Monday, June 24 2013

Auch Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert drohende Bundestags-'Lizenz zum Weiterverstümmeln': "Genitalverstümmeler dürfen sich freuen."

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UPDATE: Siehe auch den engagierten Kommentar von Lucie Veith auf dem Blog von Peter Tauber. Danke!

Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen! Am kommenden Donnerstag 27.6. wird der Bundestag – statt, wie von Betroffenen seit 20 Jahren gefordert, kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen endlich zu verbieten – auf Antrag der Koalition vielmehr den GenitalabschneiderInnen noch eine offizielle "Lizenz zum ungestörten Weiterverstümmeln" erteilen (dieser Blog berichtete).

Nach >>> deutlicher Kritik der internationalen Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org hat nun auch >>> Intersexuelle Menschen e.V. via facebook dieses menschenrechtswidrige Unterfangen der Koalition mit ähnlichen Formulierungen klar verurteilt:

Wenn nicht ein Wunder geschieht, wirft der Deutsche Bundestag unser Streben um die Rechte und die Anerkennung intersexuell geborener Menschen in den Papierkorb und es ist zu fragen, wer die Zwangszuweisungen in ein nicht selbst gewähltes Geschlecht verantwortet. Genitalverstümmeler dürfen sich freuen. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf!

Wir werden bei der Bundestagswahl abstimmen und zeigen, was wir davon halten!

Danke!

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:

 

- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte 24.11.2011: Protokoll und Videos 
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll und Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen
- 12.06.2013: 5 Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot von Intersex-Verstümmelungen 
- Bundestag 27.06.2013: CDU/CSU + FDP = Lizenz zum ungestört Weiterverstümmeln 

 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 

Sunday, June 23 2013

Australien: Intersex-Organisationen fordern Ende kosmetischer Genitaloperationen an betroffenen Kindern

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

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Laut einem >>> Artikel u.a. auf theage.com.au fordern die Betroffenenorganisationen OII Australien und Androgen Insensitivity Syndrome Support Group of Australia (AISSGAU) offiziell die Beendigung von medizinisch nicht notwendigen Genitaloperationen an Intersex-Kindern, bzw. ein Moratorium für solche Eingriffe (wie dies u.a. Milton Diamond und Kenneth Kipnis schon seit 1997 vorschlagen – die Antwort der MedizynerInnen darauf bis heute: Spott und Hohn).

Der Artikel nimmt zudem Bezug auf die (erneut hervorragende) >>> 3. Eingabe von OII zu den aktuellen Senatsanhörungen Thema "Unfreiwillige oder erzwungene Sterilisierung von Menschen mit Behinderungen in Australien" (dieser Blog berichtete).

Weiter nennt der Artikel Zahlen zu Intersex-Genitalverstümmelungen an Prof. Dr. Garry L. Warnes Verstümmlerklinik Melbourne's Royal Children's Hospital (wobei "Hypospadiekorrekturen" offensichtlich gar nicht erst mitgezählt wurden):

"eine oder zwei Gonadektomien [Kastrationen] pro Jahr an Kindern mit nicht abgestiegenen Hoden, sowie 10 bis 15 genitale Rekonstruktionsoperationen pro Jahr, oft an Mädchen unter zwei Jahren"

Leider steht nichts im Artikel, ob die beiden Organisationen auch gesetzgeberische Massnahmen zur Durchsetzung ihrer Forderungen verlangen – über alles andere lachen die GenitalabschneiderInnen bekanntlich bloss ...

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

Saturday, June 22 2013

Solidarische Kommentare zum Intersex-Personenstand-Murks (§22 PStG) von "Wir Frauen" und Antje Schrupp

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Geschlecht: Zwangsoperiert

Zwischengeschlecht.org on Facebook Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

An der am 31.01.2013 im Bundestag durchgepeitschten "Intersex"-Personenstandsnovelle § 22 (3) PStG gab es seinerzeit deutliche Kritik von Zwischenengeschlecht.org, die auch von Intersexuelle Menschen e.V. und OII Deutschland (IVIM) bekräftigt wurde.

Trotzdem blieb die Problematik dieser Neuerung für die Betroffenen wohl bei vielen Menschen unter dem Radar – umso mehr, dass die von verschiedenen Parteien gar noch als "großen Erfolg für die betroffenen Menschen" (CDU/CSU) und "kleine Revolution" (Grüne) angepriesen wurde.

Umso erfreulicher, dass nun >>> Gabriele Bischoff in "Wir Frauen" (aktuelle Printausgabe 2/2013) sowie >>> Antje Schrupp auf ihrem Blog erneut solidarisch darauf hinweisen. Antje Schrupp bringt's in ihrem ersten Absatz gut auf den Punkt:

Manche Themen verfolgt man ja nur so nebenbei, und dabei kann man dann schonmal was falsch verstehen. Mir ging es so bei der Änderung des Personenstandsrechts, zu dem der Bundestag Ende Januar eine Änderung beschlossen hat, die ich zunächst eigentlich ganz gut fand, die aber wohl doch eher schlecht ist, wie ich jetzt einem Artikel von Gabriele Bischoff aus der aktuellen Ausgabe von Wir Frauen entnahm. Weil ich vermute, dass das anderen vielleicht auch so gegangen ist, verblogge ich das hier mal schnell.

Dieser Blog sagt Danke!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

Wednesday, June 19 2013

Intersex im Bundestag, 27.6.13: CDU/CSU + FDP = noch mindestens eine Legislaturperiode ungestört weiterverstümmeln

>>> Pressemitteilung 20.06.2013: "Bundestag, 27.6. - Lizenz zum Weiterverstümmeln"

«Wir fordern: umfassende Information gegen Manipultion!» - Katrin Ann Kunze †Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "4th I-DSD Symposium 2013", Glasgow 8.6.

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Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen!

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Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird nächste Woche am Donnerstag, dem 27. Juni 2013 der Bundestag in seiner 250. Sitzung (TOP 79 dd) die Hauptforderung aller Betroffenenverbände nach schnellstmöglicher Beendigung der täglichen Intersex-Genitalverstümmelungen entsprechend den Vorgaben der Regierungskoalition einmal mehr – vertagen.

Und zwar laut der (wenig überraschend) ablehnenden >>> Beschlussempfehlung der vorberatenden Ausschüsse (Ds. 17/14014, PDF) mit folgender "Begründung": Um dem "Wunsch" der "Betroffenen" und "Selbsthilfegruppen" nach "Partizipation bei der Klärung der offenen Fragen" gebührend "Rechnung zu tragen", seien "[s]chnelle Entscheidungen [...] hierfür nicht unbedingt förderlich" (S. 14).

(Ganz im Gegensatz übrigens zu fragwürdigen personenstandpolitischen Forderungen, wie sie laut Beschlussempfehlung "u. a. [sic!] von Betroffenenverbänden" erhoben würden, S. 2 – ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...)

"[E]ine abschließende Bewertung" der täglichen Genitalverstümmelungen sei dagegen laut CDU/CSU unverändert "noch nicht möglich" (vgl. auch Antworten der Bundesregierung vom 04.01.2013): "Dies habe auch der vom BMFSFJ veranstaltete Kongress zum Thema Intersexualität" (bei dem bezeichnenderweise Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen gar nicht erst vertreten waren) erneut "gezeigt" (S. 14).

Deshalb sollen die GenitalabschneiderInnen in deutschen Kinderkliniken allermindestens bis zur nächsten "Legislaturperiode" (S. 14) ungestört weiterverstümmeln dürfen – ab Donnerstag nächster Woche mit dem offiziellem Segen des Deutschen Bundestages ...

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Pikantes Detail: Nicht einmal mehr die "Aufschub-für-VerstümmlerInnen"-Hauspartei CDU/CSU hält sich für weiterhin wählbar, wenn sie die Hauptforderung der Betroffenen nach einem gesetzlichen Verbot der Intersex-Genitalverstümmelungen offen ablehnen würde – weshalb sie (Radio Eriwan lässt grüßen) "grundsätzlich für ein Verbot von unnötigen geschlechtszuweisenden und -anpassenden Operationen" votiert – Hauptsache nicht konkret, Hauptsache möglichst weit in der Zukunft: "Wichtig sei, dass die Diskussion nicht auf die Frage des Verbots von Operationen verkürzt werden dürfe."  (S. 14)

Auch die FDP will die "anstehenden Fragen" weiter beraten, vertröstet aber letztlich ebenfalls auf die nächste "Wahlperiode" (S. 14).

Fazit: Und wenn sie nicht gestorben sind, so verstümmeln und "diskutieren" sie noch heute! 

Das Positive: Immerhin hatte die SPD während der abschließenden Beratung im Familienausschuss klar festgehalten, dass zunächst die Verstümmelungen beendet werden müssen, dies sei "von zentraler Bedeutung" (S. 13) – dito die Grünen, die zudem explizit festhalten, dass "derartige Eingriffe immer noch vorgenommen" werden (S. 15) – ebenso die Linke: "Die Menschenrechte von Intersexuellen würden fortdauernd verletzt", wobei "die gröbste Menschenrechtsverletzung" die kosmetischen Genitaloperationen an betroffenen Kindern seien (S. 14).

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Pressemitteilung 20.06.2013: "Bundestag, 27.6. - Lizenz zum Weiterverstümmeln"

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"

 
Relevante Ausschnitte aus den Stellungnahmen aller Fraktionen:

SPD:

Nunmehr habe man den Eindruck, dass die Koalition aufgrund der erfolgten Änderung des Personenstandsrechts (Möglichkeit des Offenlassens des Geschlechtseintrags im Geburtenregister) der Meinung sei, die Probleme intersexueller Menschen seien bereits gelöst. Davon sei man jedoch noch weit entfernt.

