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Die Mediziner

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Sunday 31 January 2010

"Tag der seltenen Krankheiten"-Symposium 26.2.10 Hannover: Wem der Schuh passt ...

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung!

Am 28. Februar ist scheints der offizielle "Rare Disease Day" ("Tag der seltenen Erkrankungen"). Dazu gibt's 2 Tage zuvor am 26.2. in der Medizinischen Hochschule Hannover ein Symposium, veranstaltet von Orphanet Deutschland / Institut für Humangenetik. Der >>> Flyer dazu (PDF) wurde auch von der Selbsthilfegruppe XY-Frauen kommentarlos rundgemailt, wohl wegen folgendem Programmpunkt (in der üblichen, scheinbar gottgegeben Reihenfolge):

16.10 –16.30 Uhr
Transidentität und Intersexualität aus Sicht der Patienten
Andrea T. Ottmer (Dt. Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. [DGTI]) 

Wem der Schuh passt ...

Saturday 30 January 2010

Georg Klauda über Knut Werner-Rosen ("Netzwerk DSD/Intersexualität") und Psychologen als Windfahnen

Menschenrechte auch für Zwitter!

In einem >>> Vortrag vom 5.6.2002 an der Freien Universität Berlin zum Themenabend "Medizin und Verbrechen" im Rahmen der Reihe >>> "Beiträge zur Biotechnologie- und Medizinkritik" kritisierte Georg Klauda explizit den Berliner Psychotherapeuten und heutiges "Netzwerk DSD"-Mitglied Knut Werner-Rosen.

Knut Werner-Rosen fungiert seit längerem als öffentliches Aushängeschild des sog. "Berliner Modells", dass nebst der (offensichtlich nach wie vor als vorrangig betrachteten) endokrinologischen und chirurgischen "Betreuung" von Anfang an auch psychologischen Support für Eltern und zwischengeschlechtliche Kinder vorsieht – prinzipiell erstmal etwas Positives.

Dennoch geriet und gerät Knut Werner-Rosen immer wieder in die (berechtigte) Kritik von Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern, da auch er offensichtlich prinzipell zuerst mal auf seiner eigenen Seite steht und, wo es aus der Perspektive seines Einkommens vorteilhafter erscheint, als Opportunist auch Zwangsoperationen befürwortet und mitträgt und sich so zum Mittäter macht.

Nachfolgend die Werner-Rosen betreffenden Abschnitte aus Georg Klaudas auch sonst lesenswertem Vortrag:

[...] Als repräsentativ [für die Psychiatrisierung der Hermaphroditen] kann dabei auch das Auftreten des Psychotherapeuten Knut Werner-Rosen bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur "Situation intersexueller Menschen" gelten, das am 27. Februar diesen Jahres stattfand. Seit einigen Jahren arbeitet der Seelenklempner Werner-Rosen mit der Serienverstümmlerin Prof. Annette Grütters an der Virchow-Klinik zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, den Eltern des verstümmelten Kindes eine Gehirnwäsche zu verpassen: Sie sollen die Behandlung und das neue Geschlecht ihres Kindes unter keinen Umständen in Zweifel ziehen. Trotzdem interessierte sich Werner-Rosen auf dem Fachgespräch nicht im geringsten für die Frage, ob medizinische Eingriffe nun notwendig seien oder nicht. Vielmehr ging es ihm an diesem Tag allein darum, die psychotherapeutische Behandlung künftig regulär bei den Krankenkassen abrechnen zu können, ob mit oder ohne Verstümmelung.

Das Thema seines Vortrags "Kann die Gesellschaft Intersexualität verkraften?" begann er deshalb mit dem ungeheuerlichen Satz, das Verkraften beginne ja schon damit, dass er durch die Teilnahme an diesem Fachgespräch auf 300 Euro Honorar verzichte. Kein Zweifel: So jemand wie Werner-Rosen wird auch nach der Abschaffung der Zwangsverstümmelungen an Hermaphroditen sein Geschäft machen.

Verquere Verbindungen

Werner-Rosen steht dabei in Verbindung zu dem Studiengang Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin, an dessen Praxistag er den Studierenden sein Berufsfeld vorstellte. Unübersehbar gibt es auch sonst eine enge Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Gender-DekonstrukteurInnen in der Sexualmedizin und der nicht minder professionalisierten Variante derselben Spezies in den Kulturwissenschaften. Beide Sparten des Betriebs sind nicht nur in einem Studiengang vereinigt, sondern stützen sich auch inhaltlich gleichermaßen auf radikalkonstruktivistische Prämissen, nämlich auf die Behauptung, dass Menschen bei Geburt ein "unbeschriebenes Blatt" seien, denen man nach Belieben und chirurgischer Machbarkeit eine Männer- oder Frauenrolle zuweisen könne. [...]

Weitere von Georg Klauda im vorliegenden Vortrag angeschnittene Themen sind die entwürdigende Praxis der wiederholten medizinischen Zurschaustellung von Zwitterkindern inkl. Genitalaufnahmen; wie mit dem bundesfinanzierten "Netzwerk DSD/Intersexualität" der Bock zum Gärtner gemacht wurde, indem ausgerechnet die Zwangsoperateure & Co. zum Beurteilen (bzw. Vertuschen) der von ihnen angerichteten Schäden hinzugezogen wurden; das Positivbeispiel der geläuterten Medizinerin Prof. Ursula Kuhnle; das Negativbeispiel Heino Meyer-Bahlburg; die u.a. von Prof. Helmuth-Günther Dörr propagierten unethischen pränatalen Dexamethason-Therapien und ihre Nebenwirkungen; und "warum alle zuschauen, während in den Kliniken vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert wird", u.a.m.

>>> Ganzer Vortrag    >>> Georg Klauda über Instrumentalisierung 

Monday 25 January 2010

Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Meine 2 Cent:

1) Die Kinderchirurgen führen das Skalpell, sie verursachen die Schäden unmittelbar und persönlich.

Auch wenn sie dies möglicherweise guten Glaubens tun, stehen sie trotzdem in der Verantwortung, erst recht, wenn die Eingriffe seit langem experimentell erfolgen, d.h. ohne dass je klinisch getestet wurde, ob sie für die Operierten überhaupt eine Verbesserung bringen, und wie es mit den Nebenwirkungen ausschaut. Und nochmals erst recht, wenn schon so viele Fälle unzufriedener Erwachsener publik sind, auch in offiziellen Studien.

Da sie zumeist Kleinkinder zwangsoperieren, schützen die Verjährungsfristen die Zwangsoperateure perfiderweise meist vor gerichtlicher Verfolgung. Schon viele betrogenen Eltern und erwachsene geschädigte Zwitter haben versucht, einen Zwangsoperateur vor Gericht zu bringen – erfolglos. Erst 2007 gelang es Christiane Völling als erster – und immer noch einziger! –  praktisch in letzter Minute vor Eintritt  der absoluten Verjährung ihren früheren Chirurgen anzuzeigen und ihn in einem dreijährigen Verfahren über zwei Instanzen erfolgreich auf 100'000.-- Euro Schmerzensgeld zu verklagen. Wäre Christiane wie die meisten Zwitter schon als Kleinkind operiert worden, wäre auch ihr Zwangsoperateur ungestraft davongekommen.

Chirurgen, die jahrzehntelang Zwitter zwangsoperieren, ohne jegliche Evidenz, auch nach über 50 Jahren noch, ja, ohne sich überhaupt je glaubwürdig um Evidenz zu bemühen, sind offensichtlich gewissenlose Serientäter, sowohl als Individuen wie auch als Kaste, und gehören gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

2) Die Endokrinologen liefern die Vorgaben für die Zwangsoperateure.

Obwohl sie sich selber die Finger nur mittelbar schmutzig machen, pfeifen auch sie seit über 50 Jahren auf jegliche Evidenz, genau gleich wie die Zwangsoperateure, mit denen sie ebensolange eng zusammenarbeiten. Die Endokrinologen sind deshalb als Individuen wie auch als Kaste genau gleich offensichtlich gewissenlose Serientäter, und gehören genau gleich gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren lassen statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

Leider konnte bisher noch kein einziger Endokrinologe gerichtlich belangt werden (auch bei Christiane Völlings Prozess konnte wegen Verjährung ausser dem Chirurgen niemand mehr belangt werden).

3) Psychologen und Psychiater sind meist erstmal vergleichsweise nur am Rande an den Zwangsoperationen mitbeteiligt.

In den meisten mir bekannten Fällen ziehe ich einen Psychologen oder Psychiater unbedingt vor, wenn's um die Behandlung von jungen Zwittern und ihren Eltern geht: Ihr Gehalt ist (im Gegensatz zu den Kinderchirurgen und den Endokriniologen) nicht zwingend davon abhängig, ob das Kleine auch möglichst bald zwangsoperiert wird. Wohl kaum zufällig kommen zumindest ansatzweise solidarische Stimmen, sofern es sowas unter praktizierenden Medizinern überhaupt gibt, noch am ehesten aus den Reihen der Psychologen und Psychiater.

Allerdings gilt sinngemäss auch das Umgekehrte, nämlich dass für Psychologen und Psychiater eine Zwangsoperation ebenfalls nicht zwingend finanziell unattraktiv ist. Wohl kaum zufällig wird mehreren seit längerem vorgeworfen, Windfahnen zu sein, und den Psychologen und Psychiatern als Kaste, seit mehr als 50 Jahren je nach politischer Grosswetterlage immer mal wieder den Endokrinologen und Zwangsoperateuren zuzuarbeiten.

(Womöglich ein und dieselben Personen, die vorher noch Verständnis für die Leiden der Zwangsoperierten zeigten, und ev. auch später wieder zeigen wird – und manche Zwitter, die sich hüten würden, auf einen offensichtliche Kollegen der Zwangoperateure und Endokrinologen hereinzufallen, kriechen solchen Windfahnen trotzdem immer wieder auf den Leim).

Von Fall zu Fall müssen Psychiater und Psychologen wo nötig jedesmal zur Rechenschaft gezogen werden – moralisch, öffentlich und wo nötig auch gerichtlich, und als Kaste haben sie ebenfalls einen Teil zur Wiedergutmachung beizutragen.

