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Sunday, May 25 2014

D > Neue Intersex-Leitlinie: Änderungen nur dank "massiver Anklagen von Betroffenen in der Öffentlichkeit" (Prof. Susanne Krege auf rbb)

«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UK Aachen 30.5.2011, im Hintergrund: Genitalverstümmlerin Prof. Dr. Med. Susanne KregeAachen, 30.05.2011: Protest + Offener Brief gegen "Ethik"-Vortrag von Susanne Krege (Pfeil)

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Heidi Walcutt: 'STOP Intersex Genital Mutilation!' (1997)Zwischengeschlecht.org on Facebook Schon in der kürzlichen >>> Pressemitteilung zur geplanten neuen AWMF-Leitlinie 174/001 "Störungen der Geschlechtsentwicklung" (Leitung: Prof. Dr. Susanne Krege, Krefeld, DGU; Prof. Dr. Felicitas Eckoldt, Jena, Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie DGKCH; PD Dr. Annette Richter-Unruh, Bochum, Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie DGKED) hatte Sprecherin Susanne Krege (nicht zum 1. Mal) öffentlich festgehalten: "Massive Proteste von Betroffenen gegen eine einst übliche frühzeitige Geschlechtsfestlegung auf dem OP-Tisch haben zu diesem Umdenken beigetragen."

In einem Interview auf rbb-Kulturradio vom 16.05.2014 09:10h unter dem Titel "Urologen für Toleranz gegenüber Intersexualität" (>>> Programmhinweis | >>> Download mp3 5.63 MB | >>> Vollständiges Transkript siehe unten) legte Krege nach (meine Hervorhebung):

Susanne Krege: "Ich möchte vielleicht eines klarstellen [...], also letztendlich ist die Diskussion von den Betroffenen selber ausgegangen, die vor einigen Jahren massiv in die Öffentlichkeit gegangen sind und angeklagt haben, wie ihre Verläufe waren. Und dann sind alle ein bisschen wach geworden, eben auch die beteiligten medizinischen Fachgesellschaften [...]."

Dies allen Intersex-Organisationen ins Stammbuch, die auch 2014 immer noch glauben, politische und gesellschaftliche Änderungen seien das Ergebnis von Kaffekränzchen-Mauscheleien und Hintertreppen-Geheimdiplomatie mit den GenitalverstümmlerInnen und den sie deckenden PolitikerInnen, AkademikerInnen und sonstigen MittäterInnen.

Statt von der Geschichte zu lernen durch einen Blick auf erfolgreiche gewaltfreie soziale Bewegungen (englisch PDF), z.B. auf die Frauenbefreiungsbewegung, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, oder z.T. die Abolitions-Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei:

"Die ganze Geschichte des Fortschritts menschlicher Freiheit zeigt, dass alle Zugeständnisse, die ihren hehren Forderungen bisher gemacht wurden, aus dem Kampfe geboren sind ... Ohne Kampf gibt es keinen Fortschritt. [...] Der Kampf mag ein moralischer sein [...], aber ein Kampf muss stattfinden. Macht gewährt keine Zugeständnisse ohne Forderungen. Sie hat es nie getan und wird es nie tun ..."   
Frederick Douglass
, ehemaliger Sklave und Abolitionist, 1857
>>> ganzes Zitat

Weiter konkretisierte Krege in der rbb-Sendung zum ersten Mal, ab welchem Alter kosmetische Genitaloperationen an Kindern "kurz vor oder zu Beginn der Pubertät" neu "legitim" sein sollen, nämlich "mit Zwölf oder Dreizehn". Weshalb dies immer noch klar illegal und menschenrechtswidrig ist, siehe Kritik hier.

Einige weitere unter GenitalabschneiderInnen & Co. beliebte Mythen, Märchen und weitere Ausflüchte im Interview:

 ÄrzteZeitung 'Professorin als Genitalabschneiderin beschimpft'

  • Der vielsagende Versprecher zur angeblichen Berücksichtigung von Betroffenen-Organisationen ("An dieser Leitlinie werden auch die Selbsthilfegruppen mitarbeiten – oder sie arbeiten schon mit, und ähm, so ist dieser Prozess entstanden.") Nun ist's ja unbestritten ein begrüßenswerter Fortschritt, wenn statt wie bisher lediglich 2 Eltern-Organisiationen (AGS-Eltern- und Patienteninitiative und XY-Frauen-Elterngruppe) neu auch noch Intersexuelle Menschen e.V. (IMeV) mit an Bord ist. Ob dadurch in der neuen D$D-Verstümmler-Leitlinie zumindest erstmals offiziell die "Minderheitsmeinung" verankert wird, alle Formen von IGM seien als Menschenrechtsverletzung unverzüglich einzustellen, wird sich zeigen. Zwischengeschlecht.org erhielt bisher von den Leitlinienverantwortlichen nie eine konkrete Rückmeldung – wohl nicht zuletzt, weil wir die bestehenden Leitlinien seit Jahren öffentlich, in den Medien und bei den MedizynerInnen direkt konkret und unmissverständlich kritisieren, ebenso in unseren Offenen Briefen an die betreffenden Deutschen MedizynerInnen-Standesorgansiationen (z.B. DGKJ/DGKCH 2010, DGKJ/DGKCH 2012, DGE 2011, DGE 2012, DGKED 2010, DGKED 2011, DGU 2012).

Das vollständige Transkript der Sendung von Nella findet ihr nach dem Break!

Siehe auch:
- Leitlinien-Interview mit Susanne Krege im Spiegel 22/2014 
- Vortrag Leitlinienverantwortliche F. Eckoldt 13.09.2014: "AGS möglichst früh operieren"

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report to the UN Committee on the Rights of the Child (CRC)
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>> Table of Contents 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGMs): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGMs – eine Genealogie der TäterInnen

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Tuesday, February 11 2014

Dokumentation IGM (nicht nur) in BW, Aktionsplan und Betroffenenumfrage

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Zwischengeschlecht.org on Facebook

Rundmail von Zwischengeschlecht.org vom 11.02.2014:

Liebe Freund_innen der Zwitterbewegung

In Baden-Württemberg läuft zur Zeit der Aktionsplan "Für Akzeptanz & gleiche Rechte" des Sozialministeriums, der auch Intersex berücksichtigt.

Zwischengeschlecht.org präsentiert dazu eine Dokumentation mit Informationen und weiterführenden Quellen in 2 Teilen:

  1. allgemein zu IGM (nicht nur) in Deutschland, inkl. einem historischen Abriss zu IGM & dem 20-jährigen Widerstand der Betroffenen
      
  2. spezifisch zur Situation in BW, inkl. einem Nachweis der gegenwärtigen Praxis in lokalen IGM-Kinderkliniken, öffentliche Kritik von Betroffenen in BW, und einer kritischen Würdigung des aktuellen Aktionsplans, des dazugehörigen "Netzwerk LSBTTIQ", sowie der noch bis Ende Monat laufenden Betroffenenumfrage

>>> Downloadlink zur Doku als PDF via Weblog Zwischengeschlecht.info 

Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis der Doku findet ihr am Schluss dieses Mails.

Wir rufen alle Betroffenen und Interessierten dazu auf, sich am Aktionsplan und der Umfrage zu beteiligen – damit in BW Öffentlichkeit und verantwortliche Behörden weiter über die andauernden Menschenrechtsverletzungen an Intersexen aufgeklärt werden!

Ein besonderes Anliegen ist uns die Sensibilisierung für Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) – leider sind auch in BW kosmetische Genitaloperationen an gesunden Kleinkindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen unverändert an der Tagesordnung – obwohl Betroffenenorganisationen seit 20 Jahren dringenden Handlungsbedarf anmahnen, und mitterweile auch UN, Europarat und namhafte Menschenrechtsorganisationen IGM als unmenschliche Behandlung und gravierende Menschenrechtsverletzung einstufen. Zudem war mit Prof. Bierich (Tübingen) einer der weltweit wohl unbeirrbarsten Verfechter von kosmetischen Klitorisamputationen lange in BW tätig – und wird bis heute jedes Jahr mit einem Preis geehrt.

Besonders liegt uns am Herzen, dass auch in BW die Dringlichkeit eines IGM-Monitorings anerkannt wird (unabhängige Erfassung und Offenlegung von Fallzahlen und Kosten aller Formen kosmetischer Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen, inkl. Pränatal"therapien" (Dexamethason) und selektive Abtreibungen; kontinuierliches Monitoring; historische Aufarbeitung), wie dies jüngst z.B. in Niedersachsen am 1. Fachtag "Intersexualität" des dortigen Sozialministeriums unterstrichen wurde.

Weil freiwillig und von selbst werden die betreffenden ÄrztInnen leider nirgends mit dem Verstümmeln aufhören ...

Gerne könnt ihr dieses Mail und die Doku auch an andere Interessierte weiterleiten.

Liebe Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

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DOKUMENTATION:
Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) in Baden-Württemberg

INHALT
Titel . . . . 1
Inhaltsverzeichnis und Triggerhinweis . . . . 2
Zwischengeschlecht.org: Wer wir sind, was wir tun . . . . 3
Was ist Intersex? . . . . 4
     “Uneindeutiges” Genital: “Praderstufen” . . . . 5
     Alle Menschen waren ursprünglich Zwitter . . . . 6
     “Die Intersexuellen” gibt es nicht . . . . 7
     Wie häufig ist Intersex? . . . . 8
     Bis heute werden 90% der Betroffenen genitalverstümmelt . . . . 9
Was sind Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)? . . . . 10
     IGM 1: “vermännlichende Genitalkorrekturen” . . . . 11
     IGM 2: “verweiblichende Genitalkorrekturen” . . . . 16
     IGM 3: Kastration + körperfremde Hormone . . . . 21
     Medizinische Zurschaustellungen . . . . 22
IGM & Widerstand: Historischer Überblick . . . . 23
     19. Jh: Kosmetische Klitorisamputationen an Mädchen . . . . 23
     Der Begriff “Intersex” . . . . 24
     NS-Diagnose “Intersexuelle Konstitution” . . . . 25
     1900–1945: Grundlagenforschung zur Auslöschung . . . . 26
     NS: Zwitter = biologisch minderwertig . . . . 26
     1945–heute: Medizinische Auslöschung . . . . 28
     Baltimore 1950: Beginn der systematischen Auslöschung . . . . 29
     Andrea Prader . . . . 30
     Jürgen Bierich (Tübingen): Klitorisamputationen . . . . 32
     1993–heute: Widerstand der Betroffenen . . . . 35
     2003: UN und Europarat fordern IGM-Verbot . . . . 37
IGM als “Rohmaterial” für Forschung und Politik . . . . 38
     Gender- und Queer Studies . . . . 39
     Geschlechter- und LGB(T)-Politik . . . . 40
     Projektion – oder Solidarität? . . . . 42
IGM in Baden-Württemberg . . . . 43
     Heidelberg . . . . 44
     Ulm . . . . 48
     Mannheim . . . . 49
     Stuttgart . . . . 51
     Freiburg . . . . 54
     Tübingen . . . . 55
Öffentliche Kritik Betroffener in Baden-Württemberg . . . . 60
     Ernst Bilke . . . . 60
     Luise Weilheim . . . . 62
Aktionsplan “Für Akzeptanz & gleiche Rechte”, Netzwerk LSBTTIQ . . . . 64
     Aktionsplan “Für Akzeptanz & gleiche Rechte” . . . . 64
     Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg . . . . 65
     Themengruppen und -Heft . . . . 67
     Onlinebefragung . . . . 70
     Was es konkret braucht . . . . 74

11th EMBL/EMBO Conference "From Biology to Behaviour", Heidelberg 06.11.2010

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

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>>> Dokumentation (PDF, 4.9 MB) inkl. einem Überblick zu den verschiedenen Formen von IGM, einem historischen Abriss zu IGM & Widerstand, einem Nachweis von Kliniken in BW, die IGM praktizieren, und einer kritischen Würdigung des gegenwärtigen Aktionsplans "Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg" und der Tätigkeit des "Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg".

>>> Hamburg: Kosmetische Klitorisamputationen bis mindestens 1976

>>> Tübingen: Live Genitalverstümmelungen 2005-2011
>>> Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
>>> Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 

Sunday, February 9 2014

Dokumentation: Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) in Baden-Württemberg

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>>> "IGM und Aktionsplan BW"  Rundmail von Zwischengeschlecht.org vom 11.02.2014 

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>>> Dokumentation (PDF, 4.9 MB) inkl. einem Überblick zu den verschiedenen Formen von IGM, einem historischen Abriss zu IGM & Widerstand, einem Nachweis von Kliniken in BW, die IGM praktizieren, und einer kritischen Würdigung des gegenwärtigen Aktionsplans "Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg" und der Tätigkeit des "Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg".

Mit Dank ans Frauenprojektehaus Tübingen, dessen Einladung die Erstellung der Dokumentation ermöglichte!

Nachfolgend das Inhaltsverzeichnis:

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Tuesday, January 21 2014

Olaf Hiort (D$Dnet): "In Deutschland keine kosmetischen OPs mehr" - Deutsche Welle, Hauspostille der Intersex-Genitalverstümmler ...

»Die meisten Fälle sind medizinisch keine Notfälle« Professor Olaf Hiort, Kinder- und Jugendarzt am Universitätsklinikum Lübeck(Apotheken-Umschau, 1.6.11)

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STOP Intersex Genital Mutilation!

Intersex-VerstümmlerInnen-und-VereinnahmerInnen-Bingo
– leicht gemacht mit Deutsche Welle und "D$Dnet":

 

In einem >>> englischsprachigen DW-Beitrag von heute darf Chef-Genitalverstümmler Prof. Dr. Olaf Hiort ("EuroD$D" / "D$Dnet", siehe unten) mal wieder unwidersprochen und unhinterfragt den altbekannten Medizyner-Mythos "Früher war es vielleicht schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert" zum besten geben:

 

"Wir führen keine irreversiblen Eingriffe durch, außer sie sind medizinisch notwendig. Wir lassen den Kindern die Möglichkeit, später selbst zu entscheiden."  Check.

Passend dazu kolportiert Deutsche Welle eingangs – Überraschung! – ebenfalls unreflektiert und unwidersprochen die altbekannte Medizyner-Statistiklüge von angeblich 1 Intersex-Kind "auf mehrere tausend Geburten". Check.

Obligaterweise gleich gefolgt vom – ebenfalls unwidersprochenen und unhinterfragten – Personenstand-Märchen, Eltern hätten in Deutschland neuerdings die angebliche "Option, das Geschlecht ihres Kindes in der Geburtsurkunde und anderen offiziellen Dokumenten offen zu lassen". Check.

Logisch darf da auch die typische, vereinnahmende Überbewertung von Gender a.k.a. Geschechtsidentität nicht fehlen: "Gender ist keine männlich-weibliche Binarität, sondern ein Kontinuum". Check.

Selbstredend werden auch die Betroffenen von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) im Kindesalter – bekanntlich mit 90% die große Mehrheit aller Intersexe – kurzerhand ausgeblendet und unsichtbar gemacht: Im ganzen Beitrag werden sie nicht einmal erwähnt!

Die einzige Betroffene, die erwähnt wird und zu Wort kommt, ist (O-Ton Deutsche Welle) "der echte Hermaphrodit mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen" Maya Posch, von der es im Beitrag – folgerichtig gleich im Anschluss an das oben zitierten "heute-keine-OPs-mehr"-Dementi von Olaf Hiort – abschließend heißt: "Maya Posch hatte bereits eine Operation zur Entfernung der Hoden. Die Kastration erlaubt ihr auf Testosteronblocker zu verzichten. Aber ihre Vagina und ihren Penis wird sie behalten."  BINGO!!!

Meine 2 Cent: Bei der Deutschen Welle hat es bekanntlich Tradition, dass Intersex-GenitalverstümmlerInnen dort unwidersprochen und unhinterfragt ihre kruden Ansichten und Desinformationen zum Besten geben dürfen (vgl. z.B. PD Dr. Heiko Krude, 16.05.2011), und dass der Kampf der Betroffenen um körperliche Unversehrtheit als "Geschlechtszuweisung-Anliegen" von "Gender-Recht-AktivistInnen"  diffamiert wird (vgl. Bericht über den "Kölner Zwitter-Prozess" von Christiane Völling, 12.12.2007). 

Der heutige Beitrag zeigt lediglich (einmal mehr): Egal wie unter aller Sau und verletzend der letzte Beitrag bereits war – es geht immer nochmals etwas tiefer unter die Gürtellinie auf Kosten der Betroffenen von IGM – die VerstümmlerInnen und VereinnahmerInnen danken's ...

Der Mut von Maya Posch, öffentlich mit ihrer Geschichte hinzustehen, hätte definitiv einen besseren Beitrag verdient!

Was auch immer die Ausrede der Autorin Diana Fong und des Redaktors Zulfikar Abbany sein mag – würde ihnen mal an den eigenen Genitalien ungefragt etwas rumgeschnibbelt, würden sie wohl umgehend diesbezüglich gewissenhafter recherchieren – wetten?!

