - My Intersex Adventure").

Die Hinweise auf den Film in den Medien sind eher durchzogen:

Auf der >>> Ankündigung auf SF.tv wird etwa unhinterfragt und undifferenziert einmal mehr die Medizyner-Krebslüge kolportiert: "Ihre Hoden wurden später entfernt, da ein erhöhtes Krebsrisiko bestand." Dazu das übliche unzutreffende, aber Hauptsache Gender-fixierte Gefasel à la "Sie hat eine Veranlagung namens Androgenresistenz, ist also halb Mann, halb Frau".

Auch die >>> Vorschau auf 20min.ch dreht sich identitätsfixiert um "Die Reise zum eigenen Ich" (so der Titel). Immerhin wird aber auch ein Bezug zur Schweiz gemacht – und es werden zwischendurch auch kritische Töne angeschlagen:

Noch bis in die 80er-Jahre war es Intersexuellen – wie sie heute heissen – meistens nicht möglich, ihr Geschlecht selbst zu wählen. Oft hatten sich die Eltern bereits früh dafür entschieden, ob das Kind ein Bub oder ein Mädchen sein soll. Wie «drs2.ch»berichtete, operierten Ärzte die Kinder sogar ohne die Zustimmung der Eltern. Die aufgezwungene Geschlechterzuweisung, die später unter Umständen von einer Hormonbehandlung begleitet wird, bleibt für viele Betroffene nicht folgenlos: Sie geraten in eine Identitätskrise, fühlen sich weiblich, werden aber in die männliche Rolle gedrängt oder umgekehrt. Hinzu kommt, dass es durch die operative «Korrektur» zu einer Minderung des sexuellen Empfindens kommen kann, wie es auf «intersex.ch» heisst.

Zwar handelt es sich mit der Behauptung, "seit den 80-er Jahren" würden hierzulande Zwitter nicht mehr genitalverstümmelt, bekanntlich bloss um das unkritische Nachplappern eines altbekannten Medizynermärchens, das durch stete und unhinterfragte Wiederholung auch nicht wahrer wird: Tatsächlich werden (wohlbemerkt laut Erhebungen der VerstümmlerInnen selber!) heute noch 90% aller Kinder mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen mindestens einmal ohne medizinischen Grund in Kinderspitälern genitalverstümmelt, auch in der Schweiz.

Auch wäre die neuere >>> DRS2-"Kontext"-Sendung (davon insbesondere der 2. Teil) ein wertvollerer Hinweis gewesen als die bei 20min.ch verlinkte, ältere "Wissen aktuell"-Kurzsendung.

Immerhin wird aber explizit auf die "Minderung des sexuellen Empfindens" durch die kosmetischen Genitaloperationen hingewiesen, und in diesem Zusammenhang auf die CH-Selbsthilfegruppe verlinkt. Dafür ein herzliches Danke! 

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
"STOP Genitalverstümmelung als 'Rohmaterial' für die Geschlechterforschung!"

Saturday 12 March 2011

Lesung mit Christiane Völling, Kulturbunker Köln Mi 16.3. 20h

Christiane Völling: »Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle.« Fackelträger Verlag, erscheint 25.08.2010Veranstaltungshinweis:

Wer & Was? Christiane Völling liest aus ihrer lesenswerten Biographie, mit anschliessender Diskussion.

Wann? Nächsten Mittwoch 16.3.11 20h

Wo? Kulturbunker Köln-Mülheim, Berliner Str. 20, 51063 Köln

Wieviel? Eintritt: 6,50 € / 5,- € (erm.) 

Kommentar zum Ankündigungstext: Der ist ja wieder mal ziemlich typisch, besch...euert und durch-die-Schända-Brille-mit-Tunnelblick-auf-den-eigenen-Bauchnabel-fixiert ...

Einen Schlusssatz wie folgenden kann z.B. wohl nur ein selbsteingenommener und privilegierter Mensch schreiben, der selber noch der nie um die Unversehrtheit seiner eigenen Genitalien fürchten musste (oder sich nur schon wenigstens mal paar Gedanken dazu machte):

Eine überfällige Kritik an einer Gesellschaft, die die Existenz einer großen Gruppe von Menschen verleugnet, und ein starkes Plädoyer an alle Betroffenen und deren Angehörige, das Dazwischenleben anzunehmen und sich dafür einzusetzen.

