Tuesday, June 1 2010

"Amnesty engagiert sich für Menschenrechte von Intersexuellen" - FAZ.net, 31.5.10

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Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Post von Oliver Tolmein auf Biopolitik über die Vorstösse von Amnesty Schweiz und Amnesty Deutschland zu Gunsten von "Menschenrechte auch für Zwitter!" – leider mit einem ziemlich kontraproduktiven Ausrutscher zum Schluss ... Schade, schade ...

>>> Der Artikel auf faz.net/biopolitik

"Theoretisch intersexuell" - Joke Janssen, 2006/2008

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Texte innerhalb der Gender- und Queer Studies, die sich selbstkritisch mit der Vereinnahmung von Zwittern durch die eigene Zunft beschäftigen, haben immer noch Seltenheitswert. Umso erfreulicher, auf ein weiteres Beispiel zu stossen!

Der vorliegende Text von Joke Janssen wurde publiziert im von der Hamburger AG Queerstudies herausgegebenen Sammelband "Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen" (Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009). Der vollständige Titel des Beitrags lautet "Theoretisch intersexuell. Wie intersexuelle Menschen zwischen den Zeilen bleiben." (S. 165-184).

>>> Ältere Fassung von 2006 als PDF im InterArchiv

Der Artikel greift die Kritik auf, dass Gender- und Queer Studies Zwitter zwar gerne behandeln, jedoch meist nur als Mittel zum eigenen Zweck, d.h. Dekonstruktion von Geschlecht bzw. Kritik am Zweigeschlechtersystem, jedoch ohne angemessene Berücksichtigung der Lebensrealitäten und Kämpfe der meist zwangsoperierten Zwitter selber, geschweige denn ohne je praktisch einen solidarischen Beitrag zum Kampf der Zwitter gegen die Zwangsoperateure zu leisten (obwohl diese Verbrecher meist in genau denselben akademischen Intstitutionen "tätig" sind wie die ach so "kritischen" Gender-WissenschaftlerInnen selber).

Joke Jansen greift dabei auf drei exemplarische, (selbst)kritische Texte zurück, die in diesem Blog schon öfters gewürdigt wurden:

  • Antke Engel: "Eene meene meck, und du bist weck." (Hamburger Frauenzeitung, 1997)
  • Emi Koyama / Lisa Weasel:
 "Von der sozialen Konstruktion zu sozialer Gerechtigkeit. Wie wir unsere Lehre zu Intersex verändern." (2002, auf Deutsch in: Die Philosophin, 2003)
  • Gabriele Dietze: "The Cutting Edge of Gender Studies. Die Geburt der Kategorie Gender aus dem Geist des Skalpells" 
a.k.a "Schnittpunkte. Gender Studies und Hermaphroditismus" 
(In: Dietze / Hark (Hg.): "Gender kontrovers, 2006)

Joke Janssen untersucht in der erweiterten Buchfassung dann 4 Texte, denen innerhalb der Gender Studies "sehr viel Bedeutung beigemessen wird" (S. 166) darauf, inwiefern sie die in den obigen Texten angeführten Kritikpunkte berücksichtigen oder nicht. Dabei handelt es sich um:

  • Michel Foucault: "Das wahre Geschlecht" (die Einleitung zu den Tagebüchern von Herculine Barbin, auf Deutsch 1998)
  • Judith Butler: "Foucault, Herculine und die Politik der sexuellen Diskontinuität" [In: "Das Unbehagen der Geschlechter" S. 142-165, auf Deutsch 1991]
  • Anne Fausto-Sterling: "The Five Sexes" (1993)
  • Gabriele Dietze: "Allegorien der Heterosexualität. Intersexualität und Zweigeschlechtlichkeit – eine Herausforderung an die Kategorie Gender?" (2003)

Einleitend wird in einem Überblick zunächst konstatiert, dass der den meisten Zwitter-Aktivist_innen (im Gegensatz zu VertreterInnen von Queer- und Gender Studies) in erster Linie um "ethische Fragen nach dem Recht auf körperliche Unversehrtheit" (S. 169) geht, sowie in der Buchfassung, dass sich die Zwitterbewegung vielfach ausdrücklich "entgegen queeren Lebens- und Identitätsentwürfen [positioniert]" (S. 170).

Folgerichtig (und wenig überraschend) kommt Joke Janssen in der weiteren Analyse zum Schluss, dass alle 4 untersuchten Texte Intersexuelle selbst bzw. ihre eigenen Zeugnisse und Geschichten weitgehend ausser Acht lassen, sondern dass vielmehr die altbekannte "Instrumentalisierung von Intersexuellen im Text" (S. 171) die Regel ist, wobei sich lediglich "das ‹Schreckensbild› sexueller ‹Transgressionen› [...] hier zu einer romantischen Vorstellung von Geschlechtergrenzgänger_Innen [verschiebt]" (S. 171).

Ebenso werden Zwitter einer "Mystifizierung" als "[r]ätselhafte Gestalten" (S. 172) unterworfen: "Auf diese Weise wird das alltägliche Leben intersexueller Menschen verklärt und / oder erotisiert." (S. 173). Generell sei "hegemoniales Schreiben" (S. 174) über Intersexuelle als "Andere" vorherrschend. "Intersexualität wird zum «Qualifizierungsobjekt» der Geschelchterforschung, [wird] entkörpert und [...] [dient] als Metakritik der Zweigeschlechtlichkeit" (S. 178).

Kritisert wird weiter der Gebrauch der "Fallgeschichte John/Joan" als "Platzhalter" der Geschlechterforschung (S. 176), bzw. die "unproduktive Fokussierung" der Genderstudies auf diesen einzelnen Fall unter Auslassung der täglichen Genitalvesrtümmelungen an Zwittern (im Gegensatz zum "«biologisch männlichen»" David Reimer a.k.a. "John"), wofür möglicherweise "hegemoniale sexistische Vorannahmen" verantwortlich seien (S. 177).

(Leider unterlässt es der Artikel, gleichzeitig festzuhalten, dass dieses infame, tragisch verlaufene "Zwillingsexperiment" von John Money, das von diesem als "Beweis" für die Zwangsbehandlungen an Zwittern verbraten wurde, und das er auch nie zurücknahm und das von der akademischen Gemeinschaft bisher auch noch nie angemessen kritisiert wurde als das, was es letztlich ist, nämlich ein krasses Menschenrechtsverbrechen, und dass dieses Verbrechen als solches aus einer Menschenrechtsperspektive solange weiter angeführt und kritisiert werden muss, bis endlich die Gerechtigkeit siegt, soweit das überhaupt noch möglich ist – auch wenn einige "GenderwissenschaftlerInnen" es stattdessen lieber gleich ganz unter dem Tisch haben, oder gar noch – wie schon John Money selber – gleich noch anderen die Verantwortung für den Tod von David Reimer in die Schuhe schieben möchten.)

Abschliessend hält Joke Janssen in der erweiterten Buchfassung von 2008 fest (S. 179-181):

Bei Intersexualität geht es um Körper, denen die Chance auf eine Zukunft abgesprochen wird, insofern haben Theoretiker_Innen, die Intersexualität in ihre Texte einbeziehen, eine Verantwortung gegenüber dem, was sie be / schreiben. Den Text von der Körperlichkeit zu befreien, bedeutet ein unverantwortliches Verhandeln dessen, was die Theorie untermauern soll. [...] Dieser Akt der Aneignung des Anderen [durch Objektivierung über das Absprechen von Individualität] und das damit verbundene Versagen von Selbstbestimmung wurde schon ausführlich von Kritiker_Innen eines weißen hegemonialen Feminismus und seinen Rassismen [...] beschrieben [...]

Die politischen Forderungen nach körperlicher Selbstbestimmung einer breit angelegten Medizinkritik oder einer Kritik der Zweigeschlechtlichkeit, welche die Individuen nicht aus dem Fokus verliert, finden sich ich den von mir gewählten gendertheoretischen Texten nicht wieder. Im Gegenteil lässt sich durchaus sagen, dass Intersexualität nur als abstrakt bleibende Widerlegung des Prinzips Zweigeschlechtlichkeit Eingang in die von mir kritisierten Texte findet. [...]

Eine theoretische Behandlung von Intersexualität, welche die Forderungen von Aktivist_innen nicht mitdenkt, schafft eine textuelle Wirklichkeit, in der eine «Gruppe» eine andere repräsentieren kann und Individuen bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um an Diskursen teilnehmen zu können. [...] Eine Instrumentalisierung von Intersexualität, wie ich sie oben dargestellt habe, kann deshalb hinterfragt und vermieden werden

Soweit die Theorie. Dafür schon mal ein fettes Dankeschön!

