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Die anderen

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Wednesday 14 July 2010

Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert Untätigkeit des Ethikrates

Schon im Vorfeld des "Forum Bioethik" vom 23.6.10 hatte sich abgezeichnet, dass der Ethikrat wohl kaum an konkreten Taten interessiert sei. Am 24.6.10 beschloss er dann auch tatsächlich an einer Plenarsitzung, mit der Diskussionveranstaltung habe der Deutsche Ethikrat seine Schuldigkeit getan, und sehe vorderhand keinen weiteren Handlungsbedarf.
Die Medizyner operieren dankend weiter ...

Auch IMeV hatte sich offensichtlich etwas mehr erhofft und gab gestern auf der Vereinshomepage offiziell bekannt:

Der Vorstand des Vereins Intersexuelle Menschen e.V. hat sich schriftlich beim Deutschen Ethikrat für die Veranstaltung bedankt und ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass es den Vortragenenen offenbar nicht gelungen ist, die Dringlichkeit der Belange deutlich zu machen.

Hört, hört!

Gleichzeitig hat der Vorstand eine Anhörung beantragt. Der Verein Intersexuelle Menschen scheut eine öffentliche Auseinandersetzung mit Vertretern der Medizin nicht!

Hört, hört!

Ethikdiskussionen über Genitalverstümmelungen ohne praktische Konsequenzen sind unethisch. Diese Blog wünscht sich künftig mehr Taten als Reden!

Wir bleiben gespannt ...

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Tuesday 13 July 2010

Fetaldex.org Updates

Menschenrechte auch für Zwitter!

Fetaldex.org, die englischsprachige Seite der US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen, erhielt soeben ein Update:

U.a. wurde der Text auf der Eingansseite überarbeitet und erweitert, es hat neu einen Link auf Alice Dregers FAQ für Medienschaffende zum Thema, und die Updates-Seite erhielt 11 neue Einträge, der letzte datierend vom 7.7.10. Yip, yip!

Siehe auch:
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen 
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Pränatale Hormonbomben gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen" 
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Wednesday 30 June 2010

"Für die Kinder kämpfen wir" - Michel Reiter, 1997

Gratuliere, es ist sein Zwitter!

Ein berührendes Gedicht von Michel Reiter, das mit ergreifender Deutlichkeit festhält, was scheints immer mal wieder etwas in Vergessenheit zu geraten droht:

Wir kämpfen für die Kinder
damit sie eine Zukunft haben

>>> Für die Kinder kämpfen wir                     Danke!

Friday 25 June 2010

"Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08

Zum "Welttag gegen Genitalverstümmelung" 2008 brachte die Zeitschrift der Deutschen Sektion von Amnesty International einen gelungen Gastkommentar der Bremer Rechtsprofessorin Konstanze Plett. Der letzte Abschnitt geht spezifisch auf die Genitalverstümmelungen an Zwittern ein und bringt Klartext:

Vor allem darf nicht der Eindruck entstehen, »der Westen« wolle in anderen Teilen der Welt etwas durchsetzen, was er selbst nicht beachtet. Ich denke dabei an etwas, das in der westlichen Kultur seinen Ursprung hat und seit Ende der fünfziger Jahre praktiziert wird, nämlich die Genitalverstümmelung intersexuell geborener Kinder, deren mehrdeutige Geschlechtsorgane mit dem Skalpell manipuliert werden, damit sie einem nur von den Erwachsenen angenommenen Idealbild weiblicher oder männlicher Genitalien entsprechen. Nur wenn »zu Hause« dieselben Maßstäbe gelten wie andernorts, ist der Einsatz für die Menschenrechte glaubhaft.

Ein herzliches Dankeschön an Konstanze Plett und Amnesty Deutschland für diese klaren, solidarischen Worte!

>>> Der ganze Artikel auf Schattenblick.net

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Aufruf zur Solidarität
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Intersex-Schattenbericht online und als Download

Sunday 20 June 2010

Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker

Die Menschenrechtsexpertin Marion Böker hat auf ihrer Kalenderseite (--> Eintrag zum 23.6.10) beim Hinweis auf die Ethikrat-Veranstaltung vom nächsten Mittwoch in Berlin folgende solidarische Anmerkung publiziert:

Im Zuge dieser Debatte im Ethikrat ist darauf hinzuweisen, dass die Bundesregierung Genitalverstümmelungen bzw. kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen (sogenannte Zwitter / Hermaphroditen / Intersexuelle) in der ganzen Diskussion nicht mitaufgenommen hat. Es geht dabei um massive Verstöße gegen körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Trotz der CEDAW-Sitzung 2/2010 und dem CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern, die durch die Beschneidungen mehrheitlich zu "eindeutigen Frauen" zurechtgestutzt werden sollen, sowie mit der anschließenden Rüge des CEDAW-Ausschusses an die Bundesregierung, hat die Bundesregierung noch nicht gehandelt.

Hier finden Sie den CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern [PDF]

Wir sagen Dankeschön! Und hoffen, dass sich noch mehr solidarische Nicht-Zwitter tatkräftig dafür einsetzen werden, dass das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Zwitterkinder durchgesetzt wird – von selbst wird das leider nicht kommen ...

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Aufruf zur Solidarität
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Intersex-Schattenbericht online und als Download 

Friday 18 June 2010

1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ...

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!An und für sich nichts Neues, aber weil's zur Abwechslung so schön öffentlich geschieht:

>>> http://zwitterforum.ath.cx/index.php/topic,1615.0.html
(--> Posts von Lucie Veith v. 16. Juni 07:43:57 / 17. Juni 06:14:48 /
19. Juni 2010, 18:20:01)

Siehe auch:
- IMeV: Katzbuckeln gegenüber den Medizynern und den verantwortlichen PolitikerInnen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- IMeV / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Hamburg: Bürgerschaft will Zwitter stärken – Zwangsoperationen ausgeklammert
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)

Saturday 12 June 2010

Berichterstattung über das "Schwule Ehepaar aus Malawi": Beispiel für Vereinnahmungskaskaden?

Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungGeorg Klauda hat in seinem bahnbrechenden Vortrag "Fürsorgliche Belagerung" vom 31.10.2002 von "Kolonialisierungskaskaden" gesprochen, deren Opfer die Zwitter würden:

Durch die Queer- und Transgender-Modelle entstehen darüber hinaus Kolonialisierungskaskaden: Lesben und Schwule kolonialisieren Transsexuelle, und diese wiederum kolonialisieren Hermaphroditen. So haben etwa in der Berliner Partyszene die Tunten den Begriff Transgender für sich okkupiert und verneinen damit die Differenz, die zwischen ihnen besteht und Leuten, die die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass ihre Einbildungskraft ihnen die Zugehörigkeit zu einem anderen Körper aufgibt als den, den sie besitzen. Gleichzeitig beginnen Transsexuelle für Hermaphroditen zu sprechen, sich unter Umständen sogar selbst als intersexuell zu bezeichnen. Aber damit verleugnen sie die Tatsache, dass genau die Operationen, die ihnen den Geschlechtsübergang erleichtern sollen, unter Umständen an der Verstümmelung von Hermaphroditen entwickelt wurden. Und vergessen Lesben und Schwule, wenn sie die Konstruiertheit von Geschlecht hervorheben, nicht allzu leicht, dass diese Formulierung für Hermaphroditen einen bitteren Beigeschmack hat? Denn an ihnen wurde versucht, ein Geschlecht zu konstruieren, und das mit katastrophalem Ausgang.

Auch der (Ex-)Zwitter-Aktivist Vincent Guillot sagte an einer Diskussionsveranstaltung in Zürich vom 4.4.10 sinngemäss:

"Die Befreiung der Schwulen und Lesben wurde auf Kosten der Transsexuellen erkauft, und die Befreiung der Transsexuellen wird mit der Psychiatrisierung der Intersexuellen erkauft werden [bei DSM-V werden ja Zwitter klar verstärkt psychiatrisiert – die Psychiater bauen schon mal vor], und die Befreiung der Zwitter wird höchstwahrscheinlich auf Kosten einer weiteren Gruppe erfolgen [was Vincent durch ein "ganzheitliches Befreiungsmodell" verhindern will, ohne das jedoch konkretisieren zu können, ebensowenig, wie er damit die Zwangsoperationen und sonstigen medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen an Zwittern innert nützlicher Frist abschaffen will]." (Vgl. dazu auch den Nachtrag im Kommentar hier.)

Jedoch ging schon die Entstehung der 1. Schwulenbewegung letztlich auf Kosten der Zwitter, bzw. trug bei zu den späteren menschenrechtswidrigen, medizynischen und psychiatrischen Zwangspraktiken, unter denen Zwitter heute noch leiden (vgl. z.B. Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld), was das Ganze noch einmal komplizierter macht.

Zumindest die aktuelle Medienberichterstattung über den "Fall" von Tiwonge "Aunty Tiwo" Chimbalanga und Steven Monjeza, die in Malawi wegen "Sodomie" zu 14 Monaten Zwangsarbeit verurteilt wurden, weil sie eine Heiratszeremonie durchgeführt hatten, kann jedoch durchaus im Bezugsrahmen der Vereinnahmungskaskade betrachtet werden, wie sie oben von Georg Klauda und Vincent Guillot umrissen wurde:

LGB(T)-Aktivistinnen weltweit hatten diesen "Fall" aufgegriffen und berichteten über das skandalöse Urteil gegen das "schwule Ehepaar". Dank grossem internationalem Druck (auch Madonna hatte eine Unterschriftensammlung veranstaltet, der US-Präsident Barack Obama sprach sich gegen das Urteil aus) wurden die beiden zum Glück schliesslich begnadigt. Soweit, so positiv, und dafür allen Beteiligten ein herzliches Danke.