Bisher wurde leider noch nie ein fehlbarer Psychologe oder Psychiater angeklagt, obwohl es auch unter ihnen offensichtlich gewissenlose Serientäter gibt – vor Gericht gehen sie im Gegenteil noch als "Sachverständige" ein- und aus, wobei sie oft gar Zwangsoperierten zum Schaden noch den Spott nachliefern.

4) Die Politiker hätten in Europa als Verantwortliche für Spitäler usw. erst recht die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die (ansonsten autonome) Ärztezunft sich an übergeordnete Spielregeln hält wie z.B. Verfassung, Menschenrechte, ratifizierte (UN-)Abkommen und -Pakte zum Schutze der Kinder, benachteiligter Geschlechter, usw. Hierbei haben sie seit Jahrzehnten schmählich versagt.

Schlimmer noch, jedesmal wenn die Leiden der Opfer vor ihnen laut wurden, hielten sie zuerst ihre Ohren zu und mehrten anschliessend die Leiden gar noch mit Spott und Medizynersprüchen.

Auch wenn angesichts dessen, womit speziell Politiker sonst noch allem straflos davonkommen, hier wohl am wenigsten Hoffnung auf Erfolg besteht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen: auch die Politiker sind sowohl als Individuen wie auch als Kaste gewissenlose Serientäter gehören für ihr alles andere als unerhebliches Verschulden zur Rechenschaft gezogen und bestraft, und der Staat als Brötchengeber der Zwangsoperateure & Co. hat einen angemessenen Teil an Wiedergutmachung zu leisten.

5) Eltern, die ihre Kinder zwangsoperieren lassen, sind in der Regel erst selbst mal Opfer der Zwangsoperateure & Konsorten. Die erst hinterher erfahren, dass sie belogen wurden, oder dass ihnen zumindest nicht die ganze Wahrheit erzählt wurde.

Wohl die meisten Eltern, wenn sie von Anfang an wüssten, was sie ihren Kindern letztlich antun, hätten es nie so weit kommen lassen, und hätten heute ein besseres Verhältnis zu ihren Kindern. So viele Eltern werden sich erst hinterher bewusst, worin genau sie da letztlich "einwilligten", und bereuen es hinterher ehrlich.

Doch es gibt auch Ausnahmen – wie z.B. diejenigen Eltern, die erst vor kurzem ihr erst wenige Monate altes Kind unbedingt kastrieren lassen wollen, obwohl noch nicht mal eine Diagnose feststand, und als das erste Spital sich gar weigerte, suchten sie einfach eines mit weniger Skrupeln und liessen dort ihr Kind kastrieren noch bevor es ein Jahr alt war.

Solchen und anderen verantwortungslosen Eltern gehört eindringlich ins Gewissen geredet (und nicht einfach weggeschaut wie es mitunter in Selbsthilfegruppen geschieht), über die Existenz solcher Fälle muss öffentlich aufgeklärt und unmissverständlich daran Kritik geübt werden. Ansonsten brauchen aber auch diese Eltern erstmal Hilfe. Stellen sie sich aber taub und zwingen trotzdem ihrem Kind unbeirrbar weitere Zwangseingriffe auf, werden auch sie zu Wiederholungstätern.

Zur Rechenschaft gezogen gehören jedoch auch hier zunächst mal all die gewissenlosen Serientäter, die verzweifelten Eltern immer noch als Lösung anbieten, ihr eigenes Kind verstümmeln zu lassen.

NB: Diese Liste ist nicht vollständig ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Thursday 21 January 2010

IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

IOC-Protest, Lausanne, Nov. 19, 2009 (Photo: Ärger)

>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Gender Tests, Surgery for Intersexed Athletes

>>> "Hermaphrodites" in sports: IOC and IAAF deny responsibility

>>> Open Letter to IOC      >>> Background Report      >>> Stop Genital Surgery

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

Nachtrag: Bitte unterschreibt die Petition an das IOC! 

Mittlerweile sind 2 englische Berichte online über das berüchtigte IOC-Medizyner-Symposium in Miami, bei dem auch der Athletikweltverband IAAF und der Fussballweltverband FIFA teilnahmen:
>>> IOC recommends gender-test centers (AP-Meldung)
>>> IOC Panel Calls for Treatment in Sex Ambiguity Cases (New York Times u.a.m.)

Beide Berichte scheinen Befürchtungen zu bestätigen, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ginge es vor allem darum, zwischengeschlechtlichen Athletinnen GenitalOPs und Hormonbehandlungen aufzuzwingen, weil sie sonst prinzipiell disqualifiziert würden – egal, ob sie durch ihre Besonderheit gegenüber "normalen" Frauen Wettbewerbsvorteile haben oder nicht.

Ein Zitat von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist aus der AP-Meldung spricht diesbezüglich Bände:

Unter den zentralen Schlussfolgerungen befindet sich ein Vorschlag, Gesundheitszentren einzurichten, worin Experten Atheletinnen mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung" diagnostizieren und behandeln würden. In den meisten Fällen, sagte Ljungqvist, würden diese Behandlung benötigen wie Operationen und Hormontherapie.

"Wir können nicht erwarten, dass Sportverbände in jedem Land über die dazu nötige Expertise verfügen", sagte Ljungqvist am Telefon. "Dies ist nicht möglich. Deshalb empfehlen wir Zentren an strategischen Orten, wohin Fälle wenn nötig überwiesen werden können. Die Experten müssen dann entscheiden, was mit jedem einzelnen Fall getan werden muss. [...]"

Weiter plant das IOC laut AP offenbar allgemeine "Geschlechtstests" für weibliche Athletinnen quasi durch die Hintertüre wieder einzuführen:

Die Delegierten erwähnten weiter den möglichen Nutzen von "Vor-Teilnahme Gesundheitsuntersuchungen" für aufstrebende Athletinnen. Ljungqvist sagte, einige Länder, darunter Italien, verlangten von Athletinnen, sich medizinischen Checks zu unterziehen, bevor sie zu Wettbewerben zugelassen werden.

"Wir betonten, dass diese Voruntersuchungen ein sehr wichtiges und nützliches Instrument sein könnten, um Athletinnen mit diesen Störungen zu identifizieren", sagte er.

Das IOC wolle sich nun laut AP mit seinen Rechtsanwälten beraten sowie mit der IOC-Athletenkommission, um dann in einem nächsten Schritt verbindliche Richtlinien zu formulieren.

Im NYT-Artikel kommen einige weitere "ExpertInnen" zu Wort. Auch hier ist der Tenor ziemlich niederschmetternd. Bezeichend, dass von den Medizynern scheinheilig betont wird, zwischengeschlechtliche Menschen seien per se behandlungsbedürftig – obwohl dies nur in Ausnahmefällen zutrifft:

Teilnemende des Panels sagten, ihre Sorge betreffe die Verantwortlichkeit der Sportverbände für Athletinnen mit medizinischen Störungen. Die Gesundheit von Athletinnen könne gefährdet sein, wenn ihre Störungen nicht diagnostiziert und behandelt würden, sagten sie.

Am vielsagendsten sind die Zitate von Genetikerin und Pädiaterin Maria I. New von der "Mount Sinai School of Medicine" in New York, Co-Direktorin der "2nd World Conference Hormonal and Genetic Basis of sexual Differentiation Disorders and Hot topics in endocrinology", an welche sich das IOC-Symposium angehängt hatte:

"Diejenigen, welche in die Behandlung einwilligen, werden eine Starterlaubnis erhalten", sagte Dr. Maria New, eine Panelteilnehmerin. "Diejenigen, die eine Behandlung auf einer Fall-zu-Fall-Basis verweigern, werden keine Starterlaubnis erhalten."

Die Medizinerin Maria New wird weiter zitiert, am Symposium seien entgegen der offiziellen Verlautbarung von IOC-Chefmedizyner Ljungqvist bereits konkretere Pläne gewälzt worden:

Sportverbände würden Fotografien von Athletinnen zu Experinnen wie sie selbst übermitteln. Wenn der Experte denke, die Athletin hätte möglicherweise eine Störung der sexuellen Entwicklung, würde der Experte weitere Tests anordnen und eine Behandlung vorschlagen.

"Dies ist eine grundlegende Veränderung im Vergleich zu was wir heute tun", sagte New.

Dass es sich bei diesen "Fotografien" wohl kaum um Portraitaufnahmen und dergleichen handelt, sondern vielmehr vor allem um erniedrigende Genitalaufnahmen, wie sie von Medizynern seit jeher gerne im Überfluss von zwischengeschlechtlichen Menschen hergestellt werden ohne Rücksicht auf ethische oder menschenrechtliche Bedenken, und über welche sich auch Caster Semenya im Anschluss an ihre "Geschlechtstests" bitter beklagte, liegt auf der Hand.

Ebenso, dass die Medizyner wie gehabt vor allem ihr eigenes (finanzielles) Wohlergehen im Auge haben werden, was die "vorgeschlagenen Therapien" betrifft, die von zwischengeschlechtlichen Menschen schon lange als "medizinische Folter" und "Zwangstranssexualisierung" beschrieben werden.

Das Einzige, was diese kommende Katastrophe für zwischengeschlechtliche Athletinnen, die wohlbemerkt gegenüber "normalen" Frauen vielfach keinerlei illegitime Wettbewerbsvorteile haben, noch aufhalten bzw. wieder rückgängig machen könnte, wären wohl einerseits saftige Strafklagen gegen die unmenschlichen Sportverbände, sowie massive öffentliche Entrüstung, wie sie früher schon die allgemein obligatorischen "Geschlechtstests" für weibliche Athletinnen zu Fall brachten. Beide Möglichkeiten scheinen jedoch aktuell leider nicht besonders realistisch ...

Nachtrag: Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Wednesday 6 January 2010

Diskriminierung von Zwittern im Sport: IOC streitet Verantwortung ab und schliesst Betroffene aus

>>> Open Letter to IOC      >>> IOC Protest 19.11.09      >>> Background Report

Nachtrag 2: Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!>>> Zwitter im Sport: IOC leugnet Verantwortung

Bei einem Protest vor dem Hauptsitz des Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne forderte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org am 19. November 2009 in einem Offenen Brief (englisch) die Verantwortlichen dazu auf,

a) sich allgemein für eine faire Behandlung "intersexueller" Sportlerinnen einzusetzen, und speziell für die von der IOC-Partnerorganisation Olympic Council of Asia (OCA) diskriminierte und massiv geschädigte indische Athletin Santhi Soundarajan, sowie

b) am kommenden IOC-Medizyner-Symposium (englisch) zur Neuregelung der Teilnahme "intersexueller" Athletinnen vom 15.-17. Januar 2010 in Miami Beach (Florida) nicht nur Medizyner zu berücksichtigen, sondern in angemessener Weise auch die "Betroffenen" und ihre Organisationen. 

