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Sunday 22 January 2012

Dresden, Ort von Genitalverstümmelungen – Internationale Konferenz ohne Betroffene

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 20.01.2012:

INHALT
1.  Diagnose "auffälliges Genitale"
2.  "Intersex-Tagung": Eigenwerbung und Wirklichkeit
3.  Lange Liste der Genitalverstümmler
4.  Organisatoren der Konferenz schweigen sich aus
Anhang:
Stellungnahmen von Menschenrechtsorganisationen

>>> Pressemitteilung lesen 
>>> Offener Brief von Zwischengeschlecht.org an die Tagung 

Intersex im Bundestag: "Niemand hat das Recht, an den Genitalien eines Kindes oder Jugendlichen herumzuschneiden" - Sibylle Laurischk (FDP)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)Einer der besten Redebeiträge der >>> historischen "Intersex"-Bundestagsdebatte stammte von der FDP-Abgeordeten Sibylle Laurischk.

(Einziger Wermutstropfen darin war die – an anderen Stellen des Redebeitrags allerdings mehrfach relativierte – Behauptung, seit den 1980-Jahren würde nicht mehr möglichst früh verstümmelt – tatsächlich wurde ab diesem Zeitpunkt lediglich mit den bis dahin gebräuchlichen "Klitoris"amputationen aufgehört und stattdessen auf ebenfalls verheerende chirurgische "Klitorisverkürzungen" umgestellt.

Ansonsten enthält der Redebeitrag aber praktisch alle Kernpunkte in konzentrierter Form, darunter Verstoss gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit, dass es sich nicht um ein parteipolitische Frage handelt, dass das Elternrecht hier seine Grenzen findet, und dass das unwürdige Vorgehen der "geschlechtszuweisenden Operationen" aufhören muss.

Und mit dem im Titel dieses Posts gerafft wiedergegebenen, deutlichen Statement erhielt Sibylle Laurisck erfreulicherweise (und zu Recht!) gar überparteilichen Beifall von der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Es geschehen noch Zeichen und Wunder ...

Dafür von diesem Blog an die Abgeordnete Sibylle Laurischk ein ganz herzliches Danke! 

Nachfolgend der Videolink zum nochmaligen Nachhören des historischen Beitrags, gefolgt vom Transkript der gesamten Rede:    

>>> http://dbtg.tv/fvid/1431761 

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Wednesday 18 January 2012

Offener Brief an "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft", Dresden 18.-20.01.2012

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>>> Pressemitteilung 20.1.12     >>> Vorschau 17.1.12     >>> English Translation 19.1.12
>>> Antwort von Tagungs-Referent Heinz-Jürgen Voß 18.1.12    
>>>
Antwort von Tagungs-Organisator Stefan Horlacher 22.1.12 (PDF)

Offener Brief von Zwischengeschlecht.org vom 18.01.2012:

Kann ein Zwitter Sünde sein?Sehr geehrte Organisierende, Vortragende, Teilnehmende und Sponsoren der internationalen & interdisziplinären Konferenz "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft"

Als Menschenrechtsgruppe, die sich seit 4 Jahren aktiv gegen die täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken einsetzt, freuen wir uns, dass Ihre Konferenz ab heute in Dresden "die sozialen, politischen und rechtlichen Dimensionen" von Intersex berücksichtigen will (Ankündigung) sowie "Betroffenen Gehör zu verschaffen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren" (Pressemitteilung 9.1.12).

Als führende Wissenschaftler der Intersex-Forschung (Pressemitteilung 9.1.12) ist Ihnen in diesem Zusammenhang sicher bekannt,

• dass mindestens jedes 1000. Neugeborene mit "atypischen" Genitalien auf die Welt kommt, und diese Kinder laut aktuellen Studien der Mediziner selbst heute noch zu 90% im Kindesalter "korrigierenden" kosmetischen Genitaloperationen unterworfen werden, für die keine zwingende medizinische Indikation besteht,

• dass Betroffene solcher Operationen diese seit bald 20 Jahren als "immens destruktiv für die sexuelle Empfindsamkeit und das Gefühl für körperliche Unversehrtheit", als "westliche Form von Genitalverstümmelung", "medizinisches Verbrechen" und "fundamentale Menschenrechtsverletzung" anprangern, 

• dass praktisch alle Organisationen von Betroffenen als erste und wichtigste Forderung von Beginn bis heute die sofortige Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern einklagen.

Demgegenüber ist aus dem öffentlichen Auftritt der Konferenz zumindest für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org bisher leider nicht ersichtlich, wie die Konferenz

a) die Problematik der täglichen Verstümmelungen an Kindern mit "atypischen" Genitalien angemessen berücksichtigen will, geschweige denn dazu "die Öffentlichkeit zu sensibilisieren", sowie

b) welche Vortragenden eine Praxis zur konkreten Beendigung der täglichen Verstümmelungen ins Zentrum stellen oder anderweitig in der "politischen und rechtlichen Dimension" dazu beitragen, diesbezüglich "Betroffenen Gehör zu verschaffen".

Zumindest den Verantwortlichen sowie einem Großteil der Beitragenden der Konferenz ist fraglos weiter bekannt,

• dass Betroffene das Thematisieren von "Intersex" in Wissenschaft und Politik bei gleichzeitigem Ausblenden der Genitalverstümmelungen seit vielen Jahren als schädlich, unzulässig und vereinnahmend kritisieren.

Ebenso sollte den Organisierenden und Beitragenden bekannt sein,

• dass innerhalb praktisch aller wissenschaftlicher Institutionen, die an der Tagung direkt oder indirekt beteiligt sind, in deren kinderchirurgischen Abteilungen genau die angeprangerten Genitalverstümmelungen jahrein, jahraus unwidersprochen an wehrlosen Kleinkindern praktiziert sowie öffentlich propagiert werden, darunter:

- TU Dresden
- Humboldt-Universität Berlin
- Freie Universität Berlin
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
- Justus-Liebig-Universität Gießen
- University of London
- University of Leeds

(Ausnahmen bestätigen die Regel: Bei Institutionen, die wie z.B. die Universität Siegen oder die Manchester Metropolitan University nicht über eigene pädiatrische Kliniken verfügen, werden die Verstümmelungen einfach in der nächstgelegenen durchgeführt, im vorliegenden Fall im Universitätsklinikum Gießen und Marburg bzw. in den Central Manchester University Hospitals.)

Dass unter diesen Umständen an einer internationalen & interdisziplinären Konferenz, welche die Begriffe "Intersex" und "Gesellschaft" in ihrem Titel trägt, ausgerechnet die zentrale Tatsache der täglichen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern ebenso unter den Tisch zu fallen scheint wie die Stimmen und Anliegen der davon Betroffenen, erfüllt die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org mit tiefer Sorge.

Im Namen von durch uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen im Kindesalter Betroffenen oder Bedrohten ersuchen wir deshalb die Organisierenden, Vortragenden und Teilnehmenden der Konferenz um Aufklärung über folgende Fragen:

1) Ist Ihnen bekannt, in welchen Institutionen, die an der Konferenz direkt oder indirekt beteiligt sind, jeweils a) welche und b) wie viele kosmetische Genitaloperationen an Kindern durchgeführt werden?

2) Was ist Ihre Position zu kosmetischen Genitaloperationen an Kindern?

3) Warum sind Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter an der Konferenz nicht angemessen vertreten?

4) Sind Sie bereit, etwas zur konkreten Beendigung der täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken beizutragen? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht?

Über Rückmeldungen würden wir uns freuen!

Freundliche Grüße

Im Namen von Zwischengeschlecht.org

Daniela Truffer
Gründungsmitglied Zwischengeschlecht.org

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

[Eine >>> englische Übersetzung dieses offenen Briefes wird in Kürze verfügbar sein.]

>>>
Pressemitteilung 20.1.12     >>> Vorschau 17.1.12   
>>> Antwort von Tagungs-Referent Heinz-Jürgen Voß 18.1.12    
>>>
Antwort von Tagungs-Organisator Stefan Horlacher 22.1.12 (PDF)

>>> Unethische Forscher als Zulieferer der Genitalabschneider 
>>>
"STOP Genitalverstümmelung als 'Rohmaterial' für die Geschlechterforschung!"  

Wednesday 28 December 2011

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: "Täter, Mitläufer und Apologeten: Wer ist an dem Bösen Schuld?"

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Kann ein Zwitter Sünde sein?Um die Verbrechen in den Kinderkliniken endlich zu stoppen, ist es notwendig, die TäterInnen öffentlich zu benennen. Solange die TäterInnen nicht in der Öffentlichkeit blossgestellt und dadurch unmissverständlich damit konfrontiert werden, was nicht nur ihre Opfer, sondern auch die meisten MitbürgerInnen von ihren Taten halten, werden sie von ihrem schädlichen Tun offensichtlich nicht ablassen – weil sonst hätten sie es schon lange getan, seit sie durch die öffentlichen Klagen und Proteste Betroffener seit 20 Jahren wissen, dass sie ihren "Patienten" nicht das Gute tun, das sie vorgeben, aber insgesamt offensichtlich zu verstockt sind, um aus diesem durchaus vorhandenen Wissen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die gesellschaftliche Verantwortung von uns allen einzufordern und aufzuarbeiten, um – wie von mehreren Betroffenenorganisationen auch im Diskurs des Deutschen Ethikrates klar gefordert – anschliessend eine gesellschaftliche Aussöhnung herbeizuführen.

Ein differenziertes Instrumentarium dazu bietet ein Vortrag des Bioethikers Erich H. Loewy, gehalten anlässlich des 2. Symposions "Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien" vom 8. und 9. Mai 2000 im Psychiatrischen Krankenhaus der Stadt Wien mit dem vollständigen Titel  "Täter, Mitläufer und Apologeten: Wer ist an dem Bösen Schuld? Können wir es in Zukunft verhindern?". Nachfolgend einige relevante Ausschnitte, >>> ganzen Text lesen dringend empfohlen!

[...] über Schuld oder über Verantwortung zu sprechen darf nicht zu einem Abwälzen dieser Verantwortung die wir alle tragen werden. Falls wir wirklich etwas gegen Greuel wie die, die hier geschehen sind unternehmen wollen, so ist es wichtig, daß wir uns nicht mit der Frage wer Schuld war begnügen, sondern daß wir uns auch unserer eigenen Verantwortung klar werden. Es ist deswegen wichtig den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung auszuarbeiten und daraus Konsequenzen zu ziehen.

Um ethisch schuldig zu sein, müssen gewisse Kriterien erfüllt werden. Leute, die wir schuldig heißen müssen: 1) was sie tun bewußt tun; 2) wissen, daß was sie tun verwerflich, oder schlecht ist und 3) die Möglichkeit, es anders zu tun haben. [...] Wenn ich etwas unwissend tue – mir nicht klar ist, daß Mord ein Verbrechen ist – so werde ich nicht für schuldig, sondern für Geisteskrank erklärt werden.

Schuld kann größer, oder kleiner sein. Wenn man unter schwerem Zwang steht, so tut man zwar was man tut wissend, aber man hat allenfalls weniger Wahl – etwas Anderes tun zu können wird erschwert. Wenn man allerdings etwas anderes hätte tun können, so hat man die Wahl – mit einer Pistole konfrontiert könnte man sich zwar weigern mitzumachen, aber wenn man es unter solchem Druck tut, so wäre es vielleicht verständlich. Allerdings wird diese “Pistole” [...] überschätzt: die Wahl war öfters nicht zwischen mittun, oder sterben, sondern zwischen mittun, oder seine Karriere nicht fördern. [...]

Falls man etwas tut, von dem man die Folge nicht wirklich weiß, wäre die Schuld eine viel kleinere. Der Mann, der die Fahrpläne für Züge nach Auschwitz gemacht hat, ohne zu wissen, wo diese Züge hingehen sollten, wäre nicht in demselben Sinne schuldig wie der Kollege, der es sehr wohl wußte. Leider aber wußten es die Meisten die die Fahrpläne machten genau, oder sie haben es absichtlich nicht wissen wollen.

Obwohl Unwissen als mildernder, oder sogar entschuldigender, Umstand gelten kann, so kann Unwissen an und für sich schuldig oder unschuldig sein. “Ich wußte es nicht, weil ich es nicht hätte wissen können” ist etwas ganz anderes als “ich hätte es mehr oder weniger leicht wissen können, wollte es aber nicht wissen – um nicht zu wissen habe ich mich abgewendet.” Es ist klar daß in dem “ich wollte es nicht wissen” bereits ein Wissen oder wenigsten ein Ahnen steckt. Falls ich etwas tatsächlich nicht hätte wissen können, so wäre ich nicht schuldig – ich habe nichts bewußt getan. Falls ich es aber nicht wissen wollte so wußte ich ja bereits etwas – genug allenfalls um zu wissen daß ich davon nichts wissen will. Falls ich etwas nicht wissen will, so habe ich meinen Willen zwischen das Wissen können und das sehr wohl Wissen mit voller Absicht gestellt. Und dann bin ich allerdings schuldig – schuldig nicht nur für was geschehen ist sondern auch schuldig weil ich absichtlich Wissen abgelehnt habe. Wissen ablehenen heißt einem Willen Ausdruck geben.

Es stellt sich die Frage: was ist das was man gewußt, oder nicht gewußt hat? [...]

Verantwortung für etwas zu haben heißt, für etwas zu sorgen, für etwas zuständig zu sein. Es ist eine bestimmte Beziehung zu Anderen, zur Gesellschaft, zur Natur und zu sich selbst. Man kann das Wort verschieden verstehen. Kausalverantwortung bedeutet, daß man in die Kausalkette ohne, oder mit Schuld verstrickt ist. Kausalverantwortung kann schuldig sein – etwa “ich habe es mit voller Absicht getan”, oder “es war was geschehen ist zwar nicht meine Absicht, aber ich konnte was geschehen wird voraussehen und habe es trotzdem getan”. Andererseits kann Kausalverantwortung unschuldig sein “ich konnte es nicht verhindern (oder voraussehen), aber es ist durch mein Tun oder Lassen geschehen – meine Bremsen haben versagt und ich bin in ein anderes Auto hineingefahren.”

Andererseits kann Verantwortung eine Rollenverantwortung sein – als Lehrer oder Arzt habe ich gewisse Verantwortungen. [...] Als Arzt hat man einem Patienten gegenüber eine Verantwortung die ein Laie nicht hat. Ein Ehegatte hat Verantwortungen, die jemand anderer nicht hat.

Und vor allem haben wir als Menschen menschliche Verantwortung -- als Mensch bin ich für meine Mitmenschen verantwortlich. [...]

Schuld ist immer persönlich, Kollektivschuld ist absurd. Verantwortung kann, allerdings, eine kollektive sein. Da ich in einer gewissen Gesellschaft lebe, bin ich für das, was diese Gesellschaft tut oder läßt verantwortlich. [...]

Man kann für etwas keine Schuld haben (also nicht selbst in die Kausalkette verstrickt sein), aber trotzdem dadurch, daß etwas auch ohne sein Dazutun geschehen ist verantwortlich sein. Da ich nicht in der Sklavenzeit gelebt habe, trage ich für die Sklaverei keinerlei persönliche Schuld. Da ich, allerdings, als weißes, männliches in Amerika wohnendes Wesen täglich und ohne es zu wollen durch die Tatsache und durch die historischen Gegebenheiten bevorzugt werde, habe ich die Pflicht, Alles um die Benachteiligung, die Folge der Sklaverei ist gut zu machen – wenn ich das nicht tue, so werde ich für die weitere Benachteiligung Schuld tragen.

Als Miglied einer Gesellschaft, die Kinder, Behinderte und andere Schwache, als  “lebensunwert” deklariertes Leben ermordet hat, trage ich eine gewisse Verantwortung. [...]

Wenn wir noch immer heute Leute behaupten hören, daß entweder sie, oder ihre Eltern und Großeltern “von nichts gewußt haben”, so muß man sich fragen, was dieses “nichts” eigentlich war.

Meine 2 Cent:

Dieselben Fragen stellen sich bekanntlich z.B. auch bei Genitalabschneiderverbänden, der Bundesregierung, dem Berliner Senat, dem Bremer Gesundheits-Staatsrat u.v.a.m., die betreffend der Folgen der täglichen Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken für die Opfer über Jahrzehnte und zum Teil bis heute ebenfalls behaupten, von "nichts" gewusst haben zu wollen – und bei praktisch allen westlichen Gesellschaften, die diese unmenschliche Praxis seit 60 Jahren unwidersprochen in ihrer Mitte dulden ... 

>>> Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen   

Sunday 18 December 2011

Daniela "Nella" Truffer: Redebeitrag zur Anhörung der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CNE), Bern 15.12.11

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>>> 2012 wird heiß ... NEWSLETTER Zwischengeschlecht.org 20.12.11

Als Reaktion auf 2 von Zwischengeschlecht.org initiierte parlamentarische Anfragen im Frühjahr 2011 führt aktuell die schweizerische Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CNE) im Auftrag des Bundesrates nicht-öffentliche Anhörungen zum Thema "Intersexualität/DSD" durch. Dabei steht zuerst jeweils einen 10-15 minütiger Redebeitrag eines geladenen Sachverständigen auf dem Programm, gefolgt von einer weiteren Viertelstunde Befragung durch die Mitglieder der Nationalen Ethikkommission.

Den Auftakt machte Nella im Namen der Betroffenen, bei der Befragung unterstützt durch yours truly a.k.a. Markus Bauer. Die beiden unmittelbar folgenden Anhörungen waren betroffenen Eltern gewidmet, darunter Karin Plattner von der CH-Elternselbsthilfe.

Die weiteren von der Nationalen Ethikkommission angefragten Sachverständigen bleiben geheim, auch die (anonymisierten) Protokolle der Befragungen sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich hatte deshalb am Schluss der Befragung im Namen von Zwischengeschlecht.org die Ethikkommission auf den hohen öffentlichen Aufklärungsbedarf über dieses Tabuthema hingewiesen und die Mitglieder gebeten, als Beitrag dazu ausnahmsweise die anonymisierten Protokolle aller Anhörungen öffentlich zugänglich zu machen. Dieser Blog wird seinerseits das ihm mögliche tun, um Transparenz herzustellen. Als erstes dokumentieren wir Nellas Redebeitrag zur Anhörung:

Daniela Truffer (Bild: NZZ Format, 10.03.2011)

Sehr geehrte Mitglieder der Nationalen Ethikkommission

Mein Name ist Daniela Truffer, ich bin Gründungsmitglied der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org. Ich möchte mich bedanken, dass ich hier im Namen der Betroffenen sprechen darf. Zahllose Betroffene setzen grosse Hoffnung in die Nationale Ethikkommission. Möge die aktuelle Anhörung dazu führen, dass endlich entscheidende Schritte unternommen werden für ein Leben in Unversehrtheit und Würde auch für Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

Ihrem Wunsch entsprechend möchte ich zunächst ein wenig von mir erzählen.