Negativ ist hingegen, wie LGB(T)-Organisationen und -Medien die beiden unhinterfragt und unbeirrbar als "schwules Ehepaar" beschrieben und annektierten, selbst als schon lange klar war, dass dies wohl so nicht zutreffen kann, und nachdem die Organsisationen und Medien mehrfach auf diesen Lapsus aufmerksam gemacht wurden (worauf auch solidarische kritische Kommentare auf diesem Blog hinwiesen). Weil erstens versteht sich Aunty Tiwo offensichtlich als Frau und ebenso wie Steven NICHT als "schwuler Mann". Weiter gibt es verschiedene Berichte, wonach Aunty Tiwo wahrscheinlich Intersexuell ist (sie habe Monatsblutungen und ihr Penis schaue "nicht normal" aus – vgl. die erwähnten Kommentare sowie einen bei BadHairDays übersetzten Artikel aus der NY-Times). Trotz mehrfachen Hinweisen darauf zeigten sich praktisch alle LGB-Organsisationen und -Medien weitgehend unbeirrbar, und wo sie diese Hinweise überhaupt konkret zur Kenntnis nahmen, neigten sie in der Regel zu paternalistischen Verschlimmbesserungen und Zurechtweisungen, so scheints u.a. Queer.de, MERSI-Amnesty und Queeramnesty, Volker Beck/Grüne.

Zu Recht wurden diese (und andere) LGB-Organisationen und -Medien deshalb vor allem von Trans*-Aktivist_innen kritisiert, die sich solche Unterschlagungen/Vereinnahmungen durch LGB auch sonst gewohnt sind.

Leider machten die allermeisten dieser Kritiken entsprechend der Logik der Vereinnahmungskaskade (oder einfach schlicht aus Unwissenheit?) den gleichen Fehler "gegen unten", indem sie Aunty Tiwo kurzerhand im Namen von "T" als "Transgender" reklamierten, und die Hinweise auf Intersexualität zwar z.T. kurz erwähnten, schlussendlich dann aber schlicht beiseite liessen (und so nebenbei z.T. auch zu vergessen schienen, dass das "T" eigentlich und ursprünglich (zumindest auch) für Transsexuelle steht), vgl. z.B. pamshouseblend.com, huffingtonpost.com, guardian.co.uk, news.pinkpaper.com (vgl. dort auch kritische Kommentare).

(NB: Ob Aunty Tiwo nun wirklich intersexuell ist oder Transgender oder was sonst, weiss ich ehrlich gesagt auch nicht, weil ich schlicht keine verlässlichen Infos darüber habe, doch ich denke, dass sie und Steven NICHT "homosexuell" sind, dürfte anhand des wenigen Bekannten klar genug sein, dass die betreffenden LGB-Organisationen und Medien hätten zumindest seriös darauf eingehen müssen. Meine Kritk in diesem Post richtet sich ausschliesslich an die LGB(T)-Berichterstattung über diesen "Fall" bzw. dessen öffentliche Handhabung. Obwohl, worauf schon BadHairDays hinwies, die Vereinnahmung in diesem Fall ausnahmsweise für die direkt betroffenen etwas Gutes bewirkte, nämlich, dass Aunty Tiwo und Steven begnadigt wurden.)

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Kritische Kommentare zum "Fall" auf diesem Blog

Tuesday 8 June 2010

Positionspapier Bündnis 90/Die Grünen + Fachgespräch QueerGrün Berlin, 8.6.10: Am konkreten Problem vorbei

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat unlängst ein Positionspapier "Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" veröffentlicht, das leider das eigentliche Problem der Verletzung des Grund- und Menschenrechts auf körperlichen Unversehrtheit einmal mehr aussen vor lässt.

Auch konkret lassen die Bundes-Grünen genitalverstümmelte Zwitter weiterhin im Regen stehen:

Statt wie von der Zwitterbewegung seit 14 Jahren gefordert endlich einmal konkrete Vorstösse gegen die SeriengenitalabscheiderInnen in deutschen Spitälen zu unternehmen, starten die Grünen lieber die x-te chancenlose Initiative zu einer Änderung des Personenstandsrechts – bekanntlich eine Hauptforderung von Transsexuellen/Transgendern, und NICHT von Zwittern – während die SerientäterInnen weiterhin ungehindert im Akkord wehrlose Zwitterkinder verstümmeln ...

Schlimmer noch, das Positionspapier macht sprachlich und in der Sache wiederholt gemeinsame Sache mit den TäterInnen (mehr zum Positionspapier siehe unten "Kommentar").

Gleichzeitig lädt heute die Landesarbeitsgruppe QueerGrün Berlin unter dem Titel: "Kontrollierte Körper und beschädigte Psychen: Menschenrechtsverletzungen der Medizin an Intersexuellen und Trans*" wieder einmal zu einem "Fachgespräch" (die entsprechende Ankündigung ist zu unterst vollständig dokumentiert).

Leider scheint dabei auch QueerGrün nicht zum ersten Mal primär die Problematik und Sichtweise der Transsexuellen im Blickfeld zu haben. Zumindest die Ankündigung zielt ebenfalls in leider altbekannter Weise am eigentlichen Problem der Zwitter vorbei:

Die massivsten Grund- und Menschenrechtsverletzungen an den "Intersexuellen" werden (im Gegensatz zur den Forderungen der Tanssexuellen/Transgender) laut Ankündigung leider, leider wieder mal von vornherein bagatellisiert – und nach bekanntem Muster instrumentalisiert zu Gunsten einer erhöhten Sichtbarmachung der in Wahrheit auf einer anderen Ebene gelagerten Grundrechtsverletzungen von Transsexuellen:

Dies beginnt schon im Titel, wo die massiven körperlichen Schäden durch die heute noch möglichst flächendeckend durchgeführten Genitalverstümmelungen an wehrlosen Zwitterkindern verniedlicht werden, indem deren Körper nach dem Verständnis von QueerGrün Berlin nicht etwa "beschädigt" werden, sondern lediglich "kontrolliert" (im Gegensatz zur Psyche/Identität, dem Hauptthema der Transsexuellen).

Dieselbe Tendenz setzt sich in der Ankündigung dann auch im Kleingedrucken konsequent fort: Statt Klartext zu reden über Genitalverstümmelungen, Zwangskastrationen, genitale Zwangsoperationen oder nur schon von kosmetischen Genitaloperationen an Zwitterkindern, ist in Bezug auf die Zwitter lediglich die Rede von "sogenannte „geschlechtsangleichende Operationen“ [...], um dem Kind ein „eindeutig“ männliches oder weibliches Geschlecht zuzuweisen". Dies ist TäterInnensprache! Zwangsoperierte Zwitter wehren sich seit Jahrzehnten gegen diesen sprachliche Verschleierung und Beschönigung!

Doch es kommt noch übler: Bei den "Trans*-Menschen" ist nebst der von diesen bevorzugten Sprachregelung, nämlich "„geschlechtsangleichende“ Maßnahmen" dann demgegenüber zusätzlich noch explizit die Rede von "Zwangskastration"! Dies ist nicht nur eine Verdrehung der Tatsachen, sondern eine schamlose Vereinnahmung und Verniedlichung der medizynischen Verbrechen an Zwittern!

Denn es verdeckt den realen Unterschied zwischen Zwangskastrationen, wie sie einerseits wehrlosen Zwittern gewaltsam oder mit Lügen von einer angeblich direkt lebensbedrohenden "generellen Krebsgefahr" aufgezwungen werden, ohne dass diese eine Möglichkeit hätten, sich dagegen zu wehren oder abzulehnen, und andrerseits dem Kastrationszwang, wie ihm Transsexuelle/Transgender mit eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen ausgesetzt sind, die eine Änderung des Personenstandseintrags wollen, ohne dass sie deshalb gewaltsam oder durch hinterlistische Täuschung gezwungen würden. Diese Verdrehung entspricht sinngemäss etwa einer Gleichsetzung/"Verwechslung" von Nötigung ("Geld oder Leben!") mit Mord aus dem Hinterhalt.

In dieselbe Kerbe haut auch das von QueerGrün als Ankündigung verwendete Piktogramm:

Hier ist klar ein erwachsener Mensch abgebildet, es steht also wiederum für Transsexuelle oder Transgender – Zwitter, die in der Regel nach wie vor als Kleinkinder vor dem 2. Lebensjar von den Medizynern verstümmelt werden, bleiben einmal mehr aussen vor.

Wörter, Symbole und Zeichen schaffen Tatsachen, wer sie unsachgemäss benutzt oder gar mutwillig für eigene Zwecke verdreht, macht sich zur MittäterIn!

Aus diesen Gründen, und weil Vereinnahmung und Instrumentalisierung von Zwittern durch LGBT inkl. "Trans*-Menschen" leider eine Jahrzehnte alte, unwürdige Tradition hat, die bisher von beiden Seiten noch nicht wirklich aufgearbeitet wurde, sollten die massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern besser nicht im selben Atemzug bzw. an derselben Veranstaltung mit Transgender/Transsexuellen behandelt werden. Wer dies trotzdem tut, sollte sich der Gefahr bewusst sein und entsprechende Vorsicht an den Tag legen – ausser, die Betreffenden nehmen die Fortsetzung der Zwittervereinnahmung entweder mutwillig in Kauf, oder haben es gar von vornherein darauf abgesehen.

Kommentar:

An und für sich ist es ja prinzipiell positiv, dass QueerGrün wie auch die Mutterpartei sich gegen Menschenrechtsverletzungen an Zwittern positionieren wollen.

Die vorliegende Veranstaltungsankündigung lässt jedoch leider nicht zum ersten Mal betreffend der oben angesprochenen Kritikpunkte jegliche notwendige Sensibilität vermissen, und auch die geladenen Expert_innen haben sich leider diesbezüglich zumindest bisher nicht gerade durch analytische Trennschärfe hervorgetan (geschweige denn durch realpolitisch durchsetzbare, klare Positionen und Forderungen, etwa indem sie sich aktiv für ein Verbot der Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern einsetzen würden).

Bezeichnenderweise kommt das von allen Zwitterorganisationen in ihren Forderungslisten nicht zufällig an erster Stelle angeführte, zentrale Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung im ganzen QueerGrün-Ankündigungstext nicht ein einziges Mal vor!

Obwohl u.a. Amnesty Schweiz und Amnesty Deutschland, aber auch Terre des Femmes Schweiz erst gerade bewiesen, dass es auch anders geht – nämlich mit Klartext, auf den Punkt gebracht und erst noch ohne Vereinnahmung! Ebenso die schweizer Grünen.

