Monday, May 23 2011

Lübeck 20.-22.5: Proteste gegen GenitalverstümmlerInnen-Kongress "3rd EuroDSD Symposium - From Gene to Gender"

>>> Open Letter 21.5. (PDF)   >>> Pressemitteilung 16.05   >>> Pressemitteilung 20.5.  

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Im Mai treffen sich im "EuroDSD"- Hauptquartier zu Lübeck diverse TäterInnen zum internationalen GenitalverstümmlerInnenkongress "3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender", um menschenrechtswidrige Zwangseingriffe an Kleinkindern zu propagieren ...
          >>> Mehr Infos

Saturday, May 21 2011

1. Protest gegen Genitalverstümmlerkongress "3rd EuroDSD"

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11Jetzt können die Medizyner ruhig kommen: Flugblattbrigade vor der "3rd EuroDSD", 20.5.11

>>> Infoseite zu den "3rd EuroDSD"-Protesten 20.-22.5.11

Kaum war die Registration zum "3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender" im Audimax des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zu Lübeck eröffnet, war draussen vor dem Eingang auch schon das obligate Empfangskomitee der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org zum Einsatz bereit, verstärkt durch ein lokale Soli-Delegation, die schon bei der Infoveranstaltung vom Vorabend in den Räumen von Amnesty Lübeck dabei war. Allen Beteiligten ein fettes Dankeschön!!!  

«A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» - Garry L. Warne (left) at the main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 20.5.11Garry L. Warne, Royal Children's Hospital Melbourne (Mitte), "3rd EuroDSD" Lübeck 20.5.11

Die meisten KongressteilnehmerInnen machten quasi gute Miene zum bösen Spiel und verhielten sich betont freundlich. U.a. Lutz Wünsch, Direktor der lokalen Kinderchirurgie und zusammen mit Olaf Hiort Co-Organisator der "3rd EuroDSD", stellte sich persönlich vor. Im kurzen Gespräch äusserte er sich (ähnlich wie Hiort vor der Hamburgischen BürgerInnenschaft, PDF --> S. 13f, S. 41) in der Richtung, dass von Seiten der Ärzte verbindliche gesetzliche Vorschriften eigentlich willkommen, weil sonst würden Eltern sich einfach eine andere Klinik suchen, ausserdem seien sie heute zurückhaltender mit OPs. Auch hätte er noch versucht, innerhalb der Veranstaltung Raum für eine Diskussion mit uns zu schaffen, was kurzfristig nicht möglich gewesen sei. Wir wiesen ihn unsererseits darauf hin, dass auch er z.B. in der "Monatsschrift Kinderkeilkunde" selber kosmetische Genitaloperationen propagiere.

«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!»  Zwischengeschlecht.org vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11

Zwischengeschlecht.org wird während der "3rd EuroDSD" noch bis und mit Sonntag in Lübeck vor dem UKSH Audimax friedlich protestieren – gegen GenitalverstümmlerInnen weltweit, gegen die KomplizInnenschaft von Politik und Justiz, und für "Menschenrechte auch für Zwitter!"

>>> Infoseite zu den "3rd EuroDSD"-Protesten 20.-22.5.11

Friday, May 20 2011

"Intersexualität: Sind Genitaloperationen Verstümmelung?" - dpa, 20.5.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Interessante Nachfolgemeldung zum heutigen 1. Protest gegen die "3rd EuroDSD":

Intersexualität: Sind Genitaloperationen Verstümmelung? - Junge oder Mädchen? Nicht bei jedem Baby lässt sich diese Frage so einfach beantworten. Soll man diese Laune der Natur operativ korrigieren oder gibt es ein 'drittes Geschlecht'? Intersexualität heißt dieses Phänomen, also

"Wir nehmen die Proteste sehr ernst", sagte der Leiter der Tagung, Olaf Hiort von der Klinik für Kinder-und Jugendmedizin am UKSH. "Doch in den letzten 15 Jahren haben sich die Behandlungsmethoden dieser Störungen und auch der Zugang dazu grundlegend geändert. Es gibt schonendere Operationsmethoden, verfeinerte Hormontherapien und vor allem werden die Familien von Anfang an bei der Überlegung mit einbezogen, welche Behandlungsmethoden infrage kommen." [...]

Durch OP Normalität ermöglichen

"Nicht in allen Fällen muss sofort operiert werden. Aber früher oder später stehen Eltern doch vor der schwierigen Entscheidung, in welchem Geschlecht das Kind aufwachsen soll", sagte Hiort. "Im gewissen Sinne sind es tatsächlich kosmetische Operationen", räumt Hiort ein. "Aber es geht ja auch darum, Kindern und Jugendlichen ein Aufwachsen möglichst nah an der Normalität zu ermöglichen", sagte er.

Bitte beachten: Die Formulierung "Beschneidung von Mädchen in islamisch geprägten afrikanischen Ländern" stammt von der dpa und NICHT von Zwischengeschlecht.org. In unserer 1. Pressemitteilung, auf die sich diese Passage bezieht, stand "Genitalverstümmelungen an Mädchen und Frauen" bzw. "Mädchenbeschneidungen in Afrika".

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Infoseite zu den Protesten gegen die "3rd EuroDSD" 

"Lübeck: Zwitter protestieren gegen Tagung über Intersexualität" - dpa, 20.5.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Lübeck: Zwitter protestieren gegen Tagung über Intersexualität. (Bild: Zwitter Christiane V. protestiert 2007 gegen ihre 'geschlechtszuweisende Behandlung'. Ihr wurden Uterus und die Eierstoecke entfernt. Foto: ddp) Eine Fachtagung zum Thema Intersexualität in Lübeck steht in der Kritik der Betroffenen. Sie werfen Medizinern 'menschenrechtswidrige Genitalverstümmelung' vor. (dpa)

>>> Gelungene dpa-Meldung über die Proteste gegen das "3rd EuroDSD Symposium in Lübeck ab heute bis und mit Sonntag. Seinerzeit im >>> Schenefelder Tageblatt [inzwischen offline] zusätzlich mit einem Bild von Christiane Völling von der 1. Zwitterdemo in Köln 2007. Wir sehn uns, wo die Action ist ...

Nachtrag: Aufdatierte dpa-Nachfolgemeldung 

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Genitalverstümmelungen der übliche Weg" 

Thursday, May 19 2011

"EuroDSD"-Genitalverstümmler Garry L. Warne (Royal Children's Hospital, Melbourne): "Wir operieren Kinder am liebsten 4 bis 6 Wochen nach der Geburt"

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

«A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» - Garry L. Warne (left) at the main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 20.5.11Friedlicher Protest vor dem "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 20.05.2011
(Mitte: Garry L. Warne, Royal Children's Hospital Melbourne)

Zum Auftakt des "3rd EuroDSD Symposium" morgen in Lübeck haben die Lübecker Organisatoren den Australier Endokrinologen Garry L. Warne eingeladen, der zum Thema "Neue Erfolgsaussichten in der DSD-Forschung" referieren wird.

Allerdings nährt ein Blick auf Garry L. Warnes bisherige "Errungenschaften" primär die Befürchtung, dass die "neuen Aussichten" sich – Überraschung! – letztlich als die alten entpuppen werden, inkl. der bekannten Folgen für die überlebenden Opfer – wohl auch der Grund für die Wahl von Warne durch die "EuroDSD"-Verantwortlichen Olaf Hiort und  Lutz Wünsch (Übersetzungen aus dem Englischen durch Zwischengeschlecht.info):

Das Kernteam für die Behandlung von Intersex-Patienten [am Royal Children Hospital (RCH) Melbourne] arbeitet seit über 25 Jahren zusammen [...]. Während dieser Zeitspanne von 25 Jahren blieb es eine Verfechterin früher Genitaloperationen an Kindern mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die als Mädchen aufwachsen sollen. Es rät, die Operationen im Alter von vier bis sechs Wochen vorzunehmen. Das Team empfiehlt ebenfalls die frühe Entfernung der Hoden bei Kompletter Androgenresistenz [CAIS] und bei gemischer XY Gonadendysgenesie. ("Intersex, East and West", S. 200)

Entsprechende Verstümmelungsanpreisungen, versetzt mit einigen symbolischen etwas "progressiver" anmutenden Bausteinen, finden sich dann prompt auch in den Eltern-Broschüren von Garry L. Warne zu "Androgenresistenz" und dem "Adrenogenitalen Syndrom (AGS/CAH)":

BEHANDLUNG VON AGS

[...] Mädchen mit AGS benötigen gewöhnlich Operationen, um normal aussehende Genitalien wiederherzustellen. Jungen benötigen dies nicht.