Weit hätten Fong und Abbany dazu gar nicht suchen müssen – z.B. in der Beschreibung von Olaf Hiorts neuestem Multi-Millionen-Verstümmler-"Forschungs"projekt "D$Dnet" heißt's unverblümt:

"Kinder mit DSD kommen mit Genitalien auf die Welt die von atypisch bis wahrhaft uneindeutig reichen können und der Prozess der Geschlechtszuweisung kann für Familien und Mediziner zu einer extremen Herausforderung werden. Häufig werden mehrfache chirurgische Eingriffe zwecks Rekonstruktion der Genitalien zu einem männlichen oder weiblichen Erscheinungsbild durchgeführt. Die Gonaden [d.h. Hoden, Eierstöcke oder Mischgewebe] werden häufig entfernt zur Vermeidung [angeblicher] bösartiger Entartungen." (>>> "DSDnet: Memorandum of Understanding" - PDF S. 4)

>>> Olaf Hiort: Intersex-Genitalverstümmelungen "der übliche Weg - wegen den Eltern"
>>> Olaf Hiort: IGM - "Erwachsene Betroffene haben kein Recht zu kritisieren"
>>> Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil kosmetischer GenitalOPs in Kinderkliniken
>>> Olaf Hiort: Intersex-Genitalverstümmelungen "durchaus im Interesse der Betroffenen"
>>> Olaf Hiort: "Keine Qualitätskontrollen" bei Intersex-Genitalverstümmelungen"

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Wer sind die TäterInnen? Was soll mit ihnen geschehen?
>>> IGM – eine Genealogie
 

Sunday, January 19 2014

Niedersachsen: Unterstützung für Intersex-Selbsthilfe - wann kommen Offenlegung, Aufarbeitung und Monitoring der Verstümmelungen?

Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "APE-AGPD 2010", Augsburg 5.11.

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Genitalverstümmelungen stoppen!Zwischengeschlecht.org on Facebook

Am 1. niedersächsischen Fachtag "Intersexualität" gab's gute Neuigkeiten: Das Bundesland wird – als allererstes in Deutschland – die Selbsthilfe mit vorerst 40'000 Euro finanziell unterstützen. Ähnliches gab es bisher nur in Holland, wo die Selbsthilfe noch großzügiger auf Bundesebene unterstützt wird. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Beispiel vermehrt Schule machen wird.

Emanzipatorische, von erwachsenen Betroffenen geführte Selbsthilfegruppen mit angegliederten oder assoziierten Elterngruppen können (im Gegensatz zu medizynerdominierten und -finanzierten "Eltern und Patienteninitiativen"!) einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Eltern von vorschneller Einwilligung zu medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen kosmetischen Genitaloperationen an ihren gesunden Kindern zu schützen. Staatliche Unterstützung emanzipatorischer Selbsthilfegruppen ist längst überfällig und ein erster wichtiger Schritt. Solange jedoch nicht gleichzeitig auch konkret etwas getan wird, künftige Verstümmelungen in den Kinderkliniken zu unterbinden, wird ein solcher erster Schritt diesbezüglich nicht viel mehr als nachträgliche Pflästerchenpolitik bleiben.

Niedersachsen: Bis zu 100 Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) jährlich!

Um Intersex-Verstümmelungen – abgesehen von einem bundesweiten gesetzlichen Verbot – konkret zumindest einzudämmen, fordern Betroffenenverbände bei allen, die überhaupt wollen, seit Jahr und Tag:
Offenlegung von Statistiken der Verstümmelungen (inkl. Kosten),
kontinuierliches Monitoring durch unabhängige Dritte unter Mitwirkung von Betroffenenorgansiationen,
historische Aufarbeitung inkl. Verbindungen zur NS-Medizyn.

Umso erfreulicher, dass am Fachtag im Workshop 3 "Menschenrechte" der weitere Handlungsbedarf als 1. Punkt genau so konkretisiert wurde unter den Stichworten "Datenerfassung und Monitoring", und dass Sozialministerin Cornelia Rundt in ihrer Einführungsrede auch explizit die Verbindungen zur NS-Zeit ansprach (vgl. Liveblog). Allerdings konnte der Beauftragte der Ministerin, Hans Hengelein, auf Anfrage wegen Überlastung keine konkreten Zeiträume nennen, wann ein solches Monitoring implementiert würde.

Eine Erfassung und Offenlegung ALLER kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen wäre umso wichtiger, weil sich so schnell zeigen würde, dass die am Fachtag genannten Zahlen (30 betroffene Kinder pro Jahr in Niedersachsen, davon jedoch nur 14 bei Geburt aufgrund eines "uneindeutigen Genitales" erkannt) alles andere als die Realität der konkreten, verstümmelnden Eingriffe im Bundesland wiedergeben.

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Laut weisse-liste.de (PDF) werden aktuell allein in Hannover im Kinderkrankenhaus Auf der Bult jährlich 42 "vermännlichende" kosmetische "Hypospadiekorrekturen" an gesunden Kindern durchgeführt, sowie 32 in der Kinderchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Und laut Qualitätsbericht 2008 (PDF, S. 391) allein in  Göttingen weitere 26 "Hypospadiekorrekturen".

Weitere niedersächsische Kliniken, die kosmetische Genital-OPs an Kindern mit "atypischen Genitalien" anbieten und praktizieren, stehen u.a. in Bochum, Celle, Hildesheim, Osnabrück und Wolfsburg.

Somit würde durch Offenlegung und Monitoring kosmetischer Eingriffe an betroffenen Kindern schon auf den 1. Blick klar, dass die immer noch oft genannte Medizyner-Vertuschungsschätzung "1 Intersex-Kind auf 2000 Neugeborene", auf welcher auch die am Fachtag genannten Zahlen basieren, kein Indikator für in den Kinderkliniken insgesamt praktizierte Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) sein können (was Betroffenenverbände seit Jahrzehnten kritisieren – ISNA rechnete mit 1-2 IGM pro 1000 Neugeborene –, und auch die VerstümmlerInnen selbst immer mal wieder unumwunden einräumen).

Kommt dazu, dass bei kosmetischen "verweiblichenden" Intersex-Genitalverstümmelungen (u.a. "Klitorisreduktionen" und "Vaginalplastiken") wegen unpräziser Erfassung in den OPS-Prozedurnummern keine präzisen Fallzahlen abgeleitet werden können (und diese in den Qualitätsberichten gar nicht angegeben sind, da dort oft nur die 10 häufigsten Eingriffe auftauchen), so dass bisher wenn überhaupt, dann nur aufgrund von parlamentarischen Anfragen begrenzt konkrete Zahlen publik werden. Dito bei Kastrationen/"Gonadektomien"/Hysterektomien"/(Sekundären) Sterilisierungen.

Kaum je öffentlich bekannt werden bisher Zahlen für selektive (Spät-)Abtreibungen bei pränataler Intersex-Diagnose sowie bei pränatalen Dexamethason-"Therapien" bei Verdacht auf AGS/CAH – letztere werden bekanntlich oft nicht mal der "zentraln Meldestelle" rapportiert.

Umso wichtiger, dass (nicht nur) in Niedersachsen der Ruf nach Offenlegung, Aufarbeitung und Monitoring der andauernden Intersex-Genitalverstümmelungen und weiteren Zwangsbehandlungen nicht vorschnell wieder verstummt, sondern stetig lauter wird! Weil "von selbst" wird sich leider weder in Niedersachsen noch sonstwo so schnell etwas an der Tatsache der täglichen menschenrechtswidrigen Genitalverstümmelungen von wehrlosen Kindern mit "atypischen Genitalien" etwas ändern ...

>>> LIVEBLOG 1. Niedersächsischer Fachtag "Intersexualität", Hannover 14.01.2014 
>>> Pressespiegel 1. Niedersächsischer Intersex-Fachtag 

>>> Hannover, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Göttingen, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Bochum, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

Tuesday, January 14 2014

LIVEBLOG "1. Niedersächsischer Fachtag 'Intersexualität'", Hannover 14.01.2014

Bild: Am livebloggen aus dem "Haus der Jugend" auf SAT 1 Regional, 14.01.2014

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Intersex-Genitalverstümmelungen stoppen! Yours truly a.k.a. Markus Bauer ist für Zwischengeschlecht.org in Hannover und wird für diesen Blog live vom Fachtag berichten.
>>> PM Zwischengeschlecht.org 13.01.2014  
>>>
Programm der Veranstaltung
>>> heutige PM des Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration 

>>> Göttingen, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Bochum, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Hannover, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

16:24  Zum Ausklang singt Hermaphrodit Müller Zwitterlieder – und ja, jetzt kommt's: "Kann ein Zwitter Sünde sein? Darf ihn niemand kennen? Ach, das wäre schad. [...] Ach, das wäre dumm. [...] Niemand darf den Zwitter morden!" :-)

16:22  Verabschiedung durch Hans Hengelein: Persönliche Parallele: Kinderlähmung – hatte sich mit 14 aus der medizinischen Autorität emanzipiert und nur noch in Anspruch genommen, was er auch brauchte. Bezüglich Fortbildung gar keine Hilfe erhalten. 2 physiotherapeutische Schulen in den 70er Jahren – Kinder werden zwischen Therapietheorien zerrieben. Was ist Normalität? Es braucht Beratung auf Augenhöhe. Dankt für interessante Diskussionen. Hofft auf interdisziplinären Ansatz für Zukunft.

16:15  Zusammenfassung Workshop 1 "Was intersexuelle Kinder und ihre Familien brauchen". Wichtigste Punkte:
2. ZEIT
3. Fortgebildetes Fachpersonal (Hebammen, Psycholog_innen, Ärzt_innen)
4. Beratungsangebote, die individuellen Bedürfnissen gerecht werden (Peerberatung, psychologische Beratung, Printmedien)
[Wer definiert Kindeswohl?]

16:05  Zusammenfassung Workshop 2 "Medizinische Versorgung: Wie viel Behandlung ist nötig und ethisch und medizinisch vertretbar? Positionssuche nach der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates". Die wichtigsten Punkte:
- Welche Normalitätsbegriffe sind in der Medizin vorherrschend? Spannbreite gesund—krank? Wie wird das in der Ausbildung vermittelt.
- In welchem Lenbensalter spielt Medizin eine Rolle (Geburt, Pubertät, Erwachsenenalter).
- Einbezug von Selbsthilfegruppen und Interdisziplinären Teams in Beratung. Nachtrag Diskussion: Peer Support muss Betroffene beinhalten, nicht nur Eltern.
- Einwilligungsfähigkeit abwarten/herstellen, OPs nur bei aktueller medizinischer Notwendigkeit.
- Dialog fortsetzen.

15:50  Zusammenfassung Workshop 3 "Menschenrechte" [mit Ergänzungen von yours truly in eckigen Klammern]. Die 5 wichtigsten Punkte:
1. Körperliche Unversehrtheit – keine [medizinisch nicht notwendige] OP ohne Einwilligung der Betroffenen. Vergangenheit muss aufgearbeitet werden: Datenerfassung und Monitoring! [Wer ist politisch zuständig für Krankenhäuser? Wer finanziert die Operationen? Wie können solche Daten endlich seriös erfasst und offengelegt werden?]
2. Personenstandrecht weiter verbessern.
3. Bildungsbedürfnis besteht.
4. Diskriminierung on Intersexen im Leistungssport. [Beispiele aus Niedersachsen: Diskriminierung im Sport: Niedersachsen CAIS Handballerin (gonadektomiert), sollte in Länderliga aufgenommen werden, musste zu Geschlechtstest antreten, war so demütigend, dass sie in Kreisliga zurückging. Kleiner Mann (Klinefelter) wurde aus Fussballverein ausgeschlossen.]
5. Debatte um Konflikte bei Grundrechten [ging mehr allgemein um Geschlecht und weniger um Intersexe].

15:40  Gleich geht's mit ein bisschen Verspätung weiter mit den Berichten aus den Workshops.

13:50  Es geht nun in die Workshops, Bericht folgt.

13:44  Fragerunde an Lucie Veith: Frage Claudia Lohrenscheidt: Was sind die Selbsthifestrukturen, wie soll das Geld verwendet werden? Antwort Veith: Peer Support bis heute immer ehrenamtlich. Möchten 2 Teilzeitstellen schaffen (mobiles Team), Onlineberatung, Selbsthilfetreffen. Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org): Die Homeage der hiesigen Kinderchirurgie behauptet unter Angeborene Fehlbildungen bei Früh- und Neugeborenen: "Deshalb pflegen wir den Kontakt zu den entsprechenden Selbsthilfegruppen und stellen ihn rechtzeitig her." Hat der Verein Kontakte zur hiesigen Klinik, gibt es Anfragen? Lucie Veith: Keine Kontakte, das Schutzbehauptungen. Es gibt aktuell einen tiefen Graben. Frau Caluich (?), Jugendamt: Kontakte zu Kommunen? Veith: Thema oft gar noch nicht angekommen, baucht Informationen.

13:34  Lucie Veith (Intersexuelle Menschen e.V.) dankt den anwesenden VertreterInnen von Regierung und Parlament. Intersexe werden in der Ganzen Bundesrepublik diskrimniert – auch in Niedersachsen. 30 Intersex-Neugeborene pro Jahr in Niedersachsen, 14 davon mit "uneindeutigem" Genitale. Bis zum heutigen Tage werden operationen ohne medizinische Notwendigkeit durchgeführt, mit lebenslangen Folgen dieser "Verstümmelungen". Fordert Wandel und Kontrolle zur Beendigung dieser Menschenrechtsverletzungen. Erklärt sexuelle Differenzierung. Intersexe leben oft unerkannt und werden unsichtbar gemacht. Erwähnt PStG 22(3) – was ist mit den Intersex-Kindern, die bei der Geburt nicht erkannt werden, mit denen, die vor dem 1.11.13 geboren wurden, was ist mit den verstümmelten Erwachsenen? Laut BGB haben Eltern kein Recht, in eine Verstümmelung ihrer Kinder einzuwilligen – warum wird das zugelassen? International werden die Behandlungen als unmenschlich bewertet (Sonderberichterstatter über Folter). Verpflichtungen der UN gegenüber der BRD müssen auch in Niedersachsen umgesetzt werden. Intersexe sind gleichberechtigte BürgerInnen inkl. Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Eine bloße Willenserklärung der Landesregierung reicht nicht aus. Mind. 2 Kinder pro Monat verlieren in Niedersachsen ihre körperliche Atonomie. Es braucht Aufklärung. Es braucht Beratung der Betroffenen sowie An- und Zugehörigen durch Menschen, die in den gleichen Schuhen stehen (Peer Support). Hat Elisabeth Müller inen Anspuch, mit "Hermaphrodit" angesprochen zu werden? Was ist mit Geschlechtergerechtigkeit für Intersexe? Was ist mit den Opfern der Zwangsbehandlungen? Fordert Aufarbeitung in den Universitäten, in Justiz und Politik, damit Gerechtigkeit hergestellt wird. Fordert ein sofortiges Ende der Operationen. Intersexe wollen keinen Sonderstatus, sondern Gleichberechtigung und Schutz vor Übergriffen.

13:06  Sozialministerin Cornelia Rundt hielt fest, dass das Thema immer noch wenig Raum im öffentlichen Bewusstsein hat. Erwähnt das Preussische Landrecht - "waren schon mal weiter". Spricht von einer "bleiernen Zeit", wollen beitragen, diese zu überwinden. Erwähnt Verbindungen zur NS-Medizyn. Zitiert Heinz-Jürgen Voß, dass das Verprechen der Medizyn, "unaffällige Genitalien" herzustellen um Kinder vor Hänseleien zu schützen, in der Praxis oft nicht eingelöst wird. Erwähnt 40'000 Euro Förderung für Selbsthilfegruppen, die auch auf den Koalitionsvertrag zurückgehe, Niedersachsen sei das erste Land, das Intersex Peer Groups unterstütze. Erwähnte abschließend, dass das Grundgesetz und Würde auch für Intersex-Menschen gelten muss, hofft einen Wandel auch der medizinischen Praxis einzuleiten.

12:50  Der Saal ist gut gefüllt mit ca. 80 TeilnehmenrInnen und mehreren Presseteams. Nach einem Grußwort von Hans Hengelein bringt nun Hermaphrodit Elisabeth Müller Klassisches am Flügel (den Publikumsliebling "Kann ein Zwitter Sünde sein?" also nicht, aber zum Schuss der eranstaltung hat sie einen 2. Auftritt mit "Zwitterliedern"). Hans Hengelein, der Ansprechpartner des Sozialministriums für Schwule, Intersexe und Transmenschen hielt fest, dassdie heutige Fachtagung nur ein Anfang sein soll. Laut der PM des Sozialministeriums will das Land die Selbsthilfe mit 40'000 Euro unterstützen.

>>> Pressespiegel 1. Niedersächsischer Intersex-Fachtag
>>> IGM in NDS: Wann kommen Offenlegung, Aufarbeitung und Monitoring?

>>> Hannover, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>>
Göttingen, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Bochum, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Intersex Genital Mutilations (IGM) – eine Genealogie der TäterInnen 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben  

Friday, December 20 2013

"Zwangsgeoutet" - Ins A Kromminga (OII) zum Personenstand-Murks, Siegessäule 12/2013

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Gelungener Artikel von Caroline Ausserer mit Ins A Kromminga (OII Deutschland/IVIM) zum Personenstand-Murks (§ 22(3) PStG) in der Dezember-Ausgabe des Berliner Queer-Magazins Siegessäule.

