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Sunday 14 September 2008

"XXY" in Südafrika als "Kinderpornographie" verboten!

Das südafrikanische "Film and Publication Board" hat dem schwullesbischen Filmfestival "Out in Africa", das aktuell in Johannesburg und Kapstadt läuft, die Aufführung von XXY verboten: Der Film "laufe auf Kinderpornographie heraus" ... Das Festival hält demgegenüber fest, in Südafrika seien schon Filme mit expliziteren Sexszenen zwischen "normalen" Jugendlichen problemlos in Mainstream-Kinos gelaufen seien, z.B. Larry Clarks "Ken Park". Das Festival will wenn möglich mit Hilfe des "Freedom of Expression Institute" rekurrieren.

Wieder einmal typisch zudem ein "Ausrutscher" in der englischen Originalmeldung von Mail & Guardian, als der Film zusammengefasst wird: Der Chirurg, der Alex einer Genitaloperation unterziehen will, wolle der "Jugendlichen helfen, sich für eine Geschlechtsidentität zu entscheiden". Na, vielen Dank auch. Sowas kann wohl nur von nem privilegierten "Normalo"-Journi stammen, der/die nie im Leben Gefahr lief, solcherart "Hilfe" unterzogen zu werden ...

(Gefunden via Intersex-Feed des genderfree-blogs.)

Wenn Medizyner zu sehr vertuschen

Frage: Wieviele "Intersexuelle" — Pardon: "geschlechtsentwicklungsmässig Gestörte" — gibts nun wirklich?

Antwort: Schweigen ...

Und egal wieviele hochgerechnete Zahlen auch herumgereicht werden: Letztlich weiss es niemand genau.

Der Staat weiss es nicht, will es nicht wissen und besteht darauf, dass alle Zwitter lediglich als "Mann" oder "Frau" erfasst werden. Der einzige Stand, der über exakte Zahlen verfügen könnte, sind ausgerechnet die Medizyner, deren Jahrzehnte lange moralische Korruptheit speziell gegenüber dieser besonderen "Patientengruppe" deren aktuellen Probleme grösstenteils überhaupt erst verschuldete.

Zwar geben die Medizyner mittlerweile vermehrt zu, dass "früher Fehler gemacht" wurden (sprich heute nicht mehr, da ist die "Behandlung besser""auch wenn entsprechende Studienergebnisse noch konsolidiert werden müssen"). Stets sorgsam ausgeblendet bleiben allerdings die realexistierenden Opfer dieser "früheren Fehler". Auch aus den exakten Statistiken. Nach wie vor wurde die Zahl der in Deutschland lebenden "Intersexuellen" nie konkret erfasst, sondern (aber nur wenns denn wirklich sein muss) lediglich hochgerechet nach folgendem Schlüssel:

  • 1:1000 — wenn es darum geht, sich Zugang zur "Patientengruppe" zu verschaffen
  • 1:10'000 — wenn es nachträglich um die Folgen dieses 'Zugangs' geht
Der Rest war Schweigen, wegschauen, Akten verloren ...

Und auf keinen Fall die aktuellen Daten rausrücken, bewahre. Lieber gar nicht erst erheben!

Dabei berufen sich die Medizyner (wie stets) auf "Datenschutz" — obwohl statistische Daten genau nicht unter Datenschutz stehen, sondern im Gegenteil von öffentlichem Interesse sind.

Das muss aufhören!

Umso wichtiger ist es, auf politischem Wege Druck aufzusetzen, aktuelle Zahlen/Statistiken zu verlangen. Z.B. wieviele "geschlechtlich gestörte" Kinder kommen jährlich in "Behandlung", wie sieht die Diagnosenverteilung aus, welche "Störungsbehebungs-Massnahmen" werden zu welchem Zeitpunkt ergriffen, werden auch die Eltern betreut und wenn ja wie, ist Peer Support für Eltern und Kinder gewährleistet, und wie stehts aktuell auch mit den übrigen Punkten der Forderungliste, dem Schattenbericht usw.? Bzw., weshalb hat sich da ein weiteres Jahr lang immer noch nichts entscheidendes getan?

Die Behandlung "geschlechtsentwicklungsmässig gestörter" Patient_innen ist offensichtlich ein hochsensibler und dabei tabuisierter Bereich, in dem "früher" regelmässig schändlich versagt wurde, wie z.T. sogar die Mediziner zugeben und u.a. die Netzwerkstudien auch statisch erhärten.

Folglich ist kontinuierliches Monitoring angesagt, und wo das nicht verfügbar ist (d.h. für "Intersexuelle" eigentlich fast in allen Bereichen), wäre es höchste Zeit.

Auch, soweit das überhaupt noch möglich ist, für Wiedergutmachung für die realexistierenden Opfer der "früheren Behandlungsfehler"!

Siehe auch:
Streicheleinheiten für die Bundesregierung

Thursday 11 September 2008

5. Netzwerk-Treffen Kiel 6.9.08: Intersexualität ade - DSD ahoi!

Das Treffen des Netzwerks Intersexualität kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Am letzten Samstag war ich im Namen des Vereins Intersexuelle Menschen e.V. zum ersten Mal dabei.

Zukunft des Netzwerks

Erster Programmpunkt war die "Weiterentwicklung" des Netzwerks, das im Verein "Netzwerk Intersexualität e.V." organisiert ist. Dieser wurde vor fünf Jahren gegründet, nachdem der Bundestag am 12.6.2001 einem Antrag der PDS um Bereitstellung von Geldern für "Forschungen zur Lebenssituation intersexueller Menschen" zugestimmt hatte. (Nachtrag: Parallel dazu hatte sich Ute Thyen bei einer Ausschreibung des BMBF beworben, das schliesslich die Fördergelder sprach, siehe Kommentar on Eva Hampel.) Ende dieses Jahres laufen diese Forschungsgelder aus. An der Mitgliederversammlung wurde nun beschlossen, den Verein in neuer Form trotzdem weiterlaufen zu lassen. Insbesondere soll der etablierte Austausch zwischen den einzelnen im Netzwerk organisierten Kliniken weiter geführt werden, zum Teil nun neu durch diese finanziert.

Diese Entwicklung ist auch aus unserer Sicht positiv und entspricht der unter Punkt 2) der Forderungsliste des Vereins verlangten "Bildung von spezialisierten Kompetenzzentren zur Behandlung intersexueller Menschen", damit nicht mehr jeder Feld-, Wald- und Wiesenchirurg sich nach Lust und Laune an intersexuellen Genitalien "weiterbilden" kann, wie es immer noch allzu oft der Fall ist.

Neu können nun auch betroffene Menschen ordentliche Mitglieder werden (bisher konnte lediglich der Verein als Körperschaft Mitglied werden und Betroffene hatten deshalb auch nur eine Stimme).

Aus unserer Sicht klar negativ ist dagegen die anlässlich der Neugründung des Netzwerks vorgenommene Nomenklaturbereinigung: aus "Netzwerk Intersexualität" wird neu "Netzwerk-DSD". Lediglich im Titel der Satzung steht noch "Netzwerk DSD/Intersexualität". Wurde zudem in der alten Satzung DSD noch mit "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung" 'übersetzt', ist nun durchgängig von "Störungen" die Rede. Intersexuelle sind nun somit alle "geschlechtsentwicklungsmässig Gestörte". Vielen Dank auch.

"Vorstellung und Diskussion der Selbsthilfeinitiativen zur gesundheitlichen Versorgung der IS-Betroffenen"

Als nächstes standen Inputs unseres Vereins und der AGS-Eltern- und Patienteninitiative e.V. auf der Traktandenliste. Dieser mittlerweile etablierte Programmpunkt hat bekanntlich letztes Jahr in Bochum zu einem Eklat geführt, als bei einem sachlichen Referat von Frances Kreuzer über gesetzliche Vorgaben bei Kastration und Sterilisation diverse Mediziner und ein Psychologe pöbelnd und polternd den Saal verliessen (eins / zwei). Den Verantwortlichen war offensichtlich daran gelegen, eine Wiederholung dieses Skandals zu verhindern. Während ich meine Rede hielt, hörten alle gesittet zu und klatschten am Schluss.

Danach hielt Claudia Kreuzer ein kurzes Referat zu den Folgen der Fehlbehandlungen. Die anschliessend aufkeimende Diskussion wird aufgeregt kontrolliert, zu wenig Zeit und überhaupt ist jetzt Schluss mit Streiten. Nicht so einfach, wenn zum Beispiel die Endokrinologin PD Dr. med. Dagmar l'Allemand-Jander auf Claudias Ausführungen nichts Gescheiteres zu tun hat, als Intersexualität mit anderen chronischen Krankheiten zu vergleichen, die doch auch lebenslanger Behandlung bedürfen.

Auf Claudias Aufforderung, doch bitte zu erklären, was mit einem gonadektomierten XY-Zwitter geschieht, wenn er in der Pubertät mit Östrogenen 'therapiert' wird, weiss Dr. l'Allemand nichts zu antworten, ausser ein schnippisches: "Wollt ihr denn keine Behandlung?" Und: "Sie haben meine Frage nicht verstanden." Und um daraufhin zum Kastrationsvorwurf noch mit einer wegwerfenden Handbewegung zu sagen: "Das wird ja heute sowieso nicht mehr gemacht."

Ich darf noch kurz darauf hinweisen, dass ich erst nach der 'Behandlung' chronisch krank wurde, schon als Kind ein vermindertes Knochenwachstum hatte, dann heisst es schon wieder: bitte nicht, zu wenig Zeit – nein, nein, das geht nicht. Man darf nur einmal etwas sagen oder fragen und auf die Antwort darf keine Erwiderung folgen – zu wenig Zeit. Notabene obwohl Claudia ihr Referat kürzer als geplant hielt.

