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Saturday 13 August 2016

UNTERSCHREIBEN! Gerechtigkeit für Shanti Soundarajan!

Protest + Offener Brief von Zwischengeschlecht.org, IOC-Hauptsitz 19.11.2009

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Zwischengeschlecht.org on Facebook>>> Bitte unterschreibt die Petition und sagt es weiter! Danke!

Menschenrechte auch für Zwitter!Die tamilisch-indische Intersex-Athletin Shanti Soundarajan wurde von Sportverbänden ungerechtfertigt und ohne faires Verfahren für Wettkämpfe gesperrt, öffentlich zurschaugestellt, erniedrigt, und ihre ehrlich gewonnenen Medaillen wurden ihr weggenommen. Bis heute fristet sie dadurch ein prekäres Dasein und leidet unter dem ihr angetanen Unrecht. Der indische Staat und der nationale Sportverband weigern sich unverändert, Santi zu unterstützen – wohl nicht zuletzt, weil sie aus der Kaste der "Unberührbaren" stammt.

Eine aktuelle Online-Petition stellt 2 minimale Forderungen:

  1. Shantis Name soll in den offiziellen Ranglisten der Rennen, die sie gewann, wieder eingesetzt werden.

  2. Die Regierung soll ihr zu einer festen Anstellung verhelfen, damit sie ihr Leben wieder aufbauen kann.

>>> Bitte unterschreibt alle und sagt es weiter! Danke!

Die internationale Menschenrechts-NGO Zwischengeschlecht.org kritisiert seit über 8 Jahren das unhaltbare Verhalten der nationalen und internationalen Sportverbände gegenüber Intersex-Athletinnen (und allen, die sie als solche verdächtigen).

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010
>>> Der Beweis: IOC + IAAF + FIFA = Intersex-Genitalverstümmler!

Siehe auch:
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV)
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: IOC streitet Verantwortung ab und schliesst Betroffene aus 
- "Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan und Caster Semenya!" - Zwitter-Demo gegen IOC und IAAF, 19.11.09, 09h
- Intersex Protest @ IOC 19.11.09 – Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images 
- "Lausanne: Les hermaphrodites suisses s’attaquent au CIO" - 20min.ch 17.11.09

>>> Report on Discrimination of Hermaphrodites in Sports
>>> Open Letter to IOC demanding Justice for Santhi

Friday 12 August 2016

Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!

[ Reloaded aus aktuellem Anlass, zuerst veröffentlicht 10.11.2009 ]

(FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

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Menschenrechte auch für Zwitter!Schluss mit Diskriminierungen von Zwittern (und als Zwitter Verdächtigten) im Sport! Was Caster Semenya derzeit erst angedroht wird, die Aberkennung der gewonnenen Medaillen und Startverbot für die Zukunft, haben viele andere "beim Geschlechtstest durchgefallene" Sportlerinnen schon schmerzlich durchlebt. Keine konnte bisher auf Rückhalt ihrer Sportverbände und Regierungen zählen – im Gegenteil.

1985 wurden etwa der spanische Hürdenläuferin María José Martínez-Patiño sämtliche Auszeichnungen aberkannt, nachdem sie zu einem Gentest antreten musste, weil sie ihre Bescheinigung von einem früheren Test zu Hause vergessen hatte. Auch sie wurde zudem den Medien zum "Frass vorgeworfen" und als Betrügerin verhöhnt – als Strafe, weil sie sich weigerte, den Anweisungen des Leichtathletikverbandes Folge zu leisten und künftig stillschweigend nicht mehr anzutreten. Als Europäerin mit guten Verbindungen gelang es ihr zwar, in einem 2 1/2 Jahren dauernden Kampf vor Gericht (auf eigene Kosten!) den willkürlichen Entscheid umzustossen, jedoch letztlich auf Kosten ihrer weiteren Athletikkarriere. >>> mehr und weitere Beispiele

Weniger Glück im Unglück hatte die indische Läuferin Santhi Soundarajan. 2005 hatte sie in Südkorea einen Geschlechtertest unbehelligt überstanden. Im Anschluss an die Asienspiele 2006 in Doha (Qatar) wurde ihr jedoch vom organisierenden Olympic Council of Asia (OCA), einer Dachorganisation aus 45 Nationalen Olympischen Komitees, nach einem intransparenten und willkürlichem Gentest ihre Silbermedaille aberkannt.

Zudem wurde Santhi Soundarajan vom Olympic Council of Asia (OCA) wie auch vom Nationalen Olympischen Komitee Indiens (Indian Olympic Association IOA) sogleich den Medien als "Mann" und "Betrügerin" vorgeführt, und darauf weltweit in der Öffentlichkeit erniedrigt und verspottet.

"[D]umm gelaufen" kommentierte seinerzeit "Der Spiegel" hämisch unter der Schlagzeile "Aufgeflogen: Indische Läuferin als Mann geoutet". Auch "Die Welt" behauptete im Lead: "Die Inderin ist ein Mann" (und bezeichnete Santhi im nächsten Satz als "er"). "Der Stern" meldete noch letztes Jahr: "Indische Läuferin war ein Mann".

Um die Folgen dieses kriminellen Vorgehens kümmerten sich die verantwortlichen Verbände Olympic Council of Asia (OCA) und Indian Olympic Association (IOA) nicht weiter. Auch ihr eigener Sportverband Athletics Federation of India (AFI) liess die gedemütigte Läuferin bisher schmählich im Stich.

In deutschsprachigen Medien kam die entwürdigte und geschädigte Santhi Soundarajan bis heute nie zu Wort. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Tochter eines Ziegelbrenners, die während ihrer Kindheit und auch als junge Erwachsene bis 2004 regelmässig Hunger litt, mangelt es zudem an Möglichkeiten, gegen das ihr angetane Unrecht anzugehen.

2009 nahmen englischsprachige Medien den "Fall" Caster Semenya zum Anlass, in Hintergrundartikeln vereinzelt auch das Santhi Soundarajan angetane Unrecht kritisch zu hinterfragen, wobei die heute 28-jährige Ex-Sportlerin zum ersten Mal auch selbst mehrfach zu Wort kam.

Was Santhi Soundarajan berichtet, ist erschütternd. Trotz ihrer misslichen Situation solidarisierte sie sich wiederholt mit Caster Semenya, und gibt Trotz aller Resignation in der Sache bis heute nicht auf. Einige übersetzte Zitate: 

"Ich verstehe nicht, was geschieht? Was wird mir vorgeworfen?" Times of India, 9.1.07

"Ich war zerstört durch den nicht bestandenen Geschlechtstest. Die Athletics Federation unterstützte mich nicht, kämpfte nicht für meine Sache. Ich hatte gehofft, sie würden es tun. Ich war depressiv. Ich fühlte mich, als hätte ich alles verloren. Es tut immer noch weh." Reuters, 11.6.09 

"Ich kann nicht vergessen, was ich durchstehen musste, nachdem sie mir meine Silbermedaille wegnahmen. Ich komme aus einer armen Familie, und niemand gab mir mehr Arbeit. Meine ganze Familie litt, als die Leute begannen, mich mit vorurteilsvollen Augen anzusehen und mich behandelten, als wäre ich eine Betrügerin. Ich bete, dass Semenya nicht durchstehen muss, was ich durchlebte, es brachte mich beinahe dazu, Selbstmord zu begehen. Ich litt immens unter dem Stigma, den Geschlechtstest nicht bestanden zu haben." AP, 19.9.09 

"[Die Aberkennung der Silbermedaille] war der grösste Schock meines Lebens. Und der Schock ist immer noch in mir drin. [...] Es war geistige Folter. Jeder dachte, ich wäre eine schlechte Sportlerin. Es war, als hätte ich ein Verbrechen verübt. Ich bin immer noch traurig. Deshalb will ich, dass Semenya ehrenvoll behandelt wird. Sie ist eine gute Athletin. Nehmt ihr die Medaille nicht weg. Sie sollte weiterhin als Frau starten dürfen." CNN, 14.9.09

"Die Sportverbände sollten zu einer Lösung kommen, statt einfach Menschen zu ächten. Ich möchte appellieren, dass sie ernsthaft über die Bücher gehen, wie sie diese Probleme angehen. Ich werde wie eine Aussätzige behandelt, sogar an meinem eigenen Ort. Gerade heute morgen war ein Radrennen und ich war als Funktionärin beteiligt. Dabei hörte ich, wie ein Polizeibeamter, der für die Sicherheit verantwortlich war, über mein Geschlecht redete, auf mich zeigte und sagte: 'Dies ist das Mädchen, das beim Geschlechtstest durchfiel.' Es ist wirklich, wirklich erniedrigend. Es ist mir unmöglich, mich in der Gesellschaft zu bewegen, irgendwohin auszugehen. Die Menschen sehen mich nicht an als die Medaillengewinnerin der Asienspiele, sondern reden nur über mich, dass ich den Geschlechtstest nicht bestand." BBC, 11.9.09

"Aufgrund meiner finanziellen Verhältnisse habe ich nicht die Kraft, einen einsamen Kampf zu führen. Hätte ich eine Chance bekommen, hätte ich Olympia-Gold gewinnen können. Ich wurde im Stich gelassen, meine Sportkarriere ruiniert und all meine Träume für immer zerstört, wegen diskriminierender Ansichten der Sportfunktionäre." BBC, 14.9.09 

Ich würde gerne wieder rennen, aber ich weiss, dass es nicht mehr möglich ist. Ich bin körperlich und geistig am Boden zerstört. Aber für Caster Semenya ist es noch nicht zu spät." Time, 1.9.09

"Ich bete, dass sie Semenya nicht vom Laufen abhalten können. Es tut mir Leid für sie. Sie sollte dagegen ankämpfen. Ich bin sicher, sie hat die Kraft, zu überwinden, was mit ihr geschieht. Ich hoffe, sie wird weiterhin rennen und gewinnen. Meine Gebete werden sie immer begleiten." AFP, 19.9.09 

Nachdem Santhi Soundarajan 2008 wegen Magenproblemen und einer Überdosis Veterinärmedizin ins Spital eingeliefert wurde, erbarmte sich die Regierung ihres Heimatbundesstaats Tamil Nadu und verschaffte ihr eine Stelle als Trainerin armer jugendlicher Sporttalente. Für deren Unterkunft muss sie jedoch selbst aufkommen, weshalb das Projekt gefährdet ist.

Zwar bestätigte inzwischen Dr. Ashok Ahuja, ehemaliger Chef der Abteilung Sportmedizin des Netaji Subhash National Institute of Sports, dass Santhi Soundarajan "Unrecht angetan" wurde und sie von den Sportfunktionären "fallen gelassen" wurde.

Und Lalit Bhanot, Generalsekretär des Verbands Athletics Federation of India (AFI) bekundete mehrmals, doch noch einen Rekurs gegen den Olympic Council of Asia (OCA) zu erwägen für den Fall, dass Caster Semenya Trotz nicht bestandenem Geschlechtstest ihre Medaille behalten dürfe. 

Weitergehende Solidarität mit Santhi Soundarajan blieb bisher aus. Trotzdem hofft sie immer noch, dass ihr dereinst Gerechtigkeit widerfahre:

"Meine Medaille zurückzubekommen, wäre ein Wirklichkeit gewordener Traum. Ich würde Meilen rennen, um sie zurückzunehmen. Es würde mein Leben verändern. Ich hoffe, die Leute werden mich besser behandeln, wenn ich von diesem Stigma befreit bin." AP, 19.9.09

(FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org drückt ihr die Daumen und fordert "Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!"

Siehe auch:
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Alle Posts über Caster Semenya
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I) 
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (II): "The Guardian" und "Freitag.de" propagieren Genitalverstümmelungen
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (III): 4 Artikel von solidarischen Nicht-Zwittern
- Zwitter solidarisieren sich mit Caster Semenya (V)
- "Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan und Caster Semenya!" - Zwitter-Demo gegen IOC und IAAF, 19.11.09, 09h
- "Lausanne: Les hermaphrodites suisses s’attaquent au CIO" - 20min.ch 17.11.09
- Sarah Gronert  

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010
>>> Der Beweis: IOC + IAAF + FIFA = Intersex-Genitalverstümmler!

Thursday 28 July 2016

F > UN-Frauenrechtsausschuss verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen - Schweiz + Deutschland Nächste

Foto: Daniela Truffer (StopIGM.org) berichtet dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) über IGM in Deutschland für die Prüfung während der kommenden 66. Session, Genf 25.07.216

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 28.07.2016

       1.  Frauenrechtsausschuss rügt Frankreich wegen IGM-Praktiken
       2.  Als nächste an der Reihe: Schweiz und Deutschland
       3.  Schon 15 Verurteilungen wegen Intersex-Genitalverstümmelungen

1.  Frauenrechtsausschuss rügt Frankreich wegen IGM-Praktiken

Zwischengeschlecht.org begrüßt aufs Herzlichste die verbindlichen "Abschließenden Bemerkungen" des UN-Frauenrechtsausschusses (CEDAW) für Frankreich (PDF, englisch): >>> CEDAW/C/FRA/CO/7-8, PDF 491 kb, zu Intersex: S. 6-7, Abs. 17e-f + 18e-f

Während seiner 64. Sitzung untersuchte der Frauenrechtsausschuss anhand praktischer Beispiele aus Frankreich erstmals Intersex-Genitalverstümmelungen als möglichen Verstoß gegen Art. 5 des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (UN-Frauenrechtskonvention) – und stufte nun IGM prompt als schädliche kulturelle Praxis ein (wie FGM). 

Zwischengeschlecht.org anerkennt besonders, dass der Ausschuss Frankreich explizit dazu verpflichtet, "sicherzustellen [...], dass kein Kind unnötigen Operationen oder sonstigen Behandlungen unterworfen wird", sowie "aufgeschlüsselte Daten zu schädlichen Praktiken zu erheben" – beides langjährige Forderungen von Intersex-Organisationen.

Dies ist bereits das 15. Mal, dass ein UN-Vertragsorgan IGM-Praktiken unmissverständlich verurteilt und ein Land für Untätigkeit gegen oder Komplizenschaft bei diesen massiven Menschenrechtsverletzungen rügt.

Vorgängig war Frankreich bereits vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) und vom Ausschuss gegen Folter (CAT) gerügt worden, die ihrerseits IGM als "schädliche Praxis" bzw. "unmenschliche Behandlung" und Verstoß gegen das Folterverbot einstuften. Frankreich ist somit das erste Land überhaupt, das auf 3 UN-Rügen wegen Intersex-Genitalverstümmelungen kommt.

2.  Als nächste an der Reihe: Schweiz und Deutschland

Der nächste Staat, der vom Frauenrechtsausschuss (CEDAW) zu Intersex-Genitalverstümmelungen geprüft wird, ist die Schweiz anlässlich der 65. Sitzung im Oktober 2016. Auch die Eidgenossenschaft war bereits vom Kinderrechtsausschuss (CRC) und dem Ausschuss gegen Folter (CAT) wegen IGM gerügt worden.