AGS – CHIRURGISCHE BEHANDLUNG

Chirurgische Behandlung für Mädchen mit AGS

Mädchen mit AGS brauchen gewöhnlich Operationen, um die Klitoris auf Normalgrösse zu verkleinern, zur Trennung zusammengewachsener Schamlippen und zur Vergrösserung des Scheideneingangs. Der technische Name für diese Operation ist 'Klitorisreduktion und Vaginoplastie'. Es wird entweder einzeitig oder in zwei Schritten gemacht. Die Klitorisreduktion wird in den ersten Lebensmonaten vorgenommen. Die Vaginoplastie wird gewöhnlich zur selben Zeit gemacht wie die Klitorisreduktion [...]. ("Your Child with Congenital Adrenal Hyperplasia")

OPERATIONEN VON MÄDCHEN MIT AIS

Die Entfernung der Hoden

Die in der Bauchhöhle verbleibenden Hoden [...] neigen zu Krebsentwicklung. Dies tritt bei etwa 9% der Frauen mit AIS auf, doch selten vor der Pubertät. [Anmerkung: bei CAIS beträgt das Krebsrisiko laut Looijenga et. al. 0.8%-2%] Die meisten Experten sind jedoch der Meinung, dass das Krebsrisiko nach der Pubertät zu hoch ist und empfehlen daher die Entfernung der Hoden vor dem 20. Lebensjahr. [...] Die [...] Entfernung der Hoden in der frühen Kindheit [...] wird zum Teil gewählt, um das Krebsrisiko auszuschließen, weil es viele Eltern in Sorge versetzt. Eine andere Überlegung von Eltern und Ärzten ist, dass es für das Mädchen besser ist, nicht an der Entscheidung über die Entfernung der Hoden beteiligt zu werden. Die frühzeitige Entfernung der Hoden ist bei Kleinkindern mit PAIS (im Gegensatz zu CAIS), die als Mädchen erzogen werden, äußerst wichtig, weil die Hoden ansonsten eine fortschreitende männliche Entwicklung bewirken können. Bei diesen Mädchen bieten Ärzte den Eltern auch eine Operation zur Verkleinerung der Klitoris und zur Trennung der verwachsenen Schamlippen an.
("Komplette Androgenresistenz (CAIS)", S. 17; vgl. auch Anmerkung unten bei Quellenangabe betr. Übersetzung, Unterstützung und Propagierung dieser Aufforderung zum Genitalerstümmeln durch XY-Frauen/Intersexuelle Menschen e.V.)

Dieselben Anpreisungen von verstümmelnden Zwangseingriffen an Neugeborenen, wiederum inkl. einigen symbolischen "progressiveren" Einschüben, sowie unterlegt durch anekdotische "Beweise", propagiert Garry L. Warne auch in medizynischen Fachbüchern – unter mehrfacher Betonung der absoluten Verfügungsgewalt von Eltern und Medizynern über die Körper wehrlosen Kleinkinder:

Etwa 1 von 4000 Kindern wird mit uneindeutigen Genitalien geboren [...]. Dieses Ereignis erzeugt bei den Eltern furchtbare Ängste [...]

MEDIZINISCHE BEHANDLUNG

[...]

Psychologische Unterstützung für Eltern 

[...] Beide Eltern sollten zusammen psychologisch beraten werden. Sie werden dankbar sein zu hören, dass es andere Babies mit denselben Befunden gibt und dass es eine Anzahl wohlbekannter und behandelbarer medizinischer Befunde gibt, die dazu führen, dass Genitalien atypisch aussehen. [...] 

Geschlechtszuweisung

[...] Obwohl es vereinzelt Berichte über erfolgreiche psychosexuelle Ergebnisse gibt bei Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien gross geworden sind, besteht keine Klarheit über ihre Anzahl, und die Fallgeschichten sind schlecht dokumentiert, und der Berufsstand der Ärzte bleibt unüberzeugt, dass es vernünftig sei, einem Kind zuzumuten mit uneindeutigen Genitalien aufzuwachsen und für sich selbst eine Entscheidung zu treffend bezüglich Operationen, geschweige denn das Beste. Beobachtungen des Autors in Indien und Vietnam (unpubliziert) weisen darauf hin, dass die meisten Kinder, die mit uneindeutigen Genitalien aufwachsen, weil kein Zugang zu Operationen bestand, ein elendes Leben führen und täglich unter Diskriminierung und Beschimpfungen leiden. [...]

Es gibt objektive Gründe, warum Patienten, die heute operiert werden, bessere Resultate erwarten können als Patienten, die vor 20-30 Jahren behandelt wurden. Klitorisoperationen haben sich mit Sicherheit verbessert. [...]

Aus all diesen Gründen plädiert der Autor fürt die Fortführung der Praxis der frühen Operationen, speziell bei AGS-Mädchen im Hinblick auf die Fertilität. [...] Eltern haben das gesetzliche Recht, über Genitaloperationen [für ihre Kinder] zu entscheiden, wenn ihrer Meinung nach und nach der Meinung der verantwortlichen Ärzte die Vorteile einer Operation grösser sind als die Risiken [...]. ("Management of ambiguous genitalia at birth", S. 97, 100, 101)

Dies alles wohlbemerkt, obwohl sogar eine in Melbourne von Warne selber durchgeführte Vergleichsstudie über "psychologische, sexuelle, soziale Langzeitergebnisse" an 50 operierten "Intersex-Patienten" zum (wenig überraschenden) Resultat kam:

Bei der IS-Gruppe war die Wahrscheinlichkeit geringer zu einem Orgasmus zu kommen als bei der kombinierten Vergleichsgruppe (p<0.05), sie tendierte zu mehr Schmerzen während dem Verkehr (p=0.06), und sie hatte mehr Schwierigkeiten mit Penetration (p<0.01). [...] ("Intersex, East and West", S. 202)

Auch der wohl unheilbar selbstgerechte Verstümmler Warne kommt zwar mittlerweile nicht mehr darum herum, zumindest da und dort zu erwähnen, dass unter den "Patienten" die Meinung über das ihnen angetane Unrecht eine andere ist als unter den BehandlerInnen. Wenig überraschend kann Dr. Warne es dabei nicht lassen, diese über ihre Verstümmelungen wenig Erbauten als "Aktivisten" zu verunglimpfen und ihre Anliegen, Pardon: "Behauptungen", mutwillig zu verzerren und nach Möglichkeit lächerlich zu machen:

[...] einige Patienten-Interessegruppen und Kliniker stellen sich gegen frühe Operationen [...]. Die früheren Patienten, die sich gegen frühe Operationen stellen, tun dies, weil sie unglücklich sind mit den Ergebnissen im Anschluss an ihre eigenen Operationen. Einige sind unzufrieden mit dem Geschlecht, das ihnen als Kind zugewiesen wurde, und viele behaupten weiter, wenig oder keine Befriedigung von sexuellen Beziehungen zu erlangen. ("Management of ambiguous genitalia at birth", S. 101)

Die meisten Pädiater und Kinderchirurgen bevorzugen frühe Operationen, doch die meisten Aktivisten sind dagegen. Wir haben eine Pattsituation erreicht. ("Intersex, East and West", S. 202)

Quellenangaben:
• Garry Warne and Vijayalakshmi Bhatia: "Intersex, East and West", in: Sharon E. Sytsma (Ed.): "Intersex and Ethics", Springer 2006, S. 183-205
• G. L. Warne: "Your Child with Congenital Adrenal Hyperplasia [CAH]" >>> Online-Broschüre
• Garry L. Warne: "Komplette Androgenresisten (CAIS)", Elternbroschüre 1997 (Deutsche Übersetzung XY-Frauen, 2004) (>>> PDF, 1.1 MB  [Anmerkung: Die Selbsthilfegruppe XY-Frauen, Bestandteil von Intersexuelle Menschen e.V., die sich sonst beide insbesondere bei CAIS eigentlich stets gegen die in der Broschüre hemmungslos propagierten Kastrationen etc. aussprechen, bezog als offizielle Übersetzerin der Broschüre dazu bis heute nie entsprechend Stellung, sondern empfehlen sie im Gegenteil unverändert kritiklos inkl. Download-Angebot auf xy-frauen.de, sowie Intersexuelle Menschen e.V. auf ihrer Linkseite unter "Aufklärung" [!].]
• Gary L. Warne: "Management of ambiguous genitalia at birth", in: Adam H. Balen/Sarah M. Creighton/Melanie C. Davies/Jane MacDougall/Richard Stanhope (Ed.): "Paediatric and Adolescent Gynaecology. A Multidiscilipnary Approach", Cambridge University Press 2004, S. 97-103.

Meine 2 Cent: "Pattsituation" bei gleichzeitig unveränderten täglichen Genitalverstümmelungen und Gonadektomien durch ethisch gestörte Medizyner von Melbourne bis Lübeck, am Arsch! Sobald es um seine eigenen Genitalien und Gonaden ginge, hätte der saubere Dr. Warne wohl ziemlich schnell eine ziemlich andere Meinung – wetten?!

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein 2009)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday, May 15 2011

USA: Ethikpapier mit bahnbrechender Checkliste - Ansätze zu echten "multidisziplinären Teams" in Stanford und San Francisco

STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!Im Journal of Pediatric Endocrinology & Metabolism, 23, S. 789-806 (2010) erschien ein empfehlenswerter Aufsatz >>> "Genital Surgery for Disorders of Sex Development: Implementing a Shared Decision-Making Approach" (PDF, 289 KB), verfasst von der Bioethikerin Katrina Karkazis ("Fixing Sex", Accord Alliance), der Juristin Anne Tamar-Mattis (Advocates for Informed Choice AIC) und dem Bioethiker Alexander A. Kron ("The Role of Empirical Research in Bioethics").

