Zwischengeschlecht.info

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Friday 27 June 2008

Schweiz: Gefängnis für Mädchenbeschneidung

mmmm

"Für 250 Franken schnitt der Arzt auf dem heimischen Küchentisch dem kleinen Mädchen die Klitoris heraus. Immerhin mit lokaler Betäubung und, wie Jahre später ein Arzt im Kinderspital feststellte, offenbar medizinisch korrekt."
www.blick.ch

Schon komisch, wie alle plötzlich empört aufschreien, sobald es sich um 'barabarische Akte von Ausländern' handelt, begangen an 'kleinen Mädchen' -- während sie schweigen, wenn 'westliche Mediziner' sich an gleichaltrigen Zwittern vergreifen ... siehe auch Forumsdiskussion, sowie:

"Die Zusammenarbeit mit Anti-FGM-Aktivisten ist schlechter als mit allen anderen Gruppen, sogar schlechter als mit Ärzten."  (pers. Mitteilung von Cheryl Chase, GründerIn der Intersex Society of North America (ISNA) an Michel Reiter)
"Genitalverstummelung ein afrikanisches Problem?"

Pressespiegel:

Klitoris weg: Gefängnis für Eltern!
http://www.blick.ch/news/schweiz/zuerich/maedchen-beschneidung-gefaengnis-fuer-eltern-94163

Zweijährige im Zürcher Oberland beschnitten
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/zweijaehrige_im_zuercher_oberland_beschnitten_1.769314.html

Bedingte Freiheitsstrafen wegen Beschneidung der Tochter
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/elternpaar_wegen_beschneidung_seiner_tochter_verurteilt_1.769848.html

Zürcher Gericht befasst sich mit Beschneidung
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/schweiz/886527.html

Eltern distanzieren sich von Beschneidung
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/zuerich/898410.html

Wanderarzt beschneidet Zweijährige
http://www.20min.ch/news/zuerich/story/14473591

Genitalverstümmelung als Marktlücke?
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/22810510

Thursday 26 June 2008

Berichte zum Deutschlandstart von "XXY"

Heute startet der Film "XXY" offiziell in deutschen Kinos. Zu diesem erfreulichen Anlass gab's in den Medien Besprechungen in Hülle und Fülle: Einige wenige, die dem Film und den darin Portraitierten in jeder Hinsicht gerecht werden. Dann das Soso-lala-Mittelfeld, das nicht ganz alles kapierte, aber doch zumindest das eine oder andere. Und die zahlenmässig leider ziemlich grosse Menge der hoffnungslosen Fälle, die absolut keine Ahnung haben und das noch für eine Tugend halten. Ein kurzer Überblick:


1. Prädikat: Empfehlenswert

"Die Zeit" macht's vor mit einem exzellenten Glossar zum Film, das (Nachtrag: mit Ausnahme der obligaten "Störungen der Geschlechtsentwicklung") m.E. kaum Wünsche offen lässt. Würden sich bloss die übrigen Medien daran ein Beispiel nehmen ... Dazu in der heutigen Ausgabe ein ausführlicher Artikel mit Interviews u.a. mit Katrin Ann Kunze, Gründungsmitlied der Selbsthilfegruppe XY-Frauen und Vorstandsmitglied von Intersexuelle Menschen e.V. (Weitere Interviews mit Katrin Ann Kunze in "Freitag" und "Deutschlandradio".)

In der heutigen FAZ ein Artikel zum Film von Oliver Tolmein, der erwartungsgemäss ebenfalls Klartext spricht (siehe in diesem Thread des Hermaphrodit-Forums) Nachtrag: Und auf Oliver Tolmeins Homepage.

Positiv auch, wie in der ddp-Agenturmeldung die aktuellen Kämpfe der Zwischengeschlechtlichen vor Gericht, in Politik und Öffentlichkeit gleich zu Beginn der Rezension hervorgehoben werden.

Bereits in diesem Blog besprochen wurden die ebenfalls sehr empfehlenswerten Beiträge auf movieman.de, in "Aspekte" und "Kulturzeit" sowie der (mit einem einzigen -- allerdings superpeinlichen -- Schnitzer behaftete) in "Intro".


2. Prädikat: Soso-lala

Im Mittelfeld tummeln sich Besprechungen, die i.d.R. immerhin die Problematik der Zwangsoperationen zumindest antönen und "nur" die scheinbar obligaten kleineren Schnitzer enthalten --  z.B. der Unterschied zwischen (falsch) Zwei- und (richtig) Zwischengeschlechtlichkeit scheint nach wie vor für die meisten JournalistInnen einen unnüberwindbaren Knackpunkt darzustellen. Ausserdem kommen in diesen Besprechungen weder Zwitter selbst zu Wort noch wird der problematische Filmtitel hinterfragt. Aber immerhin kommen sie nicht irgendwie oberpeinlich daher oder haben sonst kapitale Böcke auf dem Gewissen. Siehe z.B.: Bayerischer Rundfunk 1, Märkische Allgemeine, taz, Tagesspiegel, Zitty, Frankfurter Rundschau, dpa-Agenturmeldung.


3. Prädikat: 6, nachsitzen, setzen!

Angesichts der intensiven Öffentlichkeitsarbeit der Selbsthilfegruppen (die von den schweizerischen und deutschen Verleihern aufgenommen und unterstützt wurde, wofür ihnen einmal mehr ein fettes Dankeschön gebührt!) erschreckend hoch bleibt die Anzahl der Besprechungen, deren VerfasserInnen aus Faulheit oder Dummheit nach wie vor u.a. die Mär vom "abnormalen Chromosomensatz" verbreiten und den betroffenen Menschen damit erhebliches ideelles und materielles Leid zufügen (mehr dazu hier auf diesem Blog und im Hermaphroditforum). "Zufällig" handelt es sich dabei oft auch um SchreiberInnen, die schlicht unfähig scheinen, einmal kurz ihre trendy "Gender-Brille" abzulegen -- und so nach dem typischen Trans*-Vereinnahmungs-Muster den Kern des Themas "Intersexualität" (die körperliche Besonderheit bzw. die uneindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmale) prompt ausblenden und stattdessen ausschliesslich von "sexueller Identität", "komplexer Gender-Problematik", "sexueller Selbsrbestimmung" usw. faseln. Siehe z.B.: Deutschlandradio, ARD, Hamburger Abendblatt, MDR, Junge Welt, Bayerischer Rundfunk 2, kino.de.

Bereits auf diesem Blog entsprechend gewürdigt wurden weitere journalistische Verbrechen anlässlich des Frauenfilmfestivals Köln und das unsägliche Vorgehen des schwullesbischen Filmfestivals "Pink Apple".


Nachtrag 5.7.08: Siehe auch die positive Besprechung von Nolderot im öffentlichen Teil des IS-Menschen-Forums. Und den Verriss auf dem Kitty ISt zu Hause-Blog. Und die Besprechung auf dem Kultur-Tagebuch-Blog, deren Verfasserin durch den Film überhaupt erst von der "Intersex"-Problematik erfuhr. Und die Stellungnahme der Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V.


XXY auf zwischengeschlecht.info:      

XXY - Ein menschlicher Film über Zwitter

XXY - der Film: Schweizer Verleiher nimmt Problematik ernst

XXY - argentinischer Spielfilm über jungen zwischengeschlechtlichen Menschen

Schwullesbisches Filmfestival "Pink Apple" missbraucht Zwittersymbol

Einmal mehr: Kölner Frauenfilmfestival setzt "intersexuell" = transsexuell

Tuesday 24 June 2008

"Inter- und Transsexualität" @ Deutschlandfunk So 6.7.08 16:30h

Am 6. Juli 2008, 16:30 Uhr, wird auf "Deutschlandfunk" eine Sendung über Inter- und Transsexualität ausgestrahlt. Als Vertreterin der Intersexuellen mit dabei ist unser Nolderot!

Wie in diesem Blog bereits berichtet, hat Thekla Jahn vom Deutschlandfunk als Vertreterin der Transsexuellen Helma Katrin Alter gewählt, die für ihre vereinnahmende Haltung Zwischengeschlechtlichen gegenüber berüchtigt ist und sich unlängst ganz plötzlich als "Intersexuelle" outete.

Man darf gespannt sein, ob es Frau Jahn gelungen ist, die Wichtigkeit einer trennscharfen Unterscheidung zwischen "Intersexualität" und Transsexualität zu vermitteln.