Darauf folgt Deutschland anlässlich der 66. Sitzung im Februar 2017. Die Bundesrepublik wurde bisher vom Ausschuss gegen Folter (CAT) sowie vom Behindertenrechtsausschuss (CRPD) wegen IGM gerügt. Bereits 2009 hatte zudem der Frauenrechtsausschuss (CEDAW) als allererstes Vertragsorgan Deutschland allgemein wegen Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen gerügt.

Für beide Staaten liegen dem Ausschuss für die Rechte des Kindes aussagekräftige NGO-Berichte und weitere belastende Informationen zu IGM-Praktiken vor oder sind in Vorbereitung – Zwischengeschlecht.org erwartet erneut deutliche Rügen.

3.  Schon 15 Verurteilungen wegen Intersex-Genitalverstümmelungen

IGM = Gewalt im Gesundheitswesen, NICHT 'Kontroverse' oder 'Debatte'!

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Die UN-Konvention für die Rechte des Kindes (CRC), die UN-Konvention gegen Folter (CAT) und weitere internationale Übereinkommen einschließlich CEDAW, CCPR und CRPD verpflichten alle teilnehmenden Staaten, konkrete "Maßnahmen inklusive Gesetzgebung" zum Schutz betroffener Intersex-Kinder zu ergreifen.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) stuft IGM als Gewalt gegen Kinder und als schädliche kulturelle Praxis (wie FGM) ein, und rügte bisher die Schweiz, Chile, Frankreich, Irland, Großbritannien und Nepal.

Der Ausschuss gegen Folter (CAT) hat IGM-Praktiken wiederholt als unmenschliche Behandlung eingestuft, die unter das Folterverbot fällt, und rügte diesbezüglich bereits Deutschland, die Schweiz, Österreich, Dänemark, Hong Kong und Frankreich.

Der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung (CRPD) stufte IGM ebenfalls als unmenschliche Behandlung ein und rügte bisher Deutschland und Chile.

Mit der aktuellen ersten Rüge des Frauenrechtsausschusses (CEDAW) an Frankreich sind es schon 4 UN-Vertragsorgane, die Intersex-Genitalverstümmelungen unmissverständlich als schwere Menschenrechtsverletzung verurteilen.

In allen obigen 15 Rügen erließen die Ausschüsse verbindliche Empfehlungen an die Vertragsstaaten, gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen, um die Praxis zu beenden und/oder Entschädigung und Rechtszugang für Überlebende sicherzustellen.

Zusätzlich untersucht aktuell der Menschenrechtsausschuss (HRCttee) als Kontrollorgan des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt, CCPR) IGM-Praktiken und forderte die Schweiz auf, Statistiken offenzulegen.

Weitere internationale Menschenrechtsgremien, die IGM-Praktiken verurteilen, sind u.a. WHO und UNICEF, der UN-Sonderberichterstatter über Folter und die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR).

UN-Mitgliedstaaten und Vertragsparteien der Konventionen CAT, CRC, CEDAW, CCPR und CRPD können nicht mehr länger Unwissenheit über den rechtswidrigen Charakter von IGM-Praktiken vortäuschen, sondern müssen verbindlich “wirksame gesetzgeberische, verwaltungsmässige, gerichtliche oder sonstige Massnahmen” ergreifen, sowohl um IGM-Praktiken gesetzlich zu verbieten, wie auch um Zugang zu Justiz und Wiedergutmachung für Überlebende zu gewährleisten, einschließlich angemessener Entschädigung.

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder NGO Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse@zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Friday 22 July 2016

Mo 25. Juli: UN-Frauenrechtsausschuss CEDAW prüft erstmals IGM als Schädliche Praxis, 1. Rüge für Frankreich? – CH + D Nächste

UPDATE 22.07.: Die Publikation der "Abschließenden Bemerkungen" wurde verschoben auf Montag 25 Juli nachmittags – siehe UN-Pressemitteilung (englisch).

Foto: Daniela Truffer (StopIGM.org) berichtet am NGO-Meeting dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) über IGM in Frankreich, Genf 04.07.216

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IGM = Gewalt im Gesundheitswesen, NICHT 'Kontroverse' oder 'Debatte'!

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Während seiner 64. Session prüft der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) am Beispiel Frankreich erstmals Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) ausdrücklich als "schädliche Praxis" gemäß Art. 5 (a) CEDAW in Verbindung mit der Gemeinsamen Allgemeinen Empfehlung 31/18 von CEDAW und CRC.

Früher dieses Jahr hatten bereits der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) IGM in Frankreich als "schädliche Praxis" (wie FGM) verurteilt, ebenso der Ausschuss gegen Folter (CAT) als "unmenschliche Behandlung" und Verstoß gegen das Folterverbot. CEDAW hatte bereits 2009 als erster UN-Ausschuss Intersex – jedoch nicht IGM – in seinen "Abschließenden Bemerkungen" an Deutschland erwähnt. CEDAW wird am kommenden Freitag 22.07. seine verbindlichen Empfehlungen an Frankreich veröffentlichen – hoffentlich mit der bereits 15. Rüge eines UN-Vertragsorgans wegen IGM – gefolgt von der Schweiz im Herbst und Deutschland Anfang 2017 ...

2016 CEDAW France NGO Intersex IGM

Ein CEDAW-Schattenbericht über IGM in Frankreich (englisch) von StopIGM.org in Zusammenarbeit mit Nadine Coquet und Vincent Guillot und ein NGO-Briefing von Daniel Truffer (englisch| französisch) hatten im Vorfeld der Session unzweifelhaft nachgewiesen, dass der Täter-Staat Frankreich EU-konform und unverändert IGM-Praktiken propagiert, anbietet und finanziert, einschließlich Klitoris-Teilamputationen "in den ersten beiden Lebensjahren".

Darauf hatte die CEDAW-Expertin Louiza Chalal im Dialog mit Frankreich am 7. Juni die "schädliche Praxis an Intersex-Kindern" angesprochen und den Vertragsstaat nach "gesetzgeberischen Maßnahmen zu ihrer Beseitigung" und zur "Sicherstellung der körperlichen Unversehrtheit" der Betroffenen gefragt (Transkript + Videolink, französisch).

Die Antwort der französischen Delationschefin Laurence Rossignol (Ministerin für die Familie, die Kinder und die Rechte der Frauen) zum ewig "neuen Thema in Frankreich" erfolgte einmal mehr nach dem Motto "Kein Problem hier – aber die Überprüfung der Bioethikgesetze nächstes Jahr wird's schon richten", während die Ministerin nebst den Menschenrechten der Intersexen auf einen Streich gleich auch noch ihren Teebeutel mit entsorgte (Transkript + Videolink, französisch).

Ähnlich unverfroren hatte sich (nicht nur) Frankreich zuvor auch schon gegenüber CRC und CAT gegeben – mit den bekannten Folgen. Hoffen wir also getrost auf ein deutliches Verdikt zu IGM auch durch den Frauenrechtsausschuss – mit hoffentlich baldigen Fortsetzungen:

In der nachfolgenden 65. CEDAW-Session im Oktober steht die Schweiz zur Überprüfung an – und in der 66. Session im Januar 2017 Deutschland ...

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

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Wednesday 29 June 2016

Kassel 01.07.2016 "Intersex: Genitalverstümmelung und Widerstand" – Vortrag und Diskussion mit Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org)

Bild: Markus Bauer auf ABC Nightline, Aufnahme von den "I-D$D 2013" Protesten in Glagow

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Wann: Freitag, 01.Juli 2016, 18:00 Uhr

Wo: Universität Kassel, Nora-Platiel-Straße 9, Raum 0403

Organisert vom Autonomen Schwul Trans* Queer Referat an der Universität Kassel im Rahmen des „queeren sommer ViBeR“ (Vielfalt, Begegnung, Respekt) in Kassel. Danke!

Nachfolgend der Ankündigungstext:

Markus Bauer: “Intersex: Genitalverstümmelung und Widerstand”

Intersex-Menschen, Zwitter, Hermaphroditen oder Menschen mit Varianten der Geschlechtsanatomie sind so alt wie die Menschheit selbst, aber selten ging es ihnen so schlecht wie heute. Noch im “finsteren” Mittelalter waren sie in Europa gesellschaftlich integriert und bis 1900 rechtlich anerkannt. Seit 1950 werden ihre Körper systematisch im Säuglingsalter medizinisch ausgelöscht.

60 Jahre später gewinnt der Kampf der Überlebenden um körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung langsam an Fahrt: UN-Ausschüsse verurteilen Intersex-Genitalverstümmelungen als “schädliche kulturelle Praxis” und “unmenschliche Behandlung”. Schon 11 mal rügten sie Staaten, weil sie die Praxis weiter zulassen – darunter auch die Bundesrepublik.

Doch solange kosmetischen Genitaloperationen und sonstige medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Intersex-Kindern weiterhin verjähren, bevor die Überlebenden erwachsen sind und vor Gericht gehen können, werden in den Universitäts-Kinderkliniken weiterhin täglich wehrlose Kinder verstümmelt – auch in Kassel.

Markus Bauer ist der Partner einer IGM-Überlebenden und Gründungsmitglied der internationalen Intersex-NGO Zwischengeschlecht.org. Er ist Mitverfasser zahlreicher thematischer Berichte an UN-Vertragsorgane und Sachverständiger bei Menschenrechtsorganen, Ethikgremien und in den Medien. Zuletzt erschienen: Zusammen mit Daniela Truffer “Intersex und Selbstbestimmung” im Sammelband “Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung”, Psychosozial-Verlag 2016.

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
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Thursday 9 June 2016

UN-Kinderrechtsauschuss befragte Großbritannien und Nepal zu IGM-Praktiken – beide Staaten gerügt!

UPDATE! UN-CRC rügte Großbitannien, Nordirland + Nepal wegen IGM! (englisch)

UN-CRC 72. Sitzung @ Palais Wilson, Genf 23.05.2016, 14:57h CET: Bald geht's los ...

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An der 72. Sitzung des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes (CRC) standen Intersex-Genitalverstümmelungen erneut mehrfach auf der Traktandenliste: Sowohl für das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland wie auch für Nepal hatten Intersex-NGOs die andauernde Praxis in lokalen Kinderkliniken gut dokumentiert, sowie in Nepal auch massivstes Mobbing von Intersex-Kindern in den Schulen (dieser Blog berichtete).

Während der Staatenprüfungen befragte die CRC-Länder-Rapporteurin Kirsten Sandberg beide Delegationen kundig zu Menschrechtsverletzungen an Intersex-Kindern, und rügte dabei IGM als "schädliche Praxis" – beide Länder stritten einmal mehr einfach alles ab und versuchten erfolglos, stattdessen auf (Trans-)Genderthemen, "Identität" ud allgemeine Antidiskriminierungsmaßnahmen auszuweichen:

Nepal: Am 20.-21. Mai rügte der Ausschuss die "wachsende Praxis" im Land und "Stigma". Die Delegation "überhörte" die Frage zunächst mal einfach, und als Sandberg nachhakte, ignorierte der Chef der nepalesischen Delegation die Frage nach IGM und wich stattdessen auf allgemeine "Antidiskriminierungsmaßnahmen" sowie auf den in Nepal möglichen "Geschlechtseintrag annders als männlich oder weiblich" aus. >>> Vollständiges Transkript (englisch)  

Vereinigtes Königreich: Am 23.-24. Mai rügte der Ausschuss "schädliche Behandlungen an Intersex-Säuglingen oder Kleinkindern, bevor sie selbst einwilligen können", welche "lebenslange körperliche und seelische Schmerzen" versursache, und kritisierte, dass der Staat die Praxis "direkt finanziert [...] durch die staatlichen Krakenversicherungen". Die Delegation behuptete dagegen, Intersex-Genitalverstümmelungen seien "medizinische Eingriffe" und würden möglichst erst nach "Evaluierung durch Experten" durchgeführt "in Beratung mit den Eltern des Kindes", vermischte allgemein wild und willkürlich Intersex mit "Transgender-Gesundheit", "Geschlechtsidentität", und behauptete zum Schluss noch tatsachenwidrig, der staatliche Gesundheitsanbieter NHS würde auch Intersex-Organisationen "miteinbeziehen". >>> Vollständiges Transkript (englisch) 

Mogen Donnerstag 09.06.2016 werden nun die "Abschließenden Bemerkungen" des Ausschusses mit dessen verbindlichen Empfehlungen veröffentlicht. >>> Update (englisch)

Die beteiligten Intersex-NGOs Zwischengeschlecht.org, IntersexUK, UK Intersex Association und die Intersex-Menschenrechtsverteidiger_innen Leslie Jaye (UK) und Esan Regmi und Parsu Ram Rai (Nepal) erwarten erneut deutliche Rügen des Kinderrechtsausschusses an die IGM-TäterInnen-Nationen UK und Nepal. 

Intersex Genital Mutilations in the UK: 2016 UN-CRC Report 
Human Rights Violations Of Persons With Variations Of Sex Anatomy
IGM – Most Common Forms  What is Intersex?  A Harmful Practice
>
>>  Download (PDF 3.60 MB)

Intersex Genital Mutilations, Stigma and Bullying in Nepal
1.  Background: 1st Intersex Workshop, Intersex Stories Book, 2016 CRC NGO Report
2.  Intersex Genital Mutilations in Nepali Paediatric Hospitals
3.  Denial of Needed Health Care      4.  Stigma, Bullying and Isolation
 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Tuesday 17 May 2016

UNO rügt Frankreich wegen Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) – es folgen Nepal, Großbritannien und Nordirland ...

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Bild: 2. Friedlicher Protest vor dem "Royal College of Surgeons of England" anlässlich
des Genitalverstümmler-Weltkongresses "IV. World Congress of the International Society
for Hypospadias and Intersex Disorders (ISHID 2011)"
inkl. "Live Surgery mit Snacks":
Schildergitarren-Wettbewerb zu "I'm a Pedo Surgeon", London 18.09.2011. (Foto: Nella)

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org 17.05.2016

       1.  Ausschuss gegen Folter rügt Frankreich wegen IGM-Praktiken
       2.  Als nächste an der Reihe: Nepal, Großbritannien und Nordirland
       3.  Schon 12 Verurteilungen von IGM-Praktiken durch UN-Vertragsorgane!

1.  Ausschuss gegen Folter rügt Frankreich wegen IGM-Praktiken

IGM = Folter, NICHT 'Diskiminierung' oder 'Geschlechtsidentität'Zwischengeschlecht.org begrüßt aufs Herzlichste die verbindlichen "Abschließenden Bemerkungen" des UN-Ausschusses gegen Folter (CAT) für Frankreich (frz):
>>>
CAT/C/FRA/CO/7, PDF, zu Intersex: S. 7, Abs. 32-33

Der Ausschuss prangert IGM-Praktiken erneut als schweres Verbrechen und als Verstoß gegen die Konvention gegen Folter an, und stuft IGM – unter Verweis auf Art. 2, 12, 14, 16 der Konvention – zumindest als Unmenschliche Behandlung ein. 