Das Paper bringt wertvolle Einblicke für die Anforderungen und den Ablauf der Arbeit von echten "Multidisziplinären Teams" in Kinderkliniken (wovon wir nicht nur im deutschsprachigen Europa allen Medizyner-Lippenbekenntbnissen zum Trotz bekanntlich noch weit entfernt sind, sind doch hier bisher ausnahmslos alle "neuen Multidisziplinären Teams" letztlich nach wie vor das alte "interdisziplinäre Team (Pädiatr. Endokrinologe + Operateur)", sowie – wenns hoch kommt – allenfalls ergänzt durch eine Alibi-Teilzeit-PsychologIn und/oder -SozialpädagogIn).

Ab S. 11 als Anhang weiter enthalten: Eine bahnbrechende, ausführliche und belegte Checkliste (6 Seiten plus 1 Seite Fussnoten), die Punkt für Punkt durchgeht, worüber Eltern unbedingt informiert werden müssten, um (theoretisch) überhaupt eine echte informierte Zustimmung geben zu können.

Offensichtlich aus der Praxis entstanden, liest sich diese Liste gleichzeitig als (soweit mir bekannt) bisher kompletteste Aufstellung gängiger Medizyner-Lügen, -Ausreden, -Auslassungen und -Verdrehungen, wie sie auch deutschsprachige Eltern und Überlebende aus eigener Erfahrung nur zu gut kennen.

Prädikat: unbedingt lesen!!! Und den AutorInnen dafür ein herzliches Danke! 

Weiter erschienen diesen Frühling im >>> Stanford Medicine Magazine (Spring 2011) sowie im >>> San Francisco Chronicle v. 7.5.11 interessante (wenn auch z.T. auf Kosten von Menschenrechtsfragen unnötig Gender-fixierte) englischsprachige Artikel über Ansätze zu echten "Multidisziplinären Teams" in den dortigen Kliniken, unter Mitwirkung u.a. von bei ISNA Beteiligten Menschenrechtskämpfer_innen.

Trotzdem können diese positiven Tendenzen letztlich leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Stanford und San Francisco menschenrechtswidrige kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen a.k.a. Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken trotzdem weiterhin an der Tagesordnung stehen und auch sonst (nicht nur) in Amerika gewissenlose Genitalabschneider nach wie vor mit den üblichen faulen Ausreden Eltern und "Patient_innen" konstant belügen und nicht oder nur sehr selektiv aufklären.

Zu diesem Schluss kommt auch die Ethikerin Alice Dreger in ihrem lesenswerten aktuellen Aufsatz >>> "What's Changed in the Care of Children with Atypical Sex?"

Offensichtlich bleiben die MedizynerInnen nach wie vor uneinsichtig noch gegenüber elementarsten ethischen und menschenrechtlichen Anforderungen, sobald diese aus ihrer Sicht künftiges ungebremstes Weiterverstümmeln nur schon in Frage stellen könnten (wie z.B. auch die ReferentInnenliste des kommenden "3rd Symposium on Disorders of Sex Development" in der "EuroDSD-Zentrale des Bösen" zu Lübeck ebenfalls unterstreicht).

Deshalb werden die täglichen Genitalverstümmelungen auch in den hiesigen Kinderkliniken wohl erst dann aufhören, wenn sie (wie auch die weibliche Genitalverstümmelung) endlich gesetzlich verboten werden!

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein 2009)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Saturday, May 14 2011

Wie TransInterQueer (TrIQ) und die Antidiskriminierungsstelle (ADS) Zwitter und ihre Anliegen vereinnahmen und unsichtbar machen - Genitalverstümmelung: Diskriminierung oder Verbrechen? (II)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Genitalverstümmelung in Kinderkliniken - Diskriminierung oder Verbrechen? (I) 

Am selben Tag, an dem in Potsdam der von Zwischengeschlecht.org organisierte 1. Protest gegen den GenitalabschneiderInnenkongress "DGKJ 2010" über die Bühne ging, fand im nahen Berlin eine ganztägige Veranstaltung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) statt mit dem Titel "Gleiche Rechte! Gleiche Chancen? Herausforderungen effektiver Antidiskriminierungsarbeit". (Siehe den Kommentar von Nella im 1. Teil.)

In Berlin mit auf dem Programm: Ein Workshop Nr. 6 (PDF 2,3 MB --> S. 34, S. 20-21) mit dem typischen Titel "Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen", geleitet von Jannik Franzen, TransInterQueer e.V. (TriQ), Berlin, und unter Beteiligung von Lucie Veith von Intersexuelle Menschen e.V. (IMeV).

Im unmittelbaren Vorfeld der ADS-Veranstaltung inkl. TRiQ-IMeV-Workshop Nr. 6 hatte dieser Blog kommentiert:

"Ob sich daraus eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zumindest bisher dienten solche Veranstaltungen hauptsächlich als Feigenblatt, wenn verantwortliche PolitikerInnen sich später öffentlich herauslügen wollen, eigentlich würden sie im Gegenteil ja etwas für die Menschenrechte der Zwitter tun."

Leider gibt es seither wenig Anlass, diese Einschätzung zu überarbeiten – im Gegenteil:

• Am 17.9.10 berichtete Lucie Veith im IMeV-Forum, 2 Vorstandsmitglieder von Intersexuelle Menschen e.V. hätten während der Veranstaltung u.a. "[a]m Rande [...] Gespräche geführt mit der Leiterin des Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Hier wurde eine Einlagung zu einer Unterredung durch die Behörde in Aussicht gestellt. Gespräche wurden weiter geführt [...] mit Vertretern TransQueerInter, Berlin [...]."  Weiter wurde seither nichts mehr bekannt. Auch von TrIQ und der ADS wurden seither keinerlei Aktivitäten zur konkreten Beendigung der täglichen Genitalverstümmelungen bekannt.

• Am 1.12.10 veröffentlichte die Antidiskriminierungsstelle eine Dokumentation der Veranstaltung (PDF 2,3 MB). Auf den S. 20-21 befindet sich ein Bericht über den Workshop 6. Darin werden in der Zusammenfassung des Beitrags von Konstanze Plett die Genitalverstümmelungen gerade ein einziges Mal kurz angetönt, wenn auch bezeichnenderweise strikt in der Vergangenheitsform:

"Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde dieser Verdrängungsprozess [der Intersexualität] noch verstärkt, als viele Betroffene im frühen Kindesalter umoperiert wurden, was eine erhebliche Gewalterfahrung war."

In Bezug auf die Gegenwart geht es dann – Überraschung! – wieder ausschliesslich um "die fehlende Respektierung im Personenstandsrecht", "Diskriminierung" in Bezug auf Verweigerung der Eintragung des "chromosomalen Geschlechts" in "Papiere" und "Dokumente", wobei von den Behörden oft "auf das Transsexuellengesetz verwiesen" würde:

"Hier zeige sich einmal mehr die Unwissenheit der Behörden über die Unterschiede zwischen Trans* und Intersexualität, betonte die Wissenschaftlerin."

Was die vorliegnde Dokumentation dann – Überraschung! – in Bezug auf die Tagung gleich selber bestätigt: In typischer VereinnahmerInnen-Manier werden auf S. 21 am Schluss des "Trans*, Inter*"-usw.-Workshop-Berichts in einer Anmerkung Zwitter einmal mehr zur blossen Untergruppe von "Trans*" (weg-)erklärt:

"Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes verwendet die Bezeichnung Trans*Personen als Sammelbegriff für die vielfältigen Erscheinungs- und Ausdrucksformen geschlechtlicher Identität, die Menschen jenseits der Matrix zweigeschlechtlicher Heteronormativität leben. Darunter fallen bspw. Transgender, Transsexuelle, Dragqueens und -kings, Cross-Dresser sowie transidente und queer lebende Personen, aber auch intersexuelle Menschen."

Dass die meisten Zwitter erstmal keine Probleme mit "geschlechtlicher Identität" oder mit "Heteronormativität" haben, sondern mit den heute noch andauernen täglichen Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken und deren massiven Folgen, unterschlagen die VereinnahmerInnen einmal mehr.

Wem der Schwarze Peter für diese plumpe Vereinnahmung letztlich gebührt, bleibt bezeichnenderweise undeklariert:

Betreffend der Verantwortung für die einzelnen Workshop-Berichte heisst einerseits es am Schluss der Dokumentation auf S. 54 in einem Disclaimer:

"Der Inhalt des Dokuments wird vollständig von den Autor_innen verantwortet und spiegelt nicht notwendigerweise die Position der ADS wider."