Nun ja, wer weiss – vielleicht kapieren's dann ja nach der Lesung wenigstens ein paar Menschen mehr:

• Solange für Zwitter das Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht endlich ebenso selbstverständlich wird wie z.B. für privilegierte "Geschlechter-Spielen"-Schända-EnthusiastInnen ...

• solange Zwitterkinder weiterhin tagtäglich in Kinderkliniken verstümmelt werden, auch in Köln und Umgebung ...

... solange sollten privilegierte Nicht-Verstümmelte, die mit dem Leid verstümmelter Zwitter Politik treiben und "die Gesellschaft kritisieren" wollen, zuerst gefälligst mal konkret was dafür tun, dass die täglichen Verstümmelungen vor der eigenen Haustüre endlich aufhören und das Recht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Zwitter gilt!

(Statt weiterhin wie gehabt beim täglichen Verstümmeln tatenlos zuzusehn und gleichzeitig die verstümmelten Zwitter als Mittel zum eigenen Zweck zu benutzen, z.B. für eine "das Dazwischenleben annehmen"-(Trans-)Schända-Agenda.)

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken sind KEIN "Nebenwiderspruch des Zweigeschlechtersystems"!

Danke.

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- Sieg für Christiane Völling!!!
- Zwitterprozess: 100'000 Euro Schmerzensgeld für Zwangskastration!
- Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten 
- "Tabu Intersexualität" - Dok. u.a. mit Christiane Völling
- Die Bielefelderin Britta Dombrowe über "Tabu Intersexualität"
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info 

Friday 4 March 2011

Schattenbericht zum UN-Sozialpakt auf Deutsch (ICESCR 2010)

Human Rights For Hermaphrodites Too!Seit heute ist nun auch die deutsche Fassung inkl. Fallberichte des aktuellen Parallelberichtes von Intersexuelle Menschen e.V. verfügbar. Wie vermerkt wird der Bericht im Mai vom UN-Ausschuss über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) in Genf während seiner 46. Session behandelt werden.

>>> Zusammenfassung & Kommentar

>>> Download auf intersex.schattenbericht.org 

Friday 18 February 2011

"Sag es niemandem!" - Das verinnerlichte Schweigegebot, Zwittertabu & Medizynermacht (II)

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1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07

(Full Disclosure: Seelenlos ist verantwortlicher Redakteur dieses Blogs, Gründungsmitglied und Kampagnenleiter bei Zwischengeschlecht.org und ein mit einem Zwitter verbandelter "normaler" XY, also ein solidarischer Nicht-Zwitter.) 

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)

Geschlecht: ZwangsoperiertEiner der schlimmsten Feinde der Zwitterbewegung in ihrem Kampf um die Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken ist das verinnerlichte Schweigegebot.

Traumatisierte Betroffene (und cotraumatisierte Eltern) stehen vielfach und auf allen Ebenen unter massivem (Geheimhaltungs-)Druck, und das von allem Anfang an und über Jahrzehnte:

Man hat mir nichts erklärt, man hat mich ständig angelogen oder mit Halbwahrheiten abgespiesen. Ich habe aber immer gespürt, dass etwas nicht stimmt, habe mich geschämt, denn ich wusste, dass es mit meinen Genitalien zu tun hat. Sonst würden die doch nicht ständig da hingucken und hingreifen und so besorgt und peinlich berührt tun. Ich war abartig, man musste mich verstecken, man musste meinen Körper korrigieren. Ich war immer innerlich wie gelähmt, machte mich so unsichtbar wie möglich.  Nella 

Kommt dazu: Die wenigsten Betroffenen können es gefühlsmässig überhaupt aushalten, sich direkt mit dem zu konfrontieren, was ihnen von ethisch und moralisch gestörten Pädo-MedizynerInnen an Körper und Seele angetan wurde, geschweige denn eine Konfrontation damit über längere Zeit.

Und sogar noch bei den wenigen Ausnahmezwittern und -Eltern, die sich überhaupt öffentlich über die TäterInnen und das von ihnen angerichtete Leiden äussern, führen das verinnerlichte Zwittertabu, Scham und die anhaltende Verdrängung der Demütigungen und Schmerzen im Zusammenhang mit den Zwangsbehandlungen leider immer wieder dazu, dass sie oft nur durch Auslassungen abgeschwächte bzw. geschönte Versionen dessen bekannt geben, was ihnen angetan wurde, vor allem konkret über übergriffige Worte und Taten von Medizynern.