(Am Medizynerkongress "2nd World Conference Hormonal and Genetic Basis of sexual Differentiation Disorders and Hot topics in endocrinology" (PDF) , bei dem das IOC-Symposium sich anhängt, sind nebst diversen Endokrinologen und Pädiatern u.a. vertreten: Heino Meyer-Bahlburg, Ken Zucker, der Kinderchirurg Rinus Wiersma (Durban, Südafrika), sowie aus dem Inselspital Bern die Kinderendokrinologin Christa Flück. Am Symposium ist auch der Athletik-Weltverband IAAF beteiligt.)

Mittlerweile liegt die – ernüchternde – Antwort im Namen des Büros von IOC-Chef Jacques Rogge vor:

Das IOC streitet darin rundwegs jegliche Verantwortung ab, geht auf die Fragen und Anliegen von Zwischengeschlecht.org gar nicht erst ein und erwähnt dafür Punkte, die im Offenen Brief gar nicht vorkamen.

Nach Beteuerungen, dem IOC sei "der Schutz der Privatsphäre von Athletinnen von allergrösster Wichtigkeit" (zur olympischen Praxis vgl. dazu den Fall von Santhi Soundarajan), verweist das IOC auf seine (auch vom Weltathletikverband IAAF benutzten und im Offenen Brief kritisierten) "Richtlinien bei Geschlechtsumwandlung" ("Statement of the Stockholm consensus on sex reassignment in sports" (PDF) / "Explanatory note to the recommendation on sex reassignment and sports" (PDF)). Nur schon der Titel verrät, dass Zwitter dabei offensichtlich nicht konsultiert wurden ...

Weiter streitet das IOC jegliche Verantwortung ab für die "Fälle" von "Caster Semanya" [sic!] und Santhi Soundarajan. (Caster Semenya war im Offenen Brief gar nicht erwähnt, da in diesem Fall tatsächlich der Athletikweltverband IAAF federführend ist, der allerdings ebenfalls das IOC-"Consensus Statement" verwendet. Bezüglich Santhi Soundarajan wurde das IOC im Offenen Brief ausdrücklich lediglich gebeten, bei seiner Unterorganisation Olympic Council of Asia (OCA) ein gutes Wort für die massiv geschädigte Athletin einzulegen.) Auf die Bitte, alle IOC-Teil- und -Unterorganisationen allgemein zu Fairness und Diskretion anzuhalten im Umgang mit zwischengeschlechtlichen (und als solchen verdächtigten) Sportlerinnen – auf diesen Punkt geht das Antwortschreiben des IOC gar nicht erst ein.

Zuletzt verweist das IOC auf das kommende Medizyner-"Symposium nächsten Januar" (siehe oben), dessen "Resultate veröffentlicht werden". – Die im Offenen Brief vorgebrachte Kritik, dass dort einmal mehr lediglich Medizyner konsultiert und die Betroffenen und Ihre Organisationen ausgeschlossen bleiben, ignoriert das Antwortschreiben des IOC ebenso.

"IOC IAAF: Wann werdet ihr es lernen?"

Kommentar: Offensichtlich braucht es erst weitere "Debakel" um als Zwitter verdächtigte, diskriminierte und massiv geschädigte Athletinnen, bevor sowohl IOC wie auch IAAF endlich aufwachen und ihre Verantwortung wahrnehmen – und vor allem braucht es wohl zuerst saftige Klagen sowie öffentlichen und politischen Druck. Bis dahin werden die Verantwortlichen wohl weiter das Gefühl haben, mit Zwittern (und als solche Verdächtigten) könnten sie umspringen, wie es ihnen gerade so passt ...

Nachtrag: Zwitter im Sport: IOC leugnet Verantwortung

Nachtrag 2: Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

Siehe auch:
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- Intersex Protest @ IOC 19.11.09 – Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images 
- "Lausanne: Les hermaphrodites suisses s’attaquent au CIO" - 20min.ch 17.11.09

>>> Report on Discrimination of Hermaphrodites in Sports
>>>
Open Letter to IOC Chief Jacques Rogge demanding Justice for Santhi

SPD: Zwitter vereinnahmender Gesetzesentwurf eingereicht

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung!Wie in diesem Blog schon am 4.12.09 berichtet, plante die SPD (nach der Niederlage der Standesinitiative für die Aufnahme von "sexuelle Identität" ins Grundgesetz) im Windschatten der Grünen die Einreichung eines Gesetzesentwurfs im Bundestag. Laut einer gestrigen Bundestags-Pressemeldung wurde dieser unter Drucks. 17/254 (PDF) nun eingereicht.

Wie bereits berichtet, sind "Intersexuelle" dabei einmal mehr lediglich "mitgemeint" als obligates Schlusslicht. Sprich, während das Kleingedruckte im Gesetzesentwurf ausschliesslich auf Schwule und Lesben ausgerichtet ist, werden "Intersexuelle" als blosse Worthülse hinter LGBT "angehängt". Das gravierende Menschrechtsproblem der nur die Zwitter betreffenden genitalen Zwangsoperationen (Allein in Deutschland wird JEDEN TAG ein wehrloses kleines Zwitterkind genitalverstümmelt!) bleibt unerwähnt – und wird im Gegenteil noch krass verharmlost durch von den Grünen abgeschriebene Wendungen wie:

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen sind in unserer Gesellschaft auch heute noch Anfeindungen,  gewaltsamen Übergriffen und Benachteiligungen ausgesetzt. [...] Ein Umschlag des gesellschaftlichen Klimas gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, transsexuellen und intersexuellen Menschen ist derzeit zwar nicht zu befürchten.

Die Medizyner freuts ...

Die SPD, die (wie auch die Grünen) bisher NOCH NIE einen konkreten politischen Vorstoss zu Gunsten von Zwittern unternahm, reiht sich damit definitiv ein unter die MittäterInnen.

Würden von den versammelten VereinnahmerInnen in SPD und Grünen nur schon ein paar wenige mal an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Parolen – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Saturday 2 January 2010

Dr. Magnus Hirschfeld führt genitale Zwangsoperation an Zwitter durch (Rosa von Praunheim: "Der Einstein des Sex")

Lohn für eine Intersex-Genitalverstümmelung – und Grundstock
für Hirschfelds "Institut für Sexualwissenschaft".

In seiner Filmbiographie über den Begründer der Sexologie sowie der modernen Schwulenbewegung unter dem Titel "Der Einstein des Sex. Leben und Werk des Dr. Magnus Hirschfeld" (1999) füllte Rosa von Praunheim Lücken in der Biographie von Magnus Hirschfeld mit fiktiven Passagen auf.

Eine dieser Lücken betrifft die Herkunft der Geldmittel für das von Hirschfeld 1919 begründete "Institut für Sexualwissenschaft". Statt die wohl wahrscheinlichere, allerdings weniger filmogene These von einem anonym bleiben wollenden schwerreichen, aristokratischen Schwulen als Geldgeber zu inszenieren, verfiel Rosa von Praunheim auf einen dramaturgischen Kniff, der ein grelles Schlaglicht wirft auf den allzuoft von krasser Vereinnahmung geprägten Umgang der Schwulenbewegungen mit den Zwittern: In "Der Einstein des Sex" ist der Grundstock für das "Institut für Sexualforschung" eine mit Edelsteinen gefüllte Schatztruhe, die Magnus Hirschfeld von einer orientalischen Familie erhält – als Honorar für eine von Hirschfeld an ihrer "Tochter" durchgeführte genitale Zwangsoperation!

Da Hirschfeld, der "Vater der modernen Schwulenbewegung", und sein "Institut für Sexualwissenschaft" als Fundament der Sexologie wie auch der wissenschaftlichen Gendertheorie angesprochen werden können, hat Filmemacher Rosa von Praunheim (wohl ohne es zu wollen) zugleich ein treffendes Bild geschaffen für die Vereinnahmung der Zwitter durch ebendiese Bewegungen – ihr finanzieller Grundstock ist in Praunheims filmischem Hirschfeld-Denkmal ein blutiges medizinisches Verbrechen an einem wehrlosen Zwitter!

Obwohl "Der Einstein des Sex" mittlerweile 10 Jahre auf dem Buckel hat, wurde dieses ebenso empörende wie vielsagende "Detail" meines Wissens nach ausser auf diesem Blog bisher noch nirgends kritisiert oder nur schon hinterfragt (im Gegensatz etwa zu Hirschfelds – auch im Film unterschlageneneugenischen Verstrickungen und seiner Mitgliedschaft in der "Gesellschaft für Rassenhygiene") und fehlt auch im Wikipedia-Eintrag zum Film.

Was wohl einiges über das Selbstverständnis sowohl der Schwulen- wie auch der Zwitterbewegung aussagt ...

Ebenfalls passend: 2002 verlieh die "Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS)" ihre seit 1990 vergebene "Magnus-Hirschfeld-Medaille" in der "Kategorie Sexualwissenschaft" an – ausgerechnet den wohl grösten Medizyner-Verbrecher der Nachkriegszeit, John Money!

Zwischengeschlecht.org fordert alle fortschrittlichen Schwulen, Lesben, FeministInnen, LGBTs und ihre Organisationen und Verbände einmal mehr dazu auf, endlich ihre Geschichte kritisch aufzuarbeiten in Bezug auf Mitbeteiligung an / stillschweigende Duldung von medizynischen Menschenrechtsverbrechen an Zwittern!

Siehe auch:
- Ulrichs-Krafft-Ebing-Hirschfeld-Money-Butler-"hirnorganische Intersexualität" 
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität" 

Nachfolgend ein Überblick zur Darstellung von 'Hirschfelds Sündenfall' in "Der Einstein des Sex. Leben und Werk des Dr. Magnus von Hirschfeld":

Über weite Strecken klagt Magnus Hirschfeld in Rosa von Praunheims Film, dass er Geld brauche für sein geplantes "Institut für Sexualwissenschaft", er habe da auch schon eine Villa am Tiergarten in Aussicht, für die er bereits eine Anzahlung geleistet habe, er müsse aber nun den ganzen Betrag innert 3 Monaten auftreiben können. Nach einem neuen Rückschlag (eine Tante hatte das Erbe von Hirschfelds Onkel, der "die Wissenschaft" fördern wollte, bereits dem Zoo vermacht – "Für die Rhinozerosse!", wie Hirschfeld entgeistert ausruft), wird Hirschfeld bei Laufzeit 1:02:01 überraschend aufgefordert, er soll "sofort ins Hotel Adlon kommen. Es ist ganz dringend!"