Ins bringt Klartext, ebenso der redaktionelle Teil des Artikels:

"Das ist Flickschusterei", sagt Ins A Kromminga [...]. "Während es bisher theoretisch unbegrenzt möglich war, den Geschlechtseintrag offen zu lassen [§ 7 PStV], so ist dieser Nichtstatus nun verpflichtend und wird in der Geburtsurkunde festgeschrieben. Dies führt unserer Meinung nach zu einer verstärkten Sigmatisierung und zu einem Zwangsouting." [...] [Es] besteht die Gefahr, dass die Neuregelung Eltern und ÄrztInnen dazu bringen kann, alles zu tun, um ein "uneindeutiges Kind" zu vermeiden. [...] Das neue Gesetz ändert auch nichts daran, dass die Praxis der operativen Eingriffe im Säuglingsalter ohne medizinische Notwendigkeit weiterbestehe. [...] Zahlreiche Anträge der Opposition zur Stärkung von deren Rechte [inkl. Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen] hatten im Deutschen Bundestag im Juni 2013 keine Mehrheit gefunden. "Die Änderung im Personenstandsgesetz ist bislang die einzige von insgesamt 22 Empfehlungen des Ethikrats, die umgesetzt wurde", kritisiert Kromminga. Vier der Empfehlungen betrafen das Personenstandsgesetz, rund 18 hingegen die medizinische Behandlung. "Zunächst müssen die nicht eingewilligten Eingriffe verboten werden, dann das gesetzliche Umfeld an die Gesetzesänderung angepasst werden", betont Kromminga.

Dafür an an Ins A Kromminga, OII/IVIM und die Siegessäule-Autorin Caroline Ausser von diesem Blog ein ganz herzliches Dankeschön!

>>> Überblick zum Intersex-Personenstand-Murks: Medienmärchen und Wirklichkeit

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:
- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 24.11.2011: 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte - Protokoll und Videos 
- 25.06.2012: Öffentliche Anhörung Familienausschuss - Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll + Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen
- 12.06.2013: 5 Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot von Intersex-Verstümmelungen 
- Bundestag 27.06.2013: CDU/CSU + FDP = Lizenz zum ungestört Weiterverstümmeln
- 27.11.2013: CDU/CSU-SPD-Koalitionsvertrag Freibrief für Intersex-VerstümmlerInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 
 

Sunday, November 3 2013

"Das dritte Geschlecht" - Interview mit Daniela "Nella" Truffer, Hannoversche Allgemeine Zeitung etc. 31.10.2013

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Gelungener Artikel von Nina May (PDF, 300kb) zum Personenstand-Murks, prominent auf S. 3 im ersten Bund der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Hallo, Prof. Dr. González!), sowie zusätzlich im Mantel-Teil von Leipziger Volkszeitung (Hallo, Prof. Dr. Kiess!), Dresdner Neueste Nachrichten (Hallo, Uniklinikum und TU!), Märkische Alllgemeine Zeitung, Kieler Nachrichten (Hallo, Netzwerk D$D!), Lübecker Nachrichten (Hallo, EuroD$D!), Ostsee-Zeitung, Göttinger Tageblatt (Hallo, Prof. Dr. Ringert!), Neue Presse und Oberhessische Presse Marburg (Hallo, Uni und Kinderklinik!). 

Der Hauptartikel enthält ein längeres Interview mit Daniela "Nella" Truffer, Mitbegründerin der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org. Nella bringt erneut Klartext und bezeugt schonungslos das Unrecht der Zwangsoperationen, verschweigt aber auch die Schattenseiten von entschlossenem Intersex-Aktivismus nicht.

In einem Kasten zum umstrittenen neuen § 22 (3) PStG kommen weiter Ulrike Klöppel und Thoralf Mosel der Berliner Vereine OII/TrIQ zu Wort. Klöppel hebt hervor, dass weiterhin die Medizin die Definitionsmacht behält, und Mosel warnt eindringlich vor den Folgen des stigmatisierenden neuen Zwangs-"Nicht-Eintrags":

„Die Angst davor könnte Eltern und Ärzte darin bestärken, ein uneindeutiges Kind um jeden Preis zu vermeiden“, sagt er. „Was nicht passt, wird passend gemacht. Deshalb fordern wir ein Verbot von kosmetischen Operationen im Säuglingsalter.“

Der Autorin und allen Beitragendem von diesem Blog ein ganz herzliches Dankeschön!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Intersex-Verstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
>>> Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen

Friday, November 1 2013

01.11.2013: Nach Intersex-Personenstand-Murks – CDU/CSU auf ewig Partei der GenitalverstümmlerInnen?

"Alle Jahre wieder": Friedlicher Protest vor dem Universitäts-Kinderspital Zürich, 31.10.2013

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 01.11.2013:

Das aktuelle Medienecho zur Personenstandsnovelle § 22 (3) PStG unterstreicht:

  • Ängste und Kritik der Betroffenen sind berechtigt.
  • CDU/CSU werden sich bald entscheiden müssen: Entweder ihr Wahlversprechen "für ein Verbot von unnötigen geschlechtszuweisenden und -anpassenden Operationen" (Ds 17/14014, S. 12) rasch umsetzen – oder als Partei der ewiggestrigen Intersex-GenitalverstümmlerInnen in die Geschichte eingehen ...

  
1.  Von wegen Selbstbestimmung: "Ärzte werden entscheiden"

Intersex-Organisationen kritisieren durchs Band: Das neue Gesetz schafft statt den versprochenen Erleichterungen letztlich neue Zwänge für Betroffene und Eltern.

Und warnen: Die vermurkste Formulierung verstärkt die Machtposition der Medizin, erhöht den Druck auf überforderte Eltern, und führt ohne zusätzliche Leitplanken – statt wie versprochen zu mehr Selbstbestimmung – in der Praxis für Betroffene gar zu erneutem Anstieg der menschenrechtswidrigen Intersex-Genitalverstümmelungen.

Prompt bestätigen Recherchen von heute.de zur aktuellen "rechtliche[n] Lage":

"Wer über die Zuordnung entscheidet, ist noch offen – Entwürfen zufolge wohl Arzt oder Hebamme, sagt Manfred Neumann vom Fachverband der Standesbeamten Baden-Württemberg."

Wer jemals mit einer Hebamme sprach, weiß: Sobald ein Weißkittel von einem "uneindeutigen" Kind erfährt (was in den allermeisten Fällen unausweichlich ist), hat die Hebamme nichts mehr zu melden – Hebammen sind regelmäßig entsetzt über das unmenschliche Verhalten der Medizin, aber in der Praxis machtlos (vgl. z.B. Stellungnahme des Deutschen Hebammenverbandes DHV an den Deutschen Ethikrat vom Juni 2011).

2.  CDU/CSU: Menschenrechte predigen, Genitalverstümmelungen praktizieren

Während CDU/CSU-PolitikerInnen auf geduldigem Papier und in endlos wiederkehrenden "Fachgesprächen" das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit gewährleistet sehen will, ist die CDU/CSU-Fraktion inzwischen die letzte verbliebene Bastion der Intersex-VerstümmlerInnen:

Nicht nur blockierte die CDU/CSU im Bundestag gesetzgeberische Maßnahmen gegen kosmetische Genitaloperationen an betroffenen Kindern ebenso wie historische Aufarbeitung etwa der bis in die 1980er-Jahre üblichen kosmetischen Klitorisamputationen, als letzter Dinosaurier leugnet sie stur das erwiesene Andauern der Verstümmelungen.

Demgegenüber zeigt die aktuelle Medienberichterstattung unmissverständlich, dass die Zeit nicht stehen bleibt – immer mehr ExpertInnen äußern sich mit vorher nie gehörter Dringlichkeit, was Betroffene Hoffnung schöpfen lässt:

  • Michael Wunder (Deutscher Ethikrat) spricht vom "Unrecht, das diese Menschen erlebt haben und – ich bedaure das sehr, das sagen zu müssen – bis heute erleben". Und: "Ich erwarte natürlich, um das [m]al ganz aktuell zu sagen, von der neuen Bundesregierung, dass in diese Debatte nochmal neu Schwung kommt, weil die Argumente sind alle auf dem Tisch und es fehlt jetzt nicht mehr an Untersuchungen, an wissenschaftlichem Unterbau, jetzt fehlt es an politischer Durchführung."

  
Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0)76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Das Medien-Märchen vom angeblichen "3. Geschlechtseintrag" in Deutschland

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
>>> Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen

Friday, October 25 2013

"Intersex: Neuer Geschlechtseintrag in Deutschland" (Spiegel, Huff Post, Guardian, etc.) - Saure-Gurken-Fantasien vs. Wirklichkeit der Genitalverstümmelungen

>>> English 

Protest + Übergabe des Offenen Briefes an die "Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)"

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Heidi Walcutt: 'STOP Intersex Genital Mutilation!' (1997)

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"Deutschland: Geschlechtseintrag 'unbestimmt' ab 1. November wählbar", behaupten Spiegel (16.08.), Huffington Post (17.08), rt.com (17.08.), Guardian (18.08.), Guardian (19.08.), etc.

Diese (und weitere) Behauptungen beruhen allerdings nicht auf Fakten, sondern auf hypothetischen Spekulationen.

Dieser Blog fragt: Wann endlich werden Intersex-Genitalverstümmelungen nicht mehr ausgeblendet – und kommen bei Artikeln zum Thema auch Betroffene und ihre Organisationen Wort?

 
           Über Intersex berichten: Aufruf zu Fairness und Faktentreue
 
           Fakt 1: Neues Intersex-Gesetz § 22 (3) PStG: Stigmatisierendes Verbot, KEINE "Option"
           Fakt 2: Betroffenenorganisationen kritisieren § 22 (3) PStG einhellig und deutlich
           Fakt 3: Staatliche 'Lizenz zum Weiterverstümmeln' – trotz UN-Kritik wegen Folter

Fakt 1: Am 31.01.2013 beschloss der Deutsche Bundestag einen Zusatz im Personenstandsgesetz, den neuen § 22 (3) PStG, wonach künftig bei körperlich "uneindeutigen" Neugeborenen kein Geschlechtseintrag mehr zuzulassen sei – letztlich ein diskriminierendes und stigmatiserendes Verbot für "uneindeutige" Neugeborene, ein Geschlecht eintragen zu dürfen:

PStG § 22 Abs. 3 [neu]: „(3) Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.“

(Entgegen der Behauptung in den obigen Artikeln, der Absatz basiere auf einer "Empfehlung des Bundesverfassungsgerichts", hat sich das BVG betreffend Kinder mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen bisher nie geäußert. Wie im – von obigen Artikeln als Quelle angegeben – Bericht der Süddeutsche Zeitung (16.08.) festgehalten, zielt der neue § 22 (3) PStG auf Intersex-Kinder, und basiert laut Verlautbarungen aus dem Bundestag (u.a. Familienministerin Schröder) auf den Empfehlungen des Deutschen Ethikrates in dessen Intersex-Stellungnahme von 2012. Weder im Gesetzestext noch im Parlament wurde ein "3. Personenstand" erwähnt – davon war ausschließlich in Spekulationen und Wunschträumen obiger JournalistInnen und "ExpertInnen" die Rede. Das einzige, was in den obigen Berichten zutrifft, ist die Tatsache, dass der neue § 22 (3) PStG am 1. November in Kraft tritt.)

Fakt 2: Betroffenenorganisationen kritisieren § 22 (3) PStG seit Monaten einhellig und deutlich:
• Weblog Zwischengeschlecht.info:  31.01.2013  03.02.2013  09.02.2013
• Zwischengeschlecht.org: Pressemitteilung 01.02.2013  [français 01.02.2013]
   Pressemitteilung 03.02.2013  Pressemitteilung 20.08.2013  11.09.2013
  [english press release 22.08.2013]  [english, Markus Bauer 30.11.2013] 
   31.10.2013) [1]  31.10.2013 [2]  Pressemitteilung 01.11.2013 
   [english, Daniela Truffer 01.11.2013]  + viele mehr
• Intersexuelle Menschen e.V.:  05.02.2013  31.10.2013  [english, Lucie Veith 01.11.2013]
   [Simon Zobel, Michaela Raab] 04.11.2013  [dito français 04.11.2013]  + viele mehr
• IVIM / OII Deutschland: Pressemitteilung 07.02.2013  [english 15.02.2013] 
   [français (19.08.2013)]  31.10.2013  + einige mehr
• OII Australia:  20.08.2013 [english]
• OII Frankophonie:  20.8.2013 [français]  
• Hida Viloria (OII USA):  04.11.2013  06.11.2013  

Keine Betroffenenorganisation hat je die Einführung einer obligatorischen "3. Kategorie" für alle Betroffenen gefordert, erst recht nicht für Intersex-Kinder, geschweige denn, dass ihnen nicht mehr erlaubt sein soll, als männlich oder weiblich eingetragen zu sein. Im Gegenteil, Betroffenenorganisationen sprechen sich seit Jahrzehnten gegen solche Forderungen aus und kritisieren Vereinnahmung – und zwar aus guten Gründen:

Der neue § 22 (3) PStG bedeutet für Betroffene: Zwangsouting für Intersex-Kinder – Freipass für Genitalverstümmler.

§ 22 (3) PStG verstärkt die Machtposition der Medizin, Eltern noch mehr unter Druck zu setzen, weiterhin Kinder verstümmeln zu lassen, oder wegen "Unzumutbarkeit" selektiv spätabzutreiben.

Fakt 3: Am 27.06.2013 erteilte der Bundestag den GenitababschneiderInnen offiziell die Lizenz zum ungestörten Weiterverstümmeln – obwohl 2012 der UN-Folterausschuss CAT die Bundesrepublik explizit aufforderte, kosmetische Genitaloperationen an Intersex-Kindern zu untersuchen und Überlebende gesetzlich zu entschädigen (CAT/C/DEU/CO/5, Abs. 20), und obwohl 2013 der UN-Sonderberichterstatter über Folter "genital-normalisierende Zwangsoperationen" und "Sterilisierung" an "Kindern, die mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kommen" unmissverständlich verurteilte (A/HRC/22/53, Abs. 77, 76) [und ebenso wie 2013 der Europarat gesetzgeberische Maßnahmen forderte zur Beendigung von "unnötigen medizinischen oder chirurgischen Behandlungen [...], die kosmetisch sind, statt gesundheitlich lebenswichtig"  (Resolution 1952)] ...

DAS ist (nicht nur) in Deutschland die Realität der Betroffenen – NICHT Gender-Fantasien um eine "neue Kategorie «unbestimmt»" als "wichtiger Schritt zur Anerkennung der freien Geschlechtswahl".

Wir rufen JournalistInnen und Medien dazu auf, bei Berichten zu Intersex-Themen künftig vermehrt auf Fairness und Faktentreue zu achten. Danke!

>>> Bundesrat 2014: Verwaltungsvorschrift zum PStG-Murks § 22(3) PStG:
        Alleinige Definitionshoheit und Entscheidungsgewalt für Ärzte    

Input von Daniela Truffer zum Intersex-Fachtag H
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

NGO Report an das UN-Kinderrechtskomitee
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>> Table of Contents

>>> Heidi Walcutt: "Ich möchte ein stumpfes, rostiges Messer nehmen ..."
>>> Daniela Truffer: "Möge euch die Hand abfaulen, mit der ihr wehrlose Kinder verstümmelt"

Intersex im Bundestag - Was bisher geschah:
- 1996-2009: Bundesregierung verleugnet Betroffene 
- Bundestag 05.03.2009: 1. Erwähnung von "Intersex" während CEDAW-Debatte
- 24.11.2011: 1. "richtige" Intersex-Bundestags-Debatte - Protokoll und Videos 
- 25.06.2012: Öffentliche Anhörung Familienausschuss - Schriftliche Stellungnahmen
- Öffentl. Anhörung Familienausschuss 25.06.2012: Protokoll + Video + Medienspiegel
- Fachgespräch Familienausschuss 24.10.2012: Beate Rudolf bringt Klartext 
- Bundesregierung 04.01.2013: "Keine Meinung" zu Intersex-Genitalverstümmelungen
- Bundestag 31.01.2013: Fragwürdige Personenstandsnovelle (§ 22 PStG)  
- Bundestag 16.5.2013: Intersex-Verstümmelungen - CDU für Verbot - Anträge überwiesen
- 12.06.2013: 5 Bundestags-Ausschüsse beraten Verbot von Intersex-Verstümmelungen 
- Bundestag 27.06.2013: CDU/CSU + FDP = Lizenz zum ungestört Weiterverstümmeln
- 27.11.2013: CDU/CSU-SPD-Koalitionsvertrag Freibrief für Intersex-VerstümmlerInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 
 

Thursday, October 24 2013

10. Intersex Awareness Day 26.10.2013: Umschattet vom Personenstand-Murks - Genitalverstümmelungen zunehmend

Bild: Protest vor dem Kinder-Verstümmlerzentrum "Virchow" der "Charité Universitätsmedizin Berlin", Zentrale des Millionen-Euro-TäterInnen-"Forschungs"projekts "D$D-Life", und lokale Zuträgerin am "4. GenitalabschneiderInnen-Weltkongress WOFAPS 2013", Berlin 15.10.13

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Zwischengeschlecht.org on Facebook>>> "Boston 1996 war ein PROTEST!" Froher 10. Intersex Awareness Day 2013!

Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 24.10.2013:

Heidi Walcutt: 'STOP Intersex Genital Mutilation!' (1997)

2013: Seit 20 Jahren fordern organisierte Betroffene öffentlich die Beendigung der menschenrechtswidrigen Intersex-Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken. Kommenden Samstag 26.10. ist es genau 17 Jahre her, dass Betroffene und Unterstützer_innen zum ersten Mal gegen ignorante GenitalabschneiderInnen auf die Straße gingen. Seit 2004 wird der 26. Oktober deshalb weltweit als "Intersex Awareness Day" begangen, um an den Beginn des politischen Widerstandes der Betroffenen gegen die andauernden Genitalverstümmelungen in unseren Kinderkliniken zu erinnern.

2013 verurteilten sowohl der UN-Sonderberichterstatter über Folter wie der Europarat erstmals und unmissverständlich kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit Variationen der Geschlechtsanatomie als massiven Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit – und forderten beide gesetzgeberische Maßnahmen. 2013 beriet der Bundestag zum allerersten Mal gleich 3 Anträge über ein gesetzliches Verbot medizinisch nicht notwendiger Genitaloperationen an Intersex-Kindern (alle 3 wurden mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP abgelehnt).