Leider kommt es jedoch bereits im Ankündigungstext zur Sendung zur üblichen leidigen Vermischung von "Intersexualität" und Transsexualität, indem beispielsweise gesagt wird, "dass Abweichungen von der Norm rund einen von 2000 Menschen betreffen", jedoch nicht präzisiert wird, dass sich diese Zahlen auf "Intersexuelle" beziehen.

In der Folge liegt dann der Fokus auf "interdisziplinäre[n] Forschungsprojekte[n]" und deren Suche nach "biologischen und psychologischen Ursachen" und "wie Therapeuten und Gesellschaft diesen Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen können". Von Zwangsoperationen an Zwittern wieder einmal kein Wort. Dafür wird fälschlicherweise behauptet, "Intersexuelle" würden damit "kämpfen [...], dass ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht klar ausgeprägt sind".

Wir hoffen, wie schon so oft, dass der ziemlich missglückte Ankündigungstext nicht den Inhalt der Sendung wiederspiegelt.

Nachtrag 6.7.: Leider haben wir die Sendung wegen der Kinderspital-Aktion verpasst. Inzwischen ist aber eine ausführliche Page online mit viel Text aus der Sendung, und siehe da: Die Sendung selbst war offensichtlich ne Stange besser als die Ankündigung!

Monday 23 June 2008

Zwitter @ Kulturzeit, Mi 25.6.08 19:20h 3Sat

Die Zwitter-Medienoffensive geht weiter und weiter ...

Im Beitrag vom Mittwoch u.a. mit dabei: Christiane Völling, Ins A. "GenderFreeBlog" Kromminga und Elisabeth "Museli" Müller!

Habe auf 3Sat noch keine offizielle Ankündigung gefunden, sondern einzig eine Meldung in Die Standard, doch wir sind schon mal mächtig gespannt ...

Nachtrag: Die Sendung wurde extrem kurzfristig auf Mittwoch vorverlegt :-(
Wiederholungen: Do 01:35 und 09:05

Die Sendung kam super rüber mit massig Klartext zu den menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen usw. Allen Beteiligten und 3Sat ein fettes Danke!!! :-) :-) :-)

Mittlerweile ist auch ein sehr guter Text zur Sendung auf der 3Sat-Homepage online!

Sunday 22 June 2008

"Welt" und "Berliner Morgenpost" rezyklieren Artikel über "Intersexualität" - inklusive falschen Zitaten ...

Kürzlich erschien in "Die Welt" unter dem Titel "Zwitter - Mann und Frau zugleich" und in der "Berliner Morgenpost" unter dem Titel "Das dritte Geschlecht" ohne AutorInnenangabe ein scheinbar 'neuer' Artikel über "Intersexualität".

Wie einem öffentlichen Thread auf dem Hermaphroditforum zu entnehmen ist, stammt der Artikel von Heike Stüvel und erschien bereits am 4. Januar 2007 wortwörtlich im Handelsblatt unter dem Titel "Leben zwischen Mann und Frau".

Bezeichnenderweise wurden in den redaktionellen Einführungen einmal mehr die Mediziner-Beschönigungen unreflektiert weiterverbreitet, wonach die an Zwittern täglich begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeblich schon lange Schnee von gestern seien und Zwitter sowieso nur sehr selten vorkämen.

In der Printausgabe der "Handelszeitung" las sich ersteres z.B. so:

Intersexualität wurde früher mit dem Skalpell behandelt. Die Medizin rückt von einer verheerenden ideologie ab.

18 Monate später behauptet "Die Welt" frech:

Bis vor wenigen Jahren wurden die Kinder noch einem chirurgischen Eingriff unterzogen - heute nicht mehr.

Zum Interview in den Artikeln mit der betroffenen Freya Jung wird im Forum angemerkt:

Heike Stüvel hat eine Sache falsch zitiert : Erst als Sie Testosteron nahm, ging es ihr wieder besser, nicht Östrogen.

Selbstverständlich findet sich dieser peinliche Fehler (contrachromosomale Zwangs-Hormonerstatztherapien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit werden seit langem von den betroffenen Menschen und ihren Organisationen kritisert) ebenfalls unverändert in den aktuellen Nachdrucken ...

Ebenso darf Netzwerk-Mediziner Olaf Hiort weiterhin unkritisiert seine stark untertriebenen Statistiken anpreisen:

Ungefähr einer von 8000 bis 10 000 Menschen ist in Deutschland intersexuell geprägt.

Ähnlich nach unten verfälschte Statisiken werden bis heute noch fleissig auch z.B. von der Bundesregierung und von Spiegel-TV weiter herumgereicht.

Tatsache ist: etwa jedes 2000. Kind kommt mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt.

In Deutschland leben mindestens 100'000 zwischengeschlechtliche Menschen, und jeden Tag wird mindestens ein Zwitter von gewissenlosen Medizynern genital zwangsoperiert oder "prophylaktisch" kastriert.


Fazit: Statt diese Verbrechen gegen die Menschenwürde und gegen das Strafgesetzbuch (schwere Körperverletzung) endlich straf- und zivilrechtlich zu ahnden, schauen Behörden, Medien und "die Öffentlichkeit" weiter tatenlos zu und lügen sich gegenseitig die Hucke voll -- wie auch vorliegende Beispiele einmal mehr beweisen ...

Friday 20 June 2008

XXY @ Intro

Coole Infos und ein ausführliches Interview mit der Regisseurin Lucia Puenzo im Musikmagazin "Intro" zum Deutschlandstart des
Films "XXY"!

(Wenn wir mal vom oberpeinlichen Verschreiber im Eingangsabschnitt zum Interview absehen, wo Alex, die zwischengeschlechtliche Protagonistin des Films, allen Ernstes als "transsexuell" bezeichnet wird -- obwohl genau dieser verbeitete Irrtum im Info-Artikel zu Recht kritisiert wird ...)

Mehr als zwei Arten von Menschen (Interview)

Plädoyer für die Vielfalt (Infoartikel über "Intersexualität")

(Gefunden via Intersex-Feed des genderfree-blogs.)

Thursday 12 June 2008

Schweiz: Erste Verurteilung wegen Genitalbeschneidung

Die Verurteilung erfolgte aufgrund von Verletzung der "Fürsorge- und Erziehungspflicht":

Eine Somalierin ist im Kanton Freiburg zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Die Frau hatte zugelassen, dass ihre Halbschwester beschnitten wurde. [...] Weil in Somalia Genitalverstümmelung nicht strafbar sei, habe die Halbschwester nicht wegen schwerer Körperverletzung verurteilt werden können. >>> ganze sda-Meldung

Zudem ist in der Schweiz ein neuer Straftatbestand in Arbeit, der auch Aufforderung zu Beschneidung explizit unter Strafe stellen soll:

Wer in der Schweiz lebt und Frauen sexuell verstümmelt oder dazu auffordert, soll bestraft werden – dies auch dann, wenn die Tat im Ausland begangen wurde.
>>> ganze TA-Meldung

Weitere Strafverfahren wegen Genitalbeschneidungen laufen in der Schweiz aktuell in den Kantonen Zürich und Genf. Der zürcher Fall, in dem es um eine in der Schweiz durchgeführte Beschneidung aus dem Jahre 1996 und damit um "schwere Körperverletzung" geht, kommt bereits in 2 Wochen vor Gericht ...

>>> weitere Meldungen zu Beschneidungen in Europa

Kommentar: Bisher werden in den "westlichen zivilisierten Welt" Genitalbeschneidungen lediglich verfolgt, wenn sie an afrikanischen Mädchen oder Frauen geschehen. Genitale Zwangsoperationen an Intersexuellen vor der eigenen Haustüre sind jedoch in der Regel auch für FeministInnen und andere, die gegen diese "Barbarei afrikanischer Sitten" kämpfen, aus offensichtlichen Gründen meist kein Thema. Höchste Zeit, dass diese diskriminierende Praxis sich ändert -- und MedizynerInnen, PolitikerInnen usw., welche diese und andere menschenrechtswidrige Zwangseingriffe an Zwittern zulassen, durchführen oder öffentlich dazu aufrufen, ebenfalls straf- und zivilrechtlich verfolgt und verurteilt werden!

Tuesday 10 June 2008

Elternmagazin "Fritz+Fränzi" verurteilt Zwangsoperationen und fordert "3. Geschlecht"

Das Schweizer Elternmagazin "Fritz+Fränzi" berichtet in seiner neuesten Ausgabe "#3/Juni 2008" vom "Tabuthema Kinder mit dem dritten Geschlecht".