Ich bin 1965 mit einem schweren Herzfehler und uneindeutigem Genitale geboren. Aufgrund meines Herzfehlers wurde ich ein paar Tage nach meiner Geburt notgetauft, da die Mediziner davon ausgingen, dass ich nicht lange überleben würde. Meine Eltern durften mich drei Monate nicht nach Hause nehmen. Mein Vater musste arbeiten, meine Mutter reiste so oft wie möglich aus dem weit entfernten Bergdorf in die Stadt, durfte mich jedoch nur durch eine Glasscheibe anschauen.

Wie die meisten Betroffenen habe ich Bruchstücke der Wahrheit über mein Schicksal erst nach Jahrzehnte langem Nichtwissen und Verdrängen aus meiner Krankenakte erfahren. Wie den meisten Betroffenen wurde auch mir vom zuständigen Spital auf Anfrage zunächst beteuert, es seien keine Akten mehr vorhanden. Erst nach weiterem Insistieren waren dann plötzlich doch noch da vorhanden und ich erhielt schliesslich einige wenige Seiten, weiter sei nichts mehr vorhanden. Erst als ich mit dem Anwalt drohte, erhielt ich einige Tage später ein dickes Paket.

Endlich hatte ich es nun schwarz auf weiss:

Aufgrund meines uneindeutigen Genitales konnten die Ärzte nicht sagen, ob ich ein Mädchen oder ein Junge bin. Später fand man Hoden im Bauchraum und einen männlichen Chromosomensatz XY. Wie 50% aller XY-Intersexuellen habe ich keine genaue Diagnose.

Der Befund meines äusseren Genitales laut Krankenakte:

Prima vista aussehend wie bei AGS. Der Penis ist 2 cm lang, das Scrotum nicht ausgebildet, sondern in Form von zwei Labia majora vorhanden. Kein Sinus urogenitalis, beim Perineum befindet sich die Mündung der Urethra.

Trotz meines lebensbedrohenden Herzfehlers wurde ich Anfang September 1965 im Alter von 2 1/2 Monaten kastriert. Meine Hoden, Nebenhoden und Samenstränge wurden in den Mülleimer geworfen. Zugleich wurde der Sinus urogenitalis zum ersten Mal "eröffnet". Diese Eingriffe wurden laut Krankenakte ohne Einwilligung meiner Eltern vorgenommen und wurden ihnen verschwiegen. Erst später entschieden sich die Ärzte dann doch anders, Zitat Krankenakte:

Entgegen dem früheren Entschluss, den Eltern nichts über die genitale Situation zu sagen, kamen wir nach reiflicher Überlegung überein, den wahren Sachverhalt trotzdem mit den Eltern zu besprechen, [...].

1. Es bestehe ein Herzvitium, welches strengster Kontrolle bedürfe.

2. Ihr Kind sei ein Mädchen und dieses Geschlecht sei ein für allemal festgesetzt.

3. Bei der Operation hatte sich folgender Befund gezeigt: es sei kein Uterus vorhanden gewesen, die Keimdrüsen seien missgebildet gewesen und hätten entfernt werden müssen. Die Vagina sei kurz.

4. Während der Pubertät, d.h. mit etwa 10 – 11 Jahren, müsse das Kind unbedingt strengestens überwacht werden, und es müsse zur rechten Zeit mit einer hormonellen Behandlung eingesetzt werden.

5. Nach der Pubertät müsse eine weitere korrektive Operation (gemeint Vaginalplastik, die Details wurden selbstverständlich nicht mit den Eltern besprochen) durchgeführt werden.

(17. September 1965)

Die Kastration wurde später als Fehler beurteilt, Zitat Krankenakte:

7. Weiteres Procedere: Ich habe den Fall unmittelbar nach der Cystoskopie nochmals mit Herrn Prof. Bettex besprochen. Es liegt seiner Ansicht nach ein männliches Geschlecht mit Hypospadie vor. Obwohl er selbst bei der früheren Beurteilung und vor der Castratio anwesend war, glaubt er retrospektiv doch, dass ein Fehler begangen wurde. Die Situation ist nun jedoch so, dass auf diesem Wege fortgefahren werden muss und aus dem kleinen Patienten ein Mädchen gemacht werden muss. Zur Frage der Vaginalplastik äussert er sich so, dass diese sobald wie möglich durchgeführt werden sollte und nicht erst dann, wenn sich das Kind darüber im Klaren wird.

Auch meine Eltern wurden laut Krankenakte weiterhin belogen und zudem angewiesen, mit niemandem "über die Geschlechtfrage" zu reden. Noch am 3.2.1972 wurden meine Eltern im Glauben gelassen, es seien "missgebildete Ovarien" entfernt worden. Zu einem anderen Zeitpunkt wurde ihnen gesagt, es sei "fraglich", ob "das Mädchen Kinder haben könne". Mir selbst gegenüber wurde noch am 21.8.1979 behauptet, ich hätte eine "Gebärmutter", die allerdings "so klein sei, dass keine Menses zu erwarten seien".

Ich wurde dann doch älter als zunächst prognostiziert. Wegen Voruntersuchungen zur Herzoperation war ich im Alter von 6 1/2 Jahren im Februar 1972 im Krankenhaus. Aufgrund einer Infektion konnten diese Voruntersuchungen jedoch nicht durchgeführt werden. Und da ich schon mal dort war, wurde kurzerhand (Zitat Krankenakte) "die Gelegenheit benutzt, die schon 1965 geplante Genitalkorrektur vorzunehmen". Zugleich erneute "Eröffnung des Sinus urogenitalis".

Aus dem Bericht nach der Operation vom 10.2.1972:

Wichtig für den Wochenenddienstarzt: Falls die Eltern Auskunft über die Kleine wünschen, ist es wichtig zu wissen, was den Eltern über das Mädchen von der "Med. Klinik " gesagt wurde. Es steht in den vorangehenden Seiten unter "Besprechung mit den Eltern".
Post. Op.: Kind zeigt die Zeichen des Schocks.Nachblut. [...]

Starke Hämatome bds. der Clitoris. Rechts bläulich-schwärzliche Verfärbung. Beginn einer Nekrose?

Schwester "Annemarie" war dann für die Wundversorgung und das "nachts beide Hände anbinden" zuständig.

Als ich die Unterlagen zu dieser Operation in meiner Krankenakte fand, dachte ich zuerst an einen Irrtum, meinte, es müsse sich um Unterlagen aus einer anderen Akte handeln. Diese Operation war so traumatisierend, dass ich sie komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht hatte. Neben der Erkenntnis, dass ich massiv operiert wurde, hat es mich sehr erschüttert, dass ich das dermassen verdrängt hatte, weil es zu schrecklich war. Ich habe mich dadurch geschützt, hatte mir sogar eine Ersatzerinnerung zurecht gelegt, die darauf beruhte, dass meine Mutter auf mein Nachfragen sagte, dass man mir nur ein bisschen überschüssige Haut entfernt habe, ambulant.

Mit Empörung las ich weiter in der Krankenakte:

Die vorgesehene Clitorisversenkung wurde in Anwesenheit der Eltern mit dem Kinde besprochen. Daniela ist auch mit der Operation einverstanden.

Aufgrund dieser Operation habe ich wiederkehrende Phantomschmerzen, regelmässige Blasenentzündungen sowie ziehende, stechende und pulsierende Schmerzen im Genitalbereich.

Aufgrund der Kastration und der "Hormonersatztherapie" mit körperfremden Östrogenen leide ich unter Stoffwechselproblemen, Hitzewallungen, Müdigkeit, Schwindelgefühlen, und vor einigen Jahren hat man bei mir eine Vorstufe zur Osteoporose diagnostiziert.

Dennoch hatte ich Glück, denn ich habe noch sexuelle Empfindungen, wenngleich oft verbunden mit Überempfindlichkeit oder Schmerzen.
Ich kenne viele Betroffene, die keinerlei sexuelle Empfindungen mehr haben oder andere, die bei sexueller Erregung sehr starke Schmerzen haben. Ich kenne Betroffene, die haben seit Jahren eine offene Wunde zwischen den Beinen, die nicht verheilen kann. Die meisten Betroffenen, die ich kenne, haben keine sexuellen Beziehungen, sind massiv traumatisiert.

Mit achtzehn Jahren wurde bei mir eine Vaginalplastik durchgeführt, in die ich als einzige Operation bewusst einwilligte, da mir gesagt wurde, dass ich "so" nie einen Freund haben könne. Ich habe mir aber geschworen, dass es die letzte sein soll und dass ich danach nie wieder zu einem Arzt gehen würde. Nach dieser Operation hatte ich Jahre lang Alpträume, es sei nicht die letzte gewesen, es stünde mir eine ganz schlimme bevor, in der mein Rumpf vom Unterkörper getrennt werden soll.

Heute habe ich dank einer zehnjährigen Psychoanalyse einen inneren Frieden gefunden, kann wieder vermehrt Nähe und Liebe zulassen. Und dennoch ist es schwierig. Ich fühle mich wie jemand, der nach vierzig Jahren aus dem Koma erwacht ist, seine Hände betrachtet und realisiert, wie die Zeit vergangen ist und wie wenig er vom Leben hatte. Mein körperlicher Urzustand ist unwiederbringlich verloren, meine Würde wurde mir genommen.
Ich werde mein Leben lang unter den Folgen dieser menschenverachtenden Behandlung leiden. Ich bleibe Flickwerk, geschaffen von Medizinern, verletzt, vernarbt. Ich muss mich neu erfinden, wenn ich weiter leben will.

Die prägenden Gefühle aus meiner Kindheit sind Scham, Angst, Ekel, sich verstecken müssen. Die Erwachsenen schienen immer peinlich berührt, meine Eltern waren verunsichert, es wurde einfach nicht darüber geredet.

Ich kenne Betroffene, die haben Jahre lang gedacht, sie seien todkrank, weil offensichtlich etwas war, aber niemand mit ihnen Klartext reden wollte.
Die meisten Betroffenen, die ich kenne, haben ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern.

Dass ich als Mädchen aufgezogen wurde, war für mich nicht das Problem, ich habe auch nicht das Bedürfnis, jetzt als Mann zu leben. Traumatisierend hingegen waren die Operationen, die Schmerzen, die Angst und die Lügen.

Wäre ich heute erst geboren und in die Fänge der Mediziner geraten, wären Prof. Bettex' seinerzeitige nachträgliche Bedenken wohl von Anfang an zum Tragen gekommen: Statt Kastration und Klitorisverkürzung hätte man wohl eine chirurgische Hodenverlagerung sowie eine Hypospadiekorrektur und Penisaufrichtung durchgeführt und mich zum Jungen gemacht. Sprich: dasselbe in hellblau statt rosarot.

Ich kenne aktuell den Fall eines dreijährigen Kindes, das als Bub aufwächst. Den Eltern wurde gesagt, es brauche nur eine Hypospadieoperation und dann sei alles gut. Jetzt sind es mittlerweile schon drei "Korrekturen". Ich weiss von einer Vielzahl Betroffener, bei denen mehr als ein Dutzend mal "nachgebessert" werden musste. Die ursprünglich keine medizinischen Probleme hatten, mittlerweile aber heftige. Die Mediziner selbst bezeichnen solche Fälle zynischerweise als "Hypospadiekrüppel".

Auch dem obigen Kind wird es wohl wenig nützen, ob es sich nun in der Geschlechterrolle wohl fühlt oder nicht, denn es wird wegen diesen uneingewilligten kosmetischen Eingriffen sein Leben lang psychische und physische Probleme haben.
Auch bei XX-Intersexuellen liegt bei allen mir persönlich bekannten Beispielen die eigentliche Problematik nicht darin, ob sie nun chirurgisch zu Mädchen oder zu Buben gemacht werden, sondern in den psychischen und physischen Folgen dieser uneingewilligten irreversiblen Eingriffe im Kindesalter.

Als problematisch ist in diesem Zusammenhang auch einzustufen, dass in der Schweiz solche Eingriffe über die Invalidenversicherung als Geburtsgebrechen lediglich bis zum 20. Altersjahr übernommen werden, was den Druck der behandelnden Ärzte auf möglichst frühzeitige Operationen zusätzlich erhöht.

Ich selbst bin wohl nur dank Psychotherapie überhaupt noch am Leben und in der Lage, heute hier vor Ihnen zu sprechen. Als besonders stossend empfinde ich dabei, dass für die aus meiner Perspektive verstümmelnden Eingriffe die Kosten stets problemlos übernommen wurden, ich jedoch anschliessend gezwungen war, ein Drittel der Kosten meiner Psychotherapie aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Mir persönlich ist es nicht möglich, auf eine adäquate Hormonersatztherapie mit Testosteron umzusteigen, da dann mein "versenktes" beziehungsweise eingenähtes Genital zu wachsen beginnt, was zu starken Schmerzen führt. Ich kenne jedoch zahlreiche kastrierte XY-Intersexuelle, denen es mit Testosteron viel besser geht als mit Östrogen. Das Testosteron müssen diese jedoch, im Gegensatz zum sie krankmachenden Östrogen, aus der eigenen Tasche bezahlen.

Ich kenne weiter Betroffene, die als Frau leben, denen der Abschluss einer Versicherung zusammen mit dem Partner verweigert wurde, weil herauskam, dass sie chromosomal männlich sind.

Ich kenne eine Betroffene, der kurz vor Abschluss des Adoptionsverfahrens die Adoption eines lang ersehnten Kindes verweigert wurde, weil herauskam, dass sie chromosomal männlich ist.

Denselben Problemen sehen sich umgekehrt auch XX-Intersexuelle ausgesetzt, die als Männer leben.

Allen Lippenbekenntnissen der behandelnden Mediziner zum Trotz werden heute noch 90% aller Kinder und Jugendlichen durchschnittlich mehrfach genitaloperiert, werden die Hälfte der Kinder und 20% der Jugendlichen nach wie vor gar nicht oder unzureichend aufgeklärt. Weiter beurteilen Eltern "die behandelnden Ärzte/Ärztinnen schlechter als Eltern von Kindern mit anderen chronischen Erkrankungen", was unter anderem darauf schliessen lässt, dass auch Eltern heute noch nicht vollumfänglich aufgeklärt werden.

Wie alle mir bekannten Betroffenen hätte auch ich mir komplette Aufklärung gewünscht und keine Operationen ohne meine informierte Zustimmung. Das wäre sicher alles auch nicht einfach gewesen, aber mit dem Gefühl leben zu müssen, dass über einen bestimmt wurde, macht einen kaputt. Und mit den Narben und Schmerzen, mit den psychischen Problemen und mit den gesundheitlichen Folgen. Sofern nicht eine lebensbedrohliche Situation oder sonst eine unmittelbare, zwingende medizinische Indikation vorliegt, dürfen solche schwerwiegenden Entscheide deshalb nur von den Betroffenen selbst gefällt werden.

Mediziner sollen künftig nur für medizinisch notwendige Behandlungen zugezogen werden. Ansonsten sollen spezialisierte Psychologen und Sozialpädagogen Ansprech- und Kontaktpersonen für die Eltern sein. Für den berühmten "psychosozialen Notfall" der Eltern braucht es ein Skalpell am Kind, sondern psychologische und sozialpädagogische Betreuung für die Eltern, und gegebenenfalls später auch für die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst.

Seit bald 20 Jahren klagen Betroffene die Zerstörung der sexuellen Empfindsamkeit und die Missachtung der körperlichen Unversehrtheit öffentlich an und fordern die Beendigung uneingewilligter kosmetischer Eingriffe, das Recht auf vollumfängliche Aufklärung und Selbstbestimmung, die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Medizingeschichte und eine gesellschaftliche Aussöhnung.

Im Namen der heutigen Betroffenen, vor allem aber im Namen der heute noch Ungeborenen, bitte ich die Nationale Ethikkommission inständig um Hilfe, für ein Leben in Unversehrtheit und Würde auch für uns. Vielen Dank!

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter  

Thursday 24 November 2011

Historische Debatte im Bundestag: "Intersex"-Genitalverstümmelungen stoppen – keine Genderpolitik auf Kosten der Opfer (17/5528)

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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Nachtrag [UPDATED]:

Das war eine historische Debatte! Besonders erfreulich, dass sich praktisch alle RednerInnen auch sehr konkret und kritisch über kosmetische Genitaloperationen ausließen (sogar die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung wurden explizit erwähnt), und dass durchs Band betont wurde, dies sei erst der Anfang und dass Taten folgen müssen. Dies alles wird den Druck auf die Zwangsoperateure fraglos weiter erhöhen. Somit ist es trotz der fragwürdigen Gewichtung (siehe unten) klar das Verdienst des "Intersex"-Antrags 17/5528 der Grünen, einen historischen politischen Prozess konkret in Bewegung gesetzt zu haben. Dafür von diesem Blog an alle Beteiligten ein herzliches Danke!

Mittlerweile sind alle gehaltenen Redebeiträge als Videos zum online nachhören/herunterladen verfügbar:

>>> Gesamtaufnahme der 17/5528-Debatte mit allen gehaltenen Redebeiträgen (43:44)
>>>
Einleitung d. Vizepräsidentin Petra Pau (00:21)    >>> Monika Lazar (B90/Grüne, 05:20)
>>> Dr. Peter Tauber (CDU/CSU, 09:26)    >>> Christel Humme (SPD, 06:14)
>>> Sibylle Laurischk (FDP, 07:13)    >>> Rede Linke zu Prot. geg., VP Petra Pau (00:06)
>>> Jürgen Klimke (CDU/CSU, 7:49)    >>> Angelika Graf (Rosenheim) (SPD, 6:44)
>>> Überweisung durch Vizepräsidentin Petra Pau (00:26)

Ebenso ist das >>> schriftliche Protokoll (PDF, 1.4MB) online (Debatte zum Antrag 17/5528 siehe S. 17174-17181 sowie 17183-17184), inkl. dem direkt zu Protokoll gegebenen >>> Redebeitrag von Barbara Höll (Die Linke) im Anhang (S. 17183-17184).

>>> Kommentare auf dem Hermaphroditforum 
>>> Pressemitteilung des Bundestages, 25.11.2011
>>> Preseemitteilung der SPD, 25.11.2011 

Siehe auch:
- CEDAW im Bundestag: Nach bekanntem Muster
- Bundesregierung deckt weiterhin ZwangsOPs (16/13269)
- Bundesregierung: Leugnen, Wegschauen, Schweigen wie gehabt ... (16/13270)
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen
- Faule Eier für "die Bundesregierung"! 


Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 23. November 2011:

Bundestag: "Intersex"-Genitalverstümmelungen stoppen – keine Genderpolitik auf Kosten der Opfer (Do 24.11.2011, 19:20-20:15h)

INHALT
1.  Jeden Tag wird ein wehrloses Kind verstümmelt
2.  Verstoß gegen Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit
3.  "Wir operieren das inzwischen 4-10 Mal pro Woche"
4.  Grüne: "Geschlechterpolitik" auf Kosten der Verstümmelten
5.  Keine Tätersprache, bitte!
6.  Körperliche Unversehrtheit ist das erste Gebot!
7.  Diskussion über gesetzliches Verbot notwendig
Anhang: Aktuelle Stellungnahmen

1.  Diagnose "auffälliges Genitale": Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Die Mediziner nennen es "korrigierende" und "angleichende Eingriffe", neuerdings auch "Rekonstruktionen".

Überlebende Betroffene berichten ihrerseits von Genitalverstümmelungen, von uneingewilligten Zwangsoperationen ohne Evidenz und medizinische Notwendigkeit, von Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

2.  Kosmetische Genitaloperationen an Kindern verstoßen gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit

Seit 1950 propagieren und praktizieren Mediziner systematisch medizinisch nicht notwendige Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen Genitalien". Laut BMBF-finanzierten Studien werden in Deutschland 90% dieser Kinder durchschnittlich mehrfach kosmetisch genitaloperiert – mit verheerenden Folgen und hohen Komplikationsraten.

Seit 1993 klagen Betroffene öffentlich über "Verlust der sexuellen Empfindsamkeit" und "Verletzung der körperlichen Unversehrtheit" und fordern die Beendigung von kosmetischen Eingriffen ohne informierte Zustimmung der Betroffenen selbst.

Die Mediziner jedoch stellen sich taub und verstümmeln unbeirrbar weiter bis heute:

3.  "Wir operieren das inzwischen vier bis zehn Mal pro Woche",

gibt etwa in der gestern mit dem "Europäischen Journalistenpreis" ausgezeichneten ARTE-Dokfilm "Tabu Intersexualität" von Jutta Dombrowe ein bekannter Kinderchirurg zu Protokoll.

Und: Es gebe keine Garantie, "dass sich bei einer Klitorisreduktion die Empfindsamkeit nicht verändern würde. Das kann keiner."

Der Lübecker "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort rechtfertigt in derselben Dokumentation kosmetische Genitaloperationen an Kindern seinerseits lakonisch als "in unserer Gesellschaft letztendlich der übliche Weg".

4.  Grüne: "Geschlechterpolitik" auf Kosten der Verstümmelten

Seit 15 Jahren sind Betroffene solcher nicht-eingewilligter Eingriffe auch (scheinbar) Thema im Bundestag. Das nächste Mal morgen Donnerstag, 24.11.2011, von 19:20–20:15 Uhr (Drucksache 17/5528).

Jedoch, statt endlich die Beendigung kosmetischer Genitaloperationen in den Kinderkliniken ins Zentrum zu stellen, soll nach dem Antrag der Grünen konkret einmal mehr einzig am Personenstandsrecht gedreht werden.

Angestrebtes Ziel der Grünen: dass künftig "bei der Angabe „Geschlecht“ nicht nur zwei Antworten möglich sind" – bekanntlich ein politisches Anliegen ganz anderer Interessensgruppen (die wohlbemerkt noch nie um die Unversehrtheit ihrer eigenen Genitalien zu fürchten brauchten!).

Dabei wehren sich Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen in Kinderkliniken seit langem explizit gegen solche politischen Vereinnahmungen durch Dritte.

Stattdessen wünschen sich Betroffene vom Bundestag, dass ihr ureigenes, legitimes und begründetes Anliegen nach Beendigung der Verstümmelungen endlich ernst genommen und konkret angepackt wird – statt letztlich einmal mehr bloß chancenlose "Genderpolitik" auf ihre Kosten zu betreiben.

5.  Keine Tätersprache, bitte!

Erst unter ferner liefen und ohne konkrete gesetzgeberische Konsequenzen werden im Antrag der Grünen kosmetische Genitaloperationen beschönigend umschrieben als "prophylaktische[s] Entfernen und Verändern von Genitalorganen [...] bei intersexuellen Kindern".

Das ist Tätersprache! Kosmetische Eingriffe als "Prophylaxe" ausgeben zu wollen würde keinem Betroffenen einfallen.

6.  Körperliche Unversehrtheit ist das erste Gebot!

Im Gegensatz zum aktuellen Antrag der Grünen stellen Betroffenenverbände wie "Intersexuelle Menschen e.V.", "IVIM" und "Zwischengeschlecht.org" in ihren Forderungslisten einhellig die Beendigung der nicht-eingewilligten "Behandlungen" an erste Stelle.

Ein spezieller "Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde" für "intersexuelle" Kinder, wie von den Grünen in ihrem Namen propagiert, fordert dagegen kein einziger Betroffenenverband.

(Im Gegenteil sprechen sich Betroffene seit langem ausdrücklich GEGEN einen solchen amtlichen Eintrag aus, wegen der begründeten Befürchtung, dass dadurch bedrohte Kinder von überforderten Eltern erst recht zur Verstümmelung freigegeben werden.)

7.  Diskussion über gesetzliches Verbot der Verstümmelungen notwendig

Seit 20 Jahren klagen Betroffene den Ärzten und der Öffentlichkeit ihr Leid. Trotzdem operieren die Mediziner unkontrolliert weiter – unbeirrbar im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfristen und der Traumatisierung der Opfer juristisch kaum belangt werden können.

Während Genitalverstümmelungen in Afrika verurteilt und juristisch bekämpft werden, sind die Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken vor der eigenen Haustüre nach wie vor kein Thema.

Betroffene fordern: Die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken müssen so schnell wie möglich gestoppt werden!

"Eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte" (Apotheken Umschau, 01.06.2011) muss beendet und anschließend öffentlich aufgearbeitet, das "Unrecht der Medizinversuche" (Oliver Tolmein) muss gesellschaftlich anerkannt und so weit wie noch möglich ausgesöhnt werden.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
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ANHANG: AKTUELLE STELLUNGNAHMEN

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

a)  UN-Ausschuss gegen Folter (2011)
b)  Terre des Femmes (2004)
c)  OLG Köln (2008)
d)  Amnesty Deutschland (2010)
e)  Deutscher Ethikrat (2011)

a)  UN-Ausschuss gegen Folter: "Verstümmelung", "Zwangsoperationen an Intersex-Kindern", "nicht notwendige Operationen"

Am 04.11.2011 befasste sich in Genf der UN-Ausschuss gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT) zum ersten Mal mit Genitaloperationen in Kinderkliniken – und fand dabei deutliche Worte.

b)  Terre des Femmes: "gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung"

2004 kam ein Artikel in der TDF-Zeitschrift "Menschenrechte für die Frau" zu folgendem Ergebnis, auf welches die Terre des Femmes bis heute verweist: Genitalverstümmelungen an Zwittern sind als körperlich vergleichbar schädlich einzustufen wie Genitalverstümmelungen an Frauen; Zwitter leiden außerdem im Vergleich noch an zusätzlichen seelischen (Folge-)Schäden.

Eine Einschätzung, die seit längerem von immer mehr FGM-ExpertInnen geteilt wird, darunter Marion Hulverscheidt (2000), Hanny Lightfoot-Klein (2003/2007) und Fana Asefaw (2005).

c)  OLG Köln: "Selbstbestimmungsrecht in ganz erheblichem Maße verletzt"

2007 gelang es Christiane Völling, die als Ausnahme erst im Alter von 18 Jahren operiert wurde, als erster und bisher immer noch einziger Betroffener, ihren ehemaligen Chirurgen zu verklagen, unmittelbar vor Eintritt der absoluten Verjährung. 2008 erkannte das OLG Köln letztinstanzlich das "Selbstbestimmungsrecht [...] in ganz erheblichem Maße verletzt" (5 U 51/08).

d)  Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"

2010 verabschiedete die Deutsche Sektion von Amnesty International eine Motion und wertete darin "die medizinische Praxis [...] als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung)".

e)  Deutscher Ethikrat: "Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit"

Auf Februar 2012 erarbeitet aktuell der Deutschen Ethikrat im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme zur Problematik. In einer ersten Einschätzung vom 15. Juni 2011 hielt der Deutsche Ethikrat u.a. fest:

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. [...] Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

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Monday 7 November 2011

UN-Ausschuss gegen Folter verurteilt kosmetische Genitaloperationen an Zwitterkindern als "Verstümmelung", "Zwangsoperationen" und "nicht notwendige Operationen"

 >>> Nachtrag 8.11. - Antworten der Bundesregierung

>>> Friedlicher Protest vor der UNO, Genf 26.01.2009

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Letzten Freitag 4. November tagte in Genf das UN-Committee against Torture in seiner 47. Session über die Einhaltung des Übereinkommens gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT) in Deutschland und stellte den VerteterInnen der Bundesrepublik diesbezüglich mehrere kritische Fragen auch betreffend kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken. Eine weitere Beratung dazu ist auf nächsten Dienstag ab 15 Uhr angesetzt, danach folgen schriftliche Empfehlungen. Anlass dazu war ein >>> Schattenbericht von Intersexuelle Menschen e.V. (Berichterstatterin: Lucie Veith) in Kooperation mit der Humboldt Law Clinic.

Über die Beratungen vom 4. November liegt nun eine höchst erfreuliche
>>>
englischsprachige UN-Pressemitteilung vor. Darin werden kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken von den UN-ExpertInnen Claudio Grossmann und Myrna Kleopas gleich mehrfach kritisch erwähnt, und zwar zum Teil sowohl "vermännlichende" wie auch "verweiblichende" OPs, und wiederholt mit deutlichen Worten!

Bereits in den einleitenden Abschnitten ist die Rede von "Zwangsoperationen an Intersex-Kindern" ("forced surgery on inter-sex children").

Im Abschnitt "Fragen von Ausschuss-ExpertInnen" wird Komitee-Experte Claudio Grossmann u.a. zitiert wie folgt:

Er sagte, diese Kinder würden oft gezwungen sich Operationen zu unterziehen, um ihre Genitalien entweder männlichen oder weiblichen Genitalien übereinstimmend zu machen, was oft Entfernung oder Verstümmelung beispielsweise der Klitoris oder der Gonaden beinhalte. Sowohl die Kinder wie auch die Eltern würden nicht angemessen über die damit einhergehenden Massnahmen informiert. Würden medizinische Kräfte geschult zu sexueller und körperlicher Vielfalt, ebenso wie über die Notwendigkeit, Eltern über die Folgen nicht notwendiger Operationen an den Genitalien ihrer Kinder?

(Englischer Originalwortlaut: He said that those children were often forced to undergo surgery on their genitals to make them conform to either male or female genitalia, often involving removal or mutilation of, for example, the clitoris or gonads. Both the children and their parents were not properly informed of the procedures involved. Were medical persons being trained on sexual and physical diversity, as well as the need to inform parents of the consequences of unnecessary surgery on their children’s genitalia?)

Weiter unten wurde die Komitee-Expertin Myrna Kleopas zum Thema zitiert wie folgt:

Bestünden irgendwelche Pläne, die medizinische Praxis der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung von Intersex-Kindern zu überarbeiten, zu diskutieren und zu analysieren? Die gängige Praxis basiere auf der Abhilfe der Errichtung einer identität, dass, wenn ein Kind chirurgisch verändert würde, um wie ein Mädchen auszuschauen, es sich auch zu einem Mädchen entwickeln würde. Neue Forschung hätte ergeben, dass dies nicht notwendigerweise der Fall sei. Weiter, was begründet Zustimmung im Deutschen Recht, speziell in medizinischen Fällen, die Operationen an Geschlechtsorganen von Personen beinhalten?

(Englischer Originalwortlaut: Were there any plans to revise, discuss and analyse the medical practice of early determination of sex in inter-sex children? The current practice was based on the relief of establishing an identity, that if a child was surgically changed to look like a girl, she would then develop into a girl. New research has established that that was not necessarily the case. Furthermore, what constituted consent in German law, particularly in medical cases involving surgery to an individual’s sexual organs?)

Dieser Blog bleibt gespannt auf die weiteren Beratungen des Komitees am nächsten Dienstagnachmittag, ebenso auf die schriftlichen Empfehlungen. Schon jetzt dürfte sich aber abzeichnen, dass der Druck auf GenitalverstümmlerInnen und Zwangsoperateure nicht nur in Deutschen Kinderkliniken weiter wachsen wird – ebenso auf ihre HelfershelferInnen in Politik und Justiz ... Dafür allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön!

(Dank an Marion Böker für den Hinweis!)

Nachtrag 8.11.2011:

Heute Nachmittag beantwortete eine Delegation der Bundesregierung die Fragen des Komitees – zumindest bezüglich Intersex allerdings ziemlich ausweichend, inkl. peinlichen Fettnäpfchen ("Leute, die sich als Intersex identifizieren") und mit den üblichen Ausreden ("Operationen an Kleinkindern erst seit einigen Jahren bekannt" – tatsächlich gibt's schon seit 15 Jahren parlamentarische Anfragen dazu und Proteste Betroffener). Alles in allem wird alles auf den Ethikrat abgeschoben, das Problem der Verjährung ausgelassen.
>>> Englische UN-Pressemitteilung zur Fragestunde
>>> Videomitschnitt der Fragestunde (--> 28.-34. Minute, Dank an Simon für den Hinweis!)

>>> GenitalOPs in Kinderkliniken: "Westliche Form der Genitalverstümmelung" 
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Zwangs-Genital-OPs: Ausklammerung von "vermännlichenden" OPs unethisch
>>> IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet

Wednesday 26 October 2011

8. Intersex Awareness Day 2011: 15 Jahre gewaltfreier Widerstand gegen Zwitter-Genitalverstümmelungen – Proteste in Berlin 10.-13.11.

>>> Intersex Awareness Day 2009      >>> "Jedes Verbrechen hinterläßt Spuren"

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktionen gegen "ISHID 2011" Live Genitalverstümmler, London 17.-19.09.2011   >>> Video

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 26. Oktober 2011:

Ein denkwürdiges Jubiläum: Heute ist es auf den Tag 15 Jahre her, seit Überlebende von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken zum ersten Mal wagten, ihre Peiniger durch gewaltfreie Aktionen öffentlichkeitswirksam mit dem angerichteten Leid zu konfrontieren.

Geändert hat sich seither leider herzlich wenig: Auch heute noch wird in Deutschland jeden Tag mindestens ein wehrloses Kind in einer Kinderklinik ohne medizinische Notwendigkeit irreversibel genitalverstümmelt – allein in Berlin jedes Jahr Dutzende, während der Senat bis auf den heutigen Tag jegliche Kenntnis davon öffentlich leugnet.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am Do 10.11. im Haus der Demokratie und Menschenrechte über diese andauernden Menschenrechtsverletzungen informieren – und drei Tage lang vor der Charité gegen die uneinsichtigen Verstümmler und ihre Helfershelfer protestieren.

           INHALT
             1.  Chicago, 26.10.1996:
                  "Zwitter mit Rückgrat nehmen Pädo-Verstümmler ins Visier"
             2.  Berlin, 27.10.2011:
                  Deutscher Ethikrat diskutiert Stellungnahme zu "Intersexualität"
             3.  Genf, 4. + 8.11.2011:
                  UN-Komitee gegen Folter über "Gonadektomie (Kastration)"
                  und "feminisierende Operationen" in Kinderkliniken
             4.  Berlin, 10.-13.11.2011:
                  Aktionen gegen Genitalabschneidertreffen in der Charité

 

Chicago, 26.10.1996:
"Zwitter mit Rückgrat nehmen Pädo-Verstümmler ins Visier"

Als Reaktion auf die eiserne Gesprächsverweigerung der US-Genitalabschneider-Standesorganisation "American Academy of Pediatrics" gegenüber der 1993 gegründeten Intersex Society of North America (ISNA) begannen Überlebende nach anderen Wegen zu suchen. Am Pädiater-Jahrestreffen am 26. Oktober 1996 in Chicago protestierten "Hermaphrodites with Attitude" vor den Eingängen gegen die uneinsichtigen Verstümmler, angekündigt durch eine Pressemitteilung mit dem Titel "Hermaphrodites target kiddie docs" die erste Zwitter-Demo, gefolgt von zahllosen weiteren Protesten bis heute.

Seit 2004 erinnert der 26. Oktober als "Intersex Awareness Day" an den Beginn des politischen Widerstandes gegen die Genitalverstümmelungen in unseren Kinderklinken.
 

Berlin, 27.10.2011:
Deutscher Ethikrat diskutiert Stellungnahme zu "Intersexualität"

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Als 7. Tagungsordnungspunkt steht ein Tag nach dem 8. Intersex Awareness Day beim Deutschen Ethikrat an seiner morgigen Plenarsitzung "Diskussion der Stellungnahme zum Thema 'Intersexualität'" auf der Traktandenliste. Nach Rügen der UNO verfasst der Ethikrat dieses Jahr im Auftrag der Bundesregierung eine mittlerweile auf 2012 angekündigte Stellungnahme.

In einer ersten Einschätzung vom 15. Juni hatte der Deutsche Ethikrat festgehalten: "Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. [...] Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Überlebende setzen seit langem große Hoffnung in den Deutschen Ethikrat, das Unrecht der täglichen Verstümmelungen endlich ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
 

Genf, 4. + 8.11.2011:
UN-Komitee gegen Folter tagt über "Gonadektomie (Kastration)"
und "feminisierende Operationen" in Kinderkliniken

Ab nächster Woche tagt in Genf das Committee against Torture und untersucht die 47. Session die Einhaltung des UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT). Am 4. November von 10-12 Uhr sowie am 8. November ab 15 Uhr steht Deutschland auf der Tagesordnung. Intersexuelle Menschen e.V. hat erneut einen Schattenbericht eingereicht mit Aufsehen erregenden Fallberichten. Namentlich werden der Reihe nach "Kastration" und "Hormonersatztherapie" sowie "feminisierende Operationen" in deutschen Kinderkliniken als Schutzpflichtverletzungen eingeklagt.

Die immer häufiger vorgenommenen "vermännlichenden Operationen" (z.B. "Hypospadiekorrekur") bleiben im Schattenbericht leider außen vor – obwohl Überlebende diese seit langem öffentlich als medizinisch nicht notwendige Genitalverstümmelungen mit verheerenden Folgen und endlosen "Nachkorrekturen" anklagen.

Tiger Howard Devore, der sich 1984 in Baltimore als erster Überlebender überhaupt öffentlich äußerte, berichtet von 16 "Korrekturen" als 40-Jähriger, davon 10 allein in den ersten ebenso vielen Lebensjahren, und fordert:

"Wenn sie mich doch nur im Sitzen hätten pinkeln lassen, dann hätten weder ich noch meine Familie all das ertragen müssen – die Kosten, die Schmerzen, die wiederholten Operationen, die Medikamente, die immer wiederkehrenden Transplantatabstoßungen und die Fisteln aus denen der Urin floss. Ich hätte gut damit leben können, aus dem Schaft meines Penis zu pinkeln, statt aus der Spitze, aber dafür nicht in der Empfindsamkeit beeinträchtigt zu sein."

