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Die Mediziner

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Friday 4 July 2008

Ein weiterer "Experte" ohne Ahnung ...

... der mutwillig inter und trans nicht unterscheiden kann (oder will): Der "international renommierte Reproduktionsmediziner und Männerkundler Prof. Dr. Eberhard Nieschlag" nennt den Transsexuellen Thomas Beatie, der ein Kind gebar, eine "Frau mit einem intersexuellen Problem."  www.welt.de (Naja, die Tendenz des Artikels ist auch sonst ziemlich bezeichnend ...)

(Gefunden via Intersex-Feed des genderfree-blogs.)

Saturday 31 May 2008

Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern!

Prof. Dr. med. Lucas Wessel (Bild links), Direktor der Klinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein/Campus Lübeck, und Privatdozent Dr. med. Lutz Wünsch (Bild rechts), Oberarzt ebenda, reihen sich beide ein in die "Alte Garde der unverbesserlich zwangsoperationsgeilen Medizyner" ...

Weniger als 4 Monate nach der Veröffentlichung der "Hamburger Studie", die einmal mehr nachwies, dass die Behandlungsunzufriedenheit zwangsoperierter Zwitter "eklatant hoch" ist (Zitat Fachzeitschrift Gynäkologische Endokrinologie -- zwei Drittel aller befragten Zwangsbehandelten sind "z.T. unzufrieden" bis "sehr unzufrieden"!!!), behaupten die ehrenwerten Zwangsoperateure in einem Artikel Chirurgische Strategien bei Störungen [sic!] der Geschlechtsentwicklung vom 1. März in der Monatsschrift Kinderheilkunde einfach frech das Gegenteil:

"[G]eschlechtsangleichende Genitalkorrektur[en]"
, nicht nur von Wessel und Wünsch mit Vorliebe "im ersten Lebensjahr" ohne Einwilligung der Patient_innen durchgeführt, seien nämlich "[t]rotz vieler ungelöster Probleme [...] überwiegend hilfreich"! Fragt sich bloss, für wen ...

Schlimmer noch, blindlings und stur beharren sie darauf, diese medizinisch unnötigen genitalen Zwangsoperationen weiterhin an wehrlosen Säuglingen durchzuführen, obwohl sie indirekt selber zugeben, dass die "Langzeitergebnisse" für die Patient_innen bisher alles andere als optimal sind:

Verbesserte Technik und Durchführung im ersten Lebensjahr lassen bessere Langzeitergebnisse erwarten, auch wenn entsprechende Studienergebnisse noch konsolidiert werden müssen.

Offensichtlich betrachten Wessel, Wünsch und Konsorten Zwitter als 'Menschenmaterial', mit dem sie nach eigenem Gutdünken experimentieren dürfen ... Hauptsache, sie können auch künftig nach Lust und Laune an wehrlosen Säuglingen ungestraft weiter zwangsoperieren ...   :-(  :-(  :-(

Noch der einzige Lichtblick des Artikels, dass nämlich laut Wessel und Wünsch "Indikation und Zeitpunkt" der prophylaktischen Zwangskastrationen (wegen angeblicher Krebsgefahr) neuerdings "dem individuellen Tumorrisiko angepasst werden" müssten, hinterlässt einen ziemlich bitteren Nachgeschmack, wenn mensch bedenkt, wie dieses "individuelle Tumorrisiko" in (nicht nur) deutschen Kastrationskliniken in der Regel bestimmt wird: noch im Jahre 2008 falls überhaupt, dann anhand von seit Jahrzehnten veralteten, pauschalen "Erkenntnissen" und "Risikozahlen" ...   :-(  :-(  :-(

Nicht gesundheitsrelevante Zwangsbehandlungen (wozu kosmetische genitale Zwangsoperationen und auch prophylaktische Zwangskastrationen fraglos zählen) sowie Aufrufe dazu verstossen gegen die Menschenwürde und gehören straf- und zivilrechtlich geahndet!

Friday 30 May 2008

Nach Kritik auf diesem Blog: Urologen erklären Zwangs-Leitlinien für veraltet!

Auf diesem Blog und auf dem IS-Menschen-Forum wurden die menschenverachtenden "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Urologie "Störungen der sexuellen Differenzierung", die genitale Zwangs-OPs und Zwangskastrationen für Zwitter vorschreiben, vor gut einer Woche scharf kritisiert -- mit ungeahnten Folgen:

Mittlerweile wurden diese beschämenden "Leitlinien" rückwirkend auf Februar 2008 ausser Kraft gesetzt!

Wer sie unter dem ursprünglichen Link anklicken will, erhält lediglich noch eine 404-Fehlermeldung "Nicht gefunden". Stattdessen wurden sie am 26.5. klammheimlich in die Liste der "nicht aktualisierte[n] Leitlinie[n]" verbannt mit dem rückwirkenden Hinweis "gültig bis: 01/2008".

Da sag ich zur Abwechslung mal: "Danke, Danke, Danke!" (Und geh schon mal was entkorken ...)

Bleibt zu hoffen, dass dieses für-veraltet-erklären nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern auch konkrete Auswirkungen auf die tägliche Urologen-OP-Praxis haben wird!

Und dass die "Leitlinien" gelegentlich kompetent überarbeitet (z.b. anhand der Überlegungen der Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität „Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung“) und dann wieder online gestellt werden!

Holzauge bleib wachsam ...

Friday 23 May 2008

Zwangsoperationen an Zwittern: Wer nicht hören will ...

seit jahren und jahrzehnten protestieren betroffene zwischengeschlechtliche bei den medizynern direkt, in parlamenten und in der öffentlichkeit gegen diese umenschliche medizyner-praxis der uneingewilligten genitalen zwangoperationen, zwangskastrationen, zwangshormontherapien und weiteren menschenrechtswidrigen zwangsbehandlungen.

dutzend-, hundert-, und tausendfach ist ihnen gesagt worden, was die betroffenen wollen. es gibt seit jahrzehnten genug medizyner-studien, die ihnen das obendrein nochmals und nochmals erneut belegen: dass nämlich die grosse mehrzahl der zwitter selber entscheiden will, ob, wann und wie sie operiert werden wollen!!!

das problem ist nicht, dass medizyner und politiker es nicht wissen.

das problem ist, dass sie nicht hören wollen.


dies ist dutzend- und hundert- und tausendfach belegt, nicht zuletzt durch die menschenverachtenden äusserungen der medizyner selbst ...

einige weitere müsterchen typischer reaktionen von medizynern und politikern auf die anliegen der zwitter:

blanker hohn:

die bundesregierung:
Der Bundesregierung ist nicht bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenenalter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert.

Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Mehrzahl der betroffenen Menschen, bei denen in der Kindheit eine operative "Vereindeutigung ihres Genitalbefundes" stattgefunden hätte, dies für richtig befunden hätte.

billige lippenbekenntisse:

dr. sinnecker:
Dr. Gernot Sinnecker betonte beispielsweise die Selbstbestimmung Zwischengeschlechtlicher, machte diese jedoch letztendlich von der Akzeptanz der Eltern abhängig. Die Tatsache, dass er bei seinen Ausführungen bevorzugterweise "sollte" statt "muss" verwendete, hinterliess einen - altbekannten - zwiespältigen Eindruck.

demonstrativ den saal verlassen:

beispiel 2007:
Nach zwei sehr interessanten Fachvorträgen zur Klinischen Auswirkung und molekularen Grundlagenforschung und den Problemen bei der Beurteilung übernahm Frances Kreuzer den Part im Zeitfenster für die Selbsthilfegruppen. Herbei wurden lediglich Auszüge aus einem neuen Buch eines Patientenanwaltes zitiert. Eine ruhige, nicht anklagende Präsentation bundesrepublikanischen Rechtes. Dieser Vortrag führte zu tumultähnlichen Szenen des sowieso halbleeren Saals. Ein bekannter Mediziner und ordentliches Mitglied des Vereins, der nach eigenem Bekunden mehr als 25 Jahre intergeschlechtliche Genitale operiert hat, geriet außer Fassung und verließ pöbelnder weise mit Gefolge den Saal, ein sonst ruhiger Psychologe und ordentliches Mitglied des Netzwerk-IS, der für Projekte des Netzwerk-IS arbeitet fährt mit Getöse Betroffenen ins Wort und will ihnen das Wort abschneiden. Es kommt zu Wortgefechten, die nicht unterbunden werden. So der Kommentar: Ob den Betroffenen nicht klar ist, dass solche Vorträge diejenigen, die helfen wollen, demotivieren.

beispiel 2000:
Der folgende, redaktionell gekürzte Vortrag wurde am 30.6.2000 auf dem Kongreß der european federation of sexology (efs) in Berlin gehalten – als zweiter Teil eines Kolloquiums zum Thema "Intersexualität", der vom ersten Teil durch eine Pause abgetrennt wurde. In dieser Pause entfernten sich die maßgeblichen Experten aus dem Bereich der Sexualmedizin. Denn es äußerte sich jemand, der von ihrer ärztlichen Praxis einmal "betroffen" war.

undsoweiterundsofort.

die heutige immer noch gültige, menschenverachtende haltung der zwangsoperateure und ihrer verbände, die sich auch in der hier kritisierten "leitlinie" spiegelt:

PD Dr. Susanne Krege:
In diesem Zusammenhang wird auch der richtige Zeitpunkt für die operativen Korrekturen diskutiert. Während für die Klitorisreduktion von Seiten der Mediziner weit gehend Einigkeit besteht, diese innerhalb des ersten Lebensjahres durchzuführen, gehen bei der Vaginalplastik die Meinungen auseinander.

lasst euch durch krege & co's pseudokritische randbemerkungen nicht täuschen! dass krege z.t. auf zuwarten mit ops plädiert, ist z.b. ev. nicht ganz uneigennützig: so kommen die zu operierenden zwitter zu ihr auf den urologen-op-tisch, statt zu den kinderchirurgen.

dass zwitter allesamt zumindest kastriert werden MÜSSEN, auch wenn sie das selber nicht wollen, ist auch kreges credo zu 100%!!! (getreu auch der von ihr mitverfassten "leitlinien" ...)