Zwischengeschlecht.org anerkennt besonders, dass der Ausschuss Frankreich explizit dazu auffordert, "wirksame gesetzgeberische, administrative und sonstige Maßnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung der körperlichen Unversehrtheit von Intersex-Menschen zu garantieren", sowie "um Wiedergutmachung für alle Opfer zu gewährleisten, inklusive angemessene Entschädigung".

Und im Weiteren "ein kostenloses psychosoziales Beratungs- und Begleitungsangebot sicherzustellen für betroffene Personen und, deren Eltern und Bezugspersonen" sowie "Untersuchungen durchzuführen über Fälle von medizinischen oder chirurgischen Behandlungen an Intersex-Menschen ohne deren informierte Einwilligung".

Im Februar 2016 war Frankreich bereits vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) gerügt worden.

Dies ist bereits das 12. Mal, dass ein UN-Vertragsorgan IGM-Praktiken verurteilt und ein Land für Untätigkeit gegen oder Komplizenschaft bei diesen massiven Menschenrechtsverletzungen rügt.
  

2.  Als nächste an der Reihe: Nepal, Großbritannien und Nordirland

Der nächste Staat, der zu Intersex-Genitalverstümmelungen geprüft wird, ist diese Woche Nepal anlässlich der 72. Sitzung des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes (CRC) am 19.-20. Mai 2016.

NGO Report to the 3rd to 5th Periodic Report of Nepal on the Rights of the Child (CRC)
Compiled by: Blue Diamond Society / Esan Regmi and Parsu Ram Rai
>>>  Download (DOCX 29 kb)       >>> More Info on Nepal

Gefolgt nächste Woche vom Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, wiederum anlässlich der 72. Sitzung des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes (CRC) am 23.-24. Mai 2016.

Intersex Genital Mutilations in the UK: 2016 UN-CRC Report 
Human Rights Violations Of Persons With Variations Of Sex Anatomy
IGM – Most Common Forms  What is Intersex?  A Harmful Practice
>
>>  Download (PDF 3.60 MB)

Für beide Staaten liegen dem Ausschuss für die Rechte des Kindes aussagekräftige NGO-Berichte und weitere belastende Informationen zu IGM-Praktiken vor – Zwischengeschlecht.org erwartet erneut deutliche Rügen.
  

Schon 14 Verurteilungen von IGM-Praktiken durch UN-Vertragsorgane!

IGM = Gewalt im Gesundheitswesen, NICHT 'Kontroverse' oder 'Debatte'!

Die UN-Konvention für die Rechte des Kindes (CRC), die UN-Konvention gegen Folter (CAT) und weitere internationale Übereinkommen einschließlich CCPR und CRPD verpflichten alle teilnehmenden Staaten, konkrete "Maßnahmen inklusive Gesetzgebung" zum Schutz betroffener Intersex-Kinder zu ergreifen.

Der Ausschuss gegen Folter (CAT) hat IGM-Praktiken wiederholt als unmenschliche Behandlung eingestuft, die unter das Folterverbot fällt, und rügte diesbezüglich bereits Deutschland, die Schweiz, Österreich, Dänemark, Hong Kong und nun Frankreich, gefolgt von Großbritannien und Nepal.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) stuft IGM als Gewalt gegen Kinder und als schädliche kulturelle Praxis (wie FGM) ein, und rügte bisher die Schweiz, Chile, Frankreich und Irland.

Der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung (CRPD) stufte IGM ebenfalls als unmenschliche Behandlung ein und rügte bisher Deutschland und Chile.

In allen obigen 12 Verurteilungen erließen die Ausschüsse verbindliche Empfehlungen an die Vertragsstaaten, gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen, um die Praxis zu beenden und/oder Entschädigung und Rechtszugang für Überlebende sicherzustellen.

Zusätzlich untersucht aktuell der Menschenrechtsausschuss (HRCttee) als Kontrollorgan des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt, CCPR) IGM-Praktiken und forderte die Schweiz auf, Statistiken offenzulegen.

Weitere internationale Menschenrechtsgremien, die IGM-Praktiken verurteilen, sind u.a. WHO und UNICEF, der UN-Sonderberichterstatter über Folter und die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR).

UN-Mitgliedstaaten und Vertragsparteien der Konventionen CAT, CRC, CCPR und CRPD können nicht mehr länger Unwissenheit über den rechtswidrigen Charakter von IGM-Praktiken vortäuschen, sondern müssen verbindlich “wirksame gesetzgeberische, verwaltungsmässige, gerichtliche oder sonstige Massnahmen” ergreifen, sowohl um IGM-Praktiken gesetzlich zu verbieten, wie auch um Zugang zu Justiz und Wiedergutmachung für Überlebende zu gewährleisten, einschließlich angemessener Entschädigung.

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder NGO Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

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  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
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Sunday 15 May 2016

Israel kritisiert Intersex-Genitalverstümmelungen in Irland während Staatenprüfung durch UN-Menschenrechtsrat

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Zwischengeschlecht.org on FacebookAlle UN-Mitgliedstaaten müssen sich regelmäßig einer "Universellen periodischen Überprüfung" ("Universal Periodic Review, UPR") über ihre Umsetzung der Menschenrechtsverträge unterziehen. Dabei amtet eine "Troika" anderer Mitglieder als Berichterstatter innerhalb der "UPR Working Group" sowie gegenüber dem UN-Menschenrechtsrat (Human Rights Council, HRC), welcher die Berichte erwägt und darauf verbindliche "Empfehlungen" verabschiedet.

Obwohl dem UN-Menschenrechtsrat Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Personen seit mindestens 2012 berichet werden, hatte er bisher Intersex-Menschenrechte nie konkret diskutiert, geschweige denn je verbindliche Empfehlungen zur Beendigung von IGM-Praktiken erlassen.

Umso erfreulicher daher die Neuigkeiten (Danke ILGA!) aus der aktuellen 25. Sitzung der UPR Working Group, dass Israel dort offiziell IGM-Praktiken einbrachte in einer Stellungnahme zu Irland (PDF, englisch):

“Israel ist besorgt über Fälle medizinicht nicht notwendiger chirurgischer und anderer Eingriffe an Intersex-Kindern, bevor sie fähig waren, ihre informierte Einwilligung zu geben;”

Die UPR Working Group verabschiedete ihren Bericht zu Irland letzten Freitag, 13. Mai. Bisher wurde nichts betreffend einer einschlägigen Rüge für Irland bekannt.

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) hatte im letzten Februar Irland wegen IGM-Praktiken gerügt, diese dabei einmal mehr als "schädliche Praxis" eingestuft (wie FGM), und Irland verbindlich dazu aufgerufen, "gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen um Opfern solcher Behandlungen Zugang zu Wiedergutmachung zu ermöglichen, einschließlich zu angemessener Entschädigung".

Siehe auch:
 •  IGM in Irland: Bericht an den UN-Kinderrechtsausschuss (CRC)
 • 
UN-Kinderrechtsausschuss befragt Irland zu IGM-Praktiken
 • 
Minister verplappert sich! Irland zu IGM befragt – Transkript (englisch)

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Monday 2 May 2016

«In Frankreich gibt es kein Gesetz, das Intersex-Kinder vor den täglichen Verstümmelungen schützen würde» - Vincent Guillot

>>> English     >>> Français

Intersex-Menschenrechtsverteidiger, 57. Session des UN-Ausschusses gegen Folter:
Daniela Truffer (StopIGM.org), Vincent Guillot (France), Markus Bauer (StopIGM.org)
im Palais Wilson vor dem NGO-Meeting mit dem Ausschuss, Genf 18.04.2016

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IGM = Folter, NICHT 'Diskiminierung' oder 'Geschlechtsidentität' Frankreich wird aktuell vom UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) u.a. auf Intersex-Genitalverstümmelungen geprüft. Die öffentlichen Sitzungen gibt's auf treatybodywebcast.org.
StopIGM.org berichete LIVE
aus dem Palais Wilson, und bereitet >>> inoffizielle Transkipte und Übersetzungen (en/fr) der Fragen und Antworten zu Intersex vor.
Eine hoffentlich weitere strenge Rüge an Frankreich wegen IGM wird auf ca. Freitag der 13. Mai erwartet.

Nachfolgend eine inoffizielle deutsche Übersetzung des letzten Teils des persönlichen Zeugnisses von Vincent Guillot während dem geschlossenen NGO-Meeting mit dem Ausschuss gegen Folter (CAT), Palais Wilson 18.04.2016, 17-18h:

«Seit mehr als zehn Jahren setze ich mich dafür ein, dass Intersex-Kinder nicht mehr länger so leiden sollen wie ich, aber PolitikerInnen und ÄrztInnen weigern sich zuzuhören. 

Letzten November hatte ich zum Beispiel den Ministerien für Justiz und Gesundheit einen Brief geschrieben, aber keine Antworten erhalten.

Erst nachdem Frankreich vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gerügt wurde, antwortete mir die öffentliche Krankenversicherung, die Praxis sei, ich zitiere, “gerechtfertigt, da durch die Akteure im Gesundheitswesen gebilligt”.

Im Senat kündigte die Regierung weiter an, sich auf Zivilstands- und Geschlechtsidentitätsfragen beschränken zu wollen, welche für Intersex-Kinder marginal sind.

Ich warte nach wie vor auf eine Antwort des Ministeriums für Justiz betreffend der Genitalverstümmelungen.

Bis heute gibt es in Frankreich kein Gesetz, das Intersex-Kinder vor den täglichen Verstümmelungen schützen würde.

Ich appelliere an den Ausschuss, Frankreich zu verpflichten, “wirksame gesetzgeberische, verwaltungsmässige, gerichtliche oder sonstige Massnahmen” [Art. 2 CAT] zu ergreifen, um Intersex-Kinder zu schützen.

Danke.»

>>> UN-Ausschuss gegen Folter befragt Frankreich zu IGM-Praktiken!

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen in Frankreich: Bericht an UN-CAT

Intersex Genital Mutilations in France: CAT NGO Report 
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy
IGM – Most Common Forms  What is Intersex?  How Common are IGMs?
>
>>  Download (PDF 3.71 MB)

>>> IGM = "Schädliche Praxis" + "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss CRC rügt Frankreich
>>>
Frankreich: IGM-TäterInnen "am besten geeignet Kinderrechte zu garantieren"?!

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Monday 4 April 2016

Intersex-Genitalverstümmelungen in Frankreich: Bericht an den UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) – Bereits 10 UN-Rügen wegen IGM!

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IGM = Folter, NICHT 'Diskiminierung' oder 'Geschlechtsidentität'Neuer thematischer Intersex-Schattenbericht (englisch) von Vincent Guillot und StopIGM.org zur CAT-Staatenüberprüfung Frankreichs, Di 19 April 10-13h + Mi 20 April 15-18h.

Der Bericht enthält u.a. erweiterte Kapitel über IGM in Frankreich und warum ein gesetzliches Verbot von IGM-Praktiken unter CAT zwingend ist, eine aufdatierte Bibliographie bisheriger Vedikte von UNO-Gremien sowie von NGO-Berichten zu IGM, und 2 persönliche Geschichten von IGM-Überlebenden. 

NGO Report to the 7th Periodic Report of France on the Convention against Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment or Punishment (CAT)

>>>  Download (PDF 3.71 MB)

Compiled by:
Vincent Guillot
Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

   

Schon 10 Verurteilungen von IGM-Praktiken durch UN-Vertragsorgane!

Der Ausschuss gegen Folter (CAT) hat IGM-Praktiken wiederholt als unmenschliche Behandlung eingestuft, die unter das Folterverbot fällt, und rügte diesbezüglich bereits Deutschland, die Schweiz, Österreich, Dänemark und Hong Kong.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) stuft IGM als Gewalt gegen Kinder und als schädliche kulturelle Praxis (wie FGM) ein, und rügte bisher die Schweiz, Chile, Frankreich und Irland.

Der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung (CRPD) stufte IGM ebenfalls als unmenschliche Behandlung ein und rügte bisher Deutschland.

In allen obigen 10 Verurteilungen erließen die Ausschüsse verbindliche Empfehlungen an die Vertragsstaaten, gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen um die Praxis zu beenden und/oder Entschädigung und Rechtszugang für Überlebende sicherzustellen.

Weiter untersucht aktuell der Menschenrechtsausschuss (HRCttee) als Kontrollorgan des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt, CCPR) IGM-Praktiken und forderte die Schweiz auf, Statistiken offenzulegen.

>>> Frankreich: IGM-TäterInnen "am besten geeignet Kinderrechte zu garantieren"?!

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Saturday 2 April 2016

Markus Bauer am "Fachtag Intersexualität": "Genitalverstümmelungen verbieten, Verjährungsfristen anpassen, Überlebende entschädigen, Unrecht historisch aufarbeiten, Versicherungslücken schließen"

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Zwischengeschlecht.org on Facebook>>> Report vom "Fachgespräch Intersexualität", Berlin 09.03.2016

Markus Bauer (Bild: Club-TV-Diskussion), Gründlungsmitglied und Kampagnenverantwortlicher der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org, verwies am vom Freistaat Thüringen ausgerichteten "Fachgespräch" zur neuen, auf den 1. April angekündigten AWMF-D$D-Leitlinie auf die mittlerweile 10 deutlichen UN-Rügen, welche unmissverständlich ein gesetzliches Verbot von IGM-Praktiken fordern sowie Zugang zu Justiz und Entschädigung für Überlebende, und betonte weiteren politischen Handlungsbedarf. Nachfolgend ein leicht überarbeitetes Transkript seines Diskussionsbeitrags:

«Zwischengeschlecht.org hat verschiedentlich der UN über Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang mit Intersex berichtet, und ich möchte daran erinnern, weil das geht immer ein bisschen unter in der Diskussion, dass hauptsächlich der UN-Ausschuss gegen Folter und der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes mittlerweile zehn Mal Länder gerügt und verbindliche Empfehlungen verabschiedet haben in Zusammenhang mit diesen OP's. Den Anfang machte übrigens der UN-Ausschuss gegen Folter, der Deutschland schon 2011 deutlich rügte.

Für den Ausschuss gegen Folter laufen diese Behandlungen jeweils unter dem Stichwort "unmenschliche Behandlung", die gegen die Folterkonvention verstößt. Und der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes erkennt darin eine "schädliche Praxis", das ist die gleiche Stufe wie die weibliche Genitalverstümmelung. Und was beide Ausschüsse allen Ländern immer wieder verbindlich empfehlen ist, es müssen Gesetze geschaffen werden, die diese Eingriffe verbindlich verbieten, und zweitens muss es auch gesetzgeberische Massnahmen geben, um dann Betroffenen den Zugang zu Justiz und Entschädigung zu ermöglichen.