Ernst Bilke, seit 2003 sich öffentlich äußernder Überlebender von endlosen, medizinisch nicht notwendigen, "Hypospadiekorrekturen" aus Baden-Württemberg, war seinerzeit zunächst beinah "zum Mädchen korrigiert" worden – "weil es billiger sei". Auch er wäre lieber unversehrt geblieben und klagt an:

"Immer noch wird so früh wie möglich operiert. Die plastischen Chirurgen genießen ihr Experimentierfeld und sind stolz auf ihre Resultate. Die Argumente älterer Intersexueller werden ignoriert."
   

Berlin, 10.-13.11.2011:
Aktionen gegen Genitalabschneidertreffen in der Charité

Kann ein Zwitter Sünde sein? In Berlin versammeln sich in 2 Wochen vom 11.-13. November zur diesjährigen "6. gemeinsamen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaften für Pädiatrische Endokrinologie (APE) und Pädiatrische Diabetologie (AGPD)" a.k.a. "JA-PED 2011" eine der drei hauptsächlich verantwortlichen Genitalabschneider-Standesorganisationen in der berüchtigten Serienverstümmlerklinik "Charité".

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am 10. November um 19 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte öffentlich informieren.

Und während der "6. JA-PED 2011" vor dem Campus Virchow-Klinikum der Charité gewaltfrei protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

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Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info 

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter   

Tuesday 18 October 2011

Magnus Hirschfeld - bestbezahlter Genitalverstümmler seiner Zeit

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 17.10.2011:

Filmbild: Hirschfeld operiert mit Blut im GesichtMagnus Hirschfeld, Zwitter-Genitalverstümmler für viel Geld
Darstellung nach Rosa von Praunheim: "Der Einstein des Sex"  >>> Quelle

Magnus Hirschfeld, als Lichtgestalt und Befreier von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Transgendern bejubelt und geehrt im ganzen Land ... Im Ganzen Land? Nein!

Für als Kleinkinder systematisch genitalverstümmelte Zwitter ist und bleibt Hirschfelds Einfluss und Vermächtnis ein mit großem Leid verbundenes, dunkles und bisher weitgehend verdrängtes Kapitel Deutscher Schwulen-, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte.

                  INHALT
                  1.  1918: Zwitter-Verstümmelung als Grundstock für Hirschfelds
                       "Institut für Sexualwissenschaft"
                  2.  Hirschfeld als Rechtfertigung für heutige Zwitter-Genitalverstümmler
                  3.  Hirschfelds Beitrag zur Unsichtbarmachung der Zwitter
                  4.  Wie lange noch?!

1.  1918: Zwitter-Genitalverstümmelung als Grundstock für Hirschfelds "Institut für Sexualwissenschaft"

Ein Schlaglicht auf das historisch belastete Verhältnis zwischen Zwittern, Hermaphroditen oder "Intersexuellen" einerseits und andrerseits Schwulenbefreiungsbewegungen und Sexualwissenschaft wirft Rosa von Praunheims Hirschfeld-Film-Biografie "Der Einstein des Sex":

1918: Hirschfeld hat kein Geld mehr und wird zusammengeschlagen, die Gründung des "Instituts für Sexualwissenschaft" ist akut gefährdet. Hirschfeld bleibt keine Wahl: Mit Hilfe seiner transvestitischen Assistentin Dorchen muss er eine drastische Genitalverstümmelung an einem wehrlosen "Hermaphroditen" durchführen. Als Lohn erhält der blutverschmierte Hirschfeld eine Schatztruhe voller Geschmeide – der dringend benötigte Grundstock für das in der nächsten Szene eröffnete "Institut für Sexualwissenschaft".

Auch wenn diese Episode des Films historisch nicht belegt ist, bleibt die Verstümmelungs-Szene ein treffendes Gleichnis für real existierendes mangelndes Bewusstsein und unaufgearbeitete (eigene) Geschichte.

Umso mehr, als dieses filmische Schlaglicht bisher von schwulen und sonstigen unverstümmelten Betrachter_innen schlicht unbeachtet blieb. Während dieselbe Szene bei verstümmelten Zwittern regelmäßig heftige und schmerzliche Reaktionen auslöst.

2.  Hirschfelds Vermächtnis als Rechtfertigung für heutige Zwitter-Genitalverstümmler

Hirschfelds Werk gilt heute als historischer Ausgangspunkt der Sexologie wie auch der Gender Studies, die Hirschfeld beide viel verdanken und sich zum Teil heute noch auf ihn beziehen.

Gleichzeitig war und ist Hirschfelds Vermächtnis untrennbar verbunden mit der andauernden Geschichte der menschenverachtenden medizinischen und sexologischen Experimente hauptsächlich an wehrlosen kleinen Zwitterkindern. Der medizinische Begriff "Intersex" als Synonym für systematisches Verstümmeln im Kleinkindalter geht letztlich zurück auf Hirschfelds Zwischengeschlechts-Theorie. Noch 2002 wurde John Money in Berlin von der DGSS passend die "Magnus Hirschfeld Medaille" verliehen.

Auch sich selbst die Hände nicht direkt blutig machende Disziplinen in Geschlechterforschung und Gender Studies stellen regelmäßig auf "Erkenntnisse" und Berichte menschenrechtswidriger medizinischer Humanexperimente an Zwittern ab, ohne sich über die Konsequenzen Rechenschaft abzulegen.

3.  Hirschfelds "Theorie der sexuellen Zwischenstufen" als Beitrag zur gesellschaftlichen Unsichtbarmachung der Zwitter

Zwitter fälschlicherweise als Untergruppe der eigenen Gruppe zu definieren, z.B.  unter "Transgender", oder "intersexuell" ungefragt als Schlusslicht bei schwul-lesbisch-bisexuell-transsexuellen Anliegen "anzuhängen" ("LGBTI")  – Hirschfeld hatte praktisch alle Tricks heutiger politischer Vereinnahmung schon vor über 100 Jahren vorgemacht.

Mit fatalen Folgen: In der öffentlichen Wahrnehmung sind die verstümmelten Zwitter, sofern sie nicht von vornherein mit Transsexuellen verwechselt werden, längst im (Trans-)Genderdiskurs untergegangen. Obwohl die Vereinnahmungen sachlich nicht zutreffen und genitalverstümmelte Zwitter sich seit längerem gegen solche politischen Vereinnahmungen wehren.

Aktuell leugnet der "genderpolitisch fortschrittliche" Berliner Senat öffentlich und kategorisch die Existenz der täglichen Verstümmelungen in den Kinderkliniken. Ebenso der Bremer Gesundheitsminister. Die Hamburgische Bürgerschaft beschloss zuvor, gegen die Verstümmelungen konkret nichts zu unternehmen. Gleichzeitig spielt sich der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit öffentlich als Zwitterbeschützer auf und werden "Intersexuelle" im Bundestag für schwulenpolitische Anliegen dauerverheizt.

4.  Wie lange noch?!

Zu Hirschfelds Zeiten wurden Zwitter nur selten Opfer von uneingewilligten Genitalamputationen. Heute werden Zwitter zu 90% Opfer medizinisch nicht notwendiger "Genitalkorrekturen" im Kindesalter.

Die täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre müssen endlich gestoppt werden! Diesbezügliche dunkle Kapitel müssen umfassend und vorbehaltlos aufgearbeitet werden. Die Vereinnahmungen von Zwittern durch Schwule und Transgender müssen aufhören.

Wir rufen alle dazu auf, sich konkret für die schnellstmögliche Beendigung der Verstümmelungen einzusetzen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
 

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Nachtrag: Am 20.9. ging über den Sündikat-Verteiler eine Replik auf unsere Pressemitteilung von Ulrike Klöppel [TGNB/TrIQ/IVIM] und Rainer Herrn [Magnus Hirschfeld Gesellschaft] mit Vorwürfen an unsere Adresse. Darin wurden uns Aussagen unterschoben, die wir weder in der Pressemitteilung oder sonst je geäussert hatten, während gleichzeitig die in der Pressemitteilung konkret angesprochenen Kritikpunkte ausgeblendet wurden und Magnus Hirschfeld stattdessen pauschal zum Zwitter-Wohltäter hochstilisiert wurde. Am 22.10.11 ging dann die Rückantwort von Zwischengeschlecht.org dazu wiederum über den Sündikat-Verteiler. Vielleicht kommt es ja doch mal noch zu einer sachbezogenen Diskussion über die Folgen von Hirschfelds Werk und Vermächtnis für heutige genitalverstümmelte Zwitter?

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Dr. Magnus Hirschfeld führt Genitalverstümmelung an Zwitter durch
- Ulrichs-Krafft-Ebing-Hirschfeld-Money-Butler-"hirnorganische Intersexualität" 

- Die Rede von der "psychischen Intersexualität"

Thursday 6 October 2011

"Live Genitalverstümmelungen" - Zwitter attackieren Kinderchirurgen, Tübingen 6.10.11

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>>> Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
>>> Protest gegen Live Genitalverstümmelungen in Tübingen, Do 6.10.11
>>>
Live-Genitalverstümmelungen in Tübingen 2005-2011  

Menschenrechte auch für Zwitter!

[...] Die spektakuläre Inszenierung menschenrechtswidriger und unethischer "Live Genitalverstümmelungen" ist in Tübingen leider traurige Tradition: Nach vier "Symposien für Rekonstruktive Urologie" ist das 1st ESFFU-ESGURS Joint Meeting bereits der fünfte zweijährliche Anlass, an dem Tübinger Chirurgen, verstärkt durch auswärtige Kollegen, als besonderen "Höhepunkt" solche "Direktübertragungen von Live-Operationen mit 'perioperativer' Diskussion einzelner Behandlungsschritte" (Ankündigung II. Symposium, 2005) zelebrieren.

Tübinger Institutionen waren und sind leider sowohl an den vier vergangenen wie auch am diesjährigen Anlass maßgeblich mitbeteiligt.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org ist zutiefst bestürzt und bedauert sehr, dass die Eberhard Karls Universität Tübingen und das Universitätsklinikum Tübingen (UKT) zu solch fragwürdigen "Höhepunkten" Hand bieten, offenbar ohne Rücksicht auf das dadurch verursachte lebenslange Leid der wehrlosen Opfer. [...]

Ethische und menschenrechtliche Aspekte stehen in Tübingen bisher jedoch nicht zur Debatte – weder bei den Genitalverstümmlern selbst, noch bei den sie unterstützenden Institutionen.

Auch das renommierte "Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)" der Eberhard Karls Universität Tübingen will in all den Jahren offenbar nichts von diesen skandalösen "Live Operationen" bemerkt haben. [...]  >>> ganzer Text + Offener Brief 

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter   

Tuesday 4 October 2011

Warum eine Diskussion um die Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern unter Ausklammerung von "Hypospadiekorrekuren" unethisch ist

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"Hypospadie" ist die wohl häufigste Diagnose für kosmetische Genitaloperationen an Kindern. Das aktuelle Medizynerhandbuch "Kinderchirurgie. Basiswissen und Praxis" (2008), Hrsg. v. Martina Heinrich und Kathrin Schäfer, nennt für das Vorkommen von "Hypospadie" für Medizyner lukrative Zahlen von "zwischen 4,7 und 8 auf 1000 männliche Lebendgeburten" (S. 192) – d.h. ein Verhältnis von 1:212 bis 1:125.

Kosmetische "Hypospadiekorrekturen" und andere kosmetische sog. "vermännlichende genitale Korrekturoperationen" sind somit klar häufiger als kosmetische "FeminierungsOPs" sowie Kastrationen. Zum Vergleich, der aktuell an der Berliner Charité wütende, berüchtigte Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Martin Westenfelder brüstete sich 2010 öffentlich mit folgender Statistik:

“Prof. Martin Westenfelder gehört zu den Genitalchirurgen mit der größten Erfahrung weltweit: knapp 4.000 Hypospadien, über 140 Epispadien und 160 Feminisierungsoperationen bei intersexuellen Differenzierungsstörungen.”

Laut praktisch allen bekanntgewordenen Studien sind die Komplikationsraten bei "Hypospadiekorrekturen" sehr, sehr hoch (vgl. Zahlen von "EuroDSD"-Verstümmler Pierre Mouriquand von typischerweise 42%-57%).

Viele, wenn nicht die meisten Patienten haben nach der "Behandlung" zum Teil massive Probleme, die klar erst durch die "Korrekturversuche" verursacht wurden.

Sogar die Medizyner selber räumen dies indirekt ein durch die offizielle Diagnose "Hypospadias Cripple" für "hoffnungslose Fälle" (dt. "Hypospadie Krüppel" = von Medizynern zum "Krüppel" operiert!!!).

Ein aktuelles Ethikpapier (Karkazis/Tamar-Mattis/Kron, 2010 --> S. 14) verdeutlicht zudem in einer Checkliste im Anhang, wie die "Hypospadie"-ZwangsbehandlerInnen die Eltern nach den genau gleichen Mustern anlügen und über den Tisch ziehen wie bei "Feminisierungen" und Kastrationen.

Trotz aller katastrophalen Resultate wird "Hypospadie" immer häufiger diagnostiziert und "behandelt"; eine mögliche Zunahme des Auftretens wird mit Umweltgiften in Zusammenhang gebracht (Phtalate, Bisphenol A und andere Plastik-Weichmacher und sog. endokrine Disruptoren).

"Hypospadiekorrekturen" führen zu einer Verminderung der sexuellen Empfindungsfähigkeit und sind meist medizinisch nicht notwendig.

Ob "Hypospadie" nach medizinischer Definition unter die  Diagnose "Intersex/DSD" fällt oder nicht, wird von den TäterInnen aktuell je nach Ausgangslage unterschiedlich beantwortet:

• Historisch wurden "Harnröhrenverlegungen" seit jeher ebenso wie "Klitorisamputationen" abgehandelt unter "Genitale Abnormalitäten, Hermaphroditismus und verwandte adrenale Krankheiten" (Hugh Hampton Young, 1937). Auch John Moneys weit verbreitetes "Standardwerk" "Körperlich sexuelle Fehlentwicklungen" (Amerikanisches Original 1968, auf Deutsch 1969) listet "4. Hypospadie" im Kapitel "Fehlentwicklungen der äußeren Sexualorgane".

• Als Reaktionen auf öffentliche Kritik an Genitalverstümmlungen beginnen viele TäterInnen seit 1993 gegen aussen vermehrt zu argumentieren, "Hypospadie" habe mit "Intersex"/DSD" definitionsgemäss nichts, aber auch gar nichts zu tun.

• Umgekehrt wird an internen Fachvorträgen "Hypospadie" nach wie vor entweder prinzipiell der "DSD Chirurgie" zugerechnet (Pièrre Mouriquand, 2009 --> Folie 184), oder zumindest die "schweren Formen" werden weiterhin fraglos unter "DSD mit intersexuellem Genitale" eingeordnet werden (Susanne Krege, 2011).

US-Zwitterorganisationen (vgl. Auflistung bei ISNA) und Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen (vgl. Caitlin Petrakis Childs: "What is Intersex?") kämpfen seit mindestens 15 Jahren für die Beendigung kosmetische Genitaloperationen auch an Kindern mit "Hypospadie". Ebenso wehren sie sich seit langem explizit gegen die Versuche der Täter, "Hypospadiekorrekturen" durch Definitionstricks von der öffentlichen Diskussion von vornherein ausschliessen zu wollen (vgl. Katrina Karkazis: "Fixing Sex", 2008, S. 143f.).

Auch  deutschsprachige Zwitterorganisationen wie z.B. die AGGPG setzten sich selbstverständlich auch für die Beendigung kosmetischer "Harnröhrenverlegungen" und "Hypospadiekorrekturen" sowie anderer "vermännlichender" kosmetischer Genitaloperationen an Kindern ein.

Der meines Wissens nach bekannteste deutschsprachige Betroffene, der sich zu diesem Thema sehr eindrücklich öffentlich äusserte, ist Ernst Bilke.

Die AGGPG-Mitbegründerin --> Heike Bödeker-Spreitzer machte als Betroffene "vermännlichender" Zurichtung auch sonst keine Unterschiede zwischen "Klitoris- rsp. Penisplastiken".

Die UK-Aktivistin --> Sophia Siedlberg (OII) bezeichnet ebenfalls "die ihr aufgezwungenen „Maskulinisierungs“OPs als Genitalverstümmelungen und kämpft dezidiert gegen JEGLICHE Genitalverstümmelungen an Kindern. Insbesondere wehrt sie sich gegen Bagatellisierungen der maskulinisierenden Genitalverstümmelungen im Vergleich zu den feminisierenden, die sie beide als Menschenrechtsverletzungen denunziert".

Dr. Tiger Howard Devore ist aktiv in der US-Selbsthilfegruppe "Hypospadias & Epispadias Association (HEA)", die sich für das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen stark macht, und spricht sich seit Jahren immer wieder öffentlich gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern aus inkl. "Hypospadiekorrekturen".

Tiger Devores autobiografischer Text "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom" ist eines der eindrücklichsten Zeugnisse über den Unsinn kosmetischer "Hypospadie-KorrekturOPs" an Kindern und das dadurch verursachte, erhebliche und lebenslange Leid, und dank Aufnahme in den Klassiker "Der Beschneidungsskandal" der FGM-Expertin Hanni Lightfoot-Klein (2003, S. 55-58. Englische Neuausgabe 2007 unter dem Titel "Children's Genitals Under the Knife", S 172-175) das wohl bekannteste Dokument, warum medizinisch nicht unmittelbar notwendige "Hypospadiekorrekturen" an Kindern ebenso als westliche Genitalverstümmelungen anzusprechen sind wie sog. "Klitoriskorrekturen".