Als nächste referierte die 1. Vorsitzende Ursula Durant zum Thema "Wünsche der AGS-Initiative", die als erstes gleich betont, für sie habe AGS nichts mit Intersexualität zu tun. Die Initiative wird (wie schon der Name sagt) vor allem von Eltern und sich als PatientInnen Definierenden getragen. Diese sind in der Regel für Behandlungen und beschweren sich daher besonders darüber, dass es zu wenig Kompetenzzentren und Fachleute gibt. Zu Recht. Wenn behandelt werden, dann richtig.

Ganz klar auch die Ansicht der Mediziner in der nachfolgenden Diskussion: AGS-Menschen müssen behandelt werden, alles andere wäre Unrecht (gemeint ist nicht nur der Salzverlust, sondern auch die Genitaloperationen). Der AGS-Initiative ist denn auch der Ruf nach Selbstbestimmung ein Dorn im Auge. Was den Medizinern natürlich zupass kommt. AGS-Initiative als Pufferzone zwischen Medizinern und Kampfzwittern?

Generell stellen sich Mediziner unverändert auf den Standpunkt, dass das Gewebe beim Baby viel weicher ist und nicht so doll blutet, wenn man reinschneidet, weshalb eine frühe Operation hervorragende Resultate zeitigt. Dies sei auch für die Kinder das Beste, Kinderpsychologen würden bestätigen, das in den ersten zwei Lebensjahren behandelte Kinder sich an die Operationen nicht mehr erinnern und deshalb auch nicht traumatisiert würden. Noch mehr Entscheidungsdruck auf den Eltern. Zudem sei erwiesen, dass mit den neuen Operationsmethoden die Sensibilität zu 100% erhalten bleibt, das sei einfach so.

Aus Sicht der AGS-Initiative sind Operationen zwar nicht in jedem Fall unbedingt erforderlich, jedoch sei ab einer bestimmten Grösse der Klitoris die Lebensqualität massiv vermindert, die betroffenen Frauen würden ein Leben lang nie Fahrrad fahren, ja sogar lediglich auf einem Gummiring sitzen können. Kinder mit einer Gaumenspalte oder einem offenen Rückgrat würden auch schon als Babies operiert.

Hier wäre aus meiner Sicht wünschenswert, wenn betroffene AGS-Menschen, die sich im Gegensatz zur Initiative als "intersexuell" definieren, Stellung beziehen und auch mit der AGS-Initiative einen kritischen Dialog pflegen und/oder einen Argumentekatalog erarbeiten würden. Dies umso mehr, da sich abzeichnet, dass die Chirurgen nach den Protesten vor allem der AIS-Menschen sich bei diesen künftig eher zurückhalten, und sich dafür vermehrt auf Menschen mit AGS konzentrieren werden. Aus demselben Grund fände ich es auch wichtig, generell mit der AGS-Initiative kritisch und differenziert in Verbindung zu bleiben. Es gibt dort auch Eltern, die sich, wie zum Beispiel die 1. Vorsitzende Ursula Durant, trotz des Drängens der Ärzte gegen eine Operation ihrer Kinder entschieden. Und obwohl die Initiative sich explizit als nicht intersexuell definiert, gebe es dort einige Mitglieder, die vermännlicht seien, mit Bart und so weiter, und die nun unglücklich und allein in ihren Zimmern vor dem Computer leben würden, und denen offensichtlich niemand wirklich hilft.

Netzwerk-Forschungsprojekte

Als nächster Punkt standen "Kurzberichte aus den Forschungsprojekten" auf dem Programm. Zuerst berichteten Eva Kleinemeier und Martina Jürgensen (Lübeck) über den Stand der Auswertungsarbeiten in der Klinischen Evaluationsstudie "Medizinische und chirurgische Behandlungsergebnisse, psychosexuelle Entwicklung und gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Störungen der Geschlechtsentwicklung". Diese verwendet zum Teil dieselben Datensätze wie schon die Hamburger Studie. (Nachtrag: Dies ist ein Irrtum, es handelt sich um 2 unabhängige Studien, siehe Kommentar on Eva Hampel.) Erste Resultate in schriftlicher Form würden Anfang Oktober 2008 auf der Netzwerk-Homepage veröffentlicht. Die Studie hatte 439 Beteiligte, davon 3/4 Kinder und Jugendliche. Auch diese Lübecker Studie bestätigt einmal mehr die notorisch "hohe" Behandlungsunzufriedenheit. Insbesondere kritisierten Betroffene auch das "schlechte Informationsmanagement durch Ärzte/Ärztin". Während "Kinder und Jugendliche mit DSD" keine "vermehrten Verhaltensauffälligkeiten" zeigen würden, hätten "ca. 50% der Erwachsenen mit DSD [...] psychische/emotionale Probleme". Eltern von Betroffenen schätzen zudem deren Lebensqualität durchgehend besser ein als die Kinder selbst.

Bei den nachfolgenden Fachreferaten betrug meine partielle Verstehensresistenz mindestens 80%. Aber etwas ist mir dennoch geblieben: In einer Tabelle "Phänotypen und Häufigkeiten von Patienten mit 46,XY DSD ohne Nebenniereninsuffizienz und SF1-Mutationen" (Einteilung in vier Kategorien) steht: "Äusseres Genitale" = "Mikropenis", "Testes" = "Ja". Bei "Geschlecht" steht aber das biologische Symbol für "weiblich". Einmal mehr wird munter biologisches Geschlecht und zugewiesenes Geschlecht verwechselt bzw. gleichgesetzt. Was soll man dazu noch sagen?

Fazit: Trotz persönlichem Unwohlsein und Vorbehalten finde ich es wichtig, dass wir Zwitter auch künftig am Netzwerktreffen teilnehmen, den Medizinern in die Augen schauen und ihnen ins Gewissen reden. Auch wenn es illusorisch ist, davon gleich die grosse Veränderung zu erwarten. Über weite Strecken ist es ein abgekartetes Spiel, und wir waren nur die Alibi-Zwitter. Wir sind Störenfriede und Nervensägen mit unserem Gerede über Selbstbestimmung, Würde und Menschenrechtsverletzungen. Wir sind Dinosaurier, anstrengend wie alte Leute, die ständig vom Krieg erzählen – das wollen sie uns auf alle Fälle weismachen. Aber das ist ja nichts Neues. Ein paar Nette hat es ja trotzdem darunter – wie überall. Auch die Mediziner sind kein monolithischer Block. Es gibt verschiedene Fraktionen mit verschiedenen Interessen. Nicht alle finden es nur gut, wie über uns bestimmt wird.

Insofern finde ich es schon mal einen Fortschritt, dass die Mediziner sich mit unserer Anwesenheit abgefunden haben. Was sich für mich auch darin ausdrückte, dass die meisten der Verantwortlichen sich die Mühe nahmen, mich und die Delegation der AGS-Initiative persönlich zu verabschieden.

Auf der Sollseite bleibt festzuhalten, dass das Selbstbestimmungsrecht für Zwitter über weiteste Strecken nach wie vor kein Thema ist. Zwar geben die meisten Mediziner mittlerweile zu, dass "früher" gravierende Fehler gemacht wurden. Die zahlreiche Gruppe der Opfer dieser Fehler wird aber nach wie vor ignoriert und im Regen stehen gelassen. Beispielsweise ist es bis heute nicht selbstverständlich, dass Zwangskastrierte, die aus gesundheitlichen Gründen auf Testosteron angewiesen sind, dieses von der Krankenkasse erstattet kriegen, sondern sie müssen es oft selber bezahlen, und wer kein Geld hat, hat halt Pech. Wo Fehler gemacht wurden, müssten diese auch, soweit es geht, wiedergutgemacht werden (siehe auch Forderungsliste). Psychologische Betreuung für Eltern und Betroffene ist immer noch für die wenigsten überhaupt ein Thema, Peer Support jedoch sogar für diese wenigen nach wie vor ein absolutes Fremdwort – oder zumindest tun sie so. Zwar haben wir an alle Anwesenden nochmals eine Forderungsliste verteilt, ob diese aber auch gelesen und zur Kenntnis genommen werden wird, steht auf einem anderen Blatt.

Bezeichnend auch, dass jetzt, wo die Forschungsgelder auslaufen, viele Mitglieder kurzfristig gar nicht mehr erst ans Treffen kamen. Deshalb blieb vom reichhaltigen Mittagsbuffet jede Menge übrig. Gut, dass wir eine grosse Plastikbox dabei hatten ...

Nella

Siehe auch: Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008

Wednesday 10 September 2008

Von Zwangsoperateur "schuldhaft in Selbstbestimmungsrecht verletzt" - "Zwitterprozess"-Pressespiegel OLG 4.9.08

Der definitve Entscheid des OLG vermochte wieder mehr Medienecho zu generieren als als die provisorische Rückweisung zuvor. Erneute Steigerung verspricht die nächste Prozessphase, wenn über die Höhe des Schmerzensgeldes entschieden wird: Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Das gute Dutzend Berichte, das ich auf dem Netz fand (Ergänzungen willkommen) deckt einmal mehr ein grosses Spektrum ab von mehr oder weniger engagierten, sauber recherchierten Berichten bis hin zu grotesken Verzerrungen offensichtlich überforderter bis mutwilliger RedakteurInnen.

(Bild: Der Westen)

Positiv ist m.E. zu werten, dass es einmal mehr bei der überwiegenden Mehrzahl der Berichte klar um einen "Zwitterprozess" geht, in dem ein Zwitter wegen einer uneingewilligten OP klagt und gewinnt, weil "Der Chirurg [...] die Patientin vor der Operation nicht hinreichend aufgeklärt und sie daher mangels wirksamer Einwilligung schuldhaft in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht verletzt."