ein credo, dass sie auch in ihrer eigenen chirurgischen praxis eisern befolgt: wer als erwachsener zwitter sich bei krege z.b. das zwittrige genital verkleinern lassen will (aber NICHT zusätzliche kastriert werden will), ist wohlberaten, ihr das zusätzlich durch einen "profi" des vereins oder durch einen anwalt am besten schriftlich zukommen zu lassen. und ebenso zusammen mit einem "profi" das kleingedruckte in der patientenerklärung genau durchzugehen. ansonsten ist's mehr als nur wahrscheinlich, dass du aus der narkose aufwachst und merkst, dass sie dich entgegen deiner mündlichen absichtserklärung "gemäss leitlinien" gleich "total" operierte ...

mehr noch: dass freundlich mit den medizynern reden allein zu nix führt bzw. dass sämtliche in den letzten 15 jahren erreichten kleinen veränderungen der menschenverachtenden medizyner-zwangsoperations-praxis einzig und allein durch entschlossenes, lautstarkes auftreten erreicht worden sind -- daraus machen auch die medizyner selbst keinen hehl:

Prof. M. Westenfelder:
Zur veränderten Einstellung beigetragen haben in den letzten 10 Jahren die z.T. sehr militanten Aktivitäten amerikanischer Selbsthilfegruppen und profilsüchtige Psychologen. Aufgrund anekdotischer Fälle von schlecht (traumatisch und verstümmelnd) behandelter Patienten wurden die Forderungen aufgestellt, die frühe Geschlechtszuweisung und die Frühoperationen zu unterlassen und auf einen Zeitpunkt zu verschieben, zu dem die Betroffenen selbst entscheiden können, ob und in welche Richtung sie korrigiert werden wollen. Das Verbot sollte mit einem Moratorium abgesichert und mit dem US-Bundesgesetz über das Verbot von verstümmelnden Operationen des weiblichen Genitale gekoppelt werden.

Diese Aktivitäten trugen erheblich zur Verunsicherung der beteiligten Ärzte bei, die immer häufiger die Behandlung dieser Kinder ablehnten. Auch wurde Australien zum ersten Land, welches offiziell die Möglichkeit eines dritten Geschlechtes schuf.

Prof. Dr. Michael Sohn:
In den USA bildeten sich aktive und zum Teil aggressive Selbsthilfegruppen, die mithilfe der Medien und spezialisierten Anwälten eine enorme Mobilisierung der Öffentlichkeit bewirkten (Intersex Society of North America: ISNA) . Die Forderungen gipfelten in der rechtlichen Anerkennung eines dritten, vierten oder gar fünften Geschlechts neben der hergebrachten Einteilung in männliches und weibliches Geschlecht. Teilweise wurden diese Forderungen schon umgesetzt, so erlauben australische Passformulare die Eintragung eines dritten Geschlechts oder die Angabe, "indeterminate".

Diese Forderungen führten zu einer Neuentwicklung von Leitlinien zum Umgang mit intersexuellen Patienten, die 1997 von Diamond erstmals publiziert wurden. Die Leitlinien beinhalteten den Verzicht auf genital korrigierende Operationen und Hormonmedikationen in der Kindheit, außer bei vitaler Indikation. Definitive Maßnahmen sollten erst dann durchgeführt werden, wenn das Kind ein Alter erreicht hat, in dem es bewusst die verschiedenen Optionen abwägen und mitentscheiden kann. Es wurde ein Operationsmoratorium gefordert, das bisher jedoch nicht umgesetzt werden konnte.

ich denke, wenn "wir" wirklich etwas erreichen wollen, kommen "wir" zwitter und sympathisanten nicht darum herum, die lehren aus der jüngeren vergangenheit zu ziehen.

meine 2 cent: als am erfolgversprechendsten erscheint mir die methode "guter polizist/böser polizist" ...


--> siehe auch Forums-Thread

Wednesday 21 May 2008

Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen!

Menschenverachtende Medizyner haben nicht nur in Deutschland immer noch das Sagen – und rufen auf dem Netz öffentlich zu menschenverachtenden Zwangseingriffen auf ...

Aus dem Medizyner-Gruselkabinett, genannt "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Störungen der sexuellen Differenzierung"  – Nachtrag: Die "Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGG" propagiert dieselben "Leitlinen" ebenfalls (PDF-Download) (Update 30.5.08):

z.B. genitale Zwangsoperationen bei AGS:

Beim Pseudohermaphroditismus femininus erfolgt in der Regel eine Angleichung des virilisierten äußeren Genitale an das weibliche Geschlecht, da Karyotyp und innere Geschlechtsorgane weiblich sind. Zudem bietet die operative Korrektur von der männlichen in die weibliche Richtung weit weniger Schwierigkeiten als umgekehrt. Bei ausgeprägter Virilisierung (Prader IV +V) kann auch das Verbleiben in der männlichen Rolle diskutiert werden. Bei dieser Entscheidung bedarf es keiner operativen Korrektur des äußeren Genitale.
(--> 1. Pseudohermaphroditismus femininus)

z.B. Zwangskastrationen wg. angeblicher Krebsgefahr + genitale Zwangsoperationen bei AIS:

Während dieser Zeit bedarf es einer psychologischen Führung [!!!] der Eltern, da eine Geschlechtszuordnung des Kindes bis zur Diagnosestellung unterbleiben sollte. Die Geschlechtszuordnung hängt hier entscheidend vom Vorhandensein eines ausreichend hormonproduzierenden Hodens, vom Wachstumspotential und vom Aspekt des äußeren Genitale ab, welches alle Varianten aufweisen kann. Die männliche Richtung sollte vom Operateur dann eingeschlagen werden, wenn eine plastische Rekonstruktion möglich ist und das spätere Peniswachstum gesichert werden konnte (DHT-Stimulationstest). Das heißt, der Patient muß später ein adäquates, funktionstüchtiges und eindeutig männliches Genitale aufweisen können.
Ggf. müssen rudimentäre Organe entfernt werden; unbedingt sollte dies bei kryptorchen Hoden erfolgen, die sich operativ nicht ins Skrotum verlagern ließen, da diese ein erhöhtes Tumorrisiko aufweisen.
(--> 2. Pseudohermaphroditismus masculinus)

z.B. Zwangskastrationen wg. angeblicher Krebsgefahr + genitale Zwangsoperationen bei "echten Hermaphroditen":

Die Geschlechtszuordnung richtet sich nach dem vorherrschenden Phänotyp. Gegengeschlechtliche innere Organanlagen sollten entsprechend entfernt werden, ebenso kryptorche Hoden aufgrund der Gefahr der Tumorbildung. Zudem ist das testikuläre Gewebe im Gegensatz zu vorhandenem ovariellem Gewebe meist funktionslos. Ab der Pubertät werden die Kinder entsprechend mit Östrogenen oder Testosteron substituiert.
(--> 3. Echter Hermaphroditismus)

Selbstverständlich müssen die genitalen Zwangsoperationen aus "psychologischen Gründen" unbedingt schon im Säuglingsalter erfolgen (sonst wären's ja keine Zwangsoperationen mehr). Überhaupt, wäre ja noch schöner, wenn wir warten müssten, bis diese undankbaren Zwitter widersprechen könnten:

Aus psychologischen Gründen sollte die kosmetische Korrektur des äußeren Genitale so früh wie möglich erfolgen, in der Regel innerhalb der ersten 6 Lebensmonate.
(--> Allgemeine Aspekte zum operativen Vorgehen)

Tja, wenn da nur "die Betroffenen" und ihre vermaledeiten "Selbsthilfe-Gruppen" nicht wären. Aber zum Glück sind die ja nicht "gesellschaftfähig" (sic!!!), also operieren wir sie grad zu leide, hähä:

Aktuell werden gerade in Selbsthilfe-Gruppen Stimmen erwachsener Betroffener laut, die ein Hinauszögern der Entscheidung für die Geschlechtszugehörigkeit fordern. Die Betroffenen sollen so alt sein, daß sie selbst entscheiden können. Ein Leben als "Zwitter" bis zur Pubertät scheint aber psychologisch nicht weniger problematisch. Dies wäre nur dann nicht der Fall, wenn ein drittes Geschlecht gesellschaftfähig wäre. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten.
(--> Allgemeine Aspekte zum operativen Vorgehen)

Da Zwangsoperationen ohne Einwilligung strafbar sind, handelt es sich bei der DGU zweifellos um eine kriminelle Vereinigung, deren Mitglieder kollektiv straf- und zivilrechtlich (Schmerzensgeld) zur Rechenschaft gezogen werden sollten – mit Zusatzstrafen für die VerfasserInnen dieser menschenverachtenden Aufrufe zu verbotenen Zwangseingriffen:

Expertenkommission der Dt. Ges. f. Urologie

      Autoren:  
      S. Krege, Essen
      B. P. Hauffa, Essen
      H. Rübben, Essen
      für den Arbeitskreis Kinderurologie:
      J. W. Thüroff, Mainz
      R.-H. Ringert, Göttingen
      G. Schott, Erlangen
      M. Westenfelder, Krefeld
      D. Frohneberg, Karlsruhe
      Ch. Radmayr, Innsbruck
      M. Riccabona, Linz
      für den Berufsverband:
      K. Schalkhäuser, Dorfen
      Leitlinienkommission der DGU:
      A. Heidenreich, Marburg
      H. Rübben, Essen
      K. Schalkhäuser, Dorfen
      W. Thon, Hannover
      J.W. Thüroff
      W. Weidner, Giessen
      Korrespondierender Autor:
      Frau Dr. S. Krege

--> Update 30.5.08!!!