Deutschland ist insofern gesehen weltweit führend, dass es hier mittlerweile schon drei Zivilprozesse von Betroffenen gibt. Aber was dabei zu beachten ist: Es geht ausschließlich um Eingriffe, die nach deren 18. Geburtstag stattfanden. Es gibt auch hierzulande Menschen, die als Kinder operiert wurden und die zu klagen versuchten, aber das scheiterte jedes Mal an der Verjährung. Deshalb ist ganz wichtig: Verjährungsfristen anpassen, das ist ein Thema, das müsste auch behandelt werden.

Und was aus der Sicht unserer Menschenrechtsgruppe weiter ganz wichtig ist, es ist eine gesellschaftliche Praxis, wie auch der Kinderrechtsausschuss sagte, eine kulturelle Praxis, und da ist ganz gewaltig Mist gebaut worden. Bis in die 80er Jahre war ja einer der häufigsten Eingriffe die Amputation einer sogenannt vergrößerten Klitoris, wie bei der weiblichen Genitalverstümmelung, und es müsste endlich eine gesellschaftliche Aufarbeitung vorangetrieben werden. Und ich denke hier hätten auch die Länder Möglichkeiten, von sich aus aktiv zu werden.

Zum Beispiel das Kinderspital Zürich hat jetzt begonnen, die alten Akten, die waren da noch im Staatsarchiv, die haben jetzt eine Historikerin beauftragt, diese nochmals durchzugehen, und einfach, dass diese Praxis mal aufgearbeitet werden müsste, dass gekuckt werden müsste, eben, was wurde getan, wie wurde es gerechtfertigt, und da sieht man nämlich schnell, dass die Rechtfertigungen, auch wenn die OP-Methoden heute sogenannt moderner sind, die Rechtfertigungen sind weitgehend die alten geblieben. Und da fehlt einfach das Bewusstsein dafür und das müsste mal untersucht werden.

Und eben gesetzgeberische Massnahmen, auch wenn das nicht auf Länderebene getan werden kann, doch Sie [Thüringer Minister Benjamin-Immanuel Hoff] haben es ja angesprochen, es gibt die interministerielle Arbeitsgruppe und den Bundesrat, wo Thüringen entsprechend aktiv werden kann; es braucht unbedingt gesetzgeberische Massnahmen, einerseits wie gesagt, um diese Operationen zu verbieten, aber auch, um Betroffenen Zugang zu Entschädigung zu gewährleisten.

Intersexuelle Menschen e.V. fordert ja schon seit langem, es müsste ein Entschädigungsfonds gebildet werden, der einerseits von Ländern und Bund bezuschusst werden müsste, und andererseits müssten auch die Ärztegesellschaften in die Pflicht genommen werden, weil hier wurde einfach ganz massiv Mist gebaut, was man aus heutiger Perspektive sagen kann.

Und die Betroffenen, denen das angetan wurde, die sind alle immer noch da, die sind zum Teil, das wurde auch schon gesagt, schwer traumatisiert, und oft ist es aber so, die psychologische Behandlung zur Traumabewältigung, die sie benötigten, das wird nicht von der Kasse übernommen. Oder da ist dann ziemlich schnell mal nach 150 Stunden Ende der Fahnenstange, da besteht versicherungsrechtlich aus unserer Sicht ebenfalls dringend Handlungsbedarf. Danke.»

>>> Report vom "Fachgespräch Intersexualität", Berlin 09.03.2016
>>>
Dr. Jörg Woweries: IGM in Deutschland in den letzten 10 Jahren unverändert

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

Siehe auch:
- Offener Brief mit 227 Unterschriften zur neuen AWMF-Intersex-D$D-Leitlinie
- Leitlinien-Interview mit Susanne Krege im Spiegel 22/2014: "kurz vor Pubertät operieren"
- Vortrag Leitlinienverantwortliche F. Eckoldt 13.09.2014: "AGS möglichst früh operieren"
- DSD neu ohne "Störungen": Antwort der AWMF-Leitlinienkoordination auf den Offenen Brief
- AWMF-Intersex-Stellungnahme weckt große Hoffnungen - doch sind diese auch berechtigt?

"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB) 

Sunday 20 March 2016

Bericht vom Intersex-Fachgespräch des Freistaats Thüringen zur kommenden AWMF-Intersex-Leitlinie, Berlin 09.03.2016

Das Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff (Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei), Ev Blaine Matthigack (OII/IVIM, Peer-Berater_in und die einzige Intersex-Person), Mari Günther (Leiterin Inter* und Trans*Beratungsstelle Berlin), Prof. Dr. Felicitas Eckoldt (Direktorin Kinderchirurgie Universitätsklinikum Jena, AWMF-D$D-Leitlinien-Co-Koordinatorin), Moderator Ulrich Sondermann-Becker (MDR und Vorsitzender der Thüringer Landespressekonferenz)

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Zwischengeschlecht.org on FacebookAuf Einladung der Staatskanzlei Thüringen (PDF) fand am 09.03. in Berlin (einmal mehr) ein "Fachgespräch Intersexualität" statt als begrüßenswerte, themenbezogene öffentliche Konsultation zur aktuellen Erarbeitung des "Landesprogramms für Akzeptanz und Vielfalt" durch die regierende Koalition (Linke, SPD, Grüne).

Auf dem Programm stand ein Vortrag (>>> Folien PDF, 1.1 MB) der Kinderchirurgin und Leitlinien-Co-Koordinatorin Felicitas Eckoldt zur auf den 1. April angekündigten, neuen AWMF-DSD-Leitlinie 174/001 mit anschließender Diskussion, "in welchem Maße Anliegen von Betroffenen [in der Leitlinie] aufgegriffen werden konnten, welche Fragen noch zu klären sind und wie Beratungsangebote gestaltet werden sollten" , inkl. Beiträgen aus dem Publikum von Michaela Katzer (Fachärztin für Urologie, Hochschule Merseburg, Buchherausgeberin), Lucie Veith (Intersexuelle Menschen e.V.), Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org), Janik Bastien-Charlebois (Uni Montréal, OII) und Jörg Woweries (Kinderarzt).

In seiner Einleitung verwies Minister Benjamin-Immanuel Hoff u.a. auf die einschlägigen Intersex-Stellungnahmen der Gleichstellungs- und FamilienministerInnenkonferenz (GFMK), der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) und der Bundesärztkammer (BÄK), sowie auf die derzeitige Interinisterielle Arbeitsgruppe (IMAG) (die das Thema seit 1 1/2 Jahren vor sich herschiebt, vgl. CRPD-Schattenbericht und Berliner Zeitung). Weiter erwähnte er im späteren Verlauf die Kleine Anfrage der AfD in Thüringen (Ds 6/1191, PDF) u.a. zur Zahl Intersex-Menschen im Freistaat. Thüringen sei sehr bestrebt, die Situation von Intersex-Menschen zu verbessern, auch über die Landesgrenzen hinaus durch Einflussnahme auf Bundesebene, etwa im Bundesrat, und in Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Allerdings sei auf Bundesebene in dieser Legislaturperiode nicht mehr mit Durchbrüchen zu rechnen, und die politische Großwetterlage sei eher ungünstig. Für sein Ministerium sei die heutige Veranstaltung in erster Linie eine Weiterbildung dazu, was getan werden könne und soll. In diesem Zusammenhang begrüßte Hoff ausdrücklich die Anwesenheit zahlreicher Expert_innen im Publikum.

Kinderchirurgin Felicitas Eckoldt (Jena) betonte die betreffend Intersex überregionale Ausrichtung der Jenaer Kinderchirurgie; sie habe PatientInnen bis nach Hamburg und Westdeutschland und arbeite betreffend psychologischer Betreung mit Berlin zusammen. In ihrem Vortrag (>>> Folien PDF, 1.1 MB) präsentierte sie eine Einführung aus mediznischer Sicht sowie Auszüge aus der auf 1. April angekündigten neuen AWMF-DSD-Leitlinie 174/001. Diese sei bereits konsentiert, jedoch noch in reaktioneller Überarbeitung. Wie sich schon abzeichnete, ist diese nach nochmaliger grundlegender Überarbeitung im Vergleich mit früheren Leitlinien zwar (relativ) fortschrittlich, lässt aber immer noch viele Schlupflöcher für uneingwilligte, medizinisch nicht notwendige, irreversible Eingriffe an Intersex-Kindern. Weiterhin sollen auch die Mitteilung der Diagnose (und damit effektiv die erste Beratung der Eltern) das Vorrecht "des betreuenden Arztes / der Ärztin" bleiben (Empfehlung 24, Folie 15) – trotz der bekannten Folgen. Für Eckoldt wenig überraschend räumte sie sowohl im Vortrag wie auch nachfolgend in der Diskussion der unbeirrbaren Verfechtung von unnötigen Eingriffen an Säuglingen, besonders der Forderung nach "einzeitigen Operationen um den 1. Geburtstag herum" (d.h. Klitoristeilamputation, Harnröhrenverlegung, Vaginal- und Labialplastik) deutlich überproportional Platz ein (vgl. Folie 19); auch in der Diskussion behauptete Eckoldt tatsachenwidrig, frühe Harnröhrenverlegungen und Vaginalplastiken bei "AGS-Mädchen" seien eine "medizinische Indikation" (Transkript folgt). Betreffend angeblich "hohem Krebsrisiko bei PAIS von 50%" führte Eckoldt bezeichnenderweise einzig Zahlen aus einer Metastudie von 2007 an, welche zu PAIS lediglich 2 Studien mit gerademal 24 Proband_innen einschloss, unterschlug jedoch die umfassenderen Metastudien von 2006 und 2010 mit 3 berücksichtigten Studien und insgesamt 80 Proband_innen, welche auf lediglich 15% Krebsrisiko kamen, vgl. hier --> 4. Krebsrisiko (Dank an Janik Bastien-Charlebois für den Hinweis!). Ebenfalls klar tatsachenwidrig war Eckoldts Behauptung, es seien angeblich "alle" Intersex-Organisationen vom Leitliniensekretariat zur Zusammenarbeit angefragt worden – Zwischengeschlecht.org z.B. wurde entgegen früherer Versprechungen (PDF --> S. 14) nie angefragt (trotz Kontakte sowohl mit der Leitlinien-Co-Koordinatorinnen wie auch mit dem Leitliniensekretariat). Immerhin heißt die Leitlinie nun tatsächlich "Varianten der Geschlechtsentwicklung" (und nicht mehr "Störungen").

Ev Blaine Matthigack verwies auf das vom Europarat-Kommissar für Menschenrechte publizierte CoE Issue Paper "Human rights and intersex people" (2015) und kritisierte die seit 66 Jahren andauernden Behandlungsprotokolle. Betreffend dem in der neuen Leitlinie immer noch favorisierten Vorrecht "des betreuenden Arztes / der Ärztin" auf Erstbetreuung der Eltern ("Mitteilung der Diagnose") verwies sie auf die bekannte prospektive Studie von Streuli et al. über die Folgen solcher medikalisierter "Beratung". Betreffend Eckoldts Ausführungen zu angeblich "medizinischer Indikation" für frühe OPs bei "AGS-Mädchen" verwies Matthigack auf die menschenrechtliche Widerlegung durch Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) anläßlich des Fachgesprächs im Familienausschuss 2012. Sie höre von den einen Betroffenen, dass es schön gewesen sei, dass sie selbst hatten entscheiden dürfen, während umgekehrt erwachsene Betroffene, über die im Kindesalter entschieden wurde, oft ein Leben lang darunter litten, dass sie sich fragen müssen, "was wäre (gewesen) wenn?" Weiter wies sie auf die Zusammensetzung der interdisziplinären Expertengruppe in Malta hin, bestehend aus 3 ÄrztInnen, 3 EpertInnen aus dem psychosozialen Bereich, und 3 ExpertInnen aus dem Menschenrechtsbereich; eine Entscheidungsfindung dauert mindestens 3 Jahre, was aber auf 6 Jahre verlängert werden kann.

Mari Günther bedauerte, dass nur 2 Intersex-Organisationen an der Leitlinie beteiligt wurden, und wies auf die kulturelle, geographische und historische Relativität "richtiger" Gechlechtsteile hin.

Michaela Katzer wies darauf hin, dass die AGS Eltern- und Patienteninitiative (welche lautstark uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern fordert) zwar in einigen Teilbereichen gute Arbeit leiste, aber eben nicht nur, und dass nicht alle AGS-Betroffenen sich in dieser Organisation wiederfänden, sondern dass Betroffene sich oft in anderen Selbsthilfegruppen besser verstanden fühlen. Aus ihrer eigenen Berufserfahrung kenne sie AGS-Betroffene mit Prader 4 oder 5 (d.h. mit stark bis komplett "vermännlichtem" äußeren Genitale), die keine Komplikationen erlebten bis ins junge Erwachsenenalter, wo sie dann selbst darüber entscheiden können, ob sie Operationen wollen oder nicht. Demgegenüber hätten Betroffene, über die im Kindeslter entschieden wurde, anderes erlebt; zwar würden sie meist nicht ihren (weiblichen) Geschlechtseintrag in Frage stellen, litten aber unter Traumatisierungen und Einschränkungen durch nicht-eingewilligte Operationen. Wichtig sei zu schauen, ob medizinische Probleme (wie Blasenentleerungsstörungen oder fieberhafte Harnwegsinfektionen) auch wirklich aufträten, was klar nicht bei allen der Fall sei. Es sollte deshalb nicht der Imperativ des pädiatrisch-chirurgisch Möglichen, sondern ein Imperativ des unaufschiebbar Notwendigen in den Vordergrund gestellt werden.

Lucie Veith wies auf Handlungsbedarf im Schulunterricht in naturwissenschaftlichen und ethischen Fächern hin, und unterstrich die Verpflichtung auch der Bundesländer, z.B. die UN-Kinderrechtskonvention umzusetzen. Weiter unterstrich sie, dass vorliegend zwar darüber diskutiert werde, wie die Versorgung künftig aussehen soll, aber dass nicht darüber geredet wird, "welches Elend im Land herrscht, und wie schlecht die Menschen medizinisch versorgt sind. Die Menschen, die diese Behandlungen in der Vergangenheit gehabt haben, die leben heute in unseren Bundesländern, und die haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das ist eine Diskriminierung, die schreit zum Himmel, und der muss ganz schnell abgeholfen werden. [...] Da eine medizinische Leitlinie keine rechtlichen Verpflichtungen hat, wäre es wahnsinnig wichtig, dass auch das Land Thüringen über den Bundesrat die Länder mit unterstützt, die ein Verbot, das ist jetzt auch in der interministeriellen Arbeitsgruppe, das muss beflügelt werden, dass wir ein Verbot von genitalverstümmelnden Operationen an Kindern haben, dass klargestellt wird, dass intersexuelle Kinder beim Beschneiudngsverbot nicht ausgenommen sind. Denn diese Kinder werden nie zu ihrem Recht kommen, wenn wir nicht den rechtlichen Rahmen für die strafrechtliche Verfolgung stellen. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, der mitbedacht werden muss. [...] Die Menschenrechte sind noch längst nicht erreicht."