Der Deutsche Ethikrat habe in drei Handlungsfeldern ein Tätigwerden der Politik angemahnt. Geschlechtszuweisende und -anpassende Operationen an minderjährigen Jugendlichen ohne deren Einwilligung seien zu verbieten, es sei denn, es bestehe Lebensgefahr. Außerdem müssten einheitliche Standards entwickelt werden. Schließlich gehe es darum, ein besseres Beratungs- und Betreuungssystem für die betroffenen Jugendlichen aufzubauen. Aus diesen Handlungsfeldern sei der vorliegende Antrag der SPD-Fraktion entwickelt worden. Hierbei sei das Verbot von Operationen an Minderjährigen von zentraler Bedeutung. (S. 13)

CDU/CSU:

Auch die CDU/CSU-Fraktion sei grundsätzlich für ein Verbot von unnötigen geschlechtszuweisenden und -anpassenden Operationen. Trotz der vorliegenden Stellungnahme des Deutschen Ethikrates sei hier eine abschließende Bewertung noch nicht möglich. Dies habe auch der vom BMFSFJ veranstaltete Kongress zum Thema Intersexualität gezeigt. Wichtig sei, dass die Diskussion nicht auf die Frage des Verbots von Operationen verkürzt werden dürfe. (S. 14)

FDP:

Man brauche mehr Zeit, um einen breiten Konsens im Parlament bei der Klärung der anstehenden Fragen zu finden. In dieser Wahlperiode werde dies nicht mehr möglich sein, weshalb die FDP-Fraktion die vorliegenden Anträge ablehnen werde. (S. 14)

Linke:

Die Fraktion DIE LINKE. sprach sich dafür aus, im Sinne der Betroffenen schnell zu Entscheidungen zu kommen. Die Menschenrechte von Intersexuellen würden fortdauernd verletzt. Während die Bundesregierung immer noch eine Zahl von 10.000 Betroffenen nenne, sprächen die Betroffenenverbände von 100.000. Es sei die gröbste Menschenrechtsverletzung, wenn Medizinerinnen oder Mediziner schon kurz nach der Geburt die Eltern intersexueller Kinder dazu überredeten, ihr Kind operativ einem Geschlecht zuzuordnen. Vielen Betroffenen werde dadurch ihre Sexualität genommen und sie fühlten sich in ihrem Körper nicht mehr wohl. Die Suizidrate sei relativ hoch. (S. 14)

Grüne:

Von besonderer Bedeutung für die intersexuellen Menschen sei es, dass der Deutsche Bundestag erlittenes Unrecht und Leid sehe und erkenne und dies zutiefst bedauere. Daneben werde gefordert, sicherzustellen, dass geschlechtszuweisende und -anpassende Operationen an minderjährigen intersexuellen Menschen vor deren Einwilligungsfähigkeit grundsätzlich verboten würden. Obwohl sich die Positionierung hierzu auf dem Gebiet der Medizin in den vergangenen Jahren weiterentwickelt habe, würden derartige Eingriffe immer noch vorgenommen. (S. 15)

>>> Pressemitteilung 20.06.2013: "Bundestag, 27.6. - Lizenz zum Weiterverstümmeln"

>>> 27.06.3013: "Bundestag: Freibrief für Intersex-Genitalverstümmler angenommen"

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:
- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte 24.11.2011: Protokoll und Videos 
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll und Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen
- 12.06.2013: 5 Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot von Intersex-Verstümmelungen
- Bundestag 27.06.3013: Freibrief für Intersex-Genitalverstümmler angenommen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"

Sunday, June 16 2013

"Natürlich wird heute noch operiert - trotz öffentlichem Druck durch Betroffene" - Intersex-Genitalverstümmler Olaf Hiort (EuroDSD, I-DSD, DSDnet) auf RTL/Vox (29.5.13)

«Human Rights for Hermaphrodites too!» - «A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» «NON aux opérations génitales forcées!» - Main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 22.5.11Empfangskomitee am letzten Tag des "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 22.05.2011
>>> "3rd EuroDSD"-Proteste     >>> Der Offene Brief     >>> Bericht 1. Aktion 20.5.

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Die Zwitter Medien Offensive™ im Rückwärtsgang ...

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

O.K., ganz so selbstentlarvend hat Prof. Dr. Olaf Hiort das vom Wortlaut her auf >>> RTL/Vox (Video) dann doch nicht formuliert – inhaltlich dagegen sehr wohl (01:58):

"Deshalb ist man in den letzten Jahren auch sehr viel zurückhaltender geworden mit geschlechtsangleichenden Operationen. Im gleichen Zeitraum haben auch die Patientengruppen Öffentlichkeit gefunden, und das ist sehr gut, und haben gesagt, sie wollen letztlich auch mehr Akzeptanz haben."

Und noch dazu haargenau auf der altbekannten Pädo-Verstümmler-Argumentationslinie:

Hauptsache "Akzeptanz" (Familienministerin Schröder), "Unisex-Klos" (Prof. Dr. Wieland Kiess), "Einführung eines dritten Geschlechts" (Prof. Dr. Dagmar L'Allemand-Jander), "sexuelle Integrität" (Dr. Birgit Köhler), "Anerkennung" (Dr. Michael Wunder) oder was auch immer – aber BitteBitteBitte bloß keine Diskussionen um "körperliche Unversehrtheit" oder gar ein gesetzliches Verbot der andauernden menschenrechtswidrigen Verstümmelungen (Schweiß-von-der-Stirne-wisch).

Hauptperson der Sendung war die tapfere 14-jährige Betroffene Anna Mayer, die gemeinsam mit ihrer Mutter den Löwinnenanteil bestritt, beide anonymisiert mit unscharf gemachten Gesichtern und verfremdeten Stimmen. Anna war als Kind kastriert worden und muss nun bis an ihr Lebensende täglich körperfremde Hormone einnehmen. Sie wird nie selber Kinder bekommen, hat einen "falschen Chromosomensatz". Niemand weiß es ausser der Familie. Sie möchte mit ihren Freunden darüber reden können, "traut sich aber nicht" (RTL-Vox).

Dieser Blog wünscht Anna die Bekanntschaft mit vielen anderen Geschlechts-genossinnen und deren Partner_innen und Freunde, damit sie sieht: das ist machbar und kann gut tun!

Weniger guttuend, sondern ziemlich bedenklich dagegen, wie Anna von RTL-Vox im Beitrag durchgehend auf Biegen und Brechen in "transsexuelle Deutungsmuster" gepresst wurde: Dies beginnt mit "Früher eher Junge, heute weiblich" über "das neugeborene Mädchen – eigentlich ein Junge" bis zur obligaten Badezimmerspiegel-Szene, bzw. (weil das mit dem Spiegel mit anonymisertem Gesicht nicht funktionieren würde) ersatzweise auf dem Balkon Fingernägel rosa [!] lackieren. (Dass solche Darstellungsweisen konkret sehr wohl geeignet sind, Missverständnisse zu verstärken statt abzubauen, vgl. z.B. diesen Kommentar auf crossdresser-forum.de.)

Anna wird ihre herausgeschnittenen und in den Mülleimer geworfenen Hoden nie mehr zurückkriegen können. Umso mehr soll sie ihr gutes Recht beanspruchen können, so leben zu dürfen wie sie ist, ohne sich verstecken zu müssen.

Und umso mehr muss endlich wirksam verhindert werden, dass weiterhin Mädchen wie Anna solchen menschenrechtswidrigen Kastrationen und weiteren irreversiblen Eingriffen zum Opfer fallen – mind. 1 wehrloses Kind jeden Tag allein in Deutschland, plus mind. je 1 weiteres jede Woche in Österreich und in der Schweiz.

Leider sieht's damit in diesem TV-Beitrag nicht rosig aus: Der Kommentar von RTL/Vox hielt sich durchgehend an die Pädo-Genitalabschneider-Sprachregelung – medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen Genitalien" wurden wenn überhaupt, dann höchstens sexologisch verbrämt und strikt nur in der Vergangenheitsform angesprochen (01:49):

"Lange Zeit wurden diese Kinder schnell operiert, um sie zu einem Mädchen oder Jungen zu machen und in ein Geschlecht zu zwingen. Doch oft ist gar nicht klar, in welche Richtung sich die Kinder entwickeln."

Auch der O-Ton von Lucie Veith (Intersexuelle Menschen e.V.) in der Sendung spielt leider einmal mehr (vgl. Adenauer-Stiftung) den VerstümmlerInnen in die Hände – statt ein wirksames gesetzliches Verbot der menschenverachtenden Verstümmelungen und Kastrationen forderte sie – na? Richtig: "Mehr Akzeptanz" und etwas "mehr Zeit für die Familien, eine Entscheidung zu treffen" – sowie als äußerstes Mittel (vgl. SPÖ/SoHo) lieb reden mit den TäterInnen, "zum Beispiel in der Ärzteausbildung".

Meine 2 Cent: Es ist nach wie vor wichtig und gut, dass Betroffene und ihre Organisationen in die Medien gehen – erst wenn die Bevölkerungsmehrheit einmal darüber Bescheid weiß, was real in "unseren" Kinderkliniken geschieht, werden die Verstümmelungen zu stoppen sein. Medien haben jedoch ihre eigenen Gesetze, und nicht nur im "Boulevardsegment" gilt: Medienauftritte können auch mal in die Hose gehen. Trotzdem sollte mensch nach Möglichkeit nicht gleich den VerstümmlerInnen nach dem Mund reden.

Die GenitalabschneiderInnen wird die vorliegende Sendung leider kaum vom weiterverstümmeln abhalten – sondern im Gegenteil noch in ihrer altbekannten Vernebelungstaktik bestärken:

Dass der vereinnahmende sog. "sexuelle Minderheitendiskurs" in Paarung mit dem vorherrschenden "Krankheitsdiskurs" der Medizyner in der öffentlichen Debatte bloss vom eigentlichen Problem der täglichen Genitalverstümmelungen im Kindesalter ablenkt (weshalb auch MedizynerInnen & Co. immer häufiger mit "Akzeptanz", "Unisex-Klos", "Anerkennung", "Einführung eines dritten Geschlechts", "sexuelle Integrität" usw. argumentieren), hatte Georg Klauda schon 2002 treffend entlarvt

Fazit: Vox war klar schon mal weiterorganisierte Zwitter-"Interessengruppen" sowiesoLucie Veith übrigens auch ...

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Saturday, June 15 2013

Sibylle Laurischk (FDP) zu Intersex-Genitalverstümmelungen: "Angeblich kosmetische Maßnahmen sollten ausdrücklich verboten werden."

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

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Im Vorfeld der einstimmigen Überweisung der 3 Intersex-Anträge der Opposition im Bundestag am 16.05.2013 hatte Zwischengeschlecht.org die Intersex-SprecherInnen aller Fraktionen um Stellungnahmen angefragt.

Nach den ersten Antworten von Peter Tauber (CDU) umd Monika Lazar (Grüne) dokumentieren wir nun die erst nach der Überweisung eingegangene
>>> vollständige Antwort von Sibylle Laurischk (FDP).

Sowie als Highlight folgenden Auszug Sibylle Laurischks Antwort auf die zentrale Frage betreffend medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen (die ihre hervorragende Rede im Bundestag vom 24.11.2011 bekräftigt):

"Niemand hat das Recht, ohne Erlaubnis, Veränderungen an den Genitalien eines Kindes oder Jugendlichen vorzunehmen. Dies ist auch verboten. Angeblich kosmetische Maßnahmen sollten ausdrücklich verboten werden." 

Danke!

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:
- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte 24.11.2011: Protokoll und Videos 
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll und Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen
- 12.06.2013: 5 Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot von Intersex-Verstümmelungen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"

Friday, June 14 2013

"Intersex" nach Hertha Richter-Appelt: "Hypospadie ist eine Krankheit, chirurgische Korrektur in jedem Fall medizinisch indiziert" - "Klitorisreduktionen zur Behebung von Auffälligkeiten" - "Früher war es schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert"

Hamburg: Proteste + Offener Brief an Universitäts-Kinderkliniken AKK und UKE, 16.9.2012

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Zur heutigen Buchpräsentation von Hertha Richter-Appelt und Katinka Schweizer an der österreichischen VerstümmlerInnenhochburg Universität Innsbruck (Wirkungsstätte des berüchtigten Genitalabschneiders Prof. Dr. Christian Radmayr, der zahllose Betroffene auf dem Gewissen hat, u.a. die Kastration von Interlife), die auch 2013 offensiv alle gängigen Verstümmelungen propagiert, einige Fakten und Zitate von Richter-Appelt zum Thema:

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

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Hertha Richter-Appelt hat für einzelne Intersex-Betroffenen(unter)gruppen punktuell viel getan, namentlich für "XY-Frauen" (einer ihrer Lieblingsbegriffe – passt auch so schön durch ihre frühere Brille als "Transsexuellen-Expertin").
>>> Kritik von Betroffenen im Hermaphroditforum 
>>> Kritik von Betroffenen in Kommentaren hier  

Unzweifelhaft kommt Richter-Appelt diesbezüglich ein entsprechender Verdienst zu, speziell betreffend künftiger Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Kastrationen bei (XY-)CAIS-Menschen, und in geringerem Maße auch betreffend "Klitorisreduktionen" bei (XY-)AIS.

