Search

Your search for fachgespräch returned 41 results.

Sunday, February 3 2013

Geschlechtsverbot für Intersex-Kinder (§ 22 PStG): "Deutliche Kritik an neuer Regelung" (queer.de) und weitere Reaktionen

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

>>> Interessanter Artikel auf queer.de inkl. z.T. ebensolchen Kommentaren darunter, zum neuen "Geschlechtseintrags-Verbot" für Intersex-Kinder im neuen § 22 (3) PStG, mit einem Überblick zu den ersten Verlautbarungen, inkl. zu unserer Pressemitteilung vom 1.2.13, und einem Bild von unserem Protest vor dem Kispi St. Gallen. Danke!

Einen solidarischen Kommentar schaltete Daniel R. Frey auf >>> Queerdenker.ch. Und einen Hinweis Heinz-Jürgen Voß auf >>> Das Ende des Sex. Danke!

Nachtrag 1: >>> Deutliche öffentliche Kritik gab's mittlerweile auch von Intersexuelle Menschen e.V., OII Deutschland (IVIM) und von der Juristin Konstanze Plett, die alle ebenfalls rügen, Betroffene nicht konsultiert wurden, dass das Zwangsgesetz den Druck auf Eltern erhöht, und in erster Linie ein Verbot der Verstümmelungen notwendig wäre sowie den MedizynerInnen die (Definitions-)Macht zu entreissen. Danke! 

Wie schon festgehalten, tun die PolitikerInnen in ihren Pressemitteilungen überparteilich gleichgeschaltet alle so, als würde der neue Paragraph den Betroffenen eine Wahl auftun, obwohl dem bekanntlich klar nicht so ist – offensichtlich können sie alle vor lauter Wahlkampf und anderen wichtigeren Dingen nicht mal "ist-ohne-Eintrag-einzutragen" (so steht's ultimativ im neuen § 22 drin) von "kann-ohne Eintrag-eingetragen-werden" unterscheiden – obwohl manche den neuen Gesetzestext noch copy/pasten!

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) reklamiert offiziell die Verantwortung für das Debakel, das auf ihre "Initiative" zustande gekommen sei und die Umsetzung "einer Forderung des Deutschen Ethikrates im Bereich der Intersexualität" darstelle. Und das war's dann – kein Wort zum eigentlichen Problem der täglichen Intersex-Genitalverstümmelungen ... bekanntlich hat die Bundesregierung dazu auch sonst dezidiert "keine Meinung".

Die CDU/CSU, vertreten durch Dorothee Bär und Peter Tauber, nennt den neuen Zwang einen "großen Erfolg, für die betroffenen Menschen, die" – und hier müsste sich die ganze CDU/CSU in erster Linie gleich selbst an der Nase nehmen! – "in der öffentlichen Debatte leider nur selten Beachtung finden". Um danach voller Selbstlob (und wie von Zwischengeschlecht.org prophezeit) sogleich zu unterstellen, damit wäre die Arbeit ja getan rsp. ein angeblich "besonders wichtiges Anliegen der Betroffenen" abgehakt, und das (in den Augen der Betroffenen zentrale) Problem der andauernden Intersex-Genitalverstümmelungen würde sich – Dank der gütigen Hilfe von CDU/CSU – nun ja quasi von sebst lösen: "Damit begleiten wir auch den Paradigmenwechsel in der Fachwelt, die von festlegenden operativen Eingriffen [...] abrückt." Tja, schön wär's – aber Hauptsache zur Ablenkung noch grossartig das "binäre Geschlechtermodell" als angeblichen Sündenbock vorschieben, jedoch bloss kein Wort vom Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Die GenitalabschneiderInnen werden's bestimmt mit grosszügigen Wahlkampfspenden danken!

In einem Blogpost nennt Peter Tauber (CDU) immerhin realistischere Zahlen, als wir uns das sonst von PolitikerInnen gewohnt sind: "Jedes Jahr werden zwischen 200 und 400 Kinder in Deutschland geboren, bei denen das Geschlecht nicht eindeutig festzustellen ist. [...] In Deutschland leben nach Schätzung mehrere zehntausend intersexuelle Menschen." Ansonsten tut er weiterhin so, als wären die Verstümmelungen (nicht zuletzt dank unzähliger Bundestags-Sitzungen) längst Geschichte, indem er ausschliesslich von "irreparablen medizinischen Eingriffen in der Vergangenheit" schreibt, angeblich "aufgrund einer fehlenden Sensibilität bei Ärzten und Krankenhäusern" – dass die Verstümmelungen obendrein noch recht rentabel sind, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wie stets in den letzten 20 Jahren, wenn an den Verstümmelungen nichts geändert werden soll, plant auch Tauber ein weiteres "Fachgespräch" – als wäre nicht längst schon alles zigmal durchgekaut (und als hätte es z.B. das Verdikt des UN-Komitees gegen Folter oder die Bundestagsanhörung nie gegeben): "Darüber hinaus habe ich mich dafür eingesetzt, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [...] einen großen Kongress durchführt, damit das Thema fachlich weiter diskutiert, wir über nächste Schritte sprechen und wie wir die Gesellschaft weiter sensibilisieren können." Und wenn sie nicht gestorben sind, so labern – äh, operieren sie noch heute ...

Wie ebenfalls vorausgesehen verkaufen die Grünen, vertreten durch Monika Lazar und Volker Beck (und gepusht vom LSVD), den neuen Zwang für die Betroffenen vollmundig als "kleine Revolution für Intersexuelle". Es ehrt sie, dass sie im Anschluss immerhin sogleich thematisieren, dass das eigentliche Anliegen der Betroffenen, nämlich ein "Verbot" der Genitalverstümmelungen, bzw. der "große Wurf" nach wie vor"fehlt". Dass sie dabei weiterhin unverdrossen der TäterInnensprache fröhnen, indem sie von "prophylaktischen, geschlechtsangleichenden Operationen" reden, verursacht einmal mehr Brechreiz, und macht deutlich, dass auch sie selbst das Wesentliche leider immer noch nicht wirklich kapieren wollen.

Die FDP schickte gleich 2 Pressemitteilungen ins Rennen: Manuel Höferlin [offline] wertet den neuen Zwang als "einen liberalen Erfolg". Dito Florian Bernschneider, der es zusätzlich mit Grünen hält: "Dies ist nicht mehr und nicht weniger als eine kleine Revolution im Personenstandsrecht." Die eigentliche Problematik der Verstümmelungen deuten beide nicht einmal an. Auch dafür werden sich die GenitalabschneiderInnen bestimmt erkenntlich zeigen.

Keine Pressemitteilungen gab's offenbar von SPD und Die Linke – zumindest konnte ich keine ausfindig machen.

Nachtrag 2:

Mechthild Rawert (SPD) kritisierte auf ihrer >>> Homepage die Gesetzesänderung ebenfalls als "Hauruck-Aktion" und bemängelte mangelnde interfraktionelle Abstimmung. Den zentralen Kritikpunkt der Betroffenenorganisationen, nämlich dass die Änderung einen neuen Zwang und keine Option darstellt, und dadurch Eltern noch stärker unter Druck setzen und betroffenen Kindern konkret schaden wird, scheint Rawert allerdings entgangen zu sein, da sie dies nicht einmal erwähnt, und stattdessen ebenfalls behauptet, es handle sich um eine "kann-Möglichkeit". Auch die Kritik, dass die Betroffenenorganisationen für den neuen § 22 (3) nicht konsultiert wurden, bleibt unerwähnt.

Stattdessen fordert Rawert weiterhin unbeirrbar (wie schon an der Veranstaltung im Rogate-Kloster) einen 3. Geschlechtseintrag offensichtlich auch für Neugeborene, statt, wie Betroffene dies fordern, ggf. eine selbstbestimmte optionale Möglichkeit für Erwachsene.

Immerhin fordert laut Mechthild Rawert anscheinend die SPD an 1. Stelle mittlerweile ein "Verbot von irreversiblen geschlechtszuweisenden bzw. geschlechtsanpassenden Operationen an mehrdeutig geschlechtlich geborenen Kleinkindern, an Minderjährigen ohne deren ausdrückliche Einwilligung" – langsam scheint da etwas in Bewegung zu kommen, auch wenn leider die unreflektierte Rede von "geschlechtszuweisenden bzw. geschlechtsanpassenden Operationen" weiterhin ausschliesslich der TäterInnenperspektive Rechnung trägt und die wohl häufigsten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern einmal mehr aussen vor lässt (wie schon der Ethikrat). Auch die Rede von "mehrdeutig geschlechtlich geborenen Kleinkindern" stiftet (gewollt?) unnötig Verwirrung, statt deutlich klarzustellen, worum es wirklich geht, nämlich um Kinder mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen (und nicht um Rawerts offensichtliches Steckenpferd der "Geschlechtsidentität", sexuelle Orientierung usw.).

Hier besteht offensichtlich weiterhin erheblicher Informationsbedarf. Nicht zuletzt, weil Mechthild Rawert auch in sonstigen Mitteilungen zum Thema Intersex körperliche Unversehrtheit mit "Identitätsfragen" gern bunt durcheinandermischt, und z.B. tatsachenwidrig behauptet, in Argentinien fänden keine Zwitter-Genitalverstümmelungen mehr statt. Auch hier hätte eine Konsultation mit Betroffenenorganisationen sie schnell eines Besseren belehrt, nämlich dass Argentinien im Allgemeinen und Buenos Aires im Besonderen unverändert GenitalabschneiderInnenhochburgen sind, die obendrein noch massgeblich zur globalen Propagierung der menschenrechtswidrigen Verstümmelungen beitragen – offensichtlich mit ausdrücklichem Segen und gar noch Lob der Tempelhofer SPD. Auch die zunehmenden Verstümmelungen in der Berliner Charité waren bisher weder für Mechthild Rawert noch für die Berliner SPD jemals ein Thema ...

>>> Bundesrat 2014: Verwaltungsvorschrift zum PStG-Murks § 22(3) PStG:
        Alleinige Definitionshoheit und Entscheidungsgewalt für Ärzte    

>>> Bundestag 31.1.13: Staatliches Zwangsouting für "Intersex-Kinder" -
        Freipass für GenitalabschneiderInnen

>>> Intersex-Fakten: Geschlechtseintrag "offen" seit 2009 möglich (§ 7 PStV) -
        Genitalverstümmelungen zunehmend 

Sunday, November 4 2012

Bundestag: Intersex-Fachgespräch - Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) bringt Klartext

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)Am 24.10.2012 fand im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (im Anschluss an die öffentliche Anhörung vom 25.06.2012) ein "Fachgespräch auf Berichterstatterebene zum Thema 'Empfehlungen internationaler Gremien zu den Menschenrechten intersexueller Menschen'" statt.

Als einzige Expertin war Prof. Dr. Beate Rudolf geladen, die neue Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Mittlerweile ist das >>> Protokoll (PDF) dieses Fachgesprächs verfügbar – und dieses hat es in sich! Anders als ihre Vorgängerin, die sich gerne in "Geschlechtsidentitätsfragen" verlor und Intersex-Genitalverstümmelungen kaum konkret kritisierte, spricht Beate Rudolf Klartext. Danke!!

Nachfolgend einige Highlights aus ihrem Vortrag und der Fragenbeantwortung:

Die Bestimmung des Kindeswohls obliege also nicht allein Dritten, also z. B. den Eltern oder dem Staat, sondern es handele sich um eine Entscheidung, die gerade auch im Lichte der Einschätzung des Kindes getroffen werden müsse. [...] Daraus ergebe sich ihre Einschätzung, dass Operationen an Säuglingen und an Kindern, die sich noch nicht in einer verständlichen Weise ausdrücken könnten. unzulässig seien, es sei denn, es gehe um Lebensrettung. Aus der medizinischen Literatur seien ihr keine Fälle bekannt, in denen Operationen zur Lebensrettung notwendig gewesen seien. Abgesehen vom Fall der Lebensrettung seien nach Artikel 12 der Kinderrechtskonvention medizinische Eingriffe erst dann vorzunehmen, wenn Kinder auch an der Entscheidung wirksam mitwirken und angehört werden könnten.

In diesem Kontext sei bei der Bestimmung des Kindeswohls die Frage hervorzuheben, ob Kinder möglicherweise in der Gesellschaft diskriminiert würden, weil sie intersexuell seien. Zwar sei die Diskriminierung eine beachtenswerte Problematik, jedoch dürfe die Bekämpfung von Diskriminierung nicht durch einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit erfolgen. [...] (S. 3)

Zu der vom Anti-Folter-Ausschuss geforderten Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen durch Operationen in der Vergangenheit und zu der im Zusammenhang damit geforderten Verbesserung des Rechtsschutzes wolle sie besonders darauf hinweisen, dass Betroffene berichtet hätten, sie hätten sehr spät erfahren, dass und weshalb sie als Kind operiert worden seien. Häufig seien ihnen falsche Diagnosen genannt worden. Eine Schwierigkeit bestehe in der Frage der Zugäng- lichkeit von Patientenakten und auch in der Problematik der Aufbewahrungsfristen sowie der Verjäh- rung. Dies führe zu großen Beweisschwierigkeiten, so dass man aus ihrer Sicht darüber nachdenken müsse, welche alternativen Möglichkeiten es gebe, eine wirksame Entschädigung für erlittenes Un- recht zu gewähren. Bei der Frage der Entschädigung gehe es nicht allein um Geld, sondern auch darum, dass Entschädigungszahlungen die begangene Rechtsverletzung anerkennen würden. Die Genugtuungsfunktion sei auch sonst im Zivilrecht, etwa beim Schmerzensgeld, bekannt. Bei der Frage der Entschädigung gehe es um eine im Kern menschenrechtliche Frage. [...] (S. 4)

Operationen von intersexuellen Kindern ohne wirksame Einwilligung dürften nicht stattfinden, es sei denn, es liege eine lebensbedroh- liche Situation vor. Sie halte eine Formulierung, wonach das Verbot bis zum Erreichen des Alters der Geschäftsfähigkeit bestehe, nicht für zielführend. Ihr gehe es ebenso wie den internationalen Gremien um eine schnelle Regelung, dass derartige Operationen ohne eine sog. voll informierte Einwilligung nach Maßgabe der Kinderrechtskonvention nicht stattfinden dürften. Es erscheine ihr als vorrangig, hier rechtlich klarstellend tätig zu werden. Daneben müssten Aufklärungs- und Bildungsmaßnahmen vorangetrieben werden. Das Recht werde nur dann richtig angewendet und geschützt, wenn diejenigen, die Operationen vornähmen, die Eltern korrekt über die Folgen aufklärten. [...] (S. 8)

Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden [*] Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab. Dies sei mit der Wahrnehmung verbunden, dass es bei intersexuellen Menschen um Menschen gehe, die man zwar als intersexuell kategorisieren könne, die man aber nicht defizitorientiert betrachte. Der Begriff Geschlechtsangleichung suggeriere aber das Vorhandensein eines Defizits. Hierbei werde unterstellt, dass ein Mensch eigentlich ein Geschlecht habe, dieses aber nicht richtig ausgeprägt sei und deshalb angeglichen werden müsse. [...] (S. 9)

[* In der Ethikratstellungnahme selbst ist die Rede von "geschlechtszuordnenden" vs. "geschlechtvereindeutigenden" OPs]

>>> Öffentl. Anhörung 25.06.2012: Schriftliche Stellungnahmen
>>>
Öffentl. Anhörung 25.06.2012: Protokoll und Video + Medienspiegel

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"

Friday, March 23 2012

Intersex-Genitalverstümmelungen (IGMs) in Kinderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Friedlicher Protest vor der Ethikrat-Pressekonferenz, Berlin 23.02.2012
 

Ausgeliefert! INHALT:
1.  Die häufigsten kosmetischen "Genitalkorrekturen"
       a) IGM 1: "Hypospadiekorrekturen"
       b) IGM 2: Klitorisamputationen / "Vaginalplastiken"
       c) IGM 3: Kastrationen
       d) Anlegen "Neovagina"
       e) Brustamputationen   f) "Hodenverlagerungen"
2.  Weitere kosmetische Eingriffe / Abgrenzung
3.  Es wird unbeirrt weiterverstümmelt!
4.  Es geht um Genitalverstümmelung und Folter,
     NICHT um "Geschlecht"
5.  Medizyngeschichte u. "Krankheits"-Bezeichnungen
 

Zwischengeschlecht.org on FacebookGegen Zwitter-Tabu, Schweigegebote und Erpressung! 
Intersex-GenitalverstümmlerInnen sind zum möglichst ungestörten Weiterverstümmeln dringend darauf angewiesen, dass nicht über Intersex-Genitalverstümmelungen (IGMs) geredet wird. Und falls doch, dann nicht im Detail, und immer nur über einzelne wenige, aber nie über alle.