In der nächsten Szene wird Hirschfeld in ein luxuriöses Hotelzimmer hereingebeten:

Eine ältere Frau, wohl die Mutter des angstvoll daliegenden "Patienten", redet in einer Fremdsprache ununterbrochen auf Hirschfeld ein.

Nebst dem wohlbeleibten Leibwächter sind weiter 2 junge Männer zusätzlich anwesend, einer liefert schliesslich eine 1-Wort-Übersetzung der Erklärungen der Frau: "Hermaphrodit!" Hirschfeld meint darauf, "Hm, interessant", und beginnt sogleich mit einer Untersuchung des "Patienten":

"Tatsächlich, ein Hermaphrodit. Sie hat beide Geschlechter", verkündet Hirschfeld schliesslich. "Was soll ich jetzt tun"?

"Operieren! Operation!", fordert darauf der junge Mann bestimmt. "Sie sind doch der einzige!" 

Der "Patient" liegt dabei die ganze Zeit und bis zum Schluss passiv und mit veränstigtem Blick da.

Während Hirschfeld im Film sonst fürsorglich auf seine PatientInnen eingeht, lässt er hier jegliche Empathie vermissen.

Trotzdem wehrt Hirschfeld das Ansinnen zunächst ab: "Na, das kommt doch überhaupt nicht in ... ein solcher Eingriff ... nein, nein, das kommt nicht in Frage!"

Doch die Frau lässt nicht locker, und als Dr. Hirschfeld schliesslich das juwelengefüllte Schatzkästchen unter der Nase hat (siehe oben), ändert er seine Meinung rasch: "Geben Sie mir eine Woche Bedenkzeit. Ich muss erst zu einer Vortragsreise nach München."

In der nächsten Szene präsentiert Hirschfeld in München seine Theorie der "Sexuellen Zwischenstufen" – ein in etwa mit der heutigen LGBT-etc-Buchstabensuppe deckungsgleicher Oberbegriff, Zwitter sind auch in Hirschfelds Vortrag lediglich "mitgemeint". Vor allem Transgender und BefürworterInnen der Abschaffung des biologischen Geschlechts dürften sich auch sonst mit dieser Darstellung der Hirschfeldschen Thesen spontan identifizieren.

Der Vortrag ist überschattet von antisemitsch-nazistischen Mini-Protesten einzelner Zuhörer. Schlimmer noch, auf dem Weg ins Hotel wird Hirschfeld von 3 Männern überfallen und zusammengeschlagen. Ein junger, glühenden Verehrer vom Vortrag (später Hirschfelds Geliebter) kommt ihm zu Hilfe, wird jedoch ebenfalls malträtiert.

Im Spital meint Hirschfeld darauf: "Ich muss dringendst nach Berlin zurück. Ich habe nämlich einen Operationstermin."

Die nächste Szene (1:07:30) beginnt damit, wie Hirschfeld die "Patientin" mit Äther betäubt:

WARNUNG!!! Die nun folgenden Bilder enthalten teils grafische Szenen einer genitalen Zwangsoperation, ausgeführt von Dr. Magnus Hirschfeld an einem wehrlosen "Hermaphroditen". (Der Film ist von der FSK freigegeben ab 16 Jahren.)

Continue reading...

Monday 28 December 2009

Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ...

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Laut einer Meldung im >>> Deutschen Ärzteblatt engagiert sich die Bundesärztekammer schon seit 11 Jahren u.a. gegen "Zwangsamputationen, Durchführung von Zwangsoperationen von Mädchen und Frauen (Beschneidung)", lobt "[d]ie Arbeit der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesärztekammer und der Landesärztekammern auf diesem Gebiet" und beschloss überdies, "jährlich mit 10 000 DM die Arbeit des BÄK-Menschenrechts-beauftragten (Dr. Montgomery) [zu] unterstützen".

Pikante Details am Rande: Der "Menschenrechtsbeauftragte der Bundesärztekammer" Frank Ulrich Montgomery (dessen lesenswerte "Position zu Menschenrecht und Medizin" das von der Ärztekammer angesprochene "Zwangsoperationsproblem" allerdings gar nicht erst erwähnt) lebt und arbeitet in Hamburg bzw. im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und ist zugleich "Präsident der Ärztekammer Hamburg" und "Vizepräsident der Bundesärztekammer". Hamburg fiel 2009 ja positiv auf durch zunächst sehr positive Vorstösse aus der Bürgerschaft, die allerdings vom Senat knallhart abgeblockt wurden. Was schliesslich in einem einstimmig angenommenen, allerdings zahnlosen Antrag der Bürgerschaft an den Senat mündete, der ausgerechnet den zentralen Punkt der Zwangsoperationen an Zwittern stillschweigend ausklammerte. Der im Hamburger Senat für die "Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz" verantwortliche Präses, "Senator für Gesundheit und Soziales" Dietrich Wersich, ist übrigens ein ehemaliger Berufskollege Montgomerys ("Ärztliche Tätigkeit in Allgemeinmedizinpraxis und Chirurgiepraxis").

Kommentar: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...

Siehe auch:
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal") 
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern 
- Zwitter und Patriarchat aus feministischer Perspektive  

Friday 4 December 2009

Bundesrat: Kein Schutz "sexueller Identität" im Grundgesetz – VereinnahmerInnen machen unbeirrt weiter wie gehabt

Wie unlängst auf diesem Blog berichtet, forderten Berlin, Hamburg und Bremen in einer Standesinitiative unter dem Motto "Homo-Schutz ins Grundgesetz" neu auch, "sexuelle Identität" ("in der Rechtssprache" laut Wikipedia gleichbedeutend mit "sexuelle Orientierung") ins Grundgesetz Art. 3.3 aufzunehmen. Dabei wurde in Medienberichten von Seiten der Initianten auch "Intersexuelle" in altbekannter, vereinnahmender Manier als obligates, lediglich "mitgemeintes" Schlusslicht ins Feld geführt.

Am Freitag letzter Woche erteilte nun der Bundesrat (nach der Yogyakarta-Ablehnung im Bundestag nicht besonders überraschend) der Initiative eine Abfuhr.

Kommentar:

Ein schwarzer Tag für die Gleichstellung von LGBT, und nicht nur für den LSVD "enttäuschend".

Trotzdem (theoretisch) auch eine Gelegenheit, die realpolitisch untaugliche (und vereinnahmende) Methode einmal zu überdenken, die auch in Deutschland immer noch täglich begangenen, massiven Menschenrechtsverletzungen gegen Zwitter lediglich auf "Diskriminierungsebene" und "bei LGBT 'mitgemeint'" auf die lange Bank zu schieben und die genitalen Zwangsoperationen an Zwittern auf blosse "Anfeindungen und Benachteiligungen" zu reduzieren, unter denen LGBT nach eigenen Aussagen leiden. Statt die massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern nach dem Vorbild des LSVD endlich als eigenständigen Punkt auf die politische Agenda zu hieven als das, was sie sind: nämlich krasse Verstösse insbesondere gegen das elementare Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Auf diese Weise eingebracht wäre die zentrale Forderung der Zwitterbewegung nach Abschaffung der Zwangsoperationen erst noch realpolitisch innert nützlicher Frist durchsetzbar.

Leider stehen die Zeichen dafür nach wie vor schlecht: Die üblichen VereinnahmerInnen machen wohl unbeirrbar weiter wie gehabt (schliesslich werden ja auch sie persönlich und ihre Klientel nicht genital zwangsoperiert – nach wie vor in Deutschland JEDEN TAG EIN WEHRLOSES ZWITTERKIND, sowie in Österreich und in der Schweiz jede Woche eines). 

So reichten am Tag der Ablehnung im Bundesrat (wohl in Hoffnung auf eine Annahme) die wohl unverbesserlichen VereinnahmerInnen der Grünen um Volker Beck vollmundig einen Gesetzesentwurf (PDF) ein, in dem "Intersexuelle" einmal mehr in der unsäglichen, scheinbar gottgewollten Reihenfolge lediglich "mitgemeint" und ihre Leiden verharmlost werden, ohne dass die nur an Zwittern üblichen, massiven Verstösse insbesondere gegen das Menscherecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung je adäquat angesprochen werden.

Auch die SPD, die (ebenso wie die Grünen) bisher noch nie auch nur einen einzigen konkreten Vorstoss zu Gunsten von Zwittern unternahm, will nach dem Nein des Bundesrats laut Medienberichten ebenfalls einen entsprechenden Gesetzesvorschlag in den Bundestag einringen. Dabei werden – Überraschung! – "Intersexuelle" (mit der wörtlich gleichen Formulierung wie bei den Grünen!) als obligates Schlusslich bloss "mitgemeint". Auch von der SPD also lediglich Vereinnahmung pur.

Fazit: "Mitgemeint" ist nicht gut genug – im Gegenteil! Und:

Würden von den versammelten VereinnahmerInnen mal nur schon ein paar an den eigenen Geschlechtsteilen genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Parolen – wetten?!

Tuesday 24 November 2009

"Verunsicherung und Ängste": Reaktionen und Kommentare zur Kritik am "Netzwerk Intersexualität" / "Euro-DSD"

5. Treffen "Netzwerk Intersexualität/DSD" in Kiel, 6.9.2008
Nella versucht den Medizinern ins Gewissen zu reden

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Mit abschätzigen Terminologien/Diagnosen und erst recht mit dem Skalpell sind Mediziner Zwittern gegenüber regelmässig alles andere als zimperlich. Weitaus empfindlicher reagieren sie, wenn sie deswegen unmissverständlich kritisiert werden – erst Recht, wenn diese Kritik unbequemerweise öffentlich erfolgt. Aktuelles Beispiel:

Unter Mitwirkung zentraler ExponentInnen von "Netzwerk Intersexualität/DSD" und "EuroDSD" wurden am Jahreskongress 2009 der Kinder-EndokrinologInnen in Kiel vom 13.-15.11. am Freitag und am Sonntag an zwei Programmschwerpunkten "DSD/Störungen der Geschlechtsentwicklung" u.a. Zwangsoperationen und sonstige menschenrechtswidrige Praktiken an wehrlosen Zwitterkindern vorgestellt und propagiert – einmal mehr ohne Beteiligung von Betroffenen, obwohl dies eine Bedingung war bei der Vergabe deutscher Bundes-Fördergelder des BMBF.