Auch zur Erforschung der durch die Genitalverstümmelungen hervorgerufenen lebenslangen körperlichen und seelischen Schäden hat sie einiges beigetragen – wenn auch kaum zufällig immer nur selektiv und tröpfchenweise.

Andererseits gibt Richter-Appelt unzweifelhaft die ganz große Mehrzahl aller anderen von kosmetischen Intersex-"Genitalkorrekturen" Gefährdeten (u.a. "Hypospadie", "AGS/CAH") ungerührt "zum Abschuss frei" (siehe nachfolgend); ebenso ist deren "Teilhabe am Dialog" bei Richter-Appelt nicht vorgesehen – stattdessen werden die meisten Betroffenen von ihr mit salbungsvollen Sprüchen ausgegrenzt (vgl. auch Deutscher Ethikrat und Konrad-Adenauer-Stiftung).
>>> Kritik 1 von Heinz-Jürgen Voß auf querelles.net
>>> Kritik 2 von Anja Gregor auf socialnet.de  

Nachfolgend einige Zitate von Hertha Richter-Appelt zu einzelnen Verstümmelungsformen im Überblick:

• "Klitorisreduktionen": "bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten im Rahmen einer Geschlechtszugehörigkeiten [sic]" – "bei Operierten mit XY-Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität" - "Geschlechtszuweisung" vs. Geschlechtsangleichung"

Richter-Appelt ist eine (wenn nicht die) geistige Architektin der menschenrechtswidrigen Aufteilung von "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" in den Empfehlungen des Deutschen Ethikrates, und Verfechterin der nicht minder menschenrechtswidrigen Praxis vom "chromosomengerechten Verstümmeln" (vgl. z.B. ihre Stellungnahme an den Ethikrat, S. 3+4, >>> relevante Auszüge hier). 

--> Fakt: Das Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für ALLE Kinder, unabhängig von "Chromosomensatz" und "Geschlechtszugehörigkeit"! - Auch die "Unterscheidung" zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" widerspricht klar den Menschenrechten:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab." (Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte)

• "Hypospadiekorrekturen": "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrektur in jedem Fall medizinisch indiziert"

Richter-Appelt ist ebenfalls eine eifrige Verfechterin der VerstümmlerInnenargumentation, ausgerechnet die am häufigsten praktizierten Formen von "Genitalkorrekturen" von der ethischen und menschenrechtlichen Diskussion ausklammern zu wollen (vgl. auch oben "Klitorisreduktionen"), und zwar tatsachenwidrig und mit bewussten und krassen Fehlinformationen, erst recht bei der häufigsten kosmetischen Verstümmelungsform "Hypospadiekorrektur" (vgl. z.B. ihre Stellungnahme an den Ethikrat, S. 2, >>> relevante Auszüge hier).

--> Fakt: "Hypospadie-Korrekturen" sind praktisch immer kosmetisch und werden aus "psychosozialen Gründen" an Kindern durchgeführt.

Eine medizinische Notwendigkeit besteht nur in sehr seltenen Fällen, wenn der Harnabfluss unoperiert behindert oder blockiert ist, oder bei Schmerzen. Ansonsten bestehen KEINE medizinischen Gründe, "Hypospadie-Korrekturen" uneingewilligt im Kindesalter aufzuzwingen – aber gute Gründe, damit zuzuwarten (was viele Ärzte auch offen zugeben, vgl. z.B. hier unter 3a) Gernot Sinnecker: "Nicht evidenzbasiert").

Sogar die aktuelle AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) spricht ausdrücklich von Indikationen "auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

Auch in den Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg wird kein Hehl daraus gemacht, dass frühe "Hypospadie-Korrekturen" NICHT aus medizinische Gründen gemacht werden, sondern aus "psychologischen":

"Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“)." (Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt)

Ebenso z.B. das Universitätsklinikum Jena und die Asklepios-Kinderklinik St. Augustin unisono:

"Beschwerden liegen [im "unkorrigierten" Zustand] fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme" - Nichtsdestotrotz empfohlene "Therapie": "Korrektur zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat." - "Begründung": "Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der Männer leiden." (Homepages der Kliniken)

• Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr.

Richter-Appelt ist unter Betroffenen bekannt als eifrige Verbreiterin des Behandler-Märchens "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant und es wird lääängst nicht mehr operiert."

--> Fakt: Wie praktisch alle einschlägigen Uni-Kinderkliniken bieten auch die Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg die ganze Bandbreite von kosmetischen "Genitalkorrekturen" nach wie vor öffentlich an – und führen erwiesenermaßen heute noch serienmäßig kosmetische "Genitalkorrekturen" durch.

>>> Intersex-"Genitalkorrekturen": Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben

Wednesday, June 12 2013

Intersex-Genitalverstümmelungen: Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot

'Genitalverstümmelungen stoppen!' - Aktion von Zwischengeschlecht.orgAktion zur Ethikrat-Pressekonferenz, 23.2.2012 (Bild: © dapd/sueddeutsche.de)

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 12.06.2013:

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org freut sich sehr, dass heute die ersten 5 Bundestags-Ausschüsse (von insgesamt 6) ein Verbot von kosmetischen "Genitalkorrekturen" ohne Einwilligung der Betroffenen beraten – und fordert Nägel mit Köpfen:

Am 16. Mai 2013 überwies der Bundestag einstimmig 3 Anträge, die übereinstimmend ein längst überfälliges gesetzliches Verbot von medizinisch nicht notwendigen, kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen fordern, sowie eine Aufarbeitung der bisherigen menschenrechtswidrigen Praxis (17/13253, 17/13259, 17/13251).

Heute 12.06.2013 beginnt nun deren Beratung im Familienausschuss (TOP 3b-d), dem Rechtsausschuss (TOP 6a-c), dem Innenausschuss (TOP 21a-c), dem Ausschuss für Menschenrechte (TOP 4a-c) und dem Gesundheitsausschuss (TOP 13b-d). Einzig der Bildungsausschuss machte seine Traktandenliste nicht öffentlich.

Betroffene und ihre Organisationen kämpfen seit 20 Jahren für ein gesetzliches Verbot ALLER medizinisch nicht notwendigen "Genitalkorrekturen" an ALLEN mit "atypischen Genitalien" Geborenen ohne informierte Zustimmung der Betroffenen selbst (inkl. "Hypospadiekorrekturen"), und für eine umfassende historische Aufarbeitung des ihnen angetanen Unrechts (inkl. der bis in die 1980er-Jahre üblichen, kosmetischen Klitorisamputationen).

Hauptforderungen, die 2011 auch der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT/C/DEU/CO/5, Abs. 20) nachdrücklich bekräftigte, sowie 2013 der UN-Sonderberichterstatter über Folter (A/HRC/22/53, Abs. 77, 76, 88):

"Kinder, die mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kommen, werden oft irreversiblen Geschlechtszuweisungen, erzwungener Sterilisierung und erzwungenen genital-normierenden Operationen unterworfen, die ohne ihre informierte Zustimmung oder diejenige ihrer Eltern durchgeführt werden [...]." (Abs. 77)
"Diese Maßnahmen [genital-normalisierende Operationen] sind selten medizinisch notwendig, können Narbenbildung, Verlust des sexuellen Empfindens, Schmerzen, Inkontinenz und lebenslange Depressionen verursachen und wurden zudem als unwissenschaftlich, gesundheitsgefährdend und zu Stigma beitragend kritisiert." (Abs. 76) 

Ebenso unterstrich eine öffentliche Anhörung des Familienausschusses vom 25.06.2012 die Menschenrechtswidrigkeit der uneingewilligten kosmetischen "Genitalkorrekturen", und bei einem Fachgespräch des Familienausschusses von 24.10.2012 stellte Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) unmissverständlich klar, dass die Versuche von verantwortlichen MedizinerInnen sowie dem Deutschen Ethikrat zur Einführung einer künstlichen Unterscheidung zwischen Genitalverstümmelungen "eigentlichen" sowie "minderen Unrechts" menschenrechtlich nicht haltbar sind, sondern die Bundesrepublik im Gegenteil zur Zielscheibe machen für weitere UN-Rügen:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab."

Zwischengeschlecht.org freut sich sehr, dass die genannten Ausschüsse die 3 Anträge umgehend an die Hand nehmen, und hofft, dass aus den längst bekannten Fakten nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden!

Statt dass wie z.B. jüngst an einer "Fachtagung" der Adenauer-Stiftung versucht wird, abzulenken vom durch Betroffenenorganisationen seit Jahr und Tag wieder und wieder dokumentierten Hauptproblem der andauernden täglichen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern, indem etwa tatsachenwidrig und unreflektiert das altbekannte Medizinermärchen repetiert wird, heute würde angeblich "seit langem nicht mehr operiert" – obwohl sämtliche aktuellen Leitlinien unverändert frühkindliche kosmetische Genitaloperationen ohne Evidenz propagieren, und sämtliche einschlägigen Kinderkliniken solche unverändert öffentlich anbieten, nicht zuletzt "aus ökonomischen Interessen" (z.B. € 8175,12 Reingewinn pro "Plastische Rekonstruktion der Vulva" bei "AGS/CAH").

Und obwohl KinderchirurgInnen sich unverändert öffentlich brüsten, wie viele kosmetische "Genitalkorrekturen" sie auf dem Kerbholz haben, so z.B. Dr. Clothilde Leriche, Kinderchirurgie-Chefin der Universitäts-Kinderklinik Ulm am 7. Juni 2013 am "4th I-DSD Symposium" in Glasgow:

"Operationen an über 600 Kindern mit AGS, darunter Klitorisreduktionen, Vaginalplastiken und Labienrekonstruktionen" (Proceedings of the 4th International Symposium on Disorders of Sex Development, S. 24-25)

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
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Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info 

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:
- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte 24.11.2011: Protokoll und Videos 
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll und Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"

Sunday, June 9 2013

Intersex-Proteste + Info: Glasgow 5.-9. Juni "4th I-DSD Symposium"

1. Friedlicher Protest zur Eröffnung des "4th I-DSD Symposium", Glasgow 07.06.2013

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>>> Open Letter of Concern to '4th I-DSD Symposium' (PDF) 
>>> 'I-DSD': 'Cruel and inhuman' surgeries - Press Release 07.06.2013

Menschenrechte auch für Zwitter!

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Nach langjährigen Protesten wurde 2012 aus dem Genitalabschneider-Verband "EuroDSD" zu Lübeck neu "I-DSD" mit Zentrale in Schottland. An der Universität von Glasgow propagiert das diesjährige "4th International DSD Symposium" wie gehabt Intersex-Genitalverstümmelungen – ethische und menschenrechtliche Aspekte stehen erneut nicht zur Debatte. Zwischengeschlecht.org informiert vor Ort und organisiert
7 friedliche Proteste.   >>> alle Termine 

Helft mit, die TäterInnen daran zu erinnern, dass wehrlose Kinder zu verstümmeln NICHT OK ist!