Friday 9 May 2008

Ulrichs-Hirschfeld-Money-Butler-"hirnorganische Intersexualität"

ulrichs mag lange tot sein (wie hirschfeld und money inzwischen ja auch), aber seine ideen (& strategien) leben munter weiter -- im guten wie im schlechten:

karl heinrich ulrichs, "Vorkämpfer der Homosexuellen-Bewegung", hatte das undankbare schicksal, in einer zeit zu leben, als homosexualität (noch) strafbar war. er verlor seine stelle als gerichtassessor und kriegte als anwalt generelles berufsverbot. damals hatten zwitter noch das privileg, mit 18 (als einzige menschen) selbst entscheiden zu können, ob sie sich lieber mit männlein oder mit weiblein ins bett legten -- was ulrichs als jurist zweifellos bewusst war. logisch fühlte sich ulrichs bald einmal als "psychischer hermaphrodit" und predigte diese idee für den rest seines lebens. logisch war dabei der wunsch der vater des gedankens. 

magnus hirschfeld griff diese idee auf und entwickelte daraus (und seiner behauptung, schwule seien "das dritte geschlecht") die "lehre von den sexuellen zwischenstufen", in der er zwitter, schwule, transsexuelle, und den halben "psychopathia sexualis"-katalog von krafft-ebing munter in einem grossen topf durcheinanderrührte, und begründete damit die "church of sexology" überhaupt inkl. "gendertheorie" -- letztlich ebenfalls als mittel zum zweck, um mit der gleichen argumentation wie ulrichs, aber unter dem deckmantel der "wissenschaft" gegen die kriminalisierung der homosexualität zu kämpfen. 

john money hat darauf das meiste von hirschfeld ohne quellenangabe geklaut, genau gleich wie nochmals eine generation später judith butler von john money. und auch butler propagiert weiter lautstark money's kernthese "gender trumps sex", und taucht bei zwitter-vereinnahmenden transgendern prompt jedesmal in der literaturliste auf ...

transsexuelle leiden heute daran, "im falschen Körper geboren" zu sein und müssen, um die ersehnte op zu bekommen, ein jahrelanges behördliches und gutachterliches spiessrutenlaufen absolvieren. neidvoll schauen sie auf die zwitter (bzw. ihre idealvorstellung davon), die ops stattdessen "nachgeworfen" bekommen. logisch enden sie bei einem konzept wie z.b. "hirnorganische intersexualität" -- schliesslich hatte derselbe trick mit dem "psychischen hermaphroditismus" ja schon mal bestens geklappt. einmal mehr ist der wunsch der vater des gedankens -- auch auf medizynerseite, würde bestimmt das geschäft ankurbeln. nur die psychologen & der amtsschimmel hätten keinen spass, deshalb wird das transsexuellengesetz stets nur kosmetisch "reformiert".

die frage, ob z.b. bei der "hirnorganischen intersexualität" die experten der "church of sexology" den trans-aktivisten folgen oder umgekehrt, gleicht für mich der frage nach dem huhn oder dem ei -- oder auch der nach "nature" (d.h. gene) oder "nurture" (d.h. erziehung). und zu letzterer gefällt mir immer noch milton diamonds lösung am besten: "nature + nurture = interaction".

--> mehr

Sunday 4 May 2008

Krebslüge & Zwangskastrationen an Zwittern

Auch im 21. Jahrhunder geistert die Medizyner-Mär von einem pauschalen "Krebsrisiko von über 30%" für die inneren Geschlechtsorgane von Zwittern (d.h. Hoden, Eierstöcke, Gonaden, teils auch Mischgewebe) durch Kinderkliniken und Operationssäle. Mit dieser "Begründung" werden alle erkannten Zwitter möglichst früh nach der Geburt zwangskastriert -- mit verheerenden Folgen für die Opfer dieser unmenschlichen Praxis. Auch bei Fällen, wo die Zwittrigkeit erst beim Eintritt in die Pubertät oder noch später erkannt wird, werden die Betroffenen regelmässig mit der tatsachenwidrigen Behauptung des angeblichen "Krebsrisikos von über 30%" genötigt, in die Kastration einzuwilligen -- was die meisten Betroffenen später bitter bereuen, nicht zuletzt wegen der damit verbundenen körperlichen und seelischen Folgeschäden.

Auch wenn die meisten Zwitter keine Kinder zeugen oder gebären können: In der Regel sind bei ihnen die inneren Geschlechtsorgane intakt und könnten (sofern sie nicht operativ entfernt würden) ihrer lebenswichtigen natürlichen Funktion als Hormonlieferanten für den Körper nachkommen. Durch die nach wie vor flächendeckend durchgeführte Zwangskastrationspraxis sind alle Betroffenen in der Folge auf eine lebenslange Hormonersatztherapie (HET) angewiesen. Diese erfolgt bei Zwittern nach wie vor willkürlich und unreglementiert entsprechend der (meist anschliessend an die Zwangskastration) an den äusseren Genitalien operativ vorgenommenen Zwangsgeschlechtszuweisung/"Vereinheitlichung" (meist chirurgische Verkleinerung/Amputation (!!!) des "zu kleinen" Penis bzw. der "zu grossen" Klitoris). D.h. für zwangszugewiesene "Weibchen" wird pauschal Östrogen verabreicht, für zwangszugewiesene "Männchen" pauschal Testosteron -- ohne Rücksicht darauf, was die Körper der Betroffenen gemäss Chromosomensatz und dem individuellen Aufnahmevermögen von Hormonen (das bei Zwitterkörpern meist anders ist als bei "Normalos") eigentlich brauchten. Durch diese unsachgemässen HETs entstehen wiederum zahllose Folgeleiden und -Schäden. In vielen Fällen weigern sich zudem die Krankenkassen, eine adäquate HET zu bezahlen (bzw. die Medizyner, übernahmepflichtige Rezepte auszustellen)!


Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Kindern

Obwohl der Unsinn dieser unmenschlichen Zwangskastrations- und unsachgemässen HET-Praxis längst auch durch wissenschaftliche Studien dutzendfach widerlegt ist, halten Medizyner wieder besseren Wissens unbeirrbar dogmatisch daran fest. So z.B. auch Prof. Dr. Eugen Schoenle, Professor für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie und leitender Arzt am Kinderspital Zürich, der kürzlich in einem Interview behauptete:

"In den meisten Fällen müssen die Hodenanlagen entfernt werden, denn es besteht ein hohes Risiko, dass daraus Krebs entsteht. Man kann hier also keinesfalls von Zwangsoperationen sprechen, denn dieser Eingriff ist lebensnotwendig."

Auch die Herren Dr. Johannes Hirsig, Kinderarzt in Embrach und Chirurg in der Adus-Klinik in Dielsdorf, und Dr. Peter Sacher, Belegarzt am Merian Iselin Spital in Basel und (wie auch Dr. Schoenle) Leitender Arzt Chirurgie am Kinderspital in Zürich, beide Fachärzte für Kinderchirurgie FMH, European Board Certified Pediatric Surgeons, propagieren auf ihrer Homepage kinderchirurgie.ch Zwangskastrationen an Zwittern als unumgänglich, abzuklären sei einzig in einer "Interdisziplinäre[n] Besprechung zwischen Kinderchirurgen und Kinderendokrinologen (und Kinderpsychiatern)" die "Frage des Zeitpunktes". (Dass auch die Eltern oder gar die Betroffenen selbst zu konsultieren wären, bleibt unerwähnt -- na logo, sonst wärs auch keine Zwangskastration mehr! Soviel zum Thema "informierte Zustimmung" -- und wie "unsere" Medizyner das im realen Leben jeweils so handhaben ...)

Auch in deutschen Spitälern ist die Situation nach wie vor gleich katastrophal.

Allen dogmatischen "Krebslügen" zum Trotz: Seit Jahrzehnten bewiesene medizinische Tatsache ist nach wie vor, dass das Krebsrisiko der inneren Geschlechtsorgane bei zumindest vielen, wenn nicht den meisten Zwitter-Formen gegenüber den "Normalos" wenn überhaupt, dann nur geringfügig erhöht ist (siehe z.B. folgende Übersicht auf Querkreuzer, Hervorhebungen im Text von mir):

Malignität der Hoden bei AIS
Zu Verlauf und Prognose von AIS schreiben Fachärzte [3], nach unserer Kenntnis beginnend im Jahre 1933, übereinstimmend, dass die eigentliche Karzinomgefahr „...lange nicht so groß ist wie vermutet“. Jones und Scott gehen aufgrund ihrer Forschungen bereits 1958 von einer Malignitätsrate von unter 5% der Betroffenen aus. Prof. Dr. med. Overzier schrieb 1957, dass in einer Kontrollgruppe von 128 Individuen nur 2, - zwei-, Individuen an Karzinomen verstarben.

[...]

Er schreibt dazu weiter:
„Durch die Kastration der tumorfreien Patientinnen macht man Beschwerdefreie zu Kranken mit allen unangenehmen Folgen der Kastration.“

Er ergänzt in folgendem Abschnitt:
„Durch die Kastration wird ein biologisch langsam aufgebautes Gleichgewicht plötzlich geändert. Da meistens die Sexualität und das Mammawachstum normal oder sehr günstig ausgebildet sind, kann man mit künstlicher Medikation wohl kaum diese optimale Situation wiederherstellen.“

Die umfangreichen Studien Looijengas 2006 mit modernen diagnostischen Mitteln bestätigen die von Overzier beobachtete geringe Inzidenz zur Malignität der Hoden von AIS nicht nur. Die von [Leendert] Looijenga 2006 in Lübeck präsentierte Studie geht von einem Entartungsrisiko von nur 0,9% bei CAIS aus.

[...]

[3] Cadiz u. Lipschütz 1933, Morris 1953, Wachstein u. Skorza 1951, Keller 1957, Von Miculicz- Radecki 1959, Schreiner 1959, Scharplatz 1960, Overzier 1957 u. 1961, Hauser u. Wenner 1962

Seit Jahren und Jahrzehnten protestieren betroffene Zwischengeschlechtliche bei den Medizynern direkt, in Parlamenten und in der Öffentlichkeit gegen diese umenschlichen Zwangskastrationen (und sonstige uneingewilligte genitale Zwangoperationen, Zwangshormontherapien und weitere menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen) -- sofern es ihnen überhaupt möglich ist, die ihnen durch diese schweren Misshandlungen zugefügten, massiven Traumatisierungen soweit zu verarbeiten und zu überwinden, dass sie zu Protesten überhaupt in der Lage sind ...

Umso beschämender, dass Transgender und Transsexuelle, Lesben, Schwule und FeministInnen -- statt den Zwittern solidarisch zur Seite zu stehen -- ihr Leiden regelmässig schamlos für ihre eigenen Anliegen missbrauchen! (Siehe z.B. Pink Apple Zürich, Frauenfilmfestival Köln, feministische Anti-Beschneidungskampagnen, Laura Armani, Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti), und und und ...)

