Monday, September 13 2010

Genitalverstümmelung: "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10

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Bezeichnenderweise hat es der Deutsche Ethikrat auch nach bald 3 Monaten immer noch nicht geschafft, die versprochenen Wortprotokolle seines "Forum Biotehik: Intersexualität – Leben zwischen den Geschlechtern" vom 23.6.10 in Berlin aufzuschalten.

Anlass für diesen Blog, erneut einen Ausschnitt aus der Abschlussdiskussion des Forums in einem eigenen Transkript öffentlich zu machen.

Nach dem bereits vor einem Monat veröffentlichten Diskussionsbeitrag von Zwischengeschlecht.org "Ethik als Feigenblatt?", der u.a. konkrete Fragen an die "Netzwerk DSD/Intersexualität"-Ethikerin Prof. Dr. Claudia Wiesemann richtete, diesmal der darauf folgende Diskussionsbeitrag von Claudia Wiesemann, in dem sie u.a. die bereits seit einem Jahr im Raum stehende Kritik dieses Blogs streift betreffend des Missbrauchs der Ethik-Empfehlungen der Netzwerk-Ethikarbeitsgruppe durch die AWMF-Leitlinie "Störungen der Geschlechtsentwicklung" von DGKJ, DGE und APE.

Weiter lässt der letzte Satz darauf schliessen, dass auch Frau Wiesemann vom Deutschen Ethikrat etwas mehr erwartet hätte als "vorerst kein weiterer Handlungsbedarf" (Hervorhebungen durch Zwischengeschlecht.info):

Claudia Wiesemann: Mir scheinen zwei Begriffe, die in diesen letzten Fragen gefallen sind, nochmal sehr wichtig zu sein.

Einmal ist es dieser Begriff der Verdunkelung, der hier fiel, und der besagt, dass einfach noch zuviel operiert wird auf Teufel komm raus, in Kleinstzentren, die vielleicht drei Mal im Jahr mit einem solchen Fall zu tun haben und ohne grössere Kompetenzen, und dass in einer solchen Situation der informed consent aller Wahrscheinlichkeit nach Makulatur ist und letztendlich die Ethik nur noch als Freifahrtschein dazu dient, an die Eltern eine ohnehin feststehende Entscheidung abzudelegieren. Das halte ich selber auch für höchstgefährlich und auch höchstproblematisch.

Es scheint sich ein gewisser paradoxer Effekt inzwischen einzustellen, das heisst die Zentren, die im Augenblick sehr Aufklärungsarbeit betreiben, und für einen wesentlich offeneren und besseren Umgang mit Intersexualität plädieren, die sorgen für ein gewisses Informationsniveau, so dass sich jetzt dann doch wieder jeder Feld- und Wiesenchirurg zutraut, mit den Kenntnissen, die er in der Monatsschrift Kinderheilkunde erworben hat, doch ganz schnell noch mal ein paar Operationen durchzuführen. Und das ist tatsächlich ein grosses Problem auch der medizinischen Landschaft in Deutschland.

Meines Erachtens ist die wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir mit unseren Empfehlungen, ethischen Empfehlungen überhaupt durchdringen, dass solche Konditionen nur in spezifischen Zentren behandelt werden, wo ausreichend professionelles Personal vorkommt, und zwar nicht nur Mediziner, sondern zum Beispiel auch wirklich geschulte Psychologen.

Und damit verbunden ist für mich die Frage, wie stärken wir die Kompetenz des Kindes in dieser spezifischen Situation? Mir scheint es sehr wichtig zu sein, das Kind so früh wie möglich und den Jugendlichen so früh wie möglich einzubeziehen. Wir entlasten uns damit eines Teils des Prognoseproblems, das dieser spezifischen Situation immer anhaftet, dass man zwanzig Jahre im Voraus eine Prognose treffen soll.

Und diese Frage, also, wie stärke ich die Kompetenz des Kindes, wie stärke ich die Rolle des Kindes, die ist mir - die ist bislang noch nicht gut beantwortet, auch von uns nicht gut beantwortet worden. Soll das über einen Kinderanwalt geschehen beispielsweise? Ist der Psychologe im Team die geeignete Person, die sich für die Kindesinteressen einsetzt?

Das sind Fragen, die gehören für mich in Zukunft ganz intensiv diskutiert und ich wäre auch sehr neugierig darauf zu wissen, was der Ethikrat sich dazu einfallen lässt.

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
>>> Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert Untätigkeit des Ethikrates 
>>> Ethikrat: "Kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!
>>> (Audio-)Protokolle --> zu unterst     >>> Beitrag von Konstanze Plett (mp3, 19,3MB)
--> Diskussion zum "Forum Bioethik" auf dem Hermaphroditforum
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Friday, September 10 2010

Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben

V.l.n.r.: Elisabeth Müller, Daniela "Nella" Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

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Kann ein Zwitter Sünde sein?Leider verfügen bis heute die wenigsten BürgerInnen über fundiertes Wissen aus erster Hand über die in nahezu allen Kinderkliniken tagtäglich begangenen medizinischen Verbrechen an Zwittern.

Die Tabuisierung und Unsichtbarmachung der (zwangsoperierten) Zwitter trägt so ihren Teil bei, dass die Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre ungebrochen andauern.

Umso wichtiger, dass Zwitter endlich sichtbar – und auch angehört werden!

Nellas Geschichte / Tagesschau 6.7.08 (Video) / Annabelle 9/06 / Basler Zeitung 12.8.08
   SWR 08.03.12 (Video) / Kreuzer 11/2012 / Der Club 22.05.12 (Video) / Landbote 6.6.12
   Trauma, Opferrolle, Befreiung / Migros-Magazin 06.10.08 / Rundschau 19.12.07 (Video)
   NZZ-Format 05.03.11 / Sonntag / Leben & Glauben 36/2010 / Der Bund 07.08.09
Christiane Völlings Geschichte / Arte-Doku 08.08.10 (Video) / Kulturzeit 25.6.08
Michel Reiter: "Genitalverstümmelungen in Deutschland" - AGGPG (1996)
   "Genitalverstümmelungen auch in der ersten Welt" - AGGPG & GMSSN (1997)
   "Genitale Korrekturen an intersexuellen Menschen" - AGGPG (1998) 
   "Was hätten Sie denn gerne, einen Jungen oder ein Mädchen?" - Interview (1998)
   "Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen" - AGGPG (1998)
   Zeit-Magazin 28.1.99 (O. Tolmein) / "Ein Normales Leben ermöglichen" (2000) 
   GEO Wissen 26/00 - Interview / "Medizin als Folter"- Vortrag efs 30.6.00
• Elisabeth Müller: dradio 20.3.06 / advaita 14/06 (PDF) / MDR 18.1.08 (mp3 15.1 MB)
   Hamburger Abendblatt 23.7.09 [1] / news.de 12.8.09 / ndr3 23.9.09 / Abendblatt [2]
• Ernst Bilke: "Die Wut ist gut versteckt" - Biographie mit "Hypospadie" / FAZ 15.1.03 
• Tiger Howard Devore: "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom"
"Sehr taube Eichel nach Op" vs. "unbehandelt gut leben": Erfahrungen mit Hypospadie
Katrin Ann Kunzes Geschichte / Die Zeit 00 / Freitag 44/02 / Katrin Ann Kunze †
Raphael L.s Geschichte / Aspekte, 6.6.08 / Text
Alex Jürgens Geschichte / Homepage / "Tintenfischalarm" Presseheft (DOC)  
Ins A. Krommingas Geschichte --> "Borniertheit der Toleranz" / A Story (english)
   Polylux 13.3.08 Video / Kulturzeit 25.6.08
Karim "Dusty" Merahs Geschichte / Teil 2
• A***: Flyer-Aktion 13.12.08 / Soester Anzeiger 22.11.08
• Claudia Kreuzer: Arte 4.7.02 Text / Videos / OB Netzwerk 4.9.07 / LB Die Zeit Sept. 08
• Lucie Veith: Tagesschau 23.02.12 / OB Netzwerk 2007 / taz 6.11.07 / DRadio 6.7.08 
• Anja Kumst: Polylux 13.3.08 Video
• Helen Guhde: Vortrag Magdeburg 7.3.01
Kitty ISt zu Hause Blog
Zwischi - Rasas Zwitter-Blog
Jassis Geschichte / Living Intersex?! Blog (via archive.org)
Persönliche Geschichten auf xy-frauen.de    
>>
Die Zwitter Medien Offensive™ (Aktuelle Berichte mit Interviews)
>> regelmässige Updates: Zwischengeschlecht.info

Thursday, September 9 2010

Neues IMeV-"Forum für intersexuellen Aktivismus"

>>> Nachtrag

Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> http://www.intersexuelle-menschen.net/IMEVForum/

Intersexuelle Menschen e.V. hat auf der Vereinshomepage ein neues Forum aufgeschaltet mit dem verheissungsvollen Untertitel "Dies ist ein Forum für intersexuellen Aktivismus." 

Noch ist kaum was los – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden ...