Der nächste logische Schritt wäre nun eine aktive und tatkräftige Solidarisierung mit den Zwittern in ihrem Kampf um die schnellstmögliche Beendigung der genitalen Zwangsoperationen und sonstigen uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen. Damit sieht's allerdings leider aktuell nicht nur an der Uni Hamburg bisher nach wie vor erstmal düster aus ...

>>> Ältere Fassung des Texts von Joke Janssen von 2006 als PDF im InterArchiv

Siehe auch:
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Wednesday, May 26 2010

Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit

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Nach der sensationellen, einstimmig verabschiedeten Motion der Schweizer Sektion vom 25.4. hat die Sektion Deutschland an ihrer Jahresversammlung 2010 ebenfalls einen historischen Beschluss gefasst, wonach auch sie sich bei der Dachorganisation Amnesty International zu Gunsten einer offiziellen Position betreffend der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern einsetzen wird.

Dafür allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön!

Im Gegensatz zur Schweiz sind die Beschlüsse der Deutschen Sektion nicht öffentlich. Auf Anfrage hin hat MERSI-Hamburg nun aber eine >>> offizielle Mitteilung veröffentlicht, die u.a. festhält:

Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben.

Da der Deutsche Entwurf des Beschlusses explizit die oben erwähnten, zentralen Forderungen nach "Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!" enthielt, ging er als solcher sogar noch deutlich weiter als die CH-Version.

(Bei letzterer war dagegen die Begründung etwas weitgehender und detaillierter, sprach sie doch zusätzlich konkret die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung an – wozu auch in der Schweiz aktuell ein Gesetzesentwurf ansteht, bei dem u.a. Amnesty Schweiz offiziell bedauerte, dass darin, wie auch in Deutschland, die Genitalverstümmelungen an Zwittern nicht ebenfalls angesprochen wurden –, sowie die Diskriminierung intersexueller Sportlerinnen durch Athletikverbände, und nicht zuletzt auch die Problematik, dass eine Einordnung der an Zwittern begangenen Menschenrechtsverletzungen z.B. unter die Rubrik "Sexuelle Identität" dazu führen kann, dass "oft verkannt [wird], dass Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen in erster Linie genitale Zwangsoperationen bedeuten und weniger Gender- und Identitätsfragen.")

Auch wenn es wohl noch einige Zeit und Lobbyarbeit braucht, bis Amnesty International endlich eine offizielle Position gegen die Menschenrechtsverletzungen an Zwittern verabschieden wird, ist dieser erneute Beschluss ein weiterer wichtiger Schritt dazu!

Siehe auch:
- Terre des Femmes: Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen genitale Zwangsoperationen
- Kosmetische Genitaloperationen an Zwitterkindern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- Amnesty Schweiz: Historischer Entscheid für "Menschenrechte auch für Zwitter!" 
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10 

Tuesday, May 25 2010

"Ettlich Sind Bederlay Geslechts" - Ausstellung von Ins Kromminga in Bremen

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Kann ein Zwitter Sünde sein?

Ins A. Kromminga stellt aus in der Galerie Herold in Bremen (noch bis am 30.5.).

>>> offizielle Ankündigung

Eine >>> Besprechung in der taz kommentiert wohlwollend, wie wenig aktionistisch die Ausstellung daherkomme. (Als Kontrast hierzu ein >>> englischsprachiger Artikel anlässlich einer Ausstellung vom letzten Jahr in Delhi.)

Auf Ins' neuer Homepage >>> Abject.de hat's zudem eine >>> Galerie mit aktuellen Werken.

Meine 2 Cent: Dass auch Künstler_innen leben müssen, leuchtet ein. Persönlich find ich's trotzdem zuallermindest diskussionswürdig, wie Ins bei der aktuellen Ausstellung primär "Mythologisches" in den Vordergrund stellt, zumal scheinbar unreflektiert und in einer Form, die zumindest mich fatal an seinerzeitige (Fake-)Zwitter erinnert, wie sie einst als sogenannte >>> "Half-and-Half" bei jeder gut sortierten Freakshow dazugehörten:

  
Links ein zeitgenössisches Sideshow-Beispiel,
rechts das titelgebende Bild der Ausstellung © Ins Kromminga.
(zum Vergrössern jeweils reinklicken)

Denn bekanntlich kann Ins Kromminga auch anders:

"PRADER™: Genital Fashion* since 1957.
*Fashion, Design, experimental, cosmetic plastic surgery."

© Ins Kromminga 2009

(Andrea Prader hiess der schweizer Endokrinologe, der 1950 bei John Moneys Einflüsterer Lawson Wilkins im berüchtigten Johns Hopkins Hospital lernte und 1957 eine Habilitation zum Thema verfasste; von ihm stammt die berühmt-berüchtigte "Prader-Skala".)

Sunday, May 23 2010

Onlinepetition medizinische Versorgung für Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung auf Kasse

Nicht nur Zwitter sind damit konfrontiert, dass Krankenkassen sich rundheraus weigern, für die Folgen von Genitalverstümmelungen aufzukommen, z.B. für adäquate Ersatzhormone nach Zwangskastrationen, psychologische Behandlungen wegen der Traumatisierungen, oder dass sie versuchen, Zwitter, die mit ihrer Zwangszuweisung nicht zufrieden sind, in eine Transsexuellenlaufbahn zu zwingen um die Verstümmelungen nicht als Fehlbehandlung anerkennen zu müssen.

Auch bei Betroffenen von weiblicher Genitalverstümmelung wollen die Kassen oft nicht für Behandlungen aufkommen. Hier mit der Ausrede, es gäbe im ICD-Behandlungsschlüssel nunmal keine entsprechende Diagnose.

Terre des Femmes und das Familienplanungszentrum Balance haben deshalb eine Petition an den Bundesgesundheitsminister gestartet, um hier für Abhilfe zu sorgen.

>>> Die Petition kann auch online unterschrieben werden! Danke!

Saturday, May 22 2010

Zwitter @ Lesbenfrühlingstreffen 2010 - Workshop mit Diana Hartmann

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Gestern war sie zu Gast in der Sendung Nachtcafé (neu:
>>>
Videolink, Kommentar & Transkript) – heute hält Diana Hartmann einen 3-teiligen Workshop zum Thema am diesjährigen >>> Lesbenfrühlingstreffen im Hamburg:

Intersexualität – Krankenaktenzeichen xx xox xxy ungelöst, das Leben zwischen den anerkannten Geschlechtern

1. Was ist Intersexualität – eine Stunde der Aufklärung
2. Intersexuelle in der Geschichte damals und heute
3. Menschenrechte auch für Zwitter 

Der Workshop findet statt im Themenblock "Tabus in der Lesbenszene", in einem weiteren Workshop dieser Rubrik geht es übrigens um "Bärtige und haarige Frauen".

Kommentar: Zwitter sind Menschen wie alle anderen auch. Sie fühlen sich als (eher) Frauen, als (eher) Männer, als etwas dazwischen oder nochmals anders. (Manche Zwitter fühlen sich gar ausdrücklich als Zwitter – als weibliche Zwitter, als männliche Zwitter, oder einfach "nur" als Zwitter.) Ungeachtet dessen stehen die einen Zwitter auf Frauen, die anderen auf Männer, auf beide, (auch) auf Zwitter – usw. 

Ob zwangsoperiert oder nicht: Sowohl in der Hetero- wie auch in der Lesben- und Schwulenszene beklagen sich manche Zwitter darüber, dass sie von den "reinrassigen" Frauen und Männern wegen ihrer körperlichen Besonderheiten ausgegrenzt werden – auch sexuell und in der Liebe.

Umso schöner, dass das Lesbenpfingsttreffen 2010 mit diesem Workshop von Diana Hartmann einen aktiven Beitrag leistet für mehr Toleranz, gegen das Zwitter-Tabu und gegen Stigmatisierung. Dafür von diesem Blog ein ganz herzliches Danke!

Siehe auch:
- Mit der Hoffnung im Herzen
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 

Thursday, May 20 2010

Sportprofessor: Athletikverbänden geht es ums Image, nicht um Fairness; Caster Semenyas Rechte werden unter den Teppich gekehrt (XVI)

>>> Nachtrag

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionTimothy "Tim" Noakes von der Universität Kapstadt (Südafrika), Mitbegründer des Sports Science Institute of South Africa und der Olympic Science Academy des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), redet Klartext und erregt damit weltweites Aufsehen.