Friday, May 31 2013

Intersex, Recht und Ethik - 2 Veranstaltungen zeigen Handlungsbedarf

Aktion + Offener Brief Kinderspital Zürich, 06.07.2008 (Bild: Ärger)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

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Gestern fanden in Zürich 2 öffentliche Intersex-Veranstaltungen statt, morgens an der juristischen Fakultät der Uni sowie abends eine Podiumsdiskussion der Paulus-Akademie. Anlass für beide war die weltweit viel gelobte >>> Stellungnahme "Varianten der Geschlechtsentwicklung" der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE). Zwischengeschlecht.org sorgte an beiden Versanstaltungen dafür, dass nicht vergessen wurde, dass kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen heute noch gemacht werden, und dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.

Die 1. Veranstaltung "Öffentlicher Workshop: Intersexualität" im "Kompetenzzentrum Medizin - Ethik - Recht Helvetiae (MERH)" der Uni Zürich war ist auf deren >>> Homepage transparent dokumentiert: Alle Präsentationen konnten können dort heruntergeladen werden. [Dieser Blog stellt die Präsentationen deshalb zu Doumentationszwecken untenstehend zum Download bereit.] Zum drängendsten Problem der andauernden Genitalverstümmelungen war in der Ankündigung immerhin festgehalten, Betroffene müssten "vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt" werden. Organisiert wurde das Ganze von Prof. Dr. Brigitte Tag (Mitglied NEK-CNE und der dortigen Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung"). Als Ergänzung zu den Referate-Downloads nachfolgend einige Highlights auch aus der Diskussion anhand des >>> Veranstaltungs-Protokolls von Nella (PDF):

• Prof. Dr. Ulrich Meyer (Bundesrichter, Präsident der sozialrechtlichen Abteilung) >>> Präsentation (PDF): In der Schweiz werden Intersex-Behandlungen über die Invalidenversicherung (IV) abgerechnet (dieser Blog berichtete / Relevante Ziffern in der "Liste der Geburtsgebrechen"). Dies stellt einen höheren Versicherungsanspruch dar als bei den Krankenversicherungen (unbedingter Anspruch auf direkte Übernahme der Behandlungskosten, keinerlei Selbstbehalt). Die IV übernimmt aber nur Behandlungen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr (Ausnahme: Komplikationen durch frühere Behandlungen). Auf Hinweis von Zwischengeschlecht.org hatte die NEK-CNE deshalb angeregt, die Versorgung auch darüberhinaus sicherzustellen, um kontraproduktiven Druck auf Betroffene und Eltern zu verhindern und gleichzeitig sicherzustellen, dass einwilligungsfähige Betroffene, die Operationen wollen, diese auch umstandslos bezahlt kriegen. Laut Meyer sei eine entsprechende Gesetzesänderung nicht ohne weiteres möglich (obwohl, worauf aus dem Publikum Dr. Monika Gsell hinwies, die IV dadurch insgesamt Kosten sparen könnte!), weshalb Meyer riet, gleichzeitig flankierende Massnahmen beim Leistungskatalog der Krankenkassen anzustreben. Weiter demontierte Meyer im Vorbeigehen den beliebten Mythos, die sog. "interdisziplinären Behandlungsteams" (inkl. psychosozialer Unterstützung auch für die Eltern) seien heute schon üblich: Aktuell sei nämlich kontinuierliche Beratung und Unterstützung der Eltern via Invalidenversicherung NICHT gedeckt, es bestehe hier versicherungstechnisch eine Leistungslücke, die evtl. in der IV durch die Rechtsfigur der Austauschbefugnis angegangen werden könne, jedoch nicht bei der Krankenversicherung, hier bestehe Handlungsbedarf.

Prof. Dr Michelle Cottier (Uni Basel, Rechtssoziologie / Zivilgesetz)>>> Präsentation (PDF): Stützte sich auf ihre Stellungnahme z.Hd. NEK-CNE (zusammen mit Prof. Dr. Andrea Büchler, Uni Zürich). Eltern hätten kein Recht, für ihre Kinder in medizinisch nicht notwendige Behandlungen einzuwilligen, dies sei vielmehr das höchstpersönliche Recht der Betroffenen selbst, und aus privatrechtlicher Sicht eine Persönlichkeitsverletzung. Das Recht des Kindes auf Sebstbestimmung über den eigenen Körper überwiegt immer das Interesse der Eltern an einem äusserlich „unauffälligen“ Kind. Hier bestehe gesetzgeberischer Handlungsbedarf zum Schutze des Wohls der betroffener Kinder, aber auch zur Entlastung von Ärzten und Eltern. Zwar gebe es heute schon die Möglichkeit der Intervention der Kindesschutzbehörde, aber nur auf Anzeige hin und höchstens in Einzelfällen. Auf meine Fragen hin räumte Cottier in der Diskussion weiter ein, in der Schweiz sei die juristische Diskussion betr. Anwendung des Sterilisationsgesetzes auf Intersex-GenitalOPs noch ganz am Anfang, ebenso, ab wann ein Kind eine informierte Entscheidung treffen könne über einen Eingriff, der das Risko der Verminderung oder des Verlusts der sexuellen Empfindungsfähigkeit mit sich bringt.

Prof. Dr. med. Anna Lauber-Biason (Endokrinologin, Freiburg)>>> Präsentation (PDF): Gab eine Überblick aus medizinischer Sicht, inkl. den übliche Diagrammen und Diagnosen. Peer Support war leider in ihrem "multidisziplinären Team" noch kein Bestandteil. Immerhin verwies Lauber-Biason darauf, dass (mit wenigen Ausnahmen, z.B. Cortisol-Substitution bei "AGS-CAH" mit Salzverlust) kein medizinischer Notfall vorliegt, und dass es immer noch "keine evidenzbasierten allgemeine Leitlinien" gibt. Wohl wegen unserer Anwesenheit verwies sie auf die Internetpräsenz von Zwischengeschlecht.org, diese sei zwar "parteiisch, aber informiert sehr gut". In der Diskussion betonte sie noch einmal, es gebe keine physischen oder medizinischen Gründe, Genitaloperationen nicht solange zu verschieben, bis die Betroffenen selbst entscheiden können.

Dr. Judith Pók Lundquist (Gynäkologin Unispital Zürich, Mitglied NEK-CNE, Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung")>>> Präsentation (PDF): Hob eingangs hervor, dass von Seiten der Mediziner-Akademie SAMW der Handlungsbedarf verkannt wurde (dieser Blog berichtete, vgl. auch Eingabe an NEK-CNE) und räumte in einem bewegenden Statement ein, auch sie selbst habe erst während der Anhörungen der NEK-CNE zum ersten Mal begriffen, was für grosses Leid den Betroffenen angetan wurde, weil einfach so über sie verfügt wurde, und dass es nicht darum geht, ob sie das "richtige Geschlecht" haben oder nicht, sondern dass über ihre Körper verfügt wurde, dass sie nicht selber entscheiden durften, mit Folgen für das ganze Leben (vgl. Statement von Daniela "Nella" Truffer). Pók plädierte, die SAMW solle spezielle und verbindliche Leitlinien erstellen.

Erfreulich war weiter, dass während der Diskussionen mehrfach auch aus dem Publikum (u.a. Dr. Kathrin Zehnder) darauf hingewiesen wurde, dass das Unrecht der Zwangsbehandlungen beendet werden muss. Als quasi inoffizielles Schlusswort wies ich nochmals darauf hin, dass auch die Aufarbeitung des begangenen Unrechts nach wie vor ganz am Anfang steht, und verwies dazu auf unseren (nach wie vor unbeantworteten) >>> Offenen Brief an Unispital und Universität Zürich, den wir zusammen mit der >>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" [WARNUNG!!!] eingangs verteilt hatten.

Die 2. Veranstaltung "Weder Bub noch Mädchen - Varianten der Geschlechtsentwicklung" war organisiert von der Paulus Akademie Zürich und ebenfalls gut besucht. Der Arzt und Medizinethiker Dr. Jürg Streuli ("Schweizer Netzwerk für Intersex und Varianten der Geschlechtsentwicklung SNIV" – eines der raren nicht-pathologisierenden Projekte, das zudem Peer Support und Betroffene ernst nimmt) gab ein Einführungsreferat zum Thema inkl. interessanten Einblicken in seine aktuelles Forschungsprojekt "Interdisziplinäre Betreuung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (DSD / Intersexualität)", u.a. dazu, wie sich pathologisierende vs. nicht pathologisierende Beratung von Eltern auswirkt auf deren Bereitschaft, kosmetische GenitalOPs an ihren Kindern durchführen zu lassen (rot) oder nicht (blau):

(Abb. aus der lesenswerten Psychologie-Bachelorarbeit von Yvonne Cavicchia-Balmer "Information, Aufklärung und Entscheidungsfindung von Eltern bei der Geburt eines Kindes mit uneindeutigem Geschlecht" (November 2010),
einem Bestandteil des Forschungsprojekts; die zugrunde liegende Fokusgruppe kam zustande im Anschluss an
eine viel beachtete Aktion von Zwischengeschlecht.org vor dem Kinderspital Zürich.)

Weiter auf dem Podium: Dr. Susanne Brauer (Paulusakademie, vormals NEK-CNE) als Gesprächsleiterin, Dr. Judith Pók Lundquist (Gynäkologin Unispital Zürich, Mitglied NEK-CNE, Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung", siehe auch oben), Karin Plattner (Elternselbsthilfe, Mutter eines betroffenen Kindes) und Dr. Kathrin Zehnder (Ethnologin Uni Zürich, Dissertation "Zwitter beim Namen nennen", Co-Herausgeberin und -Autorin "Intersex – Geschlechtsanpassung zum Wohl des Kindes?").

Betroffene waren auf dem Podium nicht vorgesehen, und auch die Medizyner-Märchen-Formulierung auf dem Flyer "Bis vor kurzem wies man ihnen durch Operation und Hormongaben ein Geschlecht zu. Diese Praxis hat sich geändert" bot ebenfalls Anlass zu Besorgnis. Letztlich kam es trotzdem gut: Immerhin hatte es mehrere Betroffene und Verbündete im Publikum, und wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, liessen Nella und your's truly keine Zweifel daran aufkommen, dass die menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen leider heute noch andauern, und dass es deshalb nebst echtem "multidisziplinärem" Unterstützungsangebot für Eltern und Betroffene weiter gesetzgeberische Leitplanken, verbindliche Leitlinien und Aufarbeitung braucht – was auch vom Podium herab durchaus bestätigt und bekräftigt wurde.

>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-"Genitalkorrekturen": Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen

Wednesday, May 29 2013

Österreich, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen - SPÖ und SoHo: Lieb reden mit Kastratoren und Verstümmlern

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Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen!

Laut einer heutigen >>> SPÖ-Pressemitteilung von Andrea Mautz (SPÖ-Bundesfrauengeschäfts- führerin) und Peter Traschkowitsch, (Bundes- und Wiener Landesvorsitzender der SoHo Sozialdemokratische Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen Organisation) ein "Positionspapier Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern" präsentiert (von dem aber bisher bloss die Zusammenfassung innerhalb der Pressmitteilung öffentlich einsehbar ist).

Die gute Nachricht: "Recht auf körperliche Unversehrtheit" und (in altbekannt sexologisch verbrämter Manier) Intersex-Genitalverstümmelungen sind darin immerhin erwähnt bzw. angedeutet! Hipp, hipp!