Im öffentlichen Bereich mittlerweile immerhin ein gelungener Startschuss mit der Dokumentation eines Redebeitrags von Lucie Veith an einem "Bundesarbeitskreis (BAK) der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di" wohl vom 22.8.2010 (und nicht 2009 wie angegeben), der inhaltlich wiederholt Klartext bringt.

Über den Kontext des Beitrags liesse sich möglicherweise diskutieren – es gibt bei Verdi z.B. einen "Bundesarbeitskreis Behindertenpolitik/Schwerbehindertenvertretungen (BAK)", unter demselben Kürzel firmiert aber auch der "Bundesarbeitskreis Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender" ...

Nachtrag: Dass auch über 2 Monate später immer noch gleich wenig los ist auf dem Forum, könnte auch damit zusammenhängen, dass seit dem Start des Forums Vereinsmitglieder, die nicht dem "inneren Kreis" der kritiklosen Lucie-Veith-Beifallsbrigade angehören, nach erfolgter Anmeldung einfach ihre Passwörter nie erhalten ...

Siehe auch:
- Machtspiele, Mobbing, Intrigen: Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)
- Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ...
- Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert Untätigkeit des Ethikrates

Sunday, September 5 2010

"Der Zwang zum Geschlecht" - Zentralschweiz am Sonntag, 22.8.10

Eingang Kinderspital Luzern, 22.8.2010 (Bild: Ärger)

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>>> Gelungener ganzseitiger Artikel (PDF) von Robert Bossart zur diesjährigen Aktion in der überregionalen Sonntagsausgabe verschiedener Zentralschweizer Tageszeitungen, im Bund "Wissen" in der Rubrik "Gesundheit". Danke!

Der etwas "Gender-zentrierte" Titel plus Aufhängerbild hätten zwar definitiv nicht sein müssen, doch die Zwischentitel und das sonstige Layout machen das m.E. zu einem Gutteil wieder wett.

Für manche mag der Artikel vielleicht etwas gar zu ausgewogen daherkommen, doch ich finde grad deshalb gut, denn immerhin erhält Nella einen prominenten Platz, den sie nutzt für eine weitere Runde Klartext zum eigentlichen Thema – nicht zu unterschätzen gerade in der C-dominierten Zentral-CH-Politiklandschaft und in einem Quasi-Monopolblatt aus der NZZ-Verlagsgruppe.

Zwar werden einigen LeserInnen die nötigen Vorkenntnisse früherer Aussagen gefehlt haben, um das Lavieren von Chefchirurg PD Marcus-G. Schwöbel vom Luzerner Kinderspital in seiner Gänze zu erkennen. Doch auch so dürfte zumindest aufmerksamen LeserInnen nicht entgehen, wie Dr. Schwöbel sich laufend selber widerspricht:

So werde zwar inzwischen seit den "Siebziger- und Achtzigerjahren" angeblich in Luzern nicht mehr "möglichst rasch" operiert, obwohl medizinisch nicht notwendige OPs trotzdem nach wie vor die Regel seien, da für die "geistige Entwicklung des Kindes" angeblich von "grosser Bedeutung". Gleichzeitig weist Dr. Schwöbel aber jegliche Verantwortung schon mal pauschal von sich: "immer" seien es nämlich letztlich "die Eltern", welche solchen "Operationen [...] zugestimmt" hätten, laut Dr. Schwöbel jedes Mal "nach ausführlicher Information".

Zieht mensch dazu noch in Betracht, dass Chefarzt Dr. Marcus-G. Schwöbel im Vergleich zu früheren Aussagen das vorgebliche Ende der "möglichst rasch[en]" kosmetischen GenitalOPs in "seinem" Kinderspital plötzlich nochmals um gut 10 Jahre in die Vergangenheit schiebt (nämlich von "[b]is Mitte der Neunziger Jahre" zu den erwähnten seit den "Siebziger- und Achtzigerjahren") – was sozusagen einem Geständnis gleichkommt, wenn mensch bedenkt, dass die absolute Verjährung für Zwitter-Genitalverstümmelungen bei 30 Jahren liegt – sprich aktuell anfangs der Achtziger ... 

>>> Offener Brief an das Kinderspital Luzern, 22.8.2010

>>> "Demonstration vor dem Luzerner Kantonsspital" - zisch.ch, 22.8.10 
>>> Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
>>> Pressemitteilung vom 19.8.2010

>>> Überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken

>>> Inselspital Bern 2009                   >>> Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty International gegen Zwangsoperationen
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Terre des Femmes: Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung
- "Genitalverstümmelung in der westlichen Welt" 
- "Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV"
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen

Friday, September 3 2010

David Reimer: Klage gegen John Money – erfolglos wegen Verjährung

Zwischengeschlechtliche ehren Milton Diamond, Hamburg 30.1.08

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Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!In einem Interview mit Milton Diamond von Hertha Richter-Appelt anlässlich des "2. Interdisziplinären Forum zur Intersexualität" vom 30.1.08 (publiziert in Zeitschrift für Sexualforschung 2008; 21; 369 – 376) erzählt Diamond, wie David Reimer 1997 seinen Peiniger John Money verklagen wollte – mit demselben Ergebnis, das es auch viele zwangsoperierten Zwittern verunmöglicht, auf gerichtlichem Wege Gerechtigkeit zu erfahren:

Da die Medizyner ihre Verbrechen mit Vorliebe an Kleinkindern begehen, sind diese längst verjährt, wenn die Opfer endlich im Stande wären, juristisch gegen die Täter vorzugehen ...

Auch sonst bietet das Interview interessante Einblicke, nachfolgend einige Auszüge:

1979 plante die BBC eine Sendung, in der der Psychiater von David interviewt wurde. Und der sagte, David, der damals 13 oder 14 Jahre alt war, verhalte sich keineswegs wie ein Mädchen. Auch Money hatte ein Interview zugesagt, sagte aber wieder ab, nachdem man ihn mit der Entwicklung von David konfrontierte. Also rief die BBC mich an, schließlich musste die Sendezeit gefüllt werden. [...]

Später versuchte ich, jemanden zu finden, der [David Reimer] kannte oder etwas über ihn wusste. Und tatsächlich fand ich seinen Endokrinologen, David bekam ja die ganze Zeit Östrogene. Mit ihm nahm ich Kontakt auf und er sagte mir: „Stopp, suchen sie nicht weiter. Reden Sie mit niemandem über diesen Fall und lassen Sie die ganze Geschichte auf sich beruhen.“ Ich wollte aber mehr wissen und stieß schließlich auf Davids Psychiater. Als ich ihn anrief, war sein erster Satz: „Ich war gespannt, wie lange Sie brauchen würden, um mich ausfindig zu machen.“

[...] Wir unterhielten uns lange und wurden später gute Freunde. Aber er hatte Angst um seinen guten Ruf und seinen Job, weil er anderer Meinung war als Money. [...] Erst Jahre später fragte der Psychiater dann David, ob er mich treffen wolle – und er hat zugesagt. Zunächst versuchte ich noch, Money zu kontaktieren, aber der nahm mich nicht ernst und so reiste ich 1995 nach Kanada, um David zu treffen. Unser Gespräch war sehr gut und David war erstaunt darüber, wie berühmt er war. Er hatte nie erfahren, dass jemand über ihn schreibt.

[...] Zu diesem Zeit punkt muss [David Reimer] 30 Jahre alt gewesen sein, schon seit seinem 14. Lebensjahr lebte er aber wieder als Mann. Er hatte damals seinen Eltern mit Suizid gedroht, falls man ihm das nicht gestatten würde. Als ich ihm die Hintergründe seiner Geschichte erzählte, wurde er sehr böse. Aber er wollte auch nicht aus der Anonymität heraustreten, um seine adoptierten Kinder nicht zu belasten.

1997 schrieben wir dann einen Aufsatz (11), der auf riesiges Interesse stieß: Viele Zeitungen und Zeitschriften berichteten darüber. Und natürlich wollte man auch Money interviewen, aber der weigerte sich. David wollte Money damals verklagen, aber sein Fall war in den USA bereits verjährt. [...] Nach der Veröffentlichung unseres Aufsatzes 1997 beschloss ich dann, mich auch all den anderen Fällen zu widmen, die ich über die Jahre zusammengetragen hatte, und einen Aufsatz über die Behandlung von Menschen mit Intersexualität zu publizieren. (12)

[...] David habe ich noch einige Male getroffen. Aber er lebte ja in Kanada und ich in Hawaii, sodass wir meist auf anderem Wege kommunizierten. [...]

(11) Diamond M, Sigmundson HK. Sex reassignment at birth: a long term review and clinical implications. Arch Pediatr Adolesc Med 1997; 151: 298 – 304

 

(12) Diamond M, Sigmundson HK. Management of intersexuality. Guidelines for dealing with persons with ambiguous genitalia. Arch Pediatr Adolesc Med 1997; 151: 1046 – 1050; vgl. auch Diamond M. Intersexuality: Recommendations for management. Arch Sex Behav 1998; 27: 634 – 641

 

Siehe auch:
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- Milton Diamond fordert gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern
- "Who killed David Reimer?" 
- Zwischengeschlechtliche ehrten Milton Diamond - 30.1.08

Monday, August 30 2010

"Tabu Intersexualität" - Dok u.a. über Christiane, Arte 8.10.10, 22:40h

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Begleitend zu Christiane Völlings Buchveröffentlichung von letzter Woche strahlt Arte einen 52-minütigen Dokfilm aus von Britta Dombrowe über Christiane und die 4-jährige Inge und ihre Familie.