  

1.  Die häufigsten kosmetischen "Genitalkorrekturen" & ihre Diagnosen

a)  IGM 1: Harnröhrenverlegung, Hypospadiekorrektur – Hypospadie, Fehlbildungen der Harnröhre: Harnröhrenausgang liegt irgendwo zwischen Penisspitze und Hodensack, ev. in Verbindung mit Bauchhoden und/oder (Partieller) Androgenresistenz ((P)AIS) (siehe unten). Klassische "vermännlichende Genitalkorrektur", der Penis wird auseinandergeschnitten und es wird versucht, eine künstliche Harnröhre u.a. aus Vorhaut oder Mundschleimhaut zu konstruieren mit Ausgang an der Penisspitze; z.T. in Verbindng mit zusätzlicher "Penisaufrichtung". Sehr hohe Komplikationsraten, offizielle Diagnose für hoffnunglos Kaputtoperierte: „Hypospadie Krüppel“ [Warnung!].
"Hypospadie" ist mittlerweile die wohl häufigste Diagnose für kosmetische Genitaloperationen im Kindesalter. Die neueste AWMF-Leitlinie 006/026 (Evidenzstufe 1  = niedrigste) empfiehlt ausdrücklich Operationen auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen.“ Die meisten Kliniken empfehlen frühe OPs z.B. „zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat“.
  • Tiger Howard Devore: "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom"
  • Ernst Bilke: "Die Wut ist gut versteckt" - Biographie mit "Hypospadie"  
  • Erich Marti: "Operiertes Geschlechtsteil extrem berührungsempfindlich"
  • Erfahrungsberichte: "Sehr taube Eichel nach Op" vs. "unbehandelt gut leben"

  
b
IGM 2: Klitorisamputation, Klitorisreduktionsplastik, Scheidenerweiterungsplastiken – Klitorishypertrophie, Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH), Androgenresistenz (AIS): Erscheinungsform des äußeren Genitals "zwischen" Klitoris und Penis, je nach Betrachtungsweise "vergrößerte Klitoris" oder "Mikropenis mit Hypospadie"; bei AGS/CAH eventuell zusätzlich "zu kleine" oder zugewachsene Scheidenöffnung, sowie bei AIS "zu kleine" oder fehlende Scheide.
bPlastische Operationen an den Genitalien Die operative Korrektur (s. S. 476 ff.) der vermännlichten Genitalien beim kongenitalen adrenogenitalen Syndrom des Mädchens ist aus mehreren Gründen indiziert, 1. um eine regelrechte Funktion der Vagina zu ermöglichen, 2. um die unangenehmen Klitoriserektionen zu verhindern, 3. um seelische Konflikte zu vermeiden, die den Mädchen aus dem Vorhandensein männlicher Attribute erwachsen können. Nach Möglichkeit soll die Operation schon vor dem vierten Lebensjahr durchgeführt werden. Bei leichteren Fällen ist lediglich die Entfernung der Klitoris erforderlich. Das Organ soll dabei exstirpiert und nicht amputiert werden, da sich sonst lästige Erektionen des zurückgebliebenen Stumpfes einstellen können. Wie HAMPSON (1956) bei einer größeren Reihe operierter Frauen festgestellt hat, leidet die Orgasmusfähigkeit durch die Klitorisentfernung nicht. Ist das Genitale stark vermännlicht, so muß darüberhinaus die Eröffnung des Sinus urogenitalis vorgenommen werden. Jürgen W. Bierich, in: Overzier 1961, S. 387Bis in die 1980er Jahre wurde eine "zu grosse Klitoris" oder ein "uneindeutiges Genitale" kurzerhand amputiert – unter Berufung auf medizinische Studien, die "wissenschaftlich bewiesen", das für Frauen die Klitoris für das sexuelle Empfinden unwesentlich sei. Auch bei den neueren "schonenderen" Methoden („Klitorisverkürzung“ oder „Versenkung“) droht weiterhin Verminderung oder Zerstörung der sexuellen Epfindungsfähigkeit; wird immer noch der größte Teil der zu "korrigierenden" Klitoris weggeschnitten und fortgeworfen.
Klassische "verweiblichende GenitalkorrekturOPs". Nach dem ChirurgInnenmotto „It's easier to dig a hole than to build a pole“ ("Es ist einfacher, ein Loch zu graben als einen Mast zu bauen") wurden bis Anfang des 21. Jahrhunderts die meisten Kinder mit "atypischen" Genitalien zu Mädchen gemacht“.
"Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH)" ist die wohl zweithäufigste Diagnose für kosmetische Genitaloperationen. Die aktuelle AWMF-Leitlinie 027/047 (Evidenzstufe 1 = niedrigste) empfiehlt unter „Operative Therapie“: „[...] Die chirurgische Korrektur umfasst die Klitorisreduktionsplastik unter Schonung des Gefäß-Nervenbündels, die Labienplastik und die Vaginalerweiterungsplastik. In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt.“
Im Kindesalter durchgeführte "Vaginalplastiken" müssen oft regelmäßig gedehnt werden ("bougiert") – für die Betroffenen schmerzhaft und traumatisierend. Bei Partieller Androgenresistenz (PAIS) ist gar das "Anlegen" einer Neovagina notwendig (s.a. unten).
  • Daniela "Nella" Truffer: "Ein Leben aus der Krankenakte"
  • Alex Jürgen: "Meine Geschichte" 
  • "Michel Reiter, intersexuell" 

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

DOKUMENTATION
>>> Kosmetische Klitorisamputationen (PDF)
in Kinderspital Zürich und Inselspital Bern
mit Belegen aus Fachpublikationen, die jahrzehntelange, systematische Klitorisamputationen an wehrlosen Kindern aufzeigen – und wie beteiligte Institutionen im In- und Ausland sich bis heute vor jeglicher Verantwortung drücken. 

  
c) 
IGM 3: Kastration, Gonadektomie – Komplette Androgenresistenz (CAIS), Androgenresistenz (AIS), Bauchhoden / Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH) / Hermaphroditismus verus: Bei Kompletter Androgenresistenz (CAIS) sowie bei "feminisierender Genitalkorrektur" bei AIS werden die gesunden hormonproduzierenden Hoden chirurgisch aus Bauchraum, Leisten oder Schamlippen entfernt und weggeschmissen – mit allen lebenslangen Folgen einer Kastration. Zusätzlich werden Überlebende oft von Behörden und Krankenkassen gewungen, lebensnotwendige adäquate Ersatzhormone aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Dies ist die wohl dritthäufigste Diagnose für kosmetische Genitaloperationen.
Bei "Adrenogenitalem Syndrom (AGS/CAH)" werden männlich zugewiesenen XX-Betroffenen oft Eierstöcke und Gebärmutter entfernt.
Bei "echten Hermaphroditen", die Eierstöcke und Hoden oder Mischgewebe aufweisen, wird meist alles entfernt, was nicht mit dem zugewiesenen Geschlecht "übereinstimmt".
  • Katrin Ann Kunze: "Die Legende vom besonderen Kind" 
  • Elisabeth Müller: "Ein Zwitter ist nicht per se krank"
  • Fakten zu Kastrationsfolgen und zum angeblichen Krebsrisiko bei (C)AIS

   
d) Anlegen Neovagina – Vaginalaplasie, Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS), Komplette Androgenresistenz (CAIS), Partielle Androgenresistenz (PAIS):
Vagina nicht vorhanden oder nur "kurz", chirurgisches Anlegen einer künstlichen Vagina, ausgekleidet mit transplantierter Haut oder Darm, zunehmend laparoskopische 'Einbuchtungs-/"Dehnungs"methoden' – im Kindesalter unnötig, traumatisierend und ohne Einwilligung der betroffenen Person.
  

e) Mastektomie, Brustamputation – Klinefelter-Syndrom ("XXY"):
Chirurgische Entfernung von Brüsten bei männlich Zugewiesenen, meist in der Pubertät sobald es "auffällt". Oft bei XXY-Menschen, und ohne informierte Einwilligung der Betroffenen.

   
f) Orchidopexie, Hodenverlagerung – Androgenresistenz (AIS), Kryptorchismus, Bauchhoden: Bei "maskulinisierenden Korrekturen" werden nicht abgestiegene Hoden versucht chirurgisch in den Hodensack zu verlegen und ggf. dort anzunähen – erwachsene Betroffene beklagen bleibende Schmerzen, etwa beim Joggen oder beim Sex, und uneingewilligte Fertilisierungsexperimente ohne Evidenz. Mittlerweile gibt es auch medizinische Studien, wonach Bauchhoden fertile Spermien produzieren können.

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 2MB)
>>> Flugblatt mit Beispielen kosmetischer "Genitalkorrekturen" (PDF, 2MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält IGM-Operationsfotos!

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report an das UN-Kinderrechtekomitee (CRC) (englisch)
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>>
Table of Contents      
  

2.  Weitere kosmetische Eingriffe / Abgrenzung

Obige Auflistung ist alles andere als abschließend. Bei den genannten Diagnosen nicht aufgeführte und ggf. weitere Eingriffe im Zusammenhang mit "atypischen Genitalien" müssen zwar nicht in jedem Fall kosmetisch sein: Zum Beispiel bei Verengungen oder Verschlüssen der Harnröhre ist ein ggf. chirurgisches Ermöglichen des Harnabflusses medizinisch klar notwendig, ebenso bei "AGS/CAH" mit Salzverlust entsprechende medikamentöse Cortisol-Substitution. Auch bei "klassischem AGS/CAH ohne Salzverlust" verhindert Cortisol-Substitution Kleinwuchs und vorzeitige Pubertät und stärkt das Recht der betroffenen Kinder auf eine offene Zukunft.

Chirurgische "Genitalkorrekturen" und "Harnröhrenverlegungen" im Kindesalter sind dagegen – wie die MedizynerInnen immer mal wieder selbst zugeben, vgl. Abbildung unten – medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen aus „ästhetischen“ oder „psychosozialen“ Gründen und werden letztlich nicht für das Kind gemacht, sondern "zur Beruhigung" der meist überforderten und von den MedizynerInnen zusätzlich unter Druck gesetzten Eltern; dasselbe gilt auch z.B. für Brustamputationen (Mastektomien) bei "Jungen", für experimentelle pränatale Dexamethason-"Therapien" bei vermuteten "AGS-Mädchen" zur "Verhinderung eines vergrößerten Klitoris", usw.

Infolge der zunehmender Pränataldignostik gewinnt zudem die Problematik der seit 1972 zugelassenen selektiven (Spät)-Abtreibungen von Kindern wegen „Gefahr intersexueller Mißbildungen“ stetig an Bedeutung.

Weitere nicht-chirurgische typische IGM-Praktiken sind Medizinische Zurschaustellung und unötige, wiederholte Genitaluntersuchungen und -Forografien. Der CRC-Schattenbericht listet insgesamt 17 gebräuchliche IGM-Praktiken und -Formen.

»Die meisten Fälle sind medizinisch keine Notfälle« Professor Olaf Hiort, Kinder- und Jugendarzt am Universitätsklinikum Lübeck(Apotheken-Umschau, 1.6.11)

3.  Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz:
     In den Kinderkliniken wird unbeirrt weiterverstümmelt!

"Früher war es schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert." – Als Reaktion auf die wachsende öffentliche Kritik behaupten MedizynerInnen in der Öffentlichkeit regelmäßig, in hiesigen Kinderkliniken würde seit langem nicht mehr kosmetisch "genitalkorrigiert", diese Praxis sei wahlweise schon seit den 1970er oder spätestens seit den 1990er Jahren "Vergangenheit" (Hauptsache, immer mindestens seit Ablauf der absoluten Verjährung). Medien und verantwortliche PolitikerInnen plappern dies immer wieder unüberprüft nach.

Tatsache bleibt: Auch im 21. Jahrhundert werden unverändert 90% aller betroffenen Kinder durchschnittlich mehrfach kosmetische genitalverstümmelt – mehr als die Hälfte davon, bevor sie nur schon 3 Jahre alt sind! Siehe nachfolgende aktuelle Statistik aus der weltweit bisher größten Zwitterstudie, erfasst von den TäterInnen selbst:

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)Quelle: "Klinische Evaluationsstudie im Netzwerk DSD/Intersexualität: Zentrale Ergebnisse",
Vortrag 27.05.2009, Folie 6.

Auch 2014 gibt es keinerlei Anzeichen, dass sich an dieser Tasache etwas ändern würde. Die MedizynerInnen mauern weiter, versprechen das Blaue vom Himmel, und weigern sich unverändert Ausmass und Umfang von Genitaleingriffen an betroffenen Kindern offen zu legen. Werden ausnahmsweise trotzdem Zahlen öffentlich bekannt, zeigen sie höchstens "saisonale Schwankungen"  – aus nahe liegenden Gründen:  
 

4.  Es geht um Genitalverstümmelung, Folter und unmenschliche
     Behandlung, NICHT um "Geschlecht"

"Diese Genitalkorrektur ist etwas gaanz anderes!" - Als Reaktion auf die wachsende öffentliche Kritik behaupten MedizynerInnen seit langem, "Hypospadiekorrekturen" seien etwas "gaanz anderes" als "feminisierende Korrektur-OPs" und wollen erstere mit dieser "Begründung" aus der aktuellen ethischen und rechtlichen Diskussion über medizinisch nicht notwendige, kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen ausklammern.

Ebenso seien auch "Klitorisreduktionen" bei "Adrenogenitalem Syndrom (AGS/CAH)" aus der Diskussion auszuklammern, da es sich dabei "nur" um „geschlechtsangleichende“, „geschlechtsbestätigende“ oder „geschlechtsvereindeutigende“ "Klitorisreduktionen" handle, jedoch nicht um „geschlechtszuweisende“, „geschlechtzuordnende“ oder „geschlechtsverändernde“, und somit um etwas "gaanz anderes"! 

Dadurch soll letztlich nur noch ein verschwindend kleiner Bruchteil aller medizinisch nicht notwendigen "Genitalkorrekturen" überhaupt problematisiert werden dürfen.

"Und diejenigen 20-25 wirklich ganz echten Hermaphroditen pro Jahr, die dann noch übrig bleiben, operieren wir nämlich schon lange nicht mehr! Schon seit Jahrzehnten! Ehrlich!" (vgl. oben 3.)

Betroffenenorganisationen halten demgegenüber seit jeher fest, dass diese Argumentationen letztlich dem Eigennutz und den finanziellen Interessen der BehandlerInnen entspringen und inhaltlich wie auch historisch unzutreffend sind.

Betroffene weltweit stellen demgegenüber das Recht auf körperliche Unversehrtheit ALLER Betroffenen von medizinisch nicht notwendigen, kosmetischen Genitaloperationen ins Zentrum, und verurteilen ALLE medizinisch nicht notwendigen "Genitalkorrekturen" an Kindern mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen als menschenrechtswidrige Westliche Form der Genitalverstümmelung (IGM) und Folter und unmenschliche Behandlung.

(Zur Kritik an "Definitionstricksereien" durch Betroffenen und ihre Verbänden in den USA seit den 1990er-Jahren vgl. Katrina Karkazis: "Fixing Sex", 2008, S. 143f.; zu entsprechender Kritik aus Deutschland vgl. z.B. diese Definition der AGGPG, sowie vgl. Claudia Lang: "Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechter", 2006, S. 95-102, 221; zur Berechtigung dieser Kritik aus aus der Sicht internationaler Menschenrechtsgremien vgl. z.B. Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, Fachgespräch Bundestags-Familienausschuss.)

>>> "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss verurteilt IGM
>>> "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter verurteilt IGM
>>> UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken

Wie nachfolgende Illustration belegt, werden zudem von den MedizynerInnen selbst „Prader-Stadien“ ("zu grosse Klitoris") und „Hypospadie-Grade“ (Harnröhrenmündung nicht an der Spitze des Penis) im Klinikalltag auch heute noch als komplementäre Diagnose-Instrumente für sog. „abnormale Genitalien“ a.k.a. „genitale Malformationen“ und deren Behandlung nebeneinandergestellt (Quelle: UKGM Gießen, 2012 / ganzes Formular PDF):

Vergrössern: Reinklicken!

5.  Medizyngeschichte – Entwicklung der "Krankheits"-Bezeichnungen

„(Pseudo) Hermaphroditismushieß der medizinische Überbegriff für obige und weitere Diagnosen bis in die 1950er Jahre, gefolgt von "Intersex" im Anschluss an die Einführung systematischer "Genitalkorrekturen" an Kleinkindern.

Seit 2005 lautet die aktuelle medizinische Bezeichnung „Disorders of Sex Development (DSD) a.k.a. „Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD)“ – was die (medizinisch nicht notwendige) "Korrekturbedürftigkeit" der Betroffenen noch betont und deshalb von ihnen praktisch einhellig abgelehnt wird. 

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report an das UN-Kinderrechtekomitee (CRC) (englisch)
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
>>> Download PDF (3.65 MB)     >>>
Table of Contents   
  

Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
in Baden-Württemberg 2014
 

• häufigste IGM-Formen  • NS-Verbrechen an Zwittern
• 60 Jahre systematische OPs an Kleinkindern
• Nachweis von IGM-Kliniken in BW
• Analyse "Aktionsplan Akzeptanz & gleiche Rechte"

>>> Dokumentation (PDF, 4.9 MB)

>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben 

>>> Medizinische Verbrechen an Kindern mit "atypischen" Genitalien
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Diskriminierung oder Verbrechen? 
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken (IGM) – eine Genealogie der Täter
>>> Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen 
>>> 1950 - Beginn der systematischen Auslöschung von Zwittern 
>>>
Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

>>> GenitalOPs an Kindern: relevante Ziffern in der CH-"Liste der Geburtsgebrechen"

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 2MB)
>>> Flugblatt mit Beispielen kosmetischer "Genitalkorrekturen" (PDF, 2MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält IGM-Operationsfotos!

Monday, October 10 2011

Genitalverstümmelungen in Berlin: Senat angeblich "keine Erkenntnisse" - Betroffene protestieren 11.-13.11.

Potsdam, 16.9.10: Protest gegen Genitalabschneider-Treffen "DGKJ 2010"
(Foto: A. Klaer © Potsdamer Neueste Nachrichten)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Infoseite Charité-Proteste     >>> Offener Brief Charité (PDF)

Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 10. Oktober 2011:

Letztes Jahr befasste sich der Berliner Senat zum ersten Mal mit Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken in seinem Zuständigkeitsbereich und beantwortete Fragen zu Vorkommen und (menschen-)rechtlicher Beurteilung.

Anlass dazu war eine kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus (Drucks. 16/14436), deren Text wörtlich aus früheren von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org initiierten parlamentarischen Anfragen übernommen worden war.