Der zweiseitige Artikel "Das dritte Geschlecht" redet Klartext. Hier ein paar Auszüge:

Ein Tabu wird gebrochen - lange verschwiegene Zwangsoperationen an Zwittern werden zu einem öffentlichen Thema. Heute soll jeder intersexuelle Mensch selbst entscheiden können, ob er sein Leben als Frau, als Mann oder als intersexueller Menschen leben will.

Wir alle lernen von klein auf, dass es nur Mann oder Frau gibt. Wäre das anders, müssten sich Eltern und betroffene Kinder nicht mehr verstecken. Niemand wäre mehr überfordert, wenn ein intersexueller Mensch zur Welt kommt.

Sie sind weder behindert noch krank und können in unserer Welt genauso gut leben wie Männer und Frauen auch.

Die Autorin bezieht sich im Wesentlichen auf die Sendung über mich in der Schweizer "Rundschau" vom Dezember 2007 und die darin gemachten Aussagen von Betroffenen, Eltern von Betroffenen und Medizinern.

Ich freue mich sehr darüber, dass in einem Elternmagazin ein Artikel über Intersexualität erschienen ist, der für uns Zwischengeschlechtliche spricht, Eltern sensibilisiert und die Botschaft vermittelt, dass "Intersexualität ein natürlich gegebenes Geschlecht ist".

Nella

P.S.: Und hier noch ein Buchtipp: Vor einigen Jahren brachten die Eltern eines zwischengeschlechtlichen Kindes ein Bilderbuch ans Selbsthilfetreffen mit, das mich sehr berührt hat und das seither in meinem Bücherregal steht: für Eltern, deren Kind Irgendwie anders ist.

Monday 9 June 2008

"Das Erwachen des Dritten Geschlechts"

Korrekter Blogpost zum Thema, offensichtlich angeregt durch Raphael "Garou" Lediczkys gelungener Auftritt in "Aspekte":

--> Anders Denken 2.0: "Das Erwachen des Dritten Geschlechts"

Wir sagen Dankeschön!!! (Und Hallo!)

(Indirekt gefunden via Intersex-Feed des genderfree-blogs.)


Friday 6 June 2008

Fatale "Explosiv"-Ankündigung: RTL krebst zurück

Auf den 17. Juli ist bei RTL 2 im Sendegefäss "Explosiv" ein Beitrag in Arbeit zum Thema „Nicht Frau, nicht Mann! Mein Leben als Zwitter“. Eine am 3.6. von RTL versandte Pressemitteilung stiess nicht nur bei den Portraitierten, sondern auch in den Foren und auf dem genderfree-blog berechtigterweise auf z.T. heftige Kritik -- insbesondere der absolut unhaltbare Abschnitt, in dem einmal mehr mutwillig genitale Zwangsoperationen und sonstige gesundheitlich nicht notwendige Zwangseingriffe an Zwittern gerechtfertigt und gar noch als "vervollständigende Chance" darstellt werden:

Auch heutzutage gibt es Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen - sogenannte Zwitter oder Hermaphroditen. Mit Hilfe von Hormonbehandlungen und chirurgischen Eingriffen ist es möglich, die Entwicklung eines solchen Menschen entweder zum einen oder anderen Geschlecht weitgehend zu vervollständigen. Dadurch haben sie die Chance, als normale Männer oder Frauen aufzuwachsen.

Nach beherzten Interventionen der Portraitierten Andrea "Chappi" Cremer bei RTL und bei der Produktionsfirma Motivi (inkl. Androhung rechtlicher Schritte) ist RTL nun zurückgekrebst: Die unseriöse und irreführende Pressemitteilung wurde zurückgezogen (einzig auf der Stadtdatenbank ist sie nach wie vor online ...) und Nachbesserung gelobt.

Nachtrag 7.6.: Inzwischen wurde die Pressemeldung unter einer neuen URL wieder aufgeschaltet. In der neuen Version wurden nun immerhin die oben kritisierten Sätze entfernt. Sie durch ein korrektes Statement zur Zwangseingriffsproblematik zu ersetzen wäre wohl offensichtlich zuviel verlangt ...

Nachtrag 14.7.: Der Ausstrahlungstermin wurde inzwischen vom Sender auf August verschoben, zur Zeit ist noch kein genaues Datum bekannt.

Siehe auch Berichterstattung zur Ausstrahlung vom 28.8.:
- "Nicht Frau, nicht Mann! - Mein Leben als Zwitter" - RTL2 28.8.08
- Nachtrag zu RTL2-Sendung "Explosiv" vom 28.8.08

Thursday 5 June 2008

Zwitter @ Aspekte, ZDF Freitag 6.6.08 22:30h

Die Zwitter-Medienoffensive geht weiter!

Im Beitrag von heute Freitag zum Film XXY mit dabei: Raphael "Garou" Lediczky, Begründer des Hermaphroditforums!

--> Vorschau / Zusammenfassung auf Aspekte online

Wiederholung: Sa 05:30. Wiederholungen im ZDFinfokanal: Sa 21:00, So 23:30, Mo 16:30, Mi 23:30, Fr 16:30.

Video online betrachten: Ins Bild klicken!

Rezension: Der Beitrag war informativ und gelungen (einziger Schnitzer: in Australien gibt es offiziell einen Eintrag "Drittes Geschlecht" für Zwitter -- und die URL von Garous Homepage oder des Hermaphroditforums kurz einzublenden wäre auch kein Luxus gewesen ...). Garou redete Klartext über die menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen, auch Christianes Sieg wurde erwähnt (und die Demo kurz gezeigt). Bleibt zu hoffen, dass der bevorstehende Start von XXY (trotz des problematischen Titels) weiterhin dafür sorgen wird, dass noch mehr Menschen von den an Zwittern regelmässig begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfahren ...

Wednesday 28 May 2008

Alle Menschen waren ursprünglich Zwitter ...

... nämlich im Mutterleib! Nolderot auf dem IS-Menschen-Forum:

In medizinischen Lehrbüchern ebenso wie in Aufklärungsbüchern findet man heute oft noch die falsche Darstellung, dass der Mensch bis zur 7. Schwangerschaftswoche vom Erscheinungsbild weiblich sei. Tatsächlich liegen aber bei allen Menschen bis zur 7. Woche die undifferenzierten Vorstufen der inneren Geschlechtsorgane beider Geschlechter (u. a. Wolffsche Gänge und Müllersche Gänge) vor. Auch die äußeren Geschlechtsorgane bedürfen bis zur Geburt noch einer hochkomplexen Differenzierung in die männliche oder weibliche Richtung. Bis zur siebten Schwangerschaftswoche sind alle Menschen intersexuell. Erst ab der 12. Schwangerschaftswoche entwickelt sich der Mensch in den männlich oder weiblich definierten Bereich, wobei intersexuelle Menschen einen mehr oder minder undifferenzierten Status beibehalten. Die Information über die Beschaffenheit des Menschen bis zur 7. Schwangerschaftswoche ist von erheblicher Bedeutung zur Beendigung aller geschlechtlich begründeten Diskriminierungen, nicht nur gegenüber „intersexuellen“ Menschen.

Eine gelungene Visualisierung des Zwitter-Seins im Mutterleib und wie die Differenzierung der äusseren Genitalien vor sich geht gibt's in der Planetopia-Sendung zu Christianes 1. Prozesstag (ins Bild klicken):

Sunday 18 May 2008

"Die Ärzte haben entschieden, dass ich ein Mädchen sein soll"

Bild: Michele Limina / Le Matin Dimanche

Anlässlich der Debatte über 'Intersexualität' vom 8. Mai 2008 am Zentrum für Gender Studies an der Universität Lausanne wurde ich von Geneviève Comby von der Zeitung "Le Matin Dimanche" interviewt. Der meiner Ansicht nach sehr gelungene Artikel redet Klartext über die an uns Zwittern begangenen Menschenrechtsverletzungen.

>>> Artikel von "Le Matin Dimanche" (französisch)

Wednesday 7 May 2008

Zwitter = Transgender ??!

Ein weiteres typisches Beispiel für die Vereinnahmung / Unsichtbarmachung von Zwischengeschlechtlichen durch LGBTs aus dem "Glossar über Begriffe und Bezeichnungen für Schwule und der ganzen LGBT-Gemeinschaft" auf network.ch, der Homepage des "Network für schwule Führungskräfte":

Zwitter = Zweigeschlechtliche Wesen. Wurde früher fälschlicherweise für Transgender gebraucht. Heute nur noch in der Botanik und Zoologie gebräuchlich.