Mehr Infos auf der
>>> Homepage der Produktionsfirma.
(Das eine oder andre der "üblichen" Fettnäpfchen inbegriffen.)

Wir sind gespannt!

>>> "Tabu Intersexualität" - ARTE 8.10.10 + online auf arte.tv

Buchbesprechung von Nella:
Christiane Völling: "Wie beginnt man den Rest seines Lebens?" Die Biografie einer Überlebenden

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- "Arte-Doku über Intersexualität: Mal Mann, mal Frau, meist Inge" - taz, 8.10.10
- "Die Bielefelderin Britta Dombrowe über ihren Arte-Film zur Intersexualität" - Neue Westfälische, 2.10.10
- "Tabu Intersexualität " - dpa, 8.10.10
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info 

Saturday, August 28 2010

Genitalverstümmelungen an Zwittern als "Nebenwiderspruch" des Zweigeschlechtersystems? (Von der Frauenbewegung lernen 2)

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Wie uns die Geschichte lehrt, waren einer der grössten Steine im Weg der Frauenbefreiung nicht nur die klassischen "konservativen Patriarchen", sondern auch "fortschrittliche RevolutionärInnen", welche sich schlicht weigerten, die Frauenunterdrückung als tatsächliches Problem anzuerkennen, sondern im Gegenteil "die Frauenfrage" regelmässig als blossen "Nebenwiderspruch" zum "Hauptwiderspruch der Klassenfrage" herabwürdigten. [1]

[1] Die Begriffe "Haupt- und Nebenwiderspruch" im heutigen Gebrauch stammen ursprünglich aus der marxistischen Terminologie und waren vor 1989 "im Osten" wie "im Westen" gleichermassen im Schwange (wie auch in der Kritik, und sind zum Teil auch heute noch Thema). Übrigens wehren sich auch Schwule seit längerem dagegen, innerhalb der Linken zum "Nebenwiderspruch" degradiert zu werden (eins / zwei).

Die über ein Jahrhundert gängige Reaktion dieser "progressiven PatriarchInnen", wann immer Frauen sich gegen ihnen angetanes Unrecht wehrten, lautete sinngemäss:

"Nun gehabt euch mal nicht so, Mädels, kämpft lieber mit uns für die Überwindung des Kapitalismus, nach der Revolution erledigt sich die Frauenfrage dann von selbst."

Was viele Frauen selbstredend alles andere als Klasse fanden.

Doch erst die sog. "Zweite Welle des Feminismus" [2] machte irgendwann nach 1968 diesen "progressiven PatriarchInnen" definitiv den Garaus. (Oder zumindest würde sich heute so ziemlich keiner von ihnen mehr getrauen, Frauen öffentlich mit Sprüchen à la dem obigen zu kommen – ansonsten er/sie wohl ziemlich schnell Deckung suchen müsste ...)

Leider war dies aber nicht das Ende der vereinnahmenden Praxis des "Zum-Nebenwiderspruch-Degradierens" an und für sich.

Seit Jahr und Tag müssen sich nämlich z.B. Zwitter und solidarische Nichtzwitter in ihrem Kampf gegen die Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken von Seiten von Trans- und Gender"progressiven" sinngemäss genau den gleichen blöden Spruch anhören:

"Na Kinders, nun gehabt Euch mal nicht so, kämpft lieber mit uns für die Überwindung des Zweigeschlechtersystems / gegen den Personenstandseintrag / für die Dekonstruktion von Geschlecht, danach erledigen sich dann die Zwangsoperationen von selbst." [3]

Wieviele Zwitterkinder bis dahin noch verstümmelt werden, geht diesen selbsternannten "Progressiven" offensichtlich am Arsch vorbei (schliesslich geht's ja nicht um ihre eigenen Genitalien).

Und wie die "progressiven PatriarchInnen" vor ihnen, werden's auch wohl die heutigen leider freiwillig und von sich aus kaum je lernen ... [4]

[2] Tragischerweise waren es genau Exponentinnen der 2. Welle wie --> Kate Millet und Alice Schwarzer und ihre NachfolgerInnen, die John Money und seine Gendertheorie bis heute hypen, ohne je zu hinterfragen, dass das Blut ungezählter zwangsoperierter Zwitter daran klebt.

[3] Auch wenn der Spruch selten so konkret und platt ausgesprochen wird, ist er letztlich jedesmal drin, wo Zwitter im politischen oder wissenschaftlichen Diskurs als blosses Anhängsel zur "Lösung der Genderfrage" behandelt werden, ohne dass gleichzeitig eine konkrete Praxis gegen die Genitalverstümmelungen und sonstigen medizynischen Zwangsbehandlungen entwickelt wird. Aktuelle Beispiele, die gleichzeitig illustrieren, dass Zwitter und Organisationen ebenfalls nicht per se frei davon sind: Der "Genderkongress" "Das flexible Geschlecht" 28.-30.10.10 (--> "Forum 9: Zweisame Demokratie?"), aber auch die Stellungnahme von IVIM/OII zu Caster Semenya.

[4] Immerhin wird die Problematik von politikbewussten Zwittern mittlerweile namentlich kritisiert. So beginnt z.B. kwhals aktuelle Signatur im Hermaphroditforum: "Ich möchte nicht als Nebenwiderspruch von jemandes Theorie gesehen werden [...]"

Siehe auch:
- Von der Frauenbewegung lernen (1): Audre Lorde
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- "Transgenderfraktion" vs. "Menschenrechtsfraktion"
- Warum Nicht-Biozwitter allesamt privilegiert sind
- Warum nicht alle Bio-Zwitter gleich nicht-privilegiert sind 
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 

Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...

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Wie verschiedenen Medien zu entnehmen ist (u.a. >>> SR DRS, >>> Zürcher Unterländer, >>> Katholische Internationale Presseagentur, >>> 20 Minuten)  begrüsste am 25.8.10 auch die schweizer Regierung offiziell die aktuelle Parlamentarische Initiative "Verbot von Sexuellen Verstümmelungen" von Nationalrätin Ruth Bernasconi (SP) zur Schaffung eines eigenen Straftatbestandes gegen weibliche Genitalverstümmelung, welche zuvor bereits die Rechtskommission des Nationalrates zur Annahme empfohlen hatte.

Dies in erster Linie, um "ein politisches Zeichen" zu setzen. Strafrechtlich bestünde laut dem Bundesrat eigentlich kein Handlungsbedarf, denn es "seien bereits heute sämtliche Formen von Verletzung weiblicher Genitalien strafbar". (Eine interessante Stellungnahme zu diesem Aspekt gibts übrigens von der >>> Taskforce FGM anlässlich der parallel laufenden gesetzgeberischen Diskussion in Deutschland.) Immerhin hält der CH-Bundesrat weiter fest, "das Strafrecht [könne] nicht das einzige Mittel sein, um vor Verstümmelungen zu schützen. Es brauche auch Aufklärungskampagnen." 

Soweit, so gut.

Nur bei den Zwittern will anscheinend auch der Bundesrat weiter tatenlos zuschauen, wie in der Schweiz JEDE WOCHE mindestens 1 Kind irreversibel genitalverstümmelt wird ...

(In Österreich wird zudem JEDE WOCHE mindestens 1 weiteres verstümmelt, plus in Deutschland zusätzlich nochmals JEDEN TAG mindestens 1 weiteres.)

Siehe auch:
- Schweiz: Weibliche Genitalverstümmelung soll absolut verboten werden - ausser bei 'westlichen Formen' (und an Zwittern) ... 
- Schweiz: Amnesty International und Terre des Femmes fordern Strafbarkeit von Genitalverstümmelung auch bei Zwittern
- "Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV"
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ...
- Intersexuelle enttäuscht von Ethikrat: "Kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung? 
- Genitalverstümmelungen in der Kinder- und Jugendmedizyn 

Friday, August 27 2010

Diskussionen über Zwitter @ Freigeisterhaus + Brigitte Young Miss

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Kann ein Zwitter Sünde sein?Offensichtlich brachte der Start von Mokgadi Caster Semenya am letzten Sonntag in Berlin das Thema wieder vermehrt ins öffentliche Interesse – das eine oder andere "übliche" Fettnäpfchen inklusive:

>>> Freigeisterhaus       >>> Brigitte Young Miss

Kommentar: Bemerkenswert, wie anscheinend auch unter "Normalos" bei diesem Thema mittlerweile relativ schnell nicht nur der Aspekt der genitalen Zwangsoperationen an sich, sondern gleichzeitig auch deren Fragwürdigkeit in die Diskussion Einzug halten.

Anscheinend waren die Bemühungen der letzten 14 Jahre zur Beendigung des Tabus um die an Zwittern systematisch begangenen medizynischen Verbrechen nicht ganz wirkungslos ...