>>> IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet


Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt mit Beispielen von "Hypospadiekorrekturen" (PDF, 2MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter  

Monday 22 August 2011

Beendigung der Genitalverstümmelungen - Vorschlag für Diskussion Inter*Tagung Berlin 7.-9.10.2011

>>> Nachträge 1+2: Inter*tagung/TrIQ/IVIM verweigern inhaltliche Diskussion 

>>> "DGKJ 2010": 1. Demo Potsdam-Babelsberg, 16.9.10
(Foto: A. Klaer © Potsdamer Neueste Nachrichten)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Subject:       Vorschlag für Workshop
From:       "Daniela Truffer Zwischengeschlecht.org"
Date:       Sun, August 21, 2011 19:28
To:       info_at_intertagung.de
Cc:       info_at_zwischengeschlecht.org

Vorschlag für Workshop Inter*Tagung Berlin 7.-9.10.2011:

Realpolitische Möglichkeiten zur Beendigung der Genitalverstümmelungen
(Podiumsdiskussion mit Vertreter_innen beteiligter Gruppen)


Hintergrund: IMeV, IVIM und Zwischengeschlecht.org haben an erster Stelle ihrer Forderungslisten alle die Beendigung der kosmetischen Genitaloperationen in den Kinderkliniken. Obwohl das Thema dringend ist und täglich weitere wehrlose Kinder verstümmelt werden, gibt es nur wenige Aktivitäten, die konkret auf die schnellstmögliche Beendigung der Verstümmelungen zielen, oder sie zielen zum Teil nur auf einzelne Verstümmelungsformen/"Diagnosen". Andererseits werden einzelne Gruppen und Alliierte immer wieder von Mediziner_innen und Politiker_innen öffentlich als Feigenblatt vorgeschoben zur Weiterführung bzw. Leugnung der Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre. Dabei haben, wie neuere Beispiele zeigen, konkrete Forderungen nach Beendigung/Ächtung ALLER kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Minderjährigen durchaus Potenzial, realpolitische Mehrheiten zu gewinnen inkl. christliche und konservative Parteien, sofern sie im Rahmen von Kinderschutz- und Menschenrechts-Anliegen (insbesondere Recht auf körperliche Unversehrtheit) in die politische Diskussion eingebracht werden. Mit der in Kürze zu erwartenden Einführung eines expliziten Verbots der weiblichen Genitalverstümmelung wäre im Anschluss ein guter Zeitpunkt zur Lancierung einer entsprechenden, möglichst breiten (politischen) Offensive.

Form: Um möglichst schnell handlungsfähig zu werden, schlagen wir vor, den Workshop in Form einer Podiumsdikussion mit Vertreter_innen aller angesprochenen Gruppen durchzuführen. Jede Fraktion hätte 5-10 Minuten Zeit, ihre Position und Strategievorschläge zu formulieren, gefolgt von einer Diskussion zunächst der Vertreter_innen untereinander, sowie in einer weiteren Phase auch unter Einbezug des Publikums. Ziel sollte sein, einen gemeinsamen, möglichst konkreten Aktionsplan zu formulieren, oder zumindest konkrete Schritte zur Vorbereitung eines solchen. Als Moderator_in sollte jemand möglichst Unabhängiges gesucht werden, Erfahrungen in Realpolitik von Vorteil.

Termin: Da Zwischengeschlecht.org vom 6.-8.10.2011 in Tübingen gegen das 1st Joint Meeting ESFFU-ESGURS (inkl. "Live-Operationen") protestieren wird, wäre uns eine Teilnahme nur am Sonntag 9.10. möglich.

Liebe Grüsse

Daniela "Nella" Truffer / Markus "Seelenlos" Bauer / Zwischengeschlecht.org

>>> Genitalabschneider-Treffen: Termine 2011/2012 

>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
 

Nachtrag 1:  Zwischenzeitlich wurde unser obiger Vorschlag in verwässerter Form von der Inter*tagung als "eigene" Idee ins Programm aufgenommen mit der zusätzlichen Anmerkung, Zwischengeschlecht.org sei für die Teilnahme angeblich "angefragt" worden (zusammen mit Intersexuelle Menschen e.V. und IVIM). Tatsächlich wurde unsere Delegation zunächst wochenlang hingehalten (eins/zwei) und letztlich aufgrund von inhaltlicher Vereinnahmungs-Kritik auf diesem Blog "in Rücksprache mit IVIM und dem TrIQ-Vorstand" von der ganzen Tagung ausgeschlossen. Wir dokumentieren dazu nachfolgend als Kommentare den entsprechenden Mailverkehr.

Nachtrag 2:  Mittlerweile wurden die Namen aller "angefragten" Organisationen entfernt; stehen gelassen wurde jedoch die Behauptung, die Diskussion bezwecke angeblich "Vertreter_innen unterschiedlicher Inter*Gruppen im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit bieten, sich konstruktiv über ihre verschiedenen und gemeinsamen Ziele bezüglich der Menschenrechtsverletzungen an Inters* auszutauschen und diese auf respektvolle Weise zur Diskussion zu stellen". Fakt bleibt, dies ist mittlerweile das 3. Mal, dass Es / Thoralf Mosel, IVIM/TrIQ/TGNB & Co. sich einer inhaltlichen Diskussion verweigern.

>>> Genitalverstümmelungen: TrIQ & Co. seit Jahr und Tag als Feigenblatt  

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

 

Monday 8 August 2011

"Wie so oft wird um den heissen Brei herumgeredet" - Daniela "Nella" Truffer zum Ethikrat-"Diskurs"

UPDATE!  >>> Liste aller Kommentare auf dem Ethikrat-"Diskurs" + Statistik 

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Nella fletscht die Zähne und sagt den "ExpertInnen" wie's ist –
am Ende des "Diskurses" leider so aktuell wie zu Beginn ...
(zum abspielen reinklicken)

>>> Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"
>>>
Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I) 

Transkript Videobeitrag:

Wie so oft wird um den heissen Brei herumgeredet oder - etwas, was für uns absolut selbstverständlich ist, das niemand das Recht hat, für Menschen mit - also für Zwitter, die so geboren werden, solche Entscheidungen zu treffen. Das wird dann immer mit irgendwelchen Sachen versucht abzuwiegeln, also, zum Beispiel geht es oft dann auch darum, dass die Eltern haben doch auch noch ein Recht, und für das Kindswohl muss man dieses und jenes. Aber im Prinzip der betroffene Mensch steht nie wirklich so im Zentrum.

Seit 1950 [1] propagieren und praktizieren Endokrinologen, Kinderchirurgen und weitere Mediziner kosmetische Genitaloperationen und andere medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kleinkindern mit atypischen Genitalien – weil sie die Erfahrung machten, dass es dann einfacher ist, die Eltern zu beeinflussen [2] und die Kinder sowieso, die können ja gar nicht mitreden. 1955 lieferte dann ein Sexologe, nämlich John Money, nachträglich eine angeblich wissenschaftliche Begründung nach [3]. Die angebliche Wirksamkeit dieser Eingriffe konnte bis heute nie mit zufriedenstellender Evidenz belegt werden. [4]

Seit bald 20 Jahren klagen Überlebende die verheerenden Folgen dieser Praktiken öffentlich an [5], darunter Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, schmerzende Narben im Genitalbereich, gesundheitliche Schäden infolge der Kastrationen, Traumatisierung durch aufgezwungene Behandlungen, und fordern ihre Beendigung. Seit 13 Jahren fordern auch kritische Mediziner und EthikerInnen, dass solche Eingriffe nur noch im Rahmen kontrollierter Studien durchgeführt werden sollen, solange weiterhin keine Evidenz über die Wirksamkeit dieser Behandlungen besteht [6]. Die Antwort der verantwortlichen Behandler darauf bis heute: Ablenkungsmanöver, Ausreden, Spott und Hohn [7] – sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfrist juristisch nicht oder kaum je belangt werden können [8].

Wir Betroffene fordern ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen und von kosmetischen Hormonbehandlungen an Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit einer Aufhebung, Aussetzung oder Verlängerung der Verjährung, wie diese auch bei weiblicher Genitalverstümmelung und sexualisierter Gewalt gefordert wird.

Aus unserer Sicht haben Eltern kein Recht, für ihre Kinder kosmetischen Genitaloperationen und kosmetischen Hormonbehandlungen zuzustimmen. Solche Eingriffe verletzen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung der Kinder und berühren ihre höchstpersönlichen Rechte.

Bisher werden Eltern zu 90% [9] ausschließlich von Endokrinologen und Kinderchirurgen betreut in Anführungs- und Schlusszeichen, und das Problem ist, dass zum Beispiel Psychologen und Sonderpädagogen (gemeint: Sozialpädagogen) da nur am Rande vorkommen. Wir fordern, dass stattdessen wie gesagt spezialisierte Psychologen und Spezial- und Sozialpädagogen Ansprech- und Kontaktpersonen für die Eltern sein sollen. Mediziner sollen nur dann auftreten, in Erscheinung treten, wenn es wirklich um medizinisch notwendige Behandlungen geht. Für den berühmten "psychosozialen Notfall" sind nicht die Mediziner zuständig, sondern wie gesagt Psychologen oder Sozialarbeiter.

Seit dem letzten Forum, also seit dem Forum Bioethik zu Intersexualität des Deutschen Ethikrats vom letzten Jahr wurden allein in deutschen Kinderkliniken mindestens oder weit über 300 weitere Kinder genitalverstümmelt. Zahllose Betroffene setzen seit langem große Hoffnung in den Ethikrat. Möge die heutige Anhörung dazu führen, dass endlich entscheidende Schritte unternommen werden für ein Leben in Unversehrtheit und Würde auch für Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

Quellen:

[1] Lawson Wilkins: The Diagnosis and Treatment of Endocrine Disorders in Childhood and Adolescence. Springfield/Illinois, 1950, S. 274.
Zwischengeschlecht.info: "Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie."

[2] Elizabeth Reis: Bodies in Doubt: An American History of Intersex. Baltimore, 2009, S. 113.

[3] Als "Beweis" präsentierte Money ein angeblich gelungenes Zwillingsexperiment, das in Wahrheit aber tragisch endete – ein Umstand, den Money zeitlebens unterschlug. John Colapinto: Der Junge, der als Mädchen aufwuchs. Düsseldorf, 2000.

[4] Heute noch stehen die einschlägigen AWMF-Leitlinien 006/026, 027/047, 027/022, 015/052 auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.

[5] Vgl. Cheryl Chase: Letter, Sciences, July/August 1993, S. 3.

[6] Kenneth Kipnis, Milton Diamond: "Pediatric Ethics and the Surgical Assignment of Sex", The Journal of Clinical Ethics, Vol. 9 No. 4, 1998, S. 398-410.

[7] Eine beliebte Ausflucht besteht darin, gebetsmühlenartig das Fehlen von Langzeitstudien zu beklagen und gleichzeitig unkontrolliert weiter zu operieren, vgl. Howard Devore: "Endless Calls for 'More Research' as Harmful Interventions Continue", Hermaphrodites With Attitude, Fall/Winter 1996 [PDF], S. 3. Von Behandlern wird u.a. behauptet, Überlebende wären nur aufgrund von Einbildungen unglücklich (Susanne Krege, Vortrag UK Aachen 30.05.2011), erwachsene Zwangsoperierte hätten kein Recht für heutige Betroffene zu sprechen (Olaf Hiort, taz 06.11.2007), oder kritische Betroffene und Menschenrechtskommissionen werden als potentielle Gewalttäter dargestellt (Laurence Baskin, Referent am diesjährigen "3rd EuroDSD Symposium" in Lübeck, Stanford Medicine, Vol. 28 No. 1, 2011, S. 26 [PDF]).

[8] Christiane Völling, die bisher einzige Betroffene, die überhaupt einen Behandler wenigstens noch zivilrechtlich belangen konnte, wohlbemerkt in letzter Minute, war beim fraglichen Eingriff schon 18 Jahre alt, alle früheren Eingriffe waren auch bei ihr schon verjährt. Alle anderen Versuche von Betroffenen, Behandler juristisch zu belangen, scheiterten bisher stets an der Verjährung, vgl. auch Zwischengeschlecht.info: "Genitalverstümmelung: 'Unrecht der Medizinversuche anerkennen' (Oliver Tolmein 2009)".

[9] Eckhard Korsch: "Überlegungen zur praktischen Umsetzung des DSD-Consensus-Statements" [PDF], Vortrag APE 2006, Folie 16.

>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"
>>>
Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday 1 August 2011

Christiane Völling: "Zur Frage der Entschädigung"

«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UK Aachen 30.5.2011, im Hintergrund: Genitalverstümmlerin Prof. Dr. Med. Susanne KregeUK Aachen, 30.05.2011: Christiane Völling protestiert gegen "Ethik"-Vortrag
von Genitalabschneiderin Susanne Krege
(im Bild rechts hinten)

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Nach wie vor einer der besten Beiträge auf dem Ethikrat-"Diskurs": Christiane spricht Klartext und beruft sich auf die Menschenrechte!

Leider steht sie damit unter allen vom Ethikrat bestellten Autor_innen so ziemlich alleine da, lässt doch der Ethikrat (ausser 2 "Alibi-Quoten-Betroffenen") praktisch ausnahmslos TäterInnen von "Netzwerk Intersexualität/DSD" & Co. sowie MittäterInnen aus der Gender-Ecke zu Wort kommen. Obwohl es genügend ExpertInnen gäbe in Sachen Menschenrechte, Genitalverstümmelung, Traumabewältigung und aus anderen wirklich relevanten Themenbereichen, von denen der Ethikrat aber offensichtlich lieber nichts wissen will.

Deshalb an dieser Stelle nochmals einige der zentralsten Ausschnitte von Christiane Völling, sowie der Hinweis auf den ganzen Text hier.

[...] Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz und für alle Menschen gelten die gleichen Regeln, solange sie sich an die Regeln halten (und die intersexuellen Menschen, die ich kenne, halten sich an diese Regeln). Der Staat wacht über die Einhaltung der Regeln.

Dass diese Regeln des Schutzes gegenüber einer bestimmten Gruppe von Menschen offenbar nicht eingehalten wurden, und das ist das Bemerkenswerte, dass es immerhin mehr als 90 Prozent der Gruppe der “Intersexuellen Menschen“ sind, bei denen die staatliche Kontrolle und die Regeln des Anstandes, der guten Sitte, der Standesrechte, der Schutzpflichten des Staates und des Grundgesetzes Artikel 1 bis 3 keine Anwendung fanden und dies zudem einen Berufszweig schützt, ist Indiz genug, hier von struktureller Fehlleistung und Gewalt zu sprechen. [...]

Die Opfer der Vergangenheit sind für das Leid, die Pein und das genommene Recht zu entschädigen. Entscheidend ist, dass die Schäden irreversibel sind, nicht mehr umkehrbar. Was ist ein Leben wert?

Wie könnte diese Entschädigung aussehen?

Will die Gesellschaft und allen voraus die Bundesrepublik Deutschland den Opfern weiteres Leid durch die Demütigung jahrelanger Prozesse durch die Instanzen zumuten? Die Täter schützen, damit sie weiterhin die Opfer verhöhnen? Akten und Patienteninformationen vorenthalten, bis die Verjährungen greifen? Sollen die Opfer die Risiken und Kosten für jahrelangen Rechtsstreit durch die Instanzen, der zudem das deutsche Gerichtssystem belastet und viel Geld kostet , aufgebürdet werden?

Vielen intersexuellen Menschen ist dies gar nicht möglich, weil die Schäden so schwer sind, dass sie weder aus eigener Kraft noch aus eigenen Finanzmitteln einen solchen Prozess durchstehen könnten. Wer ist in der Lage den Opfern beizustehen? Welchen Gesichtsverlust wird unser Land für Jahre hinnehmen?  Wer wird einem Arzt noch trauen? Wo bleibt die Verantwortung des Staates, dass er diese Menschenversuche bis heute zulässt?

Und noch ein offenes Wort: Wenn ein Opfer, das sich aus der Opferrolle befreit hat, wieder Opfer wird – ist dem alles zuzutrauen. [...]

Eine staatliche große Lösung hätte Vor- und Nachteile, doch die Vorteile überwiegen für alle Seiten. Und die Chancen auf eine baldige Lösung, auf den Sieg der Wahrheit und eines Friedens birgt sie auch [...]:

Der Staat behält seine Glaubwürdigkeit in seiner Eigenschaft als oberste Macht, ordnende Institution in unserem Staatsgefüge. Er schützt alle und sorgt für einen Ausgleich und Gerechtigkeit. Der soziale Frieden wird in einem Teil wieder hergestellt.

Der medizinische Betrieb (Ärzte, Kliniken, Krankenkassen, Standesverbände) könnte sich in einem vorgegebenen Zeitfenster entlasten, indem er einmalig den Kehraus macht, indem er seinerseits seine Akten sichtet und die Akten intersexueller Menschen in ein Archiv gibt, von wo aus die betroffenen Menschen ermittelt und verständigt werden, dass sie dort ihre Patientenakten einfordern können, aber nicht müssen.

Die Wahrheit käme ans Licht, eine Aufarbeitung wäre möglich. Hier wären auch die Haftungsfragen zu klären.

Eine Rehabilitation der Opfer, die gesellschaftliche Integration der Opfer, eine Einmalzahlung und eine Rentenregelung sind eine Minimalforderung.  Die Schaffung einer Stelle, an die sich Opfer wenden können, besetzt mit einem intersexuellen Menschen, gestützt durch die Bundesministerien, ist anzustreben.

Ich bitte auch zu bedenken, dass diese Menschen einen langen Leidensweg gehen, der lebenslange Wirkung hat. Menschliche Solidarität, ein Stück soziale Sicherheit und die Chance des Aufeinanderzugehens steckt in einer solchen großen Lösung.

Übrigens: Eine Entschuldigung des Staates bei den Opfern ist längst überfällig.

>>> Der ganze Text von Christiane Völling

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    >>> Offener Brief an das "Forum Biomedizin und Ethik" Aachen

>>> Christiane Völling: Die Biographie einer Überlebenden
(Buchbesprechung von Daniela "Nella" Truffer)

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- Sieg für Christiane Völling!!!
- Zwitterprozess: 100'000 Euro Schmerzensgeld für Zwangskastration!
- Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten 
- "Tabu Intersexualität" - Dok. u.a. mit Christiane Völling
- Die Bielefelderin Britta Dombrowe über "Tabu Intersexualität"
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info

Saturday 9 July 2011

Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität"

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>>> Nachtrag

Menschenrechte auch für Zwitter!

Was bisher geschah: Auf die Ankündigung der Ethikrat-Redaktion vom 7.7.11 hin, einer ungenannt bleibenden Nutzer_innengruppe – bzw. soweit bisher bekannt ausschliesslich ETEKAR – das Recht auf direktes Kommentieren zu entziehen, bat Daniela "Nella" Truffer gleichentags um mehr Transparenz.

In einer Antwort der Ethikrat-Redaktion vom 8.7.11 monierte diese lediglich erneut pauschal, es sei "wiederholt gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen" worden, und versprach: "Keiner wird unbegründet vom Online-Diskurs Intersexualität ausgeschlossen."

Nellas Rückantwort dazu vom 9.7.11 (siehe unten) blieb – warum auch immer – prompt ebenfalls in der Moderationsschlaufe hängen – ihr darauf Bezug nehmendes PS ironischerweise jedoch nicht (sämtliche Links innerhalb des 1. Kommentars nachträglich hinzugefügt durch Zwischengeschlecht.info):
 

Daniela Truffer sagt:
Dein Kommentar muss noch moderiert werden.
9. Juli 2011 um 00:03

Ich möchte hierzu festhalten:

ETEKAR wird als kritischer Betroffener nicht erlaubt, nach bestem Wissen und Gewissen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen NS-Medizinverbrechern und den Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken zu postulieren und mit Literaturstellen zu belegen zu versuchen. Weil dies nach Auffassung der Redaktion diskriminierend und beleidigend sei und somit gegen die Nutzungsbedingungen verstosse, ebenso weitere Aussagen ETEKARs (und unbenannter weiterer Benutzer), welche die Redaktion bisher im Einzelnen nicht benennen konnte.