Wer genau nun eigentlich den Text und die vereinnahmende Anmerkung zum Workshop 6 verfasste, und ob dazu auch die Anmerkung im Namen der Antidiskriminierungsstelle gehört, wird nirgends konkret offengelegt. Im Inhaltsverzeichnis werden keine AutorInnen aufgeführt, zum Workshop 6 steht auf S. 3 lediglich:

"Leitung: Jannik Franzen, TransInterQueer e. V. Berlin"

Meine 2 Cent: Ob für diese Ungeheuerlichkeiten letztlich nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) verantwortlich zeichnet oder Trans"Inter"Queer (TrIQ) macht eh keinen wirklichen Unterschied – für beide wäre es nicht die erste Vereinnahmung, und wohl auch nicht die Letzte. Dass Intersexuelle Menschen e.V. unkritisch danebensteht und sich von den VereinnahmerInnen noch widerstandslos vor den Karren spannen lässt, dito.Gegen die Genitalabschneider in den Kinderkliniken haben sie alle bisher noch nichts konkret unternommen – wozu auch, ihre eigenen Lustorgane sind ja intakt ...

>>> Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Diskriminierung oder Verbrechen? (I) 

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen: Berliner Senat angeblich keine Erkenntnisse
- Zwitter-Vereinnahmung: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ...
- "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe": Ausser Vereinnahmung nix gewesen – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- ICESCR: Intersexuelle Menschen e.V. unterstützt Vereinnahmung
- IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ  
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung   

Wednesday, May 11 2011

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Medizynisches Verbrechen oder Diskriminierung im Bereich Gesundheit? (I)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!Nachfolgend Nellas Antwort, dokumentiert im Fragebogen "Diskriminierungen im Leben von intersexuellen Menschen" von Intersexuelle Menschen e.V. zur anonymisierten Weiterleitung zu Handen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

Anlass des Fragebogens war ein Workshop Nr. 6 der Antidiskriminierungsstelle (PDF 2,3 MB --> S. 34, S. 20-21) mit dem Titel "Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen", geleitet von Jannik Franzen, TransInterQueer e.V. (TriQ), Berlin. Dieser Workshop im Rahmen einer ganztägigen ADS-Veranstaltung "Gleiche Rechte! Gleiche Chancen? Herausforderungen effektiver Antidiskriminierungsarbeit" fand statt am 16.9.10 in Berlin (zufälligerweise am selben Tag wie der 1. Protest gegen den GenitalabschneiderInnenkongress "DGKJ 2101" in Potsdam).

Der IMeV-Fragebogen fragte nach verschiedenen anzugebenden "Bereichen", in denen sich Betroffene diskriminiert fühlen. Als einziger "Bereich" auf dem Bogen vorgedruckt war an erster Stelle "Diskriminierungen im Bereich Gesundheit / Gesundheitsdienste", den Nella allerdings ausliess. Stattdessen eröffnete sie einen eigenen:

Ich fühle mich diskriminiert / benachteiligt:

Bereich Vereinnahmung

Ich fühle mich diskriminiert von Gruppen und Personen, welche die an mir begangenen, schweren medizinischen Verbrechen wie Genitalverstümmelung und Kastration permanent verharmlosen und ausblenden, indem sie mir immer wieder einreden wollen, eigentlich leide ich gar nicht an den Folgen dieser Verbrechen, sondern "nur" unter Diskriminierung.

Genitalverstümmelungen sind keine Diskriminierungen, und schon gar nicht wegen "sexueller Identität" und "geschlechtlichem Ausdruck".

Diskriminierung ist, wenn man die Teilhabe an etwas nicht hat, wenn jemand anderes etwas bekommt, man selber aber unberechtigterweise nicht. Oder umgekehrt, wenn z.B. Polizisten immer dunkelhäutige Menschen herauspicken und schikanieren.

Wenn aber Menschen z.B. ausgeraubt, gefoltert, verstümmelt oder ermordet werden, so sind dies Verbrechen und nicht blosse Benachteiligungen.

Wenn eine Gruppe systematisch Opfer von Verbrechen wird, dann ist das Verfolgung und nicht Diskriminierung.

Wenn man Verfolgung und Diskriminierung in denselben Topf wirft, dann verharmlost man Verfolgung.

Wenn Personen und Gruppen die Genitalverstümmelungen und weitere schwere Verbrechen an Zwittern stets auf "Diskriminierung" reduzieren und/oder statt über Genitalverstümmelungen und andere medizinische Verbrechen immer nur über "Diskriminierungen" reden, so verharmlosen sie dadurch das mir angetane Leid, und diskriminieren mich und alle anderen Opfer.

(Es gibt tatsächlich Lebensbereiche, in denen Zwitter "nur" diskriminiert werden, z.B. im Sport und auf dem Arbeitsmarkt. Wer aber nur über diese Diskriminierungen redet und nicht über die Verstümmelungen, diskriminiert mich ebenfalls.)

Auch dieser Blog war bekanntlich seinerzeit eher skeptisch, ob Anlässe wie der vorliegende TrIQ-IMeV-Workshop Nr. 6 letztlich dazu geeignet sind, jemals "eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen [zu] entwickeln".

Da inzwischen einige Zeit verstrich und nunmehr auch ein offizieller Bericht der Antidiskriminierungsstelle zur Tagung vorliegt, mehr dazu in der Fortsetzung:

>>> Teil 2: Probe aufs Exempel 

Siehe auch:
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ...
- "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe": Ausser Vereinnahmung nix gewesen – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- ICESCR: Intersexuelle Menschen e.V. unterstützt Vereinnahmung (S. 13)
- IMeV-Schattenbericht CAT 2011: Häufigste Genitalverstümmelungen ausgeblendet
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ  
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung   

Tuesday, May 10 2011

SP Schweiz: Engagement gegen Genitalverstümmelungen im Kinderspital

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Stellungnahme von Zwischengeschlecht.org vom 10.05.2011

STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!Nach Differenzen um eine von Zwischengeschlecht.org initiierte Interpellation im Nationalrat betreffend der Finanzierung von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern durch die Invalidenversicherung IV kam es am 14.04.2011 zu einer positiv verlaufenen Aussprache mit den SP-Nationalrätinnen Jacqueline Fehr und Margret Kiener Nellen sowie mit dem SP-Parteisekretär Carsten Schmidt.

Daniela "Nella" Truffer als Präsidentin von Zwischengeschlecht.org und Seelenlos als Kampagnenverantwortlicher legten dar, inwiefern aus ihrer Sicht die politische Zusammenarbeit für die schnellstmögliche Beendigung der Genitalverstümmelungen in den Kinderspitälern nicht gut funktioniert hat. Sie formulierten als Wunsch der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org an die SP Schweiz:

[...] dass sie unser Anliegen der schnellstmöglichen Beendigung der Verstümmelungen auf den richtigen Ebenen/in den adäquaten Ressorts politisch wirksam angeht und mit einbezieht, nämlich:

- Menschenrechte (insbesondere Recht auf körperliche Unversehrtheit)

- Kinderrechte (insbesondere Schutz vor grausamer Behandlung/Verstümmelung/Folter)

- Verbot von Genitalverstümmelungen auch in den Kinderspitälern

- Wirksame Massnahmen gegen unkontrollierte medizinische Humanexperimente

(Und NICHT unter Rubriken/Diskursen wie "Sexualität", "sexuelle Orientierung", "Geschlechtsidentität", inkl. austauschbarem Gebrauch von "Intersexualität" in einer Reihe mit Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität usw.)

Entsprechender Einbezug in aktuelle politische Debatten, z.B.:

- Verbot der (weiblichen) Genitalverstümmelung

- Humanforschungsgesetz / Regulierung systematischer experimenteller "Heilversuche"

Die SP-VertreterInnen bedauern, dass die SP-"Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität", welche innerhalb der SP Schweiz bisher für das Dossier "Intersexualität" zuständig war, bei der inhaltlichen Aufarbeitung des Themenfeldes und der Vorbereitung des politischen Vorstosses ausgerechnet Zwischengeschlecht.org nie konsultierte. Die vorliegende Interpellation sei jedoch nicht böswillig erfolgt, auch nicht die Aktivitäten der SP-"Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität". Die Tonalität der Kritik auf dem Weblog Zwischengeschlecht.info sei deshalb als störend empfunden worden.

Parteisekretär Carsten Schmidt schlug vor, "Intersexualität" bei der "Fachkommission sexuelle Orientierung und Identität" herauszunehmen und künftig bei Menschenrechten sowie Gesundheitspolitik unterzubringen. Jacqueline Fehr sicherte weiter zu, nach erfolgter Antwort des Bundesrates in Absprache mit Zwischengeschlecht.org umgehend weitere politische Schritte zu veranlassen.

Zwischengeschlecht.org ist sehr erfreut und erleichtert über diese konstruktive Lösung.

Der Weblog Zwischengeschlecht.info nimmt den pauschalen Vorwurf der Vereinnahmung per sofort zurück, der entsprechende Blogpost und die Titel der dazugehörigen Pages wurden entsprechend überarbeitet.

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Schweiz: Invalidenversicherung (IV) bezahlt Genitalverstümmelungen
- Kosmetische Genitaloperationen auf der IV-"Liste der Geburtsgebrechen"   

Saturday, May 7 2011

"EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) in Kinderkliniken "letztendlich der übliche Weg - den Eltern zuliebe"

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Prof. Dr. Olaf Hiort war Chef des BMBF-finanzierten "Netzwerk Intersexualität/DSD", unter Kritiker_innen u.a. bekannt dafür, wie es Betroffenenverbände jahrelang erfolgreich an der Nase herumführte und fortlaufend die "Lübecker Studie" frisiert. Nachdem die BMBF-Gelder inzwischen versiegten, ist Prof. Dr. Hiort mittlerweile Chef des nicht minder berüchtigten, EU-finanzierten "EuroDSD Consortium", das in Kürze in seinem Lübecker Hauptquartier das "3rd EuroDSD Symposium" ausrichtet.