Für diesen Blog am 13.11. der Anlass zu erneuerter konkreter Kritik am starrsinnigen Beharren von "Netzwerk Intersexualität/DSD" und "Euro-DSD" u.a. auf kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und weiteren menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen.

Eine Pressemitteilung vom 14.11. der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fasste tags darauf verschiedene Kritikpunkte noch einmal zusammen und bekräftigte sie.

Kritikpunkte, die das "Netzwerk Intersexualität/DSD" resp. "EuroDSD" inzwischen nicht mehr einfach nur überhört haben wollen, sobald sie öffentlich gemacht werden (im Gegensatz etwa zu "internen" Anfragen Betroffener zur Behandlungsverbesserung). So erhielt Zwischengeschlecht.org auf die Pressemitteilung bisher folgende 3 Reaktionen:

  • "Netzwerk Intersexualität/DSD"- und "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort (Lübeck) beschwerte sich am 16.11. in einer kurzen Mail (mit CC an 3 "DSD"-KollegInnen), die Pressemitteilung sei "unsachlich und unrichtig" und warf Zwischengeschlecht.org vor, "die Bevölkerung mit solchen Äußerungen so [zu] verunsichern." >>> mehr
     
  • Paul-Martin Holterhus vom "Netzwerk Intersexualität/DSD"- und "Euro-DSD"-Standort Kiel (wo die kritisierte Jahrestagung stattfand), einer der von Olaf Hiort auf CC gesetzen KollegInnen, zeigte sich gleichentags 16.11. ebenfalls besorgt, die "reißerische Sprache" ohne "wissenschaftliche Grundlage [...] erzeugt in der Tat Verunsicherung und Ängste" (mit CC an 4 "DSD"-KollegInnen sowie an die Elterngruppe von XY-Frauen und XY-Frauen selbst). Immerhin – eine Premiere – argumentierte Paul-Martin Holterhus in einem ausführlicheren PS auch sachlich (wobei er u.a. den Kritikpunkt, Netzwerk und "EuroDSD" würden Betroffene nicht angemessen beteiligen, während Eltern einseitig bevorzugt werden, allerdings gleich selbst noch einmal bestätigte).  >>> mehr

  • Am 17.11. "distanzier[te]" sich darauf einE (von Holterhus auf CC gesetzteR) SprecherIn der XY-Frauen Elterngruppe "von solchen Aktionen" und forderte Zwischengeschlecht.org zum "zurückrudern" auf. 

Aus Nellas Antwort im Namen von Zwischengeschlecht.org an Paul-Martin Holterhus vom 17.11. (mit CC an alle von ihm angeschriebenen):

Ob Sie und Olaf Hiort es glauben oder nicht, auch uns geht es um Fakten: [...]

[T]äglich [erfahren] mehr Menschen von den Zwangsbehandlungen an wehrlosen Kindern vor ihrer Haustüre, sind betroffen, schockiert und empört.

Wie ich sinngemäss schon letztes Jahr in Kiel in meinem Referat sagte: kosmetische Genitaloperationen an Kindern sind in unserer Gesellschaft moralisch und politisch nicht mehrheitsfähig. [...] Beteiligte Mediziner und Institutionen hätten jetzt noch die Gelegenheit, die logischen Konsequenzen zu ziehen. [...]  >>> mehr

Siehe auch:
- PRESSEMITTEILUNG: Euro-DSD: Lübecker Zwitterstudie frisiert
- "Euro-DSD"-Zwangsoperateure: APE/AGPG Jahrestagung 2009 in Kiel
- PRESSEMITTEILUNG: Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000   

Wednesday 18 November 2009

"Sexuelle Identität", "psychosexuell Entwicklungsgestörte", "Sexualstraftäter" und, äh, "Intersexuelle" - Tagung in Göttingen 20.11.09

Kann ein Zwitter Sünde sein?>>> "Weiblich, männlich, intersexuell?" Pressemeldung zur Veranstaltung
>>> Ankündigung Homepage Zentrum für Medizinrecht
>>> Offizielles Programm (doc)  

Kommentar: Natürlich ist vermehrte (auch wissenschaftliche) Aufarbeitung der aktuellen Rechtssituation zwischengeschlechtlicher Menschen dringend notwendig. Insbesondere, wie Zwittern elementarste Grundrechte nach wie vor vorenthalten werden, wie auch das Strafrecht als Garant ihrer Menschenrechte z.B. auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung bisher stets sträflich versagte, und was dagegen künftig dringend zu tun wäre. Ausserdem beginnt das Thema "Intersexualität und Recht" langsam aber sicher auch eine (meist schockierte und empörte) breitere Öffentlichkeit zu erreichen.

Letzteres hat offensichtlich auch schon die Uni Göttingen bemerkt und deshalb das Stichwort "intersexuell" prominent in den Titel ihrer Medienmitteilung eingebaut. Im Kleingedruckten zum "Workshop" ("Zielgruppe: Journalisten, Wissenschaftler") sieht's dann allerdings weniger erfreulich aus: Unter den im Programm und Ankündigungen versammelten Stichworten (für eine Auswahl vgl. den Titel dieses Posts) wird kaum Relevantes dazu herauskommen.

Zu befürchten ist im Gegenteil eine Veranstaltung nach den Bedürfnissen bzw. zur Rechtfertigung der Täterinnen, sprich Zwangsoperateure plus Zulieferer aus Sexologie, Endokrinolgie und Psychiatrie, sowie nicht zu vergessen die Eugenik-Nachfolgedisziplin Humangenetik, wohl kaum zufällig Co-Veranstalterin dieses Workshops – obwohl einzelne Referentinnen schon positiver auffielen (Konstanze Plett, Katinka Schweizer).

Dass die TäterInnen allerdings in letzter Zeit spürbar erhöhten Rechfertigungsbedarf haben, ist demgegenüber ja nun wirklich nur positiv zu bewerten ...

Nachfolgend dokumentieren wir Pressemitteilung, Ankündigung und Programm:

Continue reading...

Friday 13 November 2009

"Euro-DSD"-Zwangsoperateure: transsexuell = intersexuell??!

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

>>> Pressemitteilung 14.11.09     >>> Kommentare zur Kritik

Heute begann in Kiel anlässlich der APE/AGPD-Jahrestagung eine Veranstaltungsreihe unter Mitwirkung der "Arbeitsgruppe DSD/Störungen der Geschlechtsentwicklung" von APE/AGPD und "Euro-DSD" (vormals "Netzwerk Intersexualität/DSD"). Dabei wurden unter anderem die "wichtigsten Publikationen" vorgestellt (wohl nicht zuletzt Eigenwerbung zur frisierten "Lübecker Studie").

Weiter konnten die Zwangsbehandler heute (wie üblich ohne Beteiligung der Betroffenen!) ungestört über "Erstellung bzw. Überarbeitung der Leitlinien DSD und Hypospadie" zu künftigen Zwangsbehandlungen an wehrlosen Zwitterkindern debattieren.

(Diese Programmpunkte waren zudem im Onlineprogramm nicht aufgeführt. Sämtliche relevanten Programmpunkte sind hier dokumentiert.)

Auf Sonntag 15.11. ist zudem einen weiterer Vortrag speziell über die frisierte Lübecker Zwitterstudie angekündigt.

Das "Netzwerk Intersexualität/DSD" als die deutsche Allianz der Zwangoperateure und ihrer Zuarbeiter in Endokrinologie, Sexologie und Psychologie/Psychiatrie wurde 2003-2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) alimentiert, entsprechend einem Antrag des Bundestags vom 12.6.2001 (DS 14/6259).

Eine Bedingung des BMBF war, dass die Betroffenen und ihre Organisationen angemessen mit einbezogen werden müssten. Stattdessen wurden sie von den Medizynern Mal für Mal vertröstet und hingehalten. Versprechen, Zusagen und Abmachungen wurden vom "Netzwerk Intersexualität/DSD" Mal für Mal gebrochen und die Betroffenenvetreter_innen über den Tisch gezogen. Vorschläge zur konkreten Verbesserung der Lage der geschädigten Betroffenen wurden Mal für Mal ignoriert.

Der Unmut unter den Zwangsoperierten wächst. 2009 distanzierte sich Intersexuelle Menschen e.V., der dem "Netzwerk DSD/Intersexualität" lange die Stange gehalten hatte, stillschweigend vom "Netzwerk DSD".

Mittlerweile sind die BMBF-Gelder alle aufgebraucht. Die altbekannten Zwangsoperateure & ZuliefererInnen (wenn auch ohne die Hamburger Fraktion) finanzieren sich heuer aus EU-Geldern, firmieren unter dem entsprechend angepassten, neuen Logo "Euro-DSD" und müssen endlich die Betroffenen nicht einmal mehr alibimässig mit einbeziehen.

2009 begann das "Netzwerk DSD" die Lübecker Evaluationsstudie nach den Bedürfnissen der Zwangsoperateure umzuschreiben. Ende 2008 veröffentlichte "erste Ergebnisse" der "Lübecker Studie" konstatierten (wie schon die ebenfalls BMBF-finanzierte "Hamburger Studie 2007") konstatierten noch das Offensichtliche: Je häufiger Zwitter als Kleinkinder genital zwangsoperiert wurden, desto mehr klagen sie als Erwachsene über verlorene sexuelle Empfindungsfähigkeit und damit einhergehende weitere sexuelle Probleme. Anlässlich einer Anhörung im Bundestag in Frühjahr 2009 wurden diese Ergebnisse zum ersten Male kurzerhand umfrisiert zur Behauptung, unabhängig von der Zahl kosmetischer GenitalOPs im Kindesalter gäbe es diesbezüglich angeblich keine Unterschiede.