In seiner Antwort stritt der Berliner Senat schamlos und tatsachenwidrig jegliche Kenntnis von Genitalverstümmelungen in Berliner Kinderkliniken rundheraus ab:

„Dem Senat liegen keine Erkenntnisse über konkrete Fälle mit derartigen Eingriffen oder Therapien vor. Eine rechtliche Beurteilung ist somit nicht möglich.“ (Drucks. 16/14436, S. 2)

„Auch gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob und welche Krankenhäuser in Berlin solche Behandlungen an Kindern vorgenommen haben.“  (Drucks. 16/14436, S. 1)

• Tatsache bleibt, dass „solche Behandlungen an Kindern“ in Berlin sowohl in der Charité wie auch in verschiedenen Privatkliniken seit Jahr und Tag systematisch „vorgenommen“ werden, obwohl es sich dabei klar um schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen handelt, namentlich gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

• Tatsache bleibt, dass der Senat, der diese Verstümmelungen duldet und durch Wegschauen und Leugnen unterstützt, in der Antwort zu seiner Weisswaschung abschließend als Feigenblatt auf ein von ihm veranstaltetes "Fachgespräch" mit den üblichen "(Trans-)Gender-ExpertInnen" verweist (Drucks. 16 / 14436, S. 2), in welchem Opfer von Genitalverstümmelungen in Kinderklinken eimal mehr durch VertreterInnen dritter "LGBT-Interessengruppen" nur vereinnahmt wurden, darunter "Transgender Netzwerk Berlin (TGNB)" und "TransInterQueer (TrIQ)".

• Tatsache bleibt, dass auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sich gerne öffentlich als Zwitterbeschützer aufspielt, während er in Tat und Wahrheit stets die Leiden der vergangenen und künftigen Opfer von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken ebenfalls bloß als Mittel zum Zweck für Schwulen-, Lesben- und Trans-Anliegen instrumentalisiert.

11.-13.11. Proteste gegen "Genitalabschneidertreffen" in der Charité

Heute noch schauen der Berliner Senat, sein Regierender Bürgermeister und ihre "ExpertInnen" krampfhaft in die andere Richtung, während gleichzeitig in Berliner Kliniken weiterhin jährlich Dutzende wehrloser Kleinkinder irreversibel genitalverstümmelt werden.

Vom 11.-13. November trifft sich obendrein auf dem Campus Virchow der Charité, wo regelmäßig medizinisch nicht notwendige, verstümmelnde kosmetische Genitaloperationen durchgeführt werden, zur "6. JA-PED 2011" eine der drei in Deutschland hauptsächlich für die Genitalverstümmelungen verantwortlichen medizinischen Standesorganisationen.

Wir wollen bei diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zuschauen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am Vorabend des Verstümmlertreffens in Berlin öffentlich informieren.

Und während der "6. JA-PED 2011" vor Ort friedlich protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 

INFOVERANSTALTUNG   Do 10.11.2011 19h
im Haus der Demokratie und Menschenrechte

FRIEDLICHE PROTESTE
• Fr 11.11.11  08:30 - 20:00 h 
• Sa 12.11.11  08:30 - 18:00 h 
• So 13.11.11  08:30 - 14:00 h
jeweils vor Charité, Campus Virchow, Augustenburger Platz

>>> Mehr dazu hier!

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info


Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
 


HINTERGRUND:
KOSMETISCHE GENITALOPERATIONEN AN KINDERN

 
     INHALT:
     1.  Jeden Tag wird in einer Kinderklinik ein wehrloses Kind verstümmelt
     2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder
     3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"
     4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben
     5.  Diskussion über gesetzliches Verbot notwendig
 

1.  Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Die Mediziner nennen es "korrigierende" und "angleichende Eingriffe".

Überlebende Betroffene sprechen ihrerseits von Genitalverstümmelung, uneingewilligten Zwangsoperationen und Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

Etwa jedes 1000. Kind wird mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren (Zwitter, Hermaphroditen, "Intersexuelle").

Allein in Berlin haben 2011 mindestens 3 große Kinderkliniken medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen im Angebot für Kleinkinder "mit zu großer Klitoris" oder sonstwie "auffälligen Geschlechtsorganen". Bundesweit sollen es über 100 Kinderchirurgien sein, darunter auch zahlreiche kleine bis Kleinst-Anbieter.

Das florierende kosmetisch-chirurgische Angebot umfasst u.a. "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen einer Neovagina", "Verlegung der Harnröhre", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern werden von Kliniken und anderen Anbietern aggressiv vermarktet unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie "Hypospadie", "AGS/CAH", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Epispadie", "AIS", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Gonadendysgenesie", "Swyer", "Turner", etc.

Diese Operationen erfolgen seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente ohne ethische Überwachung. Die angebliche Wirksamkeit der medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Eingriffe wurde bis heute nie klinisch bewiesen. Die einschlägigen AMWF-Leitlinien stehen alle heute noch unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.
 

2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder

Seit 15 Jahren klagen zwangsoperierte Zwitter in Deutschland die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken öffentlich an und fordern die Medizyner zum Aufhören und die Politik zum Handeln auf – bisher vergeblich.

Die Bundesregierung gab wiederholt zu Protokoll, von unzufriedenen Zwangsoperierten nichts zu wissen (Drucks. 14/5627), und sah keinen Handlungsbedarf (Drucks. 16/13269).

Aktuell sind in Deutschland Haustiere besser geschützt als Kinder: Während z.B. Hunde ohne medizinische Notwendigkeit weder kupiert noch kastriert werden dürfen, wird in den Kinderkliniken ungehindert weiter kosmetisch verstümmelt und kastriert.

Laut neuesten BMBF-Studien sind ab 3 Jahren nach wie vor 90% aller bedrohten Kinder durchschnittlich mehrfach kosmetisch operiert.

Ähnlich wie bei Betroffenen von sexualisierter Gewalt ("Kindesmissbrauch") ist der Rechtsweg für Überlebende ein Alptraum und eine Farce. Da die Verstümmelungen meistens vor dem 2. Lebensjahr erfolgen, haben Überlebende in der Regel keine Chance, vor Ablauf der Verjährung zu klagen. Die meisten leiden zudem an mit den Eingriffen verbundenen, schweren Traumatisierungen.
 

3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"

Seit 1997 werden kosmetische Genitaloperationen an Kindern nebst von erwachsenen Betroffenen auch von namhaften Bioethikern, Juristen und Kulturwissenschaftlern öffentlich kritisiert.

Seit 2004 beurteilen Menschenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes und Amnesty Deutschland kosmetische Genitaloperationen an Kindern als "schwere Menschenrechtsverletzung" und "fundamentaler Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit", und unterstreichen die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika.

2007 gelang es der Betroffenen Christiane Völling, die als Ausnahme erst im Alter von 18 Jahren operiert wurde, als erster und bisher immer noch einziger, ihren ehemaligen Chirurgen zu verklagen, unmittelbar vor Eintritt der absoluten Verjährung. 2008 erkannte das OLG Köln letztinstanzlich das "Selbstbestimmungsrecht [...] in ganz erheblichem Maße verletzt" (5 U 51/08).

2009 rügte das von Betroffenen angerufene UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen mangelnden "wirksamen Maßnahmen zum Schutz ihrer Menschenrechte" (CEDAW/C/DEU/CO/6).

Auf Ende 2011 erarbeitet aktuell der Deutschen Ethikrat im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme. In einer ersten Einschätzung vom 15. Juni hielt der Deutsche Ethikrat u.a. fest: "Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. [...] Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."
 

4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben

Vermehrt Erwähnung in der politischen Debatte finden Zwitter und damit Betroffene von Genitalverstümmelung in Kinderkliniken vor allem durch dritte Interessensgruppen, als Kanonenfutter im "Kampf gegen das Zweigeschlechtersystem" oder für "Schutz von sexuellen Minderheiten vor Diskriminierung", in aktuellen Debatten etwa um "Personenstand" und "Sexuelle Identität".

Diese politischen Interessensgruppen richten ihren Blick in der Regel nicht auf die realen, zwangsoperierten Zwitterkörper, sondern auf ein fiktives unversehrtes Ideal, das ihre eigenen Wunschvorstellungen verkörpert. Dabei setzen sie unhinterfragt voraus, dass alle Zwitter auf Grund ihrer quasi "körpergewordenen Aufhebung des Zweigeschlechtersystems" ihre Ziele teilen würden, adoptieren "Intersexuelle" ungefragt als eine Unterabteilung ihrer eigenen Gruppe und hängen sie als Schlusslicht bei sich hinten an (z.B. "LGBTQI"). Sofern diese dritten Interessensgruppen die Leiden der Betroffenen von Genitalverstümmelungen überhaupt behandeln, propagieren sie als Heilmittel wiederum einzig ihr eigenes Anliegen, z.B. die Abschaffung der Geschlechter, oder benutzen die Verstümmelungen als wissenschaftliches Rohmaterial für Geschlechtertheorien.

Entsprechend mehren sich in letzter Zeit auf Länderebene politische Beschlüsse, in denen vorgeblich etwas zur Verbesserung der Lage "Intersexueller" unternommen werden soll. Tatsächlich wurden aber die täglichen Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre entweder glatt geleugnet, z.B. vom Berliner Senat (Drucks. 16/144436, vgl. oben) oder in der Bremischen Bürgerschaft (taz, 25.02.2011). Oder die Genitalverstümmelungen werden in konkreten Maßnahmen stillschweigend ausgeklammert, vgl. Hamburgische Bürgerschaft (Drucks. 19/4095).

2009 und 2010 wurden "Intersexuelle" auch im Bundestag immer wieder Dutzende Male in offiziellen Dokumenten erwähnt – kein einziges Mal ging es dabei konkret um die Beendigung der täglichen Verstümmelungen.
 

5.  Diskussion über gesetzliches Verbot notwendig

Seit 20 Jahren klagen Betroffene den Ärzten und der Öffentlichkeit ihr Leid. Trotzdem operieren die Mediziner stur weiter - sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfristen und der Traumatisierung der Opfer juristisch kaum belangt werden können.

Während Genitalverstümmelungen in Afrika verurteilt und juristisch bekämpft werden, sind die Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken vor der eigenen Haustüre nach wie vor kein Thema.

Die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken müssen so schnell wie möglich gestoppt werden, "eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte" (Apotheken Umschau, 01.06.2011) muss beendet und öffentlich aufgearbeitet, das Unrecht der Medizinversuche muss gesellschaftlich anerkannt und so weit wie noch möglich ausgesöhnt werden.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
 


n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Zur diesjährigen "6. gemeinsamen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaften für Pädiatrische Endokrinologie (APE) und Pädiatrische Diabetologie (AGPD)" trifft sich eine der 3 hauptsächlich verantwortlichen Genitalabschneider-Standes-organisationen in der berüchtigten Berliner Serien-Verstümmlerklinik "Charité".

INFOVERANSTALTUNG   Do 10.11.11   19:00h
im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin,
Veranstaltungsraum VH2 (Vorderhaus, 2. St.), M4 + Bus 142 u. 200: "Am Friedrichshain"

FRIEDLICHE PROTESTE
GEGEN "6. JA-PED" & "CHARITÉ" GENITALVERSTÜMMLER
 

STOP Genitalverstümmelungen in Kinderklinken! Zwischengeschlecht.org on Facebook• Fr 11.11.11  08:30 - 20:00 h 
• Sa 12.11.11  08:30 - 18:00 h 
• So 13.11.11  08:30 - 14:00 h

Ort: Jeweils vor dem Eingang zum Campus Virchow-Klinikum der Charité-Universitätsmedizin, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin. Nächste U-Bahn: U9 Amrumer Straße.

Helft mit, die TäterInnen daran zu erinnern: Wehrlose Kinder verstümmeln ist NICHT OK!  Wir sehn uns, wo die Action ist ...

>>> Infoseite zu den Protesten
>>>
Coole Videoankündigung zu den Aktionen – Danke!

Mehr zum Thema:
Berliner Senat leugnet Genitalverstümmelungen
"6. JA-PED 2011" @ Charité: Ethische Perspektiven? Wir doch nicht!
Offener Brief an "5. JA-PED 2010" 
Charité-Verstümmler Heiko Krude: "Nicht operieren wäre eine Art von Gewalt"
Georg Klauda: Kritik an Charité-VerstümmlerInnen A. Grüters und K. Werner-Rosen (2002)
Charité lässt Genitalverstümmlerin Claire Nihoul Fékété einfliegen
1831: Charité-Direktor Johann Nepomuk Rust: "Übergrosse Kitzler amputieren"
Klaus Wowereit: Komplize der Verstümmler inszeniert sich als "Zwitter-Schützer"   

Sunday, October 9 2011

Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) in Berliner Kinderkliniken: Senat hat angeblich "keine Erkenntnisse"

Friedlicher Protest + Offener Brief Kinderklinik "Charité", Berlin 11.11.2011

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Kann ein Zwitter Sünde sein?2010 befasste sich der Berliner Senat zum ersten Mal mit Fragen zu Umfang und (menschen-)rechtlicher Beurteilung von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken in seinem Zuständigkeitsbereich.

Anlass dazu war eine kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus Berlin >>> Drucks. 16/14436 (PDF, 38 KB), deren Text wörtlich aus früheren von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org initiierten parlamentarischen Anfragen übernommen worden war (mit Ausnahme der Auslassung der Teilfragen betreffend Peer Support für direkt Bedrohte oder bereits Betroffen gemachte, sowie der nicht minder fragwürdigen Sexualisierung des Titels) – bezeichnenderweise ohne Absprache.

In seiner Antwort stellte sich der Berliner Senat schamlos und tatsachenwidrig gleich selber einen Persilschein aus, indem er die Durchführung von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern a.k.a. Genitalverstümmelungen in diversen Berliner Kinderkliniken pauschal rundheraus abstritt:

„Dem Senat liegen keine Erkenntnisse über konkrete Fälle mit derartigen Eingriffen oder Therapien vor. Eine rechtliche Beurteilung ist somit nicht möglich.“ (Drucks. 16 / 14436, S. 2). 

„Auch gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob und welche Krankenhäuser in Berlin solche Behandlungen an Kindern vorgenommen haben.“
(Drucks. 16 / 14436, S. 1).
 

• Tatsache bleibt, dass „solche Behandlungen an Kindern“ in Berlin sowohl in der Charité wie auch in verschiedenen Privatkliniken seit Jahr und Tag systematisch „vorgenommen“ werden, obwohl es sich dabei klar um schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen handelt, namentlich gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. 

• Tatsache bleibt, dass der Senat, der diese Verstümmelungen duldet und durch Wegschauen und Leugnen unterstützt, in der Antwort zu seiner Weisswaschung abschließend als Feigenblatt auf ein von ihm publiziertes "Fachgespräch" u.a. mit den üblichen "(Trans-)Gender-ExpertInnen" verweist (Drucks. 16 / 14436, S. 2). In dieser Doku 22 "Zur Trans- und Intergeschlechtlichkeit" werden Betroffene von Genitalverstümmelungen in Kinderklinken u.a. einmal mehr für Anliegen dritter Interessengruppen instrumentalisiert, u.a. durch Menschen, die heute noch als Funktionäre z.T. in Inter- und Transzusammenhängen aktiv sind (z.T. inzwischen deutlich progeressiver). Dieser Blog bedauert sehr, dass bis heute noch niemand von diesen Betreffenden öffentlich gegen diese unhaltbare "Feigenblatt-Strategie" Stellung bezogen hat.

• Tatsache bleibt, dass auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sich schon öffentlich als Zwitterbeschützer aufspielte, während er in Tat und Wahrheit die Leiden der Betroffene von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken ebenfalls bloss als Mittel zum Zweck für Schwulen-, Lesben- und Trans-Anliegen instrumentalisiert ("Sexuelle Identität ins Grundgesetz").

Fazit: Heute noch schauen der Berliner Senat, der Regierende Bürgermeister und manche "(Trans-)Gender-ExpertInnen" krampfhaft in die andere Richtung, während gleichzeitig in Berliner Kliniken weiterhin jährlich Dutzende wehrloser Kleinkinder irreversibel genitalverstümmelt werden – wie lange noch?! 

(Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt unbestrittenermassen ne ganze Menge LGBTQs, die mit Zwittern solidarisch sind ohne sie zu vereinnahmen  – wir treffen welche an jedem Protest und sind froh darum. — Auch von den Vereinnahmer_innen haben bestimmt viele "nur die besten Absichten" – aber um die Verstümmelungen endlich zu stoppen, ist gut gemeint nunmal definitiv nicht gut genug.)

[ Edit Dezember 2013: Einige polemische Formulierungen sowie Namen von Organisationen und von Funktionär_innen auf Wunsch entfernt. ]

>>> "Intersex"-Genitalverstümmelungen in der "Charité"
>>> Offener Brief zu Genitalverstümmelungen in der "Charité" (PDF)
>>>
Charité leugnet kosmetische Genitaloperationen an Kindern 
>>> Zitty 14/2013: Heute noch Intersex-Genitalverstümmelungen in der "Charité"
 

>>> Mechthild Rawert (SPD) verweigert Dialog mit Betroffenen
>>>
"Intersex"-Genitalverstümmelungen - Offener Brief an Rogate-Kloster St. Michael

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter   

Friday, October 8 2010

"Arte-Doku über Intersexualität: Mal Mann, mal Frau, meist Inge" - taz, 8.10.10

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Typisch vereinnahmender Artikel in der taz – von Menschenrechtsverletzungen bzw. Recht auf körperliche Unversehrtheit einmal mehr kein Wort. Stattdessen als einzige Forderung, als "wissenschaftliche Referenz" müssten auch – ausgerechnet! – "Gender-Forscher zu Wort kommen".

Mein dazu geposteter (bisher aber noch nicht freigeschalteter) Kommentar (der Bezug nimmt auf einen vorherigen Kommentar, der die Vernunft von Inges Eltern lobte):

Ja, Hut ab vor Inges Eltern, vor ihrer Vernunft, vor ihrer Menschlichkeit und vor ihrer Liebe zu ihrem Kind.

Kein Hut ab vor diesem Artikel, der vor lauter Projektion und Fixiertheit auf den eigenen Gender-Bauchnabel noch immer nicht bemerken will, dass dies in erster Linie ein Thema ist für MenschenrechtlerInnen, EthikerInnen und StaatsanwältInnen (und NICHT für GendertheoretikerInnen). All diese erstgenannten zentralen Aspekte bleiben in der taz wie gehabt aussen vor ...

Die Gender-Theorie war zudem Ursprung und Anlass und bleibt bis heute die Begründung für diese systematischen westlichen Genitalverstümmelungen, die in Deutschland JEDEN TAG mindestens einmal in einer Kinderklinik an einem wehrlosen Kind verbrochen werden.