Christianes Prozess hat das Wort "Zwitter" als positive Bezeichnung für Zwischengeschlechtliche und ihre Forderung nach Selbstbestimmung im Nachrichten-Mainstream durchgesetzt!

Die Bezeichnung "Intersexuell" ist demgegenüber in der Berichterstattung rückgängig, aber immer noch verbreitet. Trotzdem tun sich die deutschen Medien nach wie vor schwer, beispielsweise Zwangskastrationen oder genitale Zwangsoperationen an Zwittern deutsch und deutlich unmissverständlich anzuprangern -- das Ausmass der Ignoranz und chronischen Verdrängung der ganzen Wahrheit ist (wie auch in anderen Fällen) allem Erreichten zum Trotz nach wie vor erschreckend hoch.

Gerne verzichten könnte ich z.B. auf die ständigen Versuche, den eigentlichen Sachverhalt auf die Konstellation "Krankenpflegerin gegen Arzt" zu reduzieren und damit quasi als interne Standesangelegenheit zu entsorgen, oder mittels der typischen Trans*-Berichterstattungs-Terminologie wie "Geschlechtsumwandlung", "weibliche Geschlechtsorgane" usw. das eigentliche Kernthema einmal mehr aussen vor zu lassen -- verhängnisvolle Tendenzen, wie sie in den allermeisten Berichten zumindest durchscheinen. Handkehrum steht das Wort "Zwitter" noch in den peinlichsten Meldungen mindestens einmal.

Diese z.T. gegenläufigen Tendenzen finden sich alle bereits in der ursprünglichen Pressemitteilung des OLG vom 4. September unter dem Titel Kölner »Zwitterprozess«: Krankenpflegerin obsiegt auch in 2. Instanz (PDF-Download 16 kb), alle obigen Zitate mit Ausnahme der "Geschlechtsumwandlung sind dort bereits mehr oder weniger prominent versammelt. Dass das OLG sich überhaupt bemüssigt sah, eine Pressemitteilung zu verschicken (was es nur sehr unregelmässig tut), bekräftigt einmal mehr das öffentliche Interesse am "Zwitterprozess". (Nachtrag: Inzwischen ist auch das vollständige Urteil online.)

Auch der Kölner Stadtanzeiger schreibt sowohl von einem "beispiellosen" Zwitterprozess und "Selbstbestimmungsrecht verletzt", die Schlagzeile lautet jedoch einmal mehr Krankenpflegerin siegt gegen Chirurgen, oder zumindest ist die Rubrik "Zwitterprozess" in deutlich kleinerer Schrift wiedergegeben.

Später Sieg im "Zwitterprozess" heissts bei der Kölner Rundschau, sinnigerweise in der Rubrik »Kriminalität«!

"Zwitterprozess": Krankenpflegerin siegt erneut gegen Chirurgen berichtet Der Westen in einem korrekten Artikel. Prominent werden einmal mehr auch die Demo und die Forderung "Menschenrechte auch für Zwitter" bildlich in Erinnerung gebracht (siehe Bild oben). Danke!

"Zwitterprozess": Krankenpflegerin siegt erneut gegen Chirurgen titelte auch die Ibbenbürener Volkszeitung.

Mit "Zwitterprozess: Christiane/Thomas V. bekommt wieder Recht hat der Express offensichtlich noch nicht mitbekommen, dass Christiane unterdessen nicht mehr Thomas ist. Cool hingegen, dass bildlich einmal mehr die Demo und das klassische Transparent "Menschenrechte auch für Zwitter" rezykliert werden.

(Bild: Express)

Chirurg muss intersexueller Frau Schmerzensgeld zahlen, betiteln die Aachener Nachrichten die ddp-Meldung.

Intersexuelle setzt Klage gegen Arzt wegen OP durch, die Agentur afp bleibt als einzige komplett am alten medizinischen Begriff kleben und lässt "Zwitter" aussen vor.

Super erfreulich m.E. hingegen, wie über das Urteil auf Branchenwebsites berichtet wird, so z.B. auf gesundheitsnews.imedo.de, www.anwalt.de/rechtstipps, www.juraforum.de, www.jurion.de, juris.de! Respekt!

Nachtrag: Auch die Ärzte Zeitung vermeldet unter der Rubrik "Praxis & Wirtschaft" die dpa-Meldung: "Zwitterprozess": Chirurg muss Krankenpflegerin entschädigen.

Ebenso die Frankfurter Rundschau unter dem Titel "Zwitterprozess": Abermals Sieg gegen Chirurgen.

Titelmässig definitiv auf dem absteigenden Ast ist Focus mit Köln: Schmerzensgeld für ungewollte OP (interessant auch die Kommentare dort).

Von wegen Kommentare: Interessant auch, wie auf de.indymedia.org einmal mehr Kommentare stehen bleiben à la "Jedoch kann ich mir auch nicht so recht vorstellen das ein Arzt z.B. bei jemanden einbricht, die Persin mit Gas beteubt und dann eine Geschlechtsentfernung durchführt." oder "was war der arzt denn für einer, dass er 100.000 € bezahlen muss. hat der überhaupt soviel geld?", während Kritik daran versteckt wird (aber mitunter trotzdem wirkt).

Gleich mit zwei Titeln für denselben Bericht operiert topnews.de -- leider alle beide von der unsichtbarmachenden und verleugnenden Art: Schmerzengeld wegen Entfernung weiblicher Geschlechtorgane rechtens & Schmerzengeld wegen Entfernung weiblicher Geschlechtorgane bestätigt

Das Schlusslicht der Berichte bildet diesmal wohl die net-tribune.de mit Schmerzensgeld für Geschlechtumwandlung ohne Zustimmung.

Letzterer Artikel wurde zu Recht auch im Hermaphroditforum kritisiert (06.09.2008 11:30). Ihn jedoch zugleich als Referenz für die "Medienresonanzen" zu erklären und den Prozess wie scheints im OII-Forum deshalb als Ganzes gleich in Frage zu stellen halte ich für wenig sinnvoll, siehe auch Nellas Kommentar (08.09.2008 22:13) und die sonstige Diskussion. Und die ebenfalls von Michel im selben Thread auszugsweise zitierte Dissertation (05.09.2008 17:49) verpasst m.E. vor lauter Fixierung auf die (eigene) (Trans-)Gender-Thematik (einmal mehr) komplett, worums eigentlich geht (wie auch schon "Liminalis"), und spiegelt dadurch (einmal mehr) bloss die üblichen Vereinnahmungsmechanismen. Umgekehrt waren an der Demo zum 1. Prozesstag auch einige solidarische Transgender vertreten, die vormachten, dass es auch anders geht ...

PS: So nebenbei -- hätten Nella und ich die Pressearbeit "unseren Transgenderfreunden" überlassen oder uns an deren Kategorien angelehnt, hätte es die Presseresonanz entweder gar nicht gegeben, oder sie wäre von Stichworten wie "Geschlechtsidentität", "sexuelle Minderheiten", "(Trans-)Gender" usw. usf. geprägt geworden ... wie ja auch in einzelnen Fällen versucht wurde, Christiane als "(Trans-)Genderkämpferin" vor den eigenen Karren zu spannen.

Siehe auch:
- Berichterstattung 1. Prozesstag
- Pressespiegel 1. Prozesstag
- Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll
- Wegen Zwitterprozess: Druck auf Ärzte wächst
- Berichterstattung und Pressespiegel 2. Prozesstag
- Bericht provisorischer Entscheid OLG
- Bericht definitiver Entscheid OLG
- Internationale Artikelübersicht auf OII

Tuesday 9 September 2008

Wenn Ärzte zu sehr lügen ...

Wäre ich gewalttätig, der erste Mensch, dem ich das Nasenbein brechen würde, wäre der Arzt am Universitätsspital, der mir sagte, er werde mir eine Gewebsprobe aus der Lunge nehmen, damit er danach eine genaue Diagnose geben könne. Dann schnallte er mich auf der Liege fest, und als ich nach der dritten Probe zu protestieren begann, narkotisierte er mich mit Rohypnol und wollte nachher nicht mehr gewusst haben, wieviele Proben er schlussendlich rausrupfte  -- "mindestens sieben" stand in der Krankenakte, plus eine 'Verlegenheitsdiagnose'. Leider war ich damals nicht in der Verfassung, mich irgendwie z.B. öffentlich wehren zu können.

Der Grund, warum Ärzte bei mir auch als Kaste schlecht dastehen, liegt aber am Tod meines Grossvaters. (Ich habe auf englisch mal ausführlicher darüber geschrieben.) Wenn hart sein bedeutet, auch chronische Schmerzen ertragen zu können und dabei noch zu lächeln, dass mensch es höchstens an den Mundwinkeln sieht, war er der härteste Mann dem ich je begegnete. Als er nach dem zweiten Herzschlag ins Spital eingeliefert wurde (freiwillig und bei Bewusstsein wäre er nie dort hingegangen) und gut eine Woche danach starb, hatte ich ihn nicht besuchen dürfen. Wie ich 10 Jahre später zunächst durch Zufall erfuhr: Nachdem er den Herzschlag überlebt hatte, wurden langsam seine Füsse schwarz, starben ihm bei lebendigen Leibe ab. Die Ärzte wollten amputieren, doch dafür war er zu schwach, hätte die Operation nicht überlebt. Also liessen sie ihn mit den Füssen dran langsam sterben. Die ganze Nacht habe er jeweils geschrien und gebetet, der Liebe Gott möge doch mit dem Sterben etwas vorwärts machen. Offensichtlich waren sie (aus welchen Gründen auch immer) mal wieder etwas knauserig gewesen mit dem Morphium.