Die TäterInnen verstümmeln derweil unbeirrt weiter auf Teufel komm raus (obwohl sie mittlerweile in Deutschland die zunehmenden Zwangsoperationen gegen außen meist leugnen – und manche Deutsche PolitikerInnen das noch so gerne unüberprüft nachplappern).

Deutsche Medien interessiert dagegen nur eins: Der angebliche "3. Geschlechtseintrag ab 1. November" (in dieser Form in Wahrheit eine Zeitungsente). Dass alle deutschsprachigen Intersex-Organisationen diesen Personenstand-Murks (für den Betroffene nicht einmal konsultiert wurden) seit über einem halben Jahr einhellig und deutlich ablehnen und kritisieren, wird dabei in der Berichterstattung ebenso unterschlagen wie die beschämende Realität der andauernden, menschenrechtswidrigen Verstümmelungen.

Z.B. in Italien sind die ÄrztInnen da ehrlicher, und die Medien auch: "Boom bei Operationen an Kindern mit uneindeutigem Geschlecht: 50% Zunahme in den letzten 5 Jahren" (leggo.it).

Und aus England heißt es in einem gestern veröffentlichten Fachartikel betreffend "feminisierenden" Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen Genitalien" klipp und klar: "Die Nationale Kliniken-Statistik belegt, dass an unter 14-Jährigen vorgenommene Klitorisoperationen seit 2006 tatsächlich zunehmen." (S. 5)

Auch in Deutschland werden tatsächlich jedes Jahr mehr Intersex-Kinder irreversibel genitalverstümmelt:

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

• Die "Charité Universitätsmedizin Berlin" eröffnete 2011 in ihrer berüchtigten "Virchow-Kinderklinik" ein neues "überregionales Zentrum", das sich hauptsächlich auf kosmetische "Genitalkorrekturen" spezialisiert. Persönliche Bilanz des mit dem Aufbau beauftragten Chef-Kinderverstümmlers: "knapp 4.000 Hypospadien, über 160 Feminisierungsoperationen bei intersexuellen Differenzierungsstörungen". Obwohl die "Charité" gegen außen alles abstreitet, und der Berliner Senat bis heute angeblich "keine Erkenntnisse" über Intersex-"Genitalkorrekturen" in Berlin haben will, belegt ein aktueller Artikel im Berliner Magazin "Zitty" klipp und klar das Fortdauern der Verstümmelungen in der "Charité".

• Das Klinikum Offenbach GmbH, Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt am Main, führt mittlerweile jedes Jahr über 500 sog. "maskulinisierende" kosmetische "Hypospadie-Korrektur-OPs" an Kindern durch – Tendenz steigend.

• Die Universitäts-Kinderklinik Ulm brüstete sich im Juni 2013 an einem internationalen Fachkongress öffentlich: "[U]nsere spezialisierte Kinderchirurgin [führte] Operationen an über 600 Kindern mit AGS durch, darunter Klitorisreduktionen, Vaginalplastiken und Labienrekonstruktionen." (Im Herbst 2012 hatte die gleiche Chirurgin noch mit 'nur' "500 Operationen an AGS-Mädchen" sowie an "170 anderen Kindern" geprahlt.)

Alle einschlägigen AWMF-Leitlinien propagieren unverändert kosmetische "Genitalkorrekturen" ohne Evidenz, u.a. die AWMF-Leitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) fordert "Klitorisreduktionen in Deutschland im ersten Lebensjahr", und die AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) fordert "Korrektur-OPs" an Kindern "aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

• Das von der EU von 2012-2016 mit mehreren Millionenen Euro gesponsorte VerstümmlerInnen-"Forschungs"projekt "D$D-Life" (Koordination: "Charité" Uni-Kinderklinik) läuft offiziell und ausdrücklich unter der Prämisse, kosmetische Genitaloperationen bei "Neugeborenen mit uneindeutigen Genitalien sind in den meisten Fällen notwendig". Betroffene und ihre Organisationen sind (einmal mehr) lediglich gefragt als Versuchskaninchen bzw. Zulieferer derselben. Wissenschaftliche ExpertInnen, die NICHT dem TäterInnenkreis direkt entstammen (z.B. Soziologie, Menschenrechte, Sozialpsychologie, Ethnologie usw.) sind bei "D$D-Life" (einmal mehr) von vornherein ausgeschlossen.

usw. usf. etc. ppp.

Auch 2013 ist die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org unverändert die einzige Betroffenenorganisation, die sich getraut, TäterInnen und Tatorte öffentlich beim Namen zu nennen. Weil viele VerstümmlerInnen und ihre Universitäts-Kinderkliniken umgehend mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen aus der Rechtsabteilung reagieren (vgl. z.B. Universitätsklinikum Leipzig, UKE und AKK Hamburg), sobald sich jemand getraut, ihre menschenrechtswidrigen Machenschaften öffentlich zu dokumentieren. Wohl wissend, dass traumatisierte Überlebende von Intersex-Genitalverstümmelungen in der Regel solchen (haltlosen) Einschüchterungen wehrlos gegenüberstehen.

Ebenso wie die TäterInnen unbeirrt immer jüngere Intersex-Kinder ohne medizinische Notwendigkeit irreversibel verstümmeln – sicher im Wissen, dass ihre Opfer so wegen der aktuellen Verjährungsbestimmungen weiterhin keine Möglichkeit haben werden, jemals juristisch gegen ihre PeinigerInnen vorgehen zu können.

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0)76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
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Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info 

>>> "Boston 1996 war ein PROTEST!" Froher 10. Intersex Awareness Day 2013!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
>>> Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen 

Tuesday, October 22 2013

IGM Primer #2: Globales Intersex-Verstümmler-Kartell am Beispiel des Täter-Forschungsprojekts "D$D-Life" - PädEndo & Chirurgie am Ruder - Ethik & Psych als Feigenblatt - Verstümmelungen staatlich abgesegnet

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"D$D-Life": 6 Mio Euro Intersex-TäterInnenforschung + Ethik-Pflästerchen
"Multidisziplinäres Team" = Pädo-Endo + Kinderchirurgie

STOP Intersex Genital Mutilation!

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Die organisatorische Grundstruktur der global vernetzten Intersex-Genital-VerstümmlerInnen ist seit dem Beginn der systematischen Auslöschung 1950 dieselbe: Das Kommando haben die Kinder-EndokrinologInnen, wobei diese oft mit den KollegInnen aus der Kinderchirurgie gemeinsame Sache machen (vgl. Wer sind die Täter?).

Seit Betroffene vor 20 Jahren zum ersten Mal und danach immer wieder öffentlich gegen die menschenrechtswidrigen Verstümmelungen auf die Barrikaden gehen, wird zwar gegen außen zunehmend auf sog. "multidisziplinäre Teams" gesetzt, offiziell bestehend aus KinderendokrinologInnen, KinderchirurgInnen, KinderpsychologInnen und SozialpädagogInnen (sog. psychosoziale Unterstützung), sowie "wenn möglich" MedizinethikerInnen – wie dies 2005 im "Chicago DSD Consensus Statement" offiziell und scheinbar verbindlich festgeschrieben wurde. Interne Erhebungen der VerstümmlerInnen selbst zeigen jedoch seit Jahr und Tag, dass in der Praxis die "Beratung" der Eltern unverändert durch "Pädiatr. Endokrinologe + Operateur" erfolgt.

Auch 2013 ist keine Änderung in Sicht, wie obiges Organigramm des neuen TäterInnen-Forschungsprojekts "D$D-Life" (bei dem die TäterInnen strikt unter sich bleiben und Nicht-TäterInnen bewusst außen vor gelassen werden) als Beispiel für ein überregionales Segment des Globalen VerstümmlerInnen-Kartells nahelegt:

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

"D$D-Life" ("Clinical European study on the outcome of surgical and hormonal therapy and psychological intervention in disorders of sex development (DSD)"), Koordination: Uni-Kinderklinik "Charité" in Berlin, wird aktuell von der EU im Rahmen des "7th Framework Program" mit bis zu € 5.993.308,00 alimentiert (Projektnummer 305373 unter HEALTH.2012.2.4.4-2).

• "D$D-Life" forscht offiziell und ausdrücklich unter der Prämisse, kosmetische Genitaloperationen seien bei "Neugeborenen mit uneindeutigen Genitalien [...] in den meisten Fällen notwendig". (Vgl. Homepage Europäische Kommission, ausgeklappte Beschreibung "Zielstellungen": "Genital constructive surgery is needed in most cases.")

• Spezialisierte SozialpädagogInnen sind bei "D$D-Life" überhaupt nicht vertreten, PsychologInnen lediglich als Alibi-Anhängsel, und die eigens hervorgehobene "Medizinethik" ist ein reines Feigenblatt zur Beruhigung von Betroffenenverbänden und kritischer Öffentlichkeit.

• Betroffene und ihre Organisationen sind (einmal mehr) lediglich gefragt als Versuchskaninchen bzw. Zulieferer derselben.

• Zwar gab es eine alibimäßige "Befragung" der Betroffenen durch die angegliederte Feigenblatt-Medizinethik, doch wurden dazu lediglich einige wenige Betroffenenorganisationen überhaupt berücksichtigt – erst als die Befragung durch Betroffenengruppen selbst international bekannt gemacht wurde, erhielten z.B. deutschsprachige Gruppen ebenfalls die Möglichkeit zur (extrem kurzfristigen) Beteiligung.

• Was die "befragten" Betroffenengruppen erst später herausfanden: Entgegen der Behauptungen von "D$D-Life" waren zum Zeitpunkt der Alibi-Befragung alle Weichen längst gestellt, ebenso die "multidisziplinären Teams" längst festgelegt (was "D$D-Life" indirekt selbst einräumt).

• Besonders empörend: Die Beteiligung von weiteren wissenschaftlichen ExpertInnen, die NICHT dem TäterInnenkreis direkt entstammen (z.B. Soziologie, Menschenrechte, Sozialpsychologie, Ethnologie usw.) waren zum Zeitpunkt der Alibi-Befragung längst ausgeschlossen – obwohl Betroffenen- wie Menschenrechtsorganisationen seit langem reklamieren, dass reine TäterInnen-Forschung lediglich eine Fortsetzung der andauernden medizinischen Menschenrechtsverletzungen darstellt, inkl. dem Versuch einer nachträglichen "Rechtfertigung". Aufarbeitung sieht anders aus!

• Auch sonst läuft "D$D-Life" strikt im Rahmen der üblichen TäterInnen unter sich, z.B. fand ein "D$D-Life"-Koordinationstreffen (unter weitestgehendem Ausschluss der Betroffenen) unmittelbar anschließend an das "4th I-D$D Symposium" von Glasgow im benachbarten Edinburgh statt.

Wie lange noch?!

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Intersex-Verstümmler: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Uni-Kinderklinik: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
>>> "Täter, Mitläufer und Apologeten: Wer ist an dem Bösen Schuld?"
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
>>> Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen 

Friday, August 23 2013

Téléjournal-Beitrag zum BRD-Intersex-§ 22 (3) PStG - RTS 22.8.13 + Online + vollständiges Interview-Transkript

Zum Abspielen reinklicken!

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Beitrag aus der Abend-Tagesschau des französischsprachigen Schweizer Fernsehens, mit Interview-Beitrag von Daniela "Nella" Truffer (Zwischengeschlecht.org) und Archivmaterial von den friedlichen Protesten gegen den europäischen KinderurologInnen-Kongress "ESPU 2012" (siehe Bild).

Die Kritik der Intersex-Organisationen an dem neuen § 22 (3) PStG kam im gut 2-minütigen Beitrag etwas kurz, dafür war die Hauptforderung der Betroffenen nach einem gesetzlichen Verbot der Intersex-Genitalverstümmelungen gut platziert. Merci!

Nachfolgend der ungekürzte Interviewbeitrag von Nella zum angeblichen "3. Geschlecht" a.k.a. § 22 (3) PStG auf Deutsch:

Der Sachverhalt wird in den Medien völlig falsch dargestellt. Es geht in Deutschland nicht um die Schaffung eines dritten Geschlechtseintrags, das Ganze ist auch nicht freiwillig.

Konkret hat der deutsche Bundestag im § 22 Personenstandsgesetz einen neuen Absatz 3 beschlossen, der "uneindeutigen" Kindern einen Geschlechtseintrag im Geburtenregister verwehrt. Es handelt sich also um ein Verbot und nicht um eine Wahlmöglichkeit.

Eltern geraten so noch mehr unter Druck, ihre Kinder genitalverstümmeln zu lassen, um ein staatliches Zwangs-Outing zu vermeiden und doch noch einen Eintrag zu kriegen.

Für uns Betroffene ist das sehr frustrierend, Intersex-Organisationen weltweit kritisieren dieses neue Gesetz.

Sinnvoller wäre ein Ansatz, wie ihn die Nationale Ethikkommission vorschlägt, dass ein Kind seinen Geschlechtseintrag später unbürokratisch ändern kann. Oder wie es früher im Zwitterparagraphen des Preussischen Landrechts geregelt war: zunächst bestimmten die Eltern den Geschlechtseintrag, später konnten die Betroffenen den Eintrag auf Wunsch ändern.

Hier besteht auch in der Schweiz Handlungsbedarf. Es gibt keine speziellen Regelungen für uns Betroffene. Wenn ein intersexueller Mensch seinen Geschlechtseintrag ändern will, wird er von den Behörden gezwungen, sich als transsexuell auszugeben.

Das wichtigste Anliegen für uns Betroffene ist immer noch ein gesetzliches Verbot von medizinisch nicht notwendigen, kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit atypischen Genitalien, wie das auch die Nationale Ethikkommission anregt. Leider hat es die Politik bisher versäumt, diese Empfehlungen endlich umzusetzen.

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" (PDF, 2.4 MB)   [ TRIGGER!!! ]
 

Friday, May 31 2013

Intersex, Recht und Ethik - 2 Veranstaltungen zeigen Handlungsbedarf

Aktion + Offener Brief Kinderspital Zürich, 06.07.2008 (Bild: Ärger)

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

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Gestern fanden in Zürich 2 öffentliche Intersex-Veranstaltungen statt, morgens an der juristischen Fakultät der Uni sowie abends eine Podiumsdiskussion der Paulus-Akademie. Anlass für beide war die weltweit viel gelobte >>> Stellungnahme "Varianten der Geschlechtsentwicklung" der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE). Zwischengeschlecht.org sorgte an beiden Versanstaltungen dafür, dass nicht vergessen wurde, dass kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen heute noch gemacht werden, und dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.

Die 1. Veranstaltung "Öffentlicher Workshop: Intersexualität" im "Kompetenzzentrum Medizin - Ethik - Recht Helvetiae (MERH)" der Uni Zürich war ist auf deren >>> Homepage transparent dokumentiert: Alle Präsentationen konnten können dort heruntergeladen werden. [Dieser Blog stellt die Präsentationen deshalb zu Doumentationszwecken untenstehend zum Download bereit.] Zum drängendsten Problem der andauernden Genitalverstümmelungen war in der Ankündigung immerhin festgehalten, Betroffene müssten "vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt" werden. Organisiert wurde das Ganze von Prof. Dr. Brigitte Tag (Mitglied NEK-CNE und der dortigen Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung"). Als Ergänzung zu den Referate-Downloads nachfolgend einige Highlights auch aus der Diskussion anhand des >>> Veranstaltungs-Protokolls von Nella (PDF):

• Prof. Dr. Ulrich Meyer (Bundesrichter, Präsident der sozialrechtlichen Abteilung) >>> Präsentation (PDF): In der Schweiz werden Intersex-Behandlungen über die Invalidenversicherung (IV) abgerechnet (dieser Blog berichtete / Relevante Ziffern in der "Liste der Geburtsgebrechen"). Dies stellt einen höheren Versicherungsanspruch dar als bei den Krankenversicherungen (unbedingter Anspruch auf direkte Übernahme der Behandlungskosten, keinerlei Selbstbehalt). Die IV übernimmt aber nur Behandlungen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr (Ausnahme: Komplikationen durch frühere Behandlungen). Auf Hinweis von Zwischengeschlecht.org hatte die NEK-CNE deshalb angeregt, die Versorgung auch darüberhinaus sicherzustellen, um kontraproduktiven Druck auf Betroffene und Eltern zu verhindern und gleichzeitig sicherzustellen, dass einwilligungsfähige Betroffene, die Operationen wollen, diese auch umstandslos bezahlt kriegen. Laut Meyer sei eine entsprechende Gesetzesänderung nicht ohne weiteres möglich (obwohl, worauf aus dem Publikum Dr. Monika Gsell hinwies, die IV dadurch insgesamt Kosten sparen könnte!), weshalb Meyer riet, gleichzeitig flankierende Massnahmen beim Leistungskatalog der Krankenkassen anzustreben. Weiter demontierte Meyer im Vorbeigehen den beliebten Mythos, die sog. "interdisziplinären Behandlungsteams" (inkl. psychosozialer Unterstützung auch für die Eltern) seien heute schon üblich: Aktuell sei nämlich kontinuierliche Beratung und Unterstützung der Eltern via Invalidenversicherung NICHT gedeckt, es bestehe hier versicherungstechnisch eine Leistungslücke, die evtl. in der IV durch die Rechtsfigur der Austauschbefugnis angegangen werden könne, jedoch nicht bei der Krankenversicherung, hier bestehe Handlungsbedarf.

