Der folgende Text stammt aus dem Jahre 1996. Das
heisst es ist jetzt unterdessen 14 Jahre später – und trotzdem wird allein in
Deutschland von KinderchirurgInnen immer noch JEDEN TAG
mindestens 1 Kind irreversibel verstümmelt, sowie in Österreich und in der
Schweiz zusätzliche JEDE WOCHE nochmals JE 1 weiteres.
Wie lange noch?!
In Deutschland leben mindestens - vage geschätzt - 24000 weißhäutige
Menschen ohne bzw. mit verstümmeltem Lustorgan (Klitoris / Penis), an welchen
i.d.R. im Alter von 1-2 Jahren durch Kindergynäkologen Operationen vorgenommen
wurden.
[...] Von weiteren Praktiken, wie auch von dieser, existieren zumeist weder in
der Öffentlichkeit noch in der ÄrztInnenschaft Kenntnisse.
Geschichte der Genitalverstümmelung
Genitalverstümmelungen in westlichen Ländern durch Chirurgen haben Tradition.
So entfernte im 17. Jahrhundert der Chirurg Dionis auf Veranlassung der
Ehemänner Frauen die Klitoris, um „pflichtbewußte“ Frauen aus ihnen zu machen,
1864 empfahl ein berühmter Chirurg, die Klitoris zu schützen und zu diesem
Zweck die Schamlippen zusammenzunähen, 1900 empfahl D. Pouillet, die
empfindlichen Teile mit Silbernitrat zu verätzen, damit sie nicht weiter „Hand
an sich legten“, desweiteren wurden Frauen durch Amputation oder Ausbrennen der
Klitoris von der Masturbation „geheilt“ (geschichtlicher Hintergrund aus
Schüler / Bode, 1992 und Walker, 1993).
Bereits 1937 wird in diesem Zusammenhang von der Behandlung „genitaler
Abnormalitäten“ (Young, 1937) geschrieben. [...]
Heute
[...] darf zum Beispiel eine Klitoris in keinem jugend- und
kindergynäkologischen Alter größer als 1 cm sein. Neben einer vergrößerten
Klitoris können auch Vagina bzw. Gonaden (Eierstöcke, Hoden) nur „unzureichend“
ausgebildet sein oder es werden sonstige Normabweichungen vorgefunden.
[...]
Operationen
Es erfolgen häufig mindestens zwei Operationen unter Vollnarkose.
[Zuerst] wird der nach außen hin sichtbare Bereich der Klitoris reduziert, bis
1982 bedeutete dies die Amputation derselben. Obwohl von einer
Klitorisschaftresektion bei gleichzeitigem Erhalt der Glans und dem
dazugehörigen Nervenbündel erstmals 1961 berichtet wurde (Altwein, 1989),
wurden noch 20 Jahre später Amputationen vorgenommen.
Seit etwa 1980 werden diverse andere Operationstechniken angewandt: So wird die
Klitoris z.B. mit der sog. „Zieharmonikatechnik“ „verkürzt“. Dies bedeutet die
Entfernung der Schwellkörper und Falten der übrigen Haut, so daß der optische
Eindruck entsteht, eine Klitoris sei noch vorhanden. Oder die Klitoris wird
„gerafft“ und nach innen, das heißt unter die Venuslippen verlegt. Oder es wird
versucht, die Glans zu erhalten, oder „nur“ die Klitorisvorhaut entfernt oder
oder...
Diese Operation wird im Alter zwischen 6 und 36 Monaten durchgeführt, also so
früh wie möglich, da die Ärzte der Meinung sind, daß das Mädchen dann nichts
davon mitbekommt. Als Grund für die Klitoris'reduktion' wird deren Größe
angegeben; deren 'penisähnliche Erscheinung', für die 'sich das Mädchen später
schämen werde.' [...]
In der zweiten Operation wird die Kohabitationsunfähigkeit aufgehoben und eine
„Neovagina“ gesetzt, indem der durch Venuslippen verdeckte Vaginaleingang
offengelegt und mit einer Vaginaleingangs“plastik“ „verstärkt“ wird. [...]
Die Qualität der Operationen
Es wird behauptet, daß bei einer Reduktion die nervale und funktionale
Integrität der Klitoris gewährleistet bleibt.
Dies ist zum einen technisch nicht machbar, denn bei der
Schwellkörperentfernung, der Absenkung der Klitoris, dem Vernähen der inneren
Schamlippen, sofern vorhanden, und gegebenenfalls Verlegung der Harnröhre, wenn
diese sehr nahe an der Klitorisunterseite mündet, kommt es zu schwerwiegenden
Nervenverletzungen. Über die verbliebenen Klitorisreste wird die Haut meist so
eng gespannt, daß eine Erektion im Erwachsenenalter schmerzhaft ist. Zudem
treten Schmerzen durch nicht-dehnbare Vernarbungen auf.
Zum anderen stellt sich die Frage, wie diese Integrität erfaßt werden soll. Man
ist auf die Aussagen der Operierten angewiesen, und es ist schwierig, hierzu
korrekte Angaben zu erhalten. Wenn keine oder nur eingeschränkte Empfindungen
vorhanden sind, wird dies wohl kaum gegenüber derjenigen Person oder
Institution angeführt werden, die eben diese Empfindungseinschränkung
hervorgerufen hat.