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Markus Bauer (>>> vollständiges Transkript) verwies auf die bisher 10 UN-Rügen und verbindlichen Empfehlungen zu Intersex-Genitalverstümmelungen, namentlich durch den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, der IGM als "schädliche Praxis" und Verletzung der Kinderrechtskonvention einstuft (und damit als vergleichbar mit FGM), und durch den UN-Ausschuss gegen Folter, der IGM als "unmenschliche Behandlung" klassifiziert, die gegen das Folterverbot verstößt, und dass alle Rügen nicht nur ein strafrechtliches Verbot fordern, sondern auch Gesetze zur Sicherstellung des Zugangs zu Justiz und Entschädigung für Überlebende, wozu auch die Verjährungsfristen angepasst werden müssen, und verwies dazu weiter auf die langjährige Forderung nach Einrichtung eines Entschädigungsfonds. Weiter hob er die Notwendigkeit einer historischen Aufarbeitung der medizinischen Praxis hervor, wo es durchaus auch auf Länderebene Handlungsmöglichkeiten gibt, sowie die Versicherungslücken für bereits geschädigte Betroffene z.B. bei der Traumabewältigung (>>> vollständiges Transkript).

Janik Bastien-Charlebois fragte Prof. Eckoldt, ob die medizinische Praxis auch die Menschenrechte auf Selbstbestimmung und Würde intergeschlechtlicher Menschen beachten müsse (was Eckoldt bejahte).

Dr. med. Jörg Woweries (eins | zwei) (>>> vollständiges Transkript) betonte, Ausdrücke wie "Krankheit" oder "Fehlbildung" seien im vorliegenden Zusammenhang nicht angemessen. Und mahnte an, dass laut ihm vorliegenden Zahlen des statistischen Bundesamtes bei "verweiblichenden" kosmetischen Genitaloperationen (IGM 2: Klitoristeilamputationen, Vaginalplastiken) von 2005-2014 keinerlei signifikante Veränderungen zu beobachten seien. Speziell "AGS-Mädchen" werden bis zum 15. Lebenjahr unverändert "zu über 95%" kosmetisch genitaloperiert.

[ Zwischengeschlecht.info konnte Woweries' Statistiken vor Ort einsehen – bei den von ihm erwähnten GenitalOPs (IGM 2+3) erfolgten zusätzlich die meisten unverändert im 1. Lebensjahr! – "Vermännlichende" GenitalOPs (IGM 1) blieben in Woweries' Untersuchung leider unberücksichtigt. ]

Auch wurden bei mehreren Kindern unter 1 Jahr immer noch die Hoden entfernt (IGM 3), auch in Universitätskliniken, und obwohl im 1. Lebensjahrzehnt hierzu unbestritten nie eine Indikation besteht. Diesbezüglich machte Woweries auch ein Fragezeichen zur Leitlinienforderung, Intersex nur noch in sog. "Kompetenzzentren" zu "behandeln", und rügte, dass in Deutschland nicht weniger als 66 Kliniken sich als "Kompetenzzentren für seltene Krankheiten" bezeichnen (worunter die Medizin Intersex zählt). "Also es sind auch grosse Einrichtungen, die völlig versagen." (>>> vollständiges Transkript)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben

>>> Dr. med. Jörg Woweries: "Weder Evidenz noch medizinische Indikation"
>>> «Entsetzt über das, was ich tat» - Interview mit Dr. med. Jörg Woweries

Siehe auch:
- Offener Brief mit 227 Unterschriften zur neuen AWMF-Intersex-D$D-Leitlinie
- Leitlinien-Interview mit Susanne Krege im Spiegel 22/2014: "kurz vor Pubertät operieren"
- Vortrag Leitlinienverantwortliche F. Eckoldt 13.09.2014: "AGS möglichst früh operieren"
- DSD neu ohne "Störungen": Antwort der AWMF-Leitlinienkoordination auf den Offenen Brief
- AWMF-Intersex-Stellungnahme weckt große Hoffnungen - doch sind diese auch berechtigt?

"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Tuesday 8 March 2016

IGM = Gewalt im Gesundheitswesen, NICHT "Kontroverse" oder "Debatte"

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IGM = Gewalt im Gesundheitswesen, NICHT 'Kontroverse' oder 'Debatte'

Wenn über Intersex geredet, gelehrt oder geschrieben und dabei berechtigterweise Gewalt gegen Intersex-Menschen angesprochen wird, ist es nicht akzeptabel, darunter nur vergleichsweise seltene Fälle von "Beschimpfung oder Misshandlung" und "Mobbing" zu zählen, Intersex-Genitalverstümmelungen jedoch auszuklammern, und IGM-Praktiken stattdessen als "Kontroverse" oder "hitzige Debatte" über "Gesundheitswesen und medizinische Dienstleistungen" einzuordnen.

IGM ist GEWALT, eine SCHÄDLICHE PRAXIS vergleichbar mit FGM, eine UNMENSCHLICHE BEHANDLUNG, die unter das FOLTERVERBOT fällt, und bei weitem die häufigste und meist schwerste Form von Gewalt, der Intersex-Menschen augsesetzt sind, und MUSS AUFHÖREN!

IGM nicht als Gewalt zu bezeichnen, sondern als "Diskriminierung" oder "Personenstandsangelegenheit" ist INTERSEX-VEREINNAHMUNG und MUSS EBENFALLS AUFHÖREN!

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
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Sunday 14 February 2016

IGM = Folter, NICHT "Diskriminierung" oder "Geschlechtsidentität"!

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IGM ist GEWALT, eine SCHÄDLICHE PRAXIS vergleichbar mit FGM, eine UNMENSCHLICHE BEHANDLUNG, die unter das FOLTERVERBOT fällt, und bei weitem die häufigste und meist schwerste Form von Gewalt, der Intersex-Menschen augsesetzt sind, und MUSS AUFHÖREN!

Wenn über Intersex geredet, gelehrt oder geschrieben und dabei berechtigterweise Gewalt gegen Intersex-Menschen angesprochen wird, ist es nicht akzeptabel, darunter nur vergleichsweise seltene Fälle von "Beschimpfung oder Misshandlung" und "Mobbing" zu zählen, Intersex-Genitalverstümmelungen jedoch auszuklammern, und IGM-Praktiken stattdessen als "Kontroverse" oder "hitzige Debatte" über "Gesundheitswesen und medizinische Dienstleistungen" einzuordnen.

IGM nicht als Gewalt zu bezeichnen, sondern als "Diskriminierung" oder "Personenstandsangelegenheit" ist INTERSEX-VEREINNAHMUNG und MUSS EBENFALLS AUFHÖREN!

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
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Saturday 13 February 2016

Gelungener BiblioTalk über Intersex-Genitalverstümmelungen

Diskussion nach der Präsentation, rechts Moderator Aner Voloder (Gleichstellung Zürich)

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Am 9. Februar ging im Stadthaus Zürich ein mit knapp 40 TeilnehmerInnen gut besuchter BiblioTalk "'Genitalkorrekturen' als Menschenrechtsverletzung: Eingriffe in die Integrität von Intersex-Kindern" über die Bühne, organisiert von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Erfreulicherweise stiess die Veranstaltung besonders bei MedizinstudentInnen und psychosozialen Fachkräften auf gesteigertes Interesse.

Wie Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle in ihrem Grusswort hervorhob, war dies die erste Veranstaltung zu diesem Thema, seit der Aufgabenbereich der Fachstelle erweitert wurde und nun u.a. auch Intersex mit umfasst, und dürfte wohl auch international eines der ersten Male überhaupt sein, dass Intersex-Genitalverstümmelungen an einer solchen Veranstaltung explizit als Menschenrechtsverletzungen thematisiert werden.

Der 40-minütige Vortrag von Daniela Truffer und Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org) gab einen Überblick über die Geschichte des gesellschaftlichen Umgangs mit Intersex-Menschen, erläuterte die häufigsten Formen von IGM-Praktiken und deren Verurteilungen u.a. durch die Nationale Ethikkommission NEK-CNE, den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und den UN-Ausschuss gegen Folter, gefolgt von einer aktuellen Standortbestimmung "Was läuft gut in der Schweiz, und was nicht?" U.a. die oft übersehene Tatsache, dass Zwitter – im Gegensatz zu heute – in Europa mehr als tausend Jahre lang als natürliche biologische Variation gesellschatlich und juristisch anerkannt und integriert waren, stiess auf reges Interesse. Gross war auch die Betroffenheit über die brutalen IGM-Praktiken und deren oft rassistischen Hintergründe. Die anschliessende Diskussion war lebhaft und wurde beim von der Fachstelle für Gleichstellung offerierten Apero weit über das offizielle Ende der Veranstaltung fortgesetzt.

Die ganze Präsentation wird zu einem späteren Zeitpunkt auf der Homepage der Fachstelle für Gleichstellung zum Download erhältlich sein.

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
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  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Monday 8 February 2016

IGM = "Schädliche Praxis" + "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss rügt Frankreich + Irland wegen Intersex-Genitalverstümmelungen

>>> English        >>> Français  

Bezeugten IGM-Praktiken an der 71. Session des UN-Kinderrechtsausschusses:
Vincent Guillot (Frankreich), Daniela Truffer (StopIGM.org), Gavan Coleman (Irland),
Markus Bauer (StopIGM.org, Foto) vor dem Palais des Nations, Geneva 13.01.2016

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IGM = Hamful PracticeZwischengeschlecht.org on FacebookZwischengeschlecht.org begrüßt aufs Herzlichste die historischen, verbindlichen "Abschließenden Bemerkungen" des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes (CRC) für Frankreich und Irland (auf englisch):

Ireland: CRC/C/IRL/CO/3-4, DOC, on Intersex: p. 8-9, paras. 39–40
France:
CRC/C/FRA/CO/5, DOC, on Intersex: p. 9–10, paras. 47–48

Dies ist das erste Mal, dass der Ausschuss gleich 2 Vertragsstaaten auf einmal wegen IGM-Praktiken rügt, und dabei erneut nicht-eingewilligte, medizinisch nicht notwendige, irreversible, kosmetische Genitaoperationen und weitere "Behandlungen" an Inersex-Kindern unmissverständlich als "schädliche Praxis" und als "Gewalt gegen Kinder" einstuft.

Wir anerkennen besonders, dass der Ausschuss Irland explizit dazu auffordert, "gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen um Opfern solcher Behandlungen Zugang zu Wiedergutmachung zu ermöglichen, einschließlich angemessener Entschädigung", und sich gegenüber Frankreich ausdrücklich auf den CRC-CEDAW Allgemeinen Kommentar Nr. 18/31 über "schädlichen Praktiken"  beruft, der ebenfalls unmissverständlich gesetzgeberische Maßnahmen, Zugang zu Justiz und Wiedergutmachung für Opfer sowie die Notwendigkeit der Entwicklung einer ganzheitlichen Politik einfordert.

Der Kampf von Intersex-Menschen und ihren Organisationen für "körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung" und um die Eliminierung von IGM-Praktiken ist noch lange nicht zu Ende. Die verbindlichen Abschließenden Bemerkungen des UN-Kinderrechtsausschusses sind jedoch ein wichtiger und hochwillkommenen Schritt dazu, ein Zeichen der Hoffnung für Intersex-Kinder überall – und eine unmissverständliche Warnung an IGM-TäterInnen und mitschuldige Staaten!

   •  UN-Kinderrechtsausschuss befragt Frankreich und Irland zu IGM-Praktiken
   •  IGM in Frankreich + Irland: Berichte an den UN-Kinderrechtsausschuss (CRC)
   • 
Minister verplappert sich! Irland zu IGM befragt – Transkript (englisch)
   •  Ministerin versucht abzulenken: Frankreich zu IGM befragt – Transkript (en) | (fr) 

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
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Wednesday 3 February 2016

Schweizer Parlament > "Intersex-Genitalverstümmelungen verbieten" - jetzt in 4 Sprachen und mit offizieller Geschäftsnummer!

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Unsere gleichnamige Petition an die beiden Kammern des Schweizer Bundesparlaments – als welche der Offene Brief von Zwischengeschlecht.org an Regierung und Parlamente zum Tag der Menschenrechte 2015 aktuell von den Rechtkommissionen beider Räte weiterbehandelt wird – ist nun viersprachig (Deutsch | Français | Italiano | English) unter der offiziellen Geschäftsnummer 15.2043 in der Parlamentsdatenbank eingetragen. Fortsetzung folgt ... YAY!!

>>> Offener Brief zum Tag der Menschenrechte, Bern 10.12.2015 | PDF
>>>
Flugblatt mit Hintergrundinformationen (PDF, ab S. 2 TRIGGERWARNUNG)
>>>
UPDATE: Verbot von IGM-Praktiken in beiden Kammern auf Traktandenliste

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Tuesday 2 February 2016

UN-Kinderrechtsausschuss befragt Frankreich und Irland zu Intersex-Genitalverstümmelungen – schriftliche Rüge "ungefähr Donnerstag"

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Zwischengeschlecht.org on FacebookDer UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) befragte während seiner 71. Session in Genf aufgrund von zwei thematischen Intersex-Schattenberichten Frankreich und Irland zu IGM-Praktiken.
Die Vertragsstaaten versuchten es einmal mehr mit Leugnen und Ausweichen auf LGBT-Themen, doch der gut informierte Ausschuss ließ sich nicht hinters Licht führen:

   Frankreich: Transkript Befragung (englisch) | (französisch)

   Irland: Transkript Befragung (englisch)

Wir erwarten deutliche verbindliche Empfehlungen an Frankreich und Irland – wie aus Genf zu vernehmen war "ungefähr am (kommenden) Donnerstag". (Die schriftlichen "Abschließenden Bemerkungen" werden in der Regel am letzten Tag der Session auf der entsprechenden Ausschuss-Homepage publiziert. Manchmal kann's aber auch ein paar Tage oder noch etwas länger dauern.) Drückt die Daumen! 

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
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>>> PDF-Download (5.53 MB)

Monday 11 January 2016

Chile > Gesundheitsministerium fordert Verzicht auf IGM-Praktiken!

Rundschreiben No. 18 des Ministeriums (Bild: Camilo Godoy Peña   >>> PDF  >>> english 

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IGM = Hamful PracticeZwischengeschlecht.org on FacebookWeihnachtsgeschenk für die Intersex-Bewegung aus Santiago! Das Untersekretariat für öffentliche Gesundheit des Chilenischen Gesundheitsministeriums veröffentlicht mit Datum vom 22. Dezember ein Rundschreiben No. 18 "Anleitung über gewisse Aspekte der Gesundheitsversorgung von Intersex-Kindern", unterzeichnet von der Staatssekretärin im Netzwerk Fürsorgeleistungen (Dr. Gisela Alarcón) und dem Staatssekretär für öffentliche Gesundheit (Dr. Jaime Burrows).

Darin zeigt sich das Ministerium "sehr besorgt" über nicht-eingewilligte "Behandlungen" an Intersex-Kindern und -Jugendlichen, und verweist dazu auf Stellungahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderrechtsauschusses (CRC).