Nur die deutschen Grünen haben bisher trotz bald Jahrzehnte langem Gerede noch nichts konkretes zur Durchsetzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter auf die Reihe gekriegt – sondern zumindest bisher stattdessen stets bloss Vereinnahmung pur! (eins / zwei / drei / vier / fünf / sechs)

Auch das 4-seitige Positionspapier der Bundes-Grünen "Jenseits des Geschlechts: Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" mit Datum vom 6. Mai 2010 zielt einmal mehr am eigentlichen Problem vorbei und hofiert letztlich gar zum Teil einmal mehr die Zwangsoperateure (etwa, in dem es auf S. 2 unbesehen und unhinterfragt deren je nach Bedarf beschönigte Zahlen und Statistiken übernimmt). Auf S. 3 wird gar unterstellt, zwangsoperierte Zwitterkinder (in der Regel unter 2-jährig!) wären zumindest "bedingt einwilligungsfähig". Weiter ist die Rede von "sexuelle Funktionsfähigkeit", ohne dass eben der deren Infragestellung durch Verminderung/Verlust des sexuellen Empfindens durch die Verstümmelungen je angesprochen wird (viele Zwangsoperierte spüren nichts mehr oder nur noch Schmerzen). Das ist einmal mehr unhinterfagt übernommene TäterInnensprache der SerienverstümmlerInnen vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "EuroDSD"!

Das den Zwittern nach wie vor vorenthaltene, zentrale Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit kommt im ganzen Positionspapier immer noch kein einziges Mal vor!

Statt endlich entschlossen gegen die Medizyner-Verbrecher vorzugehen und ihnen endlich, endlich das Verstümmeln wehrloser Kinder gesetzlich zu verbieten (z.B. entsprechend dem aktuellen Gesetzesentwurf gegen weibliche Genitalverstümmelung), geht es den Grünen auf S. 4 in ihrer konkreten politischen Arbeit aktuell dann folgerichtig einmal mehr lediglich um das Lieblingskind der Transsexuellen und Transgender, nämlich ausschliesslich um das Personenstandsgesetz. Während gleichzeitig wherlose Zwitterkinder genitalverstümmelt und kastriert werden – allein in deutschen Spitälern etwa JEDEN TAG EINES!!!

Fazit: Es wäre ja wirklich sehr schön und eine Riesenfreude, falls sich das alles anlässlich dieses x-ten "Fachgesprächs" der Grünen endlich ändern würde – aber ehrlich gesagt halt ich bis dahin die Luft nicht an ...

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" 
- "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "Euro-DSD": Lübecker Zwitterstudie frisiert 

Nachfolgend dokumentieren wir die oben kritisierte Veranstaltungseinladung:

Continue reading...

Tuesday 1 June 2010

"Theoretisch intersexuell" - Joke Janssen, 2006/2008

Texte innerhalb der Gender- und Queer Studies, die sich selbstkritisch mit der Vereinnahmung von Zwittern durch die eigene Zunft beschäftigen, haben immer noch Seltenheitswert. Umso erfreulicher, auf ein weiteres Beispiel zu stossen!

Der vorliegende Text von Joke Janssen wurde publiziert im von der Hamburger AG Queerstudies herausgegebenen Sammelband "Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen" (Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009). Der vollständige Titel des Beitrags lautet "Theoretisch intersexuell. Wie intersexuelle Menschen zwischen den Zeilen bleiben." (S. 165-184).

>>> Ältere Fassung von 2006 als PDF im InterArchiv

Der Artikel greift die Kritik auf, dass Gender- und Queer Studies Zwitter zwar gerne behandeln, jedoch meist nur als Mittel zum eigenen Zweck, d.h. Dekonstruktion von Geschlecht bzw. Kritik am Zweigeschlechtersystem, jedoch ohne angemessene Berücksichtigung der Lebensrealitäten und Kämpfe der meist zwangsoperierten Zwitter selber, geschweige denn ohne je praktisch einen solidarischen Beitrag zum Kampf der Zwitter gegen die Zwangsoperateure zu leisten (obwohl diese Verbrecher meist in genau denselben akademischen Intstitutionen "tätig" sind wie die ach so "kritischen" Gender-WissenschaftlerInnen selber).

Joke Jansen greift dabei auf drei exemplarische, (selbst)kritische Texte zurück, die in diesem Blog schon öfters gewürdigt wurden:

  • Antke Engel: "Eene meene meck, und du bist weck." (Hamburger Frauenzeitung, 1997)
  • Emi Koyama / Lisa Weasel:
 "Von der sozialen Konstruktion zu sozialer Gerechtigkeit. Wie wir unsere Lehre zu Intersex verändern." (2002, auf Deutsch in: Die Philosophin, 2003)
  • Gabriele Dietze: "The Cutting Edge of Gender Studies. Die Geburt der Kategorie Gender aus dem Geist des Skalpells" 
a.k.a "Schnittpunkte. Gender Studies und Hermaphroditismus" 
(In: Dietze / Hark (Hg.): "Gender kontrovers, 2006)

Joke Janssen untersucht in der erweiterten Buchfassung dann 4 Texte, denen innerhalb der Gender Studies "sehr viel Bedeutung beigemessen wird" (S. 166) darauf, inwiefern sie die in den obigen Texten angeführten Kritikpunkte berücksichtigen oder nicht. Dabei handelt es sich um:

  • Michel Foucault: "Das wahre Geschlecht" (die Einleitung zu den Tagebüchern von Herculine Barbin, auf Deutsch 1998)
  • Judith Butler: "Foucault, Herculine und die Politik der sexuellen Diskontinuität" [In: "Das Unbehagen der Geschlechter" S. 142-165, auf Deutsch 1991]
  • Anne Fausto-Sterling: "The Five Sexes" (1993)
  • Gabriele Dietze: "Allegorien der Heterosexualität. Intersexualität und Zweigeschlechtlichkeit – eine Herausforderung an die Kategorie Gender?" (2003)

Einleitend wird in einem Überblick zunächst konstatiert, dass der den meisten Zwitter-Aktivist_innen (im Gegensatz zu VertreterInnen von Queer- und Gender Studies) in erster Linie um "ethische Fragen nach dem Recht auf körperliche Unversehrtheit" (S. 169) geht, sowie in der Buchfassung, dass sich die Zwitterbewegung vielfach ausdrücklich "entgegen queeren Lebens- und Identitätsentwürfen [positioniert]" (S. 170).

Folgerichtig (und wenig überraschend) kommt Joke Janssen in der weiteren Analyse zum Schluss, dass alle 4 untersuchten Texte Intersexuelle selbst bzw. ihre eigenen Zeugnisse und Geschichten weitgehend ausser Acht lassen, sondern dass vielmehr die altbekannte "Instrumentalisierung von Intersexuellen im Text" (S. 171) die Regel ist, wobei sich lediglich "das ‹Schreckensbild› sexueller ‹Transgressionen› [...] hier zu einer romantischen Vorstellung von Geschlechtergrenzgänger_Innen [verschiebt]" (S. 171).

Ebenso werden Zwitter einer "Mystifizierung" als "[r]ätselhafte Gestalten" (S. 172) unterworfen: "Auf diese Weise wird das alltägliche Leben intersexueller Menschen verklärt und / oder erotisiert." (S. 173). Generell sei "hegemoniales Schreiben" (S. 174) über Intersexuelle als "Andere" vorherrschend. "Intersexualität wird zum «Qualifizierungsobjekt» der Geschelchterforschung, [wird] entkörpert und [...] [dient] als Metakritik der Zweigeschlechtlichkeit" (S. 178).

Kritisert wird weiter der Gebrauch der "Fallgeschichte John/Joan" als "Platzhalter" der Geschlechterforschung (S. 176), bzw. die "unproduktive Fokussierung" der Genderstudies auf diesen einzelnen Fall unter Auslassung der täglichen Genitalvesrtümmelungen an Zwittern (im Gegensatz zum "«biologisch männlichen»" David Reimer a.k.a. "John"), wofür möglicherweise "hegemoniale sexistische Vorannahmen" verantwortlich seien (S. 177).

(Leider unterlässt es der Artikel, gleichzeitig festzuhalten, dass dieses infame, tragisch verlaufene "Zwillingsexperiment" von John Money, das von diesem als "Beweis" für die Zwangsbehandlungen an Zwittern verbraten wurde, und das er auch nie zurücknahm und das von der akademischen Gemeinschaft bisher auch noch nie angemessen kritisiert wurde als das, was es letztlich ist, nämlich ein krasses Menschenrechtsverbrechen, und dass dieses Verbrechen als solches aus einer Menschenrechtsperspektive solange weiter angeführt und kritisiert werden muss, bis endlich die Gerechtigkeit siegt, soweit das überhaupt noch möglich ist – auch wenn einige "GenderwissenschaftlerInnen" es stattdessen lieber gleich ganz unter dem Tisch haben, oder gar noch – wie schon John Money selber – gleich noch anderen die Verantwortung für den Tod von David Reimer in die Schuhe schieben möchten.)

Abschliessend hält Joke Janssen in der erweiterten Buchfassung von 2008 fest (S. 179-181):

Bei Intersexualität geht es um Körper, denen die Chance auf eine Zukunft abgesprochen wird, insofern haben Theoretiker_Innen, die Intersexualität in ihre Texte einbeziehen, eine Verantwortung gegenüber dem, was sie be / schreiben. Den Text von der Körperlichkeit zu befreien, bedeutet ein unverantwortliches Verhandeln dessen, was die Theorie untermauern soll. [...] Dieser Akt der Aneignung des Anderen [durch Objektivierung über das Absprechen von Individualität] und das damit verbundene Versagen von Selbstbestimmung wurde schon ausführlich von Kritiker_Innen eines weißen hegemonialen Feminismus und seinen Rassismen [...] beschrieben [...]

Die politischen Forderungen nach körperlicher Selbstbestimmung einer breit angelegten Medizinkritik oder einer Kritik der Zweigeschlechtlichkeit, welche die Individuen nicht aus dem Fokus verliert, finden sich ich den von mir gewählten gendertheoretischen Texten nicht wieder. Im Gegenteil lässt sich durchaus sagen, dass Intersexualität nur als abstrakt bleibende Widerlegung des Prinzips Zweigeschlechtlichkeit Eingang in die von mir kritisierten Texte findet. [...]

Eine theoretische Behandlung von Intersexualität, welche die Forderungen von Aktivist_innen nicht mitdenkt, schafft eine textuelle Wirklichkeit, in der eine «Gruppe» eine andere repräsentieren kann und Individuen bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um an Diskursen teilnehmen zu können. [...] Eine Instrumentalisierung von Intersexualität, wie ich sie oben dargestellt habe, kann deshalb hinterfragt und vermieden werden

Soweit die Theorie. Dafür schon mal ein fettes Dankeschön!