Zwischendurch fungiert Prof. Olaf Hiort auch immer wieder in Öffentlichkeit und Medien als Aushängeschild der Genitalabschneiderzunft (der sich obendrein auch nicht zu schade ist, kritische Überlebende als ewiggestrige Radaumacher_innen zu diffamieren). So auch unlängst wieder mal auf Arte, wo er "in bester Schwöbel-Manier" unverdossen einmal mehr Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern propagierte:

Netzwerk DSD/Intersexualität und EuroDSD-Chef Prof. Dr. Olaf Hiort

SprecherIn: Die Frage bleibt: Wenn nur selten eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, warum werden Kinder überhaupt operiert?

Olaf Hiort: Die wenigsten Eltern können tatsächlich aushalten, dass man ihrem Kind kein Geschlecht zuweist. Denn das ist in unserer Gesellschaft letztendlich der übliche Weg, dass man Junge oder Mädchen ist. In Deutschland leben wir in einer relativ offenen Gesellschaft, vielfach laufen die Kinder zum Beispiel nackt am Strand herum. Und vielfach fühlen sich die Eltern, weniger die Kinder, doch ein wenig zurückgesetzt dadurch, wenn sie häufig angesprochen werden, dass das Genitale des Kindes auffällig aussieht. Und dann fragen Eltern schon danach, ob chirurgische Massnahmen ergriffen werden müssen. Wie sich jemand später in seinem Geschlecht fühlen wird, ist im allgemeinen schwierig vorherzusagen, das muss man einfach gestehen.

Weiterer Kommentar überflüssig ...

>>> Olaf Hiort: "Genitalverstümmelungen durchaus im Interesse der Betroffenen"
>>> Olaf Hiort: "Erwachsene Betroffene haben kein Recht zu kritisieren"
>>> Olaf Hiort: "Keine Qualitätskontrollen bei Genitalverstümmelungen"
>>> Olaf Hiort: "Intersexuelle nur Bruchteil aller Genitalverstümmelten"

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday, May 2 2011

Ethikrat: Betroffenenbefragung "Intersexuelle" in Deutschland

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Newsletter Zwischengeschlecht.org vom 29.4.11

>>> Befragung verlängert bis 19.6.
>>> Nachträge 3.5.11 und 4.5.11

 

 

Der Ethikrat führt aktuell eine Befragung von in Deutschland lebenden "Intersexuellen" durch. Das Ausfüllen des Fragebogens ist sowohl online möglich wie auch per Brief.

Zwischengeschlecht.org fordert ALLE von kosmetischen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken Betroffenen oder davon Bedrohten auf, an der Umfrage teilzunehmen.

Und sich dabei insbesondere und ausdrücklich für die Forderung nach schnellstmöglicher Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen u.a. durch ein gesetzliches Verbot einzusetzen, die im Fragebogen leider ziemlich an den Rand gedrängt wurde.

Damit die täglichen Verstümmelungen in den Kinderkliniken endlich aufhören – und zwar ALLE und nicht nur bei ausgewählten "Intersex"-Diagnosen!

>>> Link zum Online-Fragebogen

Der Ethikrat führt zudem am 8. Juni eine öffentliche ExpertInnenanhörung durch, mehr Infos dazu im Newsletter vom 29.4.

Nachtrag 3.5.11: Der Ethikrat hat inzwischen auf seiner Homepage das "mehrstufige Diskurs-Verfahren Intersexualität" >>> offiziell angekündigt. Entgegen dem Rückzieher nach dem letztjährigen Ethikforum "vorerst kein Handlungsbedarf" erarbeite der Ethikrat inzwischen "im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme zur Situation von Menschen mit Intersexualität in Deutschland". Ziel u.a. der Betroffenenbefragung sei es, "eine solide empirische Basis für seine Stellungnahme schaffen".

Wie durch die "anonyme" Befragung, an der sich offenbar jedeR als Zwitter ausgeben und irgend etwas angeben kann, "eine solide empirische Basis" gewährleistet werden soll, wird sich zeigen. Ebenso, ob bereits vorhandene empirische Erkenntnisse z.B. aus den BMBF-Studien (die von den Medizynern selber bekanntlich seit längerem frisiert werden) vollumfänglich oder nur selektiv einfliessen. Sowie, welche "ExpertInnen" an der kommenden Anhörung zum Zuge kommen werden ...

Nachtrag 4.5.11: Von OII Deutschland (Internationalen Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen IVIM) gibt es eine >>> kritische Stellungnahme zur Umfrage. Von Intersexuelle Menschen e.V. wurde verlautet, der Verein stünde schon sehr lange in gutem Kontakt mit dem Ethikrat und hätte bei der Entwicklung des Fragebogens mitgewirkt.

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday, May 1 2011

Video vom friedlichen Protest vor dem Ostschweizer Kinderspital SG

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Infoseite zum Protest   >>> Pressemitteilung 2.2.11    >>> Der Offene Brief

Witziger Clip von M. Biolley von der >>> Demo vor dem Kispi St. Gallen. Danke! 
Zum abspielen hier oder ins Bild klicken.

Für alle des Schwyzerdütschen nicht Mächtigen untenstehend ein germanisiertes Transkript der Statements von Daniela "Nella" Truffer und yours truly, sowie der Beschwerde von OKS-Oberärztin Dr. Marx-Berger.

Continue reading...

Monday, April 25 2011

Tatort über intersexuelle Tennisspielerin in Produktion

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Laut einem >>> Artikel in der Esslinger Zeitung dreht sich eine aktuell in Produktion befindliche Münsteraner Tatort-Folge um die "junge[...] Profi-Tennisspielerin Nadine, deren Eltern erpresst werden, weil ihre Tochter intersexuell sein soll" – offensichtlich in Anlehnung an die reale Geschichte der zwischengeschlechtlich geborenen Tennisspielerin Sarah Gronert, die verschiedentlich durch "menschenrechtsverletzende Gerüchte" (so der Westfälische Tennisverband im Juli 2008) öffentlich diffamiert wurde.

Wir sind gespannt ...

Aktuell befindet sich zudem in der Schweiz mit "Skalpell" wie berichtet eine weitere Tatort-Folge um "zwielichtige Kinderchirurgen" im Dreh, die für Leser_innen dieses Blogs möglicherweise interessant werden könnte ...

>>> Diskrimierung von Zwittern im Sport weltweit
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Zwielichtige Kinderchirurgen: "Ärzte bremsen «Tatort» aus" - SonntagsZeitung, 13.3.11
- Niedrig und Kuhnt "Nicht Fisch, nicht Fleisch" (11.12.09) vs. Law & Order: New York "Identität" (2005)

Friday, April 22 2011

"Geschlecht: uneindeutig!" - radio dreyeckland 21.4.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Gelungenes Interview von Konrad mit Daniela "Nella" Truffer von Zwischengeschlecht.org. Herzliches Dankeschön! Nella bringt wie gewohnt souverän Klartext über Genitalverstümmelungen und weitere massive Menschenrechtsverletzungen an wehrlosen Zwitterkindern in "unseren" Kinderkliniken und berichtet vom Kampf der internationalen Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org gegen diese menschenverachtenden Praktiken.

Das Interview kann jetzt auch >>> online nachgehört oder >>> mit Rechtsklick heruntergeladen werden.

Tuesday, April 19 2011

Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011": Bilder der 2. Mahnwache

>>> Lübeck 20.-22.5.11: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "3rd EuroDSD"

"Hier drin tagen GenitalverstümmlerInnen!" Eingang zur "DGE 2011", Hamburg 2.4.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

Bei Postkartenwetter bauten wir am Samstagmorgen die Transparente und Schilder auf zur mittlerweile 3. Friedlichen Protestaktion gegen das Genitalabschneider-Jahrestreffen der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" sowie der "Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)" (wobei letztere mit den Verstümmelungen angeblich nichts am Hut haben will, aber scheints wegen Kompetenzproblemen auch nicht konkret Stellung dazu beziehen könne). Unterstützt wurden wir erneut durch eine noch zahlreicher erschienene, lokale Soli-Delegation. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Konkreter Anlass für die heutige Mahnwache war der "DGE 2011"-Programmpunkt "Meet the Expert: Adrenogenitales Syndrom [CAH/AGS]". Dabei propagierte die "EuroDSD"-"Expertin" Dr. Nicole Reisch (Klinikum Universität München / School of Clinical & Experimental Medicine, Birmingham) dem Vernehmen nach erwartungsgemäss die üblichen medizinisch nicht notwendigen, chirurgischen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kleinkindern, getreu der von der DGE mitverantworteten AMWF-Verstümmlerleitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom"

"In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt."