Tuesday 29 April 2008

DSDoofbegriff

dsd tut weh.  der begriff ist nunmal wirklich doof, ne "störung" schreit bekanntlich laut nach "behebung", sprich es ist sonnenklar warum die medizyner den begriff gut finden und die zwangsoperierten örm, glaub eher nicht. irgendwo hatt ich aber auch mal mitbekommen, bei der lancierung des doofbegriffs "störungen der geschlechtsentwicklung" fernab öffentlicher debatte & hinter geschlossenen türen sei es auch darum gegangen, damit den medizynern wie in einem trojanischen pferd zugleich neue behandlungsvorschriften http://www.dsdguidelines.org (publiziert von isna) unterzujubeln. wie war das wirklich? was steht in den richtlinien drin? wo liegen die gemeinsamkeiten und unterschiede z.b. zu theorie und praxis des netzwerks? --> mehr im forum

Friday 11 April 2008

"Krebsgefahr!" - Teamwork zwischen Endokrinologen und Chirurgen

So lange es Endokrinologen-Medizyner gibt, die – trotz Studien, die das Gegenteil beweisen (>> "Malignität der Hoden bei AIS") – öffentlich behaupten, dass Hodenanlagen "in den meisten Fällen" aufgrund eines angeblich "hohen Krebsrisikos" entfernt werden müssen, so lange wird es Chirurgen-Medizyner geben, die sich das nicht zwei Mal sagen lassen, sondern Eltern unter Druck setzen und eifrig Säuglinge zwangskastrieren werden. Denn:

"Man kann hier also keinesfalls von Zwangsoperationen sprechen, denn dieser Eingriff ist lebensnotwendig."

So Prof. Dr. Eugen Schönle (Bild: Landbote), Professor für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie am Kinderspital Zürich in "Der Landbote" (pdf-Download) vom 6.2.2008.

"Schönle Ausreden" – und das ausgerechnet am Tag von Christiane Völlings Sieg!

Nella


Thursday 10 April 2008

Schon wieder! 10 Monate altes Baby kastriert - und das 2008!

Der am diesjährigen Treffen in Bad Orb bekannt gewordene Fall löste unter Zwischengeschlechtlichen tiefste Betroffenheit aus (Diskussion im nichtöffentlichen Bereich des IS-Menschen Forums). Von dem Kind war noch nicht einmal eine genaue Diagnose bekannt, und trotzdem wurde es von gewissenlosen Medizinern kurzerhand präventiv verstümmelt. Einmal mehr wurden die Eltern von den Medizinern mit den üblichen Fehlinformationen zur Einwilligung genötigt -- obwohl sie dies nach deutschem Gesetz gar nicht dürften!

(Ok, verglichen mit Nella, die 1965 im Alter von 2 1/2 Monaten kastriert wurde, erfolgte heuer der Eingriff immerhin erst "etwas später" -- welch ein Fortschritt :-( )

Leider trotz allem auch heute noch kein Einzelfall: Erst gestern propagierte der Mediziner Dr. Frank vom Dorp vom Universitätsklinikum Essen im WDR öffentlich genitale Zwangsoperationen an Babies! Vom Dorp hat nach eigenen Angaben "im Schnitt drei bis vier geschlechtsangleichende Operationen im Monat" auf dem Gewissen. (Sein Chef am Universitätsklinikum Essen ist übrigens kein Geringerer als Prof. Dr. "Facharzt für Aktenverlust" Herbert Rübben, der bekanntlich u.a. Christianes Akten "verlor".)

Alles in allem bekommt mensch den Eindruck, als wollten gefühllose Zwangsoperateure, wenn sie das Rad der Zeit schon nicht aufhalten können, wenigstens auf Teufel komm raus noch soviele Babies wie irgendwie möglich verstümmeln ...

Saturday 22 March 2008

Faule Eier für "die Bundesregierung"!


Bisher fünf mal hat sich meines Wissens nach "die Bundesregierung", gezwungen durch Anfragen und Anträge, mit dem Thema "Intersexualität" auseinandergesetzt (bzw. so getan als ob).

Dem Antrag 3 entsprangen m.E. auch die Gelder für und damit das "Netzwerk" überhaupt. Ebenso liegt darin die Begründung für die Verpflichtung, das "Netzwerk" müsse mit den Betroffenen zusammenarbeiten (naja, zumindest theoretisch ... zur nur zu oft gängigen Praxis siehe hier eins / zwei).

Dass es überhaupt zu irgendwelchen Anfragen kam, geht m.E. klar auf die Aktivitäten von Michel Reiter zurück (dessen Engagement für die Belange aller Zwischengeschlechtlichen m.E. leider bis heute nicht einmal durch die Betroffenen selbst entsprechend gewürdigt wird, da viele durch die Zwangsoperationen etc. zu sehr traumatisiert sind, um sich damit überhaupt auseinander zu setzen).

Die Antworten "der Bundesregierung" zu allen Anfragen sind derart beschämend und ignorant, dass es ein reichlich dickes Fell braucht, sie bis zum Schluss durchzulesen (was trotzdem bzw. gerade deshalb wichtig ist).

Einige Müsterchen:

Der Bundesregierung ist nicht bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenenalter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert.  Antwort 2

Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse von derartigen Schadensersatzforderungen. [...] Die Bundesregierung plant keine Entschädigung Intersexueller, da ein staatliches Handeln, das Anknüpfungspunkt für eine Entschädigung durch den Staat sein könnte, nicht gegeben ist.  Antwort 2

"Intersexualität" muss nach Auffassung der Bundesregierung als eine Abweichung von der Norm betrachtet werden, unter der die Betroffenen schon wegen ihres "Andersseins" leiden. [...] Bei Intersexualität, dem Fehlen dieser eindeutigen Unterscheidung, sei in der Regel eine normale Funktion in den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung ausgeschlossen. Sie müsse somit als "krankhafte Störung" angesehen werden. Pressemitteilung 2b

In Deutschland leben etwa 8.000 bis 10.000 Intersexuelle - Menschen mit den körperlichen Merkmalen beider Geschlechter. Pressemitteilung 5a  [Anmerkung: "Die Bundesregierung" beschränkt sich hier aus leicht durchschaubaren Gründen auf "schwerwiegendere Abweichungen", vgl. Anfrage 5. Tatsächlich beträgt die Zahl Zwischengeschlechtlicher in Deutschland das 10-fache, nämlich 100'000! Siehe z.B. hier, hier, hier und hier.]

Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Mehrzahl der betroffenen Menschen, bei denen in der Kindheit eine operative "Vereindeutigung ihres Genitalbefundes" stattgefunden hätte, dies für richtig befunden hätte. In Anbetracht der Tradition der Zweigeschlechtlichkeit sei es für Eltern eine schwierige Entscheidung, keine Geschlechtszuweisung ihres Kindes vorzunehmen und es in einem "Zwischenraum der Geschlechter" aufwachsen zu lassen. Pressemitteilung 5a [Anmerkung: Tasächlich ist die "Behandlungsunzufriedenheit [...] eklatant hoch", wie dies Betroffene seit Jahrzehnten klarstellen und es wie jüngst auch in der Fachzeitschrift Gynälologische Endokrinologie zu lesen war: Über zwei Drittel der Befragten leiden meist massiv unter den Zwangseingriffen! Dabei wäre noch zu berücksichtigen, dass lediglich "mehr als die Hälfte" der Befragten zur Gruppe der Zwangsoperierten gehören ...]

Fazit: Manchmal kann mensch gar nicht so viel essen, wie mensch kotzen möchte ...

Wetten, wenn "die Bundesregierung" in dieser Angelegenheit öfters mal z.B. mit faulen Eiern beworfen worden wäre, würde sie wesentlich schneller kapieren?!

Obwohl, konkret wären ev. nicht mal faule Eier nötig, würde nur schon kontinuierliche Lobby- und Pressearbeit durch eine Organisation Zwischengeschlechtlicher wie z.B. der Verein Intersexuelle Menschen e.V. einiges ausrichten ...


Nachfolgend die Links zu den einzelnen Anfragen und Pressemitteilungen:

(Bei Anfragen sind jeweils die Antworten "der Bundesregierung" verlinkt, welche die Fragen mit enthalten. Dokumente, die nur als pdf existieren, habe ich via google verlinkt, so dass sie ohne vorheriges Herunterladen direkt angeschaut werden können. Die Original-pdfs sind dabei jeweils zu oberst verlinkt. Die weiteren Links sind, soweit nicht anders vermerkt, Pressemitteilungen "der Bundesregierung".)

1) Kleine Anfrage von Christina Schenk und PDS vom 29.10.96: "Genitalanpassungen in der Bundesrepublik Deutschland"
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kombo/k_34isan.htm
(Presseerklärung dazu von Michel Reiter: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kombo/k_34ispm.htm)

2) Kleine Anfrage von Christina Schenk und PDS vom 01.03.01: "Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit"
http://www.google.com/search?q=cache:nU48w9BTA6IJ:dip.bundestag.de/btd/14/056/1405627.pdf
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2001/2001_060/07.html
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2001/2001_085/07.html

3) Antrag von Christina Schenk, Dr. Ilja Seifert, Rosel Neuhäuser, Dr. Ruth Fuchs und PDS vom 12.06.01: "Forschungen zur Lebenssituation intersexueller Menschen"
http://www.google.com/search?q=cache:2Wn44dSJH2AJ:dip.bundestag.de/btd/14/062/1406259.pdf
http://www.bundestag.de/bp/2001/bp0107/0107078b.html
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2001/2001_182/08.html

Dazwischen gabs 2004 einen Artikel von Oliver Tolmein in der Zeitschrift Das Parlament. Anlass war wohl die 2. instanzliche Weigerung, Michel Reiter den Geschlechtseintrag "zwittrig" zuzulassen:
http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/46/thema/016.html

4) Kleine Anfrage von Dr. Barbara Höll, Karin Binder, Katja Kipping, Kersten Naumann, Petra Pau, Dr. Kirsten Tackmann und DIE LINKE vom 30.1.07: "Rechtliche Situation Intersexueller in Deutschland"
http://www.google.com/search?q=cache:KD-M78NCPKMJ:dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/043/1604322.pdf

5) Kleine Anfrage von Dr. Barbara Höll, Karin Binder, Katja Kipping,  Kersten Naumann, Dr. Kirsten Tackmann und DIE LINKE  vom 05.02.07: "Situation Intersexueller in Deutschland"
http://www.google.com/search?q=cache:2essvHTtAyMJ:dip.bundestag.de/btd/16/047/1604786.pdf
http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_168/09.html

Nachtrag: Siehe auch: Reparationen für zwangsoperierte Zwitter!