Meine 2 Cent: Wenn erstmal mindestens 50% der Menschen auf der Strasse Bescheid wissen, was in "unseren" Kinderkliniken genau vor sich geht, sind die Tage der GenitalabschneiderInnen gezählt.

Siehe auch:
- Caster Semenya startet am Sonntag in Berlin – IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen (XXIV)
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen angeblich nur "ganz selten" 
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Kindern 
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Tuesday, August 24 2010

"Wie Intersexuelle im Sport diskriminiert werden" - CeiberWeiber 22.8.10 + Zeit + FAZ + mehr (XXV)

>>> Nachträge 1-5

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungener Artikel von Alexandra Bader auf der Homepage des Österreichischen Frauenmagazins "CeiberWeiber" (fast gleichzeitig mit dem ebenfalls exzellenten "Zwitter im Sport: Intersexuelle kämpfen für Caster Semenya" auf news.de).

Der Artikel verbindet das aktuelle Geschehen um Mokgadi Caster Semenya und Santhi Soundarajan mit einer kritischen Aufarbeitung der Geschichte des "intersexuell" geborenen Österreichischen Skifahrers Erik Schinegger aus feministischer Perspektive. Schinegger war wie die meisten "Intersexuellen" als Frau aufgewachsen. 1968 wurde die damalige Erika Schinegger nach der Einführung der ersten Geschlechtstests ("Barr-Körperchen-Test" a.k.a. "Sex-Chromatintest", kam noch bei Santhi Soundarajan zum Einsatz), den Schinegger "nicht bestand", von Frauenwettkämpfen ausgeschlossen, zugleich wurden ihr alle Titel und Medaillen genommen. 2005 erschien ein Dokumentarfilm über seine Geschichte.

Ebenfalls am 22.8. gingen auch 2 Mainstreammedien im Vorfeld von Caster Semenyas Start in Berlin am Rande auf das Thema ein.

Nämlich >>> Zeit-Online:

Der lange Zeitraum bis zur Entscheidung hat jedoch allerhand Spekulationen aufkommen lassen. Zunächst hieß es, IAAF-Präsident Lamine Diack sei schlicht zu bequem, um den Fall schnell zu lösen.

Das wäre, wenn man das Gebaren in solchen Kreisen kennt, wenig überraschend. Es ist aber noch ein anderes Gerücht aufgetaucht. Das Gerücht geht so: Die IAAF habe Semenya zu medizinischen Eingriffen gedrängt, um mögliche Wettbewerbsvorteile zu beseitigen – sei es eine Operation oder eine Hormonbehandlung. Das Gerücht lässt sich vielleicht damit nähren, dass sie nun schmaler aussieht, nicht mehr so muskulös. „Ich will nicht über jemanden reden, der größer ist als ich“, sagt Semenya über die IAAF, „da müssen Sie die Big Boys beim Verband fragen.“

Sowie >>> FAZ.net:

Von da an stand sie im Mittelpunkt juristischer Auseinandersetzungen, war Gegenstand politischer Polemik und hatte sich womöglich sogar einer Hormonbehandlung oder einer Operation unterziehen müssen, um wieder mit den besten Läuferinnen der Welt ins Rennen zu dürfen.

Nach den erneuten Sieg von Caster Semenya in Berlin erschienen zudem in englischsprachigen Medien eine Reihe von Berichten, worin unterlegene Konkurrentinnen die Teilnahme Caster Semenyas mehr oder weniger offen kritisierten, bis hin zur erneuten indirekten Verunglimpfung als "Mann", vgl. New York Times (ebenfalls publziert im Jakarta Globe), der englische Telegraph, Salon.com und die International Herald Tribune, sowie ein gelungener Kommentar auf CBSSports.com, auf deutsch vgl. bisher FinanzNachrichten.de.

Caster Semenya wird dessen ungeachtet laut International Herald Tribune bereits am nächsten Freitag 27.8.10 am Diamond League Finale in Brüssel ihr nächstes Rennen bestreiten.

Danach stehen 2 Rennen in Italien an, u.a. die Notturna di Milano am 9. September sowie möglicherweise ein weiteres in Südafrika, bevor Caster Semenya vom 3.-14. Oktober an den Commonwealth Games in Delhi teilnimmt, wozu Südafrika sie nach anfänglichem Zögern inzwischen in die Mannschaft aufgenommen habe.

Nachtrag: Oben inzischen den korrekten Link auf CeiberWeiber gesetzt, oops (bin übrigens für Hinweise auf solche Peinlichkeiten immer froh, danke).

Nachtrag 2: Auf >>> Queer.de erschien heute 24.8.10 ein weiterer Artikel. Es geht vor allem um die Beschuldigungen, Caster sei "ein Mann", plus mit einem letzten Abschnitt "Caster Semenya intersexuell?", der sich wiederum auf den news.de-Artikel vom Sonntag bezieht. Und der es tatsächlich fertig bringt, Nella ein Zitat von sage und schreibe IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss in den Mund zu legen, vgl. Nellas Kommentar #3 (--> unter dem Artikel). So schnell geht's ... Nachtrag 3: Wenn Schurnalisten zu sehr abschreiben: Genau dieselbe peinliche Unterstellung am nächsten Tag 25.8.10 auf >>> schwulissimo.de – noch dazu ohne Quellenangabe oder Kommentarmöglichkeit ... 

Nachtrag 4: Gelungener Kommentar von AP-Sportkolumnist John Leicester auf >>> USA Today mit übersetztem Titel: "Schweigen über Semenya öffnet Tür zu Ignoranz". Leicester argumentiert, die Taktik des IAAF, nur mit einer 56-Wort-Meldung Caster Semenyas Zulassung zu eröffnen, sowie dass weiter nichts bekannt gegeben werde, erweise sich als "Fehler", weil es Gelegenheit schaffe für hässliche Einflüsterungen und Gerüchte. Der IAAF habe z.B. offen legen sollen, ob Semenya medizinische Massnahmen auf sich habe nehmen müssen oder nicht; dies sei auch möglich, ohne Verletzung ihrer Privatsphäre wie bzw. Öffentlichmachung ihrer medizinischen Akte. Es bestünden viele offene Fragen über [als] Zwitter [Verdächtigte] im Sport, zum Teil auch berechtigte betreffend Fairness für alle Wettkampfteilnehmerinnen, und Tabuisierung würden sie nicht aus der Welt schaffen, sondern verstärken. Jemand müsse hier für Aufklärung und Fortschritt sorgen. Es könne nicht verlangt werden, dass Caster dies auch noch übernehmen könne nach allem, was sie durchlitt, weshalb hier ihre Anwälte, ihr Manager oder der IAAF gefordert seien. Meine 2 Cent: Hört, hört! Meiner Meinung nach gehört hier allerdings vor allem erstmal der IAAF als Hauptverantwortlicher gehörig in die Pflicht genommen. (Ausserdem, was ich hier wohl nicht weiter ausführen muss, sind Wendungen wie "Geburtsfehler" und "Störung der Geschlechtsentwicklung, wie sie leider auch Leicester gebraucht, verletzend und schädlich.)

Nachtrag 5: Inzwischen hat auch >>> IVIM/OII Deutschland ein kurzes Statement veröffentlicht. Schade nur, dass IVIM anscheinend wieder erstmal den Sport bzw. die Gesellschaft als solche ändern will, bevor dann vielleicht auch mal die Menschenrechte "Intersexueller" in den realexistierenden Gegebenheiten durchgesetzt werden sollen.

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Monday, August 23 2010

"Demonstration vor dem Luzerner Kantonsspital" - zisch.ch, 22.8.10

Kantonsspital Luzern, 22.8.2010 (Bild: Ärger)

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungene Online-Lokalmeldung pünktlich zu Beginn der Aktion auf der Homepage des Zentralschweizer Medienverbundes LZ Medien mit folgendem Lead: "Zwischengeschlecht.org organisiert eine Demonstration in Luzern. Die Initianten werfen dem Luzerner Kantonsspital Menschenrechtsverletzung vor." Auch der Rest der Meldung verdient das Prädikat: Kurz & bündig! Danke!

Zuvor war bereits in der überregionalen Sonntags-Printausgabe aus dem gleichen Hause ein interessanter, ganzseitiger Beitrag erschienen in im Bund "Wissen", Montag soll eine weitere Kurzmeldung folgen.

Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Fortsetzung folgt ...

>>> Offener Brief an das Kinderspital Luzern, 22.8.2010

>>> Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
>>> Pressemitteilung vom 19.8.2010
>>>
"Der Zwang zum Geschlecht" - Zentralschweiz am Sonntag, 22.8.10

>>> Überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken

>>> Inselspital Bern 2009                   >>> Kinderspital Zürich 2008

Sunday, August 22 2010

"Zwitter im Sport: Intersexuelle kämpfen für Caster Semenya" - news.de, 22.8.10

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IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungener Artikel von Isabelle Wiedemeier. Danke!