Allerdings klappte das mit dem Anpreisen von Genitalverstümmelungen dann doch nicht ganz so ungestört, wie es Dr. Nicole Reisch und ihre GenitalabschneiderkomplizInnen wohl gern gehabt hätten ...

An der bewährten Zwitter-Flugblatt-Brigade kam nämlich auch diesmal keinE KongressbesucherIn unbehelligt vorbei, weder auf dem Hin- noch später auf dem Nachhauseweg. Freundlich, aber bestimmt wurden sie allesamt einmal mehr auf das menschenrechtswidrige Treiben im Congress Centrum Hamburg aufmerksam gemacht. 

Da parallel zu den "Meet the Expert Sessions" auch noch diverse PatientInnenveranstaltungen auf dem Programm standen, gab es unter den BesucherInnen auch viele Nicht-MedizinerInnen, die wie noch so viele andere MitbürgerInnen auch noch gar nicht wussten, was in den hiesigen Kinderkliniken vor sich geht.

Die Flugblätter (>>> Download PDF, 168KB) gingen weg wie warme Semmeln, zwischendurch mussten wir gar zusätzliche 150 nachdrucken.

Auch ergaben sich beim Verteilen zahlreiche interessante und positive Gespräche mit BesucherInnen. Viele reagierten betroffen und empört über die Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre, solidarisierten sich und kündigten gar an, von sich selber für weitere Aufklärung über diese Praktiken zu sorgen.

Erneut taten auch an den Verstümmelungen nicht direkt mitbeteiligte MedizinerInnen ebenfalls ihre Unterstützung für unser Anliegen kund.

Diejenigen der TäterInnen selber, die sich überhaupt auf Gespräche einliessen, sagten auffällig oft dasselbe, bevor sie rasch weitereilten:

"Wir machen es uns bestimmt nicht leicht!"

Nun ja, für die Verstümmelten, die später ein Leben lang an den Folgen leiden, bestimmt beruhigend zu wissen ...

Mal abgesehen davon, dass "Unbedingt zwangsoperieren, so schnell wie möglich, zack-zack!", wie es nicht nur die DGE-Verstümmlerleitlinie 027/047 nach wie vor propagiert, auch nicht gerade besonders differenziert und wohlabwägend daherkommt.

Dass die "herausforderungssüchtigen" GenitalabschneiderInnen auch schlicht endlich damit aufhören könnten, täglich weitere wehrlose Kleinkinder irreversibel zu verstümmeln, ist ihnen wohl definitiv zu unkompliziert. Wo sich doch all die schönen Komplikationen (WARNUNG!) für sie selber und ihre Brötchengeber offensichtlich bestens rentieren ...

Vielsagend auch folgende Kommentare eines offensichtlich selber an den Verstümmelungen beteiligten Kongressteilnehmers:

"Kommt ihr auch nach Lübeck ['3rd EuroDSD Symposium' 20.-22.5.]?"

"Ein Verbot wäre auch keine Lösung!" 

Gekrönt vom anscheinend obligaten letzten Schluss aller offensichtlich Unverbesserlichen:

"Dann gehen die Eltern nämlich einfach ins Ausland!"

Meine 2 Cent: Immerhin scheint sich auch unter den hartgesotteneren TäterInnen langsam herumzusprechen, dass sie sich künftig nicht mehr beliebig zu Städteausflügen treffen können, ohne dass jeweils Überlebende und solidarische Nicht-Betroffene draussen vor dem Eingang gegen ihr menschenverachtendes Treiben friedlich, aber unübersehbar protestieren – ob's den GenitalabschneiderInnen drinnen passt oder nicht. 

Sowie, dass ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen in den Kinderkliniken eine realistische, legitime und logische Forderung darstellt, die mehr und mehr ins Gespräch kommt und inzwischen nicht mehr länger einfach als rein utopisch abgetan werden kann. 

Logisch sind mit einem Verbot der Verstümmelungen nicht automatisch alle weiteren Probleme gelöst, im Gegenteil: Danach können die eigentlichen Fragen nach einer menschenwürdigen psychosozialen Versorgung von Eltern und "Betroffenen" erst konsequent angegangen werden. 

Für das Problem der wenigen ebenfalls unverbesserlich menschenverachtenden Eltern lassen sich (wie übrigens auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung vorgesehen) kosmetische Genitaloperationen an Kindern zudem problemlos auch unter Strafe stellen, wenn die Tat selber im Ausland begangen bzw. veranlasst wurde – ebenso die dringend notwendige Aufhebung/Verlängerung der Verjährung.

Und nicht zuletzt, wie sich der betreffende Medizyner in Hamburg von einer Überlebenden sagen lassen musste:

"Erst, wenn die Forderung nach einem Verbot der Verstümmelungen unübersehbar im Raum steht, werden die Medizyner beginnen, ernsthaft mit den Betroffenen zu reden."

In diesem Sinne: Wir sehn uns, wo die Action ist!

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)
>>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.
>>> Chirurgische Arbeitsgemeinschaft geht auf Distanz (will sich aber nicht distanzieren)

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07 

Monday, April 18 2011

"Gestatten, Elisabeth Müller, Hermaphrodit" - Schenefelder Tageblatt, 18.4.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Gelungenes >>> Interview mit Elisabeth Müller + >>> redaktioneller Kommentar von Katy Krause in einer Hamburger Lokalzeitung.

Eli bringt einmal mehr Klartext:

[...] Äußerlich eine Frau, verbargen sich in der Leistengegend allerdings bei ihrer Geburt kaum sichtbare Hoden. Die wurden ihr im Alter von 24 Jahren auf Anraten eines Arztes entfernt.

Körperliches Martyrium

"Ein widerliches Pack", sagt Müller. Sie hasst Mediziner. Nachdem die funktionierenden Hoden wegen angeblich drohender Krebsgefahr entfernt wurden, begann für die Schenefelderin ein körperliches Martyrium. Die Operation und die anschließende Behandlung mit körperfremden weiblichen Hormonen machten sie krank. "Ich litt unter schweren Depressionen, Stoffwechselproblemen. Ich bekam Östrogene, das führt zu Osteoporose. Ich war chronisch krank." Nach der Kastration fällt sie in ein Loch. Aus ihrem Tief befreit sie sich selbst. Nach sieben Jahren setzt sie die Östrogene einfach ab und nimmt männliche Hormone. Körperlich geht es ihr besser. Seelisch nicht.

An Selbstmord denkt sie aber nie - anders als viele ihrer Leidensgenoss Innen. Warum? Das weiß sie nicht so genau. "Vielleicht, weil ich es durch mein eindeutiges Äußeres leichter hatte als andere Zwitter." Vielleicht, weil sie auch seit 16 Jahren einen Partner an ihrer Seite hat, der sie unterstützt. [...]

"Gott erschuf den Mann, die Frau und mich, und er hat mich so für gut befunden."

Zwar werden in Artikel und Kommentar auch Konsequenzen von öffentlichem Einstehen für "Menschenrechte auch für Zwitter" angesprochen – hier wohl aber nicht mit ganzem Klartext ...

Siehe auch:
- Interview mit Zwitter Elisabeth Müller - advaitaJournal 14
- "Ich wurde belogen und verstümmelt" - Hamburger Abendblatt 23.7.09 
- «Ich dachte, ich bin das einzige Monster der Welt» – news.de 12.8.09
- Zwischengeschlechtliche ehrten Milton Diamond - 30.1.08
- Alle Posts über Elisabeth Müller

Friday, April 15 2011

Caster Semenya ist Südafrikameisterin über 800 und 1500 Meter; IAAF: neue "Hyperandrogenismus"-Geschlechterregeln auf Mai; Claudia Wiesemann: "Sportverbände sind naiv"; Hida Viloria (OII) über die IOC-Geheimkonferenz (XXIX)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination! Mokgadi Caster Semenya ist doppelte Südafrikameisterin: Letzten Sonntag errang sie in Durban zunächst in brütender Mittagshitze den Titel über 800m mit 2:2.10, und siegte wenige Stunden später auch über 1500m (4:12.93), vgl. englische Berichte u.a. auf Sowetan und SA-Times.

Wie Semenya Reportern erzählte, war sie mit ihrer 800m-Zeit nicht ganz zufrieden (vor dem Rennen hatten sie und ihr Trainer Michael "Sponge" Seme verlauten lassen, sie strebe eine Zeit unter 2 Minuten an, was sie knapp verfehlte), jedoch erfreut über das Resultat über 1500m. Letzteres Rennen habe sie ursprünglich lediglichzur Unterstützung ihrer Teamkollegin Violet Raseboya mitgemacht, die dann mit einer persönlichen Bestzeit von 4:16,12 Dritte wurde, vgl. witness.co.za.

Gegenüber der Agentur Reuters gab Caster Semenya weiter bekannt, sie wolle sowohl in den kommenden Weltmeisterschaften Ende August in Daegu, Südkorea Korea wie auch an den Olympischen Spielen 2012 ebenfalls über beide Distanzen antreten.

Semenyas Manager Jukka Harkonen kündigte an, Caster werde u.a. am 28. Mai zur IAAF World Challenge in Dakar, Senegal antreten, sowie am 4. Juni am Prefontaine Classic Diamond League Meeting in Eugene, Oregon (USA). Ein weiterer Start 5 Tage später in Oslo an den Bislett Games sei noch in Verhandlung.