Auftakt war ein Interview mit Tim Noakes in der südafrikanischen Sunday Times vom 15.5.10 (englisch), publiziert unter dem Titel "Caster 'ein Opfer von Image Management'". Darin führte er aus, seiner Meinung nach würden intersexuelle Athletinnen von Verbänden wie dem Internationalen Athletikverband IAAF und dem Olympischen Komitee IOC von Wettkämpfen ausgeschlossen, um das Image des Sports zu schützen, und nicht wegen bewiesener unfairer Vorteile der intersexuellen Athletinnen:

"Insgesamt 8 intersexuelle Frauen wurden bisher von Wettkämpfen ausgeschlossen – soviel ich weiss mit der Warnung, dass sie öffentlich blossgestellt würden, sollten sie es wagen, einen Wirbel daraus zu machen. Es sieht deshalb danach aus, dass es nicht um athletische Vorteile geht, sondern darum, die Olympischen Spiele [von intersexuellen Athletinnen,] von unerwünschten Verwicklungen freizuhalten. Das sendet die Botschaft aus, dass Frauen tun müssen, was Männer sagen, und wenn dabei acht Athletinnen geopfert werden müssen, so sei es, was ich beunruhigend finde."

"Meiner Ansicht nach sollte Caster Semenya rennen dürfen. Sie rennt nicht so schnell wie die Männer, und noch nicht einmal so schnell wie andere Frauen. Wenn sie jedoch 1:41 rennen würde [der Rekord für Männer], dann hätten wir ein Problem."

Tim Noakes kritisierte auch die Mokgadi Caster Semenya und anderen "verdächtigten Athletinnen" aufgezwungenen, willkürlichen Geschlechtstests:

"Es gibt keinen einzigen Test, der zeigen kann, ob jemand mehr männlich oder weiblich ist. Für mich ist es falsch, solchen Athletinnen Hormonbehandlungen aufzuzwingen [wie dies anscheinend bei Caster Semenya der Fall sein soll]. Ich glaube nicht, dass die acht früheren Athletinnen respektvoll behandelt wurden, und ich glaube, die südafrikanischen Sportchefs taten gut daran, dem IAAF gegenüber nicht klein beizugeben."

Weiter argumentierte Tim Noakes, im Sport seien manche genetische Besonderheiten gängig, und führte das Beispiel von Usain Bolt an, der zusammen mit Michael Phelps auch von anderen ExpertInnen oft als Beispiel für Sportler mit genetischen Besonderheiten angeführt wird.

Gestern 19.5.10 wurde diese Meldung u.a. auch vom der englischen Zeitung "Telegraph" sowie von der kanadischen "National Post" aufgegriffen. Dabei verschäfte Tim Noakes seine Kritik, indem er beifügte, Caster Semenyas Rechte würden "unter den Teppich gekehrt".

Gleichzeitig erschienen am 19.5.10 englischsprachige Meldungen, wonach die die englische Sprinterin Jenny Meadows sich mit Caster Semenya solidarisierte und nicht zum ersten Mal das ungebührlich lange Lavieren des IAAF kritisierte. Meadows gab weiter zu Protokoll, dass sie gegen Caster Semenya antreten würde, jedoch wisse sie von einigen anderen Weltklasse-Läuferinnen, dass diese bei einer Rückkehr von Caster Semenya planen, Wettkämpfe zu boykottieren (u.a. London Times, Times Südafrika, SkySports, UKPA-Agenturmeldung).

Heute 20.5.10 fanden die Zitate von Tim Noakes vereinzelt auch ihren Weg in deutschsprachige Pressemeldungen, etwa bei diePresse.com und bei dieStandard.at.

Gleichzeitig gab der südafrikanische Sportminister bekannt, die Entscheidung für Caster Semenyas Rückkehr werde innerhalb der nächsten 3 Wochen fallen, was aktuell auch als deutschsprachige SID-Agenturmeldung verbreitet wird.

Nachtrag: Der südafrikanische Läufer Oscar Pistirius solidarisierte sich in einem Interview auf Scotsman.com (englisch) ebenfalls mit Caster Semenya: "Das Schlimmste ist vorbei für sie, sie hat einen starken Charakter und ich bin sicher, sie wird es überstehen. [...] Es tut mir Leid für sie, wei dies alles gelaufen ist."

>>> Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Caster Semenya verzichtet vorläufig auf Klage (XIII)
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Tuesday, May 18 2010

Zwitter @ Nachtcafé Fr 21.5.10 22h SWR mit Diana Hartmann

>>> Videostream     >>> Kommentar von Nella (unten Nachtrag 2)    >>> Transkript

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!  

Am kommenden Freitag ist Diana Hartmann aus Hamburg zu Gast bei Wieland Backes in der beliebten Sendung Nachtcafé (Wiederholung: Sa 22.5.10 12:20h, sowie auch online auf http://www.swr.de/nachtcafe/). Diana ist den letzten Monaten schon mehrfach an die Öffentlichkeit getreten und betreibt das InterArchiv.

Laut der Ankündigung bei SWR steht die Sendung unter dem Titel "Ausserhalb der Norm", was in der Regel erstmal Befürchtungen um die leider nicht nur in den Medien üblichen, politisch verhängnisvollen Vermischungen / "Verwechslungen" aufkommen lässt. Trotzdem kann diesbezüglich Entwarnung gegeben werden, handelt es sich bei den übrigen 5 Gästen diesmal nicht um die "üblichen Verdächtigten".

Diana zu ihrem Auftritt:

"Meine  Motivation und mein Anliegen ist es, die nachfolgende/n Generation/en  von den OP-Tischen runter zu bekommen - und zwar noch in diesem Leben. Ich glaube, dass wir dieses Ziel nur mit Hilfe einer breiten Öffentlichkeit erreichen können."

Wir gratulieren und sind gespannt!

Nachtrag 1: Das >>> Video zur Sendung ist jetzt online! Die Beiträge von Diana Hartmann sind ab 08:14, 15:00 und 59:00.

Nachtrag 2 – Kommentar zur Sendung von Nella:

Diana redet Klartext und verwendet das Wort Zwangsoperationen. Schade nur, dass sie nicht expliziter erwähnt hat, dass im Gegensatz zu ihr die meisten Zwitter zwangsoperiert werden und ihr Leben lang psychisch und physisch darunter leiden.

Aber ansonsten finde ich, dass sie es toll gemacht hat, berührend und mutig. Es hat mich zu Tränen gerührt, wohl einerseits, weil ich selber ein Zwitter bin, aber auch, weil ich weiss, wie es ist, wenn man damit an die Medien geht, puh ...

Nachtrag 3: >>> Transkript zur Sendung 

Siehe auch:
- Zwitter @ Lesbenfrühlingstreffen 2010 - Workshop mit Diana Hartmann

Saturday, May 15 2010

"Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Die Aktion in der Süddeutschen, 14.5.10

Seit Jahren beklagen sich Betroffene von sexualisierter Gewalt ebenso wie zwangsoperierte Zwitter, dass an "Fachtagungen" usw. immer noch über sie statt mit ihnen gesprochen wird. Norbert Denef vom >>> "NetzwerkB" für Betroffene von Sexualisierter Gewalt zeigte gestern, dass es darüber hinaus wirksamere Möglichkeiten gibt, um den TäterInnen die "internen Diskussionen" unter Ausschluss der Opfer zu vermiesen.
>>> Video Brisant, 14.5.10
>>> Video ARD Tagesschau, 14.5.10

"Ich will stören"

Seither ist der Kampf gegen das Schweigen der Kirche zu Denefs Mission geworden. Er hat das NetzwerkB, das Netzwerk Betroffener, gegründet. Er hat verstanden, dass nur die Öffentlichkeit den Druck erzeugt, der die Kirche zum Umlenken und Umdenken bringen kann. Von allein, da ist er überzeugt, handelt sie nicht.

Und Denef hat verstanden, wie man die Öffentlichkeit nutzt.

Die Veranstaltung beim Kirchentag ist sein Podium - auch wenn man ihn nicht eingeladen hat. (Spiegel Online, 14.5.10, mit cooler Fotostrecke)

Das Mittel seiner Wahl ist keineswegs neu (und noch die harmlosere Variante), sondern gehört seit eh und je zum bewährten Repertoire sozialer Bewegungen. Und obwohl prompt einmal mehr Kritik über das "unbotmässige Opfer" laut wird (ein typisches Beispiel inkl. Repliken von anderen Betroffenen siehe hier), gibt ihm der >>> phänomenale Medienerfolg einmal mehr Recht.

Die Betroffenen von sexualisierter Gewalt brauchten in Deutschland geschätzte 30 Jahre, bis sie soweit waren, dass sie nicht nur das Schweigegebot überwanden und stattdessen den TäterInnen lautstark entgegentraten, sondern nun auch die bewährten Methoden der Gewaltfreien Aktion systematisch in Anspruch zu nehmen beginnen – weil bloss klagen und höflich fragen allein eben nicht zum Erfolg führt.