Der Rest: Die GenossInnen wollen weiter zuwarten und (statt die Verstümmelungen endlich konkret anzugehen) erst mal noch noch paar Runden "sensibilisieren" und "fachlich-gesellschaftspolitisch" diskutieren (ist ja sooo ein interessaaantes Thema!), wie Verstümmelungen, pardon: "geschlechtszuweisende medizinische Maßnahmen" eventuell später irgendwann irgendwie "verhindert" werden könnten – unmittelbaren gesetzgeberischen Handlungsbedarf wollen sie nicht erkennen, sofern es "nur" um verstümmelte äußere und innere Kindergenitalien geht (da ist dann "Personenstandsrecht" für sie doch noch einen Tick interessanter – ein Schelm, wer Böses dabei denkt).

Offenbar vermochte Lucie Veith mit ihrem Vortrag (nach Adenauer-Stiftung) auch SPÖ und SoHo nicht vom dringenden gesetzgeberischen Handlungsbedarf zu überzeugen  – obwohl in Österreich wöchentlich mindestens 1 wehrloses betroffenes Kind medizinisch nicht notwendigen Kastrationen und weiteren kosmetischen Genitaloperationen zum Opfer fällt!

Innsbruck, Wien, Linz – Orte von Intersex-Genitalverstümmelungen

Fakt: Die TäterInnen in den Universitäten und Kinderkliniken, die reden nicht lieb und schwurbeln vor sich her.

Sondern bilden knallhart die nächsten Generationen von VerstümmlerInnen ausauch in Österreich!

Zum Beispiel aktuell im >>> "Pädiatrie Modul 3.03" (PDF 11MB) [WARNUNG!!!] der VerstümmlerInnenhochburg Medizinische Universität Innsbruck, das schlankweg erzwungene Kastrationen (inkl. Lüge vom "Krebsrisiko"), kosmetische "Klitorisreduktionen" und weitere medizinisch nicht notwendige "Genitalkorrekturen" als (für Kliniken lukrative) "Therapien" verkauft: 

(S. 28 innerhalb PDF / S. 23 laut Seitennummerierung)

(S. 31 innerhalb PDF / S. 26 laut Seitennummerierung)

(S. 32 innerhalb PDF / S. 27 laut Seitennummerierung)

Wer nachher sagt, man habe das nicht wissen können, macht sich zur MittäterIn!  

>>> Intersex-"Genitalkorrekturen": Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben 

Tuesday, May 28 2013

Intersex-Genitalverstümmelungen: "Früher war es schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert" - Ein Mythos feiert Auferstehung

Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "APE-AGPD 2010", Augsburg 5.11.

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Genitalverstümmelungen stoppen!

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Zum Beispiel neulich an der "Fachkonferenz zum Thema Intersexualität" der Konrad-Adenauer-Stiftung:

- Prof. Dr. Gernot Sinnecker behauptete rundheraus, heute werde nirgends mehr operiert (obwohl seine eigene Kinderklinik Wolfsburg immer noch das ganze Spektrum kosmetischer "Genitalkorrekturen" im Internet anbietet).

- Laut Dr. Birgit Köhler (Publikumsmeldung) würden in der Charité mittlerweile keine "(XY-)Intersexuellen" mehr operiert (obwohl auch die Charité immer noch das ganze Spektrum anbietet, und Dr. Köhler selbst "Klitorisreduktionen" empfiehlt, dito ihr Kollege PD Dr. Heiko Krude, der Charité-Chirurg Prof. Dr. Ricardo González, usw.; auch in einer Ethikrat-Sachverständigen-Stellungnahme von Dr. Ulrike Klöppel wurde festgehalten: "[Es] werden bei AGS weiterhin Klitorisreduktionen und Introitusplastiken im Kindesalter durchgeführt, so z.B. an der Berliner Charité").

- Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt ist unter Betroffenen bekannt als eifrige Verbreiterin des Behandler-Märchens "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant und es wird lääängst nicht mehr operiert."  (Obwohl auch Richter-Appelts Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dessen angegliedertes Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) ("Ein Unternehmen des UKE") ebenfalls die ganze Bandbreite von kosmetischen "Genitalkorrekturen" öffentlich anbieten – und (mit "saisonalen Schwankungen") erwiesenermaßen heute noch serienmäßig durchführen.)

Demgegenüber war Lucie Veith als einzige Betroffenenvertreter_in auf dem Podium offenbar nicht in der Lage, dieser Medizyner-Märchenstunde wirksam Paroli zu bieten [1] – obwohl entsprechende Tatsachen und Argumente zur Entlarvung solcher TäterInnen-Schutzbehauptungen hinlänglich bekannt sind:

- Praktisch alle Kliniken mit kinderchirurgischen/kinderurologischen Abteilungen bieten das gesamte Spektrum kosmetischer "Genitalkorrekturen" unverändert öffentlich an (vgl. Beispiele oben).

- Alle einschlägigen AWMF-Leitlinien (z.B. 006/026 "Hypospadie" und 027/047 "Adrenogenitales Syndrom") empfehlen frühzeitige kosmetische "Genitalkorrekturen". Sogar wo Verstümmler-Leitlinien aktuell überarbeitet werden (z.B. 027/022 „Störungen der Geschlechtsentwicklung“) ist keine Änderung in Sicht: Federführend bei der Überarbeitung sind einmal mehr ausschließlich notorische VerstümmlerInnen, nämlich Prof. Dr. Susanne Krege (Krefeld), Prof. Dr. Felicitas Eckoldt (Jena)PD Dr. Richter-Unruh (Bochum).

- Noch die obige Aussage von Dr. Birgit Köhler (Charité) impliziert, dass die beiden größten Betroffenengruppen, nämlich Betroffene mit "Hypospadie" oder "AGS/CAH", nach wie vor verstümmelt werden – wie das Köhler und Charité-KollegInnen auch in Publikationen offen einräumen (vgl. oben).

Aber soweit informieren sich verantwortliche PolitikerInnen offenbar lieber gar nicht erst:

Stattdessen fordert aktuell z.B. der CDU/CSU-Intersex-Berichterstatter Dr. Peter Tauber öffentlich, bevor endlich kronkret über ein Verbot der kosmetischen Genitalverstümmelungen diskutiert werden könne, müsse zuerst nochmal ausgiebig abgeklärt werden, ob es ein solches überhaupt noch brauche. Begründung: Die Adenauer-Fachkonferenz lege nahe, dass "die Ärzte heute weiter und ein präventives Verbot obsolet" sei ...

Fazit: Und wenn sie nicht gestorben sind, so verstümmeln und fachkonferenzen sie noch heute ...

[1] Nachtrag 30.5.13: Wie Lucie Veith mitteilt, habe sie "bereits auf der Veranstaltung protestiert und auch schriftlich meinen Widerspruch eingelegt". Worin dieser Protest bestand und was im Widerspruch drinsteht, wurde bisher nicht bekannt.

>>> "Fachkonferenz" der Adenauer-Stiftung – Zahlen, Fakten, Zitate 
>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe 

Friday, May 24 2013

Deutsche Ges. f. Gynäkologie 1933: Intersex-Genitalamputation "geradezu prädestiniert für quantitative Bestimmungen der sog. 'weiblichen' und 'männlichen' Sexualhormone" (Hans Naujoks)

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Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

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Ein Jahr bevor Prof. Dr. Hans Christian Naujoks (1892-1959, DGGG-Präsident 1951) in Köln zum ordentlicher Professor aufstieg, stellte er in Berlin an der 23. Jahresversammlung der "Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie" (die heutige DGGG) vom 11.-14. Oktober 1933 einmal mehr seinen sensationellen Fall "Über echte Zwitterbildung beim Menschen und ihre therapeutische Beeinflussung" ("Zeitschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie" Nr. 109/2 1934, S. 135-161 >>> PDF 5 MB) vor.

Die Zuhörer waren angetan; Kollege Siebke aus Kiel fasste in der Diskussion zusammen:

"Der von Herrn Naujoks so sorgfältig beobachtete und erfolgreich operierte Fall erschien geradezu prädestiniert für quantitative Bestimmungen der sog. „weiblichen“ und „männlichen“ Sexualhormone: ein Zwitter, der bei ausgesprochen weiblicher Psyche zunächst eine männliche und eine weibliche Gonade hatte, dem später die männliche Gonade entfernt wurde, und der schließlich nach Follikelhormontherapie sogar noch eine Menstruation zeigte!" ("Archiv für Gynäkologie" Nr. 1156/1-2, 1934, S. 11-99, hier S. 99 >>> PDF 3 MB)

Da haben wir's mal wieder: Intersex-Genitalverstümmelungen als Treibstoff für "wissenschaftlichen Fortschritt und Karriere" – sogar "echten" Hermaphrodit ganz elegant und spurlos aus der Welt geschafft – Tausendsassa Prof. Dr. Naujoks in bester Gesellschaft: von James Marion Sims über Josef Mengele bis John Money, EuroD$D, Judith Butler usw.

>>> NS-Diagnose "Intersexuelle Konstitution"
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" (PDF, 2.4 MB)   [ TRIGGER!!! ]
>>> Köln 1949-66: Zwitter für Forschung von "Kindereuthanasie"-Prof. verstümmelt u. seziert

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen 

Thursday, May 23 2013

Köln: NS-Diagnose "Intersex-Typus" - 1949-66: 30% Patienten-sterblichkeit - seziert für "Kindereuthanasie"-Prof. Bennholdt-Thomsen

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>>> NS-Diagnose "Intersexuelle Konstitution"
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Naujoks 1933: "Intersex-Genitalamputation prädestiniert für Hormon-Forschung"
>>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" (PDF, 2.4 MB)   [ TRIGGER!!! ]
>>>
Öffentliche Veranstaltungen heute in Köln (Flyer PDF)

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 23.05.2013:

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine AussöhnungDass heute über konkrete Verflechtungen
zwischen NS-Medizin und Intersex- "Genitalkorrekturen" in Kölner Kliniken mehr bekannt ist als z.B. über solche in Berlin, liegt nicht zuletzt an der Fülle der 2011 im "Online-Diskurs" des Deutschen Ethikrates öffentlich gemachten relevanten Namen, Fakten und Auszügen aus Publikationen.

ETEKAR, eine Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter, hatte die Früchte jahrelanger Recherchen beigetragen:

• Zum Beispiel Carl Bennholdt-Thomsen (1903–1971), DGKJ-Präsident 1963 und Leiter der Kölner Universitäts-Kinderklinik:

"Woran starb Elvira Fr.?" Ein besonders verstörendes Kölner Beispiel betrifft eine Dissertation von 1966 unter der Leitung von Bennholdt-Thomsen, laut welcher 1949-1966 ein Drittel aller mit der Intersex-Diagnose "AGS/CAH" in Köln behandelten Kinder verstarben und z.T. anschließend für die Dissertation seziert wurden, obwohl AGS mit Salzverlust seit spätestens 1950 bekannterweise therapierbar ist.