Was es den TäterInnen und ihren HelfershelferInnen erst recht erleichtert, mit ihren immergleichen Beschönigungen und Ausreden unhinterfragt bei Medien, ParlamentarierInnen und BürgerInnen durchzukommen (womit sich gleichzeitig das traumatisierende Unrecht an den wehrlos gemachten Zwangsoperierten jedesmal noch einmal mehr wiederholt).

"Retraumatisierung" heisst dann wenig überraschend mit unschöner Regelmässigkeit der letzte Sargnagel im öffentlichen Aufbegehren von Verstümmelten gegen die heute noch täglich begangenen medizynischen Verbrechen in den Kinderspitälern. 

Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."
George Santayana (1863 – 1952)

Zumindest dieser Blog weiss von keinem einzigen Zwitter, der es länger als einige wenige Jahre aushielt, den Medizynern kontinuierlich öffentlich Paroli zu bieten, ohne meist eher früher als später emotional unter die Räder zu kommen und ausgebrannt die Segel zu streichen. Wohl nicht wenige schweigen danach für immer.

Worauf die TäterInnen & Co. die Forderungen der Überlebenden einmal mehr als "Einzelproteste und eine sehr sehr kleine Gruppe" usw. in der Öffentlichkeit diffamieren (womit sich das traumatisierende Unrecht gleich noch einmal mehr wiederholt).

Auf dass in den Kinderspitälern alles weiterhin schön so bleibt wie es ist, erpressen die Medizyner zusätzlich Betroffene und Eltern reflexhaft und systematisch – ganze Familien über mehrere Generationen – mit der Drohung, ihnen auch ev. benötigte ECHTE medizinische Hilfeleistungen zu verweigern, wenn sie weiter aufmucken wollen.

All dieser Druck ist weitaus mehr, als die allermeisten (durch das Schweigebot isoliert gehaltenen) Zwitter und ihr Umfeld auf Dauer je aushalten können. Die wenigsten können es nur schon ertragen, wenn andere Zwitter das Schweigegebot brechen:

[...] Wenn etwas, was uns angetan wurde, zu schrecklich ist, verdrängen wir es. Was wir nicht ertragen, blenden wir aus. Opfer sein ist schrecklich, unerträglich. Deshalb sucht jedes Opfer in seinem Täter etwas Gutes, um weniger Opfer sein zu müssen. Deshalb kommen die meisten Täter ungeschoren davon. Und wenn doch ein Opfer einmal aufsteht und die unerträgliche Wahrheit heraus schreit und die Täter anklagt, dann sind die anderen Opfer die ersten, die es zum Schweigen bringen wollen. [...] 
Nella: "Stockholm under Water"

Umso wichtiger, dass empathische Nichtzwitter den Kampf der Verstümmelten gegen ihre PeinigerInnnen und für die Unversehrtheit der kommenden Generationen aktiv solidarisch unterstützen!

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Erpressung, Zwittertabu & Medizynermacht (III) 

Siehe auch:
- Trauma, Opferrolle, Befreiung
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich" - AGGPG 1998
- Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik", 23.6.10
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist."
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Wednesday 15 December 2010

"Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...

>>> Demo Berlin 15.4.10 | jetzt-reden-wir.org | mehr Bilder

Aus aktuellem Anlass ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":
 

INHALT:
1.  Vom Petitionsausschuss des Bundestages
     zum "Runden Tisch Heimerziehung"
2.  Zum zweiten Mal gedemütigt und erpresst
3.  "schlau geheuchelter Kompromiss"
4.  Kommentar: Altbewährte Methoden
5.  Für alle, die nachher wieder sagen werden,
     sie hätten das alles ja gar nicht wissen können ...
 

1. Vom Petitionsausschuss des Bundestages
    zum "Runden Tisch Heimerziehung"

Wir ehemaligen Heimkinder wurden über Jahre hinweg in meist kirchlichen Heimen systematisch gedemütigt und misshandelt, viele von uns auch sexuell missbraucht und als „Arbeitssklaven“ ausgebeutet.