Gender-ForscherInnen beuten diese fortdauernden medizynischen Verbrechen bis heute schamlos aus für die "Verbesserungen" ihrer "wertfreien wissenschaftlichen Theorien". Konkret gegen die Verstümmelungen etwas getan haben sie noch NIE. Im Gegenteil, meist arbeiten sie einträchtig in den selben Institutionen wie die VerstümmlerInnen, z.B. in Berlin in der "Charité-Universitätsmedizin". Und lassen sich von mittäterischen verantwortlichen PolitikerInnen unwidersprochen als Feigenblatt vorschieben. Aktuelles Beispiel:

Der Berliner Senat Wowereit III behauptete betreffend Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre noch am 17.06.2010 schamlos:

„Dem Senat liegen keine Erkenntnisse über konkrete Fälle mit derartigen Eingriffen oder Therapien vor. Eine rechtliche Beurteilung ist somit nicht möglich.“ (Drucks. 16 / 14436, S. 2).

„Auch gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob und welche Krankenhäuser in Berlin solche Behandlungen an Kindern vorgenommen haben.“ (Drucks. 16 / 14436, S. 1).

Tatsache bleibt, dass „solche Behandlungen an Kindern“ im Zuständigkeitsbereich des Berliner Senats z.B. in der Charité seit Jahr und Tag systematisch „vorgenommen“ werden.

Tatsache bleibt, dass der Senat, der diese Verstümmelungen duldet und unterstützt, dann abschliessend zu seiner Weisswaschung als Feigenblatt auf ein von ihm veranstaltetes Fachgespräch mit den üblichen "Gender-ExpertInnen" verweist, in der Zwitter einmal mehr letztlich nichts als vereinnahmt wurden. (Drucks. 16 / 14436, S. 2)

Gleichzeitig spielt sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit öffentlich als Zwitterbeschützer auf und wird dafür in der taz bejubelt (während er in Tat und Wahrheit die Zwitter für seine eigenen Anliegen instrumentalisiert).

Schämt euch und macht es in Zukunft besser!

>>> "Tabu Intersexualität" - ARTE 8.10.10 + online auf arte.tv

>>>  Berliner Senat leugnet Verstümmelungen

Siehe auch:
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- John Money & Co. - Der Mythos vom Einzeltäter
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- "Die Bielefelderin Britta Dombrowe über ihren Arte-Film zur Intersexualität" - Neue Westfälische, 2.10.10
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- "Tabu Intersexualität" - Dokfilm u.a. über Christiane, Arte 8.10.10
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Thursday, September 16 2010

16.09.: Genitalabschneider-Jahrestreffen, Buchpremiere Christiane Völling, Diskriminierung

"DGKJ 2010": 1. Demo Potsdam-Babelsberg, 16.9.10

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Offener Brief an die "DGKJ 2010" 18.09.2010
>>>
"DGKJ 2010": Infoseite zu den Protesten


PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 16.9.2010:

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

In Potsdam-Babelsberg versammeln sich ab heute 2 der 3 hauptsächlich verantwortlichen Genitalabschneider-Standesorganisationen: Die „Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ)“ sowie die „Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)“. Deren fragwürdige Auffassung von Ethik war jüngst auch Thema am „Forum Bioethik“ des Deutschen Ethikrates.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org will bei den täglichen Genitalverstümmelungen nicht mehr länger tatenlos zusehen. Deshalb protestieren wir heute – gegen die GenitalabschneiderInnen und gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Gleichentags präsentiert Christiane Völling, die berühmteste Intersexuelle Deutschlands, in [Düsseldorf] ihre druckfrische Lebensgeschichte.

Und in Berlin lädt die Antidiskriminierungsstelle zu einem weiteren Fachgespräch (auch über Zwitter).

 
„DGKJ 2010“:
Ethisch herausgeforderte Genitalverstümmler in Weiß

• Die organisierende „Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ)“ ist auch federführend bei der aktuell geltenden AWMF-Verstümmlerleitlinie 027/022 „Störungen der Geschlechtsentwicklung“.

Diese unter überlebenden Zwittern berüchtigte „Verstümmler-Leitlinie“ steht seit längerem auch bei weiteren Kreisen in der Kritik, u.a. weil sie ethische Empfehlungen missbraucht als Feigenblatt und Rechtfertigung zu menschenverachtenden Zwangseingriffen.

Und dadurch Vorschub leistet, dass vielfach „der informed consent aller Wahrscheinlichkeit nach Makulatur ist und letztendlich die Ethik nur noch als Freifahrtschein dazu dient, an die Eltern eine ohnehin feststehende Entscheidung abzudelegieren.“ (Claudia Wiesemann am „Forum Bioethik“ des Deutschen Ethikrates, 23.06.2010).

• Die mitorganisierende „Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)“ führt dabei das Skalpell – sowie in Babelsberg zeitgleich mit der DGKJ ihre Jahrestagung durch (mit Preisverleihung).

(Die 3. Gruppe der medizynischen Hauptverantwortlichen, die EndokrinologInnenverbände APE und DGE, sind in Potsdam zwar anwesend, führen ihre Jahresversammlungen jedoch getrennt im November durch.)

 
Politiker als Mittäter

• Eröffnet wird der Genitalverstümmlerkongress in Potsdam hochoffiziell von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) und dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD).

Die Zahl der bekannten MittäterInnen in Bund und Ländern sowie ihrer Lügen ist Legion. Jüngstes Beispiel:

• Der Berliner Senat behauptete betreffend Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre noch am 17.06.2010 schamlos:

„Dem Senat liegen keine Erkenntnisse über konkrete Fälle mit derartigen Eingriffen oder Therapien vor. Eine rechtliche Beurteilung ist somit nicht möglich.“ (Drucks. 16 / 14436, S. 2).

„Auch gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob und welche Krankenhäuser in Berlin solche Behandlungen an Kindern vorgenommen haben.“ (Drucks. 16 / 14436, S. 1).

Tatsache bleibt, dass „solche Behandlungen an Kindern“ im Zuständigkeitsbereich des Berliner Senats z.B. in der Charité seit Jahr und Tag systematisch „vorgenommen“ werden.

 
„fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit“

• Menschenrechtsorganisationen (u.a. Amnesty Deutschland, Terre des Femmes und das UN-Komitee CEDAW) kritisieren die Duldung der chirurgischen Genitalverstümmelungen u.a. als „schweres Verbrechen“.

Trotzdem werden auch in Deutschen Kinderkliniken weiterhin täglich wehrlose Kleinkinder irreversibel genitalverstümmelt. Wie lange noch?!

 
„schuldhaft in Selbstbestimmungsrecht verletzt“

2009 war es Christiane Völling als erster überhaupt gelungen, in Köln einen Chirurg für einen Zwangseingriff an einem Zwitter wenigstens zivilrechtlich vor die Justiz zu bringen. Mit Erfolg: Nach 2-jährigem „Zwitterprozess“ wurden ihr in 3. Instanz 100‘000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

• Laut OLG Köln hatte der Zwangsoperateur Christiane Völling „vor der Operation nicht hinreichend aufgeklärt und sie daher mangels wirksamer Einwilligung schuldhaft in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht verletzt“, und zwar „in ganz erheblichem Maße“ (5 U 51/08).

Seither scheiterten wiederum alle Versuche, einen Zwangsoperateur vor Gericht zu bringen, stets am selben Knackpunkt – Verjährung.

 
„westliche Form der Genitalverstümmelung“

Bezeichnenderweise blieben in Deutschland in der aktuellen Debatte um den Gesetzesentwurf zur Einführung eines eigenen Straftatbestandes „weibliche Genitalverstümmelung“ (inkl. adäquater Anpassung der Verjährung) die chirurgischen Verstümmelungen an Zwittern bisher stets sorgsam ausgeklammert.

• International anerkannte ExpertInnen zum Thema weibliche Genitalverstümmelung (FGM), darunter Hanny Lightfoot-Klein, Marion Hulverscheidt und Fana Asefaw, sowie die Rechtsprofessorin Konstanze Plett stützen demgegenüber die Klagen überlebender Zwitter, die Zwangsoperationen seien die „westliche Form der Genitalverstümmelung“, und ihre mutwillige Tabuisierung und Ausblendung der in der politischen Debatte ein typisches Beispiel rassistisch motivierter Doppelmoral.

 
Proteste + Infoveranstaltung Potsdam-Babelsberg/Berlin 16.+18.09.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org protestiert anlässlich der „DGKJ 2010“ vor Ort in Potsdam-Babelsberg – gegen die täglichen Verstümmelungen und gegen die Untätigkeit von Justiz und Politik:

--> Bewilligter friedlicher Protest während der Medizyner-Pressekonferenz zur Eröffnung der „DGKJ 2010“ am Do 16.09.2010 von 12:30-15:30 Uhr.

--> Ebensolche Mahnwache während der parallel stattfindenden Jahresversammlungen von DGKJ und DGKCH am Sa 18.09.2010 von 15:30 bis 18:30 Uhr.

--> Informationsveranstaltung zu den Protesten
Berlin: Do 16.9. 20h @ TRISTEZA

 
Weitere Veranstaltungen Do 16.09.2010

Am Eröffnungstag der „DGKJ 2010“ sind zusätzlich folgende Veranstaltungen angekündigt:

 
1) [Düsseldorf]: Buchpremiere von Christiane Völling

Christiane Völling, die als erster (und immer noch einziger) Zwitter ihren ehemaligen Chirurgen vor Gericht brachte und auch noch gegen ihn gewann, liest in [Düsseldorf] aus ihrem Buch „Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“, mit anschliessendem Gespräch und Diskussion. Ebenfalls anwesend: Buch-Co-Autorin Britta Dombrowe, die soeben einem Dok-Film zum Thema fertigstellte (Erstausstrahlung: ARTE 08.10.2010, 21.45 Uhr).
--> Frauenbuchladen „Buch am Dreieck“, 19:30 Uhr.

 
2) Berlin: Fachgespräch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)

Zeitgleich zum ersten Protest in Potsdam findet eines der immer wieder beliebten „Fachgespräche“ statt, an denen die Genitalverstümmelungen an Zwittern jeweils (auch) irgendwie "(mit)gemeint" sind, diesmal in einem Workshop Nr. 6 „Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen“.
--> Anmeldung und Programm: http://www.ads-fachtagung.de/

Der Deutsche Dachverband der Selbsthilfegruppen, Intersexuelle Menschen e.V. wird dort eine schriftliche Note „Diskriminierungen im Leben von intersexuellen Menschen“ übergeben.

Ob sich daraus eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zumindest bisher dienten solche Veranstaltungen letztlich bloß als Feigenblatt, wenn verantwortliche PolitikerInnen sich später öffentlich herauslügen wollen, eigentlich würden sie im Gegenteil etwas für die Menschenrechte der Zwitter tun:

Bezeichnenderweise waren mehrere der am aktuellen „Fachgespräch“ Beteiligten bereits an einer ähnlichen Veranstaltung des Berliner Senats vom November 2004 mit von der Partie – auf welche vom heutigen Berliner Senat nach bewährtem Muster in der oben bereits erwähnten Drucksache 16/14436 vom 17.06.2010 auf S. 2 abschließend „verwiesen wird“ ...

 
Der Kampf geht weiter ...

Solange die GenitalabschneiderInnen und ihre HelfershelferInnen sich unverändert in Sicherheit wiegen können, verjährungshalber für ihre an Kleinkindern begangenen medizinischen Verbrechen von vornherein nicht strafrechtlich belangt werden zu können, werden sie kaum je freiwillig mit den für sie lukrativen Verstümmelungen aufhören.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und „Menschenrechte auch für Zwitter!“.

16.9.10 - Berlin: Fachgespräch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Gleichentags wie der erste Protest in Potsdam ist angekündigt:

Ein weiteres der immer wieder beliebten "Fachgespräche", an denen die Genitalverstümmelungen an Zwittern jeweils (auch) irgendwie "(mit)gemeint" sind, diesmal in einem Workshop Nr. 6 „Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen“.
--> Anmeldung und Programm: http://www.ads-fachtagung.de/

Intersexuelle Menschen e.V. wird dort eine schriftliche Note „Diskriminierungen im Leben von intersexuellen Menschen“ übergeben.

Ob sich daraus eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zumindest bisher dienten solche Veranstaltungen hauptsächlich als Feigenblatt, wenn verantwortliche PolitikerInnen sich später öffentlich herauslügen wollen, eigentlich würden sie im Gegenteil ja etwas für die Menschenrechte der Zwitter tun:

Bezeichnenderweise waren mehrere der am aktuellen „Fachgespräch“ Beteiligten bereits an einer ähnlichen Veranstaltung des Berliner Senats vom November 2004 mit von der Partie – auf welche vom heutigen Berliner Senat nach bewährtem Muster in der u.a. im Flugblatt zu den Protesten und auf Indymedia bereits erwähnten Drucksache 16/14436 vom 17.06.2010 auf S. 2 abschließend „verwiesen wird“ ...

Siehe auch:
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- Intersexuelle Menschen e.V.: Katzbuckeln gegenüber den Medizynern und den verantwortlichen PolitikerInnen
- Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 
- John Money & Co. - Der Mythos vom Einzeltäter
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Hamburg: Bürgerschaft will Zwitter stärken – Zwangsoperationen ausgeklammert
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)
- 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ... 

Thursday, July 15 2010

Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!

>>> 1. Zwitter Demo Landgericht Köln 12.12.2007

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 15.7.2010

Tag für Tag wird in Deutschlands Kinderkliniken mindestens ein wehrloses Kleinkind irreversibel chirurgisch genitalverstümmelt.

Seit 14 Jahren gibt es als Reaktion auf die öffentlichen Klagen überlebender Erwachsener alle Jahre wieder ExpertInnenrunden, Fachgespräche, Foren, Publikationen, Absichtserklärungen, Versprechungen, Vertröstungen – während die Täter unbehelligt weiterverstümmeln.

Zahllose genitalverstümmelte "Intersexuelle", Hermaphroditen oder Zwitter und ihre Organsiationen setzten grosse Hoffnungen auf den Deutschen Ethikrat, als er nach Jahre langen Anfragen versprach, die Anliegen der Überlebenden an seinem "Forum Bioethik" vom 23.6.10 endlich aufzugreifen.

Diese Hoffnungen bewahrheiteten sich leider nicht: Nach einer Plenarsitzung am Folgetag des Forums gab der Ethikrat bekannt, er habe mit der Ermöglichung der Veranstaltung seine Schuldigkeit getan und sehe aktuell keinen weiteren Handlungsbedarf – die Genitalabschneider danken.

Die konkreten Taten der Verstümmler und deren Folgen mochte der Ethikrat auch nach der Veranstaltung nicht beim Namen nennen, ja noch nicht einmal die Tatsache, dass es um chirurgische Eingriffe an Genitalien von Kleinkindern geht.

Noch in der anschliessenden Pressmitteilung frönte der Deutsche Ethikrat der Tätersprache; statt dem zentralen Anliegen der Überlebenden nach Beendigung der Verstümmelungen stellte er weiterhin schwulenpolitische Forderungen dritter Interessegruppen ins Zentrum.

Intersexuelle und ihre Interessegruppen verurteilten die Untätigkeit des Deutschen Ethikrates einhellig und zeigten sich enttäuscht vom tatenlosen Ausgang ihrer Bemühungen.

Intersexuelle Menschen e.V. hat dem Ethikrat gegenüber schriftlich sein "Bedauern darüber ausgedrückt, dass es den Vortragenenen offenbar nicht gelungen ist, die Dringlichkeit der Belange deutlich zu machen", wie der Verein auf seiner Homepage mitteilt.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org hatte schon am "Forum Bioethik" in einem Diskussionsvotum kritisiert, der Deutsche Ethikrat wie auch die ebenfalls am Forum vertretene "Arbeitsgruppe Ethik" der Medizinerinteressengruppe "Netzwerk Intersexualität/DSD" würden bei den Genitalverstümmelungen beide "nur zuschauen", dies sei untragbar und "Ethik als Feigenblatt".

Der Ethikrat selbst nimmt's weiterhin gemächlich: Auch drei Wochen nach dem "Forum Bioethik" sind noch nicht einmal die Hälfte der versprochenen Wortprotokolle zur Veranstaltung online.

Hintergrundinformationen: http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!".


Freundliche Grüsse

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
>>> (Audio-)Protokolle --> zu unterst     >>> Beitrag von Konstanze Plett (mp3, 19,3MB)
--> Diskussion zum "Forum Bioethik" auf dem Hermaphroditforum
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Wednesday, June 23 2010

"Intersexualität": Anliegen an den Deutschen Ethikrat, 23.06.2010

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Schreiben und Flugblatt von Zwischengeschlecht.org vom 23.6.2010:

Daniela Truffer, Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org), 06.07.2008 Bild: © Dominik Huber
  

Anliegen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
an den Deutschen Ethikrat

Forum Bioethik vom 23. Juni 2010


Sehr geehrter Deutscher Ethikrat

Keine TäterInnensprache, bitte!

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Seit 14 Jahren verurteilen überlebende Zwitter das, was ihnen von PädiaterInnen, EndokrinologInnen und ChirurgInnen angetan wird, öffentlich als Genitalverstümmelungen, Zwangskastrationen, genitale Zwangsoperationen, Hormonzwangsbehandlungen, sexualiserte Gewalt ("Kindesmissbrauch") und als medizinische Folter. Eine neutrale und objektive, aber trotzdem nicht beschönigende Bezeichnung ist zum Beispiel kosmetische Genitaloperationen an Kindern (mit 'uneindeutigen' körperlichen Geschlechtsmerkmalen). Beschönigungen wie "korrigierende oder angleichende Eingriffe" entstammen dagegen der TäterInnensprache. Dass der Ethikrat solche unreflektiert benutzt, muss hoffentlich künftig nicht sein.

Körperliche Unversehrtheit ist das erste Gebot!