PS:

Einige Infos zu Christian Schenk (vormals Christina), der 3 der 5 Eingaben/Anfragen im Bundestag einreichte:
http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/03/03/a0002
http://www.christina-schenk.de/index.html

Z.B. Trans*menschen werden übrigens von "der Bundesregierung" auch nicht besser behandelt (und auch dort schreibt sie ebenso kritiklos die Plädoyers der Mediziner in eigener Sache ab):
http://genderbefreit.blogspot.com/2008/03/die-reform-des-tsg_07.html

Bundestags-Suchmaschine zu "Intersexualität":
http://suche.bundestag.de/searchSimple.do?oneOfTheseWords=intersexualit%E4t

Tuesday 18 March 2008

Christiane: Chirurg geht in Berufung

Christiane Völling teilt mit:

Der Chirurg will nicht zahlen, da er der Meinung ist, er sei für  die Aufklärung nicht verantwortlich, da ich internistischer Patient war und meine Organe seien "hochgradig verkümmert" gewesen.

Er geht in Berufung vor dem OLG Köln.

Der Prozess geht also in die nächste Runde - wie ich mir bereits gedacht habe, denn welcher Mediziner gesteht schon gerne Fehler ein.

D.h.: Erneuter Presserummel usw., weitere Aufmerksamkeit für uns, aber für mich ein weiterer Gang durch die seelische Hölle.

Termin steht noch nicht fest.
Da das OLG nicht so zügig arbeitet wie das LG wird der nächste Prozess voraussichtlich im kommenden Jahr stattfinden.

Freundliche Grüße

C. Völling


Der Kampf geht also weiter ... Auch bei Christianes anderen zwei Verfahren, bei denen die zuständigen Beamten nach wie vor blocken und mauern wie gehabt ... Wir wünschen Christiane viel Kraft und Solidarität!

Tuesday 4 March 2008

Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded

1063 jahre lang nix gelernt -- oder wie das systematische verleugnen der naziverbrechen durch die mediziner-zunft mit ihrer heutigen ethischen inkompetenz zusammenhängt: 
beweisstück 1
   beweisstück 2

Ausgerechnet Medizinstudenten wissen wenig über das dunkelste Kapitel der deutschen Medizingeschichte: die Verbrechen von Ärzten im Nationalsozialismus. b1

Die Ergebnisse [einer Studie von 2001] lassen deutliche Defizite in der Ausbildung zu einem ethisch kompetenten Arzt erkennen. b2

Das liegt aber nicht am mangelnden Interesse der Medizinstudenten. b1

Von vielen einflussreichen Ärzten und Lehrenden wird dieses Thema bis heute totgeschwiegen. b1


Aktueller Bezug in der Ethikdebatte b1

Der Großteil der Ärzte, die in KZs, Kliniken und Heilanstalten Verbrechen gegen die Menschlichkeit beging, kam ohne adäquate Bestrafung davon. b1

Viele dieser Ärzte führten ihre Praxen bis in die Neunzigerjahre weiter oder setzten ihre Karriere ungebrochen fort. b1

Eine adäquate Aufarbeitung der medizinischen Verbrechen im Dritten Reich fand nicht statt. Die etablierte Ärzteschaft tat sich schwer mit einer offenen und ehrlichen Vergangenheitsbewältigung. b1

Drei Präsidenten der Bundesärztekammer nach 1945 waren Mitglieder in der SA oder SS gewesen. 1993 wollte sich einer von ihnen - Hans Joachim Sewering - zum Präsident des Weltärztebundes wählen lassen. Protest aus dem Ausland verhinderte jedoch seine Wahl, da er 1943 die Euthanasie-Ermordung eines 14-jährigen Mädchens mitverschuldet hatte. b1

Auch der Göttinger Rechtsmediziner Klaus-Steffen Saternus sieht großen Diskussions- und Aufklärungsbedarf: "Mit der Verwertbarkeit von Menschen rechtfertigten viele die KZ-Experimente", sagt Saternus. b1

[Dr. Peter Langkafel, Autor der erwähnten Studie an der der Humboldt-Universität Berlin:] "Dem Bedürfnis der Studierenden nach Auseinandersetzung mit medizinethischen Themen insgesamt wird die Fakultät in nur geringem Maße gerecht." b2

Interesse an der Verwendung des in Berlin erstellten Fragebogens bekundete nur eine einzige staatliche Stelle – eine israelische Universität. b1


Von Kollegen als Nestbeschmutzer diffamiert [& hinausgeworfen] b1

[Professor Wolfgang Eckart, Leiter des Instituts der Geschichte der Medizin, Heidelberg:] "Dass ein Medizinstudent im Zeitalter ständiger Ethikdebatten sein Studium absolvieren kann, ohne je mit den schlimmsten Auswüchsen medizinischer Forschung konfrontiert zu werden - das kann doch nicht sein!" b1

[Sein] Engagement auf dem Gebiet der Heidelberger Beteiligung in Euthanasieverbrechen und Menschenversuche löst immer wieder Anfeindungen aus. Selbst Kollegen wollen davon nichts mehr hören. Nestbeschmutzer könne man nicht brauchen. b1

Als der junge deutsche Arzt Hartmut Hanauske-Abel in der Fachzeitschrift ,The Lancet' 1986 Material über die Vergangenheit der deutschen Ärzte veröffentlichte, wurde er dafür vom höchsten deutschen Ärztefunktionär Karsten Vilmar persönlich angegriffen und verlor seine Arbeitsstelle. b1


(gefunden via Forum Privates Netzwerk Medizingeschädigter)


Tuesday 19 February 2008

Genitale Zwangsoperationen im Angebot



Die 'Behandlung' von zwischengeschlechtlichen Menschen ist ein lukratives Geschäft, das sich die Medizyner nicht entgehen lassen wollen - und überdies eine "chirurgische Herausforderung", also mit Prestige verbunden. Was will man sich da also lange mit Ethik oder Selbstbestimmungsrecht aufhalten ... da kümmert man sich doch lieber um angemessene Produktewerbung.

Mit einem breit gefächerten professionellen Angebot wirbt beispielsweise die Abteilung Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. Unter dem vertrauenserweckenden Titel "Was wir für Ihre Kinder tun - Unser Spektrum" wird den lieben "Patienten, Eltern, Kollegen und Besucher" ein Einblick in "verschiedene exemplarisch ausgewählte Erkrankungen, deren Entstehung, Diagnostik und Behandlung" geboten. Unter diese fallen auch "Intersex und Adrenogenitales Syndrom":

Die Behandlung beim AGS besteht in einer lebenslangen Hormonsubstitution (Cortison, ggf. Fludrocortison).
Die Vermännlichung des weiblichen äußeren Genitale (Klitorisvergrößerung und verkleinerter Scheideneingang) korrigieren wir um das erste Lebensjahr herum, unter Erhaltung der Gefäß- und Nervenversorgung der Klitoris, operativ.
Für die optimale Betreuung besteht in der Universitätsklinik Heidelberg eine enge Zusammenarbeit zwischen den pädiatrischen Endokrinologen und unseren erfahrenen Operateuren, sowie eine begleitende psychologische Betreuung von Eltern und Kind.

Und gleich darunter wird auf die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Intersexualität hingewiesen:

Aufgrund der besonderen körperlichen, seelischen und sozialen Situation von betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern sind wir an das das bundesweite Netzwerk Intersexualität angebunden. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen.

Unter "Intersex und Adrenogenitales Syndrom" sind wohl alle anderen 'genitalen Abweichungen' gleich mit gemeint, auch wenn nicht explizit erwähnt - und lassen sich also auch gleich mit behandeln!

Wohl nicht die einzige (Krankenhaus-)Homepage, die genitale Zwangsoperationen im Angebot hat respektive letztere als selbstverständlich propagiert (Homepage kinderchirurgie.ch. der schweizer Chirurgen Dr. Johannes Hirsig aus Embrach und Dr. Peter Sacher, Belegarzt am Merian Iselin Spital in Basel, beide Fachärzte für Kinderchirurgie FMH, European Board Certified Pediatric Surgeons, für die Gonadektomie bei CAIS lediglich eine "Frage des Zeitpunktes" ist, obwohl Studien das Entartungsrisiko als gering einstufen). Und wohl nicht das letzte Mal, dass das 'Label' Netzwerk Intersexualität der Legitimation von genitalen Zwangsoperationen dient, statt dazu, "die Diagnostik & Therapie, die medizinische & psychosoziale Versorgung für Betroffene und ihre Familien zu verbessern, sowie Aufklärung und respektvolle Kommunikation" zu unterstützen.

Sunday 10 February 2008

Zwischengeschlechtliche ehrten Milton Diamond

Am 30. Januar 2008 fand am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf UKE in Hamburg das 2. Interdisziplinäre Forum zur Intersexualität (öhm Disorders of Sex Development, DSD) statt. 

Elisabeth Müller überreicht Milton Diamond im Namen des Vereins den Preis (Bild: Seelenlos)

Bewegender Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Auszeichnung Milton Diamonds durch den Verein Intersexuelle Menschen e.V. für sein Jahrzehnte langes Engagement zum Wohle Zwischengeschlechtlichtlicher.
(Ganzen Artikel lesen: unten in verkleinerte Urkunde klicken!)

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Sunday 3 February 2008

2. Interdisziplinäres Forum zur Intersexualität 30.1. in Hamburg

Am 30. Januar 2008 fand am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf UKE in Hamburg das 2. Interdisziplinäre Forum zur Intersexualität (öhm Disorders of Sex Development, DSD) statt. Die Leiterin der Hamburger Forschergruppe Intersexualität, Frau Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, lud zusammen mit ihrem Team zu einem spannenden Nachmittag und Abend im Festsaal des Erikahauses ein. Neben Medizinern waren mehrere prominente Rednerinnen und Redner zu Gast, die sich seit Jahren für das Wohl Zwischengeschlechtlicher einsetzen. Wir freuten uns insbesondere über die Anwesenheit von Milton Diamond, der aus Hawaii angereist war. Auch Betroffene und Angehörige nahmen am Forum teil. Wir waren auch vor Ort und verteilten Flugblätter für die Demo am 6.2. in Köln.