Hermaphrodit = Sohn des Hermes und der Aphrodite. Zwitter, Mensch mit Brüsten und Glied (kleiner Penis oder übergrosser Kitzler), heute nennt man diese Menschen Transgender. Für die alten Griechen ein Zeichen der Göttlichkeit

Transgender = Menschen mit missgebildeten, zeugungsunfähigen Geschlechtsteilen, die nicht eindeutig männlich oder weiblich aussehen. Wird heute meist zugunsten einer männlichen oder weiblichen Identiät [sic!] im Jugendalter operiert. Wird dies unterlassen, kann sich ein Hermaprodit bilden.

Tja, öhm, da gackert der Zwitter ... Oder so ähnlich. Sprich nämlich eben nicht. Hualp!

Liebe schwule Führungskräfte: Offensichtlich habt ihr euch weder über Zwitter noch über Transgender je seriös informiert. Bitte holt dies bei Gelegenheit nach. Bis dahin streicht bitte fürs erste diese drei unsinnigen und für Zwischengeschlechtliche schädlichen "Definitionen" in eurem Glossar ersatzlos ... alles andere wär glaub zu gombliziert ... (Später dann ev. eine korrekte Definition von Transgender wieder hinzufügen, die Zwitter NICHT diskriminiert oder vereinnahmt  ...) Danke!

Saturday 3 May 2008

Zwittersymbol-Klau: "Pink Apple" verweigert Dialog und lädt Betroffene von "Diskussion" aus ...


Und das zwei Tage vor der Veranstaltung. Weiterer Kommentar überflüssig ...


Betreff:
Re: 2. Offener Brief an "Pink Apple"
Von: [...] programmation_at_pinkapple.ch

Datum: 2.5.2008 9:19 Uhr
An: presse_at_zwischengeschlecht.info

liebe daniela
auf unsere erste anfrage anfang februar bzgl. deiner teilnahme an einer diskussion haben wir leider über wochen keine antwort erhalten und auf ein weiteres mail auch bis mitte märz keine definitive zusage deinerseits bekommen. infolgedessen sahen wir uns gezwungen, umzudisponieren und haben die geplante diskussion auf ein filmgespräch mit den mitwirkenden von "die katze wäre lieber..." beschränkt. wie das in unserem programm auch so aufgeführt wird.
selbstverständlich kannst du als kinobesucherin am gespräch zwischen publikum und unseren gästen teilnehmen.
mit bestem gruss
[...]


Am 1. Mai 2008 um 21:50 schrieb presse@zwischengeschlecht.info:

Liebe [...]
Liebe Pink Apples

Vielen Dank für Deine Antwort. Es freut mich sehr, dass Ihr nunmehr meine Argumente für eine nächste Festivalsausgabe in Betracht ziehen wollt. Ich hoffe nach wie vor, es wird sich bis dann eine transparente, konstruktive Lösung finden, die den berechtigten Anliegen aller Gruppen Rechnung trägt.

Dass das Zwittersymbol nicht der alleinige Gegenstand der Diskussion vom kommenden Sonntag sein soll, und dass ich dort auch nicht der einzige Gast bin, ist mir sehr wohl bewusst.

Herzliche Grüsse

Daniela


[...] schrieb:

Liebe Daniela
die Diskussion im Anschluss an den Film ist der Problematik der Intersexualität in unserer Gesellschaft gewidmet. Dass es dabei nicht in erster Linie um Symbole und Zeichen gehen kann, versteht sich von selbst. Das Publikum soll Gelegenheit haben mit unseren Gästen zu diskutieren – ihnen gehört diese Plattform.
Für alles weitere haben wir Deine Argumente zur Kenntnis genommen und werden sie für eine nächste Festivalausgabe in Betracht ziehen.
mit bestem Gruss
Doris


Am 27. Apr 2008 um 22:54 schrieb presse@zwischengeschlecht.info:
---> 2. Offener Brief an "Pink Apple" 

Sunday 27 April 2008

2. Offener Brief an "Pink Apple"

>>> Was bisher geschah ...

2 .  O F F E N E R   B R I E F

der schweizerischen Selbsthilfegruppe
zwischengeschlecht.org

an das

Schwullesbische Filmfestival PINK APPLE


Liebe [...]
Liebe Pink Apples

Nochmals danke für eure Antwort vom 18.4. Wie ich euch schon am 22.4. schrieb, komme ich gerne an die Diskussion am 4.5., und es tut mir leid, wenn ich euch mit meinem offenen Brief vor den Kopf gestossen habe. Mein Ziel ist es wie gesagt, für die angesprochene Problematik mit euch zusammen eine transparente, konstruktive Lösung zu finden, die den berechtigten Anliegen aller Gruppen Rechnung trägt und nicht in der Öffentlichkeit ein falsches Bild erzeugt, das uns Zwitter einmal mehr ausblendet und unsichtbar macht.

Gerne möchte ich im Folgenden inhaltlich auf eure Mail vom 18.4. eingehen:

Entgegen eurer Darstellung habt ihr nicht seit dem 3.3. nichts mehr von mir gehört, sondern am 11.3. hatte ich euch nochmals per Mail auf die Widersprüche in euren Aussagen aufmerksam gemacht. Leider habe ich darauf von euch nichts mehr vernommen, weshalb ich in der Folge am 16.4. den offenen Brief schrieb.

Leider vermisse ich auch in eurer jetzigen Antwort nach wie vor eine inhaltliche, konkrete Stellungnahme zu meinem Anliegen: Weder habt ihr dazu Stellung genommen, ob das Zwittersymbol eurer Meinung nach auch für Transgender gilt, noch habt ihr Bereitschaft signalisiert, grundlegend darüber nachzudenken, ob eure Verwendung des Zwittersymbols überhaupt korrekt ist, und eine eventuell irrtümliche Verwendung zu korrigieren. Ich bitte euch deshalb erneut inständig, dies so rasch wie möglich nachzuholen.

Dies umso mehr, da eure undifferenzierte Verwendung des Zwittersymbols für "Transgender" aus unserer Sicht höchst problematisch ist und dazu geeignet, uns "Inters**uellen" erheblichen Schaden und Leid zuzufügen, indem unter Ausblendung der für die Betroffenen erstrangigen Problematik der klar menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen unser Zwitterdasein kurzerhand auf die "(Trans-)Genderfrage" reduziert wird.

So sehr wir euch wie erwähnt dankbar sind, dass ihr Filmen wie "Die Katze wäre eher ein Vogel" und "XXY"   eine Plattform bietet: Durch die erwähnte, undifferenzierte Vermischung von Begriffen und Symbolen tragt ihr letztlich bei zur Tabuisierung und Unsichtbarmachung von "Inters**uellen" in der öffentlichen Wahrnehmung, die wiederum massgeblich dazu beiträgt, dass diese menschenrechtswidrigen "Behandlungen" weiterhin andauern.

Dies ist ein grundsätzliches Problem, dem man mit einer halbstündigen Diskussion zum Film vom nächsten Sonntag meines Erachtens nicht wirklich gerecht werden kann. Ich möchte euch deshalb erneut inständig bitten, es so rasch als möglich grundsätzlich inhaltlich anzugehen. Damit künftig alle Betroffenen mit ungetrübter Freude bei Pink Apple mit dabei sein können.

Herzlichen Dank!


Nella


Wednesday 23 April 2008

"Wechselbad der Gefühle und Geschlechter"

--> coole besprechung von "xxy" auf movieman.de

plus ein beispiel, wie sich der film auch nicht-vereinnahmend & und nicht-irreführend festivalkonform ankündigen lässt im programm des 17. "verzaubert" queer filmfestivals (obwohl auch darin die klassisch-betriebsblinde reduktion des filmthemas auf "das komplexe Genderthema" letztlich einmal mehr zu konstatieren ist. aua! bitte nicht mehr ... )

Sunday 20 April 2008

Einmal mehr: Kölner Frauenfilmfestival setzt "intersexuell" = transsexuell

Jedes Mal, wenn Zwischengeschlechtliche sich "outen", sei es in der Öffentlichkeit oder im Freundeskreis, ernten sie "geistreiche Reaktionen" à la "Hat das etwas mit Transsexualität zu tun?" (Nella auf diesem Blog) oder "Ja, man hört und liest viel über Transsexuelle......." (Beispiel im nichtöffentlichen Bereich des IS-Menschen Forums).