Wie lange werden die Zwitter brauchen?

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Friday, May 14 2010

Caster Semenya "in Hormon-Behandlung" - IAAF-Entscheid bis Ende Juni? (XV)

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IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

Bereits im April kursierte ein Zitat des Vize des lokalen südafrikanischen Athletikverbandes ASA, Richard Stander, wonach Mokgadi Caster Semenya "sich seit Januar medizinischer Behandlung [unterziehe]" (dieser Blog berichtete).

Gestern schrieb nun der BBC-Sportjournalist Gordon Farquhar (englisch), Caster Semenya sei aktuell "in Hormonbehandlung", und berief sich dabei auf ungenannt bleibende "Quellen". Schon Ende März hatte Ross Tucker in "The Science of Sport" (english) gemutmasst, der internationale Leichtathletikverband IAAF könnte Caster Semenya zu einer medikamentösen Behandlung verknurrt haben, dies jedoch klar als theoretische Spekulation deklariert.

Heute gab nun IAAF-Präsient Ray Mali in mehreren Medien bekannt, der Entscheid, ob Semenya weiter starten dürfe, solle "bis Ende Juni" fallen.

Vor allem schweizer Medien peppten diese Meldung auf mit dem Zusatz, Caster Semenya befinde sich in einer "Therapie, deren Ziel es ist, die männlichen Hormone zu reduzieren", allerdings ohne Quellenangabe (z.B. Der Bund, aber auch Focus).

>>> Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Wednesday, May 12 2010

"Intersexualität: «Ich bin kein ewiges Kind»" - WoZ 13.5.10

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Die Zwitter Medien Offensive™ lässt grüssen!

>>> Gelungener Artikel von Bettina Dyttrich in der heutigen Ausgaber der schweizer WochenZeitung, u.a. mit Interviewpassagen mit dem französischen (Ex-)Zwitter-Aktivisten Vincent Guillot (entstanden wohl anlässlich der Diskussionsveranstaltung vom 4.4.10 in Zürich, wo Vincent zu Gast war).

Auch der Medizinethiker Jürg Streuli ist mit einem direkten Zitat vertreten, sowie die Begründerin der Elternselbsthilfe, Karin Plattner, mit einem abgeschriebenen. Nella ist immerhin im letzten Kasten erwähnt – boa! Chapeau!

>>> http://www.woz.ch/artikel/2010/nr19/leben/19292.html

(Gefunden via Intersex-News-Feed)

Siehe auch:
- Claire Nihoul-Fékété & Stephen Lortat-Jacob: Zwangsoperateure in Frankreich ohne nennenswerten Widerstand

"Genitalverstümmelungen an Zwittern" - Aufruf zur Solidarität

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Anlässlich der bevorstehenden Bundestagsdebatte über den Gesetzesentwurf gegen weibliche Genitalverstümmelung schrieb Nella im Namen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org Amtsstellen und Organisationen an mit der Bitte um Unterstützung, damit das Recht auf körperliche Unversehrtheit dereinst auch für Zwitter gelten soll, sowie um eine kurze Rückmeldung.

>>> Das Schreiben und mehr         Fortsetzung folgt ...

Wednesday, May 5 2010

Schweiz: Weibliche Genitalverstümmelung soll absolut verboten werden - ausser bei 'westlichen Formen' (und an Zwittern) ...

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Laut einer >>> Pressemitteilung des schweizer Nationalrates und diversen Medienberichten (z.B. Radio DRS / SchweizMagazin / NZZ-Online) hat die Rechtskommission des Nationalrates beantragt, weibliche Genitalverstümmelung absolut zu verbieten. "Täter soll gemäss Antrag der Mehrheit der Kommission sein, wer die Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, unbrauchbar macht oder in anderer Weise schädigt." Dabei verschärfte die Rechtskommission die ursprüngliche Vorlage, die eingewilligte Beschneidungen an volljährigen Frauen von Strafe ausnehmen wollte. Die Rechtskommission folgte damit den Einwänden vieler Vernehmlassungsstellungnahmen (vgl. Bericht über die Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens - PDF, S. 10-13).

Straffrei bleiben sollen im neuen Gesetzesantrag auch bei Einwilligung Volljähriger lediglich noch "leichte[...] Eingriffe[...] wie Tätowierungen, Piercings oder gewisse[...] Schönheitsoperationen" (gemeint sind mit Letzterem wohl sog. "Designer Vaginas", sprich kosmetische Genitaloperationen wie Verkleinerung der inneren Schamlippen und/oder Entfernung der Klitorisvorhaut – Eingriffe, die frappant leichten Formen "afrikanischer Genitalverstümmelungen" vom Typ I und/oder Typ II nach WHO ähneln).

Amnesty Schweiz, Terre des Femmes Schweiz und Grüne Schweiz hatten 2009 verdankenswerterweise in der Vernehmlassung gefordert, auch Zwitter müssten vor verstümmelnden Zwangseingriffen geschützt werden. Leider trägt die Rechtskommission diesem Einwand auch im neuen Antrag offensichtlich nach wie vor keine Rechnung.

Kommentar:

Es ist unentschuldbar, dass die Rechtskommission des Nationalrates Zwitter offensichtlich nach wie vor als Menschen 2. Klasse ansieht, denen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung anscheinend nach Belieben kurzerhand abgesprochen bzw. vorenthalten werden soll. Erst recht, da diese heuchlerische Doppelmoral in der Vernehmlassung mehrfach explizit angesprochen und kritisiert wurde.

Es ist nach wie vor dringlich, dass auch die Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern explizit gesetzlich verboten werden, sei es im Rahmen des Gesetzesantrags gegen weibliche Genitalverstümmelung, sei es in eigenen, entsprechenden Paragrafen.

Beim auch von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org geforderten gesetzlichen Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern muss jedoch in jedem Fall klar gewährleistet bleiben, dass volljährige Zwitter die Möglichkeit haben, selber zu entscheiden, ob sie kosmetische Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes, Amnesty und Grüne gegen Zwangsoperationen an Zwittern 
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ... 
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ... 

Tuesday, May 4 2010

16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

In Berlin fand am letzten Sonntag zum 16. Mal (!) der T4-Umzug statt, beginnend mit einer Kundgebung an der Gedenktafel an der ehemaligen Tiergartenstrasse 4 (siehe Bildausschnitt oben), dem damaligen Standort der "Euthanasie"-Mord-Zentrale.

Berichte und Fotos dazu auf >>> de.indymedia.org und >>> freedom-of-thought.de.

Einige Ausschnitte aus der Ansprache am Schluss des Umzugs und aus dem Flyer:

"Wir gedenken heute der Opfer eines unmenschlichen Aktes. An seiner Ausführung waren vor allem auch Mediziner beteiligt. Es war ein grausamer Massenmord, der gegen Menschen ausgeführt wurde. Man hat sie zuerst ihrer Freiheit, ihrer Würde und ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt und sie dann als „Entartete“ bezeichnet und umgebracht. [...]

Inzwischen vergingen 70 Jahre. [...] Heute heißt, es es sei „Frieden“… [...]

Die Psychiatrie-Erfahrenen berichten da etwas ganz anderes. Sie berichten über Gewalt, über Verletzung von elementaren Menschenrechten, dass ihre Würde und das Recht auf Selbstbestimmung für die heutigen Psychiater, genauso wie damals, keine Rolle spielen. [...]"

"[...] Wir wollen der Opfer der medizinischen Massenmorde gedenken [...] von 1939-1949 [...].

Beschämender Weise sind selbst heute die Funktionsträger der BRD nicht bereit, auf den Nazi-Euphemismus „Euthanasie“ zu verzichten, wenn sie dem medizinischen Massenmord und diesem immer nur in einem Zeitfenster von 1939-1945 „gedenken“ und diesen so benennen. (1) Tatsächlich hatte das Morden mit einem selbst herbeigewünschten Tod nicht das Geringste zu tun, sondern war eine systematische ärztliche Mordaktion und muss auch so benannt werden.

Das Datum unseres Umzuges wurde gewählt als Erinnerung an die Verkündung des Urteils des Foucault-Tribunals am 02. Mai 1995 in Berlin:

„Wir stellen fest, daß die Psychiatrie, die nicht bereit ist, Zwang und Gewalt aufzugeben, sich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat: der vorsätzlichen Zerstörung von Würde, Freiheit und Leben. ... “ (2)"

Sunday, May 2 2010

Weitere Beiträge zur Zwittervereinnahmung im Bundestag, 21.4.10

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung>>> Diskussion auf dem Hermaphroditforum

>>> Interessanter Post zur Anhörung von Oliver Tolmein auf faz.net

Siehe auch:
- Heute im Bundestag:
   Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" 

Wednesday, April 28 2010

Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...