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern sind ein schwerwiegender Verstoss gegen das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung (Grundgesetz Art. 2 Abs. 2).
Seit über 50 Jahren werden Zwitterkinder systematisch genitalen Zwangsoperationen unterzogen. Es handelt sich unbestritten um medizinisch nicht notwendige, kosmetische Eingriffe, die seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente durchgeführt werden, ohne die informierte Einwilligung der Betroffenen und ohne jegliche Evidenz. 
Seit 1996 fordern überlebende Zwitter und ihre Organisationen an erster Stelle die schnellstmögliche Beendigung der Genitalverstümmelungen und die Durchsetzung des Grund- und Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung auch für Zwitter.
Seit 1997 prangern namhaften KulturwissenschafterInnen, BioethikerInnen und JuristInnen die Zwangsoperationen als unangemessen und menschenrechtswidrig an. Seit 2004 verurteilt Terre des Femmes genitale Zwangsoperationen an Zwittern als Verstümmelung und zieht Parallelen zwischen genitalen Zwangsoperationen in westlichen Kinderkliniken und den weiblichen Genitalverstümmelungen in Afrika.
2008 sah das OLG Köln das "Selbstbestimmungsrecht [...] in ganz erheblichem Maße verletzt" (5 U 51/08).
2009 rügt das UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen der Zwangsoperationen und fordert "wirksame[...] Massnahmen zum Schutz ihrer Menschenrechte" (CEDAW/C/DEU/CO/6).
2010 verurteilt die Deutsche Sektion von Amnesty International die kosmetischen Genitaloperationen als "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte", nennt an erster Stelle das "Recht auf körperliche Unversehrtheit" und setzt die "Ächtung" der Zwangseingriffe in den "Mittelpunkt der Bemühungen".

Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungDass demgegenüber der Deutsche Ethikrat zum heutigen Forum Bioethik anstelle der Urforderung überlebender Zwitter nach Beendigung der Zwangsoperationen plötzlich Anliegen und Forderungen dritter Interessengruppen ins Zentrum rückt (Benachteiligung durch "das Personenstandsrecht, das Namensrecht sowie das Ehe- und Lebenspartnerschaftsrecht", Aufnahme des "Merkmal[s] der sexuellen Identität in das [...] Grundgesetz (Art. 3 Abs. 3 Satz 1)", die zudem politisch alles andere als unumstritten sind, wirft in der Tat Fragen auf.
Ebenso, dass der Ethikrat Artikel 2.2 des Grundgesetzes gar nicht erst erwähnt und obendrein zuerst noch einmal darüber diskutieren will, ob die Verstümmelungen überhaupt gegen "das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit" verstossen – oder eventuell auch nicht?!
Konkrete Antworten und Ergebnisse innert nützlicher Frist wären hier hoch willkommen.

Es braucht ein gesetzliches Verbot der Verstümmelungen!

Seit 14 Jahren klagen Überlebende die Genitalverstümmelungen öffentlich an und fordern die Medizyner zum Aufhören und die Politik zum Handeln auf – vergeblich. Die Bundesregierung gab zu Protokoll, von unzufriedenen Zwangsoperierten nichts zu wissen, und sieht bis zum heutigen Tag keinen Handlungsbedarf.
Ähnlich wie bei Überlebenden von sexualisierter Gewalt ("Kindesmissbrauch") ist der Rechtsweg für überlebende Zwitter ein Alptraum und eine Farce. Da die Verstümmelungen in der Regel vor dem 2. Lebensjahr erfolgen sowie wegen der damit verbundenen schweren Traumatisierungen haben erwachsene Überlebende in der Regel keine Chance, vor Ablauf der Verjährung zu klagen. Erst 2007 gelang es Christiane Völling als erster – und immer noch einziger! – praktisch in letzter Minute ihren früheren Chirurgen anzuzeigen, wenn auch nur zivilrechtlich. Wäre sie wie die meisten Zwitter schon als Kleinkind verstümmelt worden, wäre ihr Zwangsoperateur ebenfalls unbehelligt davongekommen.
Wie die potentiellen Opfer von sexualisierter Gewalt und weiblicher Genitalverstümmelung brauchen auch Zwitter besonderen rechtlichen Schutz vor genitalen Zwangsoperationen und zur Gewährleistung der vollständigen Umsetzung und Anwendung ihrer Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde.
Ein explizites gesetzliches Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern ist unter Überlebenden eine der unbestrittensten Forderungen und hat auch realpolitisch gute Chancen.
Der Ethikrat könnte einen entscheidenden Beitrag leisten zu ihrer schnellstmöglichen Verwirklichung – ohne dass zuerst noch zahllose weitere Kinder einen lebenslangen Leidensweg durchlaufen müssen wie schon viele Tausende vor ihnen!

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Tag für Tag wird in Deutschland mindestens ein wehrloses Kind unwiederbringlich verstümmelt. Seit bald 10 Jahren gibt es dazu regelmässig ExpertInnenrunden, Fachgespräche, Foren – Worte, Publikationen, Absichtserklärungen, Versprechungen, Vertröstungen ...
Die TäterInnen operieren unkontrolliert weiter. Zu konkreten Schritten zur Beendigung der kosmetischen Genitaloperationen kam es bisher nie.
Zahllose Zwangsoperierte setzen seit langem grosse Hoffnungen in den Deutschen Ethikrat. Dass endlich etwas geschieht. Dass das Unrecht und das Leid endlich aufhören. Dass nicht mehr länger vor der eigenen Haustüre tatenlos geduldet wird, was man gleichzeitig anderswo lautstark als unmenschlich verdammt. Dass endlich jemand die Messer und Spritzen stoppt.
Wir wünschen uns vom Ethikrat, dass diese Hoffnung nicht vergebens war.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!".


Freundliche Grüsse

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_a_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Chronologie Deutscher Ethikrat 2008-2013

>>> Ethikratdiskurs: "Wie so oft wird um den heissen Brei herumgeredet"
Daniela "Nella" Truffer (Zwischengeschlecht.org), Anhörung 08.06.2011

>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org zum Ethikrat-Forum 23.06.2010
>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung
        abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik

>>> Übersichtsseite zur Ethikrat-Anhörung 2011
>>> Ethikrat-Online-Diskurs zensiert Betroffene

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer  

>>> Deutscher Ethikrat: "Verstümmeln ist OK,
        solange es nicht um die Geschlechtsidentität geht" 

Ethikrat-Pressekonferenz, 23.2.12 (Bild: © dapd / sueddeutsche.de)

Ethikratstellungnahme 2012 als Freibrief zum Kinderverstümmeln:
>>> Prof. Dr. Dagmar L’Allemand-Jander ("EuroDSD")  
>>> Prof. Dr. Wieland Kiess (Dekan Medizinische Fakultät Leipzig) 

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Siehe auch:
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- EthikerInnen als MittäterInnen   

Tuesday, June 8 2010

Positionspapier Bündnis 90/Die Grünen + Fachgespräch QueerGrün Berlin, 8.6.10: Am konkreten Problem vorbei

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat unlängst ein Positionspapier "Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" veröffentlicht, das leider das eigentliche Problem der Verletzung des Grund- und Menschenrechts auf körperlichen Unversehrtheit einmal mehr aussen vor lässt.

Auch konkret lassen die Bundes-Grünen genitalverstümmelte Zwitter weiterhin im Regen stehen:

Statt wie von der Zwitterbewegung seit 14 Jahren gefordert endlich einmal konkrete Vorstösse gegen die SeriengenitalabscheiderInnen in deutschen Spitälen zu unternehmen, starten die Grünen lieber die x-te chancenlose Initiative zu einer Änderung des Personenstandsrechts – bekanntlich eine Hauptforderung von Transsexuellen/Transgendern, und NICHT von Zwittern – während die SerientäterInnen weiterhin ungehindert im Akkord wehrlose Zwitterkinder verstümmeln ...

Schlimmer noch, das Positionspapier macht sprachlich und in der Sache wiederholt gemeinsame Sache mit den TäterInnen (mehr zum Positionspapier siehe unten "Kommentar").

Gleichzeitig lädt heute die Landesarbeitsgruppe QueerGrün Berlin unter dem Titel: "Kontrollierte Körper und beschädigte Psychen: Menschenrechtsverletzungen der Medizin an Intersexuellen und Trans*" wieder einmal zu einem "Fachgespräch" (die entsprechende Ankündigung ist zu unterst vollständig dokumentiert).

Leider scheint dabei auch QueerGrün nicht zum ersten Mal primär die Problematik und Sichtweise der Transsexuellen im Blickfeld zu haben. Zumindest die Ankündigung zielt ebenfalls in leider altbekannter Weise am eigentlichen Problem der Zwitter vorbei:

Die massivsten Grund- und Menschenrechtsverletzungen an den "Intersexuellen" werden (im Gegensatz zur den Forderungen der Tanssexuellen/Transgender) laut Ankündigung leider, leider wieder mal von vornherein bagatellisiert – und nach bekanntem Muster instrumentalisiert zu Gunsten einer erhöhten Sichtbarmachung der in Wahrheit auf einer anderen Ebene gelagerten Grundrechtsverletzungen von Transsexuellen:

Dies beginnt schon im Titel, wo die massiven körperlichen Schäden durch die heute noch möglichst flächendeckend durchgeführten Genitalverstümmelungen an wehrlosen Zwitterkindern verniedlicht werden, indem deren Körper nach dem Verständnis von QueerGrün Berlin nicht etwa "beschädigt" werden, sondern lediglich "kontrolliert" (im Gegensatz zur Psyche/Identität, dem Hauptthema der Transsexuellen).

Dieselbe Tendenz setzt sich in der Ankündigung dann auch im Kleingedrucken konsequent fort: Statt Klartext zu reden über Genitalverstümmelungen, Zwangskastrationen, genitale Zwangsoperationen oder nur schon von kosmetischen Genitaloperationen an Zwitterkindern, ist in Bezug auf die Zwitter lediglich die Rede von "sogenannte „geschlechtsangleichende Operationen“ [...], um dem Kind ein „eindeutig“ männliches oder weibliches Geschlecht zuzuweisen". Dies ist TäterInnensprache! Zwangsoperierte Zwitter wehren sich seit Jahrzehnten gegen diesen sprachliche Verschleierung und Beschönigung!

Doch es kommt noch übler: Bei den "Trans*-Menschen" ist nebst der von diesen bevorzugten Sprachregelung, nämlich "„geschlechtsangleichende“ Maßnahmen" dann demgegenüber zusätzlich noch explizit die Rede von "Zwangskastration"! Dies ist nicht nur eine Verdrehung der Tatsachen, sondern eine schamlose Vereinnahmung und Verniedlichung der medizynischen Verbrechen an Zwittern!

Denn es verdeckt den realen Unterschied zwischen Zwangskastrationen, wie sie einerseits wehrlosen Zwittern gewaltsam oder mit Lügen von einer angeblich direkt lebensbedrohenden "generellen Krebsgefahr" aufgezwungen werden, ohne dass diese eine Möglichkeit hätten, sich dagegen zu wehren oder abzulehnen, und andrerseits dem Kastrationszwang, wie ihm Transsexuelle/Transgender mit eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen ausgesetzt sind, die eine Änderung des Personenstandseintrags wollen, ohne dass sie deshalb gewaltsam oder durch hinterlistische Täuschung gezwungen würden. Diese Verdrehung entspricht sinngemäss etwa einer Gleichsetzung/"Verwechslung" von Nötigung ("Geld oder Leben!") mit Mord aus dem Hinterhalt.

In dieselbe Kerbe haut auch das von QueerGrün als Ankündigung verwendete Piktogramm:

Hier ist klar ein erwachsener Mensch abgebildet, es steht also wiederum für Transsexuelle oder Transgender – Zwitter, die in der Regel nach wie vor als Kleinkinder vor dem 2. Lebensjar von den Medizynern verstümmelt werden, bleiben einmal mehr aussen vor.

Wörter, Symbole und Zeichen schaffen Tatsachen, wer sie unsachgemäss benutzt oder gar mutwillig für eigene Zwecke verdreht, macht sich zur MittäterIn!

Aus diesen Gründen, und weil Vereinnahmung und Instrumentalisierung von Zwittern durch LGBT inkl. "Trans*-Menschen" leider eine Jahrzehnte alte, unwürdige Tradition hat, die bisher von beiden Seiten noch nicht wirklich aufgearbeitet wurde, sollten die massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern besser nicht im selben Atemzug bzw. an derselben Veranstaltung mit Transgender/Transsexuellen behandelt werden. Wer dies trotzdem tut, sollte sich der Gefahr bewusst sein und entsprechende Vorsicht an den Tag legen – ausser, die Betreffenden nehmen die Fortsetzung der Zwittervereinnahmung entweder mutwillig in Kauf, oder haben es gar von vornherein darauf abgesehen.

Kommentar:

An und für sich ist es ja prinzipiell positiv, dass QueerGrün wie auch die Mutterpartei sich gegen Menschenrechtsverletzungen an Zwittern positionieren wollen.

Die vorliegende Veranstaltungsankündigung lässt jedoch leider nicht zum ersten Mal betreffend der oben angesprochenen Kritikpunkte jegliche notwendige Sensibilität vermissen, und auch die geladenen Expert_innen haben sich leider diesbezüglich zumindest bisher nicht gerade durch analytische Trennschärfe hervorgetan (geschweige denn durch realpolitisch durchsetzbare, klare Positionen und Forderungen, etwa indem sie sich aktiv für ein Verbot der Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern einsetzen würden).

Bezeichnenderweise kommt das von allen Zwitterorganisationen in ihren Forderungslisten nicht zufällig an erster Stelle angeführte, zentrale Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung im ganzen QueerGrün-Ankündigungstext nicht ein einziges Mal vor!

Obwohl u.a. Amnesty Schweiz und Amnesty Deutschland, aber auch Terre des Femmes Schweiz erst gerade bewiesen, dass es auch anders geht – nämlich mit Klartext, auf den Punkt gebracht und erst noch ohne Vereinnahmung! Ebenso die schweizer Grünen.

Nur die deutschen Grünen haben bisher trotz bald Jahrzehnte langem Gerede noch nichts konkretes zur Durchsetzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter auf die Reihe gekriegt – sondern zumindest bisher stattdessen stets bloss Vereinnahmung pur! (eins / zwei / drei / vier / fünf / sechs)

Auch das 4-seitige Positionspapier der Bundes-Grünen "Jenseits des Geschlechts: Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" mit Datum vom 6. Mai 2010 zielt einmal mehr am eigentlichen Problem vorbei und hofiert letztlich gar zum Teil einmal mehr die Zwangsoperateure (etwa, in dem es auf S. 2 unbesehen und unhinterfragt deren je nach Bedarf beschönigte Zahlen und Statistiken übernimmt). Auf S. 3 wird gar unterstellt, zwangsoperierte Zwitterkinder (in der Regel unter 2-jährig!) wären zumindest "bedingt einwilligungsfähig". Weiter ist die Rede von "sexuelle Funktionsfähigkeit", ohne dass eben der deren Infragestellung durch Verminderung/Verlust des sexuellen Empfindens durch die Verstümmelungen je angesprochen wird (viele Zwangsoperierte spüren nichts mehr oder nur noch Schmerzen). Das ist einmal mehr unhinterfagt übernommene TäterInnensprache der SerienverstümmlerInnen vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "EuroDSD"!

Das den Zwittern nach wie vor vorenthaltene, zentrale Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit kommt im ganzen Positionspapier immer noch kein einziges Mal vor!

Statt endlich entschlossen gegen die Medizyner-Verbrecher vorzugehen und ihnen endlich, endlich das Verstümmeln wehrloser Kinder gesetzlich zu verbieten (z.B. entsprechend dem aktuellen Gesetzesentwurf gegen weibliche Genitalverstümmelung), geht es den Grünen auf S. 4 in ihrer konkreten politischen Arbeit aktuell dann folgerichtig einmal mehr lediglich um das Lieblingskind der Transsexuellen und Transgender, nämlich ausschliesslich um das Personenstandsgesetz. Während gleichzeitig wherlose Zwitterkinder genitalverstümmelt und kastriert werden – allein in deutschen Spitälern etwa JEDEN TAG EINES!!!

Fazit: Es wäre ja wirklich sehr schön und eine Riesenfreude, falls sich das alles anlässlich dieses x-ten "Fachgesprächs" der Grünen endlich ändern würde – aber ehrlich gesagt halt ich bis dahin die Luft nicht an ...

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Zitty 14/2013: Heute noch Intersex-Genitalverstümmelungen in der "Charité"  
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" 
- "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "Euro-DSD": Lübecker Zwitterstudie frisiert 

Nachfolgend dokumentieren wir die oben kritisierte Veranstaltungseinladung:

Continue reading...

Saturday, April 3 2010

Claire Nihoul-Fékété, Mouriquand, El-Ghoneimi: Zwangsoperateure in Frankreich ohne nennenswerten Widerstand

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Ausgeliefert!Das archetypische Aushängeschild der Zwangsoperateure im Ursprungsland der Aufklärung und der modernen Menschenrechte heisst Prof. Claire Nihoul-Fékété, "Chefin pädiatrische viszerale Chirurgie im Necker Spital für kranke Kinder (Paris)".

Die offensichtlich unbeirrbare Serienverstümmlerin mit Jahrzehnte langer Praxis brüstet sich in "wissenschaftlichen" Publikationen wie in Interviews gleichermassen unbeirrbar ihrer medizynischen Verbrechen mit einer ungeschminkt menschenverachtender Arroganz, die sich in der Schweiz, aber auch in Deutschland oder Amerika wohl längst keinE MedizynerIn mehr öffentlich zur Schau zu stellen getrauen würde.

Claire Nihoul-Fékété referierte auch schon in Deutschland, z.B. am Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie DGE vom 7.3.2001 in Magdeburg, wo sie neueste Verstümmelungstechniken präsentierte (siehe unten nach dem Break), was u.a. von Georg Klauda unter dem Zwischentitel "Ein blutiges Geschäft" unmissverständlich öffentlich kritisiert wurde (ein 2. Kongress am 24.3.2001 an der Charité Berlin konnte wegen einer Demonstration gar nur noch unter Polizeischutz stattfinden – das waren noch Zeiten!).