Schon seit längerem kritisiert dieser Blog, dass es den in "Netzwerk DSD" und "Euro-DSD" versammelten Zwangsoperateuren letztlich bloss darum geht, nach dem Motto "alter Wein in neuen Schläuchen" die menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen einfach als neu "genderoptimiert" und "todsicher" unverändert weiter zu praktizieren.Obwohl auch "Euro-DSD"-Chef Olaf Hiort öffentlich zugibt, dass für diese kosmetischen Genitaloperationen keine medizinische Notwendigkeit und auch keine Qualitätskontrolle besteht.

Weiter holen die Zwangsoperateure heute in Kiel dazu aus, unter dem Motto "Transsexualität, ein neues aktuelles Thema. Diskussion über die Aufnahme der Problematik in die Arbeitsgruppe DSD" wohl Zwitter künftig zusätzlich auch als geistig gestört zu verkaufen. Ein cleverer Schritt zur Ausweitung der "Patientengruppe" – der zudem auf ungeteilte Begeisterung stossen wird nicht zuletzt bei allen "Wir sind nämlich auch intersexuell"-Trans-Fraktionen, die sich schon lange nach einer offiziell anerkannten organischen Störung sehnen, ebenso wie bei allen PolitikerInnen und GendertheoretikerInnen, die (unter Ausblendung der Menschenrechtsaspekte) seit eh und je Zwitter gern systematisch mit Transsexuellen und anderen "Genderthemen" gleichsetzen bzw. "verwechseln". Welche der da verwursteten Gruppen bei der ganzen Aktion als zusätzlicher Verlierer herauskommt, ist einmal mehr jetzt schon absehbar.

Wie lange und wie weit deutsche Betroffenenorganisationen sich das alles noch ohne öffentlichen Widerspruch gefallen lassen, bleibt abzuwarten.

Nachträge 1-2:   >>> Pressemitteilung 14.11.09   >>> Mediziner-Kommentare zur Kritik

Nachtrag 3:

Wie Zwischengeschlecht.info inzwischen in Erfahrung bringen konnte, stiess das von Anette Richter-Unruh (Bochum) und Susanne Krege (Krefeld) propagierte Ansinnen, "Transsexualität" als "neues aktuelles Thema" in die "Arbeitsgruppe DSD" aufzunehmen, offenbar auf wenig Begeisterung; insbesondere "Euro-DSD"-Chef Olaf Hiort (Lübeck) habe sich deutlich dagegen ausgesprochen.

Auch der Vortrag über die frisierte Version der "Lübecker Studie" von Ute Thyen (Lübeck) vom Sonntag sei alles andere als unwidersprochen geblieben. An diesem Programmpunkt sass auch eine Delegation von Intersexuelle Menschen e.V. im Publikum, eine offizielle Stellungnahme von IMeV zur Problematik ist jedoch nach wie vor nicht erhältlich.

Siehe auch:
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000

Tuesday 27 October 2009

«JEDES VERBRECHEN HINTERLÄSST SPUREN» - Bundesministerium für Justiz, 26.10.09

Auch in Österreich operieren die Täter unbehelligt jede Woche ein wehrloses Kind – obwohl belastendes Material seit Jahr und Tag öffentlich zugänglich ist.

«Sehen Sie genauer hin!» – Werbung für opfernotruf.at

"Inoffizieller" Beitrag zum gestrigen >>> "Intersex Awareness Day 2009",
gefunden  auf >>> dieStandard.at, mit >>> illustrem Sponsor:

Deutschland: 100.000 Euro für Intersexuelle Frau

«AUSSPRECHEN HILFT» – Werbung für opfernotruf.at

Auf der via das Werbebanner anklickbaren Homepage von Opfer-Notruf.at begrüsst uns dann das Österreichische Bundesministerium für Justiz und gibt öffentlich bekannt:

[W]er Opfer einer Straftat wurde, will ernst genommen und anerkannt werden. Es geht darum, mit dem erfahrenen Unrecht zu Rande zu kommen und die verlorene Sicherheit wiederzufinden. Und eine Gesellschaft, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlt, schuldet jenen, deren Rechte verletzt worden sind, Solidarität und Hilfe. Opfer von Straftaten haben Anspruch darauf, Gerechtigkeit und Unterstützung zu erfahren.

Um die Opfernotruf-Werbung drumrum eine ASA-Agenturmeldung über Christianes Völlings entscheidenden 3. Sieg in Folge im "Zwitterprozess":

Auch das Oberlandesgericht bestätigte im September 2008, der Chirurg habe die Klägerin mit der OP "schuldhaft in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht verletzt". [...] aufsehenerregende[s] Verfahren, das bundesweit als Präzedenzfall und Musterprozess bewertet wird [...]

Christiane Völling hatte insofern Glück im Unglück, dass sie als erste und nach wie vor einzige Zwangsoperierte in Europa buchstäblich in letzter Minute wenigstens noch gegen ihren Zwangsoperateur klagen konnte, wenn auch nur zivilrechtlich.

Den meisten Zwangsoperierten steht dieser Weg wegen der geltenden Verjährungsfristen nicht mehr offen, da sie schon als Säuglinge genital zwangsoperiert werden und die Medizyner ihnen und den Eltern die volle Wahrheit vorenthalten. Sie erfahren erst zu spät von ihrem Schicksal und/oder sind wegen der oft schweren Traumatisierungen durch die wiederholten Zwangseingriffe nicht in der Lage, rechtzeitig zu klagen.

In Österreich und in der Schweiz wird jede Woche je ein kleines Kind zwangsoperiert, in Deutschland gar eines jeden Tag!

Und so ein Zufall, weder in Österreich, noch in der Schweiz, noch in Deutschland hätte auch nur eine einzige Opferhilfe, Ethikkommission, Diskriminierungsstelle, oder wohin immer verzweifelte Zwitter sich in den letzten 13 Jahren auch wandten – sich nur einmal die Mühe gemacht und selber einmal etwas genauer hingsehen, geschweige denn etwas unternommen. An Gelegenheiten hätte es nicht gefehlt.

Auch in Österreich operieren die Täter unbehelligt weiter. 3 Posts dazu auf Living Intersex?! über Prof. Dr. Christian Radmayr sind seit Jahr und Tag öffentlich zugänglich, ebenso weitere belastende Beweisstücke:

>>> Worte eines Kastrators....
>>> Wo sind eigentlich die anderen intersexuellen ÖsterreicherInnen?
>>> Kindertränen und Genitalmetzger 

>>> Vortrag Prof. Radmayr (PDF-Download 1.37 MB – WARNUNG: Operationsbilder!)

>>> Mahnwache UNO Genf 26.1.09 
Tafel: verfremdete Radmayr-Folie
(Bild: Ärger)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.  

Friday 2 October 2009

Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"

Unter dem Motto "Homo-Schutz ins Grundgesetz" (taz 30.9.09) fordern Berlin, Hamburg und Bremen in einer Standesinitiative, neu auch "sexuelle Identität" ("in der Rechtssprache" laut Wikipedia gleichbedeutend mit "sexuelle Orientierung") ins Grundgesetz Art. 3.3 aufzunehmen. Der LSVD fordert dies schon länger, begrüsst die Initiative und erhofft sich laut taz davon bessere gerichtliche Durchsetzbarkeit der Rechte von Lebenspartnerschaften. Pünktlich zu den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP lanciert, rechnen die Beteiligten mit guten Aussichten. Als Aushängeschild in der taz dienen die schwulen Vorzeigebürgermeister Klaus Wowereit (SPD, Berlin) und Ole von Beust (CDU, Hamburg - das Bild zum taz-Artikel zeigt die Regenbogenfahne am Rathaus).

So weit, so positiv.

Und dann kommts (in der üblichen, gottgegebenen Reihenfolge): Laut Wowereit "soll [die Initiative] nicht nur Lesben und Sch[w]ule, sondern auch 'Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen' schützen".

Na, das wird all die Tausenden Zwitter aber freuen, die in Berlin in der Charité genitalen Zwangsoperationen, Zwangskastrationen, Zwangshormontherapien und sonstigen menschenrechtswidrigen, nicht-eingewilligten Eingriffen unterworfen wurden und immer noch werden.

Und das alles quasi unter der Schutzherrschaft des selbsternannten "Intersexuellen-Schützers" Wowereit, der sich allerdings meines Wissens nach noch nie in irgend einer Form dafür eingesetzt hätte, dass in seinem Zuständigkeitsbereich auch nur ein Zwitter weniger verstümmelt worden wäre – in ganz Deutschland JEDEN TAG MINDESTENS EIN ZWITTERKIND!

Zwar bemüht sich die Berliner Senatsverwaltung scheinbar um die "Intersexuellen", aber wo's bei den "runden Tischen" ausnahmsweise mal um "Intersexualität" geht, haben letztlich Transgender das Sagen bzw. sind die Medizyner in der Überzahl.

Konkret gegen die Menschenrechtsverletzungen an Zwittern wird in Berlin auch unter Klaus Wowereit lieber nichts unternommen: Weder die heutige, menschenunwürdige Praxis der Charité noch die lange Geschichte ihrer Beteiligung an den systematischen Menschrechtsverbrechen gegen Zwitter wurden je kritisch hinterfragt – weder von der Regierung noch vom Parlament.

Auch in Hamburg werden im UKE nach wie vor laufend unschuldige Zwitter genitalverstümmelt. Auch in Ole von Beusts Amtszeit. Früheren Geschädigten verweigert der Senat jegliche Aussicht auf Hilfe und Rehabilitierung.

Zwar gab es in Hamburg im 2008 und 2009 historische parlamentarische Vorstösse und Anhörungen. Kritische Fragen nach aktueller Praxis und Geschichte am UKE werden aber vom Senat abgeblockt. Der fürs UKE unmittelbar zuständige Senator Dietrich Wersich, ein ehemaliger Mediziner und Chirurg, ist ein CDU-Parteikollege Ole von Beusts.

Auch Ole von Beust hat meines Wissens nach noch nie einen einziges Wort verloren, geschweige denn einen einzigen Finger dafür krummgemacht, dass künftig am UKE auch nur ein einziger Zwitter weniger zwangsoperiert würde.

Meine 2 Cent: Wetten, würde statt den Zwittern für einmal all diesen scheinheiligen "Zwitter-Wohltätern" selber mal ungefragt etwas an den Geschlechtsteilen herumgeschnibbelt, würden sie womöglich ziemlich schnell ziemlich andere Weisen anstimmen ...