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>>> Bundestagspetition: Jetzt mitunterzeichnen!  
>>> Kommentar von Nella auf dem Petitionsforum

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Der deutsche Bundesrat hatte auf Antrag der Länder Baden-Württemberg, Hessen (PDF) und Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz im Februar 2010 einen Gesetzesentwurf "Strafbarkeit der Verstümmelung weiblicher Genitalien" (PDF) verabschiedet, der am 24.3.10 zusammen mit einer Stellungnahme der Bundesregierung an den Bundestag überwiesen wurde (PDF). Anfang April erschien dazu eine Pressemeldung des Bundestags.

Wann der Gesetzesentwurf im Bundestag behandelt werden soll, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Zwitter kommen in allen Entwürfen und Anträgen nirgends vor – offensichtlich sind sie im Gegensatz zu Mädchen und Frauen keine Menschen und haben keinen Anspruch auf Schutz vor Genitalverstümmelung ...

Ein Überblick über das Vorhaben – gefolgt von drei offenen Fragen:

Weibliche Genitalverstümmelung soll laut dem Antrag als eigener § 226a zwingend als "schwere Körperverletzung" bestraft werden. Die Verjährungsfrist soll (entsprechend der Handhabung bei Verstössen gegen "sexuellen Missbrauch" bzw. "Mißhandlung" von Kindern oder "Schutzbefohlenen" etc.) erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr zu laufen beginnen, danach beträgt sie 20 Jahre. Die Tat soll neu auch strafbar sein, wenn sie im Ausland begangen wurde, sofern das Opfer zur Tatzeit in Deutschland Wohnsitz oder "gewöhnlichen Aufenthalt" hat. Der Gesetzesentwurf sieht vor, Verstösse "mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren [zu] bestraf[en]", sowie in "minderschweren Fällen" mit "Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren".

Im überwiesenen Gesetzesentwurf (PDF) wird eingangs festgehalten:

Die  Verstümmelung weiblicher Genitalien ist  eine schwerwiegende Grundrechtsverletzung an Mädchen und Frauen. Seit 1995 gilt sie auch international als Menschenrechtsverletzung. (S. 1)

Auch die Bundesregierung (die ansonsten von einer "detaillierten Bewertung" des Gesetzesantrags bisher absieht, da die internen "Beratungen [...] noch nicht abgeschlossen [sind]") pflichtet dem in ihrer Stellungnahme explizit bei:

Die Bundesregierung teilt die Einschätzung des Bundesrates, dass es sich bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien um eine schwerwiegende Grund- und Menschenrechtsverletzung handelt. (S. 9)

Der Gesetzesentwurf erwähnt zudem mehrmals explizit das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, das es gegen schwerwiegende Verstösse zu schützen gelte:

Die Verstümmelung der äußeren Genitalien einer Frau durch Beschneidung oder in anderer Weise wird in einem eigenen Straftatbestand – § 226a StGB-E – geregelt. Dadurch wird jeder Zweifel über die strafrechtliche Einordnung der Tat als schwerwiegender Verstoß gegen das Recht auf  körperliche Unversehrtheit des Opfers beseitigt und ein eindeutiges Signal gesetzt, dass der Staat solche Menschenrechtsverletzungen keinesfalls toleriert, sondern energisch bekämpft. (S. 2)

Soweit, so gut wie auch einleuchtend.

Bleiben drei Fragen:

Warum sind Genitalverstümmelungen an Zwittern bei diesem Gestzesentwurf nicht mit drin – obwohl längst klar ist, dass die Schäden gleich drastisch sind?!

Haben Zwitterkinder weniger Recht auf körperliche Unversehrtheit als Mädchen oder Frauen? Sind bei Zwittern Genitalverstümmelungen eine weniger schwere Grund- und Menschenrechtsverletzung als bei Frauen? Kann bei Zwitterkindern der Staat tatsächlich auf eindeutige Signale gegen Genitalverstümmelungen verzichten, und, statt die Barbarei vor der eigenen Haustüre ebenfalls energisch zu bekämpfen, diese vielmehr billigend tolerieren?

Warum schweigen die Menschenrechts- und Frauenorganisationen – und nehmen nicht längst laut und unmissverständlich Stellung gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit?!

Wie lange noch?!

(Warum die versammelten LGB(T)-VereinnahmerInnen, die sonst im Bundestag ständig und dabei stets missbräuchlich von "Intersexualität" reden – in bisher 16 Bundestags-Dokumenten allein im laufenden Jahr – diesmal plötzlich keinen Handlungsbedarf sehen, dürfte hingegen auf der Hand liegen: Beim Schutz von Zwittern vor Genitalverstümmelung wäre für ihre eigennützigen Interessen offenbar nichts zu holen ...)

>>> Bundestagspetition: Jetzt mitunterzeichnen! 

>>> Kommentar von Nella auf dem Petitionsforum 

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ...
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!"

Monday, April 26 2010

Amnesty Schweiz: Historischer Entscheid für "Menschenrechte auch für Zwitter!"

>>> Nachtrag: Entsprechender Beschluss auch in Deutschland!

Menschenrechte auch für Zwitter!Eine Anerkennung und Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern durch bekannte Menschenrechtsorganisationen und entsprechende solidarische Schritte und Aktionen könnten die Beendigung der kosmetischen Genitaloperationen und sonstigen uneingewillligten, medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen an Zwittern entscheidend beschleunigen.

Seit 14 Jahren lobbyieren deshalb organisierte deutschsprachige Zwitter zunächst in Deutschland, später auch in der Schweiz und in Österreich die etablierten Menschenrechtorganisationen und ersuchten sie immer wieder um Unterstützung im Kampf gegen die menschenrechtswidrigen Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern. Auch Zwischengeschlecht.org wurde in den letzten 2 Jahren mehrfach bei internationalen Organisationen vorstellig und forderte sie zu konkreten Schritten auf.

Am letzten Sonntag hat nun mit Amnesty Schweiz zum allerersten Mal eine der angesprochenen Menschenrechtsorganisationen grundsätzlich reagiert. In einer historischen, einstimmig (!) überwiesenen Motion (PDF) forderte die Generalversammlung 2010 der Sektion Amnesty Schweiz die Dachorganisation Amnesty International auf, endlich eine offizielle Position zu den Menschenrechtsverletzungen an Zwittern zu erarbeiten. Damit ist ein nicht zu unterschätzender, wichtiger Anfang gemacht!

Auch die Sektion Deutschland wird an Pfingsten 2010 über eine ähnliche Motion beraten, weitere werden hoffentlich folgen.

Der Weg dazu war jedoch langwierig und alles andere als einfach.

Bereits 1996 fragte Michel Reiter (entsprechend dem Beispiel von US-Selbsthilfe- und Lobbyorganisationen wie Intersex Society of North America (ISNA) und "Bodies like ours") im Namen der Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG) Terre des Femmes und Amnesty International konkret um Unterstützung an, wenn auch vergeblich:

Weltweit wurden Anti-FGM-Organisationen, Einzelkämpferinnen und Menschenrechtsverbände angeschrieben, informiert und um Mitarbeit bzw. Kooperation gebeten. Keines dieser Schreiben hatte den gewünschten Erfolg. So schreibt z.B. Fran Hosken, durch den 'Hosken Report' bekannt geworden, daß sich ihr Interesse in der Beendigung von FGM nicht auf 'biologische Ausnahmen' erstreckt (10/93, Holmes 1995, S. 4). Forward International, eine wichtige Anti-FGM-Organisation, betont, daß der ihnen zugesandte Brief zwar 'sehr interessant' sei, aber sie können nicht helfen, da ihre Arbeit nur FGM beleuchtet, welche als schädliche kulturelle oder traditionelle Praktik an jungen Mädchen durchgeführt wird (Chase 1997, S. 11). Terre des Femmes entzieht sich seit März 1996 einer Stellungnahme, intern wurde argumentiert, Betroffene hätten keine Kompetenz. Amnesty International, Sektion Deutschland, meinte im Oktober 1996, die AGGPG solle die Geschehnisse hinsichtlich einer Beurteilung als Folter stärker differenzieren und wünschte uns "alles Gute und viel Kraft auf einem äußerst schwierigen Weg". Diese Reaktionen, sofern überhaupt Antworten erfolgen, wiederholen sich stereotyp. (Michel Reiter: "It's easier to make a hole than to build a pole")

2009 bat Daniela "Nella" Truffer im Namen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org Amnesty Deutschland und Amnesty Schweiz ebenfalls konkret um Unterstützung und hakte anschliessend mehrfach nach. Nach einigen harzigen Anläufen wurde Zwischengeschlecht.org schliesslich im März 2010 von Amnesty Schweiz zur Ausarbeitung eines konkreten Motionstextes konsultiert. Das letztliche Resultat kann sich meiner Meinung nach sehen lassen:

FORDERUNG:

Vorstand und Geschäftsleitung der Schweizer Sektion setzen sich auf Ebene der internationalen Struktur von Amnesty aktiv für eine klare Positionierung von Amnesty zum Thema „Intersexualität und Menschenrechte“ ein.