Zusätzlich werden Zwischengeschlechtliche von Ärzten, Krankenkassengutachtern und Richtern regelmässig gedrängt, ihnen zustehende Behandlungen doch lieber über die "Trans*schiene" zu beantragen -- ansonsten sie mit z.T. Jahre langen Schikanen zu rechnen haben (Beispiel Christiane / nichtöffentliche Forumsbeispiele).

Kurz, die "bewährte" Desinformationstaktik etwa von Helma Katrin Alter oder Laura Armani (Nachtrag: und ihrer Souffleure von der "Church of Sexology", mehr dazu z.B. hier und hier) trägt weiterhin Früchte -- auf Kosten der Zwischengeschlechtlichen wie gehabt.

Nach dem schwullesbischen Fimfestival "Pink Apple" in Zürich trat nun auch das Frauenfilmfestival Dortmund / Köln ins selbe Fettnäpfchen -- und einmal mehr werden die für Zwischengeschlechtliche so fatalen "Verwechslungen" von der Presse unkommentiert weiterverbreitet -- ausgerechnet in der Stadt, in der Christiane Völling vor kurzem einen historischen Sieg für alle Zwischengeschlechtlichen errang ...

Aus einem Interview über "intersexuelle Themen" im Programm mit Festival-"Chefin" Silke J. Räbiger von Thomas Linden von der "Kölnischen Rundschau":

Eine Tradition aus Feminale-Zeiten hat die Sektion Quer-Blick. Wird sie zum Anziehungspunkt für die Subkultur?

Das wird sich zeigen. Intersexuelle Themen kommen in vielen Filmen vor, das haben wir beim Sichten festgestellt. Zum Beispiel in unserem argentinischen Eröffnungsfilm „XXY“ [Siehe Berichterstattung auf diesem Blog eins / zwei / drei] oder „Shes a Boy I know“ [ein Film über eine Transsexuelle, der mit "Intersexualität" nichts zu tun hat] einer kanadisch-chinesischen Koproduktion. Eine erfreuliche Entwicklung, weil man nun nicht mehr so tun kann, als ob es sich hier um Sonderfälle des Lebens handelte. Die Zeit ist reif, dass intersexuelle Themen nicht mehr in dunkle Ecken abgeschoben werden. Es ist schon eine gute Mischung, die sich in unserem Programm gefunden hat.

Mag sein, dass diese "Mischung" für Festivalchefin Silke Räbiger oder für nach bekanntem Muster "Intersexuelle" vereinnahmende Transsexuelle eine "gute" ist. Für Zwischengeschlechtliche und ihre berechtigten Interessen ist sie hingegen schlecht und ein Teil des Problems, nicht der Lösung ...

(Hat tip an den Genderfreeblog, via dessen IS-Ticker ich auf das zitierte Interview stiess.)

Nachtrag: Pressemitteilung des Vereins vom 23.04.08



XXY auf zwischengeschlecht.info:      

XXY - Ein menschlicher Film über Zwitter

XXY - der Film: Schweizer Verleiher nimmt Problematik ernst

XXY - argentinischer Spielfilm über jungen zwischengeschlechtlichen Menschen

Tuesday 15 April 2008

Schiebung! Wie die dgti den "Intersex"-Eintrag auf Wikipedia manipuliert & verfälscht

Vor nur einem Vierteljahr noch Unvorstellbar -- heute Wirklichkeit: Dieser Blog setzte im vorhergehenden Post Links auf die Wikipedia-Einträge "Intersexualität" und "Transgender", um auf die real existierenden Unterschiede zwischen diesen beiden Begriffen/Bewegungen hinzuweisen. Nach unserer hartnäckigen (und, ähm, kein Blatt vor den Mund nehmenden) Kritik an fragwürdigen Vermischungen der beiden Begriffe auf Wikipedia (um nicht zu sagen Annektierung von "Intersexualität" durch "Transgender") hat sich inzwischen auf Wiki für Zwischengeschlechtliche tatsächlich Wesentliches zum Besseren geändert. Dafür auch hier allen Beteiligten Danke!!!

In einem öffentlichen Thread auf dem IS-Menschen Forum wurde darauf der "Intersex"-Eintrag von Mitglieder_innen nochmals durchleuchtet ... (--> Fortsetzung)

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Monday 14 April 2008

Schwullesbisches Filmfestival "Pink Apple" missbraucht Zwittersymbol

Vor zwei Monaten wurde ich von einer der VeranstalterInnen des 11. Schwullesbischen Filmfestivals PINK APPLE in Zürich zu einer Diskussionsrunde zu Melanie Jilgs Film "Die Katze wäre eher ein Vogel" eingeladen (So 04.05. 18:30h Kino Movie). Im Film werden mehrere Zwischengeschlechtliche portraitiert, die ich persönlich kenne, der Film ist seit langem hier in der Blogroll verlinkt.

Neben der Regisseurin und einer Person aus dem Film würde man sich auch über "jemanden aus der Intersexcomunity der Schweiz" freuen, so die VeranstalterInnen. Kontext der Diskussion ("maximal 1/2 Std.") sei das "Thema der Intersexualität und deren Problematik in unserer engen rechtlichen Struktur" ...

In meiner Antwort-Mail kritisierte ich eine Praxis, die mir schon 2006 unangenehm aufgefallen war, als "Tintenfischalarm" mit Alex Jürgen in Zürich lief: Im Programm werden seit 2004 Filme jeweils mit "Geschlechtssymbolen" markiert. Dabei wird einmal mehr frech unser Zwittersymbol von LGBTs instrumentalisiert, wobei der Missbrauch zahlenmässig jedes Jahr zunimmt. Schaut mensch sich etwas im Programm um, kommt das Zwittersymbol in folgenden Konstellationen vor:
 

'Schwule Zwitterfilme' gay   

Beyond Vanilla gay zeigt und erklärt die harten Seiten der Sexualität. Interviews und handfeste «How-to-do»-Instruktionen führen den Zuschauer in die weite, fantasievolle Welt von Fetisch und S/M.

A Different War (Milhama a'heret) gay Die Rolle von König David wird beim Schultheater mit Noni besetzt – doch dieser würde viel lieber die Prinzessin spielen.

Paper Dolls – Bubot Niyar gay fünf transsexuelle Philippinos, welche in der Betreuung von betagten jüdischen Senioren Einsatz finden.


'Lesbische Zwitterfilme' lesb

Boy I Am lesb Frau-zu-Mann-Umwandlungen erleben in den USA zurzeit einen richtiggehenden Boom.

Working on it lesb ein Film über Geschlecht und Identität [nicht schon wieder ...] queere Strategien im weiten Feld sexueller Politiken

Queer Sisters in the Brotherhood lesb Eine kleine Hommage an die Handwerkerlesben

'Schwullesbische Zwitterfilme' gay lesb       

Gay ... et après? gay lesb Willkommen im Zeitalter der Post-Gay-Bewegung!

Be like others gay lesb Patientinnen und Patienten einer Umwandlungsklinik in Teheran

Out im Kino gay lesb Mit ihrem lesbisch-schwulen Filmlexikon «Out im Kino» haben Manuela Kay und Axel Schock ein für Europa einmaliges Nachschlagewerk geschaffen.


'Zwittrige Zwitterfilme' bzw. 'Nur Zwitterfilme'

Football under Cover Freundschaftsspiel zwischen der iranischen Frauen-Nationalmannschaft und dem Berliner Frauenbezirksteam Al-Dersimspor

F Scott Fitzgerald Slept Here Paul ist ein Transmann, der die Grenzen seines neuen Geschlechts auslotet wie andere den Tacho ihres neuen Autos.

Offerte Speciali Eine transsexuelle Kundin findet im Früchteregal etwas, das ihre kühnsten Vorstellungen übertrifft.
 

Auf meine Kritik an diesem Missbrauch wurde gerade mal mit einem ausweichenden Satz am Schluss der Mail reagiert:

Die Diskussion welche Zeichen welche Gender bezeichnen, wäre ja dann vielleicht eine die an diesem Filmabend geführt werden könnte....

Zugleich wurde versichert:

Dabei ist es uns sehr wohl bewusst dass, Transsexualität und Intersexualität nicht die gleiche Sache ist, wir haben in unserer Programmation auch immer sehr darauf geachtet diese 2 Themen nicht zu vermischen.