Saturday 26 September 2009

Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern

In einem Artikel >>> "Geschlechtsangleichende Operationen: Mädchen oder Junge, das ist hier die Frage" von Katharina Peter vom 12.8.09 auf news.de dürfen zwei der üblichen Zwangsoperateure einmal mehr unkommentiert ihre üblichen Medizynerlügen und -Ausreden verbreiten:

Prof. Dr. Rolf-Hermann Ringert, Direktor der Abteilung Urologie im Zentrum Chirurgie der Universitätsklinik Göttingen

"Bis in die 1980er" seien Zwitter "oft zum Mädchen umoperiert worden", "[o]ft mit tragischen psychischen Folgen. [...] «Heute ist man da sehr viel zurückhaltender geworden», sagt Professor Rolf-Hermann Ringert, Direktor der Abteilung Urologie an der Universitätsklinik Göttingen. [...] Liegen nur kleine äußerliche Fehlbildungen vor, die genetische Geschlechtsidentität ist aber eindeutig durch einen Bluttest ermittelt und andere Defekte sind ausgeschlossen, lassen sich diese oft durch kleine operative Eingriffe beheben. Aber auch eine einfache Hormontherapie kann eine Lösung sein. So könne etwa aus einem kleinen Penisansatz bei einem Mädchen, deren Geschlechtsorgane sonst voll ausgebildet sind, eine voll funktionsfähige Klitoris geformt werden, so Ringert. [...] "

"Besonders risikoreich seien die Eingriffe nicht, sagt Rolf-Hermann Ringert. Das größte Problem [...] sei die Frage der Fruchtbarkeit und in selteneren Fällen auch die Fähigkeit, penetrativen Geschlechtsverkehr zu haben. [...] «Auch dann sind noch operative Eingriffe möglich, die von der Geschlechtsumwandlung von Transsexuellen abgeleitet werden», sagt Ringert."

PD Dr. Dominique Finas, Operativer Oberarzt und Leiter der Abteilung Urogynäkologie der Universitätsklinik Lübeck

"Solche Operationen sollten möglichst zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat erfolgen, rät Finas. Grund dafür ist nicht nur, dass in diesem Alter der Heilungsprozess günstiger als während der Pubertät oder im Erwachsenenalter verläuft. Auch stelle dieses Zeitfenster psychologisch einen besonders günstigen Moment dar, damit Kinder die Eingriffe verkraften. [...]

"Doch wann der Eingriff erfolgt – ob nun im Kleinkindalter auf Wunsch der Eltern oder in der Pubertät nach Entscheidung der Betroffenen selbst – hänge ganz stark von Gesprächen mit den Eltern ab. «Das mag dem Kind gegenüber unfair sein», räumt Finas ein, «aber es geht auch um die Akzeptanz innerhalb der Familie.» [...]

Unter den Betroffenen hat sich seit kurzem ein neues Bewusstsein entwickelt, hat Finas beobachtet. «Es gibt im Internet inzwischen sehr selbstbewusst auftretende Selbsthilfegruppen», sagt er. Aber auch diese haben natürlich keine Pauschalantwort darauf, ob, wie und vor allem wann ihre geschlechtliche Besonderheit angegangen werden sollte. «Es gibt viele, die ihren Eltern durchaus dankbar sind, dass sie sich für eine frühe Operation entschieden haben», so Finas. Das gebe ihnen zumindest eine klare Linie.[...]"

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Meine 2 Cent:

Menschlich, ethisch und moralisch Gestörte prahlen öffentlich mit ihren menschenverachtenden medizinischen Verbrechen ...

Der Artikel beginnt mit einer Lüge (seit den "1980ern" habe sich die medizinische Zwangsoperations-Praxis grundlegend geändert) und schliesst mit einer Lüge ("Selbsthilfegruppen" hätten "keine Antwort darauf, ob, wie und vor allem wann" die Menschenrechtsverletzungen zu beenden seien). Dazwischen die weiteren üblichen Phrasen über "genetische Geschlechtsidentität", "vorerst äußerlich nicht sichtbare Defekte" usw. 

Meiner Rechtsauffassung nach ein klarer Fall für den Staatsanwalt. Wer wehrlose kleine Zwitterkinder ohne informierte Zustimmung zwangsbehandelt und zu entsprechenden genitalen Zwangsoperationen, Zwangshormontherapien usw. gar noch öffentlich aufruft, gehört gerichtlich bestraft!

Zwangsoperateure wir kriegen euch!

Siehe auch:
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- "Krebsgefahr!" - Teamwork zwischen Endokrinologen und Chirurgen im Kinderspital Zürich 
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded 

Wednesday 9 September 2009

Update: GPGF Kongress, Zwittersymbol, "Nature oder Nurture"

Wem gehört das Zwittersymbol?Im Anschluss an den Blogpost zum Thema vom 19.8. hatte Nella im Namen von Zwischengeschlecht.org sowohl die GPGF wie auch Hertha Richter-Appelt mehrfach angeschrieben betreffend unserer Bedenken in Sachen a) problematische Behandlung von "Nature vs. Nurture" als "rein akademisches Thema" unter Ausblendung der damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen an Zwittern sowie b)  wegen der fragwürdigen Verwendung des Zwittersymbols im GPGF-Logo.

Nach harzigen Anläufen erhielten wir unterdessen erste inhaltliche Antworten:

Die Interdisziplinäre Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen und Genderfragen GPGF liess uns wissen, sie hätten uns das Kongressprogramm zugesandt, "weil wir immer den Dialog gerne mit Betroffenen suchen." (Wir selber halten fest, zufällig durch eine solidarische BesucherIn vom Kongress erfahren zu haben.)

Auch haben wir natürlich vom IS-Projekt ["Hamburger Studie"] von Frau Professor Richter-Appelt gehört, sie deshalb eingeladen und das ganze Thema in das Kongressprogramm aufgenommen.

Immer wieder wird ja reklamiert, dass dieses Thema so wenig in den Fortbildungen für Mediziner und Psychologen beachtet wird. Wie Sie aus den Publikationen von Frau Richter-Appelt wissen, werden wir das Thema verantwortungsvoll und sensibel vermitteln.

Das Symbol wurde von uns gewählt, um damit Männer und Frauen darzustellen und es war nicht bekannt, dass das auch das Zwittersymbol ist. Also keine in irgendwelche Weise böse Absicht dahinter, sondern nur Unwissen. Es tut mir leid.

Es wurde uns angeboten, über unsere Anliegen zu einem ruhigeren Zeitpunkt nach dem Kongress persönlich zu diskutieren, was wir gerne annahmen.

Hertha Richter-Appelt
verwies uns auf eine Publikation in einem Buch, das auf Zwischengeschlecht.info schon mehrmals erwähnt wurde (u. a. wurde auch just Richter-Appelt gegen Anwürfe deswegen verteidigt). Richter-Appelt vertrat die Meinung, das Zwittersymbol sei nur das Logo der Veranstaltung (statt fester Bestandteil des GPGF-Logos) und deshalb "gerechtertigt" (aus unserer Sicht hingegen nicht einmal, wenn es sich tatsächlich nur um ein Veranstaltungslogo handeln würde, da a) "Intersexualität" nicht alleiniges Thema der Veranstaltung ist und b) Betroffene nicht einbezogen wurden). Ihre Vorträge halte Richter-Appelt "in der Regel frei" und habe deshalb "auch nicht mehr Informationen". Und weiter:

Bitte achten Sie darauf, dass Ihre Aktionen nicht dazu führen, dass das Thema Intersexualität wieder von Fachtagungen verschwindet. Das könnte passieren, wenn Sie bereits im Vorfeld (in meinen Augen unbegründete) Kritik anbringen.

Meine 2 Cent:

Seit Jahrzehnten und bis auf den heutigen Tag wird der "theoretisch-akademische Diskurs" um "Nature oder Nurture" als unkontrolliertes Feldexperiment buchstäblich an den zwangsoperierten Körpern der Zwitter ausgetragen.

Solange nicht unmissverständlich klar ist, dass die daraus resultierenden, schwerwiegenden ethischen und menschenrechtlichen Komplikationen auch an wissenschaftlichen Fachtagungen, bei Medieninterviews usw. jedesmal adäquat gewürdigt werden – solange nicht alle an diesem unkontrollierten Feldexperiment beteiligten Disziplinen (wozu auch Psychiatrie und Sexologie gehören) die damit verbundenen ethischen und menschenrechtlichen Probleme endlich grundlegend reflektieren und aufarbeiten – solange ist kontinuierliche und unüberhörbare Kritik daran offensichtlich weiterhin notwendig.

Sollte die vorerst einzige Reaktion auf diese Kritik sein, dass – wie von Hertha Richter-Appelt angedroht – "das Thema Intersexualität wieder von Fachtagungen verschwindet", ist dies letztlich besser so und nur zu begrüssen. (In der Öffentlichkeit, vor Gericht, in den Parlamenten etc. werden die Zwangsbehandlungen ohnehin Thema bleiben – ob's den direkt oder indirekt daran beteiligten WissenschaftlerInnen passt oder nicht.)

Die an den Zwangsbehandlungen beteiligten Disziplinen werden sich wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass sie nirgends mehr Kongresse über Zwitter abhalten können, an welchen die Frage der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern nicht klar und gebührend adressiert wird, ohne dass sie dabei auf kritische Fragen oder gar Widerstand stossen – je länger desto entschlossener. Dasselbe gilt auch für die fragwürdige und unreflektierte Verwendung des Zwittersymbols.

Dass auch progressive VertreterInnen dieser Disziplinen – wie im vorliegenden Fall z.B. Hertha Richter-Appelt – damit offensichtlich immer noch etwas ihre liebe Mühe haben, unterstreicht lediglich, wie arg es mit den beteiligten Disziplinen als Ganzes steht und wie dringend eine umfassende Aufarbeitung offensichtlich Not tut. (Trotzdem sollten in der Kritik die Unzulänglichkeiten der Progressiven nicht mit den Machenschaften der Ewiggestrigen verwechselt oder gar in einen Topf geworfen werden.)