Der nächste logische Schritt wäre nun eine aktive und tatkräftige Solidarisierung mit den Zwittern in ihrem Kampf um die schnellstmögliche Beendigung der genitalen Zwangsoperationen und sonstigen uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen. Damit sieht's allerdings leider aktuell nicht nur an der Uni Hamburg bisher nach wie vor erstmal düster aus ...

>>> Ältere Fassung des Texts von 2006 als PDF im InterArchiv

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Tuesday 25 May 2010

"Ettlich Sind Bederlay Geslechts" - Ausstellung von Ins Kromminga in Bremen

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Ins A. Kromminga stellt aus in der Galerie Herold in Bremen (noch bis am 30.5.).

>>> offizielle Ankündigung

Eine >>> Besprechung in der taz kommentiert wohlwollend, wie wenig aktionistisch die Ausstellung daherkomme. (Als Kontrast hierzu ein >>> englischsprachiger Artikel anlässlich einer Ausstellung vom letzten Jahr in Delhi.)

Auf Ins' neuer Homepage >>> Abject.de hat's zudem eine >>> Galerie mit aktuellen Werken.

Meine 2 Cent: Dass auch Künstler_innen leben müssen, leuchtet ein. Persönlich find ich's trotzdem zuallermindest diskussionswürdig, wie Ins bei der aktuellen Ausstellung primär "Mythologisches" in den Vordergrund stellt, zumal scheinbar unreflektiert und in einer Form, die zumindest mich fatal an seinerzeitige (Fake-)Zwitter erinnert, wie sie einst als sogenannte >>> "Half-and-Half" bei jeder gut sortierten Freakshow dazugehörten:

  
Links ein zeitgenössisches Sideshow-Beispiel,
rechts das titelgebende Bild der Ausstellung © Ins Kromminga.
(zum Vergrössern jeweils reinklicken)

Denn bekanntlich kann Ins Kromminga auch anders:

"PRADER™: Genital Fashion* since 1957.
*Fashion, Design, experimental, cosmetic plastic surgery."

© Ins Kromminga 2009

(Andrea Prader hiess der schweizer Endokrinologe, der 1950 bei John Moneys Einflüsterer Lawson Wilkins im berüchtigten Johns Hopkins Hospital lernte und 1957 eine Habilitation zum Thema verfasste; von ihm stammt die berühmt-berüchtigte "Prader-Skala".)

Sunday 23 May 2010

Onlinepetition medizinische Versorgung für Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung auf Kasse

Nicht nur Zwitter sind damit konfrontiert, dass Krankenkassen sich rundheraus weigern, für die Folgen von Genitalverstümmelungen aufzukommen, z.B. für adäquate Ersatzhormone nach Zwangskastrationen, psychologische Behandlungen wegen der Traumatisierungen, oder dass sie versuchen, Zwitter, die mit ihrer Zwangszuweisung nicht zufrieden sind, in eine Transsexuellenlaufbahn zu zwingen um die Verstümmelungen nicht als Fehlbehandlung anerkennen zu müssen.

Auch bei Betroffenen von weiblicher Genitalverstümmelung wollen die Kassen oft nicht für Behandlungen aufkommen. Hier mit der Ausrede, es gäbe im ICD-Behandlungsschlüssel nunmal keine entsprechende Diagnose.

Terre des Femmes und das Familienplanungszentrum Balance haben deshalb eine Petition an den Bundesgesundheitsminister gestartet, um hier für Abhilfe zu sorgen.

>>> Die Petition kann auch online unterschrieben werden! Danke!

Saturday 22 May 2010

Zwitter @ Lesbenfrühlingstreffen 2010 - Workshop mit Diana Hartmann

Gestern war sie zu Gast in der Sendung Nachtcafé (neu:
>>>
Videolink, Kommentar & Transkript) – heute hält Diana Hartmann einen 3-teiligen Workshop zum Thema am diesjährigen >>> Lesbenfrühlingstreffen im Hamburg:

Intersexualität – Krankenaktenzeichen xx xox xxy ungelöst, das Leben zwischen den anerkannten Geschlechtern

1. Was ist Intersexualität – eine Stunde der Aufklärung
2. Intersexuelle in der Geschichte damals und heute
3. Menschenrechte auch für Zwitter 

Der Workshop findet statt im Themenblock "Tabus in der Lesbenszene", in einem weiteren Workshop dieser Rubrik geht es übrigens um "Bärtige und haarige Frauen".

Kommentar: Zwitter sind Menschen wie alle anderen auch. Sie fühlen sich als (eher) Frauen, als (eher) Männer, als etwas dazwischen oder nochmals anders. (Manche Zwitter fühlen sich gar ausdrücklich als Zwitter – als weibliche Zwitter, als männliche Zwitter, oder einfach "nur" als Zwitter.) Ungeachtet dessen stehen die einen Zwitter auf Frauen, die anderen auf Männer, auf beide, (auch) auf Zwitter – usw. 

Ob zwangsoperiert oder nicht: Sowohl in der Hetero- wie auch in der Lesben- und Schwulenszene beklagen sich manche Zwitter darüber, dass sie von den "reinrassigen" Frauen und Männern wegen ihrer körperlichen Besonderheiten ausgegrenzt werden – auch sexuell und in der Liebe.

Umso schöner, dass das Lesbenpfingsttreffen 2010 mit diesem Workshop von Diana Hartmann einen aktiven Beitrag leistet für mehr Toleranz, gegen das Zwitter-Tabu und gegen Stigmatisierung. Dafür von diesem Blog ein ganz herzliches Danke!

Siehe auch:
- Mit der Hoffnung im Herzen
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 

Saturday 15 May 2010

"Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Die Aktion in der Süddeutschen, 14.5.10

Seit Jahren beklagen sich Betroffene von sexualisierter Gewalt ebenso wie zwangsoperierte Zwitter, dass an "Fachtagungen" usw. immer noch über sie statt mit ihnen gesprochen wird. Norbert Denef vom >>> "NetzwerkB" für Betroffene von Sexualisierter Gewalt zeigte gestern, dass es darüber hinaus wirksamere Möglichkeiten gibt, um den TäterInnen die "internen Diskussionen" unter Ausschluss der Opfer zu vermiesen.
>>> Video Brisant, 14.5.10
>>> Video ARD Tagesschau, 14.5.10

"Ich will stören"

Seither ist der Kampf gegen das Schweigen der Kirche zu Denefs Mission geworden. Er hat das NetzwerkB, das Netzwerk Betroffener, gegründet. Er hat verstanden, dass nur die Öffentlichkeit den Druck erzeugt, der die Kirche zum Umlenken und Umdenken bringen kann. Von allein, da ist er überzeugt, handelt sie nicht.

Und Denef hat verstanden, wie man die Öffentlichkeit nutzt.

Die Veranstaltung beim Kirchentag ist sein Podium - auch wenn man ihn nicht eingeladen hat. (Spiegel Online, 14.5.10, mit cooler Fotostrecke)

Das Mittel seiner Wahl ist keineswegs neu (und noch die harmlosere Variante), sondern gehört seit eh und je zum bewährten Repertoire sozialer Bewegungen. Und obwohl prompt einmal mehr Kritik über das "unbotmässige Opfer" laut wird (ein typisches Beispiel inkl. Repliken von anderen Betroffenen siehe hier), gibt ihm der >>> phänomenale Medienerfolg einmal mehr Recht.

Die Betroffenen von sexualisierter Gewalt brauchten in Deutschland geschätzte 30 Jahre, bis sie soweit waren, dass sie nicht nur das Schweigegebot überwanden und stattdessen den TäterInnen lautstark entgegentraten, sondern nun auch die bewährten Methoden der Gewaltfreien Aktion systematisch in Anspruch zu nehmen beginnen – weil bloss klagen und höflich fragen allein eben nicht zum Erfolg führt.

Wie lange werden die Zwitter brauchen?

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen (1) 

Tuesday 4 May 2010

16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

In Berlin fand am letzten Sonntag zum 16. Mal (!) der T4-Umzug statt, beginnend mit einer Kundgebung an der Gedenktafel an der ehemaligen Tiergartenstrasse 4 (siehe Bildausschnitt oben), dem damaligen Standort der "Euthanasie"-Mord-Zentrale.

Berichte und Fotos dazu auf >>> de.indymedia.org und >>> freedom-of-thought.de.

Einige Ausschnitte aus der Ansprache am Schluss des Umzugs und aus dem Flyer:

"Wir gedenken heute der Opfer eines unmenschlichen Aktes. An seiner Ausführung waren vor allem auch Mediziner beteiligt. Es war ein grausamer Massenmord, der gegen Menschen ausgeführt wurde. Man hat sie zuerst ihrer Freiheit, ihrer Würde und ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt und sie dann als „Entartete“ bezeichnet und umgebracht. [...]

Inzwischen vergingen 70 Jahre. [...] Heute heißt, es es sei „Frieden“… [...]

Die Psychiatrie-Erfahrenen berichten da etwas ganz anderes. Sie berichten über Gewalt, über Verletzung von elementaren Menschenrechten, dass ihre Würde und das Recht auf Selbstbestimmung für die heutigen Psychiater, genauso wie damals, keine Rolle spielen. [...]"

"[...] Wir wollen der Opfer der medizinischen Massenmorde gedenken [...] von 1939-1949 [...].

Beschämender Weise sind selbst heute die Funktionsträger der BRD nicht bereit, auf den Nazi-Euphemismus „Euthanasie“ zu verzichten, wenn sie dem medizinischen Massenmord und diesem immer nur in einem Zeitfenster von 1939-1945 „gedenken“ und diesen so benennen. (1) Tatsächlich hatte das Morden mit einem selbst herbeigewünschten Tod nicht das Geringste zu tun, sondern war eine systematische ärztliche Mordaktion und muss auch so benannt werden.

Das Datum unseres Umzuges wurde gewählt als Erinnerung an die Verkündung des Urteils des Foucault-Tribunals am 02. Mai 1995 in Berlin:

„Wir stellen fest, daß die Psychiatrie, die nicht bereit ist, Zwang und Gewalt aufzugeben, sich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat: der vorsätzlichen Zerstörung von Würde, Freiheit und Leben. ... “ (2)"

Monday 29 March 2010

LSVD und Zwittersolidarität: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück?