Bennholdt-Thomsen war ein Meister im Vertuschen medizinischer Verbrechen: Erst lange nach seinem Tod wurde 2002 öffentlich bekannt, dass er in der "Kindereuthanasie" in "Böhmen und Mähren" eine zentrale Rolle inne hatte (vgl. Michal Simunek: „Getarnt – Verwischt – Vergessen. Die Lebensgänge von Prof. Dr. Franz Xaver Lucksch und von Prof. Dr. med. Carl Gottlieb Bennholdt-Thomsen im Kontext der auf dem Gebiet des Protektorates Böhmen und Mähren durchgeführten NS-Euthanasie.“ In: Bayer / Sparong / Woelk (Hrsg.): Universitäten und Hochschulen im Nationalsozialismus und in der frühen Nachkriegszeit, 2004, S. 125–146, hier S. 142-145)

Dem Deutschen Ethikrat war das Thema zu heiß: In einer Nacht- und Nebelaktion wurden praktisch alle Beiträge mit Quellen zum Thema gelöscht. O-Ton Ethikrat: Die "von besagtem Nutzer [ETEKAR] gezogene Verbindungslinie" von NS-Verbrechen an Zwittern "zur heute gängigen Praxis" sei "unzulässig". Weitere Kommentare wurden gar nicht mehr freigeschaltet, die Betroffene wurde faktisch gesperrt. >>> Alle gelöschten Kommentare sind seither auf Zwischengeschlecht.info dokumentiert.

“Der Intersex-Typus  ( M a n n w e i b ,  S c h i z o i d )  (Abb. 863) ist körperlich und psychisch ausgedrückt. Es kommen auch sexuelle Zwischenstufen vor, wobei feminine Zeichen nur schwach ausgebildet sind. Die Behaarung ist übermäßig und atypisch, die Züge sind männlich, die Stimme ist tief. Die Pubertät tritt verzögert auf, es besteht Frigidität und eine herabgesetzte Fruchtbarkeit bei Hypoplasie der Keimdrüsen und Hyperfunktion der Hypophyse, manchmal ein eunuchoider Hochwuchs, ferner Störungen in der Funktion der Thyreoidea. Häufig wird Dysmenorrhöe beobachtet” 
(Quelle: Gelöschter Kommentar auf Ethikrat-"Onlinediskurs", 24.6.11)

Die >>> NS-Diagnose "Intersexuelle Konstitution" definiert Zwitter als "minderwertige Spezies" infolge von "Rassenvermischung", die unter "Juden" besonders häufig sei und mit "Geisteskrankheiten" korreliere, Betroffene müssten "vom Fortpflanzungsbetrieb sicher und endgültig ausgeschlossen" werden.

Vom Ethikrat zensierte Kommentare verweisen u.a. auf Quellen von Wilhelm Weibel (1876-1945), Josef Mengele (1911-1971), Otto Flößner (1895-1948), Fritz Lenz (1887-1976), Otmar Freiherr von Verschuer (1896-1969), Paul Mathes (1871-1923), Robert Stigler (1878-1975), Walther Stoeckel (1871-1961), Lothar Gottlieb Tirala (1866-1974), Adolf Butenandt (1903-1995), Otfried Butenandt und Luise Kimm.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org freut sich sehr, dass – entgegen der Absicht des Deutschen Ethikrates – heute in Köln das Thema "NS-Medizin und Intersex-Genitalverstümmelungen" öffentlich zur Debatte steht an mehreren Veranstaltungen u.a. in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum und der Heinrich-Böll-Stiftung NRW

Ebenso, dass Intersexuelle Menschen e.V., welche die Zensur-Aktion des Ethikrates tatenlos und schweigend hinnahmen, das Thema heute ebenfalls als relevant und wichtig erachtet.

Und hofft, dass zusätzlich zu den bereits bekannten Namen und Fakten heute weitere öffentlich aufgearbeitet werden.

• Zum Beispiel >>> Hans Christian Naujoks (1892-1959), DGGG-Präsident 1951, Leiter der Kölner Universitäts-Frauenklinik 1934-1945:

"Fortpflanzung dieses Wesens nicht allzu wünschenswert ... In die Vollwertigkeit dieser Nachkommenschaft müssen doch einige Zweifel gesetzt werden" (H. Naujoks: "Über echte Zwitterbildung beim Menschen und ihre Beeinflussung", 1934 >>> PDF (5 MB)

Naujoks' kosmetische "Klitorisamputation mit Stumpfbildung" (Dominik Leitsch) sowie "Hodenentfernung" an einem "Zwitterwesen" mit "besonders interessantem Genitalbefund" in Verbindung mit hormoneller "verweiblichender" Fertilisierungsbehandlung, letztere aus "eugenischen" Gründen rein zu Forschungszwecken, wurde noch 1996 ehrend erwähnt in der Kölner kinderchirurgischen Dissertation von Dominik Leitsch: "Die Intersexualität, Diagnostik und Therapie aus kinderchirurgischer Sicht".

Naujoks berief sich 1934 auf "die Lehre von der Intersexualität" und propagierte "Korrekturen am äußeren und inneren Genitale" mit "funktionalen" Ansprüchen und Begründungen, wie sie laut Ethikrat-Expertin Hertha Richter-Appelt angeblich erst 1955 in Baltimore "erfunden" wurden.

In Köln war Naujoks 1934-1945 als Leiter der Universitäts-Frauenklinik an über 1'000 Zwangssterilisationen beteiligt. Er setzte aktiv ein für die "eugenische Indikation" zum Schwangerschaftsabbruch bei "erbkranken" Patientinnen. Als die Deutsche Ärztekammer 1972 Feten mit "Gefahr intersexueller Mißbildungen (Virilisierungen, Pseudohermaphroditismus)" bei "AGS/CAH" offiziell zur selektiven Spätabtreibung freigab (heute noch in Kraft), würdigte der Leitfaden ausdrücklich Naujoks' Vorarbeit vor und nach 1945.

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Solidarischer Post auf DasEndeDesSex. Danke!
>>> DGGG 1933: Intersex-Genitalamputation "prädestiniert für Forschung" (Hans Naujoks)

Nachtrag: Der einzige Pressebericht zur Veranstaltung auf >>> report-k.de getraute sich nicht einmal, Namen zu nennen, sondern verschwieg die Identität der Täter. Die einzige abschließende Erwähnung der konkreten Verbrechen verbleibt bei allgemeinen Andeutungen über "Umgang mit und die Verbrechen an Intersexuellen durch Ärzte während des NS-Regimes. Die Opfer hätten dafür nach Ende der NS-Zeit keine Entschädigung erhalten. Auch wurde der Werdegang einiger regimenaher Ärzte nach Kriegsende aufgezeigt."

>>> "Intersex"-Chronologie Deutscher Ethikrat 2008-2013

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
 

Wednesday, May 22 2013

22.05.2013: Adenauer-Stiftung und Intersex-Genitalverstümmelungen – Zahlen, Fakten, Zitate [UPDATE2]

1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.2007

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>>> Nachtrag: Ministerin Schröder: "Akzeptanz ja – Unversehrtheit kein Thema"
>>>
Bericht von Peter Tauber (CDU/CSU): "präventives Verbot obsolet?" 

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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!INHALT
1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten
2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen
3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen
       a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker: "Medizinisch nicht notwendig"
       b) Lucie Veith: "Verbot kosmetischer Genital-OPs bis 16 Jahre"
       c) Prof. Dr. Hertha Richer-Appelt: "Hypospadie = Krankheit"
       d) Dr. Michael Wunder: "Kosmetische Genitalkorrekturen O.K."

1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten

Die Konrad-Adenauer-Stiftung lädt heute ab 11 Uhr einer "Fachkonferenz zum Thema Intersexualität" mit dem scheinbar obligaten Titel "Leben zwischen den Geschlechtern".

Das Hauptthema der Betroffenen, kosmetische "Genitalkorrekturen" im Kindes- und Jugendalter, handelt die offizielle Ankündigung ausschließlich in Vergangenheitsform ab – die Hauptkritikpunkte der Betroffenen (Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit, Folgeschäden, Traumatisierungen) werden nicht oder höchstens indirekt erwähnt:

"So wurden Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen häufig ohne Einwilligung der Eltern frühzeitig operiert, in der Annahme, das Geschlecht sei sozial konstruiert und man könne vermeintlichen gesellschaftlichen Komplikationen vorbeugen, was zu schwerwiegenden Komplikationen und Identitätskrisen führte." (Flyertext)

Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sind einmal mehr nicht vertreten – MenschenrechtsexpertInnen ebenfalls nicht.

Ob Intersex-Genitalverstümmelungen unter diesen Vorzeichen angemessen angesprochen werden, oder mal wieder höchstens einige wenige und bevorzugt vergleichsweise seltene kosmetische Eingriffe konkret thematisiert werden, z.B. Kastrationen an "XY-Frauen"), wird sich zeigen – ebenso,  wie transparent anschließend von der Stiftung über den Anlass informiert wird (oder eben nicht).

Anlass dazu bestünde nicht zuletzt durch der letzte Woche einstimmig überwiesenen Intersex-Anträge im Bundestag, die einmütig ein gesetzliches Verbot von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sowie historische Aufarbeitung einfordern.
 

2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen

6 PolitikerInnen und Ministerialbeamtinnen "verschiedener Fachbereiche und über Parteigrenzen hinweg"  (4 CDU/CSU, 1 FDP, 1 Grüne, 0 SPD, 0 Linke)
1 Mitglied des Deutschen Ethikrates, das "geschlechtsverdeutlichende" kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern propagiert: Dr. Michael Wunder (Leiter der Ethikrat-AG "Intersexualität")  
1 Pädiater (Chefarzt) einer Kinderklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt (siehe unten 3a): Prof. Dr. Gernot H.G. Sinnecker (Wolfsburg)
1 Sexologin aus einer Universitätsklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt: Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Hamburg-Eppendorf)
1 Betroffene einer kosmetischen "Genitalkorrektur" (Kastration) im Erwachsenenalter: Lucie Veith (XY-Frauen, Intersexuelle Menschen e.V.) (siehe unten 3b)
1 Mutter eines betroffenen Kindes (genitaloperiert): Julia Marie Kriegler (XY-Frauen Eltengruppe)
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Jugendalter
0 Eltern eines unversehrten betroffenen Kindes
0 Sachverständige mit Kernkompetenz Menschenrechte

Total:
3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker)
1 "Alibi"-Vertreterin von Betroffenen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" (Lucie Veith)
 

3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen

a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker (Chefarzt Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg): "Medizinisch nicht notwendig, nicht evidenzbasiert, psychosozial indiziert wegen der Eltern, trotzdem weit verbreiteter Standard" - Heute angeblich keine kosmetischen Eingriffe mehr - Fakt: Sinneckers Klinik bietet ganze Bandbreite an

- Medizinisch nicht notwendig: „Klitorisreduktionsplastik“, „Neovagina“, Hodenentfernung [Kastration] (ausser Gonadendysgenesie bei Y-Chromosom)

"Eine verstümmelnde, also mit der Entfernung von Gewebe einhergehende Operation, z.B. „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ beim Säugling oder Kleinkind sind nicht medizinisch indiziert. Die häufig geäußerte Sorge, das Kind könnte z.B. von anderen Kindern gehänselt werden und dadurch psychischen Schaden nehmen ist wissenschaftlich nicht bewiesen und wäre meiner eigenen Einschätzung nach selbst dann kein hinreichender Grund, sich über das Selbstbestimmungsrecht des Kindes hinwegzusetzen und seine körperliche Integrität zu beschädigen." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Nicht evidenzbasiert: "operative Korrektur einer Hypospadie"