MEDIZIN

Neben Hertha Richter-Appelt, die sich klar und fortschrittlich für die Bedürfnisse von Betroffenen aussprach, schlugen auch Mediziner positive Töne an. Dr. Gernot Sinnecker betonte beispielsweise die Selbstbestimmung Zwischengeschlechtlicher, machte diese jedoch letztendlich von der Akzeptanz der Eltern abhängig. Die Tatsache, dass er bei seinen Ausführungen bevorzugterweise "sollte" statt "muss" verwendete, hinterliess einen - altbekannten - zwiespältigen Eindruck.


RECHT

Die rechtlichen und ethischen Fragestellungen bei geschlechtszuweisenden Operationen im frühen Kindesalter betonte RA Dr. Oliver Tolmein, der bereits Michel Reiter in seinem Kampf um einen optionalen 3. Geschlechtseintrag für Zwischengeschlechtliche unterstützt hatte. Er wies unter anderem (wie auch schon die Moderatorin Konstanze Plett z.B. 2001) einmal mehr darauf hin, dass das Einwilligungsrecht der Eltern für Kastrationen nicht gegeben ist und kritisierte ihr "Bemühen um Normalitätswahrung als verdeckte Motivation" für operative Zwangszuweisungen. Und wies auf die Diskrepanz hin, wenn Ärzte vor Gericht als Experten aussagen, obwohl ein anderer Arzt angeklagt wird wie z.B. im von Christiane Völling angestrengten "Zwitterprozess".


BETROFFENE

Die zwischengeschlechtliche Claudia Kreuzer zeigte eindrücklich auf, mit welchen gesundheitlichen Problemen Zwischengeschlechtliche aufgrund psychischer Traumatisierung, Kastration und contrachromosaler Hormonersatztherapie leben müssen.

Und welche Steine ihnen zusätzlich in den Weg gelegt werden, wenn sie beispielsweise eine Lebensversicherung abschliessen wollen:



MILTON DIAMOND



Bewegender Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Auszeichnung Milton Diamonds durch den Verein Intersexuelle Menschen e.V. für sein Jahrzehnte langes Engagement zum Wohle Zwischengeschlechtlicher. >>> mehr dazu hier


Milton Diamond referierte anschliessend über seine von Menschlichkeit und Respekt geprägte Arbeit. Im Gegensatz zu den Referaten von Dr. Sinnecker und Dr. Holterhus trugen die von Milton Diamond mit ihrer Zustimmung fotografierten Individuen keinen schwarzen Balken über den Augen, sondern schauten als würdevolle Menschen in die Kamera.
Diamond erwähnte auch Christiane Völling und ihren Prozess als bedeutendes Ereignis für die zwischengeschlechtlichen Menschen in Europa.

Diamond plädierte für eine Umbenennung von DSD in "Diversities of Sex Development und schloss mit den Worten: "Nature loves variety but society hates it. Cherish diversity!"


Die Zeit, die für die abschliessende Podiumsdiskussion übrig blieb, war leider knapp und reichte für ein kurzes Statement zu den zwei wichtigsten Punkten betreffend Behandlung Zwischengeschlechtlicher durch jede Referentin und jeden Referenten. Die Mutter eines vierzehnjährigen zwischengeschlechtlichen Menschen hielt eine bewegende Rede, die leider zeigte, dass Ärzte immer noch Eltern ein "Reden Sie mit niemandem darüber!" mit auf den Weg geben.

"Wir sitzen alle im selben Boot", meinte Hertha Richter-Appelt am Ende der Veranstaltung. "Wir aber sind angekettet", so der lapidare Kommentar einer Geschlechtsgenossin. Die geäusserten Überlegungen lassen zwar auf ein Umdenken hoffen. Dass beispielsweise auf eine Kritik an contrachromosomalen Hormonersatztherapien nicht eingegangen wird, obwohl z.B. AIS-Betroffene fast ausnahmslos von einer Verbesserung ihres Befindens nach Umstellung auf Testosteron oder eine Mischung aus Testosteron und Östrogen berichten, zeigt jedoch: Es ist noch ein weiter Weg, bis wirklich nachhaltige Veränderungen in der Behandlung zwischengeschlechtlicher Menschen Realität werden. So weigern sich z.B. Ärzte und Kassen meist nach wie vor, korrekte Rezepte für nicht-contrachromosomale Hormonersatztherapien auszustellen bzw. die Kosten dafür zu übernehmen.

Christiane Völlings Kampf um Gerechtigkeit am 6.2. vor dem Landgericht Köln ist ein erster Schritt in diese Richtung ...



nachtrag: Zeitungsartikel mit Ankündigung des Forums im Hamburger Abendblatt v. 28.01.08:

Was tun, wenn Menschen Merkmale beider Geschlechter haben?

Monday 28 January 2008

Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll


Christiane und ihr Rechtsanwalt Georg Groth im Landgericht, 12.12.07 (Bild: Ruhr Nachrichten)

Christiane Völling fordert nicht nur im Aufsehen erregenden "Zwitterprozess" Gerechtigkeit für das an ihr begangene Unrecht, sondern will auch die ihr aufgezwungene männliche Rolle für immer ablegen und in Zukunft als Frau leben. Sie beantragte deshalb unabhängig von der Strafanzeige gegen ihren Operateur a) beim Amtsgericht Kleve eine Personenstands- und Vornamensänderung und stellte b) beim MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) einen Antrag für die chirurgische Wiederherstellung ihres Geschlechts.

Beide Anliegen stossen bei den zuständigen Behörden auf vehementen Widerstand:

Seit 18 Monaten zieht sich nun die Personenstandsänderung beim Amtsgericht hin. Christiane Völling ist immer noch als Thomas Völling eingetragen. Trotz "eingereichter Unterlagen" und "deutlich formulierten Erklärungen über Intersexualität" versucht der Amtsrichter, Christiane Völling als Transsexuelle darzustellen, sie zu einer Personenstandsänderung nach dem Transsexuellengesetz zu drängen und den entsprechenden Begutachtungsprozess durchlaufen zu lassen.

Dieselbe Taktik verfolgt auch der MDK-Gutachter in Köln. Dr. med. Hans-Günter Pichlo, Transsexuellen-Gutachter der MDK Nordrhein, versucht mit allen Mitteln, Christiane Völling Transsexualität unterzuschieben, obwohl die vorhandenen medizinischen Unterlagen Klartext reden. Er verlangt ständig nach neuen Unterlagen, um das Ganze zu verzögern und zu keinem Urteil kommen zu müssen.

Dieses Vorgehen hat System und ist den meisten Zwischengeschlechtlichen bekannt, die nach einer Zwangsgeschlechtszuweisung eine Wiedergutmachung fordern: Mediziner schieben gerne eine 'Identitätsstörung' vor, um Zwangsoperationen vertuschen zu können. Da Transsexualität medizinisch auch heute noch als 'psychische Störung' gilt, schlägt diese Ausflucht zwei Fliegen mit einer Klappe.

Es geht – wie so oft – um Geld: Gelingt es dem MDK-Gutachter nicht, Christiane Völling eine 'psychische Störung' unterzujubeln, müsste er eine Fehlbehandlung eingestehen. Dies ist aber nicht erwünscht: Die Indikation 'Rehabilitation nach Fehlbehandlung' würde eine Schmerzensgeldforderung rechtfertigen. Damit würde es sich der MDK-Gutachter mit seinen Kollegen und den Haftpflichtversicherern verscherzen. Erst recht, da beim Landgericht Köln zur Zeit Christianes Strafanzeige hängig ist.

Deshalb bedienen sich das Amtsgericht und der MDK-Gutachter einer bewährten Vertuschungs- und Hinhaltetaktik: Der MDK-Gutachter verlangt von Christiane Völling vorgängig die geänderte Personenstandsurkunde. Damit stehen beide Verfahren still, "denn ohne Urkunde keine Empfehlung des Gutachters", ohne Empfehlung keine Kostenzusage der Krankenkasse, ohne Kostenzusage keine "Rekorrektur-OP", ohne Operation keine geänderte Personenstandsurkunde. Ein ausgeklügelter bürokratischer Teufelskreis mit dem Ziel, ein Mediziner-Opfer abermals über den Tisch zu ziehen und mundtot zu machen!

Christiane Völling wird dafür bestraft, dass sie in Köln vor Gericht geht und ihren damaligen Operateur wegen schwerer Körperverletzung anzeigt. Nicht Gerechtigkeit soll das begangene Unrecht wieder gut machen, sondern neue Ungerechtigkeit das begangene Unrecht vertuschen!

"Dies ist ein Skandal für diesen 'Rechts'-Staat!" meint Christiane Völling.

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.


--> Christianes Geschichte in ihren eigenen Worten

--> Sieg in erster Instanz für Christiane!

--> Praktische Solidarität mit Christiane Völling

Saturday 29 December 2007

Netzwerk will Forum schliessen

Das Netzwerk "Intersexualität" (alias Störungen, äh, Besonderheiten der Geschlechtsenwicklung DSD) ruft seit dem 21. Dezember dazu auf, darüber abzustimmen, ob das Netzwerk-Forum geschlossen werden soll. Begründung: "dass es viele lesende Gäste gibt, aber wenig schreibende".

Da nächstes Jahr die Fördergelder für das Netzwerk sowieso auslaufen, überrascht es wenig, dass das Forum über die Feiertage und im Januarloch still beerdigt werden soll.

Meine Erfahrung mit dem Forum ist ebenfalls, dass auf konkrete Anfragen keine Antworten seitens der Forumsbetreiber erfolgen oder dass zu kritische Beiträge gelöscht werden.

Es liegt am Betreiber des Forums, sprich dem Admin, ob und wie ein Forum funktioniert. Der Admin des Netzwerk-Forums hat seit seiner Anmeldung 11.04.2005 lediglich 11 Beiträge verfasst (die Umfrage zur Abschaffung des Forums mit inbegriffen). Dies ergibt 4 Posts pro Jahr. Zum Vergleich: User "frances" hat in 22 Monaten 102 Posts verfasst.

Der Vorwurf, auf diesem Forum werde zu viel gelesen und zu wenig geschrieben, fällt also auf den Absender zurück (vorausgesetzt die vom Netzwerk lesen überhaupt im Forum).

Statt zu versuchen, die Verantwortung für die Schliessung des Forums an die User abzuschieben, sollten sich die Forumsbetreiber lieber darum kümmern, dass endlich "ein wirklich aktives Forum" (Frances) entsteht! Die Frage ist, ob sie das überhaupt wollen.