Ich könnte noch weiter machen mit anderen Menschen, die offensichtlich ebenfalls mit einem Körper gesegnet sind, bei dem oft einfach nicht funktionieren will, was sich sonst an tausenden von Patienten doch stets so gut bewährte, und von Ärzten, die trotzdem einfach stur nach Plan weitermachten.

Ich habe auch noch paar eigene solche Erinnerungen an Operationen, Verletzungen, absterbendes Gewebe, weitere Komplikationen usw.

Alles in allem hatt ich wohl trotzdem jedes Mal Glück, ich kann z.B. noch laufen, meine Hände gebrauchen usw.

Und mehr als einmal dachte ich: Scheisse, was bin ich froh, geschah das jetzt nicht z.B. mit meinem Lustorgan.

Dies war noch bevor ich Nella kennen lernte. Seither ist die Ärzte-Kaste in meinem Ansehen nicht unbedingt gestiegen.

Genitale Zwangsoperationen gehören geahndet und die TäterInnen bestraft. Auch wenn es individuelle Ärzte gibt, die ihr Gewissen nicht von vornherein verdrängen, als Kaste werden sie mit den Zwangsoperationen erst unter Druck aufhören.

Sunday 7 September 2008

5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008


Fast hätte ich es nicht geschafft. Wie immer, wenn ich vor Ärzten reden oder vor einem Spital eine Presseerklärung abgeben muss, wurde ich schon drei Tage vorher langsam richtig unausstehlich, der Weltuntergang steht unmittelbar bevor und ich hoffe nur noch, dass er rechtzeitig stattfindet oder ich schwer krank werde, damit ich nicht hingehen muss. Damit es so richtig schlimm wird, fange ich dann jeweils noch einen Streit mit meinem Freund an, sage ihm, ich wolle ihn nie mehr sehen, verpasse deswegen meine Therapiestunde und werde gewalttätig gegen meinen Laptop, auf dem ich neben dieser blöden Pressemitteilung noch diese besch... Rede für das Netzwerktreffen schreiben soll.

Am nächsten Tag sehen wir beide ziemlich alt aus, sind immer noch unausstehlich und zu nichts zu gebrauchen. Irgendwie kriegen wir dann den Flug trotzdem noch und schaffen es tatsächlich nach Kiel, wo wir um elf todmüde in der Jugendherberge ankommen, das Bett beziehen und immer noch kaum zu etwas zu gebrauchen sind.

Am nächsten Morgen stehe ich um sieben auf. Mir ist schlecht, aber wenigstens haben wir immer noch keine Rede, also muss ich auch keine halten, weshalb es mir gleich ein bisschen besser geht. Als ich gerade meinen Mitzwittern eine SMS schicken will, dass meine Rede leider ausfällt und sie umdisponieren müssen, steht mein Freund auch auf und überredet mich, nach dem Frühstück zu versuchen, die Rede doch noch zu schreiben. Mir ist schon wieder schlecht, ich habe keinen Hunger mehr und will mein Müsli nicht essen. Aber er lässt nicht locker: "Ein Löffel für Hiort, ein Löffel für Schwöbel, ein Löffel für Krege, ..." Ich könnte ihm den Teller ins Gesicht schmeissen, aber irgendwie kriegen wir dann anschliessend in einer knappen Stunde doch noch sowas wie eine Rede hin und schaffen es noch knapp pünktlich zum Netzwerktreffen, das jedoch eine Stunde früher als auf meiner Traktandenliste vermerkt begonnen hatte. Da ich die Rede nirgends ausdrucken konnte, schreibe ich sie von Hand ab und halte sie dann tatsächlich und ohne dabei zu kotzen. Darauf bin ich am meisten stolz.

Und hier ist sie:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitzwitter

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, hier ein paar Worte sagen zu dürfen. Ich bin Daniela Truffer, 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. Vielleicht nicht gerade der ideale Job für jemanden, der Mühe hat, sich vor Menschen hinzustellen wie jetzt.

Von klein an wurde ich gelehrt, nicht aufzufallen, am Besten gar nicht zu existieren. Von klein auf habe ich gelernt, dass es etwas Unangenehmes ist, im Mittelpunkt zu stehen und alle schauen mich komisch an und reden über mich. Wenn ich mich jetzt heute trotzdem hier hinstelle, so tue ich dies in der Hoffnung, dass Kinder wie ich es einmal besser haben sollen.

Ich werde oft gefragt, ob es mir nicht recht sei, dass ich zu einem Mädchen gemacht wurde, ob ich lieber ein Junge wäre. Dass ich vielleicht hätte so sein wollen, wie ich geboren wurde, steht dabei meistens gar nicht zur Debatte. Und am allerwenigsten, dass ich nie gefragt wurde, dass ich das hätte selber entscheiden wollen. Weil das ist es, was mir am meisten zu schaffen macht, sogar noch mehr als die Folgen der Operationen, dass ich nie gefragt wurde, dass von allem Anfang über mich hinweg entschieden wurde.

Damit stehe ich nicht allein. Praktisch alle zwischengeschlechtlichen Menschen, die ich kenne, leiden darunter, dass über sie bestimmt wurde und sie nicht selber entscheiden durften. Nicht umsonst steht in praktisch allen Forderungslisten von zwischengeschlechtlichen Menschen zuoberst die Frage der Einwilligung der Betroffenen. So auch in der Forderungsliste unseres Vereins. Über eine inhaltliche Stellungnahme des Netzwerks zu dieser würden wir uns nach wie vor freuen.

Leider ist Selbstbestimmung für Intersexuelle aber auch heute immer noch kein Thema. Zwar wurden in den letzten Jahrzehnten in der Behandlung vor allem technisch viele Fortschritte gemacht, dieser zentrale Punkt wurde jedoch nie grundsätzlich angegangen. Zwar gibt es heute Empfehlungen der Arbeitsgruppe Ethik des Netzwerks, die in die richtige Richtung zielen. Jedoch sind sie nach wie vor unverbindlich formuliert und haben bloss fakultativen Charakter. In den aktuellen Behandlungsrichtlinien und Artikeln der ausführenden Ärzte steht jedoch weiterhin praktisch ausnahmslos, operative Eingriffe seien am Besten in den ersten zwei Lebensjahren durchzuführen. Zu fragen seien lediglich die Eltern, das Einverständnis der zu operierenden Person sei nicht erforderlich.

Dem möchte ich als Betroffene einmal mehr entschieden widersprechen.

Glücklicherweise deuten die aktuellsten Entwicklungen darauf hin, dass die zivilrechtlichen, strafrechtlichen und menschenrechtlichen Implikationen solcher uneingewilligter Behandlungen in der Gesellschaft langsam zu einem Thema werden. Vor zwei Tagen gewann Christiane Völling auch in der 2. Instanz den Prozess gegen ihren ehemaligen Operateur. Mit ihrem Prozess löste sie eine bis dahin noch nie da gewesene Medienresonanz aus. Weitere Prozesse von ohne ihre Einwilligung operierten Intersexuellen sind in Vorbereitung.

Am 21. Juli 2008 reichte eine Delegation von Intersexuelle Menschen e.V. in New York vor dem UN-Kommittee CEDAW einen ersten Schattenbericht zu den Menschenrechtsverstössen an intersexuellen Menschen in Deutschland ein. Am kommenden Januar wird die Bundesregierung in Genf Rede und Antwort stehen müssen. Weitere Schattenberichte, unter anderem zur Kinderrechtskonvention, sind ebenfalls in Vorbereitung. Ebenso weitere politische Vorstösse und Aufklärung der Öffentlichkeit.

Im Namen der Betroffenen möchte ich Sie einmal mehr bitten, der zentralen Frage der Selbstbestimmung und informierten Einwilligung von zwischengeschlechtlichen Menschen endlich auch in der Praxis umfassend Rechnung zu tragen.

Solange noch die Möglichkeit besteht, dies von sich aus zu tun.

Ich danke Ihnen.

P.S.: Beim Mittagessen plauderten wir angeregt mit den Vertreterinnen der AGS-Selbsthilfegruppe und einem Professor. Als ich einmal mehr auf die Folgen von Zwangsoperationen hinwies, sagte dieser, wohl ohne es böse zu meinen: "Aber sie stehen ja noch hier." Wenn der wüsste ...

Ausführlicher Bericht über das Treffen:
5. Netzwerk-Treffen Kiel 6.9.08: Intersexualität ade - DSD ahoi!

Thursday 4 September 2008

Kölner "Zwitterprozess" - Christiane siegt definitiv auch in 2. Instanz

Bild: 1. Prozestag, 12.12.07, LG Köln

Heute rief uns Christiane Völling an: Das Oberlandesgericht Köln hat die Berufung ihres Zwangsoperateurs einstimmig definitiv abgelehnt! Der Chirurg hatte die Intersexuelle am 12.8.1977 ohne ihre Einwilligung kastriert und ihr die inneren Geschlechtsorgane entfernt - ein bei mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geborenen Menschen heute noch übliches menschenrechtswidriges Vorgehen. Am 6.2.2008 wurde der Chirurg deshalb vom Landgericht Köln zu einer Schmerzensgeldzahlung verurteilt.

Bereits am 30.6.2008 hatte der 5. Senat des OLG die Berufung wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg zurück gewiesen, worauf der Beklagte nach einer Fristerstreckung Gegenvorstellung erhoben hatte. Das OLG beschloss am 3.9.2008 einstimmig, die Berufung ohne mündliche Verhandlung zurück zu weisen. Der Beschluss ist nicht mehr anfechtbar.