"Weitgehend unstrittig ist die operative Korrektur einer Hypospadie (Harnröhre endet an Penisunterseite oder am Damm oberhalb des Hodensacks) durch Verlängerung der Harnröhre bis zur Penisspitze. Im Allgemeinen wird dieser Eingriff gegen Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt. Dies gilt als weit verbreiteter Standard, ist aber nicht evidenzbasiert. Letztlich ist dieser frühe Operationszeitpunkt auf die Vorstellung zurückzuführen, Kinder könnten in diesem Alter operative Eingriffe am Genitale psychisch besser verkraften als später, wenn sie den Eingriff bewusster erleben und „Kastrationsängste“ entwickeln könnten (nicht evidenzbasiert).
Tatsächlich ist die operative Technik aufgrund der kleinen Verhältnisse in diesem Alter eher schwieriger, narbige Verengungen der neugebildeten Harnröhren machen gelegentlich wiederholte Bougierungen (apparative Aufdehnungen) erforderlich, die langfristig zu einer narbigen, starren Harnröhre führen können mit entsprechenden Problemen im Erwachsenenalter. Es spricht daher viel dafür, diese Operationen erst dann durchzuführen, wenn der Penis größer geworden ist und die Betroffenen selbst entscheiden können, ob sie eine operative Korrektur wünschen."
(Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr

"„Wir haben als Ärzte einen Lernprozess durchgemacht.“ Vor 20, 25 Jahren sei das gängige Therapieverfahren gewesen, Kleinkinder und Babys mit uneindeutigen Geschlechtssmerkmalen schnellstmöglich zu operieren, so der Professor. […]  „Heute“, sagt Sinnecker, „steht die Selbstbestimmung des Kindes an oberster Stelle.“ […] „Jede Operation, die vermeidbar ist, wird verschoben auf den Zeitpunkt, an dem Betroffene selbst entscheiden können.“ Lediglich medizinisch notwendige Eingriffe würden vorgenommen." (Potsdamer Neueste Nachrichten)

- Fakt: Sinneckers Kinderklinik (u.v.a.m.) bieten nach wie vor ganzes Spektrum kosmetischer "Genitalkorrekturen" an 

Es gibt konkrete Zeugnisse, wonach Sinnecker tatsächlich nicht zu "Genitalkorrekturen" drängte, was auch seiner Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg gut ansteht. Leider ist das bundesweit alles andere als die Regel. Es ist Sinnecker hoch anzurechnen, dass er dazu Klartext bringt: "Hypospadie-Korrekturen" an Kleinkindern SIND "weit verbreiteter Standard", und nicht alle Kollegen haben genug Skrupel, eine „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ an einem Kleinkind NICHT durchzuführen. Wo Sinnecker jedoch aus politischen Gründen öffentlich rundheraus (ond ohne Belege) behauptet, es würden seit "20, 25 Jahren" nirgends mehr Kinder "genitalkorrigiert", macht er sich zum Täter. Enstprechend leider auch das Online-Angebot von Sinneckers Kinderklinik Wolfsburg:

"Kinder- und Jugendgynäkologie
    •    Diagnostik und Therapie von Genitalfehlbildungen und anderen Erkrankungen des Genitales
    •    In Zusammenarbeit mit der Frauenklinik und der Klinik für Urologie"

(Kinder- und Jugendklinik – Schwerpunkte)

"Rekonstruktive und plastische Operationen
    •    Behebung von angeborenen Fehlbildungen ([…]Hypospadien und Penisdeviation)"

(Klinik für Urologie – Schwerpunkte und Ausstattung)

 
b) Lucie Veith
(Intersexuelle Menschen e.V., XY-Frauen):

 

- "Genitaloperationen müssen verboten werden" - " Verstümmelung muss aufhören" (Tagesschau)

 

- "Verbot kosmetischer Genital OPs bis zum 16. Lebensjahr" (Hermaphroditforum)

- "Menschenrechtsverletzungen ziehen sich durch die ganze Gruppe der intersexuellen Menschen und reichen von Menschen mit AGS bis zum echten Hermaphroditen, von Klinefelter-Menschen bis zur Hypospadie" (Stellungnahme Familienausschuss, S. 14)

- "Kein Recht der Eltern in solche Verstümmelungen einzuwilligen" - "Kastration und Genitalbeschneidung verletzen körperliche und seelische Unversehrtheit" (Bayerische Staatszeitung)
 

c) Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf UKE): "unzureichende wissenschaftliche Evidenz" - "Traumatisierungen erwiesen" - "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrekturen in jedem Fall medizinisch notwendig" - "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität" - "Geschlechtszuweisung" vs. Geschlechtsangleichung" - Fakt: Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig vom "Chromosomensatz" oder "Geschlecht" - "Früher war's schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert" - Fakt: UKE und AKK bieten ganze Bandbreite an, praktizieren weiter kosmetische "Genitalkorrekturen"

- "Unzureichende Evidenz, aber trotzdem behandeln" 

"Einleitend sei gesagt, dass für die meisten Behandlungsmaßnahmen nur unzureichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, was aber nicht bedeuten soll, dass man Personen mit Intersexualität nicht behandeln darf." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

- "Traumatisierungen erwiesen"

 

"Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass körperliche Eingriffe im Säuglingsalter keine negativen Auswirkungen auf die psychische Entwicklung des Kindes haben können. Dem zu Grunde lag die Annahme, dass es in dieser frühen Zeit keine Traumatisierungen gebe. Diese Auffassung ist jedoch durch die Traumaforschung der letzten Jahre widerlegt und wir wissen, dass bereits in der Embryonalzeit Stressbelastungen der Mutter sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. V.a. gilt dies auch für die Konstruktion einer Neovagina, die regelmäßig gedehnt werden muss, um funktionsfähig zu bleiben. Gerade diese Erfahrung wurde wiederholt von betroffenen Personen als besonders belastend geschildert." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

 

- "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrektur in jedem Fall medizinisch indiziert" 

"Es gibt aber im Zusammenhang mit der Behandlung von Personen mit Intersexualität eine Reihe unterschiedlicher chirurgischer Maßnahmen, von denen bei einigen die medizinische Indikation in jedem Fall gegeben ist, da sonst eine funktionelle Beeinträchtigung besteht (z.B. bei Vorliegen einer Hypospadie), und/oder die gesundheitsgefährdend sein könnten." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Fakt: "Hypospadie-Korrekturen" sind praktisch immer kosmetisch und werden aus "psychosozialen Gründen" an Kindern durchgeführt.

Eine medizinische Notwendigkeit besteht nur in sehr seltenen Fällen, wenn der Harnabfluss unoperiert behindert oder blockiert ist, oder bei Schmerzen. Ansonsten bestehen KEINE medizinischen Gründe, "Hypospadie-Korrekturen" uneingewilligt im Kindesalter aufzuzwingen – aber gute Gründe, damit zuzuwarten (was viele Ärzte auch offen zugeben, vgl. z.B. oben 3a) Gernot Sinnecker: "Nicht evidenzbasiert").

Sogar die aktuelle AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) spricht ausdrücklich von Indikationen "auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

Auch in den Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg wird kein Hehl daraus gemacht, dass frühe "Hypospadie-Korrekturen" NICHT aus medizinische Gründen gemacht werden, sondern aus "psychologischen":

"Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“)." (Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt)

Ebenso z.B. das Universitätsklinikums Jena und die Asklepios-Kinderklinik St. Augustin unisono:

"Beschwerden liegen [im "unkorrigierten" Zustand] fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme" - Nichtsdestotrotz empfohlene "Therapie": "Korrektur zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat." - "Begründung": "Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der Männer leiden." (Homepages der Klinken)

- "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY-Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität"

"Davon unterschieden werden müssen Operationen, bei denen es entweder um die Angleichung an das eine oder andere Geschlecht geht (dabei wird eine Entscheidung ob männlicher oder weiblicher Körper getroffen), oder um Operationen, die Auffälligkeiten im Rahmen einer Geschlechtszugehörigkeiten beheben sollen (d.h. Klitorisreduktion bei AGS mit einem weiblichen Chromosomensatz ist nicht gleichzusetzen mit „Klitoris“reduktion bei Personen mit einem XY Chromosomensatz im Rahmen einer Zuweisung zum weiblichen Geschlecht, da man in diesem Fall eigentlich von einer an das weibliche Geschlecht anpassende Verkleinerung des Mikro-Penis sprechen müsste)." (Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

"Es geht hier nicht nur um eine schwerwiegende Gefahr sondern z.B. auch um die sexuelle Sensibilität, die unter den chirurgischen Eingriffen leiden kann. Nicht wenige erwachsene Personen mit einem XY Chromosomensatz, die einem weiblichem Körper zugewiesen wurden, leiden im Erwachsenenalter unter sexuellen Problemen. Die sexuelle Erregbarkeit, darf nicht ästhetischen Gesichtspunkten hinten angestellt werden." (Stellungnahme Ethikrat, S. 4)

- Fakt: Das Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig von "Chromosomensatz" und "Geschlechtszugehörigkeit"! - Auch die Unterscheidung zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" (die der Deutschen Ethikrat ebenfalls propagiert, vgl. unten 3d) widerspricht sämtlichen Menschenrechten:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab."
(Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr: Richter-Appelt ist unter Betroffenen bekannt als eifrige Verbreiterin des Behandler-Märchens "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant und es wird lääängst nicht mehr operiert." 

- Fakt: Kinderkliniken von Richter-Appelts Uni (u.v.a.m.) propagieren und praktizieren (fast) alle gängigen "Genitalkorrekturen"

Richter-Appelt hat für einzelne Betroffenen(unter)gruppen punktuell viel getan, namentlich für "XY-Frauen" (einer ihrer Lieblingsbegriffe – passt auch so schön durch ihre frühere Brille als "Transsexuellen-Expertin" >>> Kritik im von Betroffenen im Hermaphroditforum  >>> Kritik von Betroffenen in Kommentaren hier). Unzweifelhaft kommt Richter-Appelt hier ein entsprechender Verdienst zu, speziell betreffend künftiger Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Kastrationen bei (XY-)CAIS-Menschen und in geringerem Masse auch betreffend "Klitorisreduktionen" bei (XY-)AIS.

Andrerseits gibt Richter-Appelt unzweifelhaft die ganz große Mehrzahl aller Übrigen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" Gefährdeten (u.a. "Hypospadie", "AGS/CAH") ungerührt zum Abschuss frei (siehe oben); ebenso ist deren Teilhabe am "Dialog" nicht vorgesehen, folglich werden sie von Richter-Appelt konsequent mit salbungsvollen Sprüchen ausgegrenzt (>>> Kritik 1 >>> Kritik 2) – fast ein bisschen wie beim Deutschen Ethikrat und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung ...