Na, klar, keine Vermischung – siehe die Beispiele oben ... – und noch dazu als Vorfilm zu Die Katze wäre eher ein Vogel ein weiterer 'Lesbischer Zwitterfilm' lesb , der einmal mehr mit Zwittern nix zu tun hat? Vielen Dank auch!

Und meine Bitte, "dieses Zeichen in Zukunft nur noch für Filme über Zwitter/Hermaphroditen/'Intersexuelle' zu verwenden", wurde natürlich ignoriert, wie das mittlerweile online gegangene Programm 2008 beweist.


Liebe Leute von Pink Apple!

Ihr habt dieses Jahr am 4. Mai in Zürich mit den Beiträgen

Die Katze wäre eher ein Vogel Vier intersexuelle Menschen erzählen von ihren Erfahrungen.

XXY [Sorry, "Thema Zweigeschlechtlichkeit"??? Und der "befreundete Chirurg" war einfach so "zu Besuch"??? Wart ihr im richtigen Film?]

gleich zwei 'Zwitterfilme' im Programm, die von vielen Zwischengeschlechtlichen geschätzt und begrüsst werden. Dies ist für uns ein Grund zu grosser Freude und dafür möchte ich mich herzlich bei euch bedanken!

Wenig Grund zur Freude ist hingegen die missverständliche Verwendung des Zwittersymbols in euren Programmen als Kennzeichnung für eine  Reihe von weiteren Filmen, die klar keine 'Zwitterfilme' sind (siehe oben).

Möglicherweise liegt dem eine Verwechslung der Begriffe "Intersexualität" und "Transgender" bzw. der dazugehörigen Symbole zu Grunde?
http://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualit%C3%A4t
http://de.wikipedia.org/wiki/Transgender

Leider stiessen meine bisherigen Hinweise auf diese Problematik per Mail auf wenig Echo. Deshalb möchte ich euch auf diesem Wege freundlich bitten, die Verwendung der "Gendersymbole" in euren Programmen zu überprüfen.

Das Zwittersymbol® (biologisches Symbol für Zwitter) gehört den Zwischengeschlechtlichen / Zwittern / Hermaphroditen / "Intersexuellen"!

Wenn ihr es für "Transgender" annektiert mit der Begründung, "unter diesem Begriff das Thema Gender und Geschlecht in seinen diversen Erscheinungen thematisieren und sehr offen behandeln" zu wollen, reiht ihr euch ein in die lange Tradition der Zwitter-Instrumentalisierung und trägt aktiv zur Unsichtbarmachung von Zwittern bei, die das Leben der Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst.

Zwischengeschlechtlich geborene Menschen müssen sich nicht nur mit der Problematik auseinandersetzen, dass ein Zweigeschlechtssystem ihre geschlechtlich uneindeutigen Körper nicht gelten lässt und mittels Skalpell der Norm anpasst. Sie werden zusätzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass homosexuelle und transsexuelle Bewegungen sowie die feministische Frauenbewegung ihre geschlechtlich uneindeutigen Körper oft als Mittel zum Zweck für eigene Interessen verwenden.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind zwischengeschlechtlich geborene Menschen längst im (Trans-)Gender-Diskurs untergegangen. Das Zwittersymbol wird missbraucht, zu einem beliebig anwendbaren Abzeichen degradiert – je nach momentaner Genderattitüde oder Geschlechtslaune. Oder kann mir jemand sagen, was (zwangsoperierte) Zwitter mit Fussball spielenden Frauen oder sehnsüchtig wartenden Männern in "Umwandlungskliniken" gemeinsam haben?

Wir appellieren an eure Solidarität!

Nella


--> Dokumentation meiner Korrespondenz mit "Pink Apple"
--> Fortsetzung: 2. Offener Brief


Siehe auch:

- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002 (>> "Kolonialisierungskaskaden") 
- Einmal mehr: Kölner Frauenfilmfestival setzt "intersexuell" = transsexuell
- Helma Katrin Alter – transsexuell oder intersexuell?
- Etwas Solidarität mit Intersexuellen, bitte ...
- Wikipedia vs. Zwitter
- Laura Armani – intersexuell oder transsexuell?
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?"
- Hurra, es ist da – das neue Transschända
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität"



XXY auf zwischengeschlecht.info:
      

XXY - Ein menschlicher Film über Zwitter

XXY - argentinischer Spielfilm über jungen zwischengeschlechtlichen Menschen

XXY - der Film: Schweizer Verleiher nimmt Problematik ernst

Saturday 5 April 2008

Helma Katrin Alter – transsexuell oder intersexuell?

Helma Katrin Alter (Bild: dgti) entdeckt 2008 plötzlich ihre "Intersexualität" ...

Die Galionsfigur der Transsexuellenbewegung ist erste Vorsitzende der von ihr gegründeten "Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti)". Dass "Intersexualität" dabei am Schluss steht, ist kein Zufall, sondern Programm.
 
(Dass der Zusatz "Intersexualität" überhaupt angefügt wurde, ist der Verdienst der zwischengeschlechtlichen Claudia Kreuzer-Clüsserath, die der dgti aber bald enttäuscht den Rücken kehrte.)

Die heute 62-jährige Alter lebte 46 Jahre lang als Ernst Helmar Alter "im falschen Körper" und zeugte als Mann zwei Kinder. Im Juli 1994 "outete" sie sich: "Zehn Tage später stand mein neuer Name im Ausweis." Ihr (Nachtrag: u.a. der "Church of Sexology" abgelauschtes, mehr dazu z.B. hier und hier) Credo, das sie auch im Namen der dgti predigt:

Transgender muss als Sammelbegriff für alle Menschen verstanden werden, die nicht in eine starr polarisierte Vorgabe von Mann oder Frau passen.

Transsexualität [ist] nur eine Sonderform der Intersexualität [...], [die] hirnorganisch bedingt [ist].

Einmal mehr: "Intersexualität" wird lediglich als Mittel zum Zweck herangezogen, um die von vielen Transsexuellen erwünschten geschlechtsangleichenden Operationen zu begründen.

Folgerichtig heisst dann der erste Satz der Präambel unter "Aufgaben der dgti":

Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Der Begriff "Intersexualität" kommt auch sonst unter "Aufgaben der dgti" kein einziges Mal vor, sondern wird stillschweigend unter "Lobby für Transgender" 'mitgemeint'.

Im selben Geist entstand auch der Vorschlag der dgti für ein "Transgendergesetz" (als Ablösung für das bisherige Transsexuellengesetz). Einmal mehr wurden darin "Intersexuelle" unter Transgender subsummiert, einmal mehr stehen ihnen lediglich die Optionen "Mann" oder "Frau" offen, getreu dem dgti-Motto: "Es geht nicht um ein '3. Geschlecht'". Zwischengeschlechtliche waren bei der Ausarbeitung des "Transgendergesetzes" trotz gegenteiliger Behauptungen seitens der dgti nicht beteiligt, im Gegenteil: ihre kritischen Einwände wurden in den Wind geschlagen:

Nein, dem TrGG geht es nicht um eine Situationsverbesserung intersexueller Kinder, sondern es schlagen sich zwei gesellschaftliche Tendenzen darin nieder: Auch Zwitter soll eine Sondergesetzgebung mit Sonderbehandlung erfassen (als ob wir von T4 nichts gelernt hätten) und die Grenzen zwischen Trans- und Intersexuellen sollen verschwimmen. Davon haben fast alle etwas: Mediziner, Psychiater und Transsexuelle. Erstere beide können ihre Klientel ausdehnen und letztere haben endlich eine somatische Begründung für ihre Geistesstörung, als die der Wunsch nach einer Geschlechtsredefinition bis heute gesehen wird. Nicht etwa die Emanzipation vom Gesundheitswesen und die Einforderung einer voraussetzungslosen körperlichen Veränderung ist das Ziel, ebensowenig die Infragestellung polarisierter Geschlechtermuster, sondern schlicht eine Ausweitung des ohnehin durchweg pathologisierten Terrains. (Michel Reiter: "Hurra, es ist da – das neue Transchända")

Soweit so schlecht. Doch es kommt noch "besser":

Am 6. Februar 2008, dem Tag des historischen Sieges der zwischengeschlechtlichen Christiane Völling vor dem Kölner Landesgericht, nach einer bisher nie da gewesenen Medienpräsenz des Themas "Intersexualität", entdeckt Katrin Alter nun plötzlich in einem Zeitungsinterview ihre "Intersexualität": Sie hätte "äußerlich nur über verkümmerte Merkmale eines Jungen" verfügt, offenbart sie dem Journalisten Dagobert Ernst von "Der Westen":

der Penis war winzig und die Hoden waren nicht sichtbar. [...] Ein Schicksal, das schätzungsweise 80 000 Menschen in Deutschland teilen: Ihr Geschlecht lässt sich nicht eindeutig zuordnen, das Rechtssystem aber kennt keinen Zwitter-Status. Um Eindeutigkeit herzustellen werden deshalb sogar schon Babys umoperiert.