Auch Christianes Anwalt Georg Groth bestätigte auf Anfrage:

"Nach § 522 Abs. 3 der Zivilprozessordnung ist dieser Beschluss nicht anfechtbar. Theoretisch könnte der Beklagte zwar noch eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einreichen, was jedoch kaum Aussicht auf Erfolg hat. Da keine Verfassungsfragen tangiert wurden, wäre auch ein Gang vor das Bundesverfassungsgericht abenteuerlich."

Das Verfahren geht somit ans Landgericht zurück, wo nun über die Höhe des Schmerzensgeldes entschieden werden soll. Gefordert sind mindestens 100'000 Euro.

Christiane Völling:

"Ich kann es noch gar nicht richtig fassen nach dem ganzen Stress der letzten Monate. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Diese Zwangskastration ist eine Straftat."

Christiane betonte insbesondere ihre Dankbarkeit gegenüber ihrem Anwalt Georg Groth, der ihr die Kosten für das Honorar und die Gerichtskosten vorstreckte.

Wir gratulieren Christiane ganz herzlich und freuen uns mit ihr!

Bleibt zu hoffen, dass alle Mediziner, die heute noch zwischengeschlechtliche Menschen ohne ihre Einwilligung kastrieren und an ihren Genitalien zwangsoperieren, sich dieses Urteil kräftig hinter die Ohren schreiben.

Diese menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen an intersexuellen Menschen müssen endlich aufhören!


Bereits sind weitere Gerichtsverfahren in Vorbereitung, doch es ist noch ein langer Weg, bis die an Zwischengeschlechtlichen Jahrzehnte lang begangenen systematischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit endlich gesühnt und soweit wie noch möglich wieder gut gemacht sind.


>>> Pressespiegel: Von Zwangsoperateur "schuldhaft in Selbstbestimmungsrecht verletzt"

Tuesday 2 September 2008

Einige können jederzeit zurück

In der letzten Ausgabe der Samstagsbeilage "Das Magazin" NR 35 vom 30.08.2008 ist ein sehr interessanter Artikel über die Geschichte der schwarzen Amerikaner, ihren langen Weg "von der Sklaverei bis zum schwarzen Präsidentschaftskandidaten": "Black America, 1" (Teil 2 erscheint in der nächsten Ausgabe).

Eine Passage hat mich besonders berührt, wo es um die Identität der Schwarzen geht, und um die Frage, ob ein Weisser jemals überhaupt erahnen kann, was diese Identität ausmacht, was es heisst, Rassismus zu erfahren und damit zu leben:

"Es ist eine komplexe Welt, diese Welt der Identität, voller Fragen, die sich einem Weissen nie stellen. (...) Es war wohl Absicht, dass mir Toland vor dem Abschied vom Experiment eines Mannes berichtete, der sich die Haut gefärbt und ein halbes Jahr als Schwarzer gelebt habe, um am eigenen Leib zu erfahren, was Rassismus ist. So gehe das nicht, meinte er, und blickte mich mit grossen, wässrigen Augen an: 'Er wusste, dass er jederzeit zurück konnte.'"

Ich bin nicht schwarz und will mir auch keine ungebührlichen Vergleiche anmassen. Und dennoch: Auch mein Leben ist durch eine Art Rassismus geprägt, auch ich muss mich mit Leuten auseinandersetzen, die sich mit mir identifizieren und meinen, sie sässen im selben Boot.

Diese Menschen werden jedoch nie nachfühlen können, wie das ist, wenn man im Kindesalter ohne seine Einwilligung an seinen Genitalien zwangsoperiert wird und sein Leben lang mit den psychischen und physischen Folgen fertig werden muss.

Wir können unsere Identität nicht ausziehen und in den Schrank hängen.

Nella

Sunday 31 August 2008

Nachtrag zu RTL2-Sendung "Explosiv" vom 28.8.08

Auf Anfrage teilte Anja Kumst mit, dass die Produktionsfirma Motivi sie erst 30 Stunden vor der Ausstrahlung des Beitrags darüber informierte, dass sie nicht in der Sendung dabei sein werde. Die faule Ausrede: Man wolle sich auf drei Protagonisten/Geschichten beschränken. Entschieden wurde das Ganze wohl schon viel früher, nämlich beim Schneiden. Anjas Eindruck: "Ich war denen wohl zu normal." Dass sie wie erwähnt gegenüber RTL2 offensiv die politische Forderung nach einem dritten Geschlecht vertreten hatte (wie z.B. auch schon bei ihrem Auftritt bei Polylux), war wohl auch nicht gerade förderlich ...

Siehe auch:
- Diskussion im öffentlichen Bereich des IS-Menschen-Forums
- Besprechung "Nicht Frau, nicht Mann! - Mein Leben als Zwitter" - RTL2 28.8.08
- Fatale "Explosiv"-Ankündigung: RTL krebst zurück

Friday 29 August 2008

"Nicht Frau, nicht Mann! - Mein Leben als Zwitter" - RTL2 28.8.08

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!

Nach mehreren Verschiebungen endlich auf RTL2 zu gewohnt später Stunde 23:10-00:10 der "Explosiv"-Beitrag mit Christiane Völling, Andrea "Chappi" Cremer und Frances und Claudia Kreuzer-Clüsserath!

Die haarsträubende Ankündigung des Films auf der RTL-Homepage von Mitte Juli liess schon Befürchtungen entstehen, dass der Beitrag dem Thema "Intersexualität" nicht wirklich gerecht werden würde. Leider haben sich diese Befürchtungen bestätigt.

Ähnlich wie im Spiegel-TV-Beitrag vom 1.4. auf VOX, in dem Christiane und Andrea genauso sympathisch und berührend mitwirkten und ebenfalls Klartext redeten, wird durch die unsinnigen Aussagen der Kommentatoren das Bild vermittelt, es gehe bei Intersexualität in erster Linie darum, dass mit einer nochmaligen Geschlechtsangleichung eine 'falsche' Zwangszuweisung wieder gut gemacht werden kann.

Was soll zwitter denn von so rigiden Aussagen halten wie "Frausein heisst auch, sich wie eine Frau anzuziehen", "Sie muss lernen als Frau zu leben, sich weiblich zu schminken", "eine richtige Frau" und "verheiratet als Mann und Frau"? Solche Statements gründen ja gerade auf Vorstellungen von Geschlechtsidentität, die letztendlich zur operative Angleichung an Zwittern führen! Warum nicht ein: Jeder intersexuelle Mensch soll selber entscheiden können, wie er als Zwitter, Mann oder Frau leben will. Eine solche Aussage wäre wohl zu 'explosiv' gewesen.

Die Folgen der Zwangsoperationen werden nur am Rande erwähnt. Die Botschaft, dass Zwischengeschlechtliche selber darüber entscheiden dürfen sollen, in welchem Geschlecht sie leben wollen, kommt nur am Rande rüber. Der Fokus ist darauf gerichtet, wie man doch noch eine "richtige Frau" oder ein "richtiger Mann" werden kann.

Die Leiden aufgrund von Zwangsoperationen ohne Einwilligung lassen sich mit ein bisschen shoppen gehen weder beheben noch filmisch darstellen. Bei dieser Art der Darstellung lassen sie sich höchstens erahnen. Obwohl ich eher der Überzeugung bin, dass die meisten ZuschauerInnen wieder einmal denken werden, es handle sich bei Intersexualität um eine besondere Form von Transsexualität.

Aber vielleicht spiegelt der Beitrag auch ganz einfach wider, dass viele Zwitter 'ganz normale' Männer oder Frauen sein möchten? Der Darstellung des Umstands, dass sie aber selber darüber entscheiden möchten, und was passiert, wenn sie das nicht tun können, hätte jedoch etwas mehr Rechnung getragen werden können.

Ich frage mich bloss, warum Anja Kumst, die in den Interviews offensiv die politische Forderung nach einem dritten Geschlecht vertreten hatte, obwohl angekündigt, im Beitrag letztendlich nicht vorkam.

Nella

Siehe auch:
-
Nachtrag zu RTL2-Sendung "Explosiv" vom 28.8.08
-
Fatale "Explosiv"-Ankündigung: RTL krebst zurück

Tuesday 26 August 2008

"Geschlechterfahnder und Gerüchte" - FAZ 25.8.08 über Sarah Gronert und Diskrimierung von Zwittern im Sport

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!
>>> Artikel von Oliver Tolmein in der gestrigen Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Danke!
Siehe auch:

- Diskriminierung von Zwittern im Sport
- Pressemitteilung Intersexuelle Menschen e.V.

Sunday 24 August 2008

"Zwangsoperiert - Jetzt fordern Zwitter Selbstbestimmung" - Surprise 22.08.08

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!

Im Strassenmagazin "Surprise" Nr. 183 vom 22. August 2008 ist ein Portrait über mich Titelgeschichte:

"Frann oder Mau? - Bloss nichts Zweideutiges: Um klare Verhältnisse zu schaffen, werden Zwitter bereits im Kleinkindalter zwangsoperiert. Ob Mädchen oder Bube, darüber entscheiden Ärzte und Eltern, nicht aber die Betroffenen."

Dank an die Verfasserin Ivana Leiseder für den Artikel, der unsere wichtigsten Anliegen auf den Punkt bringt! Und auch den GrafikerInnen für das aufrüttelnde Titelbild, das die schockierende Thematik treffend umsetzt.