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) kann für sich in Anspruch nehmen, die erste deutschsprachige LGB-Organisation zu sein, die Zwitter konkret politisch unterstützte:

2009 verabschiedete die Verbandstagung einstimmig (!) u.a. einen sensationellen Wahlprüfstein "9. Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen bekämpfen!", der Klartext brachte und Zwitter für einmal nicht vereinnahmte, sondern explizit den "erheblichen Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde" durch kosmetische Genitaloperationen und weitere "Zwangsbehandlungen" anprangerte. Mit eindeutigem Ergebnis: In den Antworten sprachen sich darauf 4 von 5 Bundestagsparteien gegen genitale Zwangsoperationen aus!

(Ok, zwar lediglich unverbindlich als papierenes Wahlversprechen, was aber im Vergleich zum sonstigen Schweigen oder gar aktiver Unterstützung der Zwangsoperateure durch die allermeisten Parteien schon mal eine gute Falle machte.)

Das solidarische Eintreten des LSVD machte eine kurze Zeit gar Schule: So schrieb sich z.B. der CSD Konstanz und Kreuzlingen 2009 ebenfalls auf die Fahnen, "Selbstbestimmung" und "das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit auch intersexuellen Menschen nicht mehr länger zu verweigern".

Leider, leider scheint dieses vorbildliche solidarische Eintreten des LSVD für die nach wie vor fehlenden, elementarsten Menschenrechte auch für Zwitter im neuen Jahr längst Schnee von gestern zu sein, und im Gegenteil die altbekannte Vereinnahmung wieder Trumpf:

Schon im Herbst 2009 wurden im Rahmen der Standesinitiative zur Aufnahme von "sexuelle Identität" ins Grundgesetz die Zwitter wieder als blosses Mittel zum Zweck verbraten, unter Missachtung ihrer eigenen, spezifischen Anliegen. Zwar ging da zunächst die vereinnahmenden Statements von den Galionsfiguren der Standesinitiative aus, nämlich den schwulen Bürgermeistern der einreichenden Stadtstaaten (die gleichzeitig zulassen, dass in ihren Spitälern nach wie vor serienweise Zwitterkinder genitalverstümmelt werden!).

Nach der politischen Niederlage der Standesinitiative konterten LSVD, Grüne und SPD mit einem Gesetzesentwurf zu Handen des Bundestags, gekoppelt mit einer 2010 gestarteten Petition, die auch vom LSVD vorbehaltslos unterstützt wurde.

Allen drei Vorstössen gemeinsam: Ein Zwitter vereinnahmender Grundsatztext, in dem die Leiden Zwangsoperierten nach altbekanntem Muster einmal mehr bagatellisiert, hintenangestellt, "mitgemeint" und als blosses Kanonenfutter für LGB(T)-Anliegen instrumentalisiert werden! Und aus dem ganzen deutschen LGB(T)-Spektrum nicht ein einziges kritisches Wort dazu!

Auch wenn LGB(T) zur Zeit nicht nur in Deutschland politisch ein rauher Wind ins Gesicht bläst – deshalb einfach die Nächstschwächeren für die eigenen Anliegen auszubeuten, kann doch die Antwort darauf nicht sein!

Erst recht nicht, so lange WEITERHIN TÄGLICH WEHRLOSE ZWITTERKINDER GENITALVERSTÜMMELT WERDEN!

Zum Vergleich: In der Schweiz wurde der vereinnahmende Petitionstext prompt nur leicht abgewandelt, um eine – in der Sache völlig andere – Amnesty-Petition zu bewerben. Erfreulicherweise gab's in diesem Fall jedoch von einer Queer-Interessengruppe solidarische und deutliche Worte gegen die Zwitter-Instrumentalisierung – es geht eben doch!

Warum also nicht auch beim LSVD?

Würden von den versammelten VereinnahmerInnen in Grünen und SPD (und anscheinend auch LSVD) nur schon ein paar wenige mal an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell (wieder) andere Parolen – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

Thursday 25 March 2010

"Sexueller Missbrauch": Justizministerin fordert Entschädigungen auch "in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist"

>>> Petition „Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben“

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Wie immer, wenn ein Thema die Schlagzeilen beherrscht, versuchen sich auch die PolitikerInnen eine Scheibe abzuschneiden. So auch in der gegenwärtigen Debatte um sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Wieviel von den schönen Absichtsbekundungen dann auch verwirklicht wird, bleibt abzuwarten.

Traurig genug, dass am lautstark geforderten "runden Tisch der Bundesregierung" nach wie vor nicht klar ist, ob dort auch die Betroffenen nur schon angehört werden. (Zum "runden Tisch" vgl. weiter die heutige Pressemitteilung der Deutschen Kinderhilfe e.V.)

Trotzdem ist's fürs erste erfreulich, dass z.B. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sich immerhin schon mal verbal-öffentlich für die Opfer sexualisierter Gewalt einsetzen. So z.B. am 9.3. in der Süddeutschen Zeitung:

[...] Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die katholische Kirche auf, die Aufklärung von Missbrauchsfällen konsequenter anzugehen als bisher. "Es braucht ein klares Signal an die Opfer, wie zum Beispiel das Gespräch über freiwillige Wiedergutmachungen in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist."

Dies wäre "ein Stück Gerechtigkeit, auch wenn sich das erlittene Unrecht materiell nicht aufwiegen lässt", sagte Leutheusser-Schnarrenberger [...]. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Fälle zugegeben werden, die sich nicht länger bestreiten lassen, fügte die Ministerin hinzu.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, eine praktizierende Katholikin, appelliert an ihre Kirche, Opfer zu entschädigen, richtet ihren Appell aber auch an Träger weltlicher Einrichtungen wie etwa die Odenwaldschule, wo es ebenfalls Missbrauchsfälle gab. "Überall dort, wo systematischer Missbrauch über längere Zeit vertuscht wurde, muss Aufklärung geschaffen werden, damit sich das nicht wiederholt." Eine symbolische Entschädigung "wäre ein angemessenes Angebot an die Opfer von damals", sagte sie [...].

Prompt wurde dies auch auf Spiegel Online aufgegriffen, wobei auch weitergehende Forderungen nach Verlängerung/Aufhebung der Verjährung formuliert wurden (wie Norbert Denef diese seit Jahren zunächst erfolglos im Bundestag und nun vor dem Europäischen Menschengerichtshof fordert >>> Petition):

"Entschädigungsansprüche verjähren zu schnell"

Vermehrt wurden in FDP und Union Stimmen laut, die eine Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfristen fordern. Für eine entsprechende Änderung sprachen sich Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sowie der FDP-Politiker Max Stadler aus. Stadler sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren für Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadenersatz sei deutlich zu kurz. Der FDP-Rechtsexperte Hartfrid Wolff will die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche daher auf 30 Jahre anheben. Unionsfraktionsvize Günter Krings sprach sich ebenfalls für längere zivilrechtliche Fristen bei Missbrauch aus. "Entschädigungsansprüche der Opfer laufen heute in der Regel ins Leere, weil sie zu schnell verjähren", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele Betroffene fänden erst nach Jahren oder Jahrzehnten die Kraft, sich zu offenbaren. "Eine Verzehnfachung der Verjährungsfrist auf 30 Jahre würde in den allermeisten Fällen Abhilfe schaffen."

Dito auch im Stern:

Vor allem Mitglieder der christlichen Parteien fordern zudem schärfere Gesetze, um künftig auch in jahrzehnte-alten Missbrauchsfällen die Täter bestrafen zu können. [...] Der FDP-Rechtsexperte Hartfrid Wolff will die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche daher auf 30 Jahre anheben.

[...] Viele Opfer seien erst nach vielen Jahren in der Lage, sich mit ihrem Leid auseinanderzusetzen, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. CSU-Chef Horst Seehofer und seine Justizministerin Beate Merk sprachen sich wie Wolff für eine längere Verjährungsfrist von mindestens 30 Jahren aus. Bislang liegt die Frist bei 10 Jahren, in besonders schweren Fällen bei 20 Jahren - gerechnet vom 18. Geburtstag des Opfers an.

Laut der ARD-Tagesschau sprach sich auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) für verlängerte Verjährungsfristen aus. Einzig Grünen-Chef Cem Özdemir will davon nichts wissen.

Wenig überraschend hält laut einer epd-Pressemeldung die katholische Kirche nichts von Entschädigungen:

Der Beauftragte für Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, Stephan Ackermann, geht nicht davon aus, dass die Missbrauchsopfer finanzielle Entschädigung verlangen. "Sie wollen über ihr Schicksal sprechen", sagte der Trierer Bischof [...].

Betroffene sind da offensichtlich anderer Meinung (werden aber leider nach wie vor weniger öffentlich wahrgenommen), wie folgender Offener Brief von Helmut Jacob beweist:

Wollen Sie auch nur noch ein bisschen Glaubwürdigkeit zurück erobern, so richten Sie gemeinsam mit der Evangelischen Kirche umgehend einen Opferfonds ein, aus dem dringende soziale und therapeutische Maßnahmen bezahlt werden. [...]

Bleibt abzuwarten, wieviele konkrete Taten den obigen schönen Worten der PolitikerInnen folgen werden ...

>>> Petition „Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben“

>>> Pressemitteilung Deutsche Kinderhilfe e.V. zum Runden Tisch

>>> Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen 

Wednesday 17 March 2010

Do 18.3.10: Politischer Vorstoss betreffend kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Inselspital Bern

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009 (Bild: Ärger)

Update 18.3: Neben Kantonsrätin Margreth Schär wurde von TeleBärn auch Daniela "Nella" Truffer interviewt. Für das Inselspital war nur mehr der Pressesprecher erhältlich ...

>>> Interpellationstext als PDF
>>> Beitrag auf TeleBärn 18.3.

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden.

Im Inselspital Bern werden schweizweit wohl am meisten Kinder mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen kosmetischen Genitaloperationen und weiteren medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Behandlungen unterzogen.

Da die Wirksamkeit dieser Eingriffe nie klinisch getestet wurde und auch die in der Medizin sonst üblichen Nachkontrollen bisher stets unterbleiben, handelt es sich um unkontrollierte Menschenversuche. Überforderten Eltern werden diese trotzdem regelmässig als erprobt und sicher verkauft.

Solche kosmetischen Genitaloperationen werden auch im Inselspital seit über 50 Jahren an Zwitterkindern systematisch durchgeführt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Auch auf einen Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vom 16. August 2009 blieb das Inselspital bisher jegliche Antwort schuldig.