Zu einer unschönen Szene sei es zudem am Rande von Casters 1500m-Sieg gekommen, als die zweitplatzierte Lebogang Phalula (4:13.89) eine Tirade gegen die Siegerin vom Stapel liess, wobei sie versucht habe, diese über das Ansagemikrophon zu verbreiten, was nur durch Beistehende habe verhindert werden können. Auf Anraten ihres Anwaltes hält sich Lebogang Phalula mittlerweile öffentlich über den Vorfall bedeckt, was aber offenbar nicht verhinderte, dass nun der Südafrikanischen Athletikverband ASA deswegen ein Disziplinatverfahren gegen sie einleitete (vgl. Sowetan, Witness und Legalbrief).

IAAF: neue "Hyperandrogenismus"-Geschlechterregeln auf 1. Mai

Wie der Weltathletikverband IAAF in einer >>> Pressmitteilung (englisch) vom 12. April bekannt gab, will er als erster Weltverband die bereits vom Internationalen Olympischen Komitee IOC angekündigten, neuen "Geschlechtertests für Athletinnen mit Hyperandrogenismus" implementieren. Wie schon das IOC liess sich auch die IAAF über die Details nicht öffentlich aus. Laut einem >>> Zeit-Artikel soll die IAAF einen Grenzwert von "zehn Nanomol Testosteron pro Liter Blut anpeil[en]".

Wie in einem >>> Kommentar auf diesem Blog vermerkt, sind damit prinzipiell Athletinnen mit CAH/AGS schlechter gestellt, nach den bisherigen IAAF-Regeln (Stockholm Consensus) waren diese bisher unbeschränkt zugelassen. Wie auch bei den IOC-Ankündigungen besteht auch bei der IAAF weiterhin das Problem mangelnder Transparenz wegen undurchsichtigen Entscheiden hinter verschlossenen Türen und weiterhin fehlenden offiziellen Rekursmöglichkeiten.

Auch der IAAF nicht angesprochen wurden weiter bekannte Probleme im Zusammenhang mit Athletinnen mit Androgenresistenz, da "Wissenschaft und Medizin" dabei nach wie vor in 50% aller Fälle keine exakte Diagnose stellen können, es aber anzunehmen ist, dass IOC und IAAF eine ebensolche exakte Diagnose als Startbedingung voraussetzen werden.

Ebenso unangesprochen ist nach wie vor die ethisch, menschenrechtlich und juristisch höchst problematische, unreflektierte Zusammenarbeit der Sportverbände mit bekannten GenitalverstümmlerInnen und weiteren medizynischen VerbrecherInnen. Bezeichnenderweise kommt im Zeit-Artikel als lokaler "Experte" dann ausgerechnet der Leiter der Endokrinologie an der Berliner Charité zu Wort – eine altbekannte und ebenso notorische Genitalabschneiderklinik (nur der politisch verantwortliche Berliner Senat will wenig überraschend angeblich "keine Erkenntnisse über konkrete Fälle" haben, vgl. 16/14436).

Dass die von IOC undf IAAF angekündigte Regeln alles andere als klar sind (wie z.B. eine >>> dpa-Meldung in der Ärztezeitung behauptet), zeigt sich u.a. auch darin, dass der >>> englische Sportkolumnist John Goodbody meint, die neuen Regeln würden bedeuten, dass Caster Semenxa sich nun von neuem testen lassen müsse, um künftig zu Wettkämpfen zugelassen zu werden, was nach den neuen Reglen nicht mehr garantiert sei. 

Medizinethikerin Claudia Wiesemann: "Sportverbände sind naiv"

Nicht zu unrecht wurden die internationalen Sportverbände dann auch von der Göttinger Medizinethikerin Claudia Wiesemann in in der >>> Süddeutschen Zeitung als "noch sehr naiv" kritisiert: "Das IOC missachtet den Schutz der Sportlerinnen."

Leider argumentiert Claudia Wiesemann im Interview – wie schon in ihrer aktuellen Publikation "Is there a right not to know one’s sex? The ethics of ‘gender verification’ in women’s sports competition" (Journal of Medical Ethics, März 2011) – hauptsächlich in Bezug auf das Recht der Athletinnen auf Nichtwissen um eine mögliche biologische Zwischengeschlechtlichkeit, während gleichzeitig verstümmelnde medizynische Eingriffe und undurchsichtige Ausschlussverfahren kaum angesprochen werden.

Zwar mag das das "Recht auf Nichtwissen" ein tatsächliches und interessantes ethisches Problem darstellen. Angesichts der massiven Verletzungen des Rechts auf körperliche Unversehrtheit durch die Sportverbände und ihre Genitalabschneider-"ExpertInnen" mutet die Gewichtung bei Wiesemann zumindest streckenweise aber doch eher akademisch an. Schlimmer noch, im Journal of Medical Ethics zitiert sie Resultate der Hamburger Studie zur bekanntlich hohen Selbstmordgefährdung mehrheitlich genital zwangsoperierter Zwischengeschlechtlicher – lässt aber die Tatsache der Traumatisierung durch die Verstümmelungen kurzerhand aus und behauptet gar, das Trauma rühre einzig (!) von der "Verunsicherung [...] mit DSD diagnostiziert zu werden". Dies ist nicht nur grobfahrlässig und kompletter Unsinn, sondern arbeitet dazu noch direkt den VerstümmlerInnen in die Hände ...

Immerhin spricht Wiesemann aber im Interview die massiven Verletzungen der Persönlichkeitsrechte durch die Sportverbände konkret an.

Hida Viloria (OII) über die IOC-Geheimkonferenz

In einem >>> englischen Online-Artikel äusserte sich Hida Viloria (Organisation Intersex International OII), die vom IOC als "Vertreterin der Intersex-Community" zu einer von Geheimnistuerei umgebenen Konferenz um die neuen Regeln eingeladen worden war (dieser Blog berichtete), zum ersten Mal öffentlich über diese Verhandlungen.

Als medizynische Zwangsauflagen der Sportverbände sprach Hida Viloria im Artikel überraschenderweise ausschliesslich medikamentöse Eingriffe an und keine Operationen (wie z.B. Kastration/Gonadektomie etwa bei Sportlerinnen mit partieller Androgenresistenz), wobei nicht klar wird, ob letztere mittlerweile etwa von den Sportverbänden fallen gelassen wurde (was eine bemerkenswerte Neuigkeit wäre), oder ob diese Auslassung möglicherweise dem Blickwinkel von Hida Vilorias persönlichen Biographie geschuldet war.

Vergleichsweise grossen Platz nahmen dagegen Überlegungen ein über soziale Wahrnehmung von Geschlechtsunterschieden, "Beweise über die grosse Vielfalt von Männern und Frauen", "Akzeptanz" von Menschen "ausserhalb der Norm", usw. Sich selbst deklarierte Viloria im vorliegenden Artikel übrigens als "Intersex Frau": "Ich fühlte mich immer als Mädchen und passte auch ins entsprechende Bild, war sogar Cheerleaderin an der High School".

Hida Vilorias am IOC-Meeting vertretene Position [1] war laut dem Bericht die seinerzeit u.a. auch von Alice Dreger [2] und jüngst von Claudia Wiesemann [3] vertretene, nämlich: juristisch und sozial als Frauen lebende Athletinnen sollten alle ohne Auflagen teilnehmen können.

(Betreffend damit verbundenen Befürchtungen hiess es in ähnlichem Zusammenhang im Hermaphroditforum kürzlich trocken: "Die Gefahr, dass gewissenlose Eltern Kinder zu Rekordathleten heranzüchten wollen könnten, sehe ich auch.")

[1] Hida Viloria: "Letzten Oktober am IOC-Meeting zum Thema weibliche Athletinnen mit Hyperandrogenismus vertrat ich die Position, diese Frauen sollten teilnehmen dürfen ohne dazu Hormone nehmen zu müssen. Schliesslich waren sie während ihres ganzen Lebens Frauen, und keine Männer, und es stehen nur zwei Geschlechter zur Verfügung um an Wettkämpfen teilzunehmen." [meine Hervorhebungen] >>> englisches Original, 11.4.11
[2] Claudia Wiesemann: "Ich würde dafür plädieren, dass jeder Mensch, der im sozialen Geschlecht Frau aufgewachsen ist und legal als Frau gilt, auch bei Frauen starten darf."  [meine Hervorhebungen] Quelle: Interview Süddeutsche Zeitung, 16.4.11
[3] Alice Dreger: "Einige haben vorgeschlagen – und ich tendiere stark dazu dem zuzustimmen – dass "Geschlechtstests" wirklich nur "Gendertests" sein sollten: Wenn jemand wirklich als Frau aufwuchs, kann sie teilnehmen."
[meine Hervorhebungen] >>> englisches Original: "Sex Typing for Sport", Hastings Center Report March-April 2010 (PDF 187 KB) 

Wie schon Zwischengeschlecht.org (u.a. im Offenen Brief an das IOC) vertrat Viloria laut Artikel an der IOC-Konferenz weiter, wenn schon Geschlechtertests, so müssten alle Frauen denselben Tests unterzogen werden (statt wie bisher bloss "verdächtig Aussehende"/als solche Denunzierte), und weiter müssten entsprechende konkrete Regeln öffentlich bekannt gegeben werden (statt, dass – wie auch unter den "neuen Regeln" – letztlich Medizyner-Geheimkommissionen hinter verschlossenen Türen undurchsichtige "Fall-zu-Fall-Entscheide" nach eigenem Gutdünken treffen).