BEGRÜNDUNG:

[...]Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstösst. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden. Die Folgen von chirurgischen und medikamentösen Eingriffen werden von den Betroffenen oft als Verstümmelungen wahrgenommen. Die Suizidrate bei  operierten und hormonbehandelten Intersexuellen ist stark erhöht; auch verstösst die Zuweisung zum explizit männlichen oder weiblichen Geschlecht gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde, die nicht nur bei Female Genital Mutilation (FGM) in Entwicklungsländern, sondern weiterhin auch bei genitalen Zwangsoperationen in Industrieländern verletzt werden. [...]

Notwendig ist auch eine gezielte und koordinierte Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, was Intersexualität betrifft. Eine enge Zusammenarbeit mit Selbsthilfeorganisationen der Intersexuellen ist deshalb zentral. Da sich Intersexuelle in den letzten Jahren vermehrt zu organisieren begonnen haben, um sich für ihre Menschenrechte zu wehren, sind wir zunehmend aufgefordert, uns zu positionieren und die organisierten Intersexuelle in ihren Bemühungen zu unterstützen. [...] (Motion 6: "Position zur Intersexualität" – PDF)

Besonders hat uns auch gefreut, dass die Begründung der von Amnesty Schweiz überwiesenen Motion weiter festhielt, dass eine Einordnung der an Zwittern begangenen Menschenrechtsverletzungen z.B. unter die Rubrik "Sexuelle Identität" dazu führen kann, dass "oft verkannt [wird], dass Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen in erster Linie genitale Zwangsoperationen bedeuten und weniger Gender- und Identitätsfragen."

Dies lässt hoffen, dass in Zukunft vermehrt schwerwiegende politische Schäden für Zwitteranliegen verhindert werden können, wie sie aktuell im deutschen Bundestag angerichtet werden, wo Schwulen- und Lebseninteressegruppen den Begriff "Intersexuell" für ihre eigenen politischen Anliegen missbrauchen – während die gleichen Interessegruppen tatenlos zusehen, wie Zwitter vor ihrer Haustüre täglich weiter genitalverstümmelt werden, und widerspruchslos hinnehmen, dass Genitalverstümmelungen an Zwittern im neuen Gesetzesentwurf gegen (weibliche) Genitalverstümmelung nicht einmal erwähnt werden.

Auch wenn es zur Verhinderung weiterer solcher Schäden zunächst wohl noch einer ganzen Menge Aufklärungs- und Lobbyarbeit bedarf.

Die Motion war im Vorfeld sowohl vom Vorstand wie auch von der Geschäftsleitung von Amnesty Schweiz befürwortet worden. Am letzten Sonntag, den 25.4.10 warteten dann Nella und ich an der Generalversammlung von Amnesty Schweiz in Fribourg/Freiburg auf den entscheidenden Augenblick. Nachdem Vera Huotelin von Queeramnesty die Motion den Anwesenden kurz erläutert hatte, kam der Augenblick der Wahrheit. Und was für einer: Um 14:06 Uhr wurde die Motion einstimmig angenommen!

Dies ist zwar erst ein Anfang: Als nächstes muss die Dachorganisation Amnesty International die Motion an die Hand nehmen und den Auftrag umsetzen, sprich eine offizielle Position betreffend der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern erarbeiten. Dies wird leider nicht von heute auf morgen geschehen, und auch nicht von diesem Monat auf den nächsten, und es wird auch für Zwitter-Organisationen wohl eine Menge weiterer (Lobby-)Arbeit bedeuten.

Trotzdem war die diesjährige Generalversammlung von Amnesty Schweiz ein historischer Moment für die Zwitterbewegung, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte: Nach 14 Jahren Lobbyarbeit organisierter Zwitter und solidarischer Nichtzwitter wurde endlich ein erster konkreter Schritt getan!

Wir möchten an dieser Stelle sämtlichen direkt und indirekt Beteiligten ganz herzlich dafür danken, sowie speziell Vera Huotelin von Queeramnesty und Romeo Rosen vom Sündikat!

Und es kommt noch besser: Auch die Sektion Deutschland wird an ihrer Hauptversammlung vom 21.-24.5.10 in Magdeburg über eine entsprechende Motion abstimmen.

Bereits 2009 hatten übrigens Terre des Femmes Schweiz und Amnesty Schweiz unabhängig voneinander in der Vernehmlassung zu einem Gesetzesvorschlag gegen weibliche Genitalverstümmelung ausdrücklich auch ein Verbot von genitalen "Zwangsoperationen von Zwischengeschlechtliche Betroffenen" gefordert und bedauert, dass diese nicht auch in den Gesetzesentwurf eingeschlossen wurden.

Nachtrag: Inzwischen hat auch die Deutsche Sektion einen entsprechenden Vorstoss verabschiedet.

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Amnesty Deutschland: Ebenfalls historischer Entscheid für "Menschenrechte auch für Zwitter!"

Thursday, April 22 2010

Weitere Stellungnahmen, Medienmitteilungen und eine Pressemeldung zur Zwittervereinnahmung im Bundestag, 21.4.10

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Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungDer LSVD hat ebenfalls eine >>> offizielle Stellungnahme zur Anhörung veröffentlicht (PDF ) >>> Anhang 1 (PDF) >>> Anhang 2 (PDF), verfasst von Martin Bruns, Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof a.D. Bezeichnenderweise geht es in der LSVD-Stellungnahme AUSCHLIESSLICH um die Rechte der "Schwulen" (14x), "Homosexuellen" (11x), "Lesben" (11x) sowie "Transgender" (1x); "Intersexuelle" kommen darin gar nicht erst vor. Kommentar überflüssig.

Inzwischen liegt auch eine Medienmmitteilung des Bundestags zur Anhörung vor, die in gleich 2-facher Ausfertigung zum (wenig überraschenden) Schluss kommt: >>> Deutscher Bundestag: Skepsis bei Sachverständigen bzw. >>> Deutscher Bundestag: Mehrheit der Experten gegen Grundgesetzänderung zum Schutz der sexuellen Identität. "Intersexuelle" sind darin wie üblich bloss als obligates Anhängsel "mitgemeint". Weiter gibt es eine Medienmitteilung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD): >>> Gute Argumente für Ergänzung der Verfassung – Gegner wollen weiter diskriminieren. Auch hier sind "Intersexuelle" bloss das "mitgemeinte" obligate Schlusslicht. In einer Medienmitteilung des LSVD im Vorfeld der Anhörung >>> Lesben und Schwule in die Verfassung! ist nur die Rede vom "gleichberechtigten Schutz von Lesben, Schwulen und Transgender", "Intersexuelle" sind nur stillschweigend mitgemeint. In der >>> Pressemitteilung der Grünen sind "Intersexuelle" in einem Zitat von Volker Beck wieder als obligates, kommentarloses Schlusslicht "mitgemeint", einmal mehr geht es ausschliesslich um die "Diskriminierungen", denen sie ausgesetzt seien, kein Wort zu menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen usw. Kommentar überflüssig.

Die bisher einzige Pressemeldung über die Anhörung, worin auch "Intersexuelle" erwähnt sind (als obligates Anhängsel – wie könnte es auch anders sein?), stammt aus "Die Welt" und trägt den verheissungsvollen Titel: >>> "Sexuelle Identität" darf kein Feigenblatt für Pädophile sein. Vielen Dank auch, liebe VereinnahmerInnen.

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" (Prof. Dr. Susanne Baer, Prof. Dr. Nina Dethloff) 
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!"

Wednesday, April 21 2010

Caster Semenya "unterzieht sich seit Januar medizinischer Behandlung" (XIV)

Nachtrag 22.4.: >>> Caster Semenya Sport Akademie (wird aktuell aufgeschaltet)

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

In einem >>> Artikel der südafrikanischen Zeitung "Sowetan" von gestern (englisch) wird Richard Stander, der Vize des lokalen südafrikanischen Athletikverbandes ASA zitiert:

"Die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya unterzieht sich seit Januar medizinischer Behandlung und wird erst wieder starten, wenn die Resultate im Juni überprüft worden sind."