Wir wünschen Caster Semenya viel Erfolg beim heutigen Rennen! Und fordern die internationalen Sportverbände auf, die Menschenrechte von als Intersexuelle verdächtigten Sportlerinnen nicht mehr länger mit Füssen zu treten.

Nachtrag: "Wie Intersexuelle im Sport diskriminiert werden" - CeiberWeiber 22.8.10

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen

Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern

Kantonsspital Luzern, 22.8.2010 (Bild: Ärger)

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Menschenrechte auch für Zwitter!

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden

Wie in Basel, Bern, Lausanne, Genf, St. Gallen und Zürich werden die Zwangsbehandlungen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen auch im Kinderspital Luzern experimentell durchgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Offensichtlich sind es in auch Luzern nicht wenige. PD Dr. med. Marcus-G. Schwöbel, Chefarzt der Kinderchirurgie im Kantonsspital Luzern, nannte vor 2 1/2 Jahren die Zahl von "rund 50 geschlechtszuweisenden Behandlungen", an denen er bisher "beteiligt" gewesen sei. (Tages-Anzeiger 05.02.2008)

Eltern von Kindern, die an einem intersexuellen Genitale leiden, stehen vor einem Dilemma. Sie fragen sich, ob ihr Kind nun ein Bub oder ein Mädchen ist, und wollen ihrem Kind die Möglichkeit geben, eine bestimmte Richtung zu leben. Die Idee unserer Chirurgie ist, dass wir versuchen, dem Kind die äusseren Formen zu geben, die seiner Geschlechtsidentität am besten entsprechen. (Schweizer Familie 24.02.2005)

In der Regel [sind die Kinder bei diesen Eingriffen] etwa zwei Jahre alt. Bis Mitte der Neunzigerjahre war es üblich, noch früher zu operieren, da man Fälle von Intersexualität als Notfälle betrachtete. (Schweizer Familie 24.02.2005)

Kurz, für Dr. Schwöbel sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit 'uneindeutigen' Genitalien schlicht "der in Anführungszeichen normale Weg". (Rundschau 19.12.2007)

Weil die Gesellschaft so gebaut ist und weil jetzt aus der Evolution raus auch schon bei Wenigzellern ganz klar eine Geschlechtsbestimmung vorhanden ist. Bei Würmern, bei Fliegen, bei Mücken haben sie auch schon ganz klar Männchen und Weibchen und sie haben die sexuelle Fortpflanzung [...]. (Rundschau 19.12.2007)

Das sind Menschen, die mit zwei Möglichkeiten auf die Welt kommen. Und man entscheidet sich dann für die Möglichkeit, von der wir meinen, dass sie für den Menschen am Adäquatesten ist. (Rundschau 19.12.2007)

Die betroffenen Menschen selbst haben bei dieser "grossen Entscheidung" (Rundschau 19.12.2007) im Kinderspital Luzern allerdings bisher kein Mitbestimmungsrecht ...

Zwar deutete Dr. Schwöbel 2008 an, aufgrund juristischen Drucks allenfalls eine Änderung dieser menschenrechtswidrigen Praxis in Betracht zu ziehen:

Sollte der Chirurg in Köln für den Eingriff, den er vor 30 Jahren durchführte, verurteilt werden, oder setzt sich die Auffassung von Rechtsprofessorin Büchler durch, müsste die Indikation zu geschlechtsanpassenden Eingriffen neu überdacht werden. (Tages-Anzeiger 05.02.2008)

Der angesprochene Kölner Chirurg wurde inzwischen letztinstanzlich verurteilt.

Trotzdem blieb die Praxis im Kinderspital Luzern bisher unverändert, sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern etwa bei "Störungen der Genitalentwicklung und der Geschlechtsdifferenzierung" oder "Hypospadie" nach wie vor im Angebot ...

>>> Offener Brief an das Kinderspital Luzern, 22.8.2010

>>> Pressemitteilung vom 19.8.2010
>>>
"Demonstration vor dem Luzerner Kantonsspital" - zisch.ch, 22.8.10
>>> "Der Zwang zum Geschlecht" - Zentralschweiz am Sonntag, 22.8.10

>>> Überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken

 

Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty International gegen Zwangsoperationen
- "Der Beschneidungsskandal": Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Beschneidungsexpertin: Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Terre des Femmes: Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen

Friday, August 20 2010

Caster Semenya startet am Sonntag in Berlin – IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen (XXIV)

Protest vor dem IOC Hauptsitz in Lausanne, 19.11.09 (Bild: Ärger)

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IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionMit als Zwitter verdächtigten Athletinnen machen die internationalen Sportverbände kurzen Prozess: "Intersexuelle", "Hermaphroditen" (und alle, die das Internationale Olympische Komitee IOC, der Weltathletikverband IAAF und ihre Teilverbände dafür halten) werden genötigt, stillschweigend ihren Rücktritt zu geben.

Wer sich diesen intransparenten und willkürlichen "Fall-zu-Fall"-Entscheiden nicht widerspruchslos fügt, wird durch gezielte "Indiskretionen" den Medien zum Frass vorgeworfen und ohne ordentliches Verfahren von weiteren Starts ausgeschlossen.

Der südafrikanische Sportprofessor Timothy Noakes im Mai dieses Jahres:

 

"Insgesamt 8 intersexuelle Frauen wurden bisher von Wettkämpfen ausgeschlossen – soviel ich weiss mit der Warnung, dass sie öffentlich blossgestellt würden, sollten sie es wagen, einen Wirbel daraus zu machen."

 

Die Medizinethikerin Claudia Wiesemann (Göttingen) im Anschluss an die WM 2009:

"Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) streut Gerüchte, die Siegerin des 800-m-Laufs der Frauen, Caster Semenya, bei der Leichtathletik-WM in Berlin "sei vielleicht gar keine Frau", sie "sei vielleicht ein Mann". Damit ruiniert der Verband leichtfertig ein Sportlerleben. [...] Die IAAF müsste solche jungen Menschen eigentlich vor den Folgen einer weltweiten Stigmatisierung schützen."
 

Diskriminierung von Zwittern im Sport

Wie die Minderheit der publik gewordenen Fälle "verdächtigter" Athletinnen zeigt, treiben IOC und IAAF ihr unfaires und entwürdigendes Spiel seit Jahrzehnten:

  • María José Martínez-Patiño: 1985 zu Unrecht ausgeschlossen und alle Medaillen aberkannt, erst nach langjährigem Gerichtsverfahren rehabilitiert – zu spät für eine weitere Sportkarriere.
     
  • Santhi Soundarajan: 2006 nach in einem intransparenten Verfahren ausgeschlossen und Medaillen aberkannt, bis heute unrehabilitiert – die indischen Sportverbände liessen sie schmählich im Stich, das IOC drückt sich bis heute vor jeglicher Verantwortung.
     
  • Sarah Gronert: Die aufstrebende Tennisspielerin wurde von anderen Spielerinnen gemobbt, bis sie 2008 ihre Karriere vorübergehend unterbrach – ohne dass die Verbände sie aktiv gegen diese Diskriminierung geschützt hätten.
     
  • Caster Semenya: Hätte sich nicht der südafrikanische Sportverband und die Südafrikanische Regierung entschlossen hinter sie gestellt, und wäre sie nicht umgehend von einem internationalen Anwaltsteam umsonst unterstützt worden, hätte sie fraglos mehr als "nur" ihre Würde und ein Jahr ihres Lebens verloren.


Im Westen werden die meisten Zwitter schon als Kinder chirurgisch verstümmelt

Es ist kein Zufall, dass vor allem Athletinnen aus der "3. Welt" den Sportverbänden ins Visier geraten: In der "westlichen Welt" werden Zwitter (und was die Ärzte dafür halten) in der Regel als Kleinkinder durch kometische Genitaloperationen zu "richtigen" Mädchen und Jungen "gemacht" – was die Betroffenen seit bald zwei Jahrzehnten öffentlich als "Genitalverstümmelung" anklagen.

Die Parallelen der chirurgischen Genitalverstümmelungen an Zwittern in westlichen Kinderkliniken zur weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika werden seit Jahren auch von internationalen Menschenrechtsorganisationen, Frauenorganisationen, JuristInnen und wissenschaftlichen ExpertInnen unterstrichen.

Laut den BMBF-finanzierten Hamburger und Lübecker Evaluationsstudien von 2007 und 2008 sind im deutschsprachigen Raum über 90% (!) aller jugendlichen und erwachsenen Zwitter genital zwangsoperiert, fast die Hälfte davon (!) gar mehrfach (PDF -> S. 3 "Beschreibung des Samples").

Es ist aktuell das erklärte Ziel der Sportverbände, als Zwitter verdächtigten Athletinnen, die das Glück hatten, unverstümmelt aufzuwachsen, solche menschenrechtswidigen Operationen nachträglich aufzuzwingen, sofern sie nicht ausgeschlossen werden wollen.

IOC und IAAF: Immer noch nichts gelernt

Bis heute hat der Weltathletikverband IAAF auch im "Fall" von Caster Semenya nichts unternommen, das durch seine "Indiskretionen" ausgelöste menschliche Leid zu sühnen. Hartnäckig halten sich vom IAAF unbestrittene Gerüchte, Caster Semenya habe ihre Wiederzulassung mit einer hormonellen Zwangs"therapie" erkaufen müssen. Und das IOC stellt sich weiterhin gegen Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan.