Prof. Dr Michelle Cottier (Uni Basel, Rechtssoziologie / Zivilgesetz)>>> Präsentation (PDF): Stützte sich auf ihre Stellungnahme z.Hd. NEK-CNE (zusammen mit Prof. Dr. Andrea Büchler, Uni Zürich). Eltern hätten kein Recht, für ihre Kinder in medizinisch nicht notwendige Behandlungen einzuwilligen, dies sei vielmehr das höchstpersönliche Recht der Betroffenen selbst, und aus privatrechtlicher Sicht eine Persönlichkeitsverletzung. Das Recht des Kindes auf Sebstbestimmung über den eigenen Körper überwiegt immer das Interesse der Eltern an einem äusserlich „unauffälligen“ Kind. Hier bestehe gesetzgeberischer Handlungsbedarf zum Schutze des Wohls der betroffener Kinder, aber auch zur Entlastung von Ärzten und Eltern. Zwar gebe es heute schon die Möglichkeit der Intervention der Kindesschutzbehörde, aber nur auf Anzeige hin und höchstens in Einzelfällen. Auf meine Fragen hin räumte Cottier in der Diskussion weiter ein, in der Schweiz sei die juristische Diskussion betr. Anwendung des Sterilisationsgesetzes auf Intersex-GenitalOPs noch ganz am Anfang, ebenso, ab wann ein Kind eine informierte Entscheidung treffen könne über einen Eingriff, der das Risko der Verminderung oder des Verlusts der sexuellen Empfindungsfähigkeit mit sich bringt.

Prof. Dr. med. Anna Lauber-Biason (Endokrinologin, Freiburg)>>> Präsentation (PDF): Gab eine Überblick aus medizinischer Sicht, inkl. den übliche Diagrammen und Diagnosen. Peer Support war leider in ihrem "multidisziplinären Team" noch kein Bestandteil. Immerhin verwies Lauber-Biason darauf, dass (mit wenigen Ausnahmen, z.B. Cortisol-Substitution bei "AGS-CAH" mit Salzverlust) kein medizinischer Notfall vorliegt, und dass es immer noch "keine evidenzbasierten allgemeine Leitlinien" gibt. Wohl wegen unserer Anwesenheit verwies sie auf die Internetpräsenz von Zwischengeschlecht.org, diese sei zwar "parteiisch, aber informiert sehr gut". In der Diskussion betonte sie noch einmal, es gebe keine physischen oder medizinischen Gründe, Genitaloperationen nicht solange zu verschieben, bis die Betroffenen selbst entscheiden können.

Dr. Judith Pók Lundquist (Gynäkologin Unispital Zürich, Mitglied NEK-CNE, Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung")>>> Präsentation (PDF): Hob eingangs hervor, dass von Seiten der Mediziner-Akademie SAMW der Handlungsbedarf verkannt wurde (dieser Blog berichtete, vgl. auch Eingabe an NEK-CNE) und räumte in einem bewegenden Statement ein, auch sie selbst habe erst während der Anhörungen der NEK-CNE zum ersten Mal begriffen, was für grosses Leid den Betroffenen angetan wurde, weil einfach so über sie verfügt wurde, und dass es nicht darum geht, ob sie das "richtige Geschlecht" haben oder nicht, sondern dass über ihre Körper verfügt wurde, dass sie nicht selber entscheiden durften, mit Folgen für das ganze Leben (vgl. Statement von Daniela "Nella" Truffer). Pók plädierte, die SAMW solle spezielle und verbindliche Leitlinien erstellen.

Erfreulich war weiter, dass während der Diskussionen mehrfach auch aus dem Publikum (u.a. Dr. Kathrin Zehnder) darauf hingewiesen wurde, dass das Unrecht der Zwangsbehandlungen beendet werden muss. Als quasi inoffizielles Schlusswort wies ich nochmals darauf hin, dass auch die Aufarbeitung des begangenen Unrechts nach wie vor ganz am Anfang steht, und verwies dazu auf unseren (nach wie vor unbeantworteten) >>> Offenen Brief an Unispital und Universität Zürich, den wir zusammen mit der >>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" [WARNUNG!!!] eingangs verteilt hatten.

Die 2. Veranstaltung "Weder Bub noch Mädchen - Varianten der Geschlechtsentwicklung" war organisiert von der Paulus Akademie Zürich und ebenfalls gut besucht. Der Arzt und Medizinethiker Dr. Jürg Streuli ("Schweizer Netzwerk für Intersex und Varianten der Geschlechtsentwicklung SNIV" – eines der raren nicht-pathologisierenden Projekte, das zudem Peer Support und Betroffene ernst nimmt) gab ein Einführungsreferat zum Thema inkl. interessanten Einblicken in seine aktuelles Forschungsprojekt "Interdisziplinäre Betreuung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (DSD / Intersexualität)", u.a. dazu, wie sich pathologisierende vs. nicht pathologisierende Beratung von Eltern auswirkt auf deren Bereitschaft, kosmetische GenitalOPs an ihren Kindern durchführen zu lassen (rot) oder nicht (blau):

(Abb. aus der lesenswerten Psychologie-Bachelorarbeit von Yvonne Cavicchia-Balmer "Information, Aufklärung und Entscheidungsfindung von Eltern bei der Geburt eines Kindes mit uneindeutigem Geschlecht" (November 2010),
einem Bestandteil des Forschungsprojekts; die zugrunde liegende Fokusgruppe kam zustande im Anschluss an
eine viel beachtete Aktion von Zwischengeschlecht.org vor dem Kinderspital Zürich.)

Weiter auf dem Podium: Dr. Susanne Brauer (Paulusakademie, vormals NEK-CNE) als Gesprächsleiterin, Dr. Judith Pók Lundquist (Gynäkologin Unispital Zürich, Mitglied NEK-CNE, Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Varianten der Geschlechtsentwicklung", siehe auch oben), Karin Plattner (Elternselbsthilfe, Mutter eines betroffenen Kindes) und Dr. Kathrin Zehnder (Ethnologin Uni Zürich, Dissertation "Zwitter beim Namen nennen", Co-Herausgeberin und -Autorin "Intersex – Geschlechtsanpassung zum Wohl des Kindes?").

Betroffene waren auf dem Podium nicht vorgesehen, und auch die Medizyner-Märchen-Formulierung auf dem Flyer "Bis vor kurzem wies man ihnen durch Operation und Hormongaben ein Geschlecht zu. Diese Praxis hat sich geändert" bot ebenfalls Anlass zu Besorgnis. Letztlich kam es trotzdem gut: Immerhin hatte es mehrere Betroffene und Verbündete im Publikum, und wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, liessen Nella und your's truly keine Zweifel daran aufkommen, dass die menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen leider heute noch andauern, und dass es deshalb nebst echtem "multidisziplinärem" Unterstützungsangebot für Eltern und Betroffene weiter gesetzgeberische Leitplanken, verbindliche Leitlinien und Aufarbeitung braucht – was auch vom Podium herab durchaus bestätigt und bekräftigt wurde.

>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-"Genitalkorrekturen": Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> Das Medizyner-Märchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben" 
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen

Wednesday, May 22 2013

22.05.2013: Adenauer-Stiftung und Intersex-Genitalverstümmelungen – Zahlen, Fakten, Zitate [UPDATE2]

1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.2007

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>>> Nachtrag: Ministerin Schröder: "Akzeptanz ja – Unversehrtheit kein Thema"
>>>
Bericht von Peter Tauber (CDU/CSU): "präventives Verbot obsolet?" 

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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!INHALT
1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten
2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen
3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen
       a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker: "Medizinisch nicht notwendig"
       b) Lucie Veith: "Verbot kosmetischer Genital-OPs bis 16 Jahre"
       c) Prof. Dr. Hertha Richer-Appelt: "Hypospadie = Krankheit"
       d) Dr. Michael Wunder: "Kosmetische Genitalkorrekturen O.K."

1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten

Die Konrad-Adenauer-Stiftung lädt heute ab 11 Uhr einer "Fachkonferenz zum Thema Intersexualität" mit dem scheinbar obligaten Titel "Leben zwischen den Geschlechtern".

Das Hauptthema der Betroffenen, kosmetische "Genitalkorrekturen" im Kindes- und Jugendalter, handelt die offizielle Ankündigung ausschließlich in Vergangenheitsform ab – die Hauptkritikpunkte der Betroffenen (Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit, Folgeschäden, Traumatisierungen) werden nicht oder höchstens indirekt erwähnt:

"So wurden Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen häufig ohne Einwilligung der Eltern frühzeitig operiert, in der Annahme, das Geschlecht sei sozial konstruiert und man könne vermeintlichen gesellschaftlichen Komplikationen vorbeugen, was zu schwerwiegenden Komplikationen und Identitätskrisen führte." (Flyertext)

Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sind einmal mehr nicht vertreten – MenschenrechtsexpertInnen ebenfalls nicht.

Ob Intersex-Genitalverstümmelungen unter diesen Vorzeichen angemessen angesprochen werden, oder mal wieder höchstens einige wenige und bevorzugt vergleichsweise seltene kosmetische Eingriffe konkret thematisiert werden, z.B. Kastrationen an "XY-Frauen"), wird sich zeigen – ebenso,  wie transparent anschließend von der Stiftung über den Anlass informiert wird (oder eben nicht).

Anlass dazu bestünde nicht zuletzt durch der letzte Woche einstimmig überwiesenen Intersex-Anträge im Bundestag, die einmütig ein gesetzliches Verbot von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sowie historische Aufarbeitung einfordern.
 

2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen

6 PolitikerInnen und Ministerialbeamtinnen "verschiedener Fachbereiche und über Parteigrenzen hinweg"  (4 CDU/CSU, 1 FDP, 1 Grüne, 0 SPD, 0 Linke)
1 Mitglied des Deutschen Ethikrates, das "geschlechtsverdeutlichende" kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern propagiert: Dr. Michael Wunder (Leiter der Ethikrat-AG "Intersexualität")  
1 Pädiater (Chefarzt) einer Kinderklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt (siehe unten 3a): Prof. Dr. Gernot H.G. Sinnecker (Wolfsburg)
1 Sexologin aus einer Universitätsklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt: Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Hamburg-Eppendorf)
1 Betroffene einer kosmetischen "Genitalkorrektur" (Kastration) im Erwachsenenalter: Lucie Veith (XY-Frauen, Intersexuelle Menschen e.V.) (siehe unten 3b)
1 Mutter eines betroffenen Kindes (genitaloperiert): Julia Marie Kriegler (XY-Frauen Eltengruppe)
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Jugendalter
0 Eltern eines unversehrten betroffenen Kindes
0 Sachverständige mit Kernkompetenz Menschenrechte

Total:
3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker)
1 "Alibi"-Vertreterin von Betroffenen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" (Lucie Veith)
 

3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen

a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker (Chefarzt Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg): "Medizinisch nicht notwendig, nicht evidenzbasiert, psychosozial indiziert wegen der Eltern, trotzdem weit verbreiteter Standard" - Heute angeblich keine kosmetischen Eingriffe mehr - Fakt: Sinneckers Klinik bietet ganze Bandbreite an

- Medizinisch nicht notwendig: „Klitorisreduktionsplastik“, „Neovagina“, Hodenentfernung [Kastration] (ausser Gonadendysgenesie bei Y-Chromosom)

"Eine verstümmelnde, also mit der Entfernung von Gewebe einhergehende Operation, z.B. „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ beim Säugling oder Kleinkind sind nicht medizinisch indiziert. Die häufig geäußerte Sorge, das Kind könnte z.B. von anderen Kindern gehänselt werden und dadurch psychischen Schaden nehmen ist wissenschaftlich nicht bewiesen und wäre meiner eigenen Einschätzung nach selbst dann kein hinreichender Grund, sich über das Selbstbestimmungsrecht des Kindes hinwegzusetzen und seine körperliche Integrität zu beschädigen." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Nicht evidenzbasiert: "operative Korrektur einer Hypospadie"

"Weitgehend unstrittig ist die operative Korrektur einer Hypospadie (Harnröhre endet an Penisunterseite oder am Damm oberhalb des Hodensacks) durch Verlängerung der Harnröhre bis zur Penisspitze. Im Allgemeinen wird dieser Eingriff gegen Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt. Dies gilt als weit verbreiteter Standard, ist aber nicht evidenzbasiert. Letztlich ist dieser frühe Operationszeitpunkt auf die Vorstellung zurückzuführen, Kinder könnten in diesem Alter operative Eingriffe am Genitale psychisch besser verkraften als später, wenn sie den Eingriff bewusster erleben und „Kastrationsängste“ entwickeln könnten (nicht evidenzbasiert).
Tatsächlich ist die operative Technik aufgrund der kleinen Verhältnisse in diesem Alter eher schwieriger, narbige Verengungen der neugebildeten Harnröhren machen gelegentlich wiederholte Bougierungen (apparative Aufdehnungen) erforderlich, die langfristig zu einer narbigen, starren Harnröhre führen können mit entsprechenden Problemen im Erwachsenenalter. Es spricht daher viel dafür, diese Operationen erst dann durchzuführen, wenn der Penis größer geworden ist und die Betroffenen selbst entscheiden können, ob sie eine operative Korrektur wünschen."
(Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr

"„Wir haben als Ärzte einen Lernprozess durchgemacht.“ Vor 20, 25 Jahren sei das gängige Therapieverfahren gewesen, Kleinkinder und Babys mit uneindeutigen Geschlechtssmerkmalen schnellstmöglich zu operieren, so der Professor. […]  „Heute“, sagt Sinnecker, „steht die Selbstbestimmung des Kindes an oberster Stelle.“ […] „Jede Operation, die vermeidbar ist, wird verschoben auf den Zeitpunkt, an dem Betroffene selbst entscheiden können.“ Lediglich medizinisch notwendige Eingriffe würden vorgenommen." (Potsdamer Neueste Nachrichten)

- Fakt: Sinneckers Kinderklinik (u.v.a.m.) bieten nach wie vor ganzes Spektrum kosmetischer "Genitalkorrekturen" an 

Es gibt konkrete Zeugnisse, wonach Sinnecker tatsächlich nicht zu "Genitalkorrekturen" drängte, was auch seiner Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg gut ansteht. Leider ist das bundesweit alles andere als die Regel. Es ist Sinnecker hoch anzurechnen, dass er dazu Klartext bringt: "Hypospadie-Korrekturen" an Kleinkindern SIND "weit verbreiteter Standard", und nicht alle Kollegen haben genug Skrupel, eine „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ an einem Kleinkind NICHT durchzuführen. Wo Sinnecker jedoch aus politischen Gründen öffentlich rundheraus (ond ohne Belege) behauptet, es würden seit "20, 25 Jahren" nirgends mehr Kinder "genitalkorrigiert", macht er sich zum Täter. Enstprechend leider auch das Online-Angebot von Sinneckers Kinderklinik Wolfsburg:

"Kinder- und Jugendgynäkologie
    •    Diagnostik und Therapie von Genitalfehlbildungen und anderen Erkrankungen des Genitales
    •    In Zusammenarbeit mit der Frauenklinik und der Klinik für Urologie"

(Kinder- und Jugendklinik – Schwerpunkte)

"Rekonstruktive und plastische Operationen
    •    Behebung von angeborenen Fehlbildungen ([…]Hypospadien und Penisdeviation)"

(Klinik für Urologie – Schwerpunkte und Ausstattung)

 
b) Lucie Veith
(Intersexuelle Menschen e.V., XY-Frauen):

 

- "Genitaloperationen müssen verboten werden" - " Verstümmelung muss aufhören" (Tagesschau)

 

- "Verbot kosmetischer Genital OPs bis zum 16. Lebensjahr" (Hermaphroditforum)

- "Menschenrechtsverletzungen ziehen sich durch die ganze Gruppe der intersexuellen Menschen und reichen von Menschen mit AGS bis zum echten Hermaphroditen, von Klinefelter-Menschen bis zur Hypospadie" (Stellungnahme Familienausschuss, S. 14)

- "Kein Recht der Eltern in solche Verstümmelungen einzuwilligen" - "Kastration und Genitalbeschneidung verletzen körperliche und seelische Unversehrtheit" (Bayerische Staatszeitung)
 

c) Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf UKE): "unzureichende wissenschaftliche Evidenz" - "Traumatisierungen erwiesen" - "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrekturen in jedem Fall medizinisch notwendig" - "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität" - "Geschlechtszuweisung" vs. Geschlechtsangleichung" - Fakt: Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig vom "Chromosomensatz" oder "Geschlecht" - "Früher war's schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert" - Fakt: UKE und AKK bieten ganze Bandbreite an, praktizieren weiter kosmetische "Genitalkorrekturen"

- "Unzureichende Evidenz, aber trotzdem behandeln" 

"Einleitend sei gesagt, dass für die meisten Behandlungsmaßnahmen nur unzureichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, was aber nicht bedeuten soll, dass man Personen mit Intersexualität nicht behandeln darf." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

- "Traumatisierungen erwiesen"

 

"Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass körperliche Eingriffe im Säuglingsalter keine negativen Auswirkungen auf die psychische Entwicklung des Kindes haben können. Dem zu Grunde lag die Annahme, dass es in dieser frühen Zeit keine Traumatisierungen gebe. Diese Auffassung ist jedoch durch die Traumaforschung der letzten Jahre widerlegt und wir wissen, dass bereits in der Embryonalzeit Stressbelastungen der Mutter sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. V.a. gilt dies auch für die Konstruktion einer Neovagina, die regelmäßig gedehnt werden muss, um funktionsfähig zu bleiben. Gerade diese Erfahrung wurde wiederholt von betroffenen Personen als besonders belastend geschildert." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

 

- "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrektur in jedem Fall medizinisch indiziert" 

"Es gibt aber im Zusammenhang mit der Behandlung von Personen mit Intersexualität eine Reihe unterschiedlicher chirurgischer Maßnahmen, von denen bei einigen die medizinische Indikation in jedem Fall gegeben ist, da sonst eine funktionelle Beeinträchtigung besteht (z.B. bei Vorliegen einer Hypospadie), und/oder die gesundheitsgefährdend sein könnten." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Fakt: "Hypospadie-Korrekturen" sind praktisch immer kosmetisch und werden aus "psychosozialen Gründen" an Kindern durchgeführt.