Diese "Behandlungen", über deren Natur Richard Stander genauere Auskunft verweigerte, fänden statt unter der Hoheit des "Mediziner Teams" des Weltathletikverbandes IAAF.

Diese Meldung verstärkt Befürchtungen, wonach IAAF sich entgegen der offiziellen Berteuerungen längst entschieden habe, Mokgadi Caster Semenya nicht mehr zuzulassen, ausser sie unterziehe sich irreversiblen kosmetischen chirurgischen und/oder hormonellen Eingriffen, wie sie von gewissenlosen Medizynern weltweit täglich wehrlosen Zwitterkindern aufgezwungen werden (dieser Blog berichtete).

Diese Befürchtungen erhalten zusätzlichen Auftrieb durch eine >>> heutige AP-Meldung (englisch), wonach Caster Semenya in einem "raren öffentlichen Auftritt" absolvierte anlässlich der Eröffnung der "Caster Semenya Sport Akademie".

Nachtrag 22.4.: >>> Homepage der "Caster Semenya Sport Akademie" (wird aktuell aufgeschaltet). >>> Statement von Caster Semenya (englisch) zur Eröffnung der Akademie.

Laut der AP-Meldung amtiere Caster Semenya als "Präsidentin" der Akademie. (Parallelen zum Schicksal von Santhi Soundrajan drängen sich förmlich auf.)

Erst recht bedenklich werden diese zwei englischsprachigen Meldungen in Verbindung mit einer >>> deutschsprachigen DPA-Meldung ebenfalls von heute, die allerdings weder die "medizinische Behandlung" erwähnt noch die Eröffnung der "Caster Semenya Sport Akademie", sondern unter dem Titel "Semenya verärgert: «Laufen bedeutet mir nichts»" folgendes zu berichten weiss:

Aus Verärgerung über den Leichtathletik-Weltverband hat 800 Meter-Weltmeisterin Caster Semenya eine langfristige Fortsetzung ihrer Karriere offen gelassen. «Laufen bedeutet mir nichts, ganz ehrlich, gar nichts», sagte die 19 Jahre alte Südafrikanerin vor Journalisten in Pretoria. [...]

Sie werde über ihre sportliche Zukunft entscheiden, unabhängig davon, was diese Tests ergeben würden, erklärte Semenya. «Als ich zur Leichtathletik gekommen bin, war ich diejenige, die entschieden hat zu laufen. Sie (die IAAF) kann ihre Entscheidungen treffen. Ich werde entscheiden, ob ich weitermache», machte Semenya deutlich. An ein sofortiges Karriereende denke sie indes nicht. «Ich höre nicht auf.»

Sie habe allerdings auch noch andere Optionen, betonte Semenya, die an der Universität von Pretoria studiert: «Sport ist etwas, das man nicht sein ganzes leben betreiben kann. Ich habe mein Studium. Ich bin in allen Dingen gut. Ich kann nicht sagen, dass die Leichtathletik meine erste Option ist.»

Kommentar: Als hätten wir aktuell noch nicht genug Hiobsbotschaften auf diesem Blog ...

>>>
Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Caster Semenya verzichtet vorläufig auf Klage (XIII)
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" (Prof. Dr. Susanne Baer, Prof. Dr. Nina Dethloff)

>>> Nachträge 1-9

Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungHeute 21.4.10 findet um 12h im Bundestag eine >>> öffentliche Anhörung statt zu den erneuten Anträgen um Aufnahme von "sexuelle Identität" ins Grundgesetz. Insgesamt 9 JuristInnen werden dazu Stellungnahmen abgeben. Nachtrag 1: Alle haben inzwischen ihre Position schriftlich auf der Bundestagshomepage zugänglich gemacht.

Ob BefürworterInnen oder GegnerInnen, eines ist (Nachtrag 2: mit einer einzigen Ausnahme) allen gemeinsam:

Alle verwenden sie (u.a. entsprechend den Anträgen) den Begriff "Intersexuell", und alle verwenden sie ihn (wie auch die Anträge) vereinnahmend bzw. missbräuchlich.

Am schlimmsten treiben's dabei 2 "fortschrittliche" Befürworterinnen aus dem "Gender"- bzw. "Familien"-Umfeld:

Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M., Direktorin GenderKompetenzZentrum, Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt Universität zu Berlin, sowie Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Nina Dethloff, LL.M., Direktorin Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Nachtrag 3: Eine besondere Erwähnung verdient weiter >>> Prof. Dr. Bernd Grzeszick (PDF), LL.M., Direktor Institut für Staatsrecht, Verfassungslehre und Rechtsphilopsphie der Ruprecht-Karls-Univerität Mannheim, der es tatsächlich schafft, unter dem Zwischentitel "b) weitere Formen des Zusammenlebens"  "Intersexuelle" (als obligates Anhängsel von "Transgender") mit Polygamie in Zusammenhang zu bringen, und so deutlich illustriert, welch immensen politischen Schaden die Jahrzente langen LGBT-Vereinnahmungen anrichten.

Ausser Baer und Dethloff beschränken sich die übrigen JuristInnen zumeist darauf, den Begriff "Intersexuell" 1–2x als Zitat aus den vereinnahmenden Antragstexten zu übernehmen (Nachtrag 4 – Ausnahmen: Prof Dr. Winfried Kluth bringts auf 4 obligate Anhängsel unter "Personengruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgenden [sic!], transsexuellen und intersexuellen Menschen", während Prof. Dr. Ute Sacksofsky als einzige ganz ohne "Intersexuelle" auskommt – es ginge also doch!).

Prof. Dr. Susanne Baer und Prof. Dr. Nina Dethloff wollen sich offensichtlich zusätzlich als grossartige Expertinnen profilieren.

Beide beweisen dabei letztlich vor allem eines: Dass sie von der Sache, nämlich von den konkreten und realen Problemen und Leiden der realen Zwitter, nichts kapiert haben (wollen), sondern einzig und allein auf Vereinnahmung aus sind.

Dabei gehen Prof. Dr. Susanne Baer und Prof. Dr. Nina Dethloff beide mit einer Arroganz vor, die schon von weiten zeigt, dass beide sich ihres Privilegs als Nicht-Zwitter auch nicht ansatzweise bewusst sind (bzw. nicht sein wollen) – nämlich, im Gegensatz zu den allermeisten Zwittern, sich in ihrem ganzen Leben noch nie um die Unversehrtheit ihrer Geschlechtsteile gefürchtet haben zu müssen:

Beide klammern sie die eigentliche Problematik der genitalen Zwangsoperationen und sonstigen uneingewilligten, kosmetischen Zwangsbehandlungen letztlich konsequent aus.

Ebenso verschweigen beide Rechtsprofessorinnen die grundlegende juristische Problematik mangelnder rechtlicher Mittel der Zwangsoperierten wegen der aktuell geltenden Verjährungsfristen.

Der Ausgang dieses Vereinnahmungs-Wettkampfs:

Mit 11 : 5  gewinnt Prof. Dr. Nina Dethloff gegen Prof. Dr. Susanne Baer nicht nur nach der Anzahl der missbräuchlichen Verwendungen des Begriffs "Intersexuell", sondern auch qualitativ in Sachen mutwilliger Ausblendung, Verdrehung und Vereinnahmung der konkreten Anliegen und Forderungen der Zwitter. Prof. Dr. Susanne Baer gewinnt dafür den Spezialpreis für besonders kreative Beschönigungen von medizynischen Verbrechen.

Die Herz- und Mitleidlosigkeit, mit der beide Professorinnen dabei zur Sache gehen, steht der mancher Zwangsoperateure wohl kaum nach.

Die Verdrehungen der beiden "Wissenschaftlerinnen" im einzelnen, jedoch ohne die Fussnoten (WARNUNG):

>>> Prof. Dr. Susanne Baer (PDF), LL.M., Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin [Direktorin GenderKompetenzZentrum]:

Intersexuelle – kurz gefasst: Menschen, die geschlechtsuneindeutig geboren werden - haben erst vor wenigen Jahren den Mut finden können, ihre Erfahrungen öffentlich zu thematisieren. Sie sind u.a. im Rahmen ihrer medizinischen Versorgung und auch sozial gravierenden Demütigungen, Ausgrenzungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Die Möglichkeit, die eigene Identität zu leben und nicht an eine traditionelle Vorstellung von einem Geschlecht angepasst zu werden, besteht bislang nicht.

[...] Das ganz überwiegende Schweigen der Kommentar- und sonstigen Fachliteratur zu diesem Thema und zur Intersexualität trägt zur Benachteiligung der Betroffenen bei: Sie scheuen den Weg zum Gericht, denn die Grundrechte meinen sie bislang ausdrücklich nicht mit. 