Sowie den anscheinend letztlich verwirklichten Vorschlag, dass die neuen Geschlechtstests im Rahmen der eh schon stattfindenden Dopingkontrollen durchgeführt werden sollen (wie seit geraumer Zweit bekanntlich auch die offiziell mit den seinerzeitigen obligatorischen Gentests abgeschaffte "Strip Show" vor MedizinerInnen, neu nun einfach während der Urinabgabe während der Dopinhkontrollen).

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> Zwitter im Sport: IOC, IAAF und FIFA leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Friday, April 8 2011

"Ehrung von Fritz Rehbein: Berufskrankheit Ehrfurcht" - taz, 7.4.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Gelungener >>> medizinkritischer Aktikel plus ebensolcher
>>> Kommentar von Benno Schirrmeister in der taz-Nord zum "Fritz-Rehbein-Jubel-Symposium" in Bremen dieses Wochenende, mit Erwähnung der seinerzeitigen Kritik auf diesem Blog an der unreflektierten Verherrlichung des ethisch herausgeforderten Bremer "Pioniers der Kinderchirurgie" (und ebenso an den ihn zelebrierenden GenitalabschneiderInnen aus Nah und Fern).

Weiter kritisiert der Artikel (wenn auch etwas verhalten) die bisher unwidersprochen gebliebene  Lüge des verantwortlichen Bremer Gesundheitsministers Hermann Schulte-Sasse (SPD), in Bremer Kinderkliniken würde angeblich schon seit 10 Jahren nicht mehr verstümmelt – während Bremer Kinderkliniken weiterhin jahrein jahraus Genitalverstümmelungen öffentlich anbieten.

Herausposaunt worden war diese altbekannte TäterInnenlüge in Bremen hochoffiziell und in aller Öffentlichkeit: in der Bremer Bürgerschaft – auch die taz-Nord selbst hatte die dreiste Schutzbehauptung seinerzeit unhinterfragt weiterkolportiert.

Hintergrund der TäterInnenlüge des SPD-Gesundheits-Staatsrats Schulte-Sasse war – Überraschung! – eine der praktisch täglichen politischen Vereinnahmungen von Zwittern, diesmal durch die Bremer Grünen, und wie üblich unter gleichzeitiger Ausklammerung der täglichen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern.

(Was dieser Blog seinerzeit bereits im Vorfeld des Bremer-Vereinnahmungsvorstosses konkret und inhaltlich kritisierte, wozu dem verantwortlichen grünen Vereinnahmer Björn Fecker aber bloss Ausreden und Vertröstungen einfielen ...)

Für beide Kritikpunkte an den taz-Autor Benno Schirrmeister ein herzliches Danke! Medizinkritische Solidarität wie vorliegend ist es, was wir brauchen im Kampf gegen die GenitalabschneiderInnen in Bremen und überall – KEINE politischen Vereinnahmungen, die noch den TäterInnen beim Vertuschen behilflich sind (vgl. auch Berliner Senat 16/14436)!

>>> Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde" 
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen 

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern sind KEIN "Nebenwiderspruch des Zweigeschlechtersystems"! (Von der Frauenbewegung lernen 2)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit 
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen 

Thursday, April 7 2011

frauTV: "Intersexualität: er, sie oder wie?" - HEUTE WDR 7.4.11 22h

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Halbstündiger Dokfilm von Julia Dittmann über einen fünfeinhalbjährigen unoperierten Zwitter, mit Wiederholung am Mo 11.4. 11:30 h, sowie demnächst auch online. Wir sind gespannt!

Wenn nach der >>> offiziellen Ankündigung gegangen werden kann, so kommt neben der Mutter des Zwitterkindes weiter Konstanze Plett zu Wort, zwar leider einiges vager als auch schon. Überhaupt werden in der Ankündigung die Verstümmelungen, denen heute noch 87% aller über vierjährigen Zwitterkinder ausgesetzt sind, kein einziges Mal vor. Was doch etwas bedenklich stimmt. Auch wenn es natürlich immer ein Grund zur Freude ist, wenn ein Zwitterkind unversehrt aufwachsen darf. Schaun wer mal ...

Wednesday, April 6 2011

IOC: neue Geschlechter-Regeln für Athletinnen mit "Hyperandrogenismus" auf 2012

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!In einer gestrigen >>> Pressmitteilung (englisch) vom 5.4.11 anlässlich eines Treffens der Geschäftsleitung in London "bekräftigte" das Internationale Olympische Kommittee IOC "die Notwendigkeit verbindliche Regeln aufzustellen betreffend der Teilahme weiblicher Athletinnen mit erhöhtem Androgenspiegel ['Hyperandrogenismus'] bis zur Sommerolympiade 2012". Weiter empfahl das IOC, auch die anderen internationalen Sportverbände sollen ähnliche Eigene Regeln aufstellen.

Als ersten Ausblick auf die im Detail noch zu bestimmenden Regeln gab das IOC bekannt:

"Juristisch als Frauen lebende Athletinnen sollen bei Frauenwettkämpfen teilnehmen können, sofern ihr Androgenspiegel unter dem von Männern liegt (gemessen anhand der Serumkonzentration von Testosteron), sowie, falls ihr Spiegel innerhalb der männlichen Bandbreite liegt, sofern eine Androgenresistenz vorliegt, so dass sie keine Wettbewerbsvorteile davon haben."

Zum ersten Mal überhaupt wurde in der IOC-Pressemitteilung ferner festgehalten, es sei "das individuelle Recht" von Athletinnen, medizynische Behandlungen zu "verweigern".

Als weitere Premiere wurden erste Details der "Geheimkonferenz" vom Oktober 2010 in Lausanne offiziell bekannt gegeben, z.B. die Teilnahme "eine_r Delegierten von Organisation Intersex International [OII]". Wie seinerzeit auf dem Hermaphroditforum inoffiziell verlautete, handle es sich dabei um Hida Viloria.

Gegenüber >>> BBC London (englisch) gab IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist weiter Auskunft, entgegen der bisherigen Praxis auch des Athletikweltverbandes IAAF sollen Anschuldigungen von Konkurretinnen künftig keine "Geschlechtsuntersuchungen" mehr "auslösen können", sondern lediglich "wenn eine Athletin während Dopingtests als mit männlichen Charakteristiken ausgestattet identifiziert wird" (anstelle der vielkritisierten früheren "Nacktparaden" vor Sportärzten werden die primären Geschlechtsmerkmale heutzutage "unauffällig" während der Abgabe der Urinproben kontrolliert), oder wenn "Dopingtests abnormal hohe Hormonwerte" ergäben, sowie, falls eine Athletin selbst um eine Abklärung ersuche.

Die IOC-Medizyner-Kommission wolle nun detaillierte Regeln ausarbeiten, die dann bis am nächsten Treffen der Geschäftsleitung vom 6.-9. Juli in Durban (Südafrika) abgesegnet werden sollen.

Kommentar: Fürs erste klingt das alles schon mal vernünftiger als z.B. die Aussagen von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist sowie der IOC-Genitalverstümmler-"ExpertIn" Maria I. New im Anschluss an das berüchtigte IOC-Medizyner-Symposium in Miami im Januar 2010.

Einmal mehr wird allerdings der Teufel im Detail stecken, beispielsweise in den konkreten Auslegungen/Limiten betreffend Androgenresistenz (die sich zudem aktuell nicht immer genau bestimmen lassen) – lauter Dinge, worüber sich die aktuelle Verlautbarung bezeichnenderweise ausschweigt. 

Stark negativ fällt weiter auf, dass zumindest laut der Verlautbarung auch keine transparenten Rekursmöglichkeiten vorgesehen sind, und die IOC-Medizyner bzw. "internationale Hyperandrogenismus-Experten" hinter verschlossenen Türen Ausschlüsse durchsetzen sollen.

Bis diese Fragen zufriedenstellend geklärt werden, bleiben die treuherzigen Beteuerungen von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist, wonach die "seltenen Fälle" intersexueller Teilnehmerinnen "mit Fairness gegenüber den Athletinnen wie gegenüber dem Sport behandelt" werden sollen, mit Vorsicht zu geniessen.

Dies umsomehr, als die von Ljungqvist gegenüber BBC erneut vorgebrachte Beteuerung, die neuen Regeln stünden nun aber bestimmt in gar "keinem Zusammenhang" mit dem IAAF-Debakel um Mokgadi Caster Semenya, auch durch stete Wiederholung weder fairer noch wahrer wird ...

Fortsetzung folgt ...

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> Zwitter im Sport: IOC, IAAF und FIFA leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

- page 37 of 68 -