Ich rufe alle Zwischengeschlechtlichen dazu auf, an der Abstimmung teilzunehmen.

PS: Und ja, auch eure Meinung dort als Kommentar zu hinterlassen (siehe Kommentar hier von Claudia).

Thursday 15 November 2007

Ein Mädchen machen II

--> Teil I

Auszug aus meiner Krankenakte:


„Befunde:
Die hypertrophische Klitoris steht über eine Länge von 2-3cm penisartig vor. Zustand nach operativer Eröffnung des Sinus urogenitalis, es findet sich in der Mittellinie eine Narbe (partieller Verschluss des Sinus urogenitalis nach der 1. Operation), es bleibt noch eine Restöffnung von knapp einem cm Länge. Ein Ballonkatheter Charr.10 kann mühelos durch die Urethra in die Blase eingeführt werde, eine Vagina lässt sich nicht sondieren.

Vorgehen:

1. (...)

2. Klitorisrückversetzung nach Pellerin: Hochziehen der Klitoris an einem Halterfaden und Y-förmige Incision an der Unterfläche derselben bis zum Sinus. Nach zirkulärer Durchtrennung der Vorhaut dorsal-und lateralseits, wobei ein wenige mm breiter Saum an der Glans verbleibt, kann die zu einem Hautlappen ausgebreitete Vorhaut von den Schwellkörpern der Klitoris freipräpariert werden. Nun wird ventralseits die Chorda excidiert und die nach beiden Seiten abgehenden Crura clitoridis über eine Strecke von 1cm dargestellt. Schliesslich Trennung der Corpora cavernosa der Klitoris in der Mittellinie (keine wesentliche Blutung) und Adaptatation durch 2 kräftige Nylon-EKN der Glansrückfläche an die Aufzweigungsstelle der Crura clitoridis. Dadurch wird die Glans clitoridis um 2-3cm rückversetzt und die beiden Corpora cavernosa schlingenförmig zur Seite verlagert. Adaption dieser beiden Schlingen unter sich und mit den Crura clitoridis mit Nylon-EKN. Nach Kürzung der zu lange gewordenen Vorhaut werden die Wundränder wiederum mit Chromcatgut-EKN adaptiert. Einlegen einer Vioform-Mèche in den Sinus und auf die rückversetzte Klitoris.

10. Februar 1972
Ka/wä

(...)“

"P(o)stoperativ musste der Patientin wegen eines leichten Schocks PPL verabreicht werden. Beidseits der Clitoris sind starke Hämatome aufgetreten, (...). Das Kind war immer afebril. Der Husten hielt fast unvermindert an, (...)."

(Schwester "Annemarie" war dann für die Wundversorgung und das „nachts beide Hände anbinden“ zuständig.)

Und zack zack geht's weiter am Fliessband ...

"Heute (19.2.72) wurde Daniela wieder in die Kindermedizin zurückverlegt in der Hoffnung, dass im laufe der nächsten Woche der Herzkatheterismus durchgeführt werden kann. Wenn die Operationswunde wie bisher weiter komplikationslos abheilt, dürfte für diesen Eingriff, bei dem Inguinal eingegangen werden muss, nichts im Wege stehen."

Friday 9 November 2007

Wer weiss ...

... vielleicht spielen ja Professor Rauchfleisch und Professor Radmayr zusammen Golf und diskutieren über ihre persönlichen Handicaps ...

Thursday 8 November 2007

Studie zur Situation Intersexueller beweist: Mediziner scheitern


Der Artikel in der TAZ vom 6. November 2007 (Kommentare nicht vergessen!) berichtet über die Ergebnisse der Hamburger Studie und zeigt wieder einmal:

Obwohl die Ergebnisse der Studie beweisen, dass die Medizin "mit ihrem Versuch, per Skalpell ein gesellschaftliches Problem zu lösen" gescheitert ist, findet kein wirkliches Umdenken statt. Prof. Hiort spricht von einem "Dilemma der Pädiatrie, aus dem es kein Entkommen gibt", nämlich, dass "Erwachsene über die Behandlung von Kindern entscheiden". Ich habe Mitleid mit den armen Erwachsenen/Mediziner, die weiterhin Operationen an Intersexuellen vornehmen "müssen"!

Es geht also wieder einmal nicht um die Perspektive der intersexuellen Kinder, vielmehr wird ihnen die Fähigkeit zur selbstbestimmten Entscheidung von vornherein abgesprochen. Zudem bezweifelt Prof. Hiort, "dass die Aktivisten, die ihre traumatischen Erfahrungen vor bis zu dreißig Jahren gemacht haben, für jene sprechen können, die heute mit nicht eindeutigem Genitale geboren und behandelt werden".

Wie gehabt heisst es also für die Mediziner weiterhin: Erwachsene Nicht-Intersexuelle entscheiden über Körper und Geist von intersexuellen Kindern. Und intersexuelle Erwachsene sollen gefälligst die Klappe halten! Denn diese sind vorsintflutliche Radaumacher, die aus einer Zeit stammen, wo die Ärzte noch ganz böse waren, was ja heute nicht mehr der Fall ist.

Das hatten wir doch schon: "Macht wird nicht gerne aus der Hand gegeben – schon gar nicht in Kinderhände" ...

Nachtrag: Inzwischen berichtete auch die Springer-Zeitschrift "Gynäkologische Endokrinologie" 04/2007: "Die Behandlungsunzufriedenheit von Intersexuellen ist nach der Hamburger Intersex-Studie eklatant hoch."

Monday 5 November 2007

Zuviel für eine Frau, zu wenig für einen Mann: das intersexuelle Genital II

--> Teil I

Seit es im Fernsehen Sendungen gibt, wo man die Gallensteinentfernung oder die operative Trennung siamesischer Zwillinge verfolgen kann, ist man sich so einiges an blutigen Bildern gewohnt, da sie letztendlich die Erhaltung von Leben und Gesundheit dokumentieren. Operationen an intersexuellen Genitalien stellen jedoch keine lebenserhaltenden Eingriffe dar und werden ohne die Einwilligung des Kindes durchgeführt. Es wird in Kauf genommen, dass das Kind später die Geschlechtszuweisung als falsch empfindet und/oder dass sein sexuelles Empfinden vermindert oder gänzlich verunmöglicht wird.

Ergo: Diese Operationen werden in der Folge vertuscht. Das Kind wird angelogen und auch psychisch in die ihm zugewiesene Geschlechterrolle gedrängt. Wer sagt schon zu einer jungen 'Frau', die als Kind operiert wurde: Wir haben dein Genital in Richtung weiblich korrigiert, weil es für einen richtigen Mann nicht ausreichte und wir dir Kummer ersparen wollten. Aber eigentlich bist du genetisch männlich und hast auch einen männlichen Chromosomensatz.

Zuviel für eine Frau, zu wenig für einen Mann: das intersexuelle Genital I

Dem kleinen Kind, über das ich in einem früheren Eintrag berichtet habe, wurden ohne seine Zustimmung die gesunden inneren Fortpflanzungsorgane entfernt. Sein äusseres Genital war jedoch männlich genug und blieb deshalb intakt. In den meisten Fällen werden intersexuelle Kinder zusätzlich an ihrem Genital zwangsoperiert, falls dieses uneindeutig ist.

Wer es immer noch nicht glauben kann: Wie das aussieht, wenn ein intersexuelles Kind ohne seine Zustimmung an seinen Genitalien zwangsoperiert wird, kann einem Referat (pdf-download) entnommen werden, das Universitätsprofessor Christian Radmayr freundlicherweise als PowerPoint-Präsentation ins Netz gestellt hat. Professor Radmayr ist Mediziner an der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Urologie und als österreichische Koryphäe in der Behandlung von Intersexuellen bekannt.

--> Teil II

Sunday 28 October 2007

Pressemitteilung 1

Folgende Pressemitteilung wurde unter anderem an die Schweizerische Ärztezeitung (Redaktion Ethik) versandt, die es bisher jedoch - wie zu erwarten war - nicht nötig hatte, dazu in irgend einer Form Stellung zu nehmen.


PRESSEMITTEILUNG

Genitale Zwangsoperationen – Arzt wegen Körperverletzung vor Gericht


Jedes Jahr werden in den Industrieländern Tausende von Kindern ohne ihre Einwilligung an ihren Genitalien zwangsoperiert. Die meisten tragen massive psychische und physische Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang leiden.

Diese Operationen verfolgen keinen medizinischen Zweck, sondern dienen ausschliesslich dazu, ihre uneindeutigen Geschlechtsmerkmale möglichst rasch unwiderruflich zu vereinheitlichen. Trotzdem weigern sich die Ärzte, diese Eingriffe aufzuschieben, bis die Kinder alt genug sind zum Mitentscheiden. Zum ersten Mal wird nun in Europa ein Arzt wegen Körperverletzung vor Gericht gestellt.

Schweizer Ärzte nervös

Bisher weigerten sich die Schweizer Ärzte standhaft gegen jegliches Umdenken. Seit sich Betroffene in Selbsthilfegruppen organisieren und diese menschenrechtswidrigen Praktiken anprangern, geraten sie jedoch zunehmend in Legitimationszwang. Die Debatte in der Schweizerischen Ärztezeitung 47/2006 ist Ausdruck davon. Während die anonym bleibenden Mediziner und die Redaktion Ethik der Ärztezeitung sich in absurden Rechtfertigungsversuchen verlieren, kritisierten zwei Ethikexpertinnen die Unhaltbarkeit der immer noch gängigen Praxis.

Wie üblich in der Debatte übergangen wurden die Betroffenen. Nachfolgend einige Betrachtungen aus ihrer Perspektive:

Fortsetzung: "Medicine goes gender"

Thursday 18 October 2007

"Medicine goes gender"

In der Schweizerischen Ärztezeitung 47/2006 erschienen folgende 3 Beiträge zum Thema Ethik und Umgang mit Intersexualität (pdf-downloads):

1. Das ethische Dilemma bei Geschlechtszuweisungen (Anonym/Redaktion Ethik)

2. Medicine goes gender (Kathrin Zehnder)

3. Ethik: Zum Umgang mit Intersexualität (Nikola Biller-Andorno)


Kommentar in 3 Teilen:


Das Individuum

Im beschriebenen Fall werden zwei Lösungsmöglichkeiten erläutert, die einschneidende operative Eingriffe mit sich bringen. Einem Kind sollen gesunde Ovarien und ein funktionsfähiger Uterus entfernt bzw. ein Penis zu einer Klitoris "reduziert" werden. (2.)