Entsprechend bieten auch die Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg die ganze Bandbreite von kosmetischen "Genitalkorrekturen" nach wie vor öffentlich an – und führen erwiesenermaßen heute noch serienmäßig kosmetische "Genitalkorrekturen" durch. 
  

d) Dr. Michael Wunder (Deutscher Ethikrat, Sprecher "AG Intersexualität"):

- "geschlechtsverdeutlichende kosmetische Genitalkorrekturen an Kleinkindern zulässig"  

- Fakt: Menschenrechte sind nicht teilbar, Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt für alle betroffenen Kinder, "Unterscheidung" zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" verstößt gegen Grund- und Menschenrechte:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab." (Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012

Weshalb der Deutsche Ethikrat und seine Stellungnahme vom 23.2.2012 auch einhellig von ALLEN Betroffenenorganisationen unmissverständlich kritisiert wurde:
- Zwischengeschlecht.org 29.07.2011 "Betroffene ausgegrenzt und zensiert"
- Intersexuelle Menschen e.V. 23.02.2012 "Genitaloperationen verbieten"
- OII Deutschland (IVIM) 23.02.2012 "Nicht lebensnotwendige Eingriffe unterbinden" 

- Kosmetisch "genitalkorrigiertes" Kind als "wünschenswerten Regelfall" und "Beispiel für tolerable Erziehung" 

- Fakten:
    1. Kosmetische "Genitalkorrekturen" sind unmenschlich (UN-SRT)
    2. Betroffene mundtot machen um unliebsame Themen auszublenden auch
    3. Politische Vereinnahmung von Betroffenen ist unfair!
  

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

 
Nachtrag 1: Bundesfamilienministerin Schröder: "Akzeptanz Ja" - Körperliche Unversehrtheit kein Thema - sieht "Betroffene" doppelt

Laut einer >>> Meldung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Familienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU/CSU) an der Tagung "für eine größere Akzeptanz von intersexuellen Menschen und deren Recht auf Selbstbestimmung geworben."

Worunter Schröder offenbar ausschließlich Personenstandspolitik ("Geschlechtszuweisung") und Diskriminierung versteht ("Anrede"). Körperliche Unversehrtheit und Beendigung kosmetischer "Genitalkorrekturen" an Kindern erwähnt sie dagegen nicht einmal. Behauptet stattdessen, es seien mehrere "Betroffene" an der Tagung vertreten gewesen.

Fakt: Wie oben unter "2. Zahlen" aufgeschlüsselt, war in Berlin tatsächlich nur 1 "Alibi"-Betroffene vertreten (Lucie Veith) – dagegen 3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker).  

>>> Tagungs-Bericht von Peter Tauber (CDU/CSU): "präventives Verbot obsolet?" 
>>>
Thread zu Schröders Statement auf crossdresser-forum.de Danke!
>>>
Solidarischer Post und Kommentare auf queer.de Danke!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
 

"[Inter]Sexualität - wir alle sind Zwitter" - WDR Leonardo, 3.6.13

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Kann ein Zwitter Sünde sein?

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>>> Interessante Sendung zum jetzt schon online vorhören – die allerdings trotz positiver Aspekte mal wieder hemmungslos körperliches Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, "Sexualität" usw. in bekannt vereinnahmender Manier wild vermischt.

Dies beginnt schon beim Titel: "Wir alle waren ursprünglich Zwitter - nämlich die ersten 7 Wochen im Mutterleib – danach die meisten von uns nicht mehr" müsste es korrekt heissen.

Weiter huldigt die Sendung kritiklos und unhinterfragt dem altbekannten Medizyner-Märchen "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist längst alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant."

Wozu also z.B. noch erwähnen, dass heute noch 90% aller Betroffenen ohne medizinische Notwendigkeit im Kindesalter genitalverstümmelt werden, und dass ohne ein gesetzliches Verbot der Verstümmelungen aller schönen Worte zum Trotz einfach weiteroperiert wird – Hauptsache Sand in die Augen und Schwamm drüber ...

Schade, schade, schade ...

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

Monday, May 20 2013

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zur Bundestagsdebatte über ein Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen

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Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen! - Aktion DGE 7.3.2012Als Reaktion auf die Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org im Vorfeld der Bundestagsdebatte über ein Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen publizierte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) einen
>>> Blogpost "Deutscher Bundestag debattiert als weltweit erstes Parlament über Verbot von Genitaloperationen bei Intersexualität".

Dieser Post bringt nicht nur unsere Pressemitteilung "allen seinen Mitgliedern und Interessierten zur Kenntnis", sondern nimmt darüber hinaus Bezug auf unseren letztjährigen Protest zur "DGE 2012" in Mannheim und den dabei überreichten Offenen Brief (PDF) sowie auf eine daraus resultierende öffentliche Auseinandersetzung der DGE mit der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates. Danke!

Weiter wird darin festgehalten: "Der Beratung dieses äußert schwierigen, komplexen Themas durch die deutschen Volksvertreter sieht auch die deutsche Ärzteschaft mit größtem Interesse entgegen."

Aus der seinerzeitigen Auseinandersetzung mit der Ethikrat-Stellungnahme zitiert der Post folgendes:

Medizinische Behandlung bei Intersexualität

Beratung nur in interdisziplinären Kompetenzzentren
Regelmäßige Betreuung in unabhängigen Betreuungsstellen
Irreversible Maßnahmen sind Eingriffe in das Recht körperlicher Unversehrtheit:
- Höchstpersönliche Entscheidung daher grundsätzlich nur von entscheidungsfähigen Betroffenen
- Sonst nur nach unabweisbaren Gründen für das Kindeswohl, z.B. konkrete schwerwiegende Gefahr (erhöhtes Tumorrisiko)
Entscheidung für die Unterlassung von Eingriffen: Gleich hohe Anforderungen
Familiengericht einschalten bei widersprüchlichen Auffassungen

Pikantes Detail: In der DGE-Folien-Präsentation zur Ethikrat-Stellungnahme (PDF), auf die sich sowohl der aktuelle Post wie auch der vorherige im Anschluss an die DGE-Proteste letztlich beziehen, steht zuunterst nach einem Trennstrich weiter folgendes:

AGS-Betroffene: Geschlechtsangleichende Operationen nach Kindeswohl.
Bei Zweifel Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen abwarten.

Sprich, die Interpretation der Ethikratstellungnahme als Lizenz zum "gendergerechten" ungehemmten Weiterverstümmeln in den allermeisten Fällen, wie sie u.a. von Ethikrat-Intersex-Sprecher Dr. Michael Wunder stets öffentlich propagiert wird, und auch von Intersex-Genitalverstümmlerinnen wiederholt dankbar aufgegriffen wurde, z.B. von Prof. Dr. Dagmar L'Allemand-Jander oder Prof. Dr. Wieland Kiess.

Und zwar, obwohl eine solche auf die "Geschlechtsidentität" und sonstige "geschlechtertheoretische" Thesen fixierte Betrachtungsweise bekanntlich sämtlichen Gund- und Menschenrechten spottet, worauf Zwischengeschlecht.org und andere Betroffenenorganisationen seit langem hinweisen. Und was neulich in einer Anhörung vor dem Bundestags-Familienausschuss auch >>> Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) erneut unmissverständlich klarstellte:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab."

Und auch die (im Gegensatz zu derjenigen des Deutschen Ethikrates) von Betroffenenorganisationen weltweit ausdrücklich begrüsste und unterstützte (und auch in den aktuellen Bundestag-Anträgen angeführte) >>> Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE) stellte bekanntlich allein darauf ab, ob ein Eingriff auch wirklich medizinisch notwendig ist und damit zulässig – oder eben (wie in den allerallermeisten Fällen, was auch die Medizyner selbst oft genug einräumen) stattdessen psychosozial resp. kulturell indiziert und damit ein klarer Verstoss gegen die Menschenrechte der Betroffenen.

Meine 2 Cent: Bleibt zu hoffen, dass die taktische Zitat-Auswahl der DGE im diesjährigen Blogpost darauf schliessen lässt, dass zumindest unter den fortschrittlicheren Standesverbänden langsam ein Umdenken in die Gänge kommt.

Obwohl der Zeitpunkt dieser neuen Auswahl einmal mehr ein deutlicher Hinweis ist, dass die kosmetischen "Genitalkorrekturen" letztlich erst aufhören werden, wenn ein konkretes Verbot durchgesetzt ist – oder zumindest die Aussicht auf ein solches unübersehbar vor der Türe steht. Es ist noch ein weiter Weg ...

(Bild: Intersex-Protest + Offener Brief vor der DGE 2012 in Mannheim, 7.3.2012)

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
 

Sunday, May 19 2013

"Intersexuelle Menschen wollen selbst entscheiden" - SPD, 16.5.13

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Zwischengeschlecht.org on FacebookZur Bundestagsdebatte über ein Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen veröffentlichte die SPD-Arbeitsgruppe "Familie, Senioren, Frauen und Jugend" in der Rubrik "Kinder"
>>> eine Meldung (inkl. linksstehendem Bild von der ersten von Zwischengeschlecht.org organisierten Demo zum Auftakt von Christiane Völlings Zwitterprozess). Danke!

Ein Auszug:

In der Regel werden intersexuelle Menschen im Säuglings- und Kindesalter mehrfach Operationen unterzogen, damit sie zum Jungen oder zum Mädchen werden. Viele von ihnen leiden ihr ganzes Leben lang physisch und psychisch unter den Folgen dieser Operationen.

Menschenrechte von intersexuellen Menschen werden verletzt

[...] Intersexuelle Menschen dürfen nicht länger in ihren Menschen- und Bürgerrechten eingeschränkt und gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Nicht-Diskriminierung darf nicht weiter verletzt werden. [...]

Geschlechtszuweisende Operationen nur wenn Betroffene einwilligen

Zentrale Forderung des Antrages ist ein Verbot geschlechtszuweisender und -anpassender Operationen, wenn die Betroffenen noch nicht einwilligungsfähig sind. Danach soll eine stellvertetende Einwilligung der Eltern in irreversible, geschlechtszuweisende Eingriffe nur noch in lebensbedrohlichen Notlagen oder durch eine medizinische Indikation zulässig sein.

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen & Eingriffe

Positionspapier "Intersexualität" - Die Linke, 15.5.13

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Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen! - Aktion Dresden 23.09.2012Zur Bundestagsdebatte über ein Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen hat die Linksfraktion ihr >>> Positionspapier "Intersexualität" aufdatiert. Danke!

Ein Auszug:

Mit dem Bericht des Deutschen Ethikrats im Februar 2012 und einer öffentliche Anhörung im Familienausschuss des Deutschen Bundestags im Juni 2012 wurde nochmals deutlich, dass viele intersexuelle Menschen ohne ihre Einwilligung im Kindealter operiert wurden, um sie einem Geschlecht zuzuordnen. Dies hatte erhebliche physische und psychische Folgen bis hin zu Suiziden. [...]

Die Fraktion DIE LINKE [...] fordert im Wesentlichen:

  • eine umfassende Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzung und eine Entschuldigung des Gesetzgebers für das erlittene Leid
  • ein Verbot geschlechtsangleichender Operationen vor der Einwilligungsfähigkeit der Betroffenen sowie
  • einen unbürokratischen Fonds, um die Betroffenen von frühkindlichen Operation finanziell zu unterstützen.

(Bild: Intersex-Protest + Offener Brief vor der Universitäts-Kinderklinik Dresden, 23.9.2012)

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen & Eingriffe

"Intersex -Kinder gewaltsam einem Geschlecht zugeordnet" - Interview mit Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org), rdl 16.5.13

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Menschenrechte auch für Zwitter!

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>>> Gespräch mit yours truly im Morgenmagazin von Radio Dreyeckland über den ersten >>> "Welttag der genitalen Selbstbestimmung", die historische >>> US-Klage gegen Intersex-GenitalabschneidererInnen und die >>> Bundestagsdebatte über ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen & Eingriffe

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