Zwischengeschlecht.org freut sich deshalb sehr, dass morgen Donnerstag, den 18. März 2010, im Kantonsrat Bern ein politischer Vorstoss zugunsten von Zwittern gemacht wird.

Margreth Schär (SP) und Corinne Schärer (Grüne) werden eine Interpellation zum Thema "Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit 'uneindeutigen' körperlichen Geschlechtsmerkmalen" einreichen und der Regierung Fragen stellen über die Art und den Umfang solcher Zwangseingriffe an Kindern im Kanton Bern und wie die Regierung diese beurteilt.

Der 18. März wird ein wichtiger Tag für alle Zwischengeschlechtlichen und für alle, die sie in ihrem Kampf um Selbstbestimmung unterstützen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Zwangsoperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.  

Siehe auch:
- TeleBärn, 18.3.10: "Zwangsoperiert wird schon lange nicht mehr" - Inselspital lügt wie gehabt ...
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital
- Offener Brief an das Inselspital Bern (PDF)
- Pressespiegel Aktion & Offener Brief Insel 16.8.09  
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 6.7.08
- Basel-Stadt: Politischer Vorstoss gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern!
- Mo 26.10.09: Intersex Awareness Day - Historischer politischer Vorstoss in Zürich gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern
- Milton Diamond fordert gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern

Tuesday 16 March 2010

Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen

Norbert Denef auf cnn.com    >>> Petition

Seit dem letzten "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" zum Thema sexualisierte Gewalt auf diesem Blog vor gut 3 Wochen hat sich vieles getan: Dutzende weitere Opfer meldeten sich zu Wort, die Polizei führte Razzien durch, das Thema ist in den Medien nach wie vor sehr präsent, und zwar nicht mehr nur in Bezug auf kirchliche Institutionen.

Aus Sicht der Zwitterbewegung m.E. besonders interessant auch, wie sich die Opfer zu organisieren beginnen, und mit welchen faktischen und psychischen Realitäten sie dabei zusätzlich zu kämpfen haben.

Norbert Denef kämpft seit Jahren aktiv gegen das Fortdauern und die faktische Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt an Kindern, und begleitet und kommentiert das aktuelle Geschehen auf seiner exzellenten Homepage. In den letzten Wochen geht es dort nun auch in den Kommentaren zusehends ab. Zwei Beispiele:

Auch Opfer von sexualisierter Gewalt haben damit zu kämpfen, dass Organisationen, die Fördergelder erhalten, um sich für die sie einzusetzen, dies meist lange nicht so öffentlich und nachdrücklich tun, wie es nötig wäre, um die Gunst der Stunde effektiv zu nützen. Ein offener Brief an einschlägige Organisationen und die daraus resultierende Diskussion unterstreichen dies.

Auch Opfer von sexualisierter Gewalt sind stark traumatisiert und haben ein Leben lang insbesondere auch unter dem Schweigegebot der Täter zu leiden. Oft genug verunmöglicht ihnen das, konsequent gegen die Täter aufzutreten, oder gar öffentlich gegen diese vorzugehen. Es gibt zudem einen ganzen Zweig von (Täter-)Psychologen, der seine vornehmliche Aufgabe darin sieht, die Opfer zu möglichst rascher "Vergebung" zu bewegen – und sie dadurch gleich nochmals mundtot zu machen. Dies ist gegenstand einer Kommentar-Diskussion, die eigentlich zu einem ganz anderen (ebenfalls interessanten) Thema begann (die "Vergebungs"-Diskussion startet hier). Interessant auch die Diskussion um das Vorhaben, einen starken Verein gründen zu wollen, der sich konsequent für die Belange der Opfer stark macht.

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Tuesday 9 March 2010

"Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht" - öffentliche Diskussion, Bremen 14.4.10 20h

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Ort: "belladonna", Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V., Sonnenstraße 8 , 28203 Bremen

Von Michel Reiter auf auf seiner Homepage und im Hermaphroditforum gepostete Ankündigung:

Talkrunde
[...]

Weder Frau noch Mann
Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht

in Kooperation mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bremen

Die Existenz von Menschen, die sich biologisch nicht eindeutig in die Kategorie „Frau“ oder „Mann“ einordnen lassen, wird in der Öffentlichkeit meist gar nicht wahrgenommen. So genannte Intersexuelle, Hermaphroditen oder auch Zwitter werden schon als Kleinkinder medikamentös oder operativ behandelt mit dem Ziel, ihnen ein „eindeutiges“ Geschlecht zuzuweisen. Meist geschieht das, bevor sie alt genug sind mitzuentscheiden. Sie geraten in die Mühlen der Medizin und leiden unter den Folgen der Behandlung oft ihr ganzes Leben lang. Der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung führt häufig zu Depressionen, nicht selten auch zu Suiziden. Angehörige werden häufig nicht umfassend aufgeklärt und beraten. Sie fühlen sich massiv unter Druck gesetzt.
„Warum und wieso kann es nicht einfach akzeptiert werden, dass es ein `drittes Geschlecht´ gibt? Es ist die unbeschreibliche Ohnmacht, die einen überfällt wenn man einmal mehr als NICHT EXISTENT bezeichnet wird.“ (Auszug aus einem online-Tagebuch eines Betroffenen).

Impulsreferat von Michel Reiter: „Hermaphroditen: das unaussprechlich Reale?“
Er kämpft seit Jahren für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

In der Talkrunde:
Lucie Veith, Gruppe Intersexueller Menschen e.V., Hamburg
Prof. Dr. Konstanze Plett, Professorin für Rechtswissenschaften und Gender Law, Universität Bremen
Moderation: Björn Fecker, MdBB, stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die Diskussionsveranstaltung ist für Frauen und Männer

Kommentar: Die Formulierung "Für Frauen und Männer"  ist, wie schon im Hermaphroditforum festgehalten wurde, Standard bei vielen Frauenprojekten, wenn zu einer Veranstaltung nicht ausschliesslich Frauen zugelassen sind, und folglich nicht böse gemeint, wenn auch im vorliegenden Fall zumindest formell unsensibel. Nachtrag: Auf der Homepage des Veranstaltungsortes wurde die Formulierung nun abgeändert zu "für alle Interessierten offen". Danke!

In der Sache selbst scheint diese Veranstaltung, in löblichem Gegensatz z.B. zum sog. "Fachgespräch" der Bundestags-Grünen vom letzten Jahr, endlich gewillt, die Leiden der Zwangsoperierten Ernst zu nehmen und auf sie zu hören. Danke! Bleibt zu hoffen, dass als nächster Schritt konkrete politische Aktionen folgen, um die kosmetischen Zwangseingriffe endlich zu stoppen!

Allein in Deutschland wird etwa JEDEN TAG ein Zwitterkind genitalverstümmelt, in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES! Wie lange noch?

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen
- Euro-DSD: Lübecker Zwitterstudie frisiert
- Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert

Thursday 4 March 2010

OII-Petition gegen Diskriminierung von Zwittern durch das Internationale Olymische Komitee (IOC)

>>> Caster Semenya and Discrimination of "Hermaphrodites" in Sports
>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Gender Tests, Surgery for Intersexed Athletes
>>> "Hermaphrodites" in sports: IOC and IAAF deny responsibility
>>> Open Letter to IOC      >>> IOC's (Non-)Answer     >>> Stop Genital Surgery

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Organisation Intersex International (OII) hat eine unterstützenswerte >>> Online-Petition an das Internationale Olympische Komitee aufgeschaltet, verfasst von Hida Viloria, worin gefordert wird:

1. Das IOC soll seine Forderungen zurücknehmen, wonach zwischengeschlechtliche Sportlerinnen ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") diagnostizieren und "behandeln" lassen müssen [dieser Blog berichtete].

2. Das IOC soll den erwähnten Athletinnen, bekannt als zwischengeschlechtliche Frauen ("intersex women"), erlauben als Frauen an Wettkämpfen teilzunehmen, ohne ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") zuerst diagnostizieren und "behandeln" lassen zu müssen.

3. Das IOC, die Presse und Mediziner sollen diese Frauen mit körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") als "Intersex Frauen" bezeichnen, und nicht als "Frauen mit einer Störung der geschlechtlichen Entwicklung".

Kommentar: Nach dem unterstützenden Statement vom 17.2.10 (siehe hier --> 7) zur Kampagne gegen Dexamethason-Zwangsbehandlungen ergreift die Organisation Intersex International (OII) nun schon zum 2. Mal im neuen Jahr konkrete Schritte gegen ZwangsbehandlerInnen von Zwittern und ihre Handlanger und Helfershelfer (statt der sonst eher üblichen Aktivitäten betreffend "internen Grabenkämpfen" sowie zu den Themenkreisen "Identität" und "(Trans-)Gender").
Wir gratulieren!
Und fordern alle auf: >>> Unterschreibt auch!

Siehe auch:
- Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
- Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit

Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen: Weitere Antworten auf Offene Briefe

Menschenrechte auch für Zwitter!

Heute wurden auf fetaldex.org/updates neue Antworten auf Offene Briefe der Kampagne veröffentlicht von der US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen und der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society. Links und Zusammenfassungen:
UPDATES >>> 7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche

Wednesday 3 March 2010

Schweiz: Zwitter-Vereinnahmung im Zusammenhang mit Amnesty-Petition - Sündikat gibt Gegensteuer!

Heute behandelt der Schweizer Nationalrat eine >>> Motion vom 9.6.09 der Grünen Katharina Prelicz-Huber (PDF) zur Erweiterung des Flüchtlingsbegriffs um "Fluchtgründe[...] im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung und/oder Identität", um eine "Sensibilisierung" zu erreichen "bezüglich der geschlechtsspezifischen Verfolgungssituation von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transsexuellen usw." (vgl. dazu auch ihre damit zusammenhängende >>> Interpellation gleichen Datums (PDF)). Zu deren Unterstützung lancierte Amnesty Schweiz eine Kampagne "Homosexuelle Flüchtlinge brauchen unseren Schutz", sowie eine (unterdessen abgeschlossene) >>> Online-Petition.