Eine bewährte Vereinnahmungstaktik, die vor ihr u.a. schon die Schweizerin Laura Armani perfektionierte ...

In der Tat sind die Parallelen verblüffend: Auch Laura Armani trat zunächst lange als Transsexuelle öffentlich in Erscheinung. Auch sie hat aus einer Ehe vor ihrer Transition zwei Kinder, von denen sie zunächst behauptete, sie selber gezeugt zu haben, obwohl ihr Genital im selben Artikel beschrieben wird: "Ein versteckter Stummel, [...] der Hodensack darunter leer."

Offensichtlich gedenkt Katrin Alter auf dieser Vereinnahmungsschiene weiter zu reiten: Aktuell ist beim Deutschlandfunk eine auf Anfang Mai geplante Sendung der Journalistin Thekla Jahn über das Thema "Intersexualität und Transsexualität" in Vorbereitung. Einmal mehr wurden die Zwischengeschlechtlichen als letzte angefragt: Das Interview mit der "Transsexuellen-Vertreterin" ist schon im Kasten, die Termine mit den Netzwerkmedizinern sind vereinbart, und zum Schluss wird nun noch eine "Intersexuellen-Vertreterin" gesucht, die aber nicht zu weit weg wohnen darf, sonst passt sie nicht mehr ins Budget. Die "Transsexuellen-Vertreterin" ist Helma Katrin Alter von der dgti. Laut Thekla Jahn äusserte sich Alter im Interview wiederum dahin gehend, dass es bei ihr irgendwie nicht so klar sei, dass sie möglicherweise eben doch "intersexuell" sei.

Die meisten Zwischengeschlechtlichen haben nicht die Wahl, von Fall zu Fall, ganz nach Bedarf und Publizitätslage "irgendwie" und "möglicherweise" auch zwischengeschlechtlich zu sein, sondern werden von den Medizinern ungefragt durch die (meist auch operative und/oder hormonelle) Zwangszuweisungsmaschinerie gedreht – inklusive der bekannten (auch psychischen) Folgen. Unter diesen Vorzeichen mutet das Gebahren von Laura Armani und auch Katrin Alter zumindest doch sehr mutwillig an, und es stellt sich weiterhin die Frage: Helma Katrin Alter – transsexuell oder intersexuell?

Nella & Seelenlos

Siehe auch: Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002
Siehe auch: Die Rede von der psychischen Intersexualität
Siehe auch: Laura Armani – intersexuell oder transsexuell?

Nachtrag: Schiebung! Wie die dgti den "Intersex"-Eintrag auf Wikipedia manipuliert & verfälscht

Wednesday 2 April 2008

Spiegel TV hat's nicht kapiert ...

Mit viel Spannung erwartet, flimmerte gestern spät die Sendung mit Christiane Völling, "Chappi" Andrea Cremer (-Bongers) und "Dusty" Karim Merah über die Mattscheibe. Leider hatten sich die Befürchtungen angesichts der ziemlich bescheuerten Ankündigung weit gehend bestätigt. [Wer "Eindeutig zweideutig! Hermaphroditen, Zwitter und Intersexuelle" (sic!) verpasste: Einen kurzen Einblick ermöglicht der Trailer. Wie bei Siegel TV üblich, ist die Sendung ansonsten nicht umsonst online anzugucken.]

Zwar vermochten die interviewten Zwischengeschlechtlichen deutlich zu schildern, was für eine Tortur es ist, von einer zwangsgeschlechtzuweisungsgeilen Gesellschaft hilflos der Macht gewissenloser Mediziner überantwortet zu werden (was wohl erklärt, weshalb die Sendung erst nach 23 Uhr angesetzt war). All das Leid bei den zahllosen Untersuchungen (wo es vor allem darum zu gehen scheint, wie oft und wie heftig die amtierenden "Ärzte" wieviele Finger in zwittrige Genitalöffnungen rammen können), gefolgt von menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen und ebensolchen Hormontherapien. Alles mit dem Ziel, nach Belieben ein eindeutiges Geschlecht herzustellen. Ob dies den Betroffenen nun passt oder nicht ist dabei Nebensache.

In was für ein Schema diese erschütternden Interviews jedoch von den verantwortlichen RedaktorInnen gepresst wurden, unterstützt durch den grösstenteils selten hanebüchenen Kommentar, ist eindeutig unter aller Sau und kommt m.E. einer nochmaligen Vergewaltigung der Portraitierten gleich. Selten habe ich eine derart undifferenzierte und unsensible Berichterstattung gesehen (und mensch ist sich bei diesem "Tabuthema" ja einiges gewohnt).

Ein kleines Beispiel, was ich unter "selten hanebüchenen Kommentar" verstehe:

Kastrationen im Kindesalter lassen sich nur schwer rückgängig machen.

Ich meine, sorry, aber so ne Scheisse kann nur jemand rauslassen, der 1) das Privileg hat, mit intakten Geschlechtsorganen aufgewachsen zu sein, und zudem 2) von der Materie keinen blassen Schimmer. Hallo, dummer Spiegel: Der "Witz" einer Kastration besteht ja gerade darin, dass sie nicht mehr rückgängig zu machen ist!

Am meisten tat jedoch weh, wie die Redaktion dauernd alles tat, die Zwischengeschlechtlichen (nach bekanntem Muster) quasi "transsexualisiert" darzustellen. Nämlich als wäre es das einzige bzw. eigentliche Problem, dass alle Interviewten zunächst irrtümlich dem "falschen" Geschlecht zwangszugewiesen wurden, doch nun mit einer nachträglichen (so "gut" das überhaupt noch geht) nochmaligen "Geschlechtsangleichung" wäre dann alles in Butter. So nach dem Motto, endlich alles richtig verortet im (nie hinterfragten) Raster von "echten Weiblein" und "richtigen Männern", und alles wird gut. Dass dieses blindwütige Bloss-nicht-über-dieses-"gottgegebene"-Raster-hinausdenken-wollen das ganze Leid erst produziert (auch heute noch), davon hat die bescheuerte Spiegel-TV-Redaktion (im Gegensatz zur Printredaktion) offensichtlich nicht den geringsten Schimmer einer Ahnung (oder gar Einsicht), sondern ist im Gegenteil offensichtlich gar noch stolz auf die eigene Dummheit! Pfui, 6 minus, nachsitzen, setzen!

Schade, die mutigen und bewegenden Aussagen der Zwischengeschlechtlichen, die ihnen bestimmt nicht leicht gefallen sind (und auch die ihrer Angehörigen, Nachbarinnen und Freunde, die ebenfalls kein Blatt vor den Mund nahmen, ebenso die von Christianes Anwalt Georg Groth und ihrem jetzigen Arzt), wären definitiv einer intelligenteren Sendung würdig gewesen. So bleibt lediglich der Trost, dass diese gründlich missratene "Reportage" allem redaktionellen Humbug zum Trotz wiederum mehr Menschen mit dem Unsinn der frühkindlichen Zwangsoperationen und sonstigen zwangszuweisenden Praktiken konfrontierte und sie somit hoffentlich für diese in der Öffentlichkeit nach wie vor zu wenig bekannten Menschenrechtsverletzungen sensibilisierte. Dafür allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön!

Thursday 27 March 2008

Zwitter @ Spiegel TV Di 1.4.08 23:05h Vox

Mit dabei sind unter anderen Christiane (Bild: Spiegel TV), Chappi und Dusty!

Leider klingt die Ankündigung alles andere als berauschend. Nur schon der Titel ist ziemlich peinlich: "Eindeutig zweideutig! Hermaphroditen, Zwitter und Intersexuelle". Ähm, würde bitte mal jemand dem Spiegel ein Wörterbuch schenken? Vielleicht merken sie dann, dass diese Ausdrücke alle dasselbe bedeuten ...