Zwar wollen IOC und IAAF beide ihre Regeln für die Teilnahme von intersexuellen (und als solchen verdächtigten) Athletinnen auf 2011 neu überarbeiten.

Statt die Zwitter und Ihre Organisationen dabei angemessen miteinzubeziehen, verweigern IOC und IAAF bis heute jeglichen Dialog

Statt sich jedoch künftig um mehr Fairness und Transparenz zu bemühen, setzen IOC und IAAF auf Drohungen und medizinisch nicht notwendige Zwangseingriffe.

Ein Zitat von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist vom Januar 2010 nach einem von IOC, IAAF und FIFA gesponsorten Mediziner-Symposium spricht diesbezüglich Bände:

Unter den zentralen Schlussfolgerungen befindet sich ein Vorschlag, Gesundheitszentren einzurichten, worin Experten Atheletinnen mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung" diagnostizieren und behandeln würden. In den meisten Fällen, sagte Ljungqvist, würden diese Behandlung benötigen wie Operationen und Hormontherapie.

Noch deutlicher wurde die IOC-Expertin Maria I. New (gegen die inzwischen Untersuchungen der US-Arzneimittelbehörde FDA und der US-Überwachungsstelle für medizinische Humanexperimente OHRP laufen):

"Diejenigen, welche in die Behandlung einwilligen, werden eine Starterlaubnis erhalten. Diejenigen, die eine Behandlung auf einer Fall-zu-Fall-Basis verweigern, werden keine Starterlaubnis erhalten."

So assoziieren sich die internationalen Sportverbände IOC, IAAF und FIFA ausgerechnet mit ZwangsbehandlerInnen, die seit Jahr und Tag international in der Kritik stehen wegen menschenrechtswidrigen GenitalOPs und illegitimer Humanforschung unter Umgehung von gesetzlich geforderten, unabhängigen Ethikkomitees.

22.8.2010: Protest gegen Genitalverstümmelungen

Wenn Caster Semenya am kommenden Sonntag, den 22.8.10 am 69. Internationalen Stadionfest ISTAF im Berliner Olympiastadion ihr erst 3. Rennen läuft seit ihrem Weltmeisterschaftssieg ebendort 2009 und dem nachliessenden, 11-monatigen und unwürdigen IAAF-"Geschlechterverfahren", ist ihr die weltweite Solidarität von Zwittern und ihren Organisationen gewiss.

In der Schweiz wird die Menschenrechtsorganisation Zwischengeschlecht.org gleichentags zum 3. Mal einen friedlichen Protest vor einer Genitalverstümmler-Kinderklinik durchführen.
 

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya 
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Thursday, August 19 2010

Genitalverstümmelung in der westlichen Welt - Marion Hulverscheidt, 2000

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Marion Hulverscheidt:
"Weibliche Genitalverstümmelung. Diskussion und Praxis der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum." Dissertation (2000)
Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag, 2002

In ihrer Dissertation geht Marion Hulverscheidt auf S. 19 auch kurz auf die chirurgischen Genitalverstümmelungen an Zwittern ein:

In der aktuellen Debatte um die weibliche Genitalverstümmelung bei afrikanischen Ethnien wird erwähnt, dass es auch in der westlichen Welt eine Form von Genitalverstümmelung gibt, die starke Ähnlichkeit mit der Verstümmelung afrikanischer Mädchen und Frauen hat: die chirurgisch-plastische Korrektur der Genitalorgane bei Menschen mit einem nicht eindeutig zu bestimmenden Geschlecht, den Intersexuellen. Die an diesen Kindern in frühester Kindheit durchgeführten Operationen und Eingriffe wie Dilatationen einer "zu engen Vagina" wirken hochtraumatisierend auf diese Menschen.

Weiter liefert Hulverscheidt auf S. 21 eine präzise Definition des Begriffs "Verstümmelung", anhand welcher klar wird, wieso auch die menschenrechtswidrigen kosmetischen Genitaloperationen an Kindern klar als Genitalverstümmelungen anzusprechen sind:

Der Terminus Verstümmelung bezeichnet einen Eingriff in die körperliche Integrität. Eine Verstümmelung hat zum Zweck, gesunde Teile des Körpers oder von Körperorganen zu entfernen. Sie verursacht damit einen bleibenden Schaden. Der Körper als ganzes – und der Mensch – ist nach diesem Eingriff unwiderruflich verändert.

Trotzdem werden von unbeirrbaren "Halbgöttern in Weiss" auch 10 Jahre später unverändert wehrlose Kleinkinder irreversibel genitalverstümmelt – allein in Deutschen Kinderkliniken JEDEN TAG mindestestens 1 Kind, sowie in Österreich und in der Schweiz JEDE WOCHE nochmals JE 1 weiteres.

Wie lange noch?!

Siehe auch:
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Terre des Femmes: Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit
- Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV - Fana Asefaw, Daniela Hrzán, 2005
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...

Sunday, August 15 2010

Neue US-Medienberichte über die Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen (Updates 3)

>>> Nachtrag

Kann ein Zwitter Sünde sein?Die "Saure-Gurken-Zeit" macht's möglich – während der letzten Wochen erschienen weitere Medienberichte über die wegweisende US-Kampagne gegen Dexamethason-Zwangsbehandlungen, wenig überraschend meist mit speziellem Augenmerk auf die u.a. von Prof. Dr. Maria I. New und Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg propagierten "Nebeneffekte", wonach die "Behandlungen" (auch) hilfreich seien gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen":

Am 26.7.10 erschien auf >>> History News Network eine Übersicht zur Problematik aus der Feder von Elizabeth Reis, bekannt für ihre einschlägige Buchveröffentlichung "Bodies in Doubt. An American History of Intersex". Darin greift Reis auch die Kampagne gegen den Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas auf. Und unterstreicht einmal mehr das Faktum, dass seinerzeit nur die wenigsten erwachsenen Zwitter in OPs einwilligten, weshalb sich die Medizyner an den 1950ern auf Kleinkinder fokussierten. Reis zeigt sich "erschüttert" und "aufgewühlt" über beide Formen von Zwangsbehandlungen und hält abschliessend u.a. fest:

Solches Herumpfuschen mit Hormonen oder radikale anatomische Veränderungen können gefährlich sein für die individuelle Gesundheit. Pränatales Dexamethason wurde zum Beispiel in Zusammenhang gebracht mit kognitiven und Gedächtnisproblemen, und chirurgische Klitorisverkleinerungen reduziert die sexuelle Empfindlichkeit. Beide Behandlungen werden einzig durchgeführt, um Menschen an unsere engen Ideale von "Normal" anzupassen.

Am 6.8.10 erschien auf >>> Bloomberg Business Week unter der Rubrik "HealthDay News" ein Artikel von Dennis Thompson über pränatale Dexamthason Zwangs"therapien". Maria I. New verweigerte (wie mittlerweile gewohnt) jegliche Fragen zur Thematik, veröffentlichte jedoch ein schriftliches Statement, in dem sie pikanterweise jegliche Beteiligung an Zwangsbehandlungen "in den letzten sechs Jahren" rundheraus abstritt. Was es für Alice Dreger eine wirksame Entgegnung einfach machte, da doch Maria I. New auf der Homepage ihrer "Maria New Children's Hormone Foundation" mit der Behandlung von "600 schwangeren Frauen mit dem Risiko einer Geburt eines Kindes mit AGS/CAH" prahlt.

Weiter greift der Artikel die Ankündigung der kommenden US-Leitlinie auf, welche pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen zum ersten Mal ausdrücklich als "experimentelle Prozedur" einstuft, die nur im Rahmen bewilligter klinischer Tests durchgeführt werden dürfe (dieser Blog berichtete). Neben Alice Dreger kommen als Kritikerinnen auch Ellen K. Feder und Anne Tamar-Mattis (letztere von "Advocates for Informed Choice AIC") zu Wort.

Am 10.8.10 berichtete auch >>> aolhealth.com über die Kritik an Maria I. News "Behandlungen". Die Autorin Deborah Huso hält ihrerseits fest, Maria New habe "wiederholt abgelehnt, die Vorwürfe in den Medien zu kommentieren", und sei auch für AOL Health unerreichbar geblieben. Deborah Huso fährt deshalb den Endikrinologen Dr. Claude Migeon auf vom (ausgerechnet) Johns Hopkins Children's Center (wo bekanntlich u.a. Hugh H. Young, Lawson Wilkins und John Money die systematischen, menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern überhaupt erst begründeten):

"Dexamethason heilt die Krankheit nicht," sagte Migeon AOL Health. "Der Fötus wird immer noch AGS/CAH haben. Aber es verhindert die Vermännlichung, die für Mädchen schwierig sein kann."

U.a. wegen dieser "psychologischen Schwierigkeiten" seien laut Dr. Claude Migeon frühe und auch pränatale medizynische Zwangsbehandlungen "zu befürworten".