Ebenfalls erfreulich, dass auch Karin Plattner von der Schweizerischen Elternselbsthilfegruppe mit einem guten Zitat zu Wort kommt:

"Die Ärzte wollten so rasch wie möglich operieren. Man versuchte uns einzureden, andernfalls drohe das soziale Aus von uns respektive unserem Kind." Die Plattners gehören zu den wenigen Eltern, die sich gegen eine Operation entschieden haben. Heute sind sie froh darum: "Warum hätten wir unser Kind operieren lassen sollen? Es ist ja völlig gesund. Ausserdem hat, entgegen der Ankündigung der Ärzte, niemand Probleme mit der Intersexualität unseres Kindes, im Gegenteil." Später soll es einmal selbst entscheiden können, ob es Frau, Mann oder beides sein möchte. "Dies wird in unserem Umfeld sehr gut akzeptiert."

Entlarvend einmal mehr die Aussagen der Mediziner (die sich den CH-Medien neuerdings konsequent verweigern), die - allen schönen Lippenbekenntnissen zum Trotz - letztlich den Zwangsoperierten wie üblich knallhart jegliches Recht über ihren eigenen Körper absprechen:

"Die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff liegt bei den Eltern." Man bemühe sich heute, die Eltern zu betreuen und sie, soweit möglich, über ihr Kind zu informieren. Gleichzeitig würden medizinische und soziale Abklärungen veranlasst, aufgrund derer ein Spezialistenteam ein möglichst individuelles therapeutisches Vorgehen für das jeweilige Kind suchen. Dass sich Eltern bei der Geburt ihres Kindes für nicht mehr umkehrbare Operationen entscheiden müssten, sei kaum mehr der Fall. "Die Option abzuwarten wird immer häufiger auch von ärztlicher Seite befürwortet." Allerdings räumt Weber unverhohlen ein: "Das Schweizer Gesetz verlangt, dass jedem Kind ein Geschlecht zugeordnet wird."

Als ob für einen Geschlechtseintrag zuerst eine Zwangs-OP nötig wäre ...

Leider handelt es sich nicht mehr ganz um den von Ivana Leiseder (freie Mitarbeiterin bei "Surprise") geschriebenen und von mir autorisierten Text. Die zuständige "Suprise"-Redakteurin hat nachträglich Aussagen gestrichen oder stark gekürzt, die meines Erachtens wichtig gewesen wären, beispielsweise meine Beschreibung der Folgen von Zwangskastrationen.

Besonders bedenklich: Offenbar ist es bei "Surprise" Brauch, sogar autorisierte Zitate nach Gutdünken zu verändern. Aus meiner ursprünglichen Aussage:

„Auch heute noch geschehen massive Menschenrechtsverletzungen, werden Intersexuelle ohne Einwilligung und ohne eingehende Aufklärung genitalen Zwangsoperationen unterzogen - und das muss aufhören“, meint Truffer, die inzwischen eine Selbsthilfegruppe für intersexuelle Menschen gegründet hat.

wurde kurzerhand:

"Zwar werden die Eltern heute informiert, aber noch immer werden Intersexuelle ohne ihre Einwilligung und ohne eingehende Aufklärung Zwangsoperationen unterzogen. Das muss aufhören", fordert Truffer.

Mein Hinweis auf Menschenrechtsverletzungen wird weggelassen und durch eine Aussage über informierte Eltern ersetzt, die ich in dieser Form nie gemacht habe.

Und das ausgerechnet beim Strassenmagazin "Surprise", das ich für seinen sozialen Anspruch sehr schätze!

Nella

Siehe auch: Vorschau "Surprise"

>>> Surprise-Homepage         >>> Vorschau auf die aktuelle Nummer

Saturday 23 August 2008

Warum Nicht-Biozwitter allesamt privilegiert sind

Hm, warum denn bloss? Nun, aus einem sehr einfachen Grund:

Weil Nicht-Biozwitter (wie ich auch) allesamt das Privileg hatten, mit einem intakten Körper aufzuwachsen -- ohne Medizyner, die uns unsere gesunden Genitalien und Reproduktionsorgane ohne unsere Einwilligung nach Lust und Laune zurechtschnibbelten, amputierten und herausrissen -- wie sie das bei Biozwittern bekanntlich systematisch tun. Inkl. aller Folgen wie z.B. Traumatisierung und lebenslange Hormonersatztherapie.

Und jedeR Nicht-Biozwitter, der sich nur mal kurz ehrlich überlegt, was sowas bedeutet im Gegensatz zu den eigenen Nicht-Privilegien, was dies für ihn/sie ganz konkret bedeuten würde, merkt schnell einmal -- dass die an Zwittern heute noch täglich begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einer ganz anderen Liga spielen als all unsere eigenen, im Vergleich kleinen Unrechtserfahrungen und "Diskriminierungsgefahr[en]".

Mit ganz wenigen Ausnahmen, wie z.B. Folteropfer oder Opfer von sexuellem Kindsmissbrauch.

Öhm, und offensichtlich auch mit Ausnahme aller "phänotypisch freiwilligen" Transgender-Möchtegern-Biozwitter & Co., aber die merken's aus gewissen Gründen (die wiederum mit der Verdrängung ihres Privilegiert-Seins als Nicht-Zwitter zusammenhängen) einfach nicht so schnell ...

Siehe auch: "Vom Nutzen unseres Ärgers" (Von der Frauenbewegung lernen)

Friday 22 August 2008

Vorschau "Surprise"

In der heute erschienenen Nummer des CH-Strassenmagazins "Surprise" ist ein Interview mit Nella Titelgeschichte:

Zwangsoperiert. Jetzt fordern Zwitter Selbstbestimmung.

Tabu Intersexualität:

Zwitter haben in unserer Gesellschaft keine Chance. Um klare Verhältnisse zu schaffen, werden sie im Kleinkindalter zwangsoperiert. Ihr neues Geschlecht bestimmen Ärzte und Eltern - damit leben müssen die Betroffenen.

Mehr demnächst ...

>>> Surprise-Homepage         >>> Vorschau auf die aktuelle Nummer

Tuesday 19 August 2008

"Intersex Infant - Surgical Abuse" - Video

Bewegender Fernseh-Clip (leider nur auf englisch) über einen jungen Zwitter und wie seine Eltern ihn durch ihre hartnäckige Entschlossenheit vor der genitalen Zwangsoperation retten konnten. Prompt kamen ihnen die Medizyer als nächstes mit der "Krebslüge". Als die Eltern schliesslich in eine Biopsie einwilligten, kastrierten die Medizyner das Kind stattdessen kurzerhand mit der Begründung, der Hoden sei "entartet" gewesen -- obwohl die anschliessende Gewebeuntersuchung "normales, gesundes Hodengewebe" ergab. Die Eltern wollen nun gegen die Medizyner vorgehen. --> Video gucken hier oder ins Bild klicken

Queer / Zwangsoperateur

Queer

Guckt zu wie
Zwitter weiter
zwangsoperiert
werden.
Diskutiert dabei
ganz angeregt
über "Gender".


Zwangsoperateur

Halleluja
freuet euch, die neuen
schändaoptimierten
Operationsmethoden
tun nur noch halb so weh
höchstens, ehrlich!

Sunday 17 August 2008

Von der Frauenbewegung lernen

"Vom Nutzen unseres Ärgers" - Audre Lorde

Als schwarze Feministin war Audre Lorde (Biographie) öfters damit konfrontiert, von ihren weissen Mitstreiterinnen marginalisiert und 'mitgemeint' zu werden. Statt die Faust im Sack zu machen, verstand sie es, ihren daraus resultierenden Ärger konstruktiv umzusetzen und veränderte dadurch die Frauenbewegung.  Ihre starke Rede von 1981 (auf Deutsch in Gigi 11) zählt zu Recht "zum Wichtigsten, was je über Rassismus und Sexismus gesagt wurde". Ein Ausschnitt:

Ärger ist eine angemessene Reaktion auf rassistische Einstellungen, genauso wie ausgesprochene Wut, wenn die daraus resultierenden Handlungen sich nicht ändern. Die Frauen unter euch, die den Ärger Farbiger Frauen mehr fürchten als ihre eigenen unhinterfragten rassistischen Haltungen, frage ich: Ist unser Ärger wirklich bedrohlicher als der Frauenhaß, der alle Bereiche unseres Lebens überschattet? [...]

Nicht der Ärger anderer Frauen wird uns zerstören, sondern unsere Weigerung, anzuhalten, auf seinen Rhythmus zu hören, in ihn einzutauchen, um aus ihm zu lernen, über seine Erscheinungsformen hinaus zu seiner Substanz vorzudringen und uns diesen Ärger als wichtige Quelle unseres Stärker- und Mächtigerwerdens zu erschließen.

Ich kann meinen Ärger nicht verbergen, um euch Schuldgefühle, Verletztheit oder ärgerliche Gegenreaktionen zu ersparen, denn damit würden all unsere Bemühungen herabgesetzt und trivialisiert. Schuldgefühle sind keine Antwort auf Ärger - sie sind eine Antwort auf unser eigenes Handeln oder Nichthandeln. Führen sie zur Veränderung, so können sie nützlich sein, da sie dann keine Schuldgefühle mehr sind, sondern beginnendes Wissen. Doch allzu oft sind Schuldgefühle nur ein anderer Ausdruck für Impotenz, für eine Verteidigungshaltung, an der jegliche Kommunikationen zerbricht. Sie werden zum Kunstgriff, um die eigene Ignoranz zu schützen, um die Dinge so zu lassen, wie sie sind; sie werden zum äußersten Schutzschild gegen jegliche Veränderung.


Auch andere Stellen in dieser Rede sind mir wie aus dem Herzen gesprochen. Und ein gutes Beispiel, wie wir Zwitter von früheren Befreiungsbewegungen, von ihren Erfahrungen und Strategien lernen könnten.