Bleiben nur noch Spannungsmessungen an den Nerven mittels Stromimpulsen
(beschrieben in Altwein, 1989) oder Masturbation am verstümmelten Organ durch
den Arzt (nur vermutet, nicht dokumentiert).
Wir wissen, daß klitorale Operationen, gleich welcher Art, zu massiven Empfindungseinschränungen bis hin zur Empfindungsunfähigkeit führen.
Häufig finden vaginale Nachoperationen statt, da nach den Bougierungen unter Umständen nicht einmal ein Tampon eingeführt werden kann (nach Aussage einer Verstümmelten). Mit Ankündigungen wie „Hier werden so große Scheiden gebaut, so große gibt’s normalerweise gar nicht!“ oder „Wir machen Ihnen eine Scheide so groß Sie wollen!“ (O-Ton W. Ch. Hecker) wird geworben und gerne nachoperiert. [...]
Zusammenfassende Bewertung
Genitalverstümmelung an Menschen ist in jedem Kontext die physische Umsetzung
des patriarchalen heterosexistischen Gedankengutes mit dem Ziel der psychischen
Unterwerfung und Vernichtung.
Sie zeugt in den hier geschilderten Fällen von einer frauenverachtenden
Einstellung und von ausgeprägtem Sadismus. Um die insgesamt ausgelebte
Brutalität der beteiligten Ärzte an den betroffenen Kindern erklären zu können,
kann ein pädophiles Anliegen vermutet werden.
Wie sonst ist es zu erklären, daß wider besseren Wissens einem Mädchen die
Klitoris abgetrennt wird, sie auf Lebzeit verstümmelt wird, daß ein kleines
Kind immer wieder und ohne neue Veranlassung mit Fingern penetriert wird, bis
es blutet, daß ein Mädchen als Kind vergewaltigt wird, um dann mit 14 Jahren
„gebrauchsfertig“ zu sein für künftige Penetrationen, daß pornographisches
Bildmaterial anzufertigt wird und dann nach all dem Dankbarkeit erwartet wird
für die „wichtige Lebensbegleitung zu einer erfüllten Geschlechtsidentität“?
[...]
Betroffene erleben Bougierungen und gynäkologische Untersuchungen als
Vergewaltigungen, die Behandlungsverläufe insgesamt als Folter.
Der gesamte Behandlungsablauf stellt schwerste Köperverletzung sowie eine
gravierende Verletzung von Frauen- und Menschenrechten dar.
>>> der
ganze Text von 1996
Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie
(AGGPG):
"Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und
Jugendgynäkologie"
http://home.t-online.de/home/aggpg/is_tdf.htm
Siehe auch:
- Selbstdarstellung der
AGGPG
-
"Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen" - Flugblatt AGGPG
(1998)
- "Medizinische
Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000
-
"Für die Kinder kämpfen wir" - Michel Reiter, 1997
- Zwangsoperationen
an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen
geschehen?
-
Zwangsoperationen an Zwittern: Wie können die Täter gestoppt werden?
- Anliegen
an den Deutschen Ethikrat 23.6.10


















Regelmässig werden in Afrika und
Asien Berichte publiziert, in denen Medizyner absolut unreflektiert
uneingewilligte Genitaloperationen an wehrlosen Zwitterkindern abfeiern, wie es
sich "westliche" Medizyner selten mehr getrauen, wohl weil es (noch) kaum
öffentlichen Widerspruch von den Opfern ihrer "medizynischen Heldentaten"
gibt.
Die drei interviewten Medizyner,
Dr. Mustafa el-Sonbaty (Bild), Chef für kosmetische Chirurgie
am Assiut Universitätsspital mit "15-jähriger Erfahrung" im
Kinderverstümmeln und "15 Intersex-Operationen" auf den Kerbholz
allein seit 2000, Dr. Abdel Moneim el-Haggagy, Urologe und
"Pionier von Intersex-Operationen" ebendort, und Dr. Tarek
el-Gammal, "Chef rekonstruktive Mikrochirurgie" gleichenorts,
stellen sich zudem noch als besonders "fortschrittlich" dar. Ihre Aussagen im
Artikel wimmeln von herablassenden Bemerkungen über die "extrem
konservative Landbevölkerung", die wegen "Unwissenheit" und
"Inzucht" eine "überproportional hohe Rate von
Intersex-Kindern" aufweise. Ebenfalls zur Rate beitragende
Allgemeinpraktiker und Apotheker, die ihre Patientinnen ungenügend aufklären
bzw. Schwangeren unbesehen röntgen oder "potentiell schädliche
Medikamente" wie "gewisse Antibiotika" verordnen, werden
hingegen nicht weiter wertend dargestellt.
Laut Dr. Tarek
el-Gammal (Bild) sind sie "überglücklich nach der Operation. Sie
sind erleichtert, dass ihre Probleme vorbei sind."




