UDPATE: Die Ethikrat-Stellungnahme wird am 23.2.12 in Berlin vorgestellt
Bild: Friedliche Mahnwache +
Offener Brief Kinderklinik "Charité", Berlin 11.11.2011
Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 26.01.2012:
Schwere Zeiten für westliche Genitalverstümmler: Heute verabschiedet der
Deutsche
Ethikrat seine mit Spannung erwartete "Stellungnahme zum Thema
'Intersexualität'". Gleichzeitig erhielt in der Schweiz die Nationale
Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CEN) vom Bundesrat
unlängst ebenfalls den Auftrag zu einer Stellungnahme und startete dazu bereits
erste Anhörungen mit Betroffenen und Eltern, im Gegensatz zu Deutschland
allerdings hinter verschlossenen Türen.
Ende gut, alles gut?
In beiden Fällen benötigte es zunächst ein gerütteltes Maß an öffentlichem und politischem Druck durch Betroffenenorganisationen, bevor die beiden Regierungen schließlich einlenkten. Und die jeweiligen nationalen Ethikgremien, die zuvor über Jahre aus eigenem Antrieb keinerlei Handlungsbedarf erkennen wollten, zu Stellungnahmen beauftragten:
In Deutschland brauchte es nach 15 Jahren vergeblichen parlamentarischen Vorstößen im Bundestag erst den Umweg über die UNO, bis die Bundesregierung keine andere Wahl mehr hatte als endlich zuzugeben, dass genitale Zwangsoperationen an Zwitterkindern eben doch nicht so unproblematisch sind wie zuvor stets behauptet. Auch beim Deutschen Ethikrat direkt waren Betroffenenorganisationen zunächst über Jahre stets aufs Neue vergeblich vorstellig geworden.
In der Schweiz ging es nicht zuletzt dank von Anfang an breit abgestützten
politischen Vorstößen wesentlich schneller, doch ohne langjährige Proteste von
Betroffenen wäre es ebenfalls nie soweit gekommen. Noch 2010 hatte der
Präsident der Zentralen Ethikkommission (ZEK) der Schweizerischen Akademie der
medizinischen Wissenschaften (SAMW) öffentlich verkündet, aus Sicht der ZEK
würde die Problematik kosmetischer Genitaloperationen an Kindern "nicht
als so brennend und mit großem Handlungsbedarf behaftet
gesehen".
Kinderkliniken verstümmeln ungerührt weiter - Politiker schauen
weg
Auch in Deutschland propagieren Mediziner-Standesorganisation in allen einschlägigen AWMF-Leitlinien kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern unbeirrbar weiter; sämtliche einschlägigen AWMF-Leitlinien stehen seit Jahrzehnten unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1 (z.B. Leitlinien 027/047 "Adrenogenitales Syndrom", 006/026 "Hypospadie", 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung"). Bei Überarbeitungen werden Betroffenenorganisationen wenn überhaupt, dann weiterhin erst ganz am Schluss und lediglich alibimäßig konsultiert.
Parallel rüsten viele Kinderklinken, in denen medizinisch nicht notwendige,
kosmetische Genitaloperationen an der Tagesordnung sind, massiv auf.
Prominentes Beispiel ist die Etablierung eines neuen "überregionalen
Zentrums für Kinderurologie und plastisch rekonstruktive Urologie" der
Berliner "Charité-Universitätsmedizin", in der die Amputation "übergrosser
Kitzler bei jungen Mädchen" seit mindestens 1831 traurige Tradition
darstellt (vgl. Hulverscheidt, Weibliche Genitalverstümmelung, S. 113). Während
gleichzeitig der Berliner Senat die regelmäßigen Verstümmelungen in Berliner
Kinderkliniken unverändert rundheraus leugnet (Drucks.
16/144436).
06.02.2012:
8. Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung - wiederum
unter Ausblendung der Genitalverstümmelungen in westlichen
Kinderkliniken?
Seit bald 20 Jahren prangern Überlebende kosmetischer Genitaloperationen im Kindesalter diese öffentlich an als "immens destruktiv für die sexuelle Empfindsamkeit und das Gefühl für körperliche Unversehrtheit" (Cheryl Chase, Sciences, July/August 1993), als "westliche Form von Genitalverstümmelung", "medizinisches Verbrechen" und "fundamentale Menschenrechtsverletzung" – Anklagen, die seit Jahren auch von namhaften internationalen ExpertInnen und Menschenrechtsorganisationen gestützt werden, vgl. u.a. Hulverscheidt 2000, Lightfoot-Klein 2003, Terre des Femmes Deutschland 2004, Asefaw 2005, Terre des Femmes Schweiz 2009, Amnesty International Schweiz 2010, Amnesty International Deutschland 2010.
Die Antwort der verantwortlichen Behandler darauf bis heute:
Ablenkungsmanöver, Ausreden, Spott und Hohn – sicher im Wissen, dass sie wegen
der Verjährungsfrist juristisch nicht oder kaum je belangt werden können.
Wie lange noch?
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von
kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie
"Menschenrechte auch für Zwitter!".
Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie
Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
Freundliche Grüße
n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info
http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info
>>> Anhörung
"Deutscher Ethikrat"
>>> Anhörung
"Nationale Ethikkomission im Bereich der Humanmedizin"
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06.02.2012: "Null Toleranz für Intersex
Genitalverstümmelung!"












"Ich möchte einfach ein stumpfes,
rostiges Messer nehmen und anfangen Ärzten die Genitalien abzuhacken und sagen:
'Da, du Hurensohn! Was denkst du, wie es sich anfühlt!!'"






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1. Zwitterdemo vor dem Landgericht
Köln, 12.12.07
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