>>> Die ganze Rede als PDF-Download (1.4 MB).
Die ganze Gigi-Nummer 11 ist übrigens noch für Euro 2,50 + 0.85 Porto lieferbar (nur noch wenige Hefte) und enthält weitere interessante Beiträge von Michel Reiter und über Del LaGrace Volcano.

Saturday 16 August 2008

"Ein Flickwerk, geschaffen von Medizinern" - BAZ 12.08.08

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!

Gelungener Artikel über Nella von Barbara Lauber in der Basler Zeitung vom 12.8.08 (--> zum Lesen hier oder ins Bild klicken + je nach Browser ev. Bild dann nochmals (doppel-)klicken, damits ca. bildschirmbreit und lesbar wird):

Ok, er ist ziemlich melodramatisch und boulevardig aufgemacht, ABER: Die Message stimmt! Und je mehr Menschen von den Verbrechen der Mediziner an Zwittern erfahren, desto schneller werden diese damit aufhören müssen ...

Auch der Hinweis am Schluss auf eine Diskussion im Anschluss an eine Aufführung von "XXY" am nächsten Tag hatte Wirkung gezeigt: Das Kino war proppenvoll, und als Nella dann noch Karin Plattner von der schweizerischen Elternselbsthilfegruppe mit aufs Podium holte, ging die Post so richtig ab!

Danke!

Friday 15 August 2008

Segregation

"Segregation" ist im englischen ein schmutziges Wort für einen Zustand, dessen siegreiche Überwindung trotzdem immer wieder gerne gedenkfeiert wird (und sei's auch nur, um vom heutigen Weiterbestehen abzulenken).

"Rassentrennung" hiess das mal auf deutsch (im heutigen öffentlichen Sprachgebrauch bezeichnenderweise oft "Apartheid": Hauptsache weit weg).

Modernere, aktuell real existierende Formen von Segregation (und ihre Folgen) sind global ein öffentliches Tabu. Ausnahmen bestätigen die Regel (und unterlassen es bezeichnenderweise meist, 'Feinheiten' wie z.B. unterschiedliche Lebenserwartung konkret anzuprangern).

Segregation kann aber, sofern sie auf freiwilliger Basis erfolgt, auch legitim sein und sich gar positiv auswirken.

Wie bei den "geschlechtsangleichenden Operationen" usw. liegt das eigentliche Problem darin, dass auch Segregation im wirklichen Leben meist unfreiwillig geschieht, aufgezwungen wird, uneingewilligt durchgesetzt wird. Dass sie ebenfalls zusätzlich mit einem öffentlichen Tabu belegt ist. Und dass den Täter_innen hier wie da meist jedes Schuldbewusstsein zu fehlen scheint.

Alle diese Faktoren verstärken sich zudem gegenseitig. Gern wird auch verdrängt, dass alle Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grad täglich nicht nur Opfer, sondern auch Täter in real existierenden Segregationssystemen sind. Ganz nach dem allseits bewährten Motto, "Nu ja, mag ja schon was dran sein (aber ich doch nicht!)"

Absolute Formen von Segregation, auch wenn sie freiwillig sind, finde ich persönlich meist ebenfalls problematisch, weil dabei Menschen zwangsläufig nicht an ihren individuellen Taten gemessen werden, sondern aufgrund irgend einer "Gruppenzugehörigkeit".

Ein aktuelles Beispiel aus der "Zwitter-Community": Automatische Ausschlüsse und Löschungen von Trans*-Usern, wie sie momentan auf dem Hermaphrodit-Forum praktiziert werden. Ich habe volles Verständnis, wenn nach einer Reihe unangenehmer Erfahrungen mit Usern, die nichts Konstruktives beizutragen haben, ein Forum beschliesst: Nee, danke, nicht mehr. Dies an der "Gruppenzugehörigkeit" der Trolle festzumachen statt am trolligen Verhalten rührt aber m.E. an den Unterschied zwischen legitimer Abgrenzung und problematischer Ausgrenzung. Und letztere ist m.E. (nicht nur) für Zwitter prinzipiell schlecht. (Trotzdem halte ich die real existierende prinzipielle Segregationspolitik des Hermaphrodit-Forums aktuell nicht für ein gravierendes Problem -- zumindest solange die Entwicklung weiter fallbezogen elastisch bleibt und nicht versteinert.)

Statistisch gibt es 10x mehr Zwischengeschlechtliche als Transsexuelle. Die Abbildung im öffentlichen Bewusstsein ist aber gerade spiegelverkehrt.

Der fast schon singuläre Grad der systematischen Menschenrechtsverletzungen und medizinischen Verbrechen an Zwittern in den "westlichen Zivilisationen" ist klar eine andere Kategorie "gesellschaftliche[r] und institutionelle[r] Gewalt" als etwa die (auch) von QueerGrün Berlin oft und gern beschworene "Diskriminierungsgefahr", der Transsexuelle u.a. auf "Auslandsreisen" ausgesetzt sind -- bei wiederum spiegelverkehrter öffentlicher Wahrnehmung.

Kein Wunder: Seit Jahr und Tag (Tendenz steigend) werden "Intersexuelle" und ihre Anliegen (nicht nur) von "Ohne Grün kein Queer" Berlin permanent, penetrant und öffentlichkeitswirksam zu blossen Anhängseln der eigenen Trans* / "Identitäts" / "Gender" Agenda reduziert (meist in der obligaten scheinbar 'gottgegebenen' Reihenfolge als lediglich 'mitgemeintes' Schlusslicht). Selbstverständlich (einmal mehr) "nur mit den besten Absichten".

Und die Zwitter -- schweigen dazu. Die nicht schon tot sind (mindestens jeder 3. zwangsoperierte Zwitter bringt sich um) haben meist mit den körperlichen und seelischen Folgen der traumatisierenden Zwangsoperationen, "prophylaktischen" Kastrationen, ungesunden lebenslangen Hormonersatztherapien usw. bereits alle Hände voll zu tun und keine Kraft, geschweige denn Ressourcen für einen zusätzlichen Kampf gegen Windmühlen.

Dies alles muss sich dringend ändern, die genitalen Zwangsoperationen an Zwittern müssen jetzt gestoppt werden, dies alles hat keine Zeit bis zur allgemeinen Abschaffung der Geschlechter (würde dazu aber hilfreich sein)!

Meine 2 Cents: Es wäre nichts als billig, wenn alle Kräfte, die dauernd behaupten, mit Zwittern solidarisch zu sein, endlich mal ernsthaft beginnen, die Anliegen und Forderungen der Zwitter als eigenen, angemessenen Punkt der Agenda in die öffentlichen Debatte mit einzubringen (und NICHT wieder bloss als 'Anhängsel' zu Yogyakarta, TSG, usw.).

Wer das nicht begreifen kann oder will, ist m.E. (nicht nur) nicht solidarisch mit Zwischengeschlechtlichen, sondern instrumentalisiert sie (auch) .

PS: Dieses Posting wurde von einer Moderatorin des Hermaphrodit-Forums sogleich aufgegriffen und öffentlich zur Diskussion gestellt (m.E. schon mal ein weiteres gutes Zeiten).
PS2:
Um Missverständnisse auszuschliessen, nochmals: Ich empfinde die aktuelle Politik des Hermaphrodit-Forums NICHT als "rassistisch" und verstehe sie auch NICHT als Segregation im Sinne einer (erzwungenen) "Rassentrennung". Zwitter haben m.E. ein legitimes Bedürfnis, sich abzugrenzen, erst recht angesichts der bald 150 Jahre andauernden Vereinnahmungen durch LGBT & Church of Sexology (siehe auch hier und hier). (Trotzdem finde ich es wichtig, auch vor der eigenen Tür und im eigenen Lager immer wieder kritisch zu reflektieren, wo legitime Abgrenzung aufhört und problematische Ausgrenzung anfängt.)

Alle Menschen sind Bio-Zwitter!

Die meisten von uns aber bloss in den ersten sieben Schwangerschaftswochen.

Danach für den Rest des Lebens nicht mehr.

(Auch wenn sich das in Transschändrien offensichtlich immer noch nicht ganz überall herumgesprochen hat.)

Thursday 14 August 2008

"Was würdet ihr tun, wenn euer Kind mit is. Symptomen geboren & Ärzte gleich eine OP vorschlagen?"

Interessanter Thread in einem CH-Studi-Forum, der einerseits schön zeigt, wie die Zwitter Medien Offensive langsam zum Selbstläufer wird. Andrerseits dann nichtsdestotrotz nach wie vor dieses erschreckendende Umfrageergebnis: Zwei Drittel der Abstimmenden würde sein/ihr Kind zwangsoperieren lassen! Offensichtlich bleibt noch ne Menge Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit zu leisten ...

"zunehmend selbstbewussteres Auftreten von Zwittern"

Interessanter Artikel von Oliver Tolmein in der FAZ zu den Bestrebungen der Grünen zur TSG-Reform sowie eine interessante Ergänzung von Claudia im öffentlichen Bereich des Hermaphrodit-Forums. Bezeichnend auch, wie das zwar gut gemeinte, m.E. aber etwas unbedachte Anhängen der Zwitterbelange am Schluss des FAZ-Artikels (bis zu einem gewissen Grad ähnlich der offiziellen Position auf der Grünen-Homepage) prompt teils ziemlich abgründige FAZ-Leserreaktionen provoziert.

Siehe auch: QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne

Monday 11 August 2008

QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne

Über den Verteiler der Selbsthilfegruppe XY-Frauen erhielt ich eine Einladung von Jorka Maren Schweitzer von Bündnis 90/Die Grünen Berlin zu einem Treffen betreffend Reform des Transsexuellengesetzes TSG. Im Anhang mit dabei ein Flyer, auf dem diverse Geschlechtssymbole prangen. Einmal mehr zuoberst die Zwittersymbole (biologisches Zwittersymbol und Merkursymbol).