Wir waren den Jugendämtern und dem Heimpersonal schutzlos ausgeliefert.

Lange Zeit hat man uns zum Schweigen gebracht, doch... 

JETZT REDEN WIR!!!

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF) 

Vor langen Jahren waren überlebende ehemalige Heimkinder den Petitionsausschuss des Bundestags um Hilfe angegangen, noch vor den Betroffenen von sexualiserter Gewalt, und aktuell Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern.

Ehemalige Heimkinder hatten als bisher einzige insofern "Erfolg", dass der Petitionsausschuss auf ihre Anliegen eintrat und nach 2-jährigen Beratungen ein "Runder Tisch Heimerziehung" einberufen wurde, dessen Abschlussbericht nun am letzten Montag in Berlin vorgelegt wurde. Der "Verein ehemalige Heimkinder e.V." organisierte eine unmittelbar anschliessende Gegenkonferenz im Namen der übergangenen Betroffenen:
"Ehemalige Heimkinder fühlen sich verraten"  
Betroffene kritisieren den Plan als "billige Abspeisung"  
 

2. Zum zweiten Mal gedemütigt und erpresst

Die menschenverachtende „Erziehungs“- Praxis in deutschen Heimen wird zurzeit aufgearbeitet. Dazu hat der Deutsche Bundestag einen „Runden Tisch Heimerziehung“ einberufen, der im Januar 2010 einen Zwischenbericht vorlegte. Mit diesem Bericht sind wir nicht einverstanden!
 
Denn noch immer wird ignoriert...
- dass in den Heimen systematisch Menschenrechte verletzt wurden
- dass die in den Heimen geleistete Arbeit Zwangsarbeit war

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF) 

Betroffene waren beim "Runden Tisch Heimerziehung" zwar formal vertreten (im Gegensatz zum "Runden Tisch Kindesmissbrauch"), jedoch letztlich nur als Alibi:

Gegenüber den TäterInnen und ihren Organisationen waren ehemalige Heimkinder eine kleine Minderheit mit einer noch kleineren Zahl von Stimmen, als einzige Gruppe durften sie zudem ihre Delegierten nicht frei wählen, die grösste Interessenvertretung erhielt keinen Zugang, und den Zugelassenen wurde (wiederum als einziger Interessensgruppe am "Runden Tisch") rechtlicher Beistand willkürlich verwehrt.
--> Presseerklärungen vom 27.3.09 + 30.6.10 
 

3. "schlau geheuchelter Kompromiss"

Am 13.12.10 legte nun der "Runde Tisch Heimerziehung" seinen Abschlussbericht mit einem "schlau geheuchelten Kompromiss" vor. Die verbleibenden BetroffenenvertererInnen waren wegen des ungenügenden Ergebnisses drauf und dran gewesen, den "Runden Tisch" aus Protest zu verlassen, wurden dann aber mit potentiell re-traumatisierenden Drohungen erpresst, sie würden so "alles kaputt machen" und wären noch selber schuld daran.
>>> Pressemitteilung Verein ehemaliger Heimkinder e.V., 13.12.10 (PDF)

>>> Einige Medienberichte, Kommentare und eine Solidaritätserklärung dazu auf NetzwerkB.org:
- Heimkinder können auf “ein bisschen” Entschädigung hoffen
- Betroffene von sexualisierter Gewalt erklären sich solidarisch mit den Heimkindern
- Zum zweiten Mal gedemütigt 

>>> "Von Staat und Kirche verraten" - Pressekonferenz VEH e.V. 13.12.10:
>>> Pressemappe (PDF)     >>> Video    >>> Medienspiegel

Auch dieser Blog solidarisiert sich mit den Forderungen der ehemaligen Heimkinder, ebenso mit den Forderungen der Betroffenen von sexualisierter Gewalt!
 

4. Kommentar: Altbewährte Methoden

Durch jahrelange, hartnäckige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit haben engagierte ehemalige Heimkinder es als erste geschafft, genügend Druck aufzubauen, dass der Bundestag schliesslich einen "Runden Tisch Heimerziehung" einberief, um ihre berechtigten Forderungen zu überprüfen und umzusetzen. Soweit sind die Zwitter leider noch nicht.