Der Redaktion ist es hingegen erlaubt, “jüdische Sexualwissenschaftler” aus dem “Institut für Sexualwissenschaft in Berlin” pauschal für die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken mitverantwortlich zu erklären mit der Begründung, Ludwig Levy-Lenz hätte 1931 die “erste vollständige Operation dieser Art” durchgeführt. Eine offensichtlich tatsachenwidrige Behauptung, welche die Redaktion notabene nirgends konkret zu belegen vermag. Als ETEKAR im Nachgang diesbezüglich sachliche Fragen stellte, blieb ihr die Redaktion bisher jede Antwort schuldig.

Michael Wunder ist es hingegen erlaubt, meine begründete Kritik an seinen Äusserungen pauschal als “feindseelig” abzuqualifizieren. Auf sachliche Fragen dazu blieb auch hier bisher jegliche Antwort aus.

Diversen “Experten” [Hans Christian Wilms + Sonja Rothärmel, vgl. z.B. Simultanmitschrift (PDF) S. 65] ist es hingegen erlaubt, Betroffene zu verletzen und zu beleidigen, indem sie behaupten dürfen, das uns Angetane sei kein Unrecht und “kunstgerechte” Verstümmelungen an wehrlosen Kindern ohne Evidenz seien im Gegenteil das gute Recht von Eltern und Genitalabschneidern, was impliziert, dass trotz allem dokumentierten Leid der Betroffenen auch künftig ungehemmt weiterverstümmelt werden soll.

Mit Verlaub, mich dünkt dies eine reichlich parteiische und einseitige Auffassung davon, was beleidigende und diskriminierende Äusserungen seien und was nicht.

Ich möchte die Redaktion deshalb nochmals bitten, konkret offenzulegen, welche Benutzer wo überall gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen haben sollen, und dies auch hinreichend sachlich zu begründen.

Andernfalls bitte ich die Redaktion, mich aus Solidarität mit ETEKAR ebenfalls in die Gruppe der unmündig gemachten Benutzer zweiter Klasse einzuteilen, da ich mich ansonsten nicht mehr in der Lage sehe, zu diesem Diskurs mit gutem Gewissen noch etwas beizutragen.
 

Daniela Truffer sagt:
9. Juli 2011 um 00:12

PS: Offenbar wurde meiner Bitte um Einteilung in die Gruppe der unmündig gemachten Benutzer zweiter Klasse bereits vorauseilend entsprochen, und ich wurde ungefragt und ohne Vorwarnung vom direkten Kommentieren gesperrt.

PS2: Auch ich wünsche nicht ungefragt geduzt zu werden, danke!
 

Meine 2 Cent:

Was auch immer die Kriterien der Ethikrat-Redaktion sein mögen, direktes Kommentieren zuzulassen oder eben nicht, 2 Dinge scheinen dabei klar: Transparent und offen sind diese Regeln 1. nicht, und 2. anders als in den Nutzungsbedingungen angegeben (dort ist als Ausnahme einzig erwähnt, dass "Kommentare, die HTML-Links enthalten, aus Sicherheitsgründen nicht sofort veröffentlicht werden, sondern zunächst in eine Warteschleife gelangen").

Selbstverständlich steht es dem Ethikrat frei, auf seinem Online-Diskurs-Blog Moderationskritierien nach eigenem Gutdünken festzulegen und durchzusetzen. Nur sollten diese Regeln a) transparent und b) für alle Nutzer dieselben sein. Ausserdem sollten sie c) nicht nur die ureigenen Bedürfnisse und die speziellen Anliegen der (Mit-)TäterInnen inkl. GehilfInnen und RechtsnachfolgerInnen berücksichtigen, sondern ebenso diejenigen ihrer Opfer.

Von allen diesen drei Bedingungen für einen fairen Diskurs, in dem die Betroffenen von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken nicht einfach ein weiteres Mal zum Opfer gemacht werden, ist der Ethikrat derzeit wohl noch ein gutes Stückchen entfernt ...

Nachtrag: Auch der 1. Kommentar wurde inzwischen freigeschaltet, laut Redaktion war er "versehentlich vom System in die Warteschleife geschoben" worden. Antworten auf die sachlichen Fragen gibt's immer noch keine. – Hmmm, in welchem Zusammenhang bloss ist mir sowas neulich schon mal begegnet ...?

>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Tuesday 5 July 2011

Operiertes Kind als Beispiel für eine "offene und tolerable Erziehung"? - Vereinnahmende Sichtweisen im Ethikrat-Diskurs (II) - Daniela "Nella" Truffer, 5.7.11

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>>> Mein Kommentar im Ethikrat-Online-Diskurs zur Antwort von Michael Wunder auf meinen vorherigen Kommentar:

Ich finde es bedenklich, dass mir hier “Feindseligkeit” vorgeworfen wird, anstatt dass auf meine begründete Vereinnahmungskritik inhaltlich eingegangen wird. Und somit meine sachliche Kritik auf eine persönliche Ebene reduziert wird. Obwohl ich auch mit einem Beispiel dargelegt habe, dass diese sachliche Kritik alles andere als neu ist, und auch von selbstkritischen Schwulen bekräftigt wird.

Dass das “operierte Kind” im obigen Text nicht “hervorgehoben”, sondern vielmehr unsichtbar gemacht und negiert wurde, war und ist ja genau das Unerträgliche:

Ein Kind, das seines Rechts auf körperliche Unversehrtheit beraubt wurde, als Beispiel für einen “offenen und tolerablen Erziehungsstil” zu benutzen, und das in einem Diskurs, der das Unrecht an Zwittern zu beleuchten versucht, ist für mich unhaltbar. Und diesen Fauxpas dann nochmals zu legitimieren zu versuchen durch einen persönlichen Vorwurf, finde ich gelinde gesagt verletzend.

Von Ihnen als Leiter der Arbeitsgruppe Intersexualität des Ethikrates würde ich erwarten, dass Sie begründete Kritik einerseits nachvollziehen und andererseits inhaltlich etwas dazu beitragen können.

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen weder verstümmelt noch vereinnahmt werden, und zwar unabhängig von der Art ihrer Besonderheit und auch unabhängig davon, wie sie sich selbst geschlechtlich verorten, eine Gesellschaft, in der Zwitter so leben dürfen, wie sie wollen, in der ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Würde unantastbar ist wie bei allen anderen Menschen auch, und in der sie nach mehr als 60 Jahren endlich nicht mehr als “Demonstrationsobjekte” für irgendwelche (Geschlechter-)Politiken herhalten müssen, ganz egal in welche Richtung.

Oder um es mit Emi Koyama und Lisa Weasel zu sagen (“Von der sozialen Konstruktion zur sozialen Gerechtigkeit”, in: Die Philosophin 28, 2003, S. 79-89, hier S. 87-88):

“Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es nicht in den Verantwortungsbereich der Intersexuellen fällt, d[as] binäre Sex Gender-System auseinanderzunehmen und dass Intersexuelle keine Meerschweinchen sind, an denen die aktuellsten Gender-Theorien getestet werden. Seien Sie nicht enttäuscht, dass viele Intersexuelle nicht daran interessiert sind, Mitglieder des Dritten Geschlechtes zu werden oder die Sexkategorien zu verwerfen, obwohl wir die Leute unterstützen sollten, die an diesen Dingen interessiert sind, ungeachtet dessen, ob sie intersexuell sind oder nicht.”

Über eine inhaltliche Antwort auf die angesprochenen Punkte würde ich mich freuen.

>>> Operiertes Kind als Idealfall? - Nella zu Vereinnahmung im Ethikrat-Diskurs (I) 

>>> Trauma, Opferrolle, Befreiung  

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
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>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
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>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
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Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday 3 July 2011

Operiertes Kind als Idealfall? - Vereinnahmende Sichtweisen im Ethikrat-Diskurs (I) - Daniela "Nella" Truffer, 3.7.11

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>>> Mein Kommentar im Ethikrat-Online-Diskurs zum Beitrag von Michael Wunder: "Die Diskussion aus den gesellschaftlichen Höhlen holen":

Zum ersten und zweiten Absatz des Textes von Michael Wunder: Diese Geschichte mit dem Trampolin und dem Kind, das in der Kita auf die Frage “Bist Du ein Junge oder ein Mädchen?” sagt, “Ich bin beides”, gefällt sicher allen Menschen, die das Zweigeschlechtersystem in irgend einer Form in Frage stellen und dafür politisches “Material” brauchen.

Für verstümmelte Zwitter die bittere Ironie dabei: Diese Geschichte und ihre Verwendung stehen exemplarisch für die “Sicht der anderen”. Und dafür, wie Zwitter dazu instrumentalisiert werden:

Das Kind ist, wie die Mutter an der Anhörung ja selber sagte, “operiert” … Und die Art, wie die Mutter dabei um den konkreten Eingriff nur herumredet, gibt Anlass zur Befürchtung, dass es sich dabei NICHT um eine “lebenserhaltende” Operation handelte, sondern um den üblichen Versuch, “Uneindeutigkeit wegzuoperieren”. (Vgl. Simultanmitschrift, S. 11-12)

Ein “operierter” Zwitter als Vorzeigebeispiel und Anschauungsmaterial für Geschlechtertheorie und -politik ist notabene das menschenrechtswidrige Standardmodell der letzten 60 Jahre. Dies als “wünschenswerten Regelfall” zu proklamieren, kann nur einem nicht-operierten Nicht-Zwitter einfallen …

Wohl nichts als folgerichtig, dass im nächsten Absatz bei der Beschreibung unserer “gesellschaftlichen Wirklichkeit” an erster Stelle “Diskriminierung am Arbeitsplatz” genannt wird – und die massiven Eingriffe in unsere körperliche Unversehrtheit erst am Schluss dieser Liste erwähnt werden.

Ebenso, dass die Problematik der “eingreifenden Operationen” (noch so ein beschönigender Ausdruck, der nur von einem nicht-operierten Nicht-Zwitter stammen kann) in den abschließenden Forderungen einmal mehr durch Abwesenheit glänzt. Sondern dafür verwiesen wird auf Anliegen “auch in anderen Bereichen”.

Es gibt Brillen, die sind wohl nur sehr schwer abzulegen.

Georg Klauda hat das schon vor bald 10 Jahren sehr schön beschrieben in seinem Vortrag “Fürsorgliche Belagerung”, gehalten am 31. Oktober 2002 im Berliner “Haus der Demokratie und Menschenrechte”:

“Ich denke, dass Hermaphroditen sich in diesem Szenario nur entfernt wiederfinden, weil es ihnen nicht um ihre Selbstdefinition, sondern um das Ende einer invasiven Medizin geht. Oft sind es daher nicht sie selbst, sondern Transsexuelle sowie Lesben und Schwule, die auf der Bühne diese Rolle für sie übernehmen. Dass sich gerade sie dieses Themas annehmen, liegt an einem Überschuss von Projektion. Sie sehen nicht, dass ihre Problematik, d. h. die Problematik von Coming-out und gesellschaftlicher Anerkennung, nicht die von Hermaphroditen ist. Sie sehen nicht, dass die ungefragte Adoption von Hermaphroditen durch die Lesben-, Schwulen- und Trans[sexuell]enbewegung einer Überrumpelung und Kolonialisierung gleichkommt und moralisch unzulässig ist, weil sie das eigentliche Anliegen von Menschen mit medizinischer Gewalterfahrung überdeckt.”

Nur auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch manche Zwitter offenbar selbst nicht sehen können oder wollen, dass hier mal wieder ein operiertes Kind als Idealfall verkauft und somit unsere Lebensrealität negiert wird:

Es gibt Realitäten, die sind nur sehr schwer zu ertragen. Trotzdem oder eben gerade deshalb müssten auch Betroffene vermehrt genau hinschauen und ihre Bedenken anmelden, damit sich diese Realitäten endlich ändern!

Nachtrag 1: Antwort von Dr. Michael Wunder, 4.6.11 
Nachtrag 2: Operiertes Kind als Beispiel für eine "offene und tolerable Erziehung"? (II)

>>> Trauma, Opferrolle, Befreiung  

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 30 June 2011

Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 30.06.2011:

     INHALT:
     1.  Jeden Tag wird in einer Kinderklinik ein wehrloses Kind verstümmelt
     2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder
     3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"
     4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben
     5.  Deutscher Ethikrat ist gefordert

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Die Mediziner nennen es "korrigierende" oder "angleichende Eingriffe".

Überlebende Betroffene sprechen ihrerseits von Genitalverstümmelung, uneingewilligten Zwangsoperationen und Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

Allein in Hamburg haben 2011 mindestens 5 Kinderkliniken medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen im Angebot für Kleinkinder "mit zu großer Klitoris" oder sonstwie "auffälligen Geschlechtsorganen". Bundesweit sollen es über 100 Kinderchirurgien sein, darunter auch zahlreiche kleine bis Kleinst-Anbieter.

Das florierende kosmetisch-chirurgische Angebot umfasst u.a. "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen einer Neovagina", "Verlegung der Harnröhre", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern werden von Kliniken und anderen Anbietern aggressiv vermarktet unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie "Hypospadie", "AGS/CAH", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Epispadie", "AIS", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Gonadendysgenesie", "Swyer", "Turner" etc.

Diese Operationen erfolgen seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente ohne ethische Überwachung. Die angebliche Wirksamkeit der medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Eingriffe wurde bis heute nie klinisch bewiesen. Die einschlägigen AMWF-Leitlinien stehen alle heute noch unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.
 

Continue reading...

Monday 20 June 2011

"3rd EuroDSD Symposium" Lübeck 2011: Der Offene Brief auf Deutsch + erste Antwort eines Verantwortlichen

«Human Rights for Hermaphrodites too!» - «A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» «NON aux opérations génitales forcées!» - Main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 22.5.11Empfangskomitee am letzten Tag des "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 22.05.2011

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>>> Infoseite zu den Protesten     >>> Der Offene Brief     >>> Bericht 1. Aktion 22.5.  

Menschenrechte auch für Zwitter!

Inzwischen liegt der im Original englischsprachige >>> Offene Brief an das "3rd EuroDSD Symposium" auf Deutsch vor. Einige Ausschnitte:

[...] Seit mittlerweile 20 Jahren wehren sich Überlebende öffentlich gegen diese Operationen, und kritisieren sie beständig als "ungeheuer destruktiv für das sexuelle Empfinden und für das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit". [...] Seit mittlerweile 20 Jahren weigern sich die Mediziner zuzuhören, geschweige denn diese schweren Bedenken anzuerkennen [...].

[...] In unserem Verständnis besonders entsetzlich sind wiederholte Stellungnahmen auch von Seiten der erwähnten Mediziner, die lustvoll von "chirurgischen Herausforderungen" schwärmen und stur ihre "Experimente" weiterführen in der Aussicht, "in 20 Jahren werden die Operationesmethoden viel besser sein", offensichtlich ohne Sorge, Erbarmen oder Mitgefühl für ihre unglücklichen früheren, gegenwärtigen und zukünftigen "Forschungsobjekte".

Dasselbe gilt auch für den andauenden Hohn und unerträglich paternalistische Herangehungsweisen von BehandlerInnen gegenüber erwachsenen Überlebenden, die ihre Stimme erheben, ihr Leid beklagen und die Beendigung nicht-eingewilligter kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Minderjährigen fordern [...]

Das 3rd Symposium on Disorders of Sex Development beansprucht für sich das Motto: “Was wir gelernt haben und was wir noch lernen müssen.” Wir möchten dazu respektvoll erneut und einmal mehr darauf hinweisen: Offensichtlich wären Ethik und Menschenrechte Kernthemen, bei denen sehr grosser Lernbedarf dringend notwendig erscheint.

[...] Offen gesagt hängt es uns zu den Ohren heraus, ständig angelogen und mit denselben alten Leugnungen, Ausreden und billigen Versprechungen abgespiesen zu werden.

Wir sind uns sicher, dass Ihnen bewusst ist, dass die Kontroverse um kosmetische Genitaloperationen an Kindern in der Öffentlichkeit jeden Monat bekannter wird, und ebenso die allgemeine Tendenz der Bevölkerung betreffend Genitalverstümmelung, unethische Menschenversuche und ungewollte chirurgische Eingriffe. [...]

Wir setzen voraus, dass Sie in Ihrer Eigenschaft als praktizierende MedizinerInnen genügend PatientInnen haben mit echten medizinischen Bedürfnissen, die auf ihre professionelle Hilfe angewiesen sind.

Deshalb möchten wir respektvoll vorschlagen, dass sie Ihre Bemühungen darauf konzentrieren mögen, diesen PatientInnen zu helfen, von denen wir sicher sind, dass diese Ihnen zutieftst dankbar sind für ihre Leistungen. Aber dass Sie andrerseits unethische Praktiken wie uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen an Kindern aufgeben [...]

Mit Datum vom 23. Mai hatten wir vom Co-Organisator des "3rd EuroDSD Symposium" und komm. Direktor der Klinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Lübeck, PD Dr. Lutz Wünsch, eine erste Antwort erhalten:

Sehr geehrte Frau Truffer

bei der Veranstaltung am letzten Wochenende sind keine generellen Empfehlungen für Genitaloperationen bei Kleinkindern mit DSD ausgesprochen worden. Woimmer das Thema berührt wurde, ist sehr vorsichtig und mit Rücksicht auf die Belange aller Betroffenen diskutiert worden.

Mit freundlichen Grüßen   

PD Dr. Lutz Wünsch

Die heutige Rückantwort darauf von Nella im Namen von Zwischengeschlecht.org:

Sehr geehrter Herr Wünsch

Besten Dank für Ihre freundliche Antwort, aktualitätshalber leider mit etwas Verspätung.

Es freut uns sehr, dass die TeilnehmerInnen des Symposiums von nicht-eingewilligten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen offenbar künftig Abstand nehmen wollen.

Wir nehmen an, mit "alle Betroffenen" meinen Sie unter anderem Eltern und Ärzte. Bestimmt ist Ihnen in diesem Zusammenhang die erste Einschätzung des Deutschen Ethikrates bekannt, der dazu festhält:

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. (...) Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Über eine inhaltliche Antwort auf unseren Offenen Brief würden wir uns nach wie vor sehr freuen.

Freundliche Grüsse

Daniela Truffer / Zwischengeschlecht.org

Fortsetzung folgt ...

>>> Infoseite zur "3rd EuroDSD"     >>> Der Offene Brief     >>> Bericht 1. Aktion 22.5.