Eine medizinische Notwendigkeit besteht nur in sehr seltenen Fällen, wenn der Harnabfluss unoperiert behindert oder blockiert ist, oder bei Schmerzen. Ansonsten bestehen KEINE medizinischen Gründe, "Hypospadie-Korrekturen" uneingewilligt im Kindesalter aufzuzwingen – aber gute Gründe, damit zuzuwarten (was viele Ärzte auch offen zugeben, vgl. z.B. oben 3a) Gernot Sinnecker: "Nicht evidenzbasiert").

Sogar die aktuelle AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) spricht ausdrücklich von Indikationen "auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

Auch in den Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg wird kein Hehl daraus gemacht, dass frühe "Hypospadie-Korrekturen" NICHT aus medizinische Gründen gemacht werden, sondern aus "psychologischen":

"Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“)." (Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt)

Ebenso z.B. das Universitätsklinikums Jena und die Asklepios-Kinderklinik St. Augustin unisono:

"Beschwerden liegen [im "unkorrigierten" Zustand] fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme" - Nichtsdestotrotz empfohlene "Therapie": "Korrektur zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat." - "Begründung": "Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der Männer leiden." (Homepages der Klinken)

- "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY-Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität"

"Davon unterschieden werden müssen Operationen, bei denen es entweder um die Angleichung an das eine oder andere Geschlecht geht (dabei wird eine Entscheidung ob männlicher oder weiblicher Körper getroffen), oder um Operationen, die Auffälligkeiten im Rahmen einer Geschlechtszugehörigkeiten beheben sollen (d.h. Klitorisreduktion bei AGS mit einem weiblichen Chromosomensatz ist nicht gleichzusetzen mit „Klitoris“reduktion bei Personen mit einem XY Chromosomensatz im Rahmen einer Zuweisung zum weiblichen Geschlecht, da man in diesem Fall eigentlich von einer an das weibliche Geschlecht anpassende Verkleinerung des Mikro-Penis sprechen müsste)." (Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

"Es geht hier nicht nur um eine schwerwiegende Gefahr sondern z.B. auch um die sexuelle Sensibilität, die unter den chirurgischen Eingriffen leiden kann. Nicht wenige erwachsene Personen mit einem XY Chromosomensatz, die einem weiblichem Körper zugewiesen wurden, leiden im Erwachsenenalter unter sexuellen Problemen. Die sexuelle Erregbarkeit, darf nicht ästhetischen Gesichtspunkten hinten angestellt werden." (Stellungnahme Ethikrat, S. 4)

- Fakt: Das Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig von "Chromosomensatz" und "Geschlechtszugehörigkeit"! - Auch die Unterscheidung zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" (die der Deutschen Ethikrat ebenfalls propagiert, vgl. unten 3d) widerspricht sämtlichen Menschenrechten:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab."
(Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr: Richter-Appelt ist unter Betroffenen bekannt als eifrige Verbreiterin des Behandler-Märchens "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant und es wird lääängst nicht mehr operiert." 

- Fakt: Kinderkliniken von Richter-Appelts Uni (u.v.a.m.) propagieren und praktizieren (fast) alle gängigen "Genitalkorrekturen"

Richter-Appelt hat für einzelne Betroffenen(unter)gruppen punktuell viel getan, namentlich für "XY-Frauen" (einer ihrer Lieblingsbegriffe – passt auch so schön durch ihre frühere Brille als "Transsexuellen-Expertin" >>> Kritik im von Betroffenen im Hermaphroditforum  >>> Kritik von Betroffenen in Kommentaren hier). Unzweifelhaft kommt Richter-Appelt hier ein entsprechender Verdienst zu, speziell betreffend künftiger Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Kastrationen bei (XY-)CAIS-Menschen und in geringerem Masse auch betreffend "Klitorisreduktionen" bei (XY-)AIS.

Andrerseits gibt Richter-Appelt unzweifelhaft die ganz große Mehrzahl aller Übrigen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" Gefährdeten (u.a. "Hypospadie", "AGS/CAH") ungerührt zum Abschuss frei (siehe oben); ebenso ist deren Teilhabe am "Dialog" nicht vorgesehen, folglich werden sie von Richter-Appelt konsequent mit salbungsvollen Sprüchen ausgegrenzt (>>> Kritik 1 >>> Kritik 2) – fast ein bisschen wie beim Deutschen Ethikrat und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung ...

Entsprechend bieten auch die Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg die ganze Bandbreite von kosmetischen "Genitalkorrekturen" nach wie vor öffentlich an – und führen erwiesenermaßen heute noch serienmäßig kosmetische "Genitalkorrekturen" durch. 
  

d) Dr. Michael Wunder (Deutscher Ethikrat, Sprecher "AG Intersexualität"):

- "geschlechtsverdeutlichende kosmetische Genitalkorrekturen an Kleinkindern zulässig"  

- Fakt: Menschenrechte sind nicht teilbar, Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt für alle betroffenen Kinder, "Unterscheidung" zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" verstößt gegen Grund- und Menschenrechte:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab." (Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012

Weshalb der Deutsche Ethikrat und seine Stellungnahme vom 23.2.2012 auch einhellig von ALLEN Betroffenenorganisationen unmissverständlich kritisiert wurde:
- Zwischengeschlecht.org 29.07.2011 "Betroffene ausgegrenzt und zensiert"
- Intersexuelle Menschen e.V. 23.02.2012 "Genitaloperationen verbieten"
- OII Deutschland (IVIM) 23.02.2012 "Nicht lebensnotwendige Eingriffe unterbinden" 

- Kosmetisch "genitalkorrigiertes" Kind als "wünschenswerten Regelfall" und "Beispiel für tolerable Erziehung" 

- Fakten:
    1. Kosmetische "Genitalkorrekturen" sind unmenschlich (UN-SRT)
    2. Betroffene mundtot machen um unliebsame Themen auszublenden auch
    3. Politische Vereinnahmung von Betroffenen ist unfair!
  

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

 
Nachtrag 1: Bundesfamilienministerin Schröder: "Akzeptanz Ja" - Körperliche Unversehrtheit kein Thema - sieht "Betroffene" doppelt

Laut einer >>> Meldung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Familienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU/CSU) an der Tagung "für eine größere Akzeptanz von intersexuellen Menschen und deren Recht auf Selbstbestimmung geworben."

Worunter Schröder offenbar ausschließlich Personenstandspolitik ("Geschlechtszuweisung") und Diskriminierung versteht ("Anrede"). Körperliche Unversehrtheit und Beendigung kosmetischer "Genitalkorrekturen" an Kindern erwähnt sie dagegen nicht einmal. Behauptet stattdessen, es seien mehrere "Betroffene" an der Tagung vertreten gewesen.

Fakt: Wie oben unter "2. Zahlen" aufgeschlüsselt, war in Berlin tatsächlich nur 1 "Alibi"-Betroffene vertreten (Lucie Veith) – dagegen 3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker).  

>>> Tagungs-Bericht von Peter Tauber (CDU/CSU): "präventives Verbot obsolet?" 
>>>
Thread zu Schröders Statement auf crossdresser-forum.de Danke!
>>>
Solidarischer Post und Kommentare auf queer.de Danke!

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
 

Thursday, May 9 2013

Leipzig 17.5.13: Aus IDAHOT* wird IDAHIT* - inkl. Forderung nach Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen! DANKE!

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'STOP Intersex Genital Mutilation!' - UNHRC Geneva 20.10.2012

Zwischengeschlecht.org on Facebook

Seit 2005 wird am 17. Mai der "Internationale Tag gegen Homophobie" begangen ("IDAHO = International Day Against Homophobia").
Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, den Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel zu streichen.

Im letzten Jahr gingen in Deutschland einige regionale Veranstalter_innen (z.B. in Jena) dazu über, zusätzlich ein T und einen * anzuhängen (IDAHOT*), um explizit sichtbar zu machen, dass auch Transphobie und phobisches Verhalten gegen weitere Gruppen bekämpft werden soll.

Dieses Jahr fällt der 17.5. in Deutschland zufällig auf den Folgetag, nachdem am 16.5. im Bundestag zum allerersten Mal über ein explizites gesetzliches Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen debattiert wird.

Passend dazu macht Leipzig 2013 als erster Veranstaltungsort den bemerkenswerten Schritt, auch Intersexe explizit mit einzubeziehen, und änderte deshalb das Akronym für die diesjährige Veranstaltung zu "IDAHIT*".

Gleichzeitig heisst es auf dem IDAHIT* 2013-Flyer und in der Forderungsliste explizit:

[...] Auch Intergeschlechtlichkeit, also das Aufweisen körperlicher Merkmale beider Geschlechter bzw. eine uneindeutige Geschlechtlichkeit, wird heute noch pathologisiert und von der Medizin als „Sexualdifferenzierungsstörung“ bezeichnet und meist ohne medizinische Notwendigkeit „behandelt“. [...]

Die Pathologisierung von Intergeschlechtlichkeit und damit einhergehend der Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit hat zur Folge, dass Kinder mit uneindeutigen Genitalien in der Regel kurze Zeit nach der Geburt geschlechtsangleichenden Operationen (z.B. Kastration, Klitorisverkleinerung, Anlegen einer Neovagina) unterzogen werden, die in vielen Fällen mit Komplikationen verbunden sind und oft lebenslange Hormontherapien nach sich ziehen. Von vielen Betroffenen wird dies im Nachhinein als äußerst traumatisierend beschrieben. [...]

Was wir wollen!

[...] Pathologisierung von [...] Intersexualität sowie Operationen ohne die Einwilligung der Betroffenen an intergeschlechtlichen Menschen müssen aufhören!

 Wir fordern ein gesetzliches Verbot medizinischer Eingriffe sowie den sofortigen Stopp der gängigen medizinischen Praxis an Intersexen. [...]

Dafür von diesem Blog an alle Beteiligten ein ganz herzliches Danke!

Diese explizite Unterstützung im Kampf um die Beendigung der Intersex-Genitalverstümmelung ist umso bemerkenswerter, als auch die Leipziger Universitäts-Kinderklinik immer noch entsprechende kosmetische "Genitalkorrekturen" im Angebot hat, und kürzlich ein Uni-Kinderarzt auf Radio Mephisto "Genitalkorrekturen" rechtfertigte, aber gleichzeitig der Uni-Kinderklinikdirektor in der Öffentlichkeit so tut, als wäre dies alles gar nicht der Fall.

Bezeichnender noch, kürzlich wollte die Universitätsklinik Leipzig (nicht als erste) Zwischengeschlecht.info verbieten, öffentlich darauf hinzuweisen, dass die Universitäts-Kinderklinik solche kosmetische Intersex-"Genitalkorrekturen" auch 2013 unverändert online anbietet, und dass Überlebende diese Eingriffe seit mindestens 17 Jahren explizit als "Genitalverstümmelung" erfahren und kritisieren – und droht dazu einer Überlebenden von Intersex-Genitalverstümmelungen, die für den Blog gar nicht verantwortlich ist, mit einem Prozess ...

>>> Offener Brief an Universitäts-Kinderklinik Leipzig  
>>> Beitrag Radio Mephisto

>>> Intersex-Bericht & Interview im Kreuzer 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 

Sunday, March 24 2013

Bezeichnend: Intersex-Genitalverstümmler Wieland Kiess (Universitäts-Kinderklinik Leipzig, "DGE", "ESPE") fordert "Drittes Geschlecht" und "Unisex-Klos" statt Verstümmelungsverbot

Protest und Übergabe des Offenen Briefes an die Universitätskinderklinik Leipzig, 21.09.2012

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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Zwischengeschlecht.org on FacebookProf. Dr. Wieland Kiess verbrachte seine gesamte pädiatrische Karriere in Institutionen, die Intersex-Genitalverstümmelungen und andere medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen propagieren und durchführen:

Ausbildung u.a. in Tübingen, Oberarzt Universitäts-Kinderklinik München, Oberarzt und stellvertretender Abteilungsleiter Universitäts-Kinderklinik Justus Liebig Universität Gießen, Direktor der Universitäts-Kinderklinik Leipzig, Professor für Allgemeine Pädiatrie und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Mitglied "Netzwerk Intersexualität/DSD", Mitglied Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ), Mitglied Deutsche Gesellschaft für das Neugeborenenscreening (DGNS), Mitglied Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Präsident der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Endokrinologie (ESPE), Tagungspräsident beim GenitalabschneiderInnenkongress "ESPE 2012", usw. usf.

Auch aktuell ist Prof. Dr. Wieland Kiess im Genitalabschneider-Business weiterhin an vorderster Front mit dabei:

  • Prof. Dr. Wieland Kiess' Universitäts-Kinderklinik Leipzig bietet auch 2013 unverändert kosmetische "Genitalkorrekturen" online an u.a. bei "Hypospadie", "AGS/CAH" und "Hodenhochstand" (Quellen vgl. Offener Brief Uni-Kinderklinik Leipzig 2012).
  • Ebenso propagiert der von Kiess präsidierte GenitalabschneiderInnenkongress "ESPE 2012" kosmetische Eingifffe an betroffenen Kindern, verherrlicht weiterhin unreflektiert hauptverantwortliche TäterInnen, z.B. durch die völlig unkritische Vergabe des jährlichen "Andrea Prader Prize", und verweigert sich jeglicher historischen Aufarbeitung (vgl. Offener Brief an "ESPE 2012").

Trotzdem (oder eher deshalb?) leugnet Prof. Dr. Kiess in der Öffentlichkeit gern die täglichen Genitalverstümmelungen, wäscht seine Hände in Unschuld, und tut so, als wäre das alles längst "Vergangenheit" und höchstens lange vor seiner Zeit passiert.

Andererseits schiebt Kiess Punkt für Punkt nach der "VerstümmlerInnen-Argumentationsfibel" (vgl. auch Dagmar L'Allemand-Jander) gern der "intoleranten Gesellschaft" die Schuld in die Schuhe und fordert statt dem sofortigen Ende kosmetischer Genitaloperationen an Kindern lieber ein "drittes Geschlecht" und "Unisex-Klos".

Aktuelles Beispiel: Prof. Dr. Wieland Kiess' Vortrag an der Leipziger Buchmesse-Akademie bzw. die verstümmlerInnenfreundliche >>> Ankündigung dazu in der Leipziger Volkszeitung von Dominique Bielmeier [inzwischen offline].

Darin darf Prof. Kiess gänzlich unhinterfragt nach Lust und Laune verharmlosen, herunterspielen und mit Desinformationen um sich werfen:

Dies beginnt nach bekanntem Schema schon im 1. Abschnitt nach dem Lead u.a. mit der altbekannten "Intersex"-Statistiklüge, bei der MedizynerInnen um den Faktor 10 verkleinerte Zahlen angeben, u.a. durch Unterschlagung der häufigsten "Genitalkorrektur"-Diagnose "Hypospadie", und unter gleichzeitger Betonung der "Geschlechterfrage", so auch bei Kiess:

In Deutschland wird von 10.000 Kindern jährlich eines geboren, das Merkmale beider Geschlechter aufweist: bei Mädchen eine verlängerte Klitoris, die aussieht wie ein kleiner Penis, oder Eierstöcke bei Jungen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die häufigste Form eines „Zwischengeschlechts“ ist die Vermännlichung von Mädchen als Folge des Adrenogenitalen Syndroms, einer Nebennieren-Erkrankung. Männer mit Androgenrezeptordefekt entwickeln sich körperlich zu Frauen, denen sowohl Achsel- als auch Schambehaarung fehlt.

(Noch nicht einmal die aktuelle Nomenklatur "DSD = Disorders of Sex Development" wird korrekt wiedergegeben, die Leipziger Volkszeitung schreibt sattdessen von "disorders of sex differentitation" [sic!].)

Als nächstes wird unbelegt behauptet, heute wäre ja alles gut und menschenrechtskonform, wobei wiederum der für die Betroffenen zentrale Aspekt der körperlichen Unversehrtheit ausgeblendet und stattdessen auf die Medizyner-Betrachtungsweise vom "falschen und richtigen Geschlecht" rekurriert wird:

Mit den neuen Begriffen geht auch eine Sensibilisierung im Umgang mit den Betroffenen einher. Wenn früher ein Kind mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde, entschieden die Ärzte in den meisten Fällen, dass eine Operation zum vermeintlich „richtigen“ Geschlecht nötig sei. [...]

Der Umgang mit Menschen, die eine gestörte Geschlechtsentwicklung haben, hat sich heute grundlegend geändert. Überstürzte Geschlechtsanpassungen gibt es nicht mehr. Zum Glück, findet Kiess. „Mein Ziel ist es, Eltern so aufzuklären, dass sie fast genauso Bescheid wissen wie wir Ärzte.“ Heute wird nur in Ausnahmefällen – wenn durch die gestörte Entwicklung die Gesundheit des Kindes gefährdet wäre – operiert. Ansonsten kann der Betroffene später selbst entscheiden, ob er als Mann oder Frau leben und sein Geschlecht eventuell durch eine Operation angleichen möchte.