Als nächstes wird dann die Zahl Zwischengeschlechtlicher in Deutschland unten angesetzt: Spiegel TV schreibt von 80'000, alle anderen Quellen nennen 80-100'000 (ok, mit Ausnahme "der [noch inkompetenteren] Bundesregierung"). Immerhin, die Zahl von 1-2 neugeborenen Zwischengeschlechtlichen täglich ist korrekt.

Mit der folgenden "Definition" schiesst die Spiegel-Redaktion den Vogel dann vollends ab:

sogenannte Intersexuelle mit sowohl weiblichem als auch männlichem Chromosomensatz

Würde bitte irgendwer mal etwas für öffentliche Aufklärung sorgen? Von Spiegel TV ist das offensichtlich zuviel verlangt ...

Im selben Stil geht's dann weiter: Von "schockierten jungen Eltern" ist die Rede, welche "Das Wort 'Zwitter' [...] als herabwürdigend [empfinden]". Auf die Empfindungen der darauf Zwangsoperierten wird hingegen nicht eingegangen (noch wird überhaupt gesagt, dass die Operationen ohne Einwilligung der Betroffenen erfolgen), einmal mehr werden Zwischengeschlechtliche dafür pathologisierend dargestellt: "viele Intersexuelle [neigen] in ihrer weiteren Entwicklung zu depressivem und selbstverletzendem Verhalten".

Entlarvend auch der Abschlussatz: "SPIEGEL TV begleitet Betroffene bei Arztbesuchen, Kleiderkauf, Rechtsberatung, Familientreffen und ihrer Identitätsfindung." Fürs Filmen beim Schminken und in der Badewanne haben sich die Betroffenen wohl nicht hergeben wollen ...

Blebt zu hoffen, dass das Niveau des Beitrags nicht dem dieser bedenklichen Ankündigung entspricht, bzw. dass die darin portraitierten Zwischengeschlechtlichen mit ihren Statements das Steuer herumreissen können!

Fortsetzung: Spiegel TV hat's nicht kapiert (Kritik zur Sendung)

Friday 21 March 2008

"Intersex" als legales 3. Geschlecht in Südafrika

Anette Brömdal: Intersex – A Challenge for Human Rights and Citizenship Rights. Political Science, Master’s Thesis Spring Session 2006, Södertörn University College
S. 65 (im pdf auf S. 73):

South Africa is the ‘only’ country in the world, at the time of writing, that has
included Intersex as a sex in its legal system.

http://www.diva-portal.org/diva/getDocument?urn_nbn_se_sh_diva-890-1__fulltext.pdf

Thursday 20 March 2008

"Gigi"-Editorial über Christiane und diesen Blog

Gigi ist die einzige Zeitschrift, die zwischen 1999 und 2001 Michel Reiter kontinuierlich eine Plattform bot, um auf die unwürdige Situation Zwischengeschlechtlicher aufmerksam zu machen. Die Nummer 8 (siehe Bild) trug gar das Motto "Intersexualität – Überleben zwischen den Geschlechtern". Dies macht die vom wissenschaftlich-humanitären komitee whk herausgegebene Zeitschrift für sexuelle Emanzipation (so der Untertitel) zur sprichwörtlichen Ausnahme unter den (falls das Thema überhaupt angesprochen wird) sonst eher von der üblichen Zwitter-Vereinnahmung geprägten Veröffentlichungen aus der "lesbisch-schwulen Presselandschaft".

Umso mehr freut es, dass Gigi das Editorial der aktuellen Nr. 54 unter der Überschrift "Chirurgie" voll und ganz Christiane Völling und ihrem Prozess widmet und dabei m.e. trotz der gebotenen Kürze alle wichtigen Punkte anspricht. Und ja, Sätze wie der folgende gehen uns latürnich erst recht runter wie Honig:

Die Berichterstattung der Mainstream-Medien wäre sicher unscheinbarer ausgefallen, hätte Zwischengeschlecht.info den Prozeß in Kooperation mit der Klägerin nicht minutiös begleitet und dokumentiert.

Wir sagen Danke und hoffen, dass Gigi Christianes Kampf und andere Vorstösse von Zwischengeschlechtlichen um ein menschenwürdiges Dasein weiterhin solidarisch, wohlwollend und kritisch begleiten wird.

Monday 17 March 2008

"Zwitter-Neid": Zwischengeschlechtliche als (fiktives) Ideal

Es ist ein altes Lied, dass viele, vor allem Trans*menschen und "Gender"-EnthusiastInnen, "Bio-Zwitter" als (fiktives) Ideal verherrlichen -- während sie gleichzeitig die realen, zwangsoperierten Zwischengeschlechtlichen systematisch aus ihrer Wahrnehmung ausblenden bzw. für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren und damit deren berechtigte Anliegen mit Füssen treten. Im besten Fall sind solche Menschen wohl einfach naiv und wissen schlicht von nix (obwohl's schon komisch dünkt, wie mensch sich so wenig für etwas interessieren und davon wissen kann, das mensch dauernd im Mund führt und als "Beweis" für seine Theorien hinzuzieht).

Solche Menschen sagen dann oft, sie wären gerne Zwitter, oder sie würden Zwitter gar um ihr Schicksal beneiden. In einem neueren Kommentar von User supernovist zur Polylux-Sendung letzten Donnerstag hat's just mal wieder so ein Statement (zu den früheren Kommentare siehe hier unter PS):

Ich fände es eher einen Segen mit beiden geschlechtern ausgestattet zu sein. Und ich beneide, jene die dies Glück haben.

Wobei ich jetzt mal eher bezweifle, dass der Betreffende unbedingt zur zwangsoperationsgeilen Fraktion gehört (die "Intersexuelle" aus diesem Grund beneiden) ... Trotzdem, wie jemand als Kommentar zu einer Sendung, in der auch die Zwangsoperationsproblematik wiederholt angesprochen wurden, sowas rauslassen kann, werd ich wohl nie begreifen. Zum Glück hat Interlife in anderem Zusammenhang zu diesem Thema schon vor bald drei Jahren wohl alles wesentliche gesagt, so dass ich hier einfach mal ein Zitat daraus anfüge:

Wie kann sich ein transidenter Mensch wünschen intersexuell zu sein?
Läßt man sich den gerne befummeln, operieren und genitalverstümmeln? Nimmt man gerne sein Leben lang Medikamente? Macht es Spaß nicht fortpflanzunsfähig zu sein (Ok, es gibt Ausnahmen)?

Offensichtlich besteht grad in der "Gender"-Szene, die sich (wie z.B. supernovist) moralisch ja so meilenweit über den "blösen [sic!] Kleinbürger Hirn[en]" fühlt, ein erheblicher Aufklärungsnachholbedarf -- womöglich noch mehr als bei den SpiesserInnen-Normalos, die schlicht über gar keine Informationen zum Thema verfügen.

Und vom mangelnden Willen, sich mit den berechtigten Anliegen der Zwischengeschlechtlichen praktisch zu solidarisieren, fang ich heut wohl besser gar nicht erst an ...

Friday 14 March 2008

Zwitter @ Polylux -– jetzt zum anschaun! Yipyip!

Ist ja voll cool geworden! Gratulation den beiden! Ganz schön frech & Nagel auf den Kopf! Yipyip!

Auch auf dem Genderfreeblog kommentiert Nikanj das Resultat zufrieden wie folgt:

Ganz schön geworden, etwas vereinfacht und leicht schräg dargestellt, aber bei der Kürze transportiert der Beitrag schon die richtige Message!

PS: Definitiv weniger doll sind hingegen die (bisher 2) Kommentare unten auf der Polylog-Page: Halt der Niederschlag der üblichen Mediziner-Lügen von wegen "heute sind wir schon längst nicht mehr so zwangsoperationsgeil (ab und zu, wenn die Eltern sich absolut quer stellen und mit dem Anwalt drohen, machen wir nämlich auch ne, öhm, Ausnahme)" + "innere Zwitter-Geschlechtsteile müssen sowieso in jedem Fall sofort raus wegen Krebsgefahr (wie übrigens jede Normalo-Prostata, Brust und Gebärmutter auch, bloss hindert uns hier bisher leider das Familienministerium dran)". Offensichtlich bleibt da noch ne Menge Öffentlichkeitsarbeit zu leisten ...

Zur Dokumentation hier noch der [ergänzte] Ankündigungs-Text von der Polylux-Homepage:

Sendung vom 13.03.2008

Thema: Intersexuelle - das dritte Geschlecht<