Einmal mehr: Ein sechsjähriges Kind wird bevormundet und entmündigt, wird nicht zu seinen Gefühlen und Gedanken befragt. Offizielle Begründung:

Das kindliche Alter des Patienten bedingt, dass der aktuell 6jährige gar nicht recht mitentscheiden kann, dass also Eltern und beteiligte Ärzte für sein späteres Wohl entscheiden müssen (Konzept der Beneficience). (1.)

Was zum Beispiel für die Soziologin Kathrin Zehnder selbstverständlich ist, findet in die Überlegungen der Mediziner keinen Eingang: dem Kind wird jegliche Fähigkeit zu verstehen oder zu entscheiden von Vornherein abgesprochen. Obwohl die Operationen aufgeschoben werden können, wird arrogant und selbstherrlich über seinen Kopf hinweg entschieden - ein und für allemal. Kathrin Zehnder:

Die Geschlechtsoperationen stellen keine Notfallmassnahmen dar, sind also aufschiebbar, jedoch nicht rückgängig zu machen. Es scheint auf den ersten Blick unerklärlich, warum überhaupt darüber nachgedacht wird, solche Eingriffe bei einem Fünfjährigen vorzunehmen. (2.)

Auch Dr. med. Nikola Biller-Andorno, Professorin für Biomedizinische Ethik an der Universität Zürich, plädiert "angesichts des relativ geringen Schadens/Risikos" dafür, den "schwerwiegende[n] medizinische[n] Eingriff" aufzuschieben:

Dem Kind könnte derzeit durch Hormongaben eine Weiterentwicklung in der Knabenrolle ermöglicht werden, ohne durch eine Operation bereits irreversible Fakten zu schaffen. (...) Insbesondere könnte der "Junge" später selbst entscheiden, wie er seine geschlechtliche Identität gestalten möchte. (3.)

Doch mit solchen Kinkerlitzchen hielten sich die anonym bleibenden "behandelnden Mediziner" auch im vorliegenden Fall nicht lange auf: Das Kind wird kurzerhand als "krank" bezeichnet. Definitionsmacht der Medizin ... Und Macht wird nicht gerne aus der Hand gegeben – schon gar nicht in Kinderhände:

Der Knabe (sic!) selbst konnte bisher nur bedingt über seine Krankheit orientiert werden. Er weiss, dass er an der gleichen Hormonstörung leidet wie seine Schwester und dass (wie bei ihr bereits geschehen) gelegentlich eine Operation durchgeführt werden muss (Korrektur der Hypospadie, gleichzeitig auch Hysterektomie [?] (im Original) und Ovariektomie oder Korrektur des äusseren Genitales). (1.)

Dafür soll "er" anschliessend "langfristig" kinderpsychiatrisch begleitet werden. Das nennt man dann wohl Arbeitsbeschaffung.


Die Gesellschaft

Ein drittes Geschlecht ist bei uns derzeit nicht "gesellschaftsfähig", wie es die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie zu Störungen der sexuellen Differenzierung (1999) formuliert. (3.)

Der Entscheid, das Kind als Junge aufwachsen zu lassen, was eine Entfernung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane und eine lebenslange Substitution mit männlichen Hormonen zur Folge hat, stützt sich darauf, "dass das Kind als einziger Knabe in seiner Familie eine besondere Stellung als männlicher Nachkomme" hat, "die ihm auch nach Aufklärung der Eltern über die chromosomale und anatomische Situation erhalten" bleiben wird. Die "mögliche Umwandlung des Kindes zu einem Mädchen und damit die Erhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit" wird von den Eltern sowieso "eindeutig weniger stark gewichtet". Denn aufgrund des muslimischen Glaubens würde der Knabe "wegen der wichtigen männlichen Rolle in seiner Gesellschaft auch als 'unvollständiger Mann' seine 'Wertigkeit' behalten".

Zudem geht die Herkunft der Eltern aus dem moslemischen Land mit einer sehr schicksalsergebenen Haltung und einer Passivität im Entscheidungsprozess einher, so dass der Entscheid fast vollständig dem behandelnden Arzt übergeben wird. (1.)

Nicht das betroffene Individuum entscheidet also über seinen eigenen Körper, sondern die kulturbedingte Geschlechterrolle, die Eltern, die Religion. Oder deren selbsternannte Vertretung: die Mediziner.

Ethik-Expertin Nikola Biller-Andorno resigniert:

Gleichwohl erwähnen Leitlinien wie auch medizinische Literatur inzwischen zumeist die Forderung kritischer Stimmen, Geschlechtszuordnungen bis zur Einwilligungsfähigkeit zurückzustellen und Intersex als drittes Geschlecht anzuerkennen, wenn auch der Verweis auf diese Position in der weiteren Argumentation in der Regel folgenlos bleibt. (3.)


Theorie und Praxis

Theoretisch könnte die Entscheidung der operativen Korrektur vertagt und der Knabe im Alter von etwa 15 Jahren in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. (1.)

Praktisch findet am 12. Dezember 2007 in einer Stadt in Deutschland ein Prozess statt, in dem ein Arzt wegen Körperverletzung angeklagt wird. Von einem zwischengeschlechtlichen Menschen, dessen AGS wie im vorliegenden Fall erst spät erkannt wurde, der seiner inneren weiblichen Fortpflanzungsorgane beraubt wurde und an der ihm aufgezwungenen männlichen Rolle bis heute leidet.

Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Zwischen Spekulation und Nachfragen. Zwischen Bevormundung und Autonomie.

Friday 5 October 2007

Ein Mädchen machen I

„1. Aeusseres Genitale: Prima vista aussehend wie bei AGS. Der Penis ist 2 cm lang, das Scrotum nicht ausgebildet, sondern in Form von zwei Labia majora vorhanden. Kein Sinus urogenitalis, beim Perineum befindet sich die Mündung der Urethra. Diese ist nicht stenosiert, sie weist dorsalseits eine reizlose Narbe auf.
(...)
7. Weiteres Procedere: Ich habe den Fall unmittelbar nach der Cystoskopie nochmals mit Herrn Prof. B[...] besprochen. Es liegt seiner Ansicht nach ein männliches Geschlecht mit Hypospadie vor. Obwohl er selbst bei der früheren Beurteilung und vor der Castratio anwesend war, glaubt er retrospektiv doch, dass ein Fehler begangen wurde. Die Situation ist nun jedoch so, dass auf diesem Wege fortgefahren werden muss und aus dem kleinen Patienten ein Mädchen gemacht werden muss. Zur Frage der Vaginalplastik äussert er sich so, dass diese sobald wie möglich durchgeführt werden sollte und nicht erst dann, wenn sich das Kind darüber im Klaren wird.“

(Auszug aus meiner Krankenakte)

So etwas verfolgt einen ein Leben lang und es geht dabei nicht um die Frage, ob ich mich nun eher weiblich oder eher männlich fühle, ob ich persönlich mich nun für weiblich oder männlich entschieden hätte, sondern darum, dass über mich entschieden wurde, dass ich dort, vor langer Zeit, in einem Raum, zu dem meine Eltern keinen Zugang hatten, auf einem Tisch lag und fremde Menschen um mich herum standen, über meine kleinen Körper entschieden, mich aufgeschnitten und mir etwas genommen haben. Für immer. So etwas verfolgt einen ein Leben lang.

Teil II

Tuesday 18 September 2007

Netzwerk Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders

Als im Januar 2004 das Netzwerk Intersexualität ins Leben gerufen wurde, schien endlich ein konkreter Schritt hin zur Verbesserung der Situation von intersexuellen Menschen getan zu sein. Hier eine Kurzbeschreibung über Sinn und Zweck des Netzwerks:

''Das «Netzwerk Intersexualität» (Start Januar 2004) befasst sich mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (Disorders of Sex Development - DSD).

(...)

In Zusammenarbeit mit den Selbsthilfeinitiativen und den medizinischen Kooperationspartnern wollen wir die Diagnostik & Therapie, die medizinische & psychosoziale Versorgung für Betroffene und ihre Familien verbessern, sowie Aufklärung und respektvolle Kommunikation unterstützen.

Die teilnehmenden Forschungsprojekte arbeiten am besseren Verständnis der molekularen Grundlagen, der Evaluation von Behandlungsoptionen und der Bewertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die häufig mit so genannten uneindeutigen primären Geschlechtsmerkmalen geboren werden, oder deren sekundäre Geschlechtsentwicklung zu einem späteren Zeitpunkt anders verläuft, als gemeinhin erwartet.''

Ende August fand ein Netzwerktreffen in Bochum statt, an dem einige intersexuelle Menschen als Vertreter dabei waren.

Was sie berichten, stimmt nicht gerade zuversichtlich. Vielmehr entsteht der Eindruck, als wäre die Beteiligung von Intersexuellen am Netzwerk eine Alibiübung, ein wirklicher Dialog findet nicht statt.

Hier zur Information die beiden offenen Briefe an das Netzwerk Intersexualität:

Offener Brief von Lucie an das Netzwerk Intersexualität

Offener Brief von Claudia Kreuzer an das Netzwerk Intersexualität

Offener Brief von Lucie an das Netzwerk Intersexualität

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Thyen,

Ein offener Brief an den Vorstand des Netzwerkes- IS, den Vorstand und die Netzwerkmitglieder, die Selbsthilfegruppen und Vereine und Interessierte.

Seit mehr als 3 Jahre bin ich Mitglied des Netzwerkes –IS, ein förderndes Mitglied. Als intergeschlechtlicher Mensch habe ich mich dem Netzwerk angeschlossen, weil ich in den Zielen des Vereines die Interessen der intergeschlechtlichen Menschen zu finden glaubte, die mir und meine intergeschlechtlichen Freunde das Leben erleichtern und verbessern könnten.

Das Netzwerk-IS – Jahresversammlung fand im Endokrinologikum Ruhr in Bochum statt. Die Tagungspräsidentin hatte alles Organisatorische zur besten Zufriedenheit geregelt.

Die Versammlung begann um 10.00 Uhr und die Teilnehmer wurden von der Tagungspräsidentin und den Netzwerksprechern begrüßt. Nach Feststellung der Formalien,