Trotzdem sollte der Ausgang des "Runden Tisches Heimerziehung" auch Zwittern und ihren Interessensvertretungen zu denken geben – insbesondere, wie die VertreterInnen der ehemaligen Heimkinder wohl weder als erste (noch als letzte) durch unfaire und unproportionale Untervertretung sowie Verweigerung rechtlichen Beistands über den "Runden Tisch" gezogen und anschliessend durch emotionale Erpressung unter Druck gesetzt wurden

Denn dieselben "Methoden" rsp. altbewährten BürokratInnen- und PolitikerInnentricks werden mit grosser Wahrscheinlichkeit immer noch gängig sein, falls es auch die Zwittern dereinst gelingt, genügend Druck aufzubauen, dass Bundesregierung und Bundestag auch ihre berechtigten Forderungen nicht mehr länger nach bekanntem Muster einfach nur ableugnen können (in dem sie z.B. schamlos behaupten, die Betroffenen wären mit den Zwangsoperationen ja zufrieden, siehe u.a. Antwort 16/4786 S. 3).

Z.B. die von ehemaligen Heimkindern und ihrer Rechtsvertretung u.a. in der Presseerklärung vom 30.6.10 beschriebene Hinhaltetaktik mit unverbindlichen VIP-"Kaffeekränzchen mit einem warmen Händedruck am Ende" bzw. blossen leeren Versprechungen:

Genau dies hat das BMBF-finanzierte "Netzwerk Intersexualität/DSD" mit Zwittern ja schon mehrfach erfolgreich durchexerziert.

Dito 2009 der Bundestags-"Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" ...

... sowie ähnlich ebenfalls 2009 letztlich auch die Hamburgische Bürgeschaft ...

... und 2010 der Deutsche Ethikrat.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...
 

>>> "Verwahrloste Schwererziehbare" in der "Anstalt Freistatt" | mehr Bilder

5. Für alle, die nachher wieder sagen werden,
    sie hätten das alles ja gar nicht wissen können ...

Wir klagen an... 
- weil wir geschlagen wurden 
- weil wir missbraucht und vergewaltigt wurden 
- weil wir gefoltert wurden 
- weil wir in dunklen Kellerzimmern eingesperrt wurden 
- weil wir seelisch zu Grunde gerichtet wurden 
- weil wir unzureichend ausgebildet wurden 
- weil wir zu Zwangsarbeit herangezogen wurden 
- weil man uns medizinische Hilfe versagte 
- weil man bis heute die Verbrechen an uns leugnet oder verharmlost

Wir fordern von Kirche und Staat...
- Leistet
Wiedergutmachung wie zuvor in Irland, Kanada und den USA!
- Verzichtet auf Verjährungsansprüche!
- Öffnet die Archive zur Akteneinsicht!
- Gewährleistet
unabhängige Forschung!
- Stoppt die
Aktenvernichtung!

>>> Flugblatt zur Demo in Berlin, 15.4.10 (PDF)

"(...) oft jahrelange Qualen, sexuellen Missbrauch und Zwang zur Arbeit, den man aber um Gottes Willen nicht Zwangsarbeit nennen soll. Angeblich um keine unziemlichen Vergleiche mit den Zwangsarbeitern während der Nazizeit zu ziehen. In Wahrheit aber, um den Rechtsstaat Bundesrepublik nicht in Verruf zu bringen. (...)

Deutsche Justiz und Täter werden geschont

(...) es soll keine nachträgliche rechtliche Einzelfallprüfung geben, angeblich um die Opfer nicht weiter zu traumatisieren - aber wohl eher um die deutsche Justiz und die Täter und Täterinstitutionen zu schonen.

Manche Opfer fühlen sich durch den Druck am Runden Tisch ein zweites Mal gedemütigt und erpresst. Die ohnehin wenigen Vertreter der Opfer sahen sich einer Übermacht professioneller Vertreter der Täterinstitutionen gegenüber. Sie wollten nicht mit leeren Händen aus den ungleichen Verhandlungen kommen. Deshalb haben sie dem unbefriedigenden Ergebnis zugestimmt.

(...) ein gutes Omen für vergleichbare Verfahren, etwa für den Runden Tisch zum Thema sexuellen Missbrauch, ist das nicht."   Tagesschau.de 13.12.10

Verein ehemaliger Heimkinder e.V. | jetzt-reden-wir.org

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

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