Claudia Kreuzer: "Wenn ich die Fékété in dem Film ["Eindeutig zweideutig" von Ilka Franzmann, Arte 4.7.2003] höre, es gäbe nur zwei Möglichkeiten, entweder abtreiben oder umoperieren, wie krank muss diese Fékété sein? [...] Wir regen uns auf über die Medizinmänner, die aus kulturellen religiösen Gründen diese Beschneidungen machen. Aber diese weißen Medizinmänner, die überall in unseren Kliniken sitzen und Kinder komplett umbauen, die ihnen Zeit ihres Lebens ihre Gefühlsempfindungen wegnehmen, sind das die besseren, nur weil die eine andere Hautfarbe haben?"  (zitiert nach: Claudia Lang: Intersexualität, 2006, S. 234.)

Fékété operierte auch in Berlin: Wie die "Serienverstümmlerin" (Georg Klauda) Prof. Annette Grüters-Kieslich, "Leiterin des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin von der Charité in Berlin" und Verantwortliche des "Studienzentrum Berlin" im "Netzwerk Intersexualität/DSD" anlässlich des "Fachgesprächs" der Grünen im Bundestag vom 27.5.2009 verriet, lassen sie Claire Nihoul-Fékété zwecks Genitalverstümmelung von "AGS-Mädchen" jeweils nach Berlin an die Charité einfliegen – ein Faktum, das meines Wissens nach sonst in keinen öffentlich zugänglichen Quellen je bekanntgemacht wurde. (Wen wundert's?)

Immerhin öffentlich zugänglich, aber trotzdem nur wenig bekannt ist Claire Nihoul-Fékétés Funktion im Beirat des "Netzwerk Intersexualität/DSD".

Dr. Stephen Lortat-Jacob, Kinderchirurg im selben Kinderverstümmelungsetablissement "Necker Spital für kranke Kinder (Paris)", profiliert sich mit vergleichbar menschenverachtenden Parolen (erreicht aber kaum die internationale Ausstrahlung eines Pierre Mouriquand oder Alaa El-Ghoneimi.)

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Bisher konten diese überdurchschnittlich üblen Seriengenitalabschneider in Frankreich ihr Unwesen offensichtlich praktisch unbehelligt treiben. Zwar gibt es mittlerweile eine gute Handvoll organisierte Zwitter, die z.T laut Eigendarstellung "für die Menschenrechte der Intersexuellen kämpfen".

Bis heute scheint sich dieser "Kampf" aber offenbar darauf zu beschränken, sporadisch ein paar kritische öffentliche Worte zu genitalen Zwangsoperationen im allgemeinen äussern, oder im Extremfall gar einen Leserbrief zu verfassen gegen besonders unverfrorene Diffamierungen von "Madame Fékété". Zu konkreten Kampagnen scheint es jedoch kaum gereicht zu haben, geschweige denn zu politischen und/oder juristischen Vorstössen.

Und ist ausnahmsweise trotzdem mal irgendeine konkrete Aktion verlinkt, so geht es dabei entweder um "Intersexuelle" bloss dem Namen nach, praktisch aber ausschliesslich Anliegen von Transsexuellen/Transgendern und/oder abstrakt gegen das böse "Zweigeschlechtersystem" (so übrigens auch zumindest im Trailer zum Film im "Les Complices") – oder aber es handelt sich (Überraschung!) um eine Demo von Zwischengeschlecht.org, die womöglich kurzerhand annektiert wird.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Nachfolgend einige aktuelle Kostproben der offensichtlich ethisch, moralisch und menschlich gestörten SeriengenitalverstümmlerInnen Prof. Claire Nihoul-Fékété und Dr. Stephen Lortat-Jacob (WARNUNG!), gefolgt vom einigen Beispielen zum "Kampf um die Menschenrechte der Intersexuellen" in Frankreich:

Continue reading...

Tuesday, March 9 2010

"Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht" - öffentliche Diskussion, Bremen 14.4.10 20h

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Ort: "belladonna", Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V., Sonnenstraße 8, 28203 Bremen

Von Michel Reiter auf auf seiner Homepage und im Hermaphroditforum gepostete Ankündigung:

Talkrunde
[...]

Weder Frau noch Mann
Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht

in Kooperation mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bremen

Die Existenz von Menschen, die sich biologisch nicht eindeutig in die Kategorie „Frau“ oder „Mann“ einordnen lassen, wird in der Öffentlichkeit meist gar nicht wahrgenommen. So genannte Intersexuelle, Hermaphroditen oder auch Zwitter werden schon als Kleinkinder medikamentös oder operativ behandelt mit dem Ziel, ihnen ein „eindeutiges“ Geschlecht zuzuweisen. Meist geschieht das, bevor sie alt genug sind mitzuentscheiden. Sie geraten in die Mühlen der Medizin und leiden unter den Folgen der Behandlung oft ihr ganzes Leben lang. Der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung führt häufig zu Depressionen, nicht selten auch zu Suiziden. Angehörige werden häufig nicht umfassend aufgeklärt und beraten. Sie fühlen sich massiv unter Druck gesetzt.
„Warum und wieso kann es nicht einfach akzeptiert werden, dass es ein `drittes Geschlecht´ gibt? Es ist die unbeschreibliche Ohnmacht, die einen überfällt wenn man einmal mehr als NICHT EXISTENT bezeichnet wird.“ (Auszug aus einem online-Tagebuch eines Betroffenen).

Impulsreferat von Michel Reiter: „Hermaphroditen: das unaussprechlich Reale?“
Er kämpft seit Jahren für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

In der Talkrunde:
Lucie Veith, Gruppe Intersexueller Menschen e.V., Hamburg
Prof. Dr. Konstanze Plett, Professorin für Rechtswissenschaften und Gender Law, Universität Bremen
Moderation: Björn Fecker, MdBB, stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die Diskussionsveranstaltung ist für Frauen und Männer

Kommentar: Die Formulierung "Für Frauen und Männer"  ist, wie schon im Hermaphroditforum festgehalten wurde, Standard bei vielen Frauenprojekten, wenn zu einer Veranstaltung nicht ausschliesslich Frauen zugelassen sind, und folglich nicht böse gemeint, wenn auch im vorliegenden Fall zumindest formell unsensibel. Nachtrag: Auf der Homepage des Veranstaltungsortes wurde die Formulierung nun abgeändert zu "für alle Interessierten offen". Danke!

In der Sache selbst scheint diese Veranstaltung, in löblichem Gegensatz z.B. zum sog. "Fachgespräch" der Bundestags-Grünen vom letzten Jahr, endlich gewillt, die Leiden der Zwangsoperierten Ernst zu nehmen und auf sie zu hören. Danke! Bleibt zu hoffen, dass als nächster Schritt konkrete politische Aktionen folgen, um die kosmetischen Zwangseingriffe endlich zu stoppen!

Allein in Deutschland wird etwa JEDEN TAG ein Zwitterkind genitalverstümmelt, in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES! Wie lange noch?

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen
- Euro-DSD: Lübecker Zwitterstudie frisiert
- Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert

Saturday, January 30 2010

Georg Klauda über Knut Werner-Rosen ("Netzwerk DSD/Intersexualität"), Psychologen als Windfahnen und "Serienverstümmlerin" Annette Grüters-Kieslich (Charité)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Menschenrechte auch für Zwitter!

In einem >>> Vortrag vom 5.6.2002 an der Freien Universität Berlin zum Themenabend "Medizin und Verbrechen" im Rahmen der Reihe >>> "Beiträge zur Biotechnologie- und Medizinkritik" kritisierte Georg Klauda explizit den Berliner Psychotherapeuten und heutiges "Netzwerk DSD"-Mitglied Knut Werner-Rosen sowie die langjährige Chefin der Kinderendokrinologie in der Charité, Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich.

Knut Werner-Rosen fungiert seit längerem als öffentliches Aushängeschild des sog. "Berliner Modells", dass nebst der (offensichtlich nach wie vor als vorrangig betrachteten) endokrinologischen und chirurgischen "Betreuung" von Anfang an auch psychologischen Support für Eltern und zwischengeschlechtliche Kinder vorsieht – prinzipiell erstmal etwas Positives.

Dennoch geriet und gerät Knut Werner-Rosen immer wieder in die (berechtigte) Kritik von Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern, da auch er offensichtlich prinzipell zuerst mal auf seiner eigenen Seite steht und, wenn es aus der Perspektive seines Einkommens vorteilhafter erscheint, als Opportunist auch Zwangsoperationen befürwortet und mitträgt und sich so zum Mittäter macht.

Nachfolgend die Knut Werner-Rosen und Annette Grüters betreffenden Abschnitte aus Georg Klaudas auch sonst lesenswertem Vortrag:

[...] Als repräsentativ [für die Psychiatrisierung der Hermaphroditen] kann dabei auch das Auftreten des Psychotherapeuten Knut Werner-Rosen bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur "Situation intersexueller Menschen" gelten, das am 27. Februar diesen Jahres stattfand. Seit einigen Jahren arbeitet der Seelenklempner Werner-Rosen mit der Serienverstümmlerin Prof. Annette Grüters an der Virchow-Klinik [Charité] zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, den Eltern des verstümmelten Kindes eine Gehirnwäsche zu verpassen: Sie sollen die Behandlung und das neue Geschlecht ihres Kindes unter keinen Umständen in Zweifel ziehen. Trotzdem interessierte sich Werner-Rosen auf dem Fachgespräch nicht im geringsten für die Frage, ob medizinische Eingriffe nun notwendig seien oder nicht. Vielmehr ging es ihm an diesem Tag allein darum, die psychotherapeutische Behandlung künftig regulär bei den Krankenkassen abrechnen zu können, ob mit oder ohne Verstümmelung.

Das Thema seines Vortrags "Kann die Gesellschaft Intersexualität verkraften?" begann er deshalb mit dem ungeheuerlichen Satz, das Verkraften beginne ja schon damit, dass er durch die Teilnahme an diesem Fachgespräch auf 300 Euro Honorar verzichte. Kein Zweifel: So jemand wie Werner-Rosen wird auch nach der Abschaffung der Zwangsverstümmelungen an Hermaphroditen sein Geschäft machen.

Verquere Verbindungen

Werner-Rosen steht dabei in Verbindung zu dem Studiengang Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin, an dessen Praxistag er den Studierenden sein Berufsfeld vorstellte. Unübersehbar gibt es auch sonst eine enge Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Gender-DekonstrukteurInnen in der Sexualmedizin und der nicht minder professionalisierten Variante derselben Spezies in den Kulturwissenschaften. Beide Sparten des Betriebs sind nicht nur in einem Studiengang vereinigt, sondern stützen sich auch inhaltlich gleichermaßen auf radikalkonstruktivistische Prämissen, nämlich auf die Behauptung, dass Menschen bei Geburt ein "unbeschriebenes Blatt" seien, denen man nach Belieben und chirurgischer Machbarkeit eine Männer- oder Frauenrolle zuweisen könne. [...]

Weitere von Georg Klauda im vorliegenden Vortrag angeschnittene Themen sind die entwürdigende Praxis der wiederholten medizinischen Zurschaustellung von Zwitterkindern inkl. Genitalaufnahmen; wie mit dem bundesfinanzierten "Netzwerk DSD/Intersexualität" der Bock zum Gärtner gemacht wurde, indem ausgerechnet die Zwangsoperateure & Co. zum Beurteilen (bzw. Vertuschen) der von ihnen angerichteten Schäden hinzugezogen wurden; das Positivbeispiel der geläuterten Medizinerin Prof. Ursula Kuhnle; das Negativbeispiel Heino Meyer-Bahlburg; die u.a. von Prof. Helmuth-Günther Dörr propagierten unethischen pränatalen Dexamethason-Therapien und ihre Nebenwirkungen; und "warum alle zuschauen, während in den Kliniken vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert wird", u.a.m.

>>> Ganzer Vortrag "Krankheitsbilder" vom 05.06.2002   

>>> Georg Klauda über Instrumentalisierung von Zwittern durch LGB(T)T 

Friday, January 29 2010

Georg Klauda: "Krankheitsbilder", Vortrag vom 5.6.2002 (Medizin und Verbrechen)

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen![Dokumentation der AGGPG-Seite]

Krankheitsbilder

Die medizinische Fotografie als Todesengel für Menschen des dritten Geschlechts

von Georg Klauda

Vortrag, gehalten im Rahmen der Reihe "Beiträge zur Biotechnologie- und Medizinkritik", Themenabend "Medizin und Verbrechen", FU Berlin, 05.06.2002.

Teratologie als Beruf

Als Hermaphroditen vergöttlicht, als Intersexuelle medikalisiert und als Zwitter für unwert erklärt, können Menschen mit uneindeutigem Geschlecht seit den 50er Jahren im Alltag als "verschwunden" gelten. Ähnlich wie in den Monsterbüchern der Frühen Neuzeit tauchen sie statt dessen in teratologischen Abhandlungen auf, d.h. in Medizinwerken, die den menschlichen Missbildungen gewidmet sind. Die dort abgebildeten Fotografien zeigen Kinder, die an Händen und Füßen gewaltsam festgehalten werden, während die Kamera mit einem Zoomobjektiv auf ihre Genitalien fokussiert und sie so zu einem Stück unappetitlichen Fleisches macht, zum Torso zerstückelt und ihres Subjektseins beraubt. Es gibt sogar einen Berufsstand, den des Teratologen nämlich, der sich allein mit der Produktion solcher menschenverachtender Bilder befasst. Herstellung von Kinderpornos heißt deshalb einer der Vorwürfe, die von der Lobby für Menschenrechte gegen den klinischen Umgang mit Hermaphroditen erhoben werden. Doch ÄrztInnen sehen darin nichts anderes als die wertfreie Dokumentation von medizinischen Befunden. Ihre mögliche Verhinderung durch ein paar dahergelaufene Spinner erscheint ihnen als hinterwäldlerische Maschinenstürmerei. Sich selbst betrachten sie hingegen als neutrale Instanz, allein dem wissenschaftlichen Fortschritt verpflichtet und unkorrumpiert von kulturellen Konstruktionen.

Dass dem nicht so ist, hat Maurice Florence in seinem kurzen Beitrag hinreichend deutlich gemacht, indem er den Status des Priesters im Mittelalter mit dem des Arztes in der Neuzeit verglich. Das Bild des Arztes, der das Kranke und Abnorme aus dem individuellen wie aus dem Volkskörper herausschneidet, ist kein unschuldiges, neutrales oder gar notwendiges. Vielmehr gehört es zu den perfiden Metaphoriken, die die nationalsozialistische Menschenvernichtung angetrieben haben. Dabei erfährt der Begriff der Krankheit selbst eine charakteristische Umbildung. In einem lebensweltlichen Horizont bezeichnet man jemanden als krank, wenn er einen Schnupfen hat, an Fieber leidet oder gar von einer Lungenentzündung dahingerafft zu werden droht. Es ist ein missliches Schicksal, das ihm von außen widerfährt und das er doch niemals mit seiner Existenz als solcher gleichsetzen wird. Dieser sinnlich greifbare Krankheitsbegriff wird jedoch von MedizinerInnen spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in einer völlig neuen Weise metaphorisiert. Als "krank" gelten nun Homosexuelle - ein Wort, das übrigens genau wie Intersexuelle aus dem Schatzkästlein der Sexualmedizin stammt -, als "krank" gelten Irre, Manisch-Depressive und Behinderte. Es ist nicht mehr ein temporärer Zustand, der ihren Köper befällt, sondern sie selbst sind es, die "krank" sind. Ihr Sosein ist es, das eine Gefährdung der Volksgesundheit nach sich zieht, und sie sind es, die, wenn die Gemeinschaft keinen Schaden erleiden will, entfernt werden müssen. Sei es durch Einsperrung in Kliniken, Psychiatrien und Konzentrationslagern, sei es durch ihre Aussperrung aus dem Genpool künftiger Generationen.

Umbettungen hinter Anstaltstüren

Zum Blick auf Hermaphroditen als "krank" und "missgebildet", als "Störung" und "Syndrom", der insbesondere in der teratologischen Fotografie inszeniert wird, gesellt sich die Praxis der Verstümmelung (das Herausschneiden uneindeutiger Genitalien), der Vergewaltigung (die jahrelange Bougierung, d.h. Dehnung der künstlich angelegten Neovagina) und schließlich die Konspiration des Schweigens, derer sich die Eltern als angeblich wohlmeinende MittäterInnen schuldig machen. Die Sprache ist die der technokratischen VollstreckerInnen, denen selbst die schlimmsten Gräuel lediglich unter dem Blickwinkel ihrer handwerklichen Perfektionierung vor die Linse geraten. Allein an einer einzigen Patientin können dabei bis zu einer viertel Million Euro umgesetzt werden. Da jedes zweitausendste Kind dieser Behandlung unterzogen wird, kann man sich leicht die Profitabilität dieses milliardenschweren Industriezweigs ausmalen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass er jemals freiwillig, aus besserer Einsicht, einfach aufgegeben wird.

Schon eher verlagert er sich aufgrund der mittlerweile in den Mainstream-Medien aufbrandenden Kritik in andere Sparten des medizinischen Betriebs, wird entweder durch Pränataltherapie und eugenische Selektion vorverlegt oder in die Psychiatrie umgebettet. Die ProtagonistInnen für beide Möglichkeiten finden sich schon heute. So Prof. Helmuth-Günther Dörr aus Erlangen, der auf dem Magdeburger Endokrinologen-Kongress im März 2001 die Möglichkeiten einer pränatalen Dexamethason-Therapie vorführte. Mit dieser soll die Herausbildung eines sog. androgenitalen Syndroms (AGS) verhindert werden, bei dem ein Kind mit XX-Chromosomensatz vermännlichte Genitalien entwickelt. Jedoch sind die Nebenwirkungen der Behandlung drastisch: die Schwangeren klagen über Gewichtszunahmen bis zu 30 Kilogramm; bei Abbruch der Therapie kommt es zu einer Abort-Rate von 5 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich zudem um eine Fehldiagnose von AGS. Deshalb scheint der Weg der Psychiatrisierung unter Umständen aussichtsreicher. Sog. Geschlechtsidentitätsstörungen können dabei schon heute im medizinischen Abrechnungskatalog ICD unter den Codes F64 und F65 gebucht werden. Notwendig ist dafür eine Psychiatrisierung von Hermaphroditen, wie sie etwa die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung verfolgt, wenn sie erklärt, dass "die medizinische Praxis in der Vergangenheit bei vielen Intersexuellen zu erheblichen Problemen in ihrer psychosexuellen Entwicklung geführt" hat.