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein 2009)
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 16 June 2011

Deutscher Ethikrat: Erste Einschätzung zu "Intersexualität", 15.6.11

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion & Offener Brief von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011 
>>> Kommentar von Nella zu "Eine erste Einschätzung" 
>>> Kommentar von Nella zum Beitrag von ETEKAR  

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Heute veröffentlichte der Deutsche Ethikrat auf dem Online-Diskurs-Blog im Anschluss an die öffentliche Anhörung vom 8.6.11 eine durchaus lesenswerte

>>> "Erste Einschätzung" (+ Kommentare):

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. Hier scheint es einen Konsens darüber zu geben, dass irreversible medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung so lange wie möglich hinausgeschoben werden müssen."

"Medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung betreffen den Kern des Persönlichkeitsrechtes jedes Menschen, seine Geschlechtsidentität, sexuelle Empfindungsfähigkeit und seine Fortpflanzungsfähigkeit. Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Hört, hört!!

Bleibt schwer zu hoffen, dass der Ethikrat zu dieser tatsächlich zentralen Problematik in seinem Bericht Nägel mit Köpfen machen wird!!!

Und dass es NICHT wieder so läuft wie in den Parlamenten von Hamburg, Berlin und Bremen, welche die systematische Verletzung der körperlichen Unversehrtheit schlussendlich vornehm aussen vor liessen – bzw. in Berlin und Bremen gar rundheraus ableugneten, dass Genitalverstümmelungen in dortigen Kinderkliniken überhaupt stattfänden ...

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zur "Ersten Einschätzung" 

Ebenfalls sehr lesenswert auf dem Ethikrat-Diskurs-Blog: Ein >>> Kommentar von ETEKAR mit begründeter Kritik, warum der Fokus sowohl des Betroffenenfragebogens wie auch der Anhörung infolge zentraler rechtlicher Fehlüberlegungen den Diskurs zu Gunsten der Täter verzerrt:

"[...] Der gesamte Fragekatalog ist darauf aufgebaut, dass die misshandelten Opfer den medizinischen TäterInnen beweisen müssen, dass die an ihnen einst durchgeführten medizynischen (Medizin + Zynismus = Medizyn) Interventionen Schäden bei den Opfern angerichtet haben. Diese Beweispflicht besteht im Deutschen Recht nicht, sondern umgekehrt hätte der gesamte Fragekatalog danach aufgebaut sein müssen, dass die WissenschaftstäterInnen den Opfern beweisen müssen, dass sie ihnen mit den medizynischen Interventionen in Form von chirurgischen und hormonellen Kastrationen, Genitalamputation, etc. Gutes getan haben. Den Beweis soll mal einer der anwesenden Medizinexperten anzutreten versuchen! Nicht der Patient bzw. das Opfer ist für die Rechtmäßigkeit eines medizinischen Eingriffes beweispflichtig, sondern der Mediziner! Die Mediziner müssen den Opfern beweisen, dass sie ihnen mit dem Abschneiden der Genitalien, mit der Degradierung zu asexuellen Lebewesen und mit der Degradierung zum Zwangskastraten etwas Gutes getan haben und nicht umgekehrt die Opfer, den Tätern, dass diese ihnen Schaden zugefügt haben! [...]"

"[...] Aufgrund von Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG müssen weder Sie als Mitglieder des Deutschen Ethikrates noch zweigeschlechtliche Menschen sich dafür rechtfertigen und Beweis antreten, dass es für die Gesundheit besser ist, wenn funktionsfähige Körperorgane nicht entfernt werden, seien es nun funktionsfähige Hände und Füße oder Genitalien und Gonaden! Stellen Sie sich doch als Mitglieder des Deutschen Ethikrates einfach mal vor, ab dem nächsten ersten heißt es: Alle Männer müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie ihren Penis behalten dürfen und wer dafür keinen von einem Mediziner wichtig anerkannten Grund vorweisen kann, dem wird der Penis entfernt! Und für Frauen ist es ab dem nächsten ersten genau das gleiche: Wer als Frau seine Brüste und seine Klitoris behalten möchte, muss ab dem nächsten ersten stichhaltige medizinische Beweise dafür vorbringen, dass er seine Organe behalten darf! Ansonsten werden die Organe entfernt! [...]"

Mal schauen, wie der Deutsche Ethikrat zu dieser sowohl unter Zwittern wie auch gegegenüber offiziellen Stellen schon seit Jahren immer wieder beklagten Sachlage Stellung nehmen wird ... höchste Zeit wäre es!

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zum obigen Beitrag von ETEKAR 

>>> EKETAR über medizynische Auslöschung und die Anonymität der TäterInnen (I)
>>> Nazi-Genitalabschneider: ETEKAR nennt Namen und Kliniken (II)  

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
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>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
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>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday 10 June 2011

Ethikrat Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"

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>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement

Statement von Daniela "Nella" Truffer für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org anläßlich der Anhörung des Deutschen Ethikrates, 08.06.2011:

>>> Statement als PDF (ohne Links in Fussnoten, 62 KB)

Kann ein Zwitter Sünde sein?

1. "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"

Seit 1950 [1] propagieren und praktizieren Endokrinologen, Kinderchirurgen und weitere Mediziner kosmetische Genitaloperationen und andere medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kleinkindern mit atypischen Genitalien – weil sie die Erfahrung machten, dass die Eltern möglichst früh am leichtesten zu einer Zustimmung zu bewegen sind [2]. 1955 lieferte ein Sexologe nachträglich eine angeblich wissenschaftliche Begründung nach [3]. Die angebliche Wirksamkeit dieser Eingriffe konnten sie bis heute nie mit zufriedenstellender Evidenz belegen. [4]

Seit bald 20 Jahren klagen Überlebende die verheerenden Folgen dieser Praktiken öffentlich an [5], darunter Verlust der sexuellen Empfindsamkeit, schmerzende Narben im Genitalbereich, gesundheitliche Schäden infolge Kastration, Traumatisierung durch die aufgezwungenen Behandlungen, und fordern ihre Beendigung. Seit 13 Jahren fordern auch kritische Mediziner, dass solche Eingriffe nur noch im Rahmen kontrollierter Studien durchgeführt werden sollen, solange weiterhin keine Evidenz vorliegt [6]. Die Antwort der verantwortlichen Behandler darauf bis heute: Ablenkungsmanöver, Ausreden, Spott und Hohn [7] – sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährung juristisch kaum je belangt werden können [8].

Wir fordern ein gesetzliches Verbot aller kosmetischen Genitaloperationen und kosmetischen Hormonbehandlungen an Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit einer Aufhebung, Aussetzung oder Verlängerung der Verjährung, wie diese auch bei weiblicher Genitalverstümmelung und sexualisierter Gewalt an Kindern gefordert wird.

Eltern haben kein Recht, für ihre Kinder kosmetischen Genitaloperationen und kosmetischen Hormonbehandlungen zuzustimmen. Solche Eingriffe verletzen das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Kinder und berühren ihre höchstpersönlichen Rechte.

Erlaubt bleiben sollen einzig medizinisch zwingend notwendige Eingriffe, d.h. Eingriffe, deren Aufschiebung irreversible körperliche medizinische Beschwerden zur Folge hätte, z.B. chirurgische Eingriffe zur Behebung von Verschlüssen oder Behinderungen im harnableitenden System und Hormonbehandlungen z.B. bei Cortisolmangel oder zur Aufschiebung vorzeitiger Pubertät.

Zu diskutieren wäre höchstens eine Einwilligung in kosmetische Eingriffe für Jugendliche ab 16 Jahren in Verbindung mit einer gerichtlichen Genehmigungspflicht, die dann bis zum vollendeten 21. Lebensjahr verbindlich sein soll.

Erwachsene sollen freien Zugang auch zu kosmetischen Behandlungen haben, gegebenenfalls in Verbindung mit einer gerichtlichen Genehmigung bis zum vollendeten 21. Lebensjahr.

Führt das Unterlassen medizinisch nicht notwendiger Eingriffe zu von der betroffenen Person nicht gewünschten irreversiblen hormonellen Veränderungen (Virilisierung oder Feminisierung infolge Pubertät), sind reversible pubertätsaufschiebende Maßnahmen zugänglich zu machen, bis die betroffene Person gegebenenfalls selbst auch zu medizinisch nicht notwendigen Eingriffen ihre Zustimmung geben kann.

Eltern und Betroffene sind vollumfänglich zu informieren. Die Aufbewahrungsfrist für Krankenakten ist auf 75 Jahre zu verlängern.

Bisher werden Eltern zu 90% [9] ausschließlich von Endokrinologen und Kinderchirurgen beraten und betreut. Werden überhaupt Psychologen und Sozialpädagogen hinzugezogen, so spielen sie im "multiprofessionellen Team" höchstens eine Nebenrolle. Wir fordern, dass stattdessen spezialisierte Psychologen und Sozialpädagogen Ansprech- und Kontaktpersonen für die Eltern sein sollen. Mediziner sollen nur für medizinisch notwendige Behandlungen zugezogen werden. Für den berühmten "psychosozialen Notfall" der Eltern braucht es kein Skalpell am Kind, sondern psychologische und sozialpädagogische Betreuung für die Eltern, und gegebenenfalls später auch für die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst.

Quellen:

[1] Lawson Wilkins: The Diagnosis and Treatment of Endocrine Disorders in Childhood and Adolescence. Springfield/Illinois, 1950, S. 274.
Zwischengeschlecht.info: "Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie."

[2] Elizabeth Reis: Bodies in Doubt: An American History of Intersex. Baltimore, 2009, S. 113.

[3] Als "Beweis" präsentierte Money ein angeblich gelungenes Zwilligsexperiment, das in Wahrheit aber tragisch endete – ein Umstand, den Money zeitlebens unterschlug. John Colapinto: Der Junge, der als Mädchen aufwuchs. Düsseldorf, 2000.

[4] Heute noch stehen die einschlägigen AWMF-Leitlinien 006/026, 027/047, 027/022, 015/052 auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.

[5] Vgl. Cheryl Chase, Letter, Sciences, July/August 1993, S. 3.

[6] Kenneth Kipnis, Milton Diamond: "Pediatric Ethics and the Surgical Assignment of Sex", The Journal of Clinical Ethics, Vol. 9 No. 4, 1998, S. 398-410.

[7] Eine beliebte Ausflucht besteht darin, gebetsmühlenartig das Fehlen von Langzeitstudien zu beklagen und gleichzeitig unkontrolliert weiter zu operieren, vgl. Howard Devore: "Endless Calls for 'More Research' as Harmful Interventions Continue", Hermaphrodites With Attitude, Fall/Winter 1996 [PDF], S. 3. Von Behandlern wird u.a. behauptet, Überlebende wären nur aufgrund von Einbildungen unglücklich (Susanne Krege, Vortrag UK Aachen 30.05.2011), erwachsene Zwangsoperierte hätten kein Recht für heutige Betroffene zu sprechen (Olaf Hiort, taz 06.11.2007), oder kritische Betroffene und Menschenrechtskommissionen werden als potentielle Gewalttäter dargestellt (Laurence Baskin, Referent am diesjährigen "3rd EuroDSD Symposium" in Lübeck, Stanford Medicine, Vol. 28 No. 1, 2011 [PDF], S. 26).

[8] Christiane Völling, die bisher einzige Betroffene, die überhaupt einen Behandler wenigstens noch zivilrechtlich belangen konnte, wohlbemerkt in letzter Minute, war beim fraglichen Eingriff schon 18 Jahre alt, alle früheren Eingriffe waren auch bei ihr schon verjährt. Alle anderen Versuche von Betroffenen, Behandler juristisch zu belangen, scheiterten bisher stets an der Verjährung, vgl. auch Zwischengeschlecht.info: "Genitalverstümmelung: 'Unrecht der Medizinversuche anerkennen' (Oliver Tolmein 2009)".

[9] Eckhard Korsch: "Überlegungen zur praktischen Umsetzung des DSD-Consensus-Statements", Vortrag APE 2006, Folie 16

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video mit Daniela "Nella" Truffer
>>> Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Ethikrat Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und gesellschaftliche Situation und Perspektiven"

ggg

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>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement

Statement von Daniela "Nella" Truffer für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org an der Anhörung des Deutschen Ethikrates, 08.06.2011:

>>> Statement als PDF (ohne Links in Fussnoten, 63 KB)

2. "Lebensqualität Betroffener und gesellschaftliche Situation und Perspektiven"

Seit bald 20 Jahren beklagen überlebende Betroffene öffentlich, dass die medizinisch nicht notwendigen Eingriffe und das Verschweigen ihre Probleme weniger lösen als verschlimmern oder gar erst verursachen und verurteilen sie als westliche Form der Genitalverstümmelung [1]. Eine Einschätzung, die von immer mehr Menschenrechtsorganisationen und FGM-Expertinnen geteilt wird [2].

Trotzdem werden in deutschen Kinderkliniken nach Erhebungen der Behandler selbst immer noch 90% [3] aller Kinder und Jugendlichen durchschnittlich mehrfach verstümmelt; die Hälfte der Kinder [4] und 20% der Jugendlichen [5] werden heute noch gar nicht oder nur unzureichend aufgeklärt.

Dementsprechend muss als erstes ein Verbot aller kosmetischen Genitaloperationen und kosmetischen Hormonbehandlungen an Kindern und Jugendlichen durchgesetzt werden sowie das Recht auf vollumfängliche Aufklärung für alle Betroffenen.

Als zweites muss das Leid der Zwangsbehandelten soweit wie noch möglich gelindert und der verursachte Schaden soweit wie möglich wieder gut gemacht werden:
• Viele Betroffene sind aufgrund der durch die Behandlung verursachten psychischen und physischen Schäden erwerbsunfähig und fristen ein prekäres Dasein.
• Die meisten Zwangsbehandelten sind traumatisiert und benötigen eine Psychotherapie, die sie aber nicht bezahlt bekommen.
• Viele Betroffene erhalten eine adäquate Hormonersatztherapie entsprechend den ihnen entfernten Hormon produzierenden Organen oft nur auf Privatrezept.

Drittens braucht es eine gesellschaftliche Aufarbeitung und Aussöhnung:
• Entschädigung und Rehabilitation geschädigter Betroffener durch einen Hilfs- und Entschädigungsfonds, alimentiert durch den Staat als politisch Verantwortlicher und die konkret verantwortlichen ärztlichen Standesorganisationen.
• Einsetzung einer Wahrheitskommission: das Unrecht der Medizinversuche muss gesellschaftlich anerkannt, ein dunkles Kapitel der Medizingeschichte muss beendet und öffentlich aufgearbeitet werden.

Viertens müssen erwachsene Zwangsbehandelte und künftig hoffentlich unversehrt heranwachsende Betroffene vor Diskriminierungen geschützt und gestärkt werden:
• Die größte Diskriminierung, die zuerst behoben werden muss, ist wie erwähnt die Verweigerung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Danach bleiben jedoch noch weitere Diskriminierungen, die bekämpft werden müssen, zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt, bei Versicherungsabschlüssen oder im Sport.
• Fragen des Personenstandsrechts sind für die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen klar von zweitrangiger Bedeutung. Gemäß §47 Personenstandsgesetz ist für Betroffene ein gerichtlicher Antrag auf Berichtigung des Geschlechts möglich, auch wenn dies offensichtlich noch nicht bei allen Amtsstellen genügend bekannt ist. Seit 1.1.2009 besteht gemäß §7 PSTV für Betroffene neu keine verbindliche Frist mehr für den Personenstandseintrag. Auf diesen bereits bestehenden Wegen ist behutsam fortzufahren.
Ein Drängen auf Abschaffung des Personenstandseintrages oder auf Einführung eines zwangsweise Personenstandseintrages "unbestimmt" oder ähnlich ist kontraproduktiv: operationswillige Eltern wollen dann erst recht eindeutige Tatsachen schaffen und die "Schande" eines unbestimmten Eintrags vermeiden.
Radikale Personenstandsreformen, wie diese hauptsächlich von dritten Interessensgruppen immer wieder im Namen der Betroffenen gefordert werden, sind zudem im Gegensatz zu körperlicher Unversehrtheit politisch umstritten und kaum mehrheitsfähig. Betroffene kritisieren solche politischen Vereinnahmungen schon lange [6]. Mittelfristig ist jedoch für erwachsene Betroffene ein optionaler Eintrag "intersexuell" oder "zwittrig" durchaus erstrebenswert.
• Nicht zeugungsfähigen Betroffenen werden Adoptionen verwehrt, nur weil sie intersexuell sind, andere werden gezwungen, ihre Intersexualität zu verheimlichen. Der Zugang zur Adoption muss auch für Betroffene ermöglicht und gegebenenfalls erleichtert werden.

Seit dem Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates vom letzten Jahr wurden allein in deutschen Kinderkliniken weit über 300 weitere Kinder irreversibel genitalverstümmelt. Zahllose Betroffene setzen seit langem große Hoffnung in den Deutschen Ethikrat. Möge die heutige Anhörung dazu führen, dass endlich entscheidende Schritte unternommen werden für ein Leben in Unversehrtheit und Würde auch für Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

Quellen:

[1] Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG): "Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie" (1996).

[2] Eine Auflistung von aktuell 13 Quellen siehe: Zwischengeschlecht.org: "Westliche Form der Genitalverstümmelung"

[3] Martina Jürgensen: "Klinische Evaluationsstudie im Netzwerk DSD/Intersexualität: Zentrale Ergebnisse", Vortrag 27.05.2009, Folie 6.

[4] Eva Kleinemeier, Martina Jürgensen: Erste Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie im Netzwerk Störungen der Geschlechtsentwicklung/Intersexualität in Deutschland, Österreich und Schweiz. Januar 2005 bis Dezember 2007, 2008, S. 32 ("Die Hälfte aller Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, bei denen regelmäßige ärztliche Kontrollen durchgeführt werden, ist nicht über die konkreten  Gründe dafür aufgeklärt.")

[5] Eva Kleinemeier, Martina Jürgensen: Erste Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie im Netzwerk Störungen der Geschlechtsentwicklung/Intersexualität in Deutschland, Österreich und Schweiz. Januar 2005 bis Dezember 2007, 2008, S. 33 ("82% der Jugendlichen kennen die genauen Gründe der regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen und 3/4 der Jugendlichen mit uneindeutigem  Genitalbefund wissen, dass die bei ihnen die Geschlechtsorgane anders aussehen oder ausgesehen haben als es gewöhnlich der Fall ist.")

[6] Eine Auflistung von aktuell 12 Quellen siehe: Zwischengeschlecht.info: "Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung".

>>>
"Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>> Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday 30 May 2011

Aachen Mo 30.5.: Friedlicher Protest gegen "Ethik"-Vortrag von Genitalabschneiderin Susanne Krege

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Wenn GenitalabschneiderInnen sich als EthikerInnen ausgeben: Anlässlich der öffentlichen "Ringvorlesung Medizin & Ethik" am Universitätsklinikum Aachen referiert ausgerechnet eine bekannte Verstümmlerin zum Thema, noch dazu unter dem irreführenden Titel "Intersexualität – Gefangen im falschen Körper" (bekanntlich eine Umschreibung für Transsexualität, NICHT "Intersexualität").