Zu diesem "Persilschein" nach dem Motto "Früher war's vielleicht schlimm, aber heute ist alles im grünen Bereich" gehört selbstredend auch die (scheinbare) Kritik der "Vergangenheit", bei Kiess wiederum unter Betonung des "falschen bzw. richtigen Geschlechts":

„Das war wirklich gnadenlos“, sagt Kiess. „Gerade bei kleinen Mädchen, die eine Störung der Nebennierenrinde und dadurch eine relativ große Klitoris hatten, wurde diese oft einfach verkleinert – mit dem Effekt, dass man Nerven zerstört und das ganze spätere Sexualleben ruiniert hat.“ Betroffene solcher Operationen litten später häufig darunter, sich im falschen Körper gefangen zu fühlen – auch wenn sich ihre Anatomie mit dem Chromosomensatz von XX für Frauen oder XY für Männer deckte.

(Dass gerade Leipzig eine Hochburg nicht nur von sog. "Klitorisreduktionen", sondern auch von Klitorisamputationen und "Klitorisauskernungen" a.k.a. Klitorisexstirpationen war, die in Leipzig bis mindestens in die 1980er-Jahre propagiert und praktiziert wurden, verschweigt Prof. Dr. Wieland Kiess aus nahe liegenden Gründen, und ist auch der Leipziger Vorlkszeitung keine Nachfrage wert ... Ebenso, dass "Klitorisreduktionen" und "Hypospadiekorrekturen" usw. heute noch auf der Kinderklinik-Homepage angeboten werden, vgl. Offener Brief 2012).

Nicht fehlen darf nach dem ungeschriebenen Gesetz der GenitalabschneiderInnenlogik der Rückgriff auf die angeblich fortschrittliche, tatsächlich aber verstümmlerInnenfreundliche Stellungnahme des Deutschen Ethikrates (die deshalb auch von allen Betroffenenorganisationen kritisiert wird). Prof. Kiess:

Am 23. Februar 2012 veröffentlichte der von der Bundesregierung beauftragte Deutsche Ethikrat eine „Stellungnahme zu Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung“. Ziel war es, die Situation von Menschen mit DSD aufzuzeigen. Erstmals kamen Betroffene zu Wort. Ihre Aussagen zeigten, dass die frühere medizinische Behandlung zum Teil erhebliches Leid geschaffen hatte. [...] Der Ethikrat gab auch eine Reihe von Empfehlungen heraus, die die Behandlung von Menschen mit DSD verbessern sollen. Dazu zählen der Aufbau interdisziplinärer Kompetenzzentren und bessere psychosoziale Betreuung.

(Tatsächlich waren Betroffene von frühkindlichen kosmetischen Genitaloperationen in allen Anhörungen des Ethikrates überproportional krass untervertreten und wurden aus dem Ethikrat-Online-"Diskurs" gar herausgemobbt und wegzensiert.)

Prof. Kiess nächster Punkt ist dann folgerichtig die erneute Hervorhebung der "Identitätsschiene" in Verbindung mit der angeblich "intoleranten Gesellschaft" und der Behauptung, was es brauche, sei nicht (wie von den Betroffenen gefordert) ein Verbot der Genitalverstümmelungen, sondern utopische Personenstandspolitik, plus die üblichen Vermischungen mit "Homo, Trans-, Bi- und Was-auch-immer-Sexualität":

Kiess und seine Kollegen fanden im Rahmen einer deutschlandweiten Studie unter Leitung der Lübecker Kinderklinik außerdem heraus, dass viele Betroffene unter Identitätsproblemen leiden. [...]

Professor Kiess sucht gesellschaftliche Akzeptanz für das dritte Geschlecht

In der Gesellschaft fehlt es dennoch weitgehend an Akzeptanz für die Bedürfnisse von Menschen mit DSD. Gemeinsame Toiletten für beide Geschlechter, wie es sie in Frankreich und England häufig gibt, fehlen in Deutschland. Der Beschluss des Berliner Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, Unisex-Toiletten einzuführen – ein Vorschlag der Piratenpartei – ist für Kiess ein erster Vorstoß für mehr Akzeptanz von DSD-Betroffenen.

In den USA dagegen ist man in Geschlechterfragen schon weiter als hierzulande: „Dort gibt es drei Geschlechter, die gesetzlich festgelegt sind: ,male', ,female' und ,other'“, erklärt Kiess. Personen mit gestörter Geschlechtsentwicklung müssen sich beispielsweise bei Formularen nicht mehr auf „männlich“ oder „weiblich“ festlegen.

Dass das Thema DSD gesellschaftlich bekannter und akzeptierter wird, ist dem Mediziner wichtig. Dazu will er seinen Vortrag zum "dritten Geschlecht" bei der Buchmesse-Akademie nutzen. Zusammen mit Charlotte Schubert, Professorin für Alte Geschichte, beleuchtet er das „Zwischengeschlecht“ aus medizinischer und historischer Sicht gleichermaßen. Auch Bi- und Transsexualität werden thematisiert.

(Tatsächlich gibt es auch in den USA nach wie vor 2 Geschlechter im Ausweis, offensichtlich velwechsern da Wieland Kiess und Volkszeitungs-Schreiberin Dominique Bielmeier die USA mit Australien – Intersex-Genitalverstümmelungen sind übrigens da wie dort ebenfalls immer noch an der Tagesordnung ... Betreffend der von Kiess flugs instrumentalisierten Unisex-Klos: Lena Rohrbach, die Urheberin des entsprechenden Antrags, hielt dazu z.B. in der taz immerhin fest: "Das Fehlen von Unisextoiletten sei nicht das größte Problem für Intersexuelle, meint Rohrbach, die Geschlechtsoperationen im Kindesalter seien der viel größere Skandal.")

Bezeichnend: Die erste und wichtigste Forderung der Betroffenen seit 20 Jahren, nämlich ein gesetzliches Verbot der Genitalverstümmelungen und Bestrafung der TäterInnen, unterschlägt Prof. Kiess dagegen rundheraus – warum wohl? Und die Leipziger Volkszeitung stellt auch hierzu einmal mehr keinerlei Rückfragen ...

Meine 2 Cent:

Offensichtlich spürt auch Prof. Dr. Wieland Kiess in Leipzig den Gegenwind durch die anhaltende öffentliche Kritik an kosmetischen Genitaloperationen an "atypischen" Kindern (für Leipig vgl. z.B. Interview im "Kreuzer" 11/2012 und Beitrag auf "Radio Mephisto" 25.09.2012, inkl. verräterischem O-Ton aus der Uni-Kinderklinik), und versucht sich nun seinerseits mit "Schadensbegrenzungs-PR".

Schliesslich steht für die VerstümmlerInnen und ihre Kliniken einiges auf dem Spiel: Nicht nur verdienen sie an den anhaltenden Verstümmelungen ganz ordenlich (z.B. die Kliniken € 8175,12 Reingewinn pro "Plastische Rekonstruktion der Vulva" bei "AGS/CAH"), sondern haben offensichtlich (und zu Recht!) Schiss vor den Schadenersatzklagen, die früher oder später auf sie zukommen werden (dass Christiane Völling lediglich € 100'000.-- Schmerzensgeld erhielt, war bekanntlich bloss, weil sie kein Geld hatte für eine höhere Klage, ansonsten hätte sie wohl € 250'000.-- oder mehr Schmerzengeld gekriegt).

Dass dabei die Leipziger Volkszeitung "aus wirtschaftlichen Gründen" für die GenitalabschneiderInnen unkritisch Steigbügelhalter spielt, hat mittlerweile Tradition: Schon bei den Intersex-Protesten in Leipzig im Herbst 2012 wurde nach einem ersten kritischen Artikel und einem geplanten 2. der betreffende Journalist (und wohl auch seine Vorgesetzten) von Messeveranstaltung (und wohl auch Klinik) erfolgreich unter Druck gesetzt; stattdessen erschien in der Volkszeitung bald darauf ein Artikel, wie viel Geld die beiden VerstümmlerInnen-Kongresse nach Leipzig brachten …

(Danke an Das Ende des Sex für Hinweis und solidarischen Kommentar: "Intergeschlechtlichkeit (Intersexualität): Glatte Fehlinformationen von einem Arzt im Rahmen der Leipziger Buchmesse".)

>>> "Intersex"-Chronologie Deutscher Ethikrat 2008-2013

>>> "Verstümmeln ist OK, wenn's nicht um Geschlechtsindentität geht"
        Intersex-Vereinnahmungs-1-0-1 mit Dr. Michael Wunder (Ethikrat)    

>>> Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Sunday, March 17 2013

Bezeichnend: Intersex-Serienverstümmlerin Dagmar L'Allemand-Jander ("EuroDSD") fordert "3. Geschlecht statt OP-Verbot"

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Geschlecht: Zwangsoperiert

Zwischengeschlecht.org on FacebookDie Endokrinologin Dagmar L’Allemand-Jander ("EuroDSD", leitende Ärztin Kinderspital St. Gallen) ist eine der an Intersex-Genitalverstümmelungen unmittelbar beteiligten MedizynerInnen, die scheinbar unbeirrbar wieder und wieder explizit kosmetische Genitaloperationen an Kindern "mit atypischen Genitalien" propagieren, sowohl gegenüber den meist überforderten Eltern (die von den BehandlerInnen zusätzlich in Panik versetzt werden, was dann als "Betreuung" verkauft wird) wie auch in der Öffentlichkeit.

Dabei vermischt Prof. Dr. L’Allemand-Jander gekonnt Betroffene und Eltern, medizinisch tatsächlich notwendige und kosmetische Eingriffe usw. und stellt pauschal unbelegte Behauptungen auf. Ein Müsterchen aus dem "Beobachter" 20/2012 mit verräterischem Vokabular und unzulässigen Vergleichen:

"Aus Erfahrung wisse sie, dass jene Patienten, die sich für die Geschlechtsoperation entschieden ha­ben, den Eingriff dann am besten über­stehen, wenn Kind und Eltern sorgfältig betreut wurden. [...] «Es ist die Aufgabe der Eltern, für ihr Kind zu entscheiden. Das beginnt schon bei der Zeugung», findet L’Allemand. «Wenn ein Mädchen mit einem adrenogenitalen Syn­drom zur Welt kommt, kann ich meistens schon bei der Geburt sagen, dass es eine normale Frau wird, die Geschlechtsverkehr haben und Kinder bekommen kann. Wa­rum soll man das Geschlecht nicht sofort festlegen und dieses Kind stattdessen mit einer Uneindeutigkeit aufwachsen lassen? Warum soll man es nicht gleich so machen, dass alle – auch die Eltern – nicht täglich daran erinnert werden, dass es ein Gebrechen hat?», fragt L’Allemand. Wenn ein Kind mit einer Lippen­-Kiefer­-Gaumen­-Spalte zur Welt komme, sei der Eingriff in den meisten Fällen ebenfalls nicht medizi­nisch indiziert, und dennoch operiere man den Säugling, damit sein Gesicht nicht ent­stellt ist», sagt die Endokrinologin."
("Beobachter" 20/2012, S. 25f.)

[Anmerkung zu L'Allemand-Janders Vergleich von kosmetischen Genitaloperationen mit OPs wegen Lippen­-Kiefer­-Gaumen­-Spalte: MedizinethikerInnen, die diesen Namen auch verdienen, haben schon vor längerem klargestellt, dass dieser Vergleich unzulässig ist, vgl. z.B. Erik Parens (Ed.): "Surgically Shaping Children", Baltimore: The Johns Hopkins University Press, 2006; dieses Buch wurde bekanntlich auch im Offenen Brief von Zwischengeschlecht.org an das Kispi St. Gallen erwähnt. Auch darin wird festgehalten: Erstens können Kinder mit LKGS oft nicht richtig saugen, es handelt sich dann nicht um einen kosmetischen Eingriff. Zweitens, und das ist für Mediziner mit funktionierendem Gewissen der springende Punkt, gibt es unter Betroffenen von frühkindlichen LKGS-OPs – im Gegensatz zu Betroffenen von Intersex-Genitalverstümmelungen! – nicht seit Jahrzehnten konstant öffentliche Berichte, wonach diese OPs für sie verheerend waren, ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigen und sie nichts mehr wünschten, als dass diese kosmetischen Eingriffe unterlassen worden wären.]

Ebenso unbeirrt propagiert die "EuroDSD"-Endokrinologin Prof. Dr. Dagmar L’Allemand-Jander kosmetische Genitaloperationen an Kindern Trotz der Intersex-Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK-CNE). Diese wurde bekanntlich – im Gegensatz zu derjenigen des Deutschen Ethikrates – von Betroffenenorganisationen weltweit gelobt (während es sich bei den MedizynerInnen genau umgekehrt verhielt).

Zwar erwähnte Prof. Dr. L'Allemand-Jander in ihren Aussagen in den >>> "Schaffhauser Nachrichten" vom 15.11.2012 (S. 2) die verstümmlerInnen- freundliche Empfehlungen des Deutschen Ethikrat nicht explizit, doch inhaltlich sehr wohl.

Bekanntlich unterscheiden sich die Stellungnahmen der beiden Ethikgremien hauptsächlich in 2 Punkten:

1. Intersex-Genitalverstümmelungen: Der Deutsche Ethikrat behauptete eine (Pseudo-)Unterscheidung zwischen "geschlechtszuordnenden" und "geschlechtsvereindeutigenden" "Genitalkorrekturen" an Intersex-Kindern, und befand die allermeisten kosmetischen Genitaloperationen, z.B. bei "AGS" und "Hypospadie" (laut Ethikrat sog. "geschlechtsbestätigende OPs") zwar als leicht fragwürdig, aber letztlich schon OK, solange die Eltern darauf bestehen; einzig bei der (verschwindend kleinen) Minderheit der Betroffenen, bei denen auch die MedizynerInnen von "wirklich uneindeutigen" Fällen ausgehen (laut Ethikrat sog. "geschlechtsvereindeutigende OPs"), sprach er sich definitiv gegen frühkindliche kosmetische OPs aus, ohne jedoch klar gesetzgeberische Massnahmen zu fordern. Demgegenüber kritisierte die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) ausdrücklich "alle nicht bagatellhaften, geschlechtsbestimmenden Behandlungsentscheide, die irreversible Folgen haben, aber aufschiebbar sind" und die nicht aus medizinischen Gründen, sondern aufgrund "kulturell-gesellschaftlichen Wertvorstellungen" durchgeführt werden, und forderte die Prüfung gesetzgeberischer Massnahmen im Straf- und Haftungsrecht.

2. Personenstandspolitik: Während der Deutsche Ethikrat die vor allem von LGBT-Interessensgruppen aufgestellte Forderung nach Abschaffung des Geschlechtseintrags bzw. Einführung eines "Dritten Geschlechts" als einzige konkrete gesetzgeberische Forderung propagierte (mit den bekannten Folgen), orientierte sich die Nationale Ethikkommission pragmatisch an den Bedürfnissen der direkt betroffenen Kinder und Erwachsenen und forderte, dass Betroffene, die mit ihrer zivilrechtlichen Geschlechtszuweisung nicht zufrieden sind, die Möglichkeit erhalten sollen, ihren Personenstand später unbürokratisch ändern zu können.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang die Aussagen der bekennenden "EuroDSD"-Serienverstümmlerin Dagmar L’Allemand-Jander:

"Es sollte eine individuelle Lösung für jedes Kind gefunden werden, deshalb hält die Ärztin ein generelles Verbot von Operationen bei Kleinkindern für ungünstig. Dagegen würden sich die Fachleute wehren.

Einführung dritten Geschlechts

Allerdings stehe die Operation nicht im Vordergrund der Behandlung. [...] «Deshalb wäre es unser Wunsch, ein Drittes Geschlecht einzuführen. Das würde dem Kind und den Eltern Zeit geben, um über Entscheidungen nachzudenken», sagt l'Allemand." (SN 15.11.2012, S. 2)

Ebenso bezeichnend, wie L’Allemand-Jander wiederholt behauptet, es würde von Betroffenen konkret ein Verbot (auch) von medizinisch notwendigen Operationen gefordert – das Gegenteil ist bekanntlich der Fall. Und wie sie konstant beteuert, diejenigen Betroffenen, die sich über das ihnen Angetane beklagen, seien "Fälle aus der Vergangenheit", und die "Ethikkomission habe solche Fälle untersucht, die nicht nach den heutigen Standards betreut worden seien oder nach der Operation zu medizinischen Problemen geführt hätten". Heute sei angeblich alles anders und "viele [...] froh über eine Operation im Kleinkindesalter, die das Leben der Aufwachsenden erleichtert habe".

Kurz: Die übliche Litanei der VerstümmlerInnen & Co. Belege irgendwelcher Art für letztere pauschale Behauptung "zufriedener" Verstümmelter bleibt - Überraschung! – auch L'Allemand-Jander einmal mehr schuldig, während umgekehrt die Beinträchtigung des sexuellen Empfindens auch bei den "neuen Operationsmethoden" wiederholt von Betroffenen beklagt und von Studien bestätigt wird, von L'Allemand-Jander – Überraschung! – jedoch unterschlagen wird.

Meine 2 Cent:

Offensichtlich ist sich auch "EuroDSD"-Verstümmlerin Prof. Dr. Dagmar L’Allemand-Jander klar darüber, dass einzig ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern sie und ihre unbeirrbaren Genitabschneider-Kolleginnen künftig davon abhalten würde, weiterhin wehrlose Kinder zu verstümmeln – sicher im Wissen, dass wegen der "Einwilligung" der Eltern und vor allem wegen der geltenden Verjährungsbestimmungen die Betroffenen auch weiterhin keine Möglichkeit haben werden, juristisch gegen sie und andere VerstümmlerInnen vorzugehen.