[...] [„sexuelle Identität“] benennt nicht nur Hetero-, Homo- und Bisexualität („sexuelle Orientierungen“), sondern auch transgender- und transsexuelle sowie intersexuelle Lebensweisen.

Kommentar: Dass der medizynische Bereich überhaupt irgendwie angesprochen wird, wäre ja prinzipiell schon mal positiv. Die Formulierung "im Rahmen ihrer medizinischen Versorgung [...] gravierenden Demütigungen, Ausgrenzungen und Benachteiligungen ausgesetzt [zu sein]" als anscheinend euphemistische Umschreibung von Genitalverstümmelungen, Kastrationen, Zwangshormon"therapien" usw. erfreut jedoch wohl ausschliesslich Medizynerverbrecher und Konsorten. "[I]ntersexuelle Lebensweisen" ist zudem schon als Begriff einfach nur zum Lachen, vergleichbar etwa mit dem Insiderwitz "Nennen sie mir 3 intersexuelle Sexpraktiken", aber von Prof. Dr. Susanne Baer offensichtlich bitter ernst gemeint (oder etwa auch nur wieder eine euphemistische Umschreibung für "von klein an medizinischer Folter ausgesetzt sein"?). Damit zeigt sich in Verbindung mit dem oben erwähnten Statement von Prof. Dr. Bernd Grzeszick einmal mehr und schon wieder der immense realpolitsche Schaden durch vereinnahmenden Etikettenschwindel a.k.a. "bei LGBT mitgemeint". 

>>>
Prof. Dr. Nina Dethloff (PDF), LL.M ., Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Intersexuelle, d.h. Personen, deren Geschlechtsmerkmale weder eindeutig weiblich noch männlich sind, kritisieren vor allem die Möglichkeiten, die für eine Eintragung des Geschlechts in die Geburtsurkunde bestehen13. De lege lata kann als Geschlechtsbezeichnung in die Geburtsurkunde lediglich „männlich“ oder „weiblich“ eingetragen werden14. Dies soll jedenfalls gelten, soweit die Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht möglich ist, d.h. wenn die Geschlechtsorgane nicht gleichwertig männlich und weiblich sind15. Das LG München I hat die Ansicht vertreten, aus den Grundrechten lasse sich kein Anspruch auf Anerkennung eines weiteren Geschlechts neben männlich und weiblich herleiten: In Art. 3 II 1 GG gehe die deutsche Verfassung von einem bipolaren Geschlechtsbegriff aus, der auch dem Diskriminierungsverbot des Art. 3 III 1 GG zugrunde liege16. Die Betroffenen sind hingegen der Auffassung, der für Intersexuelle oder Transgender bestehende Zwang zur Geschlechtszuordnung und –kategorisierung stelle eine Diskriminierung dar und streben einen bei der Geburt provisorischen Geschlechtseintrag17 bzw. die Option, als Geschlecht „Zwitter“ eintragen lassen zu können, an18.

[...] Das Kriterium der „sexuellen Identität“, wie es auch schon im AGG verwendet wird, ist zudem hinreichend weit gefasst, um einen umfassenden Schutz vor Diskriminierungen zu gewährleisten. Es ist dem Kriterium der „sexuellen Orientierung bzw. Ausrichtung“ vorzuziehen, da diese insbesondere Diskriminierungen von Intersexuellen nicht erfassen.

[...] Bestehende Unsicherheiten über die Höhe des verfassungsrechtlichen Schutzniveaus unter Anwendung des allgemeinen Gleichheitssatzes würden beseitigt und die maßgeblich durch die Rechtsprechung des BVerfG bewirkte Verbesserung der Rechtsstellung von Homosexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen ausdrücklich verfassungsrechtlich abgesichert.

Kommentar: Dass hier die Medizyner und ihre Verbrechen an wehrlosen Zwitterkindern von Anfang bis zum Schluss konsequent unter den Tisch fallen, während stattdessen der Nebenschauplatz Geburtsurkunde ausgewalzt wird, kann in diesem Fall nachweislich nicht mehr mit Unwissenheit entschuldigt werden, da sich Prof. Dr. Dethloff explizit auf die Forderungsliste von Intersexuelle Menschen e.V. beruft (Fussnote 17). Dort steht aber unter Punkt 1 unmissverständlich die Beendigung der kosmetischen Zwangsbehandlungen, während der Personenstand erst unter dem 5. und letzten Punkt auftaucht. Dass Prof. Dr. Nina Dethloff stattdessen ausschliesslich darauf herumreitet (und dabei vereinnahmenderweise gleich "Trangsender" noch mit reinverwurstet) und sich auch sonst auf – wie sie selber sagt schon im AGG verbotene – "Diskriminierungen" sowie gar auf rein fiktive "Rechtsprechung des BVerfG" versteigt, verweist deutlich auf die altbekannte Masche der Zwitter-VereinnahmerInnen: Hauptsache bei LGBT "mitgemeint" und dadurch einmal mehr unsichtbar gemacht – während die Zwangsoperateure ungehindert weiterverstümmeln.

Nachtrag 5: Inzwischen liegt auch eine Medienmmitteilung des Bundestags zur Anhörung vor, die in gleich 2-facher Ausfertigung zum (wenig überraschenden) Schluss kommt: >>> Deutscher Bundestag: Skepsis bei Sachverständigen bzw. >>> Deutscher Bundestag: Mehrheit der Experten gegen Grundgesetzänderung zum Schutz der sexuellen Identität. "Intersexuelle" sind darin wie üblich bloss als obligates Anhängsel "mitgemeint". Weiter gibt es eine Medienmitteilung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD): >>> Gute Argumente für Ergänzug der Verfassung – Gegner wollen weiter diskriminieren. Auch hier sind "Intersexuelle" bloss das "mitgemeinte" obligate Schlusslicht. In einer Medienmitteilung des LSVD im Vorfeld der Anhörung >>> Lesben und Schwule in die Verfassung! ist nur die Rede vom "gleichberechtigten Schutz von Lesben, Schwulen und Transgender", "Intersexuelle" sind nur stillschweigend mitgemeint. In der >>> Pressemitteilung der Grünen sind "Intersexuelle" in einem Zitat von Volker Beck wieder als obligates, kommentarloses Schlusslicht "mitgemeint", einmal mehr geht es ausschliesslich um die "Diskriminierungen", denen sie ausgesetzt seien, kein Wort zu menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen usw. Kommentar überflüssig.

Nachtrag 6: Der LSVD hat ebenfalls eine >>> offizielle Stellungnahme zur Anhörung veröffentlicht (PDF ) >>> Anhang 1 (PDF) >>> Anhang 2 (PDF), verfasst von Martin Bruns, Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof a.D. Bezeichnenderweise geht es in der LSVD-Stellungnahme AUSCHLIESSLICH um die Rechte der "Schwulen" (14x), "Homosexuellen" (11x), "Lesben" (11x) sowie "Transgender" (1x); "Intersexuelle" kommen darin gar nicht erst vor. Kommentar überflüssig.

Nachtrag 7: Die bisher einzige Pressemeldung über die Anhörung, worin auch "Intersexuelle" erwähnt sind (als obligates Anhängsel – wie könnte es auch anders sein?), stammt aus "Die Welt" und trägt den verheissungsvollen Titel: >>> "Sexuelle Identität" darf kein Feigenblatt für Pädophile sein. Vielen Dank auch, liebe VereinnahmerInnen.

Nachtrag 8: >>> Interessanter Post zur Anhörung von Oliver Tolmein auf faz.net 

Nachtrag 9: >>> Diskussion zum Post auf dem Hermaphroditforum

Fazit: Und während sie alle so schön reden und reden, nach Kräften vereinnahmen und ihre Sitzungsgelder einstreichen, werden weiterhin TÄGLICH WEHRLOSE ZWITTERKINDER GENITALVERSTÜMMELT.

Wetten – wenn von diesen JuristInnen und den übrigen VereinnahmerInnen und MittäterInnen bei Grüne, SPD, Linke usw. nur schon ein paar selber mal etwas genital zwangsoperiert würden, würden sie ziemlich plötzlich ganz anders argumentieren?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Siehe auch:
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!"
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert 
- Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Bundesrat: Kein Schutz "sexueller Identität" im Grundgesetz – VereinnahmerInnen machen unbeirrt weiter wie gehabt 
- SPD: Zwitter vereinnahmender Gesetzesentwurf eingereicht 
- Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen: Yogyakarta untaugliches Instrument
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Mit der Hoffnung im Herzen

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