Der Flyer befindet sich auch online auf ihrer Homepage:


Ich schrieb ihr darauf folgende Mail:

Liebe Jorka Maren Schweitzer

Über den Verteiler der XY-Frauen habe ich deine Einladung mit Flyer zur Sitzung zur Änderung des Transsexuellengesetzes TSG erhalten. Auch ich finde das TSG gelinde gesagt reformbedürftig, insbesondere den Zwang zu Operationen, um eine Personenstandsänderung zu erhalten.

Ziemlich schockiert war ich allerdings über deinen Missbrauch der Zwittersymbole gleich zuoberst auf dem Flyer. Wir zwischengeschlechtlichen Menschen leiden regelmässig darunter, dass wir und unsere Symbole von Transsexuellen und Transgendern instrumentalisiert werden (auch durch Subsumierung unter Transgender, obwohl unsere spezifische Problematik eine ganz andere ist).

Ich frage mich deshalb, was du mit der Verwendung unserer Symbole bezweckst? Schliesslich haben Transgender und Transsexuelle eigene Symbole (siehe beispielsweise Wikipedia). Weshalb müsst ihr also immer unsere Symbole verwenden?

Ich würde mich sehr freuen, wenn du dieses Anliegen bei künftigen Flyer berücksichtigen könntest.

Mit solidarischen Grüssen

Daniela Truffer
1. Vorsitzende Intersexuelle Menschen e.V.


Fortsetzung folgt (siehe auch untenstehende Kommentare) ...

Friday 8 August 2008

Diskriminierung intersexueller Sportlerinnen weltweit

Pressemitteilnung von Intersexuelle Menschen e.V. zum Thema mit Fallbeispielen und Links:

http://www.intersex-menschen-xyfrauen.de/phpBB2/viewtopic.php?t=478

Wednesday 30 July 2008

Nella auf TeleZüri heute 30.7. ab 18h und morgen auf DRS3

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!

Bereits letzte Woche hätte in der Sendung "Züri News" ein kurzer Beitrag mit Nella ausgestrahlt werden sollen. Da TeleZüri unbedingt auch ein Statement eines Mediziners wollte, das Kispi sich aktuell jedoch verweigert und TeleZüri auch den Rest der Schweiz tagelang vergeblich abklapperte, wurde das Interview zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Der Beitrag wird nun heute erstmals um 18h ausgestrahlt und danach während 24h stündlich wiederholt. Nachtrag: Der Beitrag kam ganz gut rüber mit der Forderung nach Selbstbestimmungsrecht als zentraler Inhalt, trotz der Beschönigungen der Endokrinologin. Danke! Der Beitrag jetzt online (--> Zum Film).

Zum morgigen CH-Kinostart von "XXY" gibts auf Radio DRS3 (mit Streamingmöglichkeit) ebenfalls ein kurzes Interview mit Nella. À propos "XXY": Im Kult.Kino in Basel gibts am Mi 13. August im Anschluss an die 19h Vorstellung eine ca. halbstündige Diskussion u.a. mit Daniela Truffer, Kathrin Zehnder und Dominique Grisard. Und à propos "XXY" zum zweiten: eine coole Filmrezension aus dem Tages-Anzeiger (wenn mensch mal von Titel absieht, der einmal mehr mit der Unterscheidung von Zwei- und Zwischengeschlechtlichkeit etwas Mühe bekundet). Nachtrag zum dritten: Sehr korrekte Filmbesprechung in der Neuen Zürcher Zeitung. Sowie (als Nachzügler zum Deutschlandstart) Gutes auch in der Thüringischen Landeszeitung. Danke!

Diskriminierung von Zwittern im Sport

Ein neulich erschienener Artikel über die Angriffe auf die zwischengeschlechtlich geborene Tennisspielerin Sarah Gronert (Welt Online -- siehe auch Bild.de und Der Westen sowie die ursprüngliche Pressemitteilung von Sarah Gronert) wirft ein herbes Schlaglicht auf die vielfältigen, haarsträubenden Diskriminierungen von Zwittern, wie sie im Sport nach wie vor üblich sind. Ein ganz und gar unwürdiges Kapitel, das hoffentlich auch bald einmal ins Visier von Menschenrechtsorganisationen und ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik gerät! Weil auch im Sport wird sich ohne entsprechenden öffentlichen, juristischen und politischen Druck so schnell nichts zum Besseren ändern, im Gegenteil ...

Aktuelle englische Artikel über Diskriminierung von Zwittern an der Olympiade 2008 (inkl. historischen Rückblicken):   >>> Guardian 30.7.08   >>> New York Times 30.7.08
Nachtrag: >>> OII Press Release 28.7.   >>> The Australian 27.7.
Nachtrag 2: >>> Spiegel Online 4.08
Nachtrag 3: >>> Pressemitteilung Intersexuelle Menschen e.V. 6.8.
Nachtrag 4: >>> FAZ 25.8.

Tuesday 29 July 2008

Deutsche Apotheker verhöhnen Zwitter

Einerseits ist es ein gutes Zeichen, wenn die Werbung sich auf die Zwitter zu besinnen beginnt. Weil es zeigt, dass "Des Zwitters Sieg" (Stern) und die auf Christianes Prozess folgende, nach wie vor anhaltende Zwitter-Medienoffensive bei "Otto Normalverbraucher" mittlerweile genug angekommen ist, dass die "Werbefritzen" ihren Niederschlag im öffentlichen Unbewussten als Potenzial für eine Kampagne einschätzen -- und ihrerseits als Echokammer aktiv werden.

Jeder zusätzliche Kanal, auf dem Zwitter irgendwie im Programm sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt, wo das Zwitter-Tabu bestenfalls gut angeknackst ist, erstmal ein guter Kanal.

Andrerseits zeigt die Schock-Kampagne der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA (Flyer als PDF / Pressemitteilung / dpa-Meldung) drastisch, dass es mit der öffentlichen Anerkennung von zwischengeschlechtlichen Menschen immer noch grad mal so weit her ist, dass (nicht nur) die "Werbefritzen" und ihre Auftraggeber offensichtlich das Gefühl haben, auf dem Buckel der Zwitter könnten sie quasi wie einst im Wilden Westen mit allem ungestraft durchkommen. Auch noch mit Werbung auf Kosten der Opfer von medizinischen Zwangsbehandlungen wie z.B. Christiane. Die Fotomontage, welche die ABDA als Mittel zum Erregen der Aufmerksamkeit für ihre Kampagne benutzen, wiederspiegelt genau Christianes Schicksal, die von einem gewissenlosen Medizyner- und Pharmabetrieb ohne ihre Einwilligung zwangsvirilisiert wurde.

Mit Verlaub, dieses Appellieren an den "Anti-Zwitterreflex" in in der Bevölkerung als Mittel zur Bekämpfung von importbedingten Umsatzeinbussen ausgerechnet durch die Deutschen Apotheker (bei denen die meisten Zwitter nach der "prophylaktischen" Zwangskastration ein Leben lang künstliche Ersatzhormone kaufen müssen, oft aus eigener Tasche!) zeugt nicht nur von fraglichem Geschmack. Sondern ist eine klare Verletzung der Menschenwürde aller Zwitter! Und, so nebenbei, der Menschenwürde aller Trans*menschen auch.

Beschwerden bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA durch zwischengeschlechtliche Menschen führten bisher zu keiner Besserung -- im Gegenteil, die betroffenen Menschen wurden auch noch telefonisch direkt verhöhnt!

An diesem Beispiel wird sich zeigen, ob die Bundesdiskriminierungsstelle usw. wirklich etwas taugen. Oder dasselbe verdienen wie "die Bundesregierung".

Nachtrag: Siehe auch Thread im Vereinsforum.

Friday 25 July 2008

FAZ über Schattenbericht

Die Zwitter Medien Offensive geht weiter!

Gelungener Artikel von Oliver Tolmein im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.7.08 auf S. 42 (unter dem eher besch...euerten Titel "Wo Rechte gegen Männer durchgesetzt werden, sind auch wir gemeint: Ein Bericht zur Lage der Intersexuellen in Deutschland", der allerdings nicht von Tolmein stammt, sondern von der FAZ Redaktion).

Sowie online auf Oliver Tolmeins Homepage unter dem ursprünglichen Titel:

>>> "Schattenbericht im Rampenlicht: Intersexuelle on air!"

(Bisher die einzige Meldung zum Schattenbericht in kommerziellen deutschen Medien. Danke!)

Thursday 24 July 2008

Aus Transschändrien nix neues

"Liminalis - Zeitschrift für geschlechtliche Emanzipation" -- weiteres aktuelles Beispiel für Vereinnahmung:

Teil 1: Die Theorie

aus: "die standard.at"

Webtipp: "Liminalis" ist ein Projekt des Wissenschaftlichen Beirates des Transgender Netzwerkes Berlin (TGNB).

[...] begleitet Ziele der Transgender- und Intersex-Bewegungen wissenschaftlich [...]

[...] umfasst wissenschaftliche Beiträge zum Überthema [!] "Pathologisierung und Emanzipation". Darin werden akademische, essayistische und künstlerische Versionen einer Auseinandersetzung mit möglichen Formen der Emanzipation vorgestellt. [...]

"LIMINALIS" 2008_02, aus dem Editorial:

Ausgangspunkt dieser Ausgabe der Liminalis sind Erfahrungen vieler Intersex- und Transgendermenschen mit Pathologisierung durch den medizinischen und rechtlichen Apparat in unserer Gesellschaft [...].

Wir freuen uns