Während umgekehrt die Einführung eines zwangsweisen "3. Geschlechts" für "uneindeutige" Kinder nicht das Ende der für die TäterInnen und ihre Spitäler lukrativen Verstümmelungen bedeuten würde, sondern im Gegenteil ein für die MedizynerInnen willkommenes zusätzliches Druckmittel gegenüber eingeschüchterten Eltern darstellt, um diese erst recht zur "Einwilligung" in medizinisch nicht notwendige Genitaloperationen an ihren Kindern zu "bewegen".

Passend auch, wie der medizynerfreundliche Artikel in den "Schaffhauser Nachrichten" diese – von Betroffenen seit langem abgelehnte – Forderung nach Einführung eines "3. Zwangsgeschlechts" für "uneindeutige" Kinder im Text gleich 2x hervorhebt (einmal als Zwischentitel und einmal als übergrosses Zwischenzitat), während demgegenüber im ganzen 1-seitigen Artikel Betroffene nicht ein einziges Mal zu Wort kommen ...

Nachtrag: Der Bericht mit Dagmar L’Allemand-Jander erschien auch im St. Galler Tagblatt, im Toggenburger Tagblatt und in der Appenzeller Zeitung.

>>> "Intersex"-Chronologie Deutscher Ethikrat 2008-2013

>>> "Verstümmeln ist OK, wenn's nicht um Geschlechtsindentität geht"
        Intersex-Vereinnahmungs-1-0-1 mit Dr. Michael Wunder (Ethikrat)    

>>> Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 

>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen" 

GenitalabschneiderInnen, wir kriegen euch! ZwangsoperateurInnen, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Saturday, February 9 2013

§ 22 (3) PStG: Deutliche Kritik von Zwischengeschlecht.org, Intersexuelle Menschen e.V., OII Deutschland (IVIM), Konstanze Plett

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Zwischengeschlecht.org on Facebook

Zum >>> unglücklichen neuen "Geschlechtseintrags-Verbot"
für Intersex-Kinder (§ 22 PStG)
, das der Bundestag am 31.1.13 beschloss, liegen nach der Kritik durch die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org nun auch öffentliche Verlautbarungen von den Betroffenenorganisationen Intersexuelle Menschen e.V. und Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM) vor, sowie von der Juristin Konstanze Plett, die alle (fast) kein Blatt vor den Mund nehmen. Danke!

In einem >>> Artikel des Weser Kurier vom 5.2.13 (Scan) sagt Lucie Veith im Namen von Intersexuelle Menschen e.V. zum neuen Paragraphen, sie seien "traurig über den Schnellschuss", und "kritisiert", dass weder die "Stimmen der Betroffenen genügend berücksichtigt wurden", noch die Empfehlungen des Ethikrates, "dass nur Betroffene selbst über geschlechtszuordnende Operationen entscheiden sollten und dass es einen Härtefallfonds für Opfer von medizinisch nicht indizierten Operationen geben sollte".

Die "nun schnell gefasste Neuregelung" könne "den Druck auf Betroffene und deren Eltern nicht abmildern".  Veith fordert – nebst einem (realpolitisch unrealistischen) generellen Verzicht auf Geschlechtseinträge "bis zum 16. oder 18. Lebensjahr" – ein "grundsätzliches" gesetzliches Verbot kosmetischer Genitaloperationen an betroffenen Kindern (vom Weser Kurier in indirekter Rede und unglücklicherweise in der TäterInnensprache wiedergegeben als "geschlechtsangleichende Operationen").

Zum Vergrössern: reinklicken! 

Und weiter:"„Intersexuell geboren zu sein, heißt nicht, krank zu sein.“ Veith möchte zudem, dass auch Eltern nicht über den Kopf des Kindes hinweg in eine Geschlechtsoperation einwilligen. [...] Laut Veith wird insgesamt weniger, aber immer noch zu viel operiert." 

(Quellen werden keine genannt für letztere Behauptung von wegen "weniger" OPs, bei der offensichtlich in erster Linie Kastrationen bei CAIS gemeint und die massiv häufigeren – und zunehmenden! – kosmetischen "Peniskorrekturen"/"Harnröhrenverlegungen"/"Hypospadiekorrekturen" sowie "Klitorisreduktionen" und "Vaginalplastiken" einmal mehr nicht mit berücksichtigt sind – was dem Leiter der Kinderchirurgie am >>> Verstümmler-Klinikum Bremen-Mitte, Christian Lorenz, eine Steilvorlage liefert zur üblichen Schutzbehauptung, dass heutzutage praktisch nur noch "Fälle [...] vorlägen, die also medizinisch notwendig seien", und überhaupt: "Reine Rekonstruktionsoperationen, wie sie in den 60er-Jahren üblich waren, seien überholt." Schön wärs – aber Hauptsache, nichts zugeben, was auch nicht ganz sicher längst absolut verjährt ist ...)

In einer >>> Pressemitteilung vom 07.02.2013 hält die Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM) / OII Deutschland ebenfalls fest: Der neue § 22 (3) PStG "bedeutet im Klartext, dass es sich nicht um eine Wahlmöglichkeit, sondern um eine Vorschrift handelt", gar um eine "Sondervorschrift", die "Ausschlüsse" produziere: "Die Lebenssituation der allermeisten intergeschlechtlichen Menschen wird sich dadurch nicht verbessern." Zudem bleibe die "Definitionsmacht" der MedizinerInnen über die Betroffenen "unangetastet", und es drohe "die Gefahr der Stigmatisierung":

"Daher könnte im Gegenteil, die neue Vorschrift (potentielle) Eltern und Ärzt_innen zusätzlich darin bestärken, ein “uneindeutiges” Kind um jeden Preis zu vermeiden (durch Abtreibung, pränatale “Behandlung” oder sogenannte vereindeutigende chirurgische und/oder hormonelle Eingriffe). Sofern das Motiv der Neureglung gewesen ist, chirurgisch-hormonelle “Vereindeutigungen” von Kindern zu verringern, so ist abzusehen, dass dieses Ziel nicht erreicht werden wird."

Fazit von IVIM: "Was wir brauchen, ist ein Ende der fremdbestimmten Geschlechtszuweisung, der Praxis geschlechtlicher Normierung und Verstümmelung sowie der medizinischen Definitionshoheit über Geschlecht."

Ebenfalls im >>> Artikel des Weser Kurier vom 5.2.13 (Scan) kam weiter die emeritierte Jus-Professorin Konstanze Plett zu Wort. Auch sie kommt zum Schluss:

„Diese Regelung löst eher Zwang aus“, sagt sie, „weil die Ärzte entscheiden müssen, ob eine Geschlechtszuordnung möglich ist.“ Zudem sei ungeklärt, wie Standesämter prüfen sollen, dass eine bestimmte Zuordnung nicht möglich ist – Entwürfe für Ausführungsvorschriften gebe es bislang nicht. „Im Zweifel ist wohl ein Attest eines Arztes nötig“, so Plett, sodass weiter die Gefahr einer zwangsweisen Geschlechtszuordnung bestehe.

>>> Bundesrat 2014: Verwaltungsvorschrift zum PStG-Murks § 22(3) PStG:
        Alleinige Definitionshoheit und Entscheidungsgewalt für Ärzte    

>>> Bundestag 31.1.13: Staatliches Zwangsouting für "Intersex-Kinder" -
        Freipass für GenitalabschneiderInnen

>>> Intersex-Fakten: Geschlechtseintrag "offen" seit 2009 möglich (§ 7 PStV) -
        Genitalverstümmelungen zunehmend 

>>> § 22 (3) PStG: "Deutliche Kritik an neuer Regelung" - erste Reaktionen

Thursday, January 31 2013

Bundestag: Staatliches Zwangsouting für Intersex-Kinder - Freipass für Genitalverstümmler

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 01.02.2013:

Ausgeliefert!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org verurteilt den gestrigen Beschluss des Bundestages, künftig bei "uneindeutigen" Neugeborenen keinen Geschlechtseintrag mehr zuzulassen.
Und warnt vor den negativen Folgen für die Betroffenen, darunter erhöhter Druck auf die Eltern zu kosmetischen Genitaloperationen und selektiven Abtreibungen sowie staatliches Zwangsouting für die betroffenen Kinder.


INHALT
1. Verbot des Geschlechteintrags für "intersexuelle" Neugeborene
2. Praktische Folgen für Betroffene Kinder und Eltern
   • Faktisches Verbot
   • Bestimmen werden weiter allein die Ärzte
   • Druck auf Eltern zu kosmetischen GenitalOPs erhöht sich
   • Druck auf Eltern zu (Spät-)Abtreibungen erhöht sich
   • Staatliches Zwangsouting für betroffene Kinder
   • Weniger Schutz vor Verstümmelung und Diskriminierung
3. Das eigentliche Problem
4. Wie Betroffene einfach und effektiv geschützt werden könnten
   • Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern
   • Psychosoziale Unterstützung und Peer Support statt Verstümmeln
   • Korrekte Anwendung von § 47 PStG
   • Das Preussische Landrecht war schon mal weiter ...
5. Intersex-Genitalverstümmelungen nicht mehr länger ignorieren!

1. Verbot des Geschlechteintrags für "intersexuelle" Neugeborene

Der Bundestag hat am späten Donnerstagabend einen kurzfristig eingereichten Antrag (PDF) zum Personenstandsrechts-Änderungsgesetz (PStRÄndG) gutheissen, wonach künftig via Personenstandgesetz "uneindeutigen" Neugeborenen der Eintrag eines Geschlechts amtlich verboten wird:

PStG § 22 Abs. 3 [neu]: „(3) Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.“

Zweifellos wird diese Neuerung als ein angeblicher "Durchbruch für die Rechte Intersexueller" verkauft werden (allen voran von Grünen und LGBT-Verbänden). Und von allen Parteien als Ausrede benutzt, weshalb sie auf die tatsächlichen und massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern (wie z.B. kosmetische Genitalverstümmelungen und selektive Abtreibungen) weiterhin gar nicht erst eintreten werden, das Problem sein nun ja abgehakt.

2. Umso mehr lohnt es sich, näher zu betrachten, was dieser Beschluss für die betroffenen Kinder selbst sowie für ihr Umfeld konkret bedeutet:

Leider zeigt sich dabei schnell einmal, dass (nebst Gender-PolitikerInnen und dritten Interessengruppen) hauptsächlich die GenitalverstümmlerInnen in den Kinderkliniken von diesem neuen Gesetz profitieren werden ...

• Zunächst ist zu beachten: Es handelt sich NICHT um keine optionale "Kann-Formulierung", sondern um ein obligatorisches Muss: "ist [...] ohne eine solche Angabe [...] einzutragen". Damit wird betroffenen Kindern ein Geschlechtseintrag explizit verunmöglicht, was faktisch einem Verbot gleichkommt. (Auch wenn Familienministerin Kristina Schröder in ihrer Presseeinladung fälschlicherweise das Gegenteil suggeriert: "Damit wird es erstmals möglich, das Geschlecht intersexueller Menschen im Geburtenregister offen zu lassen.")

• Welche Instanz letztlich bestimmt, wann und ob "das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden [kann]", wird dabei nicht weiter festgehalten – braucht es aber auch nicht: Bestimmen werden wie gehabt allein die MedizynerInnen ...

Der Druck auf Eltern, widerrechtlich in kosmetische Genitaloperationen für die betroffenen Kinder "einzuwilligen", wird sich erhöhen: Die oft überforderten und von irrationalen Schuldgefühlen geplagten Eltern werden von den MedizynerInnen – nebst mit dem bereits üblichen Unter-Druck-Setzungs-Instrumentarium ("soziales Aus", "wird sich umbringen", "niemals glücklich sein können", Blablabla) – zusätzlich damit konfrontiert werden, dass sie bei einem "solchen Kind" nicht einmal mehr ein Geschlecht eintragen lassen dürften – es sei den, sie willigten zuerst in eine kleine Operation ein, nachher sei eine "Zuordnung" ja problemlos möglich ... (Schon heute argumentieren die MedizynerInnen ja bei den meisten betroffenen Kindern, es handle sich eigentlich klar um Jungen oder Mädchen, nur hätten sie ein kleines Problemchen, das sich aber ohne weiteres operativ beheben liesse ...)

Der Druck auf Eltern, ein betroffenenes Kind (spät-)abtreiben zu lassen, wird sich erhöhen: Spätabtreibungen betroffener Kinder sind seit mindestens 1972 legal und zunehmend. Auch hier werden die MedizynerInnen den neuen §22 gerne als zusätzliches "Überzeugungsmittel" herbeiziehen.

Betroffenen Kindern droht ein staatlich verordnetes Zwangsouting in Kindergarten, Schule usw. – mit allen Folgen: "Anderssein" ist in der Regel kein Zuckerschlecken. Umso wichtiger wäre psychosoziale Unterstützung bei konkreten Mobbing-Fällen (statt angeblich "präventive" genitalverstümmelnde Zwangsoperationen). Die Verweigerung eines Geschlechtseintrags für betroffene Kinder wird stattdessen zu mehr Mobbing führen ("Du hast ja nicht mal nen Geschlechtseintrag!").

• Fazit: Noch weniger Schutz der Betroffenen vor kosmetischen Genitaloperationen, aber auch vor Diskriminierungen.

3. Das eigentliche Problem

Nach wie vor werden heute 90% aller betroffenen Neugeborenen möglichst früh ohne medizinische Notwendigkeit kosmetisch genitalverstümmelt und leiden ein Leben lang unter den Folgen (u.a. Verminderung oder Zerstörung der sexuellem Empfindungsfähigkeiz, schmerzende Narben, usw.). Immer noch werden viele ohne medizinische Notwendigkeit kastriert ("Wir wollen doch keine Mutanten züchten").

Aber wen interessiert sowas schon? Offensichtlich nicht den Bundestag. Hauptsache, der Amtsschimmel wiehert und GeschlechterpolitikerInnen können darauf anstossen, einmal mehr zwangsverstümmelte Kinder als Mittel zum Zweck der Aushöhlung des "bösen Zweigeschlechtersystems" missbraucht zu haben. Fazit: Personenstandspolitik mit Kinderblut an den Händen!

4. Dabei wäre es ganz einfach, WIRKLICH etwas für die betroffenen Kinder zu tun:

• Ein Verbot medizinisch nicht notwendiger, kosmetischer Genitaloperationen an Kindern, rsp. die gesetzgeberische Anerkennung, dass Eltern noch nie berechtigt waren, im Namen ihrer Kinder in solche Eingriffe einzuwilligen, weshalb die Verstümmelungen schon seit jeher illegal erfolgten, und entsprechendes Unterbinden von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern aufgrund solcher widerrechtlicher "Einwilligungen".

• Statt menschenrechtswidrige Genitalverstümmelungen zu tolerieren endlich angemessene psychosoziale Unterstützung und Peer Support für Betroffene, Eltern und das soziale Umfeld zu gewährleisten.

Durchsetzung der korrekten Anwendung von §47 PStG, wonach Betroffene, die später ihren Geschlechtseintrag korrigieren lassen wollen, dies unbürokratisch tun können (statt dass Ämter und Behörden weiterhin widerrechtlich MedizynerInnen helfen, solche Betroffene tatsachenwidrig zu Transsexuellen zu erklären).

Das Preussische Landrecht war schon mal weiter: Seit 20 Jahren weisen Betroffenenorganisationen darauf hin, dass Personenstandsexperimente wie zwangsweises Offenlassen des Geschlechtseintrags oder zwangsweise Einführung eines 3. Geschlechtseintrag nicht im Interesse der betroffenen Kinder sind. Stattdessen sollten betroffene Kinder nach bester Einschätzung vorläufig einem sozialen Geschlecht inkl. Eintrag zugewiesen werden (jedoch ohne kosmetische Eingriffe!!!), unter Offenheit den Kindern gegenüber über ihre Besonderheit, und Hinweis auf die Option, ihren Geschlechtseintrag ggf. später unbürokratisch korrigieren zu lassen (§47 PStG). Paradoxerweise waren Betroffene mit dem Zwitterparagraphen im Preussischen Landrecht, wonach zunächst die Eltern den Geschlechtseintrag bestimmten (§19) und die betroffene Person diesen später unbürokratisch ändern konnte (§20), besser gestellt als heute!

5. Intersex-Genitalverstümmelungen nicht mehr länger ignorieren!

Leider hat es der Bundestag einmal mehr sträflich versäumt, sich wirksam für den Schutz und die Interessen der Betroffenen einzusetzen, und stattdessen wiederum dritte Interessengruppen und nicht zuletzt ausgerechnet die GenitalverstümmlerInnen favorisiert – wie sich auch die Bundesregierung seit über 16 Jahren konsequent GEGEN die Opfer der frühkindlichen Verstümmelungen stellt, und sich bis heute stets auf die Seite der TäterInnen schlägt.

Wie lange noch?!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

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>>> Bundesrat 2014: Verwaltungsvorschrift zum PStG-Murks § 22(3) PStG:
        Alleinige Definitionshoheit und Entscheidungsgewalt für Ärzte     

>>> Intersex-Fakten: Geschlechtseintrag "offen" seit 2009 möglich (§ 7 PStV) -
        Genitalverstümmelungen zunehmend 

>>> § 22 (3) PStG: "Deutliche Kritik an neuer Regelung" - erste Reaktionen

>>> § 22 (3) PStG: Deutliche Kritik von Intersexuelle Menschen e.V.,
        OII Deutschland (IVIM) und Konstanze Plett  

>>> Bundestag 31.1.13: Staatliches Zwangsouting für "Intersex-Kinder" -
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