Als repräsentativ kann dabei auch das Auftreten des Psychotherapeuten Knut Werner-Rosen bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur "Situation intersexueller Menschen" gelten, das am 27. Februar diesen Jahres stattfand. Seit einigen Jahren arbeitet der Seelenklempner Werner-Rosen mit der Serienverstümmlerin Prof. Annette Grütters an der Virchow-Klinik zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, den Eltern des verstümmelten Kindes eine Gehirnwäsche zu verpassen: Sie sollen die Behandlung und das neue Geschlecht ihres Kindes unter keinen Umständen in Zweifel ziehen. Trotzdem interessierte sich Werner-Rosen auf dem Fachgespräch nicht im geringsten für die Frage, ob medizinische Eingriffe nun notwendig seien oder nicht. Vielmehr ging es ihm an diesem Tag allein darum, die psychotherapeutische Behandlung künftig regulär bei den Krankenkassen abrechnen zu können, ob mit oder ohne Verstümmelung.

Das Thema seines Vortrags "Kann die Gesellschaft Intersexualität verkraften?" begann er deshalb mit dem ungeheuerlichen Satz, das Verkraften beginne ja schon damit, dass er durch die Teilnahme an diesem Fachgespräch auf 300 Euro Honorar verzichte. Kein Zweifel: So jemand wie Werner-Rosen wird auch nach der Abschaffung der Zwangsverstümmelungen an Hermaphroditen sein Geschäft machen.

Verquere Verbindungen

Werner-Rosen steht dabei in Verbindung zu dem Studiengang Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin, an dessen Praxistag er den Studierenden sein Berufsfeld vorstellte. Unübersehbar gibt es auch sonst eine enge Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Gender-DekonstrukteurInnen in der Sexualmedizin und der nicht minder professionalisierten Variante derselben Spezies in den Kulturwissenschaften. Beide Sparten des Betriebs sind nicht nur in einem Studiengang vereinigt, sondern stützen sich auch inhaltlich gleichermaßen auf radikalkonstruktivistische Prämissen, nämlich auf die Behauptung, dass Menschen bei Geburt ein "unbeschriebenes Blatt" seien, denen man nach Belieben und chirurgischer Machbarkeit eine Männer- oder Frauenrolle zuweisen könne. Ein natürliches Geschlecht dahinter gebe es nicht.

Zwar sehen das die zahlreichen Opfer des auf diesen Annahmen ruhenden Menschenversuchs mitunter ganz anders. Doch das scheint nicht weiter zu stören. Denn von Anfang an basierte dieser unerschütterliche Glaube eher auf axiomatischen Setzungen denn auf irgendwelchen Erfahrung. John Money, der die Praxis der Geschlechtsneuzuweisungen in den 50er Jahren in Gang setzte, ließ sogar seine eigene Dissertation im Archiv verschwinden, weil sie nachwies, dass eine medizinische Behandlung von Hermaphroditen überflüssig sei. Unverstümmelte Erwachsene kämen mit ihrer Geschlechts-Uneindeutigkeit nämlich sehr gut zurecht und entwickelten eine starke Persönlichkeit. Doch nicht nur das musste Money verheimlichen, er vertuschte auch den katastrophalen Ausgang seines berühmtesten Zwillingsexperiments, bei dem ein kleiner Junge, der bei einer Vorhautbeschneidung seinen Penis verloren hatte, zu einem Mädchen umoperiert wurde. Nach vielen traumatischen Jahren, in denen der junge Bruce, alias Brenda, alias David Reimer durch die Hölle ging, kehrte er schließlich mit 14 in sein männliches Geschlecht zurück. Noch heute wirkt er zutiefst verstört und versucht seine Erinnerungen so gut es geht in seinem Gedächtnis zu begraben.

Der Quacksalber als Hohepriester

Weil die Intersex-Chirurgie mittlerweile in arge Bedrängnis durch die Medien geraten ist, wurden nun Studien in Auftrag gegeben, die, so unglaublich das klingt, von niemand anderem als den behandelnden ÄrztInnen selbst durchgeführt werden. Aufgrund des Ergebnisses einer interkulturell vergleichenden Studie zwischen Deutschland und Malaysia rückte Prof. Ursula Kuhnle von der Universität München zwar mittlerweile von der medizinischen Praxis der Geschlechtszuweisungen ab. Prof. Meyer-Bahlburg aus New York ist da jedoch etwas pragmatischer. Während er in Magdeburg als Ergebnis seiner Studie referierte, dass die Geschlechtsidentität sich statistisch unabhängig von der ärztlichen Entscheidung und der späteren kindlichen Sozialisation entwickle, gab er in einem Dokumentarfilm auf N3 bekannt, die meisten Hermaphroditen würden auch heute noch in dem ihnen zugewiesenen Geschlecht leben. So publikumsgebunden kann wissenschaftliche Forschung manchmal sein! Nicht auszuschließen, dass zwischenzeitlich einige Dollars den Besitzer gewechselt haben, die des Wissenschaftlers Ansichten ins glatte Gegenteil verkehrten.

An dieser Stelle möchte ich Schluss machen, dieses kriminelle Gewerbe weiter aus einer Innensicht zu betrachten und mich der Frage zuwenden, warum alle zuschauen, während in den Kliniken vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert wird. Denn all dies wäre sicher nicht möglich, wenn wir der Medizin als Hohepriestertum der technokratischen Moderne nicht blindlings vertrauen würden. Doch wir glauben noch immer, nach der Euthanasie, nach Mengele, nach der Rampe von Auschwitz, nach Elektroschocktherapien und Hodentransplantationen an Homosexuellen, nach gehirnchirurgischen Eingriffen an Systemdissidenten und psychiatrischer Folter an "Irren", dass die ÄrztInnen nur unser "Heil" im Auge hätten. So setzten sich KulturwissenschaftlerInnen aus Berlin und Potsdam auf das Podium des bereits erwähnten Endokrinologen-Kongresses in Magdeburg, schauten sich Schlachthaus-Bilder an, auf denen aufgeschlitzte Unterleiber und herauspräparierte Genitalien zu sehen waren, ohne auch nur mit einem Wort zu intervenieren. Man fühlte sich schließlich nicht kompetent, all diese ethischen Fragen zu beantworten, sah sich aber immerhin geehrt, dass auch die Kulturwissenschaft auf der Ebene der Theorie ihr Scherflein beitragen könnte zur Frage, wie die Geschlechter gemacht werden.

Dabei handelt es sich doch um Mord! Denn vor nicht allzu langer Zeit nahmen die ÄrztInnen bei den von ihnen eingesetzten chirurgischen Techniken noch in Kauf, dass ein Teil ihrer "PatientInnen" auf dem Operationstisch verstarb. Und auch heute sind es noch geschätzte 30 Prozent der Zugewiesenen, die sich in Folge der traumatischen Eingriffe und ihrer systematischen Entmenschlichung durch die Sprache und Praxis der Medizin irgendwann das Leben nehmen.

Der Raum des Politischen

Wir müssen auch der Entpolitisierung dieser Fragen begegnen. Etwa, wenn diese Tatsachen allein zum Problem einer kleinen Minderheit gestempelt werden. Dieser soll endlich Recht widerfahren, um sie danach als neue identitäre Lebensweise ins multikulturelle Gewebe der kapitalistischen Gesellschaft zu integrieren. Genau dies ist das Bild, das die Massenmedien in bester zivilgesellschaftlicher Manier zu zeichnen versuchen, um einen entstandenen politischen Spalt pragmatisch zu schließen. Hermaphroditen werden als distinkte Existenzweise konstruiert, die sie nicht sind, und als Kontrastfolie missbraucht, an denen die Gesellschaftsmehrheit ihre Konstruktionen von Normalität überprüfen und beweisen kann.

Eine politische Sichtweise wäre demgegenüber, die medizinische Praxis der Geschlechtszuweisungen als symbolische Metapher für die grundlegenden Operationen der Gesellschaft und die Mythen der westlichen Kultur zu lesen. Die Reduktion von Hermaphroditen auf eine phantasierte Identität und ein gesellschaftliches Einzelinteresse ist hingegen ein technokratischer Traum, der der Gewalt noch den Hohn hinzufügt.

Für eine mögliche politische Kontextualisierung steht in jüngster Zeit etwa Carl Wiemer. Die Kritik am "Ärzteracket" liefert für ihn den Brennspiegel des Besonderen, durch den eine allgemeine Theorie der Gesellschaft hindurch muss. Anhand von zahlreichen verstreuten Fragmenten aus Max Horkheimers Werk hat er dessen Ärzte- und Medizinkritik rekonstruiert und die Versehrungen im medizinischen Apparat als Schlüssel verwendet, um das diagnostische Potential einer kritische Theorie der Gesellschaft zu demonstrieren. In seinem Buch Krankheit und Kriminalität kritisiert er dabei mit Horkheimer eine großmäulige Linke, die sich lieber mit fernen weltpolitischen Fragen befasst, an denen sie ohnehin nichts ändern wird, als mit solchen profanen Dingen wie der Situation in Psychiatrien, Spitälern und Gefängnissen. Eine Gesellschaftskritik ist auf die Versenkung ins Besondere angewiesen, wenn sie nicht mit jenem schlechten Allgemeinen im Bunde stehen will, das die Essenz der kapitalistische Gesellschaft ist. Horkheimer ist deshalb der Anwalt der bestimmten gegen die abstrakte Negation und unterscheidet sich, wie Wiemer treffend formuliert, dadurch auffällig von der "Spreu der soziologischen Weggucker", die heutzutage Luhmann- und Habermas-Seminare bevölkern.

© Copyright Klauda - 2002

>>> Kommentar: Georg Klauda über Knut Werner-Rosen ("Netzwerk DSD/Intersexualität") und Psychologen als Windfahnen  

>>> Georg Klauda über Instrumentalisierung von Zwittern durch LGBT 

Tuesday, January 5 2010

Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Kann ein Zwitter Sünde sein?Sage und schreibe zum 2. Mal seit Nellas Rücktritt als 1. Vorsitzende bei IMeV geruhte sich der neue Vorstand am 24.12.09, die Mitglieder und Öffentlichkeit über die in der Regel hinter verschlossenen Türen laufenden Aktivitäten in einem >>> Newsletter zu "informieren" (--> 23.12.09) (rsp. öfters auch nur anzukündigen, konkret informiert würde dann später mal).

Erfreulicherweise wurden das Kinderbuch "LILA – oder was ist Intersexualität" (ISBN 978-3-00-029591-1 – bei amazon allerdings nicht aufgeführt) und die Hebammenbroschüre "Was ist es denn?" nun anscheinend fertiggestellt und sind beim Vorstand bestellbar.

Weiter werden einige Anlässe mit Vereinsbeteiligung aufgelistet, allerdings ist ausser Titel, Ort und Datum meist kaum etwas darüber zu erfahren, geschweige denn wo eigentlich bitter nötig kritische Anmerkungen, so z.B. beim "Fachgespräch" der Grünen vom 27.5. in Berlin oder zur APE/AGPD-Jahrestagung.

Während der aktuelle Vorstand in einer ersten Verlautbarung noch vollmundig verkündet hatte, "Der von der UN geforderte Dialog der Bundesrepublik Deutschland mit den Berichterstatterinnen zum CEDAW- Abkommen ist einer der Arbeitsschwerpunkte des Vorstandes für die Amtsperiode 2009/ 2010", wird das diesbezügliche, wenig ruhmreiche Treffen mit dem "Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe" des Bundestages bequemerweise gleich ganz unterschlagen. Auch die seinerzeitige Info-Veranstaltung des Vereins (ausgerechnet!) im Magnus Hirschfeld Centrum vom 11.11. bleibt unerwähnt.

Rein gar nichts erfahren interessierte Mitglieder weiterhin über die gebrochenen Vereinbarungen seitens des Netzwerks DSD/Intersexualität, dito zum Frisieren der "Lübecker Studie" ebenfalls durch das Netzwerk DSD/Intersexualität. Die Medizyner freut's weiterhin ...

Fragwürdig m.E. auch, wie Hertha Richter-Appelt im Namen von IMeV einmal mehr unhinterfragt ausschliesslich gehypt und von jeder Kritik ausgenommen wird.

Während der jetzige Vorstand sich stets gegen Untersützung prozesswilliger Zwangsoperierter gegen ihre Zwangsoperateure wandte, wird nun neuerdings ein Anwalt gestellt – ausschliesslich bei Beantragung von Behindertenausweisen.

"Ab Januar" kündigt der Vorstand gar an, neu "regelmäßig" zu informieren. Wir bleiben gespannt ...

Saturday, October 17 2009

Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben ...

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!... und Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt.

An der mündlichen Verhandlung der 43. Session des UN-Komitees CEDAW am 2. Februar 2009 in Genf war auch eine hochrangige Delegation des "Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages" anwesend. Im Anschluss an die Session stellte sich die Delegierte Christel Riemann-Hanewinckel vor, (inzwischen ehemaliges) Mitglied des Bundestages (SPD) und Mitglied des Menschenrechtsrates der UN, überreichte ihre Visitenkarte und stellte ein Gespräch mit einzelnen Vertreter_innen der NGOs in Aussicht. 

Dieses von Intersexuelle Menschen e.V. wie üblich als 'streng geheim' klassifizierte Gespräch fand am 25.3.09 in Berlin hinter verschlossenen Türen statt. Als Vertreterin des Vereins war ein Mitglied des jetzigen Vorstandes vertreten. Laut einem "vertraulichen" Bericht ("kein Wort in Blogs oder Foren!") der Vertreterin wurde dort einmal mehr das Blaue vom Himmel herunter versprochen und vollmundig mehrere Folgetreffen und -Aktionen angekündigt, "alles vor der Wahl", u.a.:

  • ein "informelles Gespräch" auf Ministerebene
  • "eine interdisziplinäre Veranstaltung [...] in Berlin organisieren und um den Handlungsbedarf zu manifestieren und in die Fachgesellschaften und gesellschaftlichen und  politischen Kreise zu implementieren" [womit NICHT das peinliche "Fachgespräch" der Grünen vom 27.5.09 angesprochen war]
  • "einen Antrag einbringen, um eine Expertenanhörung im Bundestagsausschuss noch vor der Wahl durch zu setzen. Die Aussichten seien nicht so schlecht, da das Follow up ja auf der Tagesordnung steht."
  • "Ich habe die Frage in den Raum geworfen, wie man schnellstmöglich die „Op-Messer“ zum ruhen bringt. Die Frage wird diskutiert werden …"

Und der Rest war Schweigen – abgesehen von einem am 29.9.09 auf der Bundestagshomepage veröffentlichten, >>> offiziellen Bericht (PDF) des "Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" u.a. über dieses streng "vertrauliche" Gespräch. Ein Bericht, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, wie ernst es der Ausschuss mit den Anliegen der Zwitter wirklich meint – nämlich offensichtlich gar nicht.

Nachfolgend sämtliche Ausschnitte, in denen "Intersexuelle" erwähnt (oder besser gesagt "mitgemeint") waren:

C. Details aus den Gesprächen

[...]

5. Treffen von Abg. Riemann-Hanewinckel mit der CEDAW-Delegation

[...] Erstmalig waren intersexuelle Menschen/XY-Frauen/transsexuelle Menschen mit einem Bericht über die erlebten Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen vertreten. [...]

- Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den NGOs wurde als mangelhaft eingestuft. Es gab keinen Austausch bzw. keine Beratung. Der Ausschuss misst den Alternativberichten eine hohe Bedeutung zu. Vor allem der Bericht der Transsexuellen/XY-Frauen beschäftigte den Ausschuss. Er stellte fest, dass ihnen die vollen Menschenrechte gewährleistet werden müssen, vor allem das Recht auf eine umfängliche Information und Beratung im Blick auf operative Eingriffe im Kindesalter.

D. Empfehlungen

[...]

CEDAW

[...]

- Information und Gespräche mit intersexuellen / transsexuellen / XY-Frauen und Menschen

>>> http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse/a17/reisen/Genf_2009.pdf 

Kommentar:

Aufs Neue zeigt sich, worauf sich die Wirkung der von Intersexuelle Menschen e.V. nach wie vor favorisierten 'Geheimdiplomatie durch den Dienstboteneingang' beschränkt: Delegierte des Vereins lassen sich zu superwichtigen VIP-Sitzungen einladen, werden dort mit leeren Versprechungen eingeseift, einmal mehr nach den Regeln der Kunst über den Tisch gezogen – und das wars dann. Niemand wird je für die gebrochenen Versprechen zur Rechenschaft gezogen oder nur schon dafür kritisiert, geschweige denn öffentlich, ja nicht einmal die Vereinsmitglieder über die unsäglichen Vorfälle überhaupt informiert. Kein Wunder, ziehen Medizyner und Politiker mit den Zwittern diese beliebte Nummer gern immer mal wieder durch ... Nun wird die Bundesregierung dann im vom CEDAW-Ausschuss schriftlich geforderten Zwischenbericht scheinbar zu Recht behaupten, die Gespräche mit den Zwitter-NGOs hätten ja stattgefunden, und ihre Hände weiterhin in Unschuld waschen – unterstützt durch die Schweigegebote von Intersexuelle Menschen e.V.

Entlarvend zudem, dass der "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe des Bundestages" angeblich noch nicht einmal bemerkt haben will, dass "Intersexuelle" und Transsexuelle nicht ganz dasselbe sind und im Übrigen je einen verschiedenen Schattenbericht eingereicht hatten. Ebenfalls entlarvend, dass der Ausschuss im Zusammenhang mit den Zwangsoperationen an Zwittern (gegen die sich der CEDAW-Ausschuss zumindest mündlich immerhin explizit aussprach) lediglich anmerkt, dass bei "Transsexuellen/XY-Frauen [...] vor allem das Recht auf eine umfängliche Information und Beratung im Blick auf operative Eingriffe im Kindesalter [gewährleistet sein muss]",  womit das eigentliche Problem der grundsätzlich menschenrechtswidrigen kosmetischen Zwangsoperationen an nicht-einwilligungsfähigen Zwitter-Kleinkindern einmal mehr aussen vor bleibt.