Abschliessend erweckt der Artikel dann noch den falschen Eindruck, pränatale Dexamthason-Zwangsbehandlungen würden auch gegen Salzverlust helfen – ein typisches Beispiel dafür, wie die Medizyner bei öffentlicher Kritik prompt in Bedrängnis geraten und sich nur noch mit immer dreisteren Lügen behaupten können.

Am 12.8.10 erschien der oben besprochene Artikel von Dennis Thompson auch auf >>> health24.com, allerdings ohne Autorenangabe.

Am 15.8.10 erschien ein erneuter Onlineartikel der >>> Los Angeles Times, diesmal von Shari Roan (Link zu einem früheren Artikel vom 2.7. siehe hier). Der Artikel zitiert wiederum Alice Dreger und Anne Tamar-Mattis zur Problematik, während zur Verteidigung der auch diesmal jeglichen Kommentar ablehnenden Maria I. New Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg und Dr. Phyllis Speiser auftreten, letztere in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Arbeitsgruppe für die bereits angesprochenen, kommenden EndokrinologInnen-Leitlinien.

Schon tags zuvor war der obige Artikel am 14.8.10 auch im >>> Lexington-Herald Reader erschienen.

Nachtrag: Der oben erwähnte Artikel in der Los Angeles Times wurde von weiteren Medien aufgegriffen für eigene Artikel, so u.a. noch gleichentags am 15.8.10 auf >>> rawstory.com, sowie am 16.8.10 auf >>> newser.com, vom >>> Sydney Morning Herald und der >>> Daily Mail (UK) plus der Daily Mail-Artikal am 18.8.10 auch auf >>> iol.co.za (Südafrika).

Kommentar: Zumindest in den USA müssen sich die Medizyner wohl oder übel damit abfinden, auch künftig immer mal wieder mit kritischen Fragen konfrontiert zu werden – ein Risiko, dem ihre deutschsprachigen KollegInnen noch viel zu wenig ausgesetzt sind. Um wirklich grundlegend etwas an den Zwangsbehandlungen zu ändern, ist jedoch überall noch ne Menge mehr öffentlicher und auch politischer Druck notwendig ...

Siehe auch:
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen 
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Pränatale Hormonbomben gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen" 
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Tuesday, August 10 2010

Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998

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Menschenrechte auch für Zwitter!

Die nachfolgend dokumentierten Forderungen stammen aus dem Jahre 1998. Leider sind sie immer noch brandaktuell. In den
12 Jahren seit ihrer Veröffentlichung wurden in deutschsprachigen Kinderkliniken über 6000 Kinder genital zwangsoperiert. Allein in Deutschland wird von KinderchirurgInnen immer noch JEDEN TAG mindestens 1 Kind irreversibel verstümmelt, in Österreich und in der Schweiz zusätzliche JEDE WOCHE nochmals JE 1 weiteres.
Wie lange noch?!


Genitale Verstümmelung

Abhängig vom definierten Geschlecht werden möglichst zwischen der 6. Lebenswoche und dem 15. Lebensmonat diverse chirurgische Zuweisungen vorgenommen: Phallusreduktion (60-70% des Gewebes werden entfernt) oder Penisaufbauplastiken, Kastrationen, Konstruktion von Neovaginen, Hodenimplantaten, Harnröhrenverlegungen. Ist das erreichte Ergebnis nicht zufriedenstellend, wird nachkorrigiert. Es sind uns bis zu 16 Operationen an einem Kind bekannt. Hinzu kommen extrem hohe Hormonsubstitutionen, vielfache gynäkologische Untersuchungen, Bougierungen (Dehnung der Vagina mit Stäben) sowie mehrfache fotografische Ablichtung der Genitalien. Auf psychosozialer Ebene werden Eltern zu rigider geschlechtlicher Sozialisation angehalten. Bei Fehlverhalten erfolgen psychologische Untersuchungen. Die Behandlungsdauer richtet sich nach dessen Beginn und ist selten vor dem 17. Lebensjahr beendet. Hormonelle Ersatzgabe soll ebenso wie weitergehende klinische Untersuchungen lebenslang erfolgen.

Folgeschäden

Eltern erleben eine Cotraumatisierung, da sie zum einen unter erheblichen Streß gesetzt werden, medizinische Anweisungen zu befolgen, zum anderen schädliche Folgen der medizinisch nicht notwendigen Behandlung an ihrem Kind miterleben. Die hieraus resultierende Destruktivität überträgt sich auf das Kind. Für intersexuelle Kinder sind folglich Eingriffe und Reaktionen der Bezugspersonen extrem traumatisierend, denn neben massiven Integritätsverletzungen kommen strikte Tabuiserungsanweisungen, Reduktion zum Objekt und gesamtpersonelle Ablehnung seitens der Eltern hinzu. Lebenslange physische und psychische Schädigungen sind die Folge. Sozialer Unbill, welchen es offiziell zu vermeiden galt, wird dadurch noch verstärkt. Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich. [...]

Wir fordern:

  • Menschenrechte für Intersexuelle
  • das Recht auf Selbstbestimmung und vollständige Aufklärung
  • Beendigung chirurgischer Eingriffe vor Einwilligungsfähigkeit
  • psychologisches Betreuungsangebot für alle Familenangehörigen
  • außerklinische Beratungsstellen und Kontaktvermittlung zu kritischen Gruppen
      

>>> der ganze Text von 1998

Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG):
"Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen"
http://www2.iisg.nl/id/Systematik.asp?cat=3&id=83

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000 
- "Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie" - AGGPG 1996
- "Für die Kinder kämpfen wir" - Michel Reiter, 1997 
- "Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen" - AGGPG 1998
- Selbstdarstellung der AGGPG 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: Wie können die Täter gestoppt werden?
- Anliegen an den Deutschen Ethikrat 2010 

Sunday, August 8 2010

Kalifornien: Zwitter-Hund durch Genitalverstümmelungs-OP "gerettet"

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Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!In vielfacher Hinsicht haben es Hunde besser als Zwitterkinder: Bei Hunden setzt der Gesetzgeber manchmal Grenzen, wenn ihre Besitzer sie chirurgisch verstümmeln wollen (z.B. Coupierverbot, d.h. der Schwanz darf nicht aus kosmetischen Gründen verkürzt werden), Tierquäler werden auch sonst bestraft. Bei Kindergenitalien sieht's bis heute anders aus, dort darf täglich straflos "coupiert" werden – und es wird auch, allen Medizynerschutzbehauptungen zum Trotz ...

Laut einer >>> Medienmeldung (englisch) aus Kalifornien sollen's in Amerika mittlerweile auch die Hunde nicht mehr besser haben: Ein in San Bernardino ausgesetzer Zwitter-Junghund habe nur durch eine kostspielige "geschlechtsangleichende Operation" [...] vor der Euthanasie [...] gerettet" werden können.

Der von einem lokalen Veterinär als "männlicher Pseudohermaphrodit" diagnostizierte Hund hätte im Tierheim wegen "Infektionsgefahr und erhöhtem Krebsrisiko" eingeschläfert werden sollen. Als letzter Ausweg liess dann die Chefin des Tierheims auf eigene Kosten (und in bester Charité-Manier) einen auswärtigen Star-Hundechirurgen einfliegen, der dem armen Tier für $1'165 eine "geschlechtsangleichende Operation" verpasste. Solche "sehr seltenen Fälle" gäbe es laut dem Veterinär "auch bei Menschen", und zwar "etwa bei drei von 100'000".

Der Hund ist nun laut Bildunterschrift "männlich". An anderer Stelle im Artikel heisst es, er sei jetzt "ohne jegliche Reproduktionsorgane, gesund und bereit zur Adoption".

Soweit, so altbekannt (und zum Kotzen).

Ebenso, dass in der Schlagzeile des Artikels von einem "Transgenderhund" die Schreibe ist ...

Diese tierquälerischen Verstümmelungsveterinäre gehören hinter Gitter, genau gleich wie ihre GenitalabschneiderkollegInnen unter der KinderchirurgInnen auch.

Und auch die TransgendervereinnahmerInnen in den Medien und in der Politik würden bestimmt überall schnell andere Parolen schwingen, wenn statt der Zwitter mal sie selber zu 90% von Kind an ungewollten und verstümmelnden ZwangsOPs ausgesetzt wären ... wetten?!

Saturday, August 7 2010

Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV - Fana Asefaw, Daniela Hrzán, 2005

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Das >>> Gender Bulletin 28 vom April 2005 des "Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien" an der Humboldt Universität in Berlin widmete sich dem Thema "Female Genital Cutting". Die >>> Einführung dazu (S. 8-21, PDF) stammt von der international renommierten Expertin und Buchautorin Fana Asefaw und der Historikerin Daniela Hrzán.