Wohl nicht von Amnesty selbst, aber z.T. im Namen von (Queer-)Amnesty Schweiz wurde u.a. mit Rundmails (Wortlaut siehe z.B. hier und hier) für diese Petition geworben, in denen (im Gegensatz zur Amnesty Kampagne und Petition selbst) einmal mehr die übliche Zwittervereinnahmung betrieben wurde, indem "Intersexuelle" einmal mehr "mitgemeint" werden, ohne dass jedoch auf ihre spezifischen Probleme überhaupt eingegangen wird (wie es derzeit auch in Deutschland im Zusammenhang mit dem Kampf um Aufnahme des Schutzes von "sexueller Identität" ins Grundgesetz allenthalben praktiziert wird).

Soweit, so altbekannt. Ganz neu war hingegen, dass in der Schweiz die Queer-Interessengruppe Sündikat diese Zwitter-Vereinnahmung öffentlich kritisierte und sich mit der Zwitterbewegung aktiv solidarisierte, indem sie den besagten Aufruf zwar weiterleitete, aber nur unter folgendem Vorbehalt:

Sündikatverteiler mit Vorbehalte zum Petitionstext

Liebe alle

Wir haben uns nach einiger diskussion dafür entschieden, die untenstehende petition *trotz vorbehalten * weiterzuleiten. Wir stören uns an der willkürlichen und unsystematischen aufzählung der betroffenen (im ersten satz geht es um lesben, schwule, bisexuelle und transgender, ein paar sätze weiter dann um transsexuelle und intersexuelle, und im vorgeschlagenen gesetzestext steht nochmals ein anderer text). *Vor allem aber finden wir problematisch, dass die petition mit den rechten von intersexuellen argumentiert, obwohl sie rein gar nichts dafür tut. Die formulierung "sexuelle orientierung und/oder identität" schließt intersexuelle im zweifelsfall nicht ein, und auf das recht auf körperliche unversehrtheit wird mit keinem wort eingegangen.* (Natürlich, *weil dieses leider auch in der schweiz immer noch nicht garantiert werden kann!*)

Trotz dieser mängel halten wir die petition für einen schritt in die richtige richtung. Aber keinesfalls für den letzten!

Wir möchte uns diesem Vorbehalt anschliessen und bedanken uns für diesen Akt der Solidarität bei allen Beteiligten ganz herzlich! (Wenn auch leider ferien- und krankheitshalber erst jetzt.)

Zudem scheint, nachdem Amnesty Schweiz noch im alten Jahr in anderer Sache einen mit dem kritisierten Rundmail vergleichbaren, scheinbar unbeirrbaren Vereinnahmungskurs fuhr, im neuen Jahr, ebenfalls dank Hinweisen des Sündikats, bei Amnesty Schweiz nun prinzipiell etwas in Bewegung zu kommen ... Auch dafür allen Beteiligten schon mal herzlichen Dank!

Nachtrag: Wie Pink Cross mitteilte, lehnte der Nationalrat am 3.3.10 die Motion von Katharina Prelicz-Huber mit 125 zu 64 Stimmen ab: "PINK CROSS bedauert, dass dem speziellen Schutzbedürfnis von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender nicht Rechnung getragen wird. Sie werden zwar nach der Praxis vom Gesetz "mitgemeint", doch hätte die ausdrückliche Erwähnung zu einer verstärkten Sensibilisierung geführt, die sehr wichtig gewesen wäre." Sowohl kommerziellen noch sonstigen deutschsprachigen Medien war dies offensichtlich keine einzige müde Zeile Wert ... (Oder zumindest findet sich online keine einzige Meldung.)

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Sunday 28 February 2010

Kampagne gegen pränatales Dexamethason: Weitere Offene Briefe

Menschenrechte auch für Zwitter!

Hilde Lindemann und Alice Dreger schrieben einen 4. Offenen Brief, plus zusätzliche Offene Briefe an weitere Organisationen, u.a. im Zusammenhang mit Studien von Heino Meyer-Bahlburg. OII publizierte zudem ein unterstützendes Statement.
UPDATES >>> 7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche

Siehe auch:
- Alice Dreger über pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen und EthikerInnen als MittäterInnen 

Saturday 20 February 2010

Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt" - Südwest Presse, 20.2.10

“Sexualisierte Gewalt ist Seelenmord – ihn mit Liebe zu vergleichen, ein Verbrechen.”  (Norbert Denef)

Wie traumatisierte Opfer von sexualisierter Gewalt im Kindesalter wurden auch traumatisierte zwangsoperierte Zwitter meist von klein an massiven Gewalttaten und Übergriffen ausgesetzt, gekoppelt mit gewaltsam durchgesetzen Schweigegeboten und dem Zwang, sich konstant verleugnen müssen.

Viele zwangsoperierte Zwitter stellen immer wieder fest, wie sehr mitunter Aussagen von Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch Ähnlichkeiten haben mit ihren eigenen Geschichten. So auch Nella >>> bei diesem Fernsehbeitrag.

Ebenfalls gemeinsam haben sie die "doppelt so [hohe Rate bei] [...] selbstverletzendem Verhalten und Selbstmord [...] wie bei der Normalbevölkerung", wie etwa Hertha Richter-Appelt mehrfach öffentlich zitiert wird.

Was jedoch zur Zeit in Deutschland in Sachen aktiver Kampf gegen Kindesmissbrauch abgeht, da können Zwitter und solidarische Nichtzwitter derzeit nur neidisch gucken – und sich freuen!

Aus aktuellem Anlass ein weiterer Blick über den "eigenen" Tellerrand hinaus:

>>> Interessanter Leitartikel von Elisabeth Zoll zu einem ebenfalls
>>> interessanten Artikel über einen wiederum
>>>
interessantem Spiegel-Follow-Up-Artikel zur schon wieder
>>>
interessanten vorletzten Spiegel-Titelgeschichte.

Diese beindruckende Medienresonanz kommt nicht von Ungefähr:

>>> Seit langem Aktive
>>> mit
vorbildlicher und hochinteressanter öffentlicher Präsenz
auf >>> vielen Kanälen >>> machen mobil:

Jetzt bricht eine neue Ära an – Opfer stehen für sich ein

Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind Opfer sexualisierter Gewalt. Es reicht!

Wir Betroffenen wenden uns an alle anderen Gewaltopfer und alle Gutwilligen, die die Kraft haben, die Barbarei, die sexuelle Gewalt bedeutet, wahr zu nehmen und sich ihr entgegen zu stellen. Viel zu lange hat uns unsere Scham den Mund verschlossen.

Aber so werden wir nie etwas ändern. Es wird immer so weiter gehen, immer weiter wird es Kinder geben, die dran glauben müssen, wenn wir unsere Erfahrungen bei uns behalten, als würden sie nur uns etwas angehen. Nein, sie gehen alle an!

Und >>> fordern:

"Nur der radikale Ausstieg aus der Opferrolle, verbunden mit dem Ablegen aller Masken, die wir bisher zum Schutz getragen haben, kann den Opfer-Täter-Täter-Opfer Kreislauf beenden."

Dass es nur mit genügend Druck und Entschlossenheit tatsächlich real möglich ist, Täter öffentlich blosszustellen und juristisch zur Verantwortung zu ziehen, und zwar überall, war schon dem Spiegel-Titel nicht entgangen:

[...] Wie ihre deutschen Brüder versuchten Nordamerikas katholische Bischöfe jahrelang, ihre Priester zu schützen, die Vorwürfe kleinzureden, die Opfer abzubügeln - bis US-Gerichte, Politik und Öffentlichkeit sie zu Antworten drängten. Und zu Entschädigungen. Der Gesetzgeber hob Verjährungsfristen auf, beispielsweise im Bundesstaat Delaware, was zu einer Flut neuer Klagen führte; Urteile zwangen Diözesen, ihre Archive zu öffnen.

Mehr und mehr Opfer meldeten sich, am Ende überrollte die katholische Kirche Nordamerikas der größte Skandal ihrer Geschichte. Die Bilanz der US-Bischöfe: Seit 1950 missbrauchten mehr als 5000 Priester etwa 12 000 Heranwachsende.

Gleich mehrere Bistümer gingen pleite, weil sie die Entschädigungen nicht zahlen konnten, zum Beispiel Tucson in Arizona und San Diego in Kalifornien, jedes Mal hatten Hunderte Betroffene Ansprüche gestellt. Allein die Erzdiözese Los Angeles überwies über 660 Millionen Dollar. Insgesamt zahlte die US-Kirche deutlich über zwei Milliarden Dollar an Entschädigungen.

Dieser Blog freut sich für alle Opfer von sexualiserter Gewalt, die nun hoffentlich nicht nur in Deutschland endlich der Gerechtigkeit einen hoffentlich entscheidenden Schritt näher kommen, und wünscht allen aktiv Beteiligten weiterhin viel, viel Kraft und Ausdauer!

>>> http://norbert.denef.com   

Friday 12 February 2010

Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen: UPDATES

Menschenrechte auch für Zwitter!

Inzwischen wurde in den USA ein zweiter Offener Brief publik gemacht, plus ein Artikel u.a. von Alice Dreger, plus ein dritter Brief von "Betroffenen":
7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche
8) Eine neue Form von Widerstand
9) Handlungsbedarf auch in Europa

Hilde Lindemann on fetal dexamethasone

Siehe auch:
- Alice Dreger über pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen und EthikerInnen als MittäterInnen 

Wednesday 10 February 2010

Wenn Zwitter sich als transsexuell verkaufen - Süddeutsche, 10.2.10

Nachtrag 2: >>> Thread auf dem Hermaphroditforum

Kann ein Zwitter Sünde sein?>>> Zwiespältiger Artikel von Anna Fischhaber über die "Intersexuelle" JJ Eichmann, der einmal mehr zeigt, wie positive Medienresonanz ohne kontinuierliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit schnell mal wieder Schnee von gestern wird, und die altbewährten Medinzyner- und Trans-Deutungshoheiten erneut ihr Haupt erheben, als wäre nie etwas gewesen.

Der vorliegende Artikel bringt wie von unsichtbarer Hand gesammelt fast alle einschlägigen Ingredienzen, beginnend mit den Haupt- und Zwischentiteln wie z.B. "Zwitter in München: Mit Bart und Busen" oder "Ich werde ein richtiges Vollblutweib", gefolgt von durchgehenden "Weisheiten" à la "Frauen ohne Gebärmutter, mit Penis. [...] Männer mit Brüsten, ohne Bart.", "mehr oder minder glückliches Doppelleben", "sogar die Fräsmaschine in der Fabrik bedient sie in schwarzen Lackpumps", "überbordende[...] Sexualität", usw. usf.