Laut Camilo Godoy Peña fordert das Dokument im Einzelnen:

  1. Die Aufschiebung von "unnötigen 'normalisierenden' Behandlungen an Intersex-Kindern, einschließlich irreversiblen Genitaloperationen, bis sie alt genug sind, selber über ihre Körper zu entscheiden."

  2. Einrichtung von Arbeitsgruppen in Gesundheitsdiensten, bestehend aus EndokrinologInnen, GynäkologInnen, PsychologInnen und EthikerInnen, die für alle Intersex-Behandlungen jeweils einen Plan festlegen, der an das Zentralkomitee des Gesundheitsministriums zur vorgängigen Überprüfung weitergeleitet werden muss.

  3. Die Ernennung von zuständigen Verantwortlichen in jedem Gesundheitsdienst für die Dokumentation und Registrierung aller Fälle.

Dadurch sollen künftig IGM-Pratiken verhindert, und weiter endlich solide Datenerfassung aller Fälle ermöglicht werden.

Meine 2 Cent: Gute Nachrichten aus Chile! Das ganze Dokument ist noch nicht jetzt öffentlich zugänglich: >>> PDF >>> english transl. Es bleibt aber abzuwarten, ob in der Praxis auch wirklich alle IGM-Formen unter der neuen Regelung erfasst werden, und ob TäterInnen wirklich keine Möglichkeiten mehr haben, diese neue Regelung einfach zu missachten – auch nach Einschätzung eines solidarischen Kinderchirurgen wird letztlich erst die Androhung von empfindlichen Strafen inkl. Aussetzung/Aufschiebung der Verjährungsfristen auch den hartnäckigeren GenitalabschneiderInnen wirksam Paroli bieten. Auf jeden Fall ist das Zirkular No. 18 eine historische Entwicklung für den auch in Chile dringend notwendigen Schutz von Intersex-Kindern, von dem sich Gesundheitsministerien rund um den Globus ruhig mal 'ne fette Scheibe abschneiden könnten. Dafür von diesem Blog an Camilo Godoy Peña, Andres Rivera Duarte und alle weiteren Beteiligten ein ganz herzliches Dankeschön!

>>> UN-Kinderrechtsausschuss rügt Chile wegen IGM-Praktiken
>>> Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR) verurteilt IGM

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
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     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
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>>> PDF-Download (5.53 MB)

2016 > Schweiz > IGM-Verbot in beiden Kammern auf Traktandenliste

Bern 10.12.2015: Friedlicher Intersex-Protest + Offener Brief zum Tag der Menschenrechte

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Weihnachtsgeschenk für die Intersex-Bewegung aus Bern! Wie uns das Sekretariat der Kommissionen für Rechtsfragen kurz vor den Festtagen mitteilte, wird unser Offener Brief “Intersex-Genitalverstümmelungen endlich verbieten!”, den wir am internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember vor dem Bundeshaus zusammen mit einem Flugblatt mit Hintergrundinfos (PDF – ab S. 2: TRIGGERWARNUNG!!!) an ParlamentarierInnen und PassantInnen verteilten, sowie persönlich oder per Post allen Mitgliedern des Bundesrates (= Schweizer Regierung), der Präsidentin des Nationalrates (= große Kammer), dem Präsidenten des Ständerates (= kleine Kammer) und allen Fraktionen und Jugendorganisationen der Parteien, sowie per E-Mail allen ParlamentarierInnen zukommen liessen, von den beiden Räten als Petition weiterbehandelt, und wurde dazu an die beiden zuständigen Rechtskommissionen weitergeleitet.

Damit ist die Hauptforderung der Intersex-Bewegung nach gesetzgeberischen Maßnahmen zur Beendigung von IGM-Praktiken als wirksamen Schutz für alle Kinder mit Varianten der Geschlechtsentwicklung, wie sie seit 2012 auch von der Schweizerischen Nationalen Ethikkommission NEK-CNE offiziell unterstützt wird, endlich offiziell in den beiden Kammern angekommen und muss nun dort diskutiert werden. Dafür von diesem Blog an alle Beteiligten ein ganz herzliches Dankeschön!

Wie das Sekretariat der Rechtskommissionen weiter mitteilte, wird das öffentliche parlamentarische Verfahren "erfahrungsgemäss einige Zeit" in Anspruch nehmen – die Zwischengeschlecht.org nutzen will, um mit verschiedenen Mitteln Regierung, Parlament und nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit weiterhin auf das andauernde Unrecht der Intersex-Genitalverstümmelungen aufmerksam zu machen. Bereits kam es diesbezüglich zu ersten persönlichen Kontakten mit ParlamentarierInnen, und am 9. Februar wird die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich zum Thema einen öffentlichen Vortrag mit Diskussion veranstalten (mehr dazu in Kürze).

Zusätzlich zu den im Offenen Brief erwähnten, bereits erfolgten UN-Rügen an die Schweiz durch den Kinderrechtsausschuss (CRC) und den Ausschuss gegen Folter (CAT) untersucht aktuell der Menschenrechtsausschuss (HRCttee) IGM-Praktiken in der Schweiz; zudem stehen in naher Zukunft weitere Staatenprüfungen der Schweiz u.a. durch den Frauenrechtsausschuss (CEDAW) an.

Keine weiteren Neuigkeiten gab's bisher betreffend der ursprünglich auf Ende 2015, spätestens auf Anfang 2016 angekündigten Stellungnahme des Bundesrates zu den Empfehlungen der Nationalen Ethikkommission NEK-CNE (wofür die Rechtskommissionen der Kammern auch nicht zuständig sind).

Nachfolgend ein Scan der vollständigen Antwort des Sekretariats der Rechtskommissionen:

Nachtrag 03.03.2016: Die "Petition" ist nun viersprachig (Deutsch | Français | Italiano | English) unter der offiziellen Geschäftsnummer 15.2043 in der Parlamentsdatenbank eingetragen:

>>> Offener Brief zum Tag der Menschenrechte, Bern 10.12.2015 | PDF
>>>
Flugblatt mit Hintergrundinformationen (PDF -- ab S. 2: TRIGGERWARNUNG)

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Monday 4 January 2016

Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR) verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen!

Aktion + Offener Brief zum Intersex Awareness Day in Chile, Santiago 26.10.2015:
Camilo Godoy Peña vor dem Regierungsgebäude mit Schild "Nein zu IGM"

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IGM = Hamful PracticeZwischengeschlecht.org on FacebookDie Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR), ein unabhängiges Organ der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), publizierte im Dezember einen ausführlichen >>> Bericht "Gewalt gegen LGBTI-Menschen" (PDF 7 MB spanisch) – eine englische Version soll folgen –, der ein eigenständiges Kapitel E "Medizinische Gewalt gegen Intersex-Menschen" (S. 126-133) enthält und IGM-Praktiken klar und unmissverständlich verurteilt.

Dafür von diesem Blog an alle Beteiligten ein ganz herzliches Dankeschön!

Der Bericht verweist dazu auf Zeugnisse und Berichte zu IGM-Praktiken u.a. aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Chile, El Salvador, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Uruguay und USA, sowie u.a. auf den Thematischen Intersex-NGO-Report an den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) von Zwischengeschlecht.org von 2014 und auf die CRC-Rüge an Chile im Oktober 2015.

IACHR veröffentlichte eine >>> Pressemitteilung No. 143/15 zum Bericht (englisch); ebenfalls mit Absätzen mit klaren Aussagen zu Intersex (inoffizielle Übersetzung):

Zum Beispiel beruht Gewalt gegen Intersex-Menschen auf Vorurteilen gegenüber körperlicher Vielfalt und spezifisch gegen Menschen, deren Körper nicht als eindeutig männlich oder weiblich eingestuft werden. Die Gewalt, unter denen Intersex-Menschen leiden, unterscheidet sich von der Gewalt, unter denen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen (LGBT) leiden. [...]

Demgegenüber ist die Gewalt, von der Intersex-Menschen betroffen sind, deutlich andersgeartet. Intersex-Kinder werden oft erzwungenen, chirurgischen Operationen und weiteren Eingriffen unterworfen, die größtenteils medizinisch nicht notwendig sind, mit dem einzigen Zweck, ihre Genitalien mehr nach denen von Jungen oder Mädchen aussehen zu lassen. Diese Operationen, die ihrer Natur nach irreversibel sind, werden meist ohne ihre Einwilligung ausgeführt – an Neugeborenen oder Kleinkindern – und können enorme Schäden verursachen, darunter chronische Schmerzen, Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, Sterilisierung, Trauma, und Vermindung oder Verlust der Fähigkeit, sexuelle Lust zu empfinden.

IACHR kritisiert fehlende Datenerfassung und Monitoring

Von Januar 2013 bis Februar 2014 sammelte die Kommission Daten zu Gewalttaten an LGBTI-Menschen und publizierte im Dezember 2014 die resultierenden Statistiken. In einer >>> Pressemitteilung (englisch) und einem >>> Anhang dazu (englisch, PDF) kritisiert die Kommission explizit fehlende Daten zu medizinischer Gewalt an Intersex-Menschen, und spricht als Ursache u.a. an, dass diese Form von Gewalt durch die Staaten gebilligt und von Medien und Organisationen meist ignoriert wird, während zusätzlich Scham und Angst der Betroffenen die Unsichtbarmachung noch verstärken:

   
Erfolge dank Initiativen und Zeugnissen Betroffener

Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte befasst sich spätestens seit 2013 mit Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen. Zentral waren dabei einmal mehr der Einsatz und nicht zuletzt die bewegenden Zeugnisse von Überlebenden von IGM-Praktiken und ihren UnterstützerInnen:

IACHR Intersex Hearing, Washington 15.03.2013 (v.l.n.r.): Natasha Jiménez (Mulabi, Costa Rica), Paula Sandrine Machado (Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Brasilien), Pidgeon Pagonis (Advocates for Informed Choice, USA), Mauro Cabral (Initiator der Anhörung, Consórcio Latino Americano de Trabalho sobre Intersexualidade, Argentinien).
>>> Video (mehrsprachig)   >>> Bericht AIC (en)   >>> Bericht HRBrief (en)   >>> Bilder

Zusätzlich hatte die Kommission einen >>> Thematischen Report von Anne Tamar-Mattis von Advocates for Informed Choice (PDF, englisch) angefordert.

Bleibt zu hoffen, dass die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte sowie IGM-Überlebende auch künftig international dranbleiben – bis Intersex-Genitalverstümmelungen endlich Geschichte sind, international eine umfassende Aufarbeitung und angemessene Entschädigung der Opfer stattfindet, und künftige TäterInnen die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen!

Siehe auch:
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
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  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Sunday 27 December 2015

D > Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) fordert gesetzliches Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen + Entschädigungsfonds!

'Genitalverstümmelungen stoppen!' - Aktion von Zwischengeschlecht.orgFriedliche Aktion vor der Ethikrat-Pressekonferenz, 23.2.12 (Bild: © dapd / sueddeutsche.de)

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Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) veröffentlichte die >>> Handlungsempfehlungen der unabhängigen Kommission "Gleiche Rechte – gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts" (PDF, 1.2 MB), die auf den S. 28-29 deutliche Empfehlungen zu Intersex enthält (Wortlauf nachfolgend), inkl. der Forderung nach einem gesetzlichen Verbot von IGM-Praktiken, Aussetzung der Verjährungsfristen und Einrichtung eines Entschädigungsfonds für Überlebende – sprich die Hauptforderungen, die Zwischengeschlecht.org schon 2011 anläßlich der Ethikrat-Anhörung formulierte (PDF) – und verwies dazu u.a. auf den thematischen BRK-Schattenbericht von Zwischengeschlecht.org (wenn auch mit falscher bzw. unvollständiger Quellenangabe, vgl. unten).

Nach der Stellungnahme der Gleichstellungs- und FrauenministerInnenkonferenz (GFMK) 2014 – auf welche sich die ADS-Stellungnahme ausdrücklich bezieht – ist dies das 2. Mal. dass eine offizielle Stelle in Deutschland vorbehaltslos für die Rechte der Betroffenen eintritt! Dafür von diesem Blog an alle Beteiligten ein ganz herzliches Dankeschön, insbesondere an Kommissionsmitglied Lucie Veith (Intersexuelle Menschen e.V.)!

Weiter veröffentlichte die ADS die  >>> Dokumentation einer Anhörung u.a. zu Intersex (PDF, 3 MB), die v.a. auf den S. 10-11, 14,  und 26-29 in unterschiedlicher Tiefe auf das Thema eingeht (so erwähnt z.B. Silvan Agius S. 10-11 alle wichtigsten IGM-Eingriffe, während das Impulsreferat von Manuela Tillmanns (Uni Köln) auf S. 26-27 einmal mehr nur sog. "verweiblichende Genitalkorrekturen" anführt. Trotzdem sind die Empfehlungen des Intersex-Panels (S. 29) ebenfalls klar und gut. Von Betroffenenseite waren Lucie Veith (IMeV) und Ev Blaine Matthigack (IVIM) auf dem Podium.

Nchfolgend die zentralen rechtlichen ADS-Handlungsempfehlungen zu Intersex im Wortlaut (S. 28-29):

2.5 Handlungsempfehlungen in Bezug auf Inter*

Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale sich bei der Geburt nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter Mann oder Frau zuordnen lassen, waren und sind oft in ihrer frühesten Kindheit Operationen an Geschlechtsmerkmalen ausgesetzt, die nicht zwingend medizinisch indiziert sind. Dies sind schwerwiegende Eingriffe in die körperliche Integrität, unter denen die Betroffenen oft ihr Leben lang leiden. [56]

2.5.1 Gesetzliches Verbot von geschlechtszuweisenden und verändernden Eingriffen

Die Bundesrepublik ist mehrfach, unter anderem vom Ausschuss zur Überwachung der UN-Folterkonvention, aufgefordert worden, effektive gesetzliche Maßnahmen zu treffen, um medizinisch nicht erforderliche Eingriffe, die ohne die informierte und ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen vorgenommen werden, zu unterbinden. [57]

Vor diesem Hintergrund schließt sich die Kommission ausdrücklich dem Beschluss der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister_innen und -senator_innen der Länder [GFMK] vom 1./2. Oktober 2014 an [58] und fordert die Bundesregierung, den Bundestag und den Bundesrat dazu auf, zeitnah gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen, um

  • durch eine Strafrechtsänderung sicherzustellen, dass medizinisch nicht zwingend indizierte Eingriffe und Operationen an Geschlechtsmerkmalen, die keine medizinische Notwendigkeit haben, bei nicht einwilligungsfähigen intergeschlechtlichen Minderjährigen und anderen nicht einwilligungsfähigen intergeschlechtlichen Personen ausdrücklich verboten und mit einem angemessenen Strafmaß bedroht sind, insbesondere auch wenn die Zeugungs- oder sexuelle Empfindungsfähigkeit beeinträchtigt werden können;
  • zugleich eine Regelung in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) aufzunehmen, die entsprechend § 1631c BGB klarstellt, dass bei nicht medizinisch indizierten Eingriffen und Operationen an Geschlechtsmerkmalen, die nicht medizinisch notwendig sind, die Sorgeberechtigten nicht rechtswirksam in die Behandlung einwilligen können;
  • eine Regelung zu schaffen, die ärztliche Dokumentationspflichten für geschlechtszuweisende bzw. verändernde Eingriffe spezifiziert und den betroffenen Personen – unter Wahrung des Datenschutzes – uneingeschränkten Zugang zu den entsprechenden Unterlagen gewährt;
  • festzulegen, dass in den genannten Fällen die Verjährung der Strafverfolgung und für zivilrechtliche Schadensersatzansprüche der Betroffenen entsprechend § 78b Abs. 1 StGB und § 208 BGB bis zur Volljährigkeit bzw. bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres ruht. [59]

56 Ebd. [= Deutscher Ethikrat 2012], S. 17 ff.; eindrücklich auch Human Rights NGO 2015 [siehe nachfolgend].
57 Committee against Torture 2011, par. 20.
58 GFMK 2014, S. 52 ff.
59 Vgl. Deutscher Ethikrat 2012, S. 163 f.; Plett 2015, S. 47 f.