Die beiden Autorinnen halten darin eingangs fest:

Des Weiteren war es uns ein Anliegen, auch in diesem einführenden Text auf FGC-Praktiken in der „westlichen Welt“ hinzuweisen, wenngleich der afrikanische Kontext hier im Mittelpunkt unseres Interesses steht, schon allein deswegen, um auf Vorurteile und Fehleinschätzungen bezüglich FGC in Afrika eingehen zu können. (S. 8 = S. 1 innerhalb PDF)

Im weiteren findet sich eine Zusammenfassung der WHO-Klassifikationen von Female Genital Cutting. Unter Typ II fällt u.a. die auch bei Zwitter-Genitalverstümmelungen (und auch sonst aus der westlichen Gynäkologie) sattsam bekannte "Klitoridektomie" (chirurgische Entfernung der "Klitoris" – vor allem von "zu grossen").

Weiter halten Fana Asefaw und Daniela Hrzán explizit fest (S. 12 = S. 5 Nummerierung im PDF):

Typ IV beinhaltet auch alle anderen Formen von FGC, die unter die oben genannte Definition fallen, aber nicht konkret aufgelistet wurden. Dies bedeutet, dass auch FGC-Formen in Europa oder Nordamerika, wie bspw. die „korrigierenden“ Operationen an intersexuellen Kindern, unter Typ IV subsumiert werden können.

Weitere Ausführungen zur ganz oder teilweisen Entfernung der Klitoris von Zwitterkindern finden sich auf S. 13-14 (= S. 6-7 Nummerierung im PDF):

Doch auch in Europa und Nordamerika war und ist FGC, auch wenn dies oft nicht eingestanden wird. Selbst wenn darauf Bezug g enommen wird, werden „westliche“ FGC-Praktiken oft nur als historisches Phänomen diskutiert. (27) Dazu gleich. ZZuvor soll jedoch ergänzt werden, dass „korrigierende“ Operationen an intersexuellen Kindern weithin üblich und medizinisch anerkannt sind. Cheryl Chase, Vorsitzende der Intersex Society of North America (ISNA), schätzt, dass jeden Tag in den USA fünf Kinder diesen Operationen zum Opfer fallen.(28) In etwa 90% der Fälle wird diesen Kindern die Klitoris teilweise oder ganz entfernt, um sie zu Mädchen zu machen.(29) Dies wird damit begründet, dass Operationen destruktive Prozesse sind. Gewebe kann entfernt und auch verpflanzt, aber nicht neu aufgebaut werden. Es ist also schwerer, einen „richtigen“ Penis aufzubauen, als „zu große“ weibliche Genitalien zu beschneiden. Mehr noch: es ist wohl einem Mann nicht zumutbar, mit einem zu kleinen Penis leben zu müssen, während die zumeist männlichen Ärzte annehmen, Frauen könnten offensichtlich ganz gut ohne ihre Klitoris leben. Hier zeigt sich einerseits die Abwertung weiblicher Sexualität und andererseits eine Abwertung weiblichen Schmerzes, denn die Behandlung ist mit der eigentlichen Operation nicht zu Ende. Sie wird in der Regel von jahrelangen Arztbesuchen gefolgt, in denen die Mädchen sich schmerzhaften Prozeduren unterziehen müssen.(30)

Was den historischen Kontext betrifft, so gibt es mittlerweile zahlreiche Quellen, die darauf hinweisen, dass bis Mitte des 20. Jahrhunderts FGC auch in Europa und den USA an Mädchen und Frauen durchgeführt wurde. Hierbei wurde der Eingriff medikalisiert, d.h. unter hygienischen und sterilen Bedingungen von etablierten Ärzten verschiedener Fachrichtungen durchgeführt. Als Indikationsgründe wurden Nymphomanie, Hypersexualität, Masturbation und so genannte „Geisteskrankheiten“ angeführt. Zweifelhafte Popularität erlangte vor allem der Arzt Isaac Baker Brown, der in den späten 1860er Jahren nahezu jede Frau, die in seiner Praxis erschien, in Narkose versetzte und ihr die Klitoris entfernte – unabhängig davon, was ihre eigentlichen Beschwerden waren.(31) Seine Berichte über „Wunderheilungen“ in einschlägigen Fachzeitschriften führten dazu, dass die Klitoridektomie sich zu einer anerkannten Methode entwickelte, um Epilepsie, Hysterie, Masturbation und weibliche Homosexualität zu behandeln.(32)

Damit wurde 2005 auch in einer deutschen akademischen Publikation von ExpertInnen bestätigt, was von KinderchirurgInnen verstümmelte deutschsprachige Zwitter schon seit 1996 unmissverständlich öffentlich anklagen.

Nur die verantwortlichen PolitikerInnen und der von ihnen bestellte Deutsche Ethikrat wollen dagegen auch 2010 weiterhin nichts bemerkt haben – während allein in deutschen Kinderkliniken weiterhin JEDEN TAG mindestens 1 wehrloses Kind irreversibel chirurgisch genitalverstümmelt wird, sowie in Österreich und in der Schweiz JEDE WOCHE zusätzlich JE 1 weiteres.

Wie lange noch?!

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report an das UN-Kinderrechtekomitee (CRC) (englisch)
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>>
Table of Contents

Siehe auch:
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- Schweiz: Terre des Femmes, Amnesty und Grüne gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10
- Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> UN-Auschuss gegen Folter fordert Entschädigung für IGMs
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 

>>> Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
 
>>> WHO, UNICEF, etc. fordern Wiedergutmachung für Intersex-Verstümmelungen
>>> UN-Behindertenrechtsausschuss fordert IGM-Statistiken und konkrete Schritte
>>> GMFK 2014: 24. Gleichstellungsministerkonferenz fordert IGM-Verbot!

Thursday, July 29 2010

"Das dritte Geschlecht" (2007) - KabelTV & YouTube

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Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da!

Dieser in England produzierte Dokfilm lief glaub schon Anfang Jahr mal auf irgend 'nem Bezahlfernsehen, und ist aktuell wieder auf "Focus Gesundheit" (nächste & vorläufig glaub letzte Wiederholung Fr 30.7.10 um 01:40h), sowie nach Belieben auf dem Netz.

Die qualitativ bessere Version auf Google-Video ist schon wieder weggeputzt, doch auf YouTube ist er aktuell noch zu gucken:

>>> Teil eins / zwei / drei / vier / fünf

Nella fand ihn gut, Ayvlis und kwhal auf dem Hermiforum auch (im Gegensatz dort zur ebendort zitierten/kritisierten Programm-Ankündigung).

Zum Inhalt:

Die Doku zeigt u.a. Interviews mit dem inzwischen verstorbenen Intersex-Aktivisten Max Beck (Memorial-Page), der am 26.10.96 in Boston mit dabei war an der ersten Zwitterdemo überhaupt gegen den AAP-Medizyner-Kongress, und einen Bericht darüber schrieb (englisch), u.v.a.m., das sich mit entsprechender Internet-Suche z.B. nach "Max Beck Intersex" leicht finden lässt.

Weiter zu Wort kommen u.a. die Eltern von Patrick Smith, der von den Medizynern gegen den Willen der Eltern bei einer "Untersuchung" gleich zwangskastriert wurde (was leider kein Einzelfall ist, sondern globale Medizynerpraxis, wie dieses Beispiel aus Deutschland beweist). Die Eltern sind überzeugend und berührend, etwa die Mutter zu den Medizynern (die aus Patrick auch am Genital "ein Mädchen machen" wollen): "Sie können nicht einfach etwas abschneiden, das funktioniert! [...] Ich liebe ihn, egal, was Sie für Probleme mit ihm haben, es ist mein Sohn und ich nehm ihn mit." 

Leider enthält auch dieser insgesamt gelungene Film trotzdem im gesprochenen Kommentar übermässig die die offensichtlich obligaten Medien-Velwechserungen im Quotenbereich "Gender- & Geschlechteraberrationen", inkl. dazu gezeigten Karnelvalshintergrundbildern samt eingeblendeten historischen Freak Show-Reklamebildern.

Kommentar 24.2.11: Verglichen mit neueren deutschsprachigen "Intersex"-Dokus (z.B. Tabu Intersexualität" (Arte 8.10.10), "X:enius" (Arte  21.2.11) , der kommende "NZZ Format"-Beitrag am 10.3.11) hat die ursprünglisch englischsprachige Doku "Das dritte Geschlecht" einen entscheidenden Vorzug: Während hierzulande Medizyner einen Grossteil der Sendezeit unwidersprochen ihre Lügen feilbieten dürfen, müssen die Genitalabschneider bei "Das dritte Geschlecht" für einmal "leider" draussen bleiben ...

Was sich als sehr erholsame Klimaveränderung erweist: Kein pädo-medizynisch-geschlechterwissenschaftliches Fabulieren ohne Ende über "Gehirngeschlecht", "Geschlechtsidentität", "heute machen wir das schon lange nicht mehr", "wir haben ein multidisziplinäres Team" etc. usw.

Sondern stattdessen Klartext satt über die täglichen Genitalverstümmelungen in "westlichen" Kinderkliniken weltweit aus der Perspektive von selbstbewussten und starken Überlebenden und ihren Angehörigen.

Für deutschsprachige TV-Sender, öffentlich oder privat, zur Zeit anscheinend zu heiss ...

>>> Video: "Intersexuellen-Demonstration" - Tagesschau 6.7.08  
>>> Überlebende Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

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