Während die portraitierte JJ Eichmann einerseits als jemand geschildert wird, die ihre "Sexualität [...] öffentlich macht" (nicht zuletzt durch obige "einschlägige Weisheiten"), lauten die letzten Sätze des Artikels programmatisch:

Heute sagt die Wirtin wieder öfter, sie sei transsexuell, wenn ein Gast genauer hinschaut. Nicht weil sie sich schämt. "Übers Schämen bin ich längst hinaus", sagt JJ. Aber Zwitter, das klingt so unanständig, so fremd. Bei Zwitter kommen immer die Fragen. "Aber wie kann ich erklären, wie ich mich fühle. Wer kann das schon verstehen?"

Ohne Offenlegung und Aufarbeitung der auch in diesem Artikel einmal mehr von A-Z sorgfältig ausgeklammerten Menschenrechts- und Ethikverbrechen wohl tatsächlich niemand.

Die Gender-, Sexologen- und Medizynerfraktionen freuts ...

Nachtrag: Älterer, noch etwas weniger durchgehend "psychopathologisierter" Artikel über JJ Eichmann in der >>> Abendzeitung – teilweise mit wörtlich denselben "Weisheiten" ... 

Nachtrag 2: >>> Thread auf dem Hermaphroditforum  

Stern: Medizyner-Märchen-Diskussion auf dem Hermaphroditforum

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

>>> aktueller Thread zum 2. Artikel auf dem Hermaphroditforum

Noch im alten Jahr erschienen auf Stern-Online innert drei Tagen 2 Artikel, beide Male berichtete diesem Blog unter "Stern verbreitet Medizyner-Märchen" und mit dem Fazit (Artikel 1 / Artikel 2):

Erneut ein Machwerk, das letztlich unter "Medizyner Medien Offensivchen möchte gern zurückschlagen" abgelegt werden muss. Und das als Warnung dienen sollte, dass "positive Medienresonanz" keine Selbstverständlichkeit darstellt, sondern durch harte Lobbyarbeit jedes Mal von neuem erkämpft werden muss – und die Medizyner schlafen nicht ... 

Friday 29 January 2010

CH: Grüne gegen "chirurgische und hormonelle Eingriffe" an "intersexuellen" Kindern

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Ein an der letzten Delegiertenversammlung der Grünen Schweiz diskutiertes Papier >>> "Frauen + Männer = ? Grüne Positionen zur Geschlechterdemokratie im 21. Jahrhundert" (PDF) ging unter einem historischen Punkt "5. Körperliche Unterschiede und gesellschaftliche Zuschreibungen" explizit auch auf kosmetische Zwangseingriffe an Zwitterkindern ein (S. 11-12):

Körperliche und sexuelle Integrität unantastbar
Die körperliche und sexuelle Integrität ist unantastbar. Daher kämpfen die Grünen gegen die Genitalverstümmelung; diese sind bei Mädchen und Frauen strikt zu bestrafen. Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden. Von Intersexualität betroffene Kinder und Jugendliche müssen bei Volljährigkeit selber entscheiden dürfen, welchem Geschlecht (wenn überhaupt) sie angehören. Chirurgische und hormonelle Eingriffe sollen daher nicht vorher vorgenommen werden dürfen.
[...]

Damit diskutierten die Grünen als erste Partei in der Schweiz offiziell über gesetzliche Massnahmen gegen genitale Zwangsoperationen an Zwittern! Besonders erfreulich zudem, dass sie – anders als u.a. die deutschen Grünen, die SPD (aber auch etwa bei Amnesty Schweiz) – in keiner Weise der sonst meist allgegenwärtige LGBT-Vereinnahmung verfallen. Danke!

Leider wurde das Papier an der Delegiertenversammlung laut Agenturmeldungen wegen verschiedener strittiger Punkte zunächst zur Überarbeitung an den Vorstand zurückgewiesen. Wohl nicht zuletzt ausschlaggebend war eine ein unmittelbar vor der Versammlung in verschiedenen Medien losgetretene Kontroverse um den Satz: "Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden." Zwar unterstrich der Urheber des umstrittenen Satzes, Diego Hättenschwiler, es gehe um nichts weniger als "das Recht eines jeden Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit", und betonte erneut, bezüglich der Knabenbeschneidung gehe es um die Forderung nach einer öffentlichen Diskussion, und nicht um ein Verbot. Trotzdem wurde als Reaktion auf die Medienschelte auch parteiintern sogleich öffentlich unterstellt, das Papier wolle Knabenbeschneidungen "verbieten".

(Vor lauter Kontroverse dazu musste auch dieser Blog auf die für Zwitter historische Stossrichtung des Papiers zuerst in einem Kommentar hingewiesen werden – Sorry für diesen peinlichen Lapsus. Nachtrag: Dito, dass schon die bemerkenswerte Vernehmlassungsantwort der Grünen zur Genitalverstümmelung auch an Zwittern zunächst ebenfalls unter dem Radar blieb.)

Fazit: Bleibt zu hoffen, dass die Grünen sich zumindest in Sachen kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht indizierte Zwangseingriffe an Zwitterkindern nicht ins Bockshorn jagen lassen – und dass möglichst viele andere Parteien ebenfalls deutlich Stellung beziehen gegen die menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen!

Siehe auch:
- Schweiz: Grüne, Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern

Tuesday 12 January 2010

CH-Grüne: «Die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden» – Medien unterschlagen gleichzeitige Kritik an genitalen Zwangsoperationen an Zwittern ...

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Laut >>> heutigen Medienmeldungen sorgt der Grüne Diego Hättenschwiler (Gründer von Maenner.ch, Dachverband der Männer- und Väterorganisationen) für reichlich Aufsehen, weil er "aus medizinischen und rechtlichen Gründen" folgende Sätze in ein "Positionspapier zur Gleichstellung" einbrachte:

«Die Grünen kämpfen gegen die Genitalverstümmelung, diese sind bei Mädchen und Frauen strikt zu bestrafen. Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden.»

Eine Zirkumzision berge durchaus Risiken, es sei dabei gar schon zu Todesfällen gekommen, sagt Hättenschwiler. Zudem sei das Recht eines jeden Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit zu berücksichtigen. Unter diesem Aspekt seien Beschneidungen an Säuglingen, die ihr Einverständnis dazu nicht geben können, heikel. Genau darum habe zum Beispiel Schweden Beschneidungen ohne medizinische Begründung bei Knaben, die älter als zwei Monate sind, verboten. Ein solches Verbot fordert Hättenschwiler zwar nicht. «Doch die Gesellschaft muss auch über diese Probleme diskutieren», sagt er, und nicht nur über die – weitaus schlimmere – Genitalverstümmelung bei Mädchen. (Hervorhebung durch zwischengeschlecht.info)

[ Soweit, so gut. Ausser, dass die massiven Genitalverstümmelungen an Zwittern einmal mehr von vornherein unter den Tisch fallen! Terre des Femmes Schweiz war da schon mal weiter. ]

Korrektur: Wie ein >>> Kommentar zu Recht darauf hinwies, kritisieren die Grünen tatsächlich in ihrem >>> Positionspapier (PDF, --> S. 11f.) die genitalen Zwangsoperationen explizit! Leider war mir das bein verfassen dieses Posts nicht bewusst, da mir das Papier selbst nicht vorlag und ich mich lediglich auf die Medienberichte bezog, für die das bezeichnenderweise kein Thema war. Sorry - und Danke!!!

Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern 
- Zwangsoperationen verfassungswidrig (Art. 10.2: Recht auf körperliche Unversehrtheit)  
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert 
- Zwangsoperation tangiert "höchstpersönliche Rechte" – Eltern dürften nicht zustimmen 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung

Tuesday 5 January 2010

Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)

Kann ein Zwitter Sünde sein?Sage und schreibe zum 2. Mal seit Nellas Rücktritt als 1. Vorsitzende bei IMeV geruhte sich der neue Vorstand am 24.12.09, die Mitglieder und Öffentlichkeit über die in der Regel hinter verschlossenen Türen laufenden Aktivitäten in einem >>> Newsletter zu "informieren" (--> 23.12.09) (rsp. öfters auch nur anzukündigen, konkret informiert würde dann später mal).

Erfreulicherweise wurden das Kinderbuch "LILA – oder was ist Intersexualität" (ISBN 978-3-00-029591-1 – bei amazon allerdings nicht aufgeführt) und die Hebammenbroschüre "Was ist es denn?" nun anscheinend fertiggestellt und sind beim Vorstand bestellbar.

Weiter werden einige Anlässe mit Vereinsbeteiligung aufgelistet, allerdings ist ausser Titel, Ort und Datum meist kaum etwas darüber zu erfahren, geschweige denn wo eigentlich bitter nötig kritische Anmerkungen, so z.B. beim "Fachgespräch" der Grünen vom 27.5. in Berlin oder zur APE/AGPD-Jahrestagung.

Während der aktuelle Vorstand in einer ersten Verlautbarung noch vollmundig verkündet hatte, "Der von der UN geforderte Dialog der Bundesrepublik Deutschland mit den Berichterstatterinnen zum CEDAW- Abkommen ist einer der Arbeitsschwerpunkte des Vorstandes für die Amtsperiode 2009/ 2010", wird das diesbezügliche, wenig ruhmreiche Treffen mit dem "Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe" des Bundestages bequemerweise gleich ganz unterschlagen. Auch die seinerzeitige Info-Veranstaltung des Vereins (ausgerechnet!) im Magnus Hirschfeld Centrum vom 11.11. bleibt unerwähnt.

Rein gar nichts erfahren interessierte Mitglieder weiterhin über die gebrochenen Vereinbarungen seitens des Netzwerks DSD/Intersexualität, dito zum Frisieren der "Lübecker Studie" ebenfalls durch das Netzwerk DSD/Intersexualität. Die Medizyner freut's weiterhin ...

Fragwürdig m.E. auch, wie Hertha Richter-Appelt im Namen von IMeV einmal mehr unhinterfragt ausschliesslich gehypt und von jeder Kritik ausgenommen wird.

Während der jetzige Vorstand sich stets gegen Untersützung prozesswilliger Zwangsoperierter gegen ihre Zwangsoperateure wandte, wird nun neuerdings ein Anwalt gestellt – ausschliesslich bei Beantragung von Behindertenausweisen.

"Ab Januar" kündigt der Vorstand gar an, neu "regelmäßig" zu informieren. Wir bleiben gespannt ...

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