[...]

2.5.3 Einrichtung eines Entschädigungsfonds

Mit Besorgnis stellt die Kommission fest, dass die Forderung des Deutschen Ethikrats sowie des UN-Folterausschusses, einen Entschädigungsfonds für von irreversiblen ärzt-lichen Eingriffen betroffene Inter*Menschen einzurichten, bis heute nicht erfüllt wurde. [63] Bundesregierung und Ärztekammern werden nachdrücklich dazu aufgerufen, dieser menschenrechtlichen und ethischen Verpflichtung nachzukommen.

[63] Deutscher Ethikrat 2012, S. 176; Committee against Torture 2011, par. 20.

"Human Rights NGO 2015"

Zwischengeschlecht.org on FacebookDer mit "Human Rights NGO (Hrsg.) (2015): Intersex Genital Mutilations. Human Rights Violations of Persons with Variations of Sex Anatomy. Report. Zürich." von der Antidiskriminierungsstelle auch im Literaturverzeichnis (S. 37) unvollständig beziehungsweise falsch zitierte >>> thematische BRK/CRPD-Intersex-Schattenbericht-Bericht von Zwischengeschlecht.org dokumentiert nebst den gebräuchlichsten IGM-Formen und dem dadurch verursachten, lebenslangen Leiden, wie sich die Bundesregierung seit Jahrzehnten kontinuierlich weigert,

  • Intersex-Kinder und -Erwachsene angemessen vor IGM-Praktiken zu schützen,
  • relevante Daten und Statistiken dazu zu erheben und zugänglich zu machen,
  • Überlebenden von IGM-Praktiken Zugang zu Justiz und Entschädigung zu gewähren, und
  • für Betroffene mit AGS/CAH mit Salzverlust die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten zu gewährleisten.

Der gesamte 33-seitige thematische Bericht liegt vorerst nur auf Englisch vor.

Die Kapitel C–E über BRK/CRPD-Verstöße in Deutschland in Deutscher Übersetzung: 
>>> "C. Intersex-Menschen in Deutschland und die BRK" 
>>> "D.1. IGM-Statistiken: 20 Jahre Lügen und Leugnen der Bundesregierung" 
>>> "D.2. - E.1. Faktische Straflosigkeit von IGM-Praktiken, kein Zugang zu Justiz"
>>> "E. Verweigerung lebenswichtiger Medikamente f. Betroffene m. AGS m. Salzverlust"

Der fundierte Bericht und das Zeugnis von Dniela "Nella" Truffer vor dem Ausschuss trugen maßgeblich dazu bei, dass der UN-Behindertenrechtsausschuss CRPD im April 2015 deutlich gegen IGM-Praktiken in Deutschland Stellung bezog.

>>> 24. Gleichstellungsministerkonferenz (GFMK): IGMs gesetzlich verbieten!!!

Siehe auch:
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen
 

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Thursday 17 December 2015

Nürnberger Zwitterprozess: Uniklinik Erlangen muss wegen Intersex-Genitalverstümmelungen Schmerzensgeld und Schadenersatz zahlen!

Bild: Intersex-Soli-Protest zum 2. Termin im "Nürnberger Zwitterprozess", Landgericht Nürnberg-Fürth 22.10.2015

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Heute Nachmittag ist im Nürnberger Zwitterprozess ein erstes Urteil gefallen! Laut einer >>> Pressemitteilung des OLG Nürnberg und einer Meldung auf >>> nordbayern.de muss die Universitätsklinik Erlangen Michaela "Micha" Raab wegen nicht-eingewilligten Intersex-Genitalverstümmelungen (Klitoristeilamputation, Kastration, Zwangshormonbehandlung) Schmerzensgeld + Schadenersatz zahlen! Hipp, hipp!

Der Chirurg Prof. S. wurde dagegen freigesprochen, da andere ÄrztInnen für die fehlende Aufklärung verantwortlich seien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (siehe unten), auch die Höhe von Schmerzengeld und Schadenersatz muss erst noch in einem weiteren Verfahren festgelegt werden.

Dies ist weltweit das 1. Mal überhaupt, dass eine Klinik wegen Intersex-Genitalverstümmelungen verurteilt wurde, und erst das 2. Mal in Deutschland, dass ein Gericht Entschädigung anerkennt – sowie insgesamt erst der 4. solche Prozess weltweit!

2007-09 gewann Christiane Völling in Köln 100'000 Euro Schadenresatz von ihrem ehemaligen Chirurgen Prof. L., der ohne Aufklärung ihre Gebärmutter entfernte.

• Ein weiteres Schmerzensgeld- und Schadenersatzverfahren gegen eine IGM-Klinik und individuelle Ärzte ist aktuell in München anhängig.

In all diesen Fällen geht es um Verstümmelungen an jungen Erwachsenen.

• In "#Justice4MC", einem weiteren laufenden Verfahren in den USA, klagen aktuell Adoptiveltern eines verstümmelten Kindes gegen MedzynerInnen, Klinik und Behörden.

Bisher schaffte es weltweit noch kein erwachsene_r Überlebende_r von frühkindlichen Intersex-Genitalverstümmelungen vor Gericht zu gelangen.

Dieser Blog gratuliert Micha – und wünscht weiterhin viel Kraft + Gerechtigkeit auf dem wahrscheinlich weiteren Weg durch die Instanzen!

Zunächst war nicht nicht klar, ob – wie von diversen Medien angekündigt – heute bereits ein Urteil erfolgt, oder ob – wie schon letzten April – das Gericht zunächst einen weiteren Verhandlungstag mit Beweisaufnahme, ZeugInnenvernehmung etc. ansetzt.

Umso schöner, dass das Landegricht nun ein deutliches Zeichen gegen den selbstherrlichen Chirurgen und die bekannte Verstümmler-Uniklinik Erlangen setzte!

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Alles andere wäre angesichts der unbestrittenerweise unterlassenen Aufklärung – obwohl Micha zum "Behandlungs"zeitpunkt kein Kind mehr war! – nicht nur inakzeptabel, sondern auch in krassem Widerspruch zu langjährigen UNO-Rügen für Deutschland durch den UN-Auschuss gegen Folter sowie den UN-Behindertenrechtsausschuss, welche beide deutlich die fortgesezte Straflosigkeit der TäterInnen in Deutschland anprangern.

Wie schon im Kölner Zwitterprozess von Christiane Völling ist allerdings davon auszugehen, dass Genitalverstümmler Prof. S. und die Friedrich-Alexander-Universitätsklinik Erlangen im Falle einer Verurteilung zunächst den Weg durch die Instanzen beschreiten werden.

Wir drücken Micha beide Daumen!

UPDATE: Wie erwartet hat die Gegenseite mit Datum vom 11.01.2016 Berufung eingelegt. Micha hat zusätzlich am 18.05.2016 Anschlussberufung gegen den Freispruch des Operateurs eingelegt. Der Fall liegt (oder vielmehr ruht) seither beim Oberlandesgericht ...

Fortsetzung folgt ...

>>> Nürnberger Zwitterprozess: "Schluss mit straflos Zwitter verstümmeln!"
>>>
Wegen Zwitterprozess: Bayern zensiert parlamentarische Anfrage zu IGM-Praktiken!
>>>
Medienspiegel zum 1. Prozesstag
>>>
Medienbericht 2. Prozesstag
>>> Bericht an UN: "Fehlender Rechtszugang für Überlebende von IGM-Praktiken"

                                  Nürnberger Nachrichten berichtet über 1. Prozesstag, 27.03.2015
Siehe auch:
- 2015: UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen
 

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Wednesday 16 December 2015

Intersex-Genitalverstümmelungen in Frankreich + Irland: Berichte an den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC)

“Friendly garda helping us to set up the protest!” – Trinity College, Dublin 18.09.2014

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IGM = Hamful PracticeZwischengeschlecht.org on FacebookDie Intersex-Menschenrechtsverteidiger Vincent Guillot und Gavan Coleman haben in Zusammenarbeit mit Zwischengeschlecht.org zwei weitere thematische Intersex-Schattenberichte eingereicht für die im Januar 2016 anstehenden CRC-Staatenüberprüfungen von Frankreich und Irland.

Der UN-Kinderrechtsausschuss hatte dieses Jahr bereits die Schweiz und Chile wegen Intersex-Genitalverstümmelunge deutlich gerügt.

Dies ist das erst Mal, dass der Ausschuss in einer Session IGM-Praktiken in mehr als einem Land behandelt!

NGO Report to the 5th Periodic Report of France on the Convention on the Rights of the Child (CRC)

>>>  Download English (PDF 3.41 MB)

Compiled by:
Vincent Guillot + Zwischengeschlecht.org
Endorsed by:
OII Francophonie

Der Bericht enthält 2 Fallgeschichten von IGM-Überlebenden.
Staatenüberprüfung Frankreich:
Mi 13. Jan 15-18h + Do 14. Jan 10-13h

NGO Report to the 3rd and 4th Periodic Report of Ireland on the Convention on the Rights of the Child (CRC)

>>>  Download English (PDF 3.60 MB)

   
Compiled by:
Gavan Coleman
Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

Staatenüberprüfung Irland: Do 14. Jan 10-13h + Do 14. Jan 15-18h  

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

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  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
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Saturday 12 December 2015

Intersex-Flyer zum Tag der Menschenrechte 2015

Die 1. Seite des Intersex-Flyers (vergrössern: reinklicken!), den wir zusammen mit dem Offenen Brief am Tag der Menschenrechte 2015 vor dem Bundeshaus in Bern verteilten und der Bundesregierung sowie allen Kammern, ParlamentarierInnen und Parteien zustellten.

Der ganze 4-seitige Faltflyer (ab 2. Seite: TRIGGERWARNUNG!!!) kann >>> hier als PDF runtergeladen werden.

"Intersex-Genitalverstümmelungen endlich verbieten!" Offener Brief an Schweizer Regierung zum Tag der Menschenrechte 2015

Foto: Friedlicher Protest + Offener Brief zum Tag der Menschenrechte, Bern 10.12.2015

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>>> UPDATE: Verbot von IGM-Praktiken in beiden Kammern auf Traktandenliste
>>>
Der Offene Brief als PDF
>>>
Flugblatt mit Hintergrundinformationen (PDF)

Intersex-Genitalverstümmelungen endlich verbieten!
Offener Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

im Namen von Betroffenen, Partnern, Familien, Freunden, Unterstützer_innen

Bern, 10. Dezember 2015

Sehr geehrter Bundesrat
Sehr geehrter Nationalrat
Sehr geehrter Ständerat

Zum heutigen Tag der Menschenrechte möchten wir unsere tiefe Besorgnis darüber ausdrücken, dass die Schweiz immer noch keine Vorkehrungen getroffen hat zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vor nicht-eingewilligten, medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen, kosmetischen Genitaloperationen, sterilisierenden Eingriffen, Aufzwingung von Hormonen und weiteren menschenrechtswidrigen Behandlungen. [1]

Schon vor drei Jahren hatte die Nationale Ethikkommission NEK-CNE im Auftrag des Bundesrates diesbezüglich unter anderem empfohlen, zivilrechtliche Haftungsfolgen, Verjährungsfristen sowie die Anwendbarkeit von Art. 122f. StGB und Art. 124 StGB juristisch zu überprüfen (Stellungnahme Nr. 20/2012).

Letzten Februar stufte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) IGM als "schädliche Praxis" ein, drückte tiefe Besorgnis über den "Mangel an Rechtszugang und Entschädigung" aus und empfahl der Schweiz unter Bezug auf NEK-CNE "körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung für betroffene Kinder zu garantieren" (CRC/C/CHE/CO/2-4).

Und im August dieses Jahres empfahl der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT), der IGM-Praktiken seit Jahren als "unmenschliche Behandlung" einstuft, die unter das Folter- und Misshandlungsverbot fällt, der Schweiz ebenfalls unter Bezug auf NEK-CNE unter anderem "gesetzgeberische, administrative und andere notwendige Massnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung der körperlichen Unversehrtheit von Intersex-Menschen zu gewährleisten", sowie "Wiedergutmachung für alle Opfer, inklusive angemessene Entschädigung" (CAT/C/CHE/CO/7).

Insbesondere für betroffene Menschen ist es unerträglich, dass auch drei Jahre nach der Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission hauptsächlich in Universitätskliniken immer noch Woche für Woche weitere wehrlose Intersex-Kinder irreversibel verstümmelt werden, während der Gesetzgeber untätig zuschaut.

Wir begrüssten daher sehr, dass die Schweiz Anfang Jahr gegenüber dem Kinderrechtsausschuss ankündigte, dass das Bundesamt für Statistik zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit wenigstens einen Plan zur Datenerfassung von IGM-Praktiken entwickelt. [2] Sowie im Sommer gegenüber dem Ausschuss gegen Folter, dass der Bundesrat noch dieses Jahr einen Plan zur Umsetzung der NEK-Empfehlungen vorstellen will (vgl. CAT/C/CHE/CO/7).

Leider war es uns bisher trotz mehrmaliger Rücksprache nicht möglich zu erfahren, wer bei BFS und BAG für den erwähnten Plan zur Datenerfassung zuständig wäre. Umso gespannter erwarten wir die baldige Veröffentlichung des angekündigten Plans zur Umsetzung der NEK-Empfehlungen durch den Bundesrat.