Die Medizyner freut's ...

Nella & Seelenlos

Siehe auch:
- Schattenbericht: Bundesregierung leugnet Menschenrechtsverletzungen an Zwittern 
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- CEDAW im Bundestag: Nach bekanntem Muster
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht   
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Fachgespräch der Grünen, Berlin Mi 27.5.09 14-18h  
-
"Netzwerk DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure    

Friday, July 10 2009

"Intersexualität" = "sexuelle Identität und Lebensweise"??! – Grüne VereinnahmerInnen immer noch nichts gelernt

Im Bundestag stellen die Grünen einen >>> Antrag "Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie" (PDF). An und für sich eine gute Sache. Schlichtwegs unerträglich ist jedoch, wie die Grünen dabei einmal mehr die Leiden genital zwangsoperierter Zwitter für LGBT-Partikularinteressen instrumentalisieren.

Auch im fraglichen Antrag sind die Zwitter einmal mehr bloss als obligates Schlusslicht kommentarlos "mitgemeint" und die Grünen behaupten gar erneut, Zwitter seien kein biologisch-körperliches Geschlecht, sondern lediglich eine besondere Form von "sexueller Identität und Lebensweise". Diese unsägliche Vereinnahmung muss endlich aufhören!

Die genitalen Zwangsoperationen und sonstigen nicht-eingewilligten Zwangseingriffe an Zwittern sind die wohl gravierendste Menschenrechtsverletzung in den "westlichen Industrienationen" seit dem 2. Weltkrieg – in Ausmass, Umfang, Schwere und Systematik wirklich nicht zu vergleichen mit den vergleichsweise klar "harmloseren" Diskrimierungen, denen LGBTs ausgesetzt sind.

Nach wie vor wollen die Grünen das um keinen Preis wahrhaben, sondern versuchen stur nach dem Motto "bei LGBT 'mitgemeint'" die Zwangsoperationen usw. unter den Tisch zu wischen und stattdessen sich selbst auf Kosten der zwangsoperierten Zwitterkinder politisch zu profilieren. Nach wie vor ist DIE LINKE die einzige Partei, die bisher zugunsten der Zwitter im Bundestag konkrete Vorstösse startete – immerhin 7 in den letzten 13 Jahren (eins / zwei / drei).

Allen jahrelangen Lippenbekenntnissen und schönen Versprechen zum Trotz haben die Grünen bis heute zur Beendigung der massivsten Menschenrechtsverletzungen an Zwittern auf Bundesebene noch KEINEN EINZIGEN konkreten Schritt unternommen!

Stattdessen missbrauchen die "Gender- und QueerspezialistInnen" der Grünen, allen voran immer wieder Volker Beck und Irmingard Schewe-Gerigk, die Leiden der Zwitter regelmässig dazu, ihre eigenen LGB-Anliegen voranzutreiben, und degradieren die Zwitter dazu in steter Regelmässigkeit als (oft nur "mitgemeintes") Anhängsel ihrer eigenen Partikularinteressen. Falls sie "Intersexuelle" überhaupt erwähnen, dann STETS und IMMER in der anscheinend gottgegebenen Reihenfolge als Schlusslicht.

So auch einmal mehr in einem aktuellen Antrag >>> "Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie" (PDF).

"Intersexuelle" werden darin 7 mal erwähnt, und zwar – Überraschung! – JEDES MAL und AUSSCHLIESSLICH als kommentarlos mitgemeintes Anhängsel unter "Lesben,  Schwulen,  Bisexuellen und trans-  oder  intersexuellen Menschen"!

Dabei entblöden sich die Grünen weiter, die Zwitter dabei JEDES MAL und AUSSCHLIESSLICH kommentarlos unter "sexuelle[...] Identitäten und Lebensweisen" (S. 2 2x, S. 3 2x) einzubinden.

Während die Grünen in ihrem Antrag für "Schwule, Lesben und Transgender" bzw. für "Lesben, Schwule,  Bisexuelle und Transsexuelle" eine Vielzahl konkreter Anträge stellen, bleiben die Zwitter punkto konkrete Anträge einmal mehr KOMPLETT aussen vor, genitale Zwangoperationen und das dauernd missachtete Recht auf körperliche Unversehrtheit werden KEIN EINZIGES MAL angesprochen.

Dies alles ist umso beschämender, nachdem nun immerhin der LSVD inzwischen mit einem konkreten Wahlprüfstein zugunsten von "Menschenrechte auch für Zwitter!" ein konkretes Beispiel gesetzt hat, wie's auch anders geht. Nur haben die Grünen offensichtlich auch das verpennt ... Stattdessen verbrüdern sie sich noch mit den menschenverachtenden Zwangsoperateuren!

Wetten, dass sich das alles ziemlich schnell ändern würde, wenn von den grünen VereinnahmerInnen mal ein paar am eigenen Leibe genital zwangsoperiert oder nur schon zwangskastriert würden??!!

Gefunden via Bundestags-Suchmaschine zu "Intersexualität":
http://suche.bundestag.de/searchAction.do?queryAll=&queryOne=intersexuell+intersexuelle+intersex

Siehe auch:
-
- "Intersexualität" = sexuelle Orientierung??! 
- Lauter leere Versprechungen: Fachgespräch der Grünen 27.5.09
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert – Grüne wollen nix gemerkt haben
- Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen: Yogyakarta untaugliches Instrument
- QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?"      

Wednesday, June 17 2009

Wie das "Netzwerk DSD"/"Euro DSD" die "Lübecker Studie" frisiert

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> "EuroDSD": Lübecker Zwitterstudie frisiert (Pressemitteilung 14.11.09)

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)>>> PDF 2.3 Mb -> S. 3 (Vortrag Berlin 27.05.2009, Folie 6)
Nach wie vor sind 90% aller Diagnostizierten zwangsoperiert :-(

Menschenrechte auch für Zwitter!

Bisher hoben sich die BMBF-finanzierten Netzwerk-Studien wohltuend ab von unseriösen Vorgängerprojekten à la Meyer-Bahlburg, die von vornherein auf Pro-Zwangsops designt waren und prompt auch Resultate brachten, die frappant an realkommunistische Wahlresultate erinnerten.

>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB):
Martina Jürgensen: "Klinische Evaluationsstudie im Netzwerk DSD/Intersexualität: Zentrale Ergebnisse", Vortrag 27.05.2009

Die diversen Veröffentlichungen zur "Hamburger Studie" und die Vorabveröffentlichung der "Lübecker Studie" wirkten demgegenüber einiges glaubwürdiger und redeten immer (zumindest auch) Klartext. Einige Beispiele:   >>> mehr

  • Zwangsoperierte Zwitter haben eine höhere Selbstmordrate als nicht-traumatisierte Nicht-Zwitter, vergleichbar mit traumatisierten Frauen nach körperlicher Misshandlung oder Kindesmissbrauch. (Schützmann/Brinkmann/Richter-Appelt, Arch Sex Behav. 2009 Feb;38(1):16-33)

  • Genital zwangsoperierte Zwitter haben signifikant mehr Angst vor sexuellen Kontakten und mehr Angst vor Verletzungen beim Geschlechtsverkehr als "nur" zwangskastrierte. (Vortrag von Hertha Richter-Appelt, 19.4.2009)

  • "Menschen, die mehr als drei Operationen im Zusammenhang mit der besonderen Geschlechtsentwicklung erlebt haben, haben im Bereich körperliche Schmerzen eine niedrigere Lebensqualität als Menschen mit wenigen oder gar keinen Operationen." (Vorabbericht zur Lübecker Studie, S. 22)

But the times they are a-changing!

Mittlerweile sind die Hamburger ja aus dem "neuen" Netzwerk DSD und der Nachfolgeorganisation "EuroDSD" irgendwie draussen. Und aus Lübeck weht nicht erst seit gestern nicht nur für Zwitter, die an der Studie teilnahmen und auf weitere Veröffentlichungen mit Klartext gehofft hatten, ein mittlerweile deutlich rauherer Wind .

Schon nach der Vorabveröffentlichung Ende 2008 waren Stimmen laut geworden, die befürchteten, künftige "offizielle" Publikationen würden auf Kosten der Zwangsoperierten wohl wieder mehr auf medizynerfreundlich getrimmt (--> 3. e) Kritische Anmerkungen).

Weiter hatte das "Netzwerk DSD" unter den Zwischengeschlechtlichen weitherum Empörung ausgelöst wegen des mehrfach gebrochenen Versprechens, Teilnehmende würden die Publikation im Voraus zu lesen bekommen mit der Möglichkeit zu Kommentaren (ähnlich der DGKJ-Leitlinie). Ausserdem war Zusammenarbeit mit Zwitterorganisationen Bedingung bei der Vergabe der BMBF-Gelder für das Netzwerk!

Doch noch die pessimistischten düsteren Vorahnungen wurden nun vom "Netzwerk DSD"/"EuroDSD" an einem Vortrag über die "Lübecker Studie" an einem Fachgespräch im Bundestag vom 27.05.2009 deutlich übertroffen!   >>> Bericht von Kitty

Betreffend der zentralen Frage, ob die Zwangsoperierten durch diese menschenrechtswidrigen Eingriffe mit oft verheerenden Folgen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden, behauptete die von Lübeck als Expertin an die 2. Anhörung der Bundestagsfraktion der Grünen delegierte Martina Jürgensen schamlos und mit noch krasserer Durchgängigkeit als seinerzeit Meyer-Bahlburg, nämlich 100% ausnahmslos:

  • keine Unterschiede bei der LQ [Lebensqualität] (Gesamtwert) bei unterschiedlichen medizinischen Interventionen

bzw.

  • keine Unterschiede zwischen operierten und nicht-operierten Personen

usw.

Wie gesagt, durchgängig 100%ig das selbe Fazit, egal ob es sich um die Lebensqualität, psychische Gesundheit oder "psychosexuelle Entwicklung" von Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen handelt – JEDESMAL, wenn überhaupt ein Vergleich Zwangsoperiert–Nichtoperiert gemacht wird!

Kommt dazu: Von den über Dreijährigen Teilnehmer_innen der Studie waren laut dem Vortrag ingsesamt nach wie vor 87%-91% Prozent kosmetisch zwangsoperiert – davon ein Fünftel mindestens 3 Mal! Willkommen im 21. Jahrhundert!

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)
--> PDF S. 3
>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB)

Unter den anwesenden Zwischengeschlechtlichen war die Konsternierung gross, und noch ein Arzt sagte mir später im Gespräch, eine solche Verfälschung hätte er nicht erwartet.

Zwar räumte Martina Jürgensen einmal mehr ein, auch laut der "Lübecker Studie" gäbe es einen "grossen"

  • Problembereich von Jugendlichen und Erwachsenen mit DSD: Partnerschaft und Sexualität [vgl. auch Vorabbericht]

Just bei diesem "grossen Problembereich" unterschied Martina Jürgensen dann übrigens nicht mehr nach Operierten und Nicht-Operierten. (Auch über die – auch laut der Lübecker Studie notorisch schlechte – Behandlungszufriedenheit der Zwangsoperierten schwieg sie sich durchgehend vormehm aus.)

In der auf den Vortrag folgenden Diskussionsrunde sprach ich Martina Jürgensen sowohl auf die u.a. ihrem eigenen Vorabbericht widersprechende Behauptungen an, Operierte hätten insgesamt keinerlei Nachteile gegenüber Nicht-Zwangsoperierten Zwittern, wie auch auf die Auslassung des Vergleichs zwischen Zwangsoperierten und Nicht-Operierten ausgerechnet beim zentralen "grossen Problem".

Im ersten Anlauf wollte Martina Jürgensen grösstenteils gar nicht verstehen, worum es ging. Als ich nochmals nachhakte, gab sie dann zu verstehen, jetzt wisse sie, was ich meine, aber durch ein grössere Vergleichsgruppe als bei den Resultaten der Vorabveröffentlichung hätten sich deshalb die Resultate geändert, ausserdem bestehe auch bezüglich des Problemfelds Sexualität und Partnerschaft keine Unterschiede zwischen Zwangsoperierten und Nicht-Operierten, da gebe es "keine Korrelation". Danach war die Diskussion dazu (welche die Gesprächsleiterin der Grünen am liebsten schon vorher abgeklemmt hätte) zu Ende.

Mittlerweile traue ich Martina Jürgensen et. al. und dem "Netzwerk DSD"/"Euro DSD" voll und ganz zu, dass sie solches (und weiteres) auch künftig in den "offiziellen" Publikationen zur Studie bevorzugt absondern werden. So besehen macht es auch durchaus Sinn, dass das "Netzwerk DSD" es vorzieht, langjährige Versprechen gegenüber den Studienteilnehmer_innen zu brechen und und lieber hinter den Rücken der Zwangsoperierten zu publizieren.

Mal abgesehen davon, dass bei Vergleichen innerhalb der Untersuchungsgruppe (wie z.B. Zwangsoperierte vs. Nicht-Operierte) die Vergleichsgruppe gar keine Rolle spielt (!), und es schlicht weltfremd ist, zu behaupten, dass Zwangsoperierte zwar laut Vorabbericht der "lübecker Studie" häufiger "körperliche Schmerzen" im Genitalbereich haben (S. 22), dies aber angeblich ausgerechnet im "grossen Problembereich [...] Partnerschaft und Sexualität" keine Auswirkungen haben soll.

Dass das "Netzwerk DSD"/"EuroDSD" solches offiziell so rumposaunt (und die Grüne Bundestagsfraktion es prompt nicht bemerkt haben will, s.a. bei Kitty), ist ein herber Schlag ins Gesicht und eine klare Kriegserklärung an alle Zwangsoperierten, die mit ihrer Behandlung nicht zufrieden sind (auch laut der Vorabveröffentlichung der "Lübecker Studie" klar die Mehrheit!).

Diese Desinformation ist die offensichtlich Antwort des "Netzwerks der unverbesserlichen Zwangsoperateure" auf die neu erstarkte Zwitterbewegung, auf das zunehmend öffentlich bekannt werden der Menschenrechtsverletzungen durch die genitalen Zwangsoperationen und der Forderung der Zwangsoperierten nach "Menschenrechte auch für Zwitter!"

>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB):
Martina Jürgensen: "Klinische Evaluationsstudie im Netzwerk DSD/Intersexualität: Zentrale Ergebnisse", Vortrag 27.05.2009

An der Veranstaltung waren übrigens auch mehrere Mitglieder sowohl von IVIM (die vor Beginn ein Faltblatt verteilten) wie auch von Intersexuelle Menschen e.V. anwesend. Bisher haben beide Organisationen noch nicht öffentlich Stellung zu diesem ungeheuerlichen Vorgang bezogen ...

Nachtrag: Wichtiger Vorschlag von Einhorn, wie gegen die Verfälschung der "Lübecker Studie" vorgegangen werden kann, hier in den Kommentaren.

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> "EuroDSD": Lübecker Zwitterstudie frisiert (Pressemitteilung 14.11.09)

Siehe auch:
- Bericht von Kitty über das Fachgespräch vom 27.5.09 und das Corpus delicti
- Fachgespräch der Grünen, Berlin Mi 27.5.09 14-18h  
-
"Netzwerk DSD"/"Euro DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 
-
Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht   
- "Euro-DSD"-Zwangsoperateure: transsexuell = intersexuell??! 
-
Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008
- "Netzwerk DSD"-Chef Olaf Hiort: "keine Qualitätskontrolle" bei Zwangsoperationen an Zwittern  
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000  

Tuesday, May 5 2009

Fachgespräch der Grünen, Berlin Mi 27.5.09 14-18h

Die aktuelle Zeitlinie 2009 mal über den Daumen gepeilt:

  • Seit 50 Jahren werden Zwitterkinder systematisch zwangsoperiert.
  • Seit 13 Jahren protestieren Zwangsoperierte in Deutschland öffentlich dagegen.
  • Seit 7 Jahren sind die Grünen am Debattieren. Und noch kein bisschen gescheiter.
  • Die Medizyner operieren dankend weiter ...

Immer, wenns ums Thema geht und die Abgeordneten der Bundestagsfraktion der Grünen auf ihren mangelnden Beitrag zur sofortigen Beendigung der genitalen Zwangsoperationen angesprochen werden, kramen sie die olle Anhörung von 2002 hervor mit ihren vollmundigen Ankündigungen. Konkret politisch für die Zwitter etwas getan haben sie seither – nichts.

Doch nun tun sie ja was. - Überraschung! - Ja, was denn? - Na, was habt ihr denn gedacht?!

Genau, die Grünen debattieren mal wieder:

>>> Fachgespräch 27.5.09 14h Bundestag [offline]
[ --> archiviert hier! (Danke!) ]

Einmal mehr sind als "Experten" hauptsächlich die üblichen Medizyner geladen vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" ...

Hingehen! Obacht, elektronische Anmeldung erforderlich! Anmeldeschluss 18.5.!!

Nachtrag 1: Offener Brief von Michel Reiter an die Grünen (--> 6.5.09)

Nachtrag 2: Faltblatt von IVIM zum Fachgespräch

Nachtrag 3: Bericht von Kitty über das Fachgespräch

Nachtrag 4: Fachgespräch: Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert

Nachtrag 5: Dokumentation zur Tagung mit Vortragstexten (publiziert 2011, PDF)  

Siehe auch:
- Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen: Yogyakarta untaugliches Instrument
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- "Netzwerk DSD/Intersexualität" und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Wie das "Netzwerk DSD/Intersexualität" seine Versprechen bricht
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- DIE LINKE: Streicheleinheiten für die Bundesregierung
- LSVD: Menschenrechte für Zwitter als Wahlprüfstein!    

- page 2 of 3 -