Mo 30.5.11 18:00 h: FRIEDLICHER PROTEST
Universitätsklinikum Aachen, Pauwelsstr. 30

>>> Mehr Infos     >>> Der Offene Brief 

Monday 23 May 2011

Lübeck 20.-22.5: Proteste gegen GenitalverstümmlerInnen-Kongress "3rd EuroDSD Symposium - From Gene to Gender"

>>> Open Letter 21.5. (PDF)   >>> Pressemitteilung 16.05   >>> Pressemitteilung 20.5.  

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Im Mai treffen sich im "EuroDSD"- Hauptquartier zu Lübeck diverse TäterInnen zum internationalen GenitalverstümmlerInnenkongress "3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender", um menschenrechtswidrige Zwangseingriffe an Kleinkindern zu propagieren ...
          >>> Mehr Infos

Saturday 21 May 2011

1. Protest gegen Genitalverstümmlerkongress "3rd EuroDSD"

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«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11Jetzt können die Medizyner ruhig kommen: Flugblattbrigade vor der "3rd EuroDSD", 20.5.11

>>> Infoseite zu den "3rd EuroDSD"-Protesten 20.-22.5.11

Kaum war die Registration zum "3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender" im Audimax des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zu Lübeck eröffnet, war draussen vor dem Eingang auch schon das obligate Empfangskomitee der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org zum Einsatz bereit, verstärkt durch ein lokale Soli-Delegation, die schon bei der Infoveranstaltung vom Vorabend in den Räumen von Amnesty Lübeck dabei war. Allen Beteiligten ein fettes Dankeschön!!!  

«A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» - Garry L. Warne (left) at the main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 20.5.11Garry L. Warne, Royal Children's Hospital Melbourne (Mitte), "3rd EuroDSD" Lübeck 20.5.11

Die meisten KongressteilnehmerInnen machten quasi gute Miene zum bösen Spiel und verhielten sich betont freundlich. U.a. Lutz Wünsch, Direktor der lokalen Kinderchirurgie und zusammen mit Olaf Hiort Co-Organisator der "3rd EuroDSD", stellte sich persönlich vor. Im kurzen Gespräch äusserte er sich (ähnlich wie Hiort vor der Hamburgischen BürgerInnenschaft, PDF --> S. 13f, S. 41) in der Richtung, dass von Seiten der Ärzte verbindliche gesetzliche Vorschriften eigentlich willkommen, weil sonst würden Eltern sich einfach eine andere Klinik suchen, ausserdem seien sie heute zurückhaltender mit OPs. Auch hätte er noch versucht, innerhalb der Veranstaltung Raum für eine Diskussion mit uns zu schaffen, was kurzfristig nicht möglich gewesen sei. Wir wiesen ihn unsererseits darauf hin, dass auch er z.B. in der "Monatsschrift Kinderkeilkunde" selber kosmetische Genitaloperationen propagiere.

«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!» Zwischengeschlecht.org vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11

Zwischengeschlecht.org wird während der "3rd EuroDSD" noch bis und mit Sonntag in Lübeck vor dem UKSH Audimax friedlich protestieren – gegen GenitalverstümmlerInnen weltweit, gegen die KomplizInnenschaft von Politik und Justiz, und für "Menschenrechte auch für Zwitter!"

>>> Infoseite zu den "3rd EuroDSD"-Protesten 20.-22.5.11

Wednesday 11 May 2011

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Medizynisches Verbrechen oder Diskriminierung im Bereich Gesundheit? (I)

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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!Nachfolgend Nellas Antwort, dokumentiert im Fragebogen "Diskriminierungen im Leben von intersexuellen Menschen" von Intersexuelle Menschen e.V. zur anonymisierten Weiterleitung zu Handen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

Anlass des Fragebogens war ein Workshop Nr. 6 der Antidiskriminierungsstelle (PDF 2,3 MB --> S. 34, S. 20-21) mit dem Titel "Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen", geleitet von Jannik Franzen, TransInterQueer e.V. (TriQ), Berlin. Dieser Workshop im Rahmen einer ganztägigen ADS-Veranstaltung "Gleiche Rechte! Gleiche Chancen? Herausforderungen effektiver Antidiskriminierungsarbeit" fand statt am 16.9.10 in Berlin (zufälligerweise am selben Tag wie der 1. Protest gegen den GenitalabschneiderInnenkongress "DGKJ 2101" in Potsdam).

Der IMeV-Fragebogen fragte nach verschiedenen anzugebenden "Bereichen", in denen sich Betroffene diskriminiert fühlen. Als einziger "Bereich" auf dem Bogen vorgedruckt war an erster Stelle "Diskriminierungen im Bereich Gesundheit / Gesundheitsdienste", den Nella allerdings ausliess. Stattdessen eröffnete sie einen eigenen:

Ich fühle mich diskriminiert / benachteiligt:

Bereich Vereinnahmung

Ich fühle mich diskriminiert von Gruppen und Personen, welche die an mir begangenen, schweren medizinischen Verbrechen wie Genitalverstümmelung und Kastration permanent verharmlosen und ausblenden, indem sie mir immer wieder einreden wollen, eigentlich leide ich gar nicht an den Folgen dieser Verbrechen, sondern "nur" unter Diskriminierung.

Genitalverstümmelungen sind keine Diskriminierungen, und schon gar nicht wegen "sexueller Identität" und "geschlechtlichem Ausdruck".

Diskriminierung ist, wenn man die Teilhabe an etwas nicht hat, wenn jemand anderes etwas bekommt, man selber aber unberechtigterweise nicht. Oder umgekehrt, wenn z.B. Polizisten immer dunkelhäutige Menschen herauspicken und schikanieren.

Wenn aber Menschen z.B. ausgeraubt, gefoltert, verstümmelt oder ermordet werden, so sind dies Verbrechen und nicht blosse Benachteiligungen.

Wenn eine Gruppe systematisch Opfer von Verbrechen wird, dann ist das Verfolgung und nicht Diskriminierung.

Wenn man Verfolgung und Diskriminierung in denselben Topf wirft, dann verharmlost man Verfolgung.

Wenn Personen und Gruppen die Genitalverstümmelungen und weitere schwere Verbrechen an Zwittern stets auf "Diskriminierung" reduzieren und/oder statt über Genitalverstümmelungen und andere medizinische Verbrechen immer nur über "Diskriminierungen" reden, so verharmlosen sie dadurch das mir angetane Leid, und diskriminieren mich und alle anderen Opfer.

(Es gibt tatsächlich Lebensbereiche, in denen Zwitter "nur" diskriminiert werden, z.B. im Sport und auf dem Arbeitsmarkt. Wer aber nur über diese Diskriminierungen redet und nicht über die Verstümmelungen, diskriminiert mich ebenfalls.)

Auch dieser Blog war bekanntlich seinerzeit eher skeptisch, ob Anlässe wie der vorliegende TrIQ-IMeV-Workshop Nr. 6 letztlich dazu geeignet sind, jemals "eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen [zu] entwickeln".

Da inzwischen einige Zeit verstrich und nunmehr auch ein offizieller Bericht der Antidiskriminierungsstelle zur Tagung vorliegt, mehr dazu in der Fortsetzung:

>>> Teil 2: Probe aufs Exempel 

Siehe auch:
- Vereinnahmung von Zwittern: "TransInterQueer (TrIQ)" und "taz" können es einfach nicht lassen ...
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ...
- "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe": Ausser Vereinnahmung nix gewesen – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- ICESCR: Intersexuelle Menschen e.V. unterstützt Vereinnahmung (S. 13)
- IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ  
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung   

Saturday 2 April 2011

Hamburg 30.3.-2.4. - Friedliche Proteste + Infoveranstaltung gegen GenitalverstümmlerInnen-Kongress "DGE 2011"

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FRIEDLICHER PROTEST: Mi 30.3. 10:30-16:00 h + Infoveranstaltung: Mi 30.3. 20 h @ SternChance + 1. FRIEDLICHE MAHNWACHE: Fr 1.4. 07:30-10:00 h + 2. FRIEDLICHE MAHNWACHE: Sa 2.4. 09:30-13:30 h ... Wir sehn uns, wo die Action ist!Proteste + Infoveranstaltung zum
54. Symposion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
"DGE 2011"
, dem Jahrestreffen der GenitalverstümmlerInnen in Weiss diese Woche in Hamburg.

Wir sehn uns, wo die Action ist!

>>> Mehr Infos hier!   

Thursday 31 March 2011

1. Protest gegen GenitalverstümmlerInnenkongress "DGE 2011"

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«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital! Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem Congess Centrum Hamburg CCHAn ihnen kam keineR unbehelligt vorbei: Zwitter-Flugblattbrigade vor dem CCH, 30.4.11

>>> Infoseite zu den Protesten  

Pünktlich und unübersehbar startete gestern vor dem "Congress Centrum Hamburg (CCH)" die 1. von insgesamt 3 friedlichen Protestaktionen zum Genitalabschneider-Jahrestreffen "DGE 2011" der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" und der "Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)".

Bewaffnet mit unwiderstehlichem Charme, angriffigen Flugblättern (>>> Download PDF, 168KB) und unerschöpflichem Durchhaltevermögen machten die Zwitter-Menschenrechtskämpfer_innen mit dieser mittlerweile 5. entsprechenden Aktion von Zwischengeschlecht.org in Folge den anreisenden MedizynerInnen freundlich, aber bestimmt klar, dass die Zeiten, als sie sich unbehelligt und unwidersprochen zum gemütlichen Fachsimpeln über "neue Verbesserungen" ihrer menschenrechtswidrigen Verstümmelungspraktiken versammeln konnten, endgültig der Vergangenheit angehören.

Gleichzeitig wurden zahllose PassantInnen über die täglichen chirurgischen Genitalverstümmelungen vor ihrer Haustüre informiert, ebenso über die KomplizInnenschaft ihrer gewählten PolitikerInnen bei diesen medizinischen Verbrechen. Viele reagierten überrascht bis betroffen, da sie bisher noch nichts davon vernommen hatten, einige meinten ungläubig: "Ich dachte, sowas wär verboten?" Einige waren jedoch bereits auf dem Laufenden, bekundeten gar von sich aus, dagegen müsse endlich international auf Menschenrechtsebene vorgegangen werden.

Die konfrontierten EndokrinologInnen wiederum teilten sich in die bereits von anderen Kongressen her bekannten Lager:

Auf der einen Seite die Mehrzahl der letztlich wohl unverbesserlichen VerstümmlerInnen sowie quasi berufsmässigen IgnorantInnen, die ihr schlechtes Gewissen mit bösen Blicken, gehässigen Bemerkungen und "gutgemeinten Ratschlägen" zu kaschieren versuchten. Die wohl mit Abstand verbreitetste Taktik dieser Gruppe war, das Unrecht zwar nicht prinzipiell zu leugnen, jedoch – entgegen der auch auf dem Flugblatt angeführten bekannten Federführung der EndokrinologInnen bei den Zwangsbehandlungen – jegliche Beteiligung an den menschenverachtenden Verstümmelungen rundherum abzustreiten nach dem aus zahllosen Krimiserien bekannten Muster: "Ich hab nix getan! Ich war's nicht! Ich bin unschuldig! Geht gescheiter zu den KinderchirurgInnen!" Die unbedarfteste Vertreterin dieser Art: "Damit macht ihr euch bei den Endokrinologen keine Freunde" – und vor lauter Verärgerung über die ach so unbotmässigen Überlebenden dürfen die Entrüstete und ihre sauberen KollegInnen dann quasi gerechtfertigterweise umso mehr wehrlose Kinder verstümmeln, alles klar ...

Auf der anderen Seite dagegen eine Minderheit, unsere Anwesenheit unser Anliegen der schnellstmöglichen Beendigung der menschenverachtenden Verstümmelungspraktik ausdrücklich guthiessen: "Wird Zeit, dass da endlich die Moderne Einzug hält."

Nach vielen meist erfreulich verlaufenen Diskussionen und mehr als 200 verteilte Flugblätter später wurde die Kundgebung schliesslich um 4 Uhr nachmittags ordnungsgemäss beendet – fürs erste.

Wir sehn uns wieder zur 1. Friedlichen Mahnwache während der Mitgliederversammlungen von DGE und CAEK, morgen Freitag ab 07:30 bis 10:00 Uhr – sowie erneut am Samstag ab 09:30, jeweils am bekannten Ort ...

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07

Monday 7 February 2011

«STOP Genitalverstümmelung im Ostschweizer Kinderspital!» - Aktion und Offener Brief Kispi St. Gallen, 6.2.11

Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen 6.2.11 (Bild: Seelenlos)

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STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!Am letzten Sonntag protestierte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org bereits zum 4. Mal vor einer CH-Genitalabschneider- und Kastrationsklinik.
Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

>>> Der Offene Brief an das Ostschweizer Kinderspital
>>> Pressemitteilung zur Aktion
>>> Kispi-Chefarzt: "Genitalverstümmelungen ethisch unbedenklich"
>>> Bericht einer Mutter über das Ostschweizer Kinderspital  

>>> Antwort des Ostschweizer Kinderspitals auf den Offenen Brief

Medienspiegel:

Das St. Galler Tagblatt berichtete am Montag im Lokalteil über die Aktion:
>>> "Protest gegen Verstümmelung von Zwittern" - St. Galler Tagblatt, 7.2.11

Am Freitag 11.2. erschien ein kontradiktorischer Hintergrundartikel im überregionalen Mantelteil (St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Thurgauer Zeitung, Toggenburger Tagblatt, Wiler Zeitung, Der Rheintaler):
>>> Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten"
>>> Scan ganzer Artikel   >>> Online-Teaser mit Foto

NZZ Format filmte für einen Beitrag (>>> Erstausstrahlung Do 10.3.11 um 23:20h auf SF1, mit Wiederholungen Fr 11.3. SF1 und So 13.3. SFinfo sowie anschliessend auf 3Sat und auf DVD) und M. Biolley für einen witzigen >>> Online-Kurzfilm.

Mit dem Ostschweizer Kindersital wurde mittlerweile ein Termin für ein Gespräch vereinbart.

Fortsetzung folgt ... 

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Anfrage Kantonsrat Luzern 2010 
- Anfrage Kantonsrat Bern 2009
- Anfrage Kantonsrat Basel Stadt 2010
- Anfrage Kantonsrat Zürich 2009 

Monday 31 January 2011

Zwittertabu & Medizynermacht (I)

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Proteste gegen Genitalabschneider-Jahrestreffen "DGKJ 2010", Potsdam 16.-18.9.

(Full Disclosure: Seelenlos ist verantwortlicher Redakteur dieses Blogs, Gründungsmitglied und Kampagnenleiter bei Zwischengeschlecht.org und ein mit einem Zwitter verbandelter "normaler" XY, also ein solidarischer Nicht-Zwitter.) 

Der stärkste Verbündete der zwangsbehandelnden Pädo-Medizyner ist und bleibt das sogenannte Zwittertabu:

So lange die breite Öffentlichkeit weiterhin ahnungslos darüber bleibt, dass es

a) Zwitter allgemein überhaupt real gibt, sowie
b) über die an ihnen in den Kinderspitälern tagtäglich verübten medizynischen Verbrechen im Speziellen,

ebenso lange werden die Medizyner & ihre Helfershelfer ungestört nach Lust und Laune weiter verstümmeln können.

(Zumal die Zwangsoperationen auch für die Kinderkliniken selbst ebenfalls Mal für Mal einen hübschen Gewinn abwerfen.)

Umgekehrt gilt: Sobald mehr als die Hälfte der "Menschen auf der Strasse" wissen, dass Zwitter a) real und zuhauf existieren, und was b) in den Kinderkliniken konkret mit ihnen geschieht, wird dies das Ende der Genitalverstümmelungen und sonstigen Zwangsbehandlungen  sein.

Denn zum Glück sind Folter und Verstümmelung von wehrlosen Kleinkindern in der hiesigen Wahlbevölkerung NICHT mehrheitsfähig! Ganz im Gegensatz zu Bestrebungen zur Abschaffung solcher menschenverachtender Praktiken, wie sie in hiesigen Kinderkliniken leider nach wie vor an der Tagesordnung sind.

Sprich, sobald es gelingt, das gesellschaftliche Tabu über Zwitter und ihre "Behandlung" wirkungsvoll zu durchbrechen, wird dadurch der Druck auf die TäterInnen und ihre HelfershelferInnen insbesondere in Politik und Justiz derart wachsen, dass die Interessen der zwangsoperierten und künftigen Zwitter plötzlich eine reale politische Chance haben werden – auch gegen die nicht zu unterschätzende Macht der ethisch und moralisch herausgeforderten Pädo-MedizynerInnen & Co.

Aus diesem Grund hat für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über die Machenschaften der GenitalabschneiderInnen einen grossen Stellenwert, und wir begrüssen entsprechende Berichterstattung in allen Medien, ausdrücklich inkl. Boulevard und ungeachtet persönlicher Vorlieben – vorausgesetzt, dass die medizynischen Verbrechen an Zwittern in der Berichterstattung angemessen erwähnt werden.

(Letzteres darf allerdings nicht dem Zufall überlassen werden, sondern muss aus verschiedenen Gründen leider bei so ziemlich allen Medien Mal für Mal durch effektive Medienarbeit erkämpft werden.)

Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."
George Santayana (1863 – 1952)
Auch wenn mache Zwitter wegen des verinnerlichten Schweigegebots das Licht der Öffentlichkeit primär als Gefahr wahrnehmen: Klartext, ungeschminkte Fallberichte von Freiwilligen, TäterInnen, Taten und Tatorte öffentlich beim Namen nennen, kurz: Transparenz und Informationsfreiheit sind die mächtigsten Waffen im Kampf um die Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken – Geheimhaltung, Maulkörbe, Geheimverhandlungen durch den Dienstboteneingang und Redeverbote spielen hingegen erwiesenermassen Mal für Mal letztlich den MedizynerInnen in die Hände.

Und nicht zuletzt: Auf einen groben Klotz gehört bekanntlich auch ein grober Keil. Sprich, ein derart mächtiges und lange bestehendes Tabu wie dasjenige über die Existenz der Zwitter und die an ihnen bis heute verübten medizynischen Verbrechen wird kaum mit Geflüster und subtilen theoretischen Aufsätzen zu knacken sein. Sondern dazu braucht es nicht zuletzt kontinuierliche, angriffige Medienarbeit und öffentlichkeitswirksame friedliche Protestaktionen (Gewaltfreie Aktion).

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 
>>>
Erpressung, Zwittertabu & Medizynermacht (III)  

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Medizinische Verbrechen an Zwittern
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik", 23.6.10
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist. Wir nehmen es dankbar an und lieben es."
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

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