Wir hoffen sehr, dass dieser Plan endlich auch die zentralen Hauptforderungen der Betroffenen sowie zahlreicher Sachverständiger zielstrebig angehen wird, einschliesslich

  • strafrechtliches Verbot von nicht-eingewilligten chirurgischen "Genitalkorrekturen", sterilisierenden Eingriffen und weiteren unnötigen medizinischen Behandlungen an Kindern und Jugendlichen mit Varianten der Geschlechtsanatomie (einschliesslich AGS und Hypospadie) (vgl. NEK, CRC, CAT)
  • Anpassung der zivil- und strafrechtlichen Verjährungsfristen, um künftigen erwachsenen Betroffenen wirksamen Zugang zu Justiz und Wiedergutmachung zu ermöglichen, wie zum Beispiel bei weiblicher Genitalverstümmelung oder sexueller Gewalt gegen Kinder (vgl. NEK, CRC, CAT)
  • Schaffung einer unabhängigen Drittinstanz (zum Beispiel ein Gericht oder eine Behörde), die bei Eingriffen an Kindern oder Jugendlichen sicherstellt, dass entweder eine zwingende medizinische Indikation vorliegt, oder dass die betroffene Person für den betreffenden Eingriff vollumfänglich einwilligungsfähig ist und freiwillig informiert zustimmt [3]
  • Gewährleistung eines kostenlosen, psychosozialen Unterstützungsangebots für Eltern, Betroffene und ihre Familien, einschliesslich Zugang zu Peer Support (vgl. NEK, CRC, CAT)
  • öffentliche Anerkennung des angetanen Leids, Aufarbeitung der vergangenen Praxis, Wiedergutmachung für Überlebende, gesellschaftliche Aussöhnung (vgl. NEK, CAT)
  • angemessene Konsultation der Betroffenen und ihrer Organisationen

Besten Dank für Ihre Erwägung.

Freundliche Grüsse

Daniela Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Postfach 2122, CH-8031 Zürich
info_at_zwischengeschlecht.org

Fussnoten

[1] Vgl. Zwischengeschlecht.org, Intersex.ch, SI Selbsthilfe Intersexualität: Thematischer NGO-Bericht an UN-CRC (2014), http://intersex.shadowreport.org/public/2014-CRC-Swiss-NGO-Zwischengeschlecht-Intersex-IGM_v2.pdf

[2] Vgl. Protokoll Nachmittagssitzung 22.01.2015, http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2015/02/01/Transkript-Intersex-RCR-68-Session-Genf-2015

[3] Vgl. Mirjam Werlen: Persönlichkeitsschutz und höchstpersönliche Rechte bei Kindern mit einer Geschlechtsvariante (DSD), in: Jusletter 24. August 2015, Rz 116f, 127

>>> Tag der Menschenrechte: Intersex-Protest vor dem Bundeshaus
>>> UPDATE: Verbot von IGM-Praktiken in beiden Kammern auf Traktandenliste

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

NGO Report an das UN-Kinderrechtskomitee
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>> Table of Contents

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Thursday 10 December 2015

Offener Brief + Flyer zum Tag der Menschenrechte 2015 - UN-Ausschuss gegen Folter rügt 4 weitere Staaten wegen IGM!

Foto: Friedlicher Protest zum UPR #14, 20.10.2012

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Intersex Symbol with IGM=

Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Zwischengeschlecht.org führt dazu vor dem Bundeshaus in Bern eine friedliche Aktion durch, wird einen >>> Offenen Brief an Regierung + Parlament überreichen und mittels >>> Flugblättern (1.1 MB – ab S. 2 TRIGGERWARNUNG!!) über die andauernden, massiven Menschenrechtsverletzungen an Kindern mit Varianten der Geschlechtsanatomie informieren.

Passend dazu hat gestern der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) die verbindlichen "Abschliessenden Bemerkungen" der historischen 56. Session publiziert – wie erwartet inklusive deutlichen Rügen wegen IGM-Praktiken an Österreich, Dänemark, Hong Kong und China! Hipp, hipp! StopIGM.org hat >>> mehr + alle nötigen Links dazu (auf englisch).

Happy Human Rights Day! 

Historische 56. Session des UN-Ausschusses gegen Folter im Überblick:

• Österreich: NGO Report von VIMÖ & StopIGM.org | Transkript Intersex Q&A | COs

• Dänemark: NGO Report von Ditte Dyreborg & StopIGM.org | Transkript Intersex Q&A | COs

• Hong Kong + China: NGO Report von BBKCI | Transkript Intersex Q&A | COs HK + CN

UN-Ausschusses gegen Folter kritisiert Österreich wegen Intersex-Genitalverstümmelungen

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Tuesday 8 December 2015

UN-Auschuss gegen Folter kritisiert Österreich wegen Intersex-Genitalverstümmelungen - Offizielle Rüge in Kürze

Bild: 1. Friedliche Intersex-Mahnwache vs. "25th ESPU 2014", Congress Innsbruck 07.05.2014

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>>> IGM in Österreich (1): Wien, Linz, Innsbruck
>>>
Österreich, Ursprungsland der NS-Diagnose "Intersexuelle Konstitution" 
>>> Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs fordern IGM-Verbot 

Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 08.12.2015:

Am Anfang stand ein thematischer NGO-Bericht vom Verein Intersexueller Menschen in Österreich VIMÖ und der internationalen Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org, der die Menschenrechtsverletzungen der gegenwärtigen medizinischen Praxis an Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung in Österreich anhand konkreter Beispiele und Fallgeschichten nachwies.  >>> Download

Der UN-Ausschuss gegen Folter befragte darauf während seiner 56. Session in Genf Österreich wiederholt und kundig zu Intersex-Genitalverstümmelungen einschließlich "vermännlichende" und "verweiblichende Genitalkorrekturen" sowie sterilisierende Eingriffe, und hob das durch diese "schädlichen Praktiken" verursachte Leid hervor. Die Antworten der Österreichischen Staatendelegation waren wenig überzeugend und widersprüchlich.  >>> Transkript

Intersex-Genitalverstümmelungen in Österreich:
"Problematik auf Ministeriumsebene nicht bekannt"

Das Ministerium für Gesundheit stritt in Genf sowohl die wohlbelegten und andauernden IGM-Praktiken hauptsächlich in Österreichischen Universitäts-Kinderkliniken rundheraus ab, wie auch jegliche Verantwortung des Staates für die Missachtung seiner Schutzpflicht gegenüber den betroffenen Kindern – ausgerechnet unter Berufung auf eine "Transgender-Leitlinie", die allerdings mit Intersex nachweislich nichts zu tun hat. Andererseits behauptete das Ministerium wahlweise, Eingriffe an Intersex-Säuglingen würden entweder "nach einer Bestimmung im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch" sowieso nicht durchgeführt, und ansonsten seien die "Patienten in einer aufgeklärten Welt schlussendlich auch durch Doktor Google beeinflusst" und deshalb "mehr in der Lage [...], Ärzten die Stirn zu bieten" (vgl. Transkript).

IGM-Praktiken seit 2011 als "unmenschliche Behandlung" eingestuft

Der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) hatte Intersex-Genitalverstümmelungen wiederholt kritisiert als "unmenschliche Behandlung", die unter das Folter- und Misshandlungsverbot fällt, und Länder entsprechend gerügt (so z.B. Deutschland und die Schweiz). Dabei forderte der Ausschuss jedes Mal konkrete gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen, unabhängige Untersuchung aller Fälle sowie angemessene Wiedergutmachung für Opfer.

Auch der UN-Sonderberichterstatter über Folter hatte 2013 deutlich zum Thema Stellung bezogen. Ebenso 2014 die Weltgesundheitsorganisation WHO, UNICEF und zahlreiche weitere Menschenrechtsorgane. 2015 stufte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) IGM als "schädliche Praxis", und damit als vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung ein.

In Österreich kritisieren juristische Sachverständige (z.B. Dr. Eva Matt) die gegenwärtige Praxis ebenfalls seit langem als unhaltbar, und die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs veröffentlichten 2015 ein klares Positionspapier, das ebenfalls ein gesetzliches Verbot fordert.

Deutliche Rüge für Österreich erwartet

In der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, dass blindwütiges Abstreiten von IGM-Praktiken für betroffene Staaten in der Regel eher zu verstärkten Rügen durch UN-Ausschüsse führt. Zwischengeschlecht.org erwartet daher deutliche Worte zu Intersex und Intersex-Genitalverstümmelungen in den verbindlichen "abschließenden Bemerkungen" des Ausschusses gegen Folter an Österreich, welche voraussichtlich ab Donnerstag, den 9. Dezember auf der CAT-Homepage zur 56. Session veröffentlich werden.

>>> UPDATE: UN-Ausschuss gegen Folter rügt Österreich, DK, HK, CN wegen IGM!

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüsse

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder NGO Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs fordern IGM-Verbot 

IGM in Österreich (1): Wien, Linz, Innsbruck
IGM in Österreich (2): Innsbruck
Österreich, Ursprungsland der NS-Diagnose "Intersexuelle Konstitution"
Proteste gegen "ESPU 2014" und IGM an der Medizinischen Universität Innsbruck
Linz: IGM-Kongress hinter hohen Mauern
"Es wird weiter an den Genitalien von Kleinkindern geschnitten" - Eva Matt
"Brüste und Penis amputiert: Die verstörende Tortur eines Intersexuellen"
"Eine riesige Befreiung" - an.schläge 05/2012 
"Zero Tolerance to Intersex Genital Mutilation" - an.schläge 02/2012
"46,XX/46,XY" - an.schläge 02/2010 
Radiodoktor: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"
Österreich: "Jedes Verbrechen hinterlässt Spuren" 
Genitalverstümmler Prof. Radmayr (Innsbruck) und Prof. Riccabona (Linz)
"Der medizinische Umgang mit Intersexualität" - Suspect 17 / 2009
"Intersexualität und Recht" in Österreich - Eva Matt, 8.11.2006

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

A > Kinder- & Jugendanwaltschaften Österreichs fordern IGM-Verbot!

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Zwischengeschlecht.org on Facebook[ Reloaded: KIJAOE-Positionspapier 2015 ]

(Bild: Friedliche Mahnwache No. 6 vs. "ESPU 2014", Innsbruck 10.05.2014)

"KIJAS fordern einen Stopp der angleichenden Operationen bei intersexuellen Neugeborenen sowie die Entpathologiserung der Intersexualität." (S. 1)

Nach einem Interview der Salzburger Kinder- & Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt 2014 (dieser Blog berichtete) hatten die KIJAS noch im gleichen Jahr mit einem offiziellen Positionspapier nachgedoppelt, das zum allerersten Mal in Österreich zentrale Intersex-Forderungen aufgriff – und in der diesjährigen Fassung nun nochmals zulegte!

>>> KIJAOE-Positionspapier zur Intersexualität 2015 (PDF)

Körperliche Unversehrtheit, Aufklärung & Unterstützung: Normierende medizinische Anpassungen (hormonell, chirurgisch etc.) an Kindern und Jugendlichen müssen verboten werden. Nur so können Betroffene später eine selbstbestimmte und wohlüberlegte Entscheidung treffen. Betroffenen Kindern und Jugendlichen muss medizinische und psychologische Unterstützung sowie die Teilnahme an Selbsthilfegruppen angeboten warden. Auch die Eltern brauchen bestmögliche Aufklärung, psychosoziale Unterstützung sowie Vernetzung mit anderen Betroffenen. Vor einem etwaigen Eingriff müssen die Rechte und Interessen der Betroffenen im Vordergrund stehen. (S. 3)

Ein herzliches Dankeschön an alle, die dazu beitrugen! Weitere relevante Zitate nach dem Break:

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Friday 4 December 2015

Tag der Menschenrechte - Intersex-Protest vor dem Bundeshaus, 10. Dez 07:30-13:30h

Friedliche Mahnwache trotz Polizei-Verbot: Intersex Awareness Day, Zürich 26.10.2015

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>>> Der Offene Brief vom 10.12.2015 an die Schweizer Regierung
>>>
Flugblatt mit Hintergrundinformationen (PDF)

Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 03.12.2015:

Intersex Symbol with IGM=

10. Dezember ist Tag der Menschenrechte – in Erinnerung an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am 10.12.2015 07:30-13:30h mit einer friedlichen Mahnwache an das andauernde Unrecht der Intersex-Genitalverstümmelungen in der Schweiz erinnern, und an die Untätigkeit von Politik und Justiz – trotz mehrerer diesbezüglicher UNO-Rügen allein dieses Jahr:

  • Schon 2012 hatte die Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin NEK-CNE festgehalten, dass nicht-eingewilligte, medizinisch unnötige, irreversible kosmetische Genitaloperationen und weitere Zwangseingriffe an Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung "mit den Grund- und Menschenrechten nicht vereinbar sind, namentlich mit der Achtung der körperlichen und psychischen Integrität der Person und dem Recht auf Selbstbestimmung." Und unmissverständlich gesetzgeberische Massnahmen inklusive Überprüfung der Verjährungsfristen sowie gesellschaftliche Anerkennung des angetanen Leids gefordert (Stellungnahme Nr. 20/2012).

  • 2014 forderte der UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) die Schweiz auf, betreffend IGM-Praktiken als Verstoss gegen Kinderrechte Stellung zu beziehen und Zahlen offenzulegen (CCPR/C/CHE/QPR/4). Die Antwort der Schweiz ist immer noch ausstehend.

  • Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) stufte IGM im Februar 2015 als "schädliche Praxis" ein – und rügte die Schweiz wegen Verletzung ihrer Schutzpflicht gegenüber den Betroffenen. Unter Bezug auf die NEK-Empfehlungen hob der Ausschuss explizit den "Mangel an Rechtszugang und Entschädigung" für Überlebende hervor, und forderte die Schweiz auf, "körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung für betroffene Kinder zu garantieren" (CRC/C/CHE/CO/2-4).

  • Im August 2015 kam schon die nächste Rüge, diesmal durch den UN-Ausschuss gegen Folter (CAT), der IGM-Praktiken seit Jahren als "unmenschliche Behandlung" einstuft, die unter das Folter- und Misshandlungsverbot fällt. Ebenfalls unter Bezug auf die NEK-Empfehlungen forderte der Ausschuss die Schweiz auf, "gesetzgeberische, administrative und andere notwendige Massnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung der körperlichen Unversehrtheit von Intersex-Menschen zu gewährleisten", sowie ausdrücklich "Wiedergutmachung für alle Opfer, inklusive angemessene Entschädigung." (CAT/C/CHE/CO/7)

Der Bundesrat spielt dagegen weiterhin auf Zeit – während ringsum in den Universitätskliniken ungehindert weiterverstümmelt wird.

Als Überlebende von Intersex-Genitalverstümmelungen, Familienmitglieder, Freunde, Partner und Unterstützer_innen werden wir die Untätigkeit von Politik und Justiz und die fortgesetzteMittäterschaft der Schweiz bei diesem andauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht mehr länger tatenlos hinnehmen – und deshalb am Tag der Menschenrechte vor dem Bundehaus 07:30-13:30h mit einer Mahnwache friedlich und in Würde auf unser berechtigtes Anliegen aufmerksam machen (Bew. eing.).

Our Rights. Our Freedoms. Always. Human Rights Day 2015 
Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüsse

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder NGO Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
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Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Der Offene Brief vom 10.12.2015 an die Schweizer Regierung
>>>
Flugblatt mit Hintergrundinformationen (PDF)

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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