Dass die GPGF freundliche Botschaften sendet und den Dialog anbietet, ehrt sie und ist ein guter Anfang. Trotzdem wird sich noch zeigen müssen, wohin dieser Dialog konkret führt. Wie etwa das Negativbeispiel "Netzwerk DSD" zeigt, letztlich sind es die Taten, die zählen.

Fortsetzung folgt ...     

Monday 31 August 2009

Keine Zwangsoperationen mehr in Biel? - Berner Zeitung, 17.8.09

Gratuliere, es ist sein Zwitter!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Den ganzseitigen Artikel in der BZ von Andrea Sommer anlässlich der Aktion am Inselspital Bern schätzen mehrere Beteiligte als den insgesamt gelungensten ein. Dies wohl nicht zuletzt wegen der zusätzlichen Kästen zu Christianes Prozess und zum Offenen Brief, sowie wegen eines Aufsehen erregenden Interviews mit der Chefärztin der Kinderklinik in Biel, das wir nachfolgend dokumentieren:

>>> online bei der Berner Zeitung

«Betroffene sollen wählen»

Die Chefärztin der Bieler Kinderklinik Wildermeth wehrt sich gegen den Zwang zum eindeutigen Geschlecht.

In ihrer Aktion vor dem Inselspital von gestern prangerte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org die Praxis der Zwangsoperationen an. Auch heute noch würden Kleinkinder unklaren Geschlechts mit dem Skalpell und ohne ihre Einwilligung zu Mädchen oder Buben gemacht.

Dass es auch anders geht, zeigt die Kinderklinik Wildermeth in Biel. Chefärztin Christine Aebi ist auf Kinderendokrinologie spezialisiert, also auf die Lehre der Hormone. Aebi wehrt sich gegen den Zwang zum eindeutigen Geschlecht. "Ob Mann oder Frau, das wird nicht allein durch das äussere Geschlecht bestimmt, sondern auch durch den Gender, also das innere Fühlen als Frau oder Mann."

Bei Säuglingen mit unklarem Geschlecht werde eine Chromosomenanalyse durchgeführt, die Aufschluss darüber gebe, ob das Kind eher ein Bub oder ein Mädchen ist, sagt Aebi. "Unabhängig vom Resultat raten wir den Eltern, zu warten, bis ihr Kind sein Geschlecht selber wählen kann." Die Eltern würden dies akzeptieren, sagt Aebi. "Natürlich brauchen sie dann Begleitung durch Fachleute." Laut Aebi ist eine Operation einzig aus gesundheitlichen Gründen angebracht. "Etwa dann, wenn es durch die Ausbildung der Geschlechtsorgane zu Infektionen der Nieren kommt oder der Stuhlgang behindert wird."

Aebi ist seit zehn Jahren Chefärztin der Kinderklinik Wildermeth. Davor praktizierte sie länger in Kanada. "Dort ist die Politik jene, dass man die Kinder sein lässt, wie sie geboren wurden, bis sie selber entscheiden können", so Aebi. In anderen Kulturen seien intersexuelle Menschen akzeptierter als in unseren Breitengraden. Etwa in Indien. Aebi: "Dort geht man davon aus, dass der Mensch gespalten wurde und das Weibliche und Männliche wieder in sich vereinen muss. Kommt ein zwischengeschlechtliches Kind zur Welt, dann ist dies ein Geschenk."

(Berner Zeitung, 17.08.2009, S. 19)

Solche Aussagen von MedizinerInnen wie die obigen von Christine Aebi machen immer froh und sind Anlass zu Optimismus und (Vor-)Freude auf eine bessere Zukunft – auch für kleine Zwitterkinder. Danke!!!

Ihrer Homepage nach verfügt die Bieler Kinderklinik Wildermeth gar nicht (mehr?) über eine urologisch-kinderchirurgische Abteilung, die auch Zwangsoperationen vornimmt.

Bleibt zu hoffen, dass auch diejenigen Spitäler, die nach wie vor Zwangsoperationen anbieten (in der Schweiz sind dies die Kinderspitäler in Basel, Bern, Lausanne, Luzern, Genf, St. Gallen und Zürich), endlich zur Besinnung kommen ...  

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

Wednesday 19 August 2009

GPGF Basel 10.-12.09.09: Stop Vereinnahmung des Zwittersymbols im Namen von "Gender" und "Psychiatrie"!

Wem gehört das Zwittersymbol?"Nature vs. Nurture" hat für Zwitter einen besonders bitteren Geschmack: Schliesslich wurde und wird dieser "theoretisch-akademische Diskurs" seit Jahrzehnten und bis auf den heutigen Tag buchstäblich an ihren zwangsoperierten Körpern ausgetragen.

Demnächst einmal mehr am "9. Kongress der interdisziplinären Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen und Genderfragen (GPGF)", heuer unter dem Motto "Gender – Psyche – Lebensphasen", dessen Eröffnungstag ganz dem Thema gewidmet ist: "Geschlechtsidentität: nature oder nurture?" Darin zentral platziert ein Referat von Hertha Richter-Appelt (--> "Hamburger Studie") mit dem Titel "Geschlechtidentität bei XY-Frauen und XX-Männern" (>>> Programm).

Continue reading...

Sunday 16 August 2009

Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern

Menschenrechte auch für Zwitter!

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden

Wie in Basel, Lausanne, Luzern, Genf, St. Gallen und Zürich werden die Zwangsbehandlungen auch im Inselspital experimentell durchgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Prof. Dr. med. Primus Mullis, Abteilungsleiter für pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Medizinische Universitäts-Kinderklinik Bern, liess 2007 noch gönnerhaft durchblicken, "unter den Ärzten [wachse] die Bereitschaft, ein unbestimmtes Geschlecht auch einmal sein zu lassen" (Das Magazin 36/2007).

Zacharias Zachariou, Direktor der Kinderchirurgie des Inselspitals, betonte demgegenüber, wie wichtig es sei, "möglichst in den ersten zwei Jahren nach der Geburt zu einer Entscheidung zu kommen" – gefolgt von der klassischen 'Begründung': "Stellen Sie sich einmal den psychischen Druck für ein Kind vor, das nicht weiss, ob es ein Knabe oder Mädchen ist. Oder wenn es mit den Jungs in die Umkleidekabine geht und die anderen sehen, dass es keinen Penis hat!" (NZZaS 13.07.2008)

Aufgeschreckt durch die zunehmende Medienpräsenz unzufriedener Zwangsoperierter schwenkte Primus Mullis wenige Monate später gänzlich um und behauptete plötzlich: "Hier werden keine Zwangsoperationen durchgeführt." Um dann im selben Atemzug als "Ausnahme in kosmetischer Hinsicht" diejenigen "Mädchen" zu nennen, die mit dem so genannten adrenogenitalen Syndrom geboren werden: "Die oft vergrösserte Klitoris werde wegen des sozialen Stigmas verkleinert." Bezeichnenderweise handelt es sich bei der "Ausnahme" AGS-"Mädchen" um die zahlenmässig grösste "Patientengruppe". (Der Bund 15.11.2008)

Fazit: Wie überall in der Schweiz werden auch im Inselspital nach wie vor wehrlose Zwitterkinder genital zwangsoperiert!

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009

Wednesday 15 July 2009

Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD"

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Seit längerer Zeit steht der Verein "Intersexuelle Menschen e.V." von verschiedenen Seiten in der Kritik für sein unkritisches Verhältnis gegenüber dem "Netzwerk DSD/Intersexualität". Dies umso mehr, als durch das "Netzwerks DSD" zigfach Versprechen gebrochen und zentrale Anliegen der Zwitter demonstrativ nicht zur Kenntnis genommen wurden. Nun stoppte der Verein seine öffentliche Unterstützung des Netzwerkes – allerding ohne dies publik zu machen oder sonst irgend eine öffentliche Kritik zu formulieren.

Das "Netzwerk Intersexualität" (wie das heutige "Netzwerk DSD" ursprünglich hiess) existierte von 2003-2008. Es war ausschliesslich bundesfinanziert durch das BMBF und entstand nicht zuletzt auf Grund eines Antrags 14/6259 der Bundestagsfraktion DIE LINKE vom 12.06.2001 (>>> mehr).

In diesem Antrag wurde bereits festgelegt, dass das Netzwerk nicht selbstherrlich operieren darf, sondern "Interessenvertretungen von Intersexuellen" einbeziehen muss. Namentlich aufgeführt wurde im Antrag die von Michel Reiter mitbegründete "AGGP[G] (Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie)". Leider existierte diese bereits nicht mehr, als das "Netzwerk" schliesslich in die Gänge kam, und die zu diesem Zeitpunkt bestehenden Selbsthilfegruppen waren entweder den Medizynern gegenüber allzu unkritisch ("AGS Eltern- und Patienteninitiative") oder der dem "Netzwerk" offensichtlich nicht gewachsen, um wirksam Paroli bieten zu können ("XY-Frauen", "Intersexuelle Menschen e.V.").

Im Gegenteil wurden insbesondere von Mitgliedern des aktuellen Vorstands von "Intersexuelle Menschen e.V." jahrelang jegliche konkreten Bestrebungen abgeklemmt, das "Netzwerk Intersexualität/DSD" endlich in die Pflicht zu nehmen und falls nötig auch öffentlich und politisch unter Druck zu setzen. Dies jeweils nach dem Motto "Wir haben den Fuss in der Türe, wir dürfen jetzt nicht zu laut auftreten, sonst verlieren wir alles" (ohne jeweils kritisch zu überprüfen, woraus dieses "alles" überhaupt bestand). So liessen sich Delegierte des Vereins eins ums andere Mal vom "Netzwerk" zu neuen Aussprachen und "Elefantenrunden" einladen, wo eins ums andere Mal schöne mündliche Versprechungen gemacht wurden, denen allerdings nie Taten folgten (oder nur schon ein versprochenes schriftliches Protokoll mit den Zusagen in schriftlicher Form).

Da das Netzwerk ausschliesslich von öffentlichen Geldern des BMBF finanziert wurde, hätte öffentlicher und politischer Druck durchaus Wirkungen zeigen können. Stattdessen legitimierte der Verein das "Netzwerk" jahrelang öffentlich mit folgender Ankündigung auf seiner Homepage:

Welches sind die Ziele von Intersexuelle Menschen e.V.?

[...] Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Akquisition von Fördergeldern der öffentlichen Hand zur Unterstützung der Arbeit sowohl von Intersexuelle Menschen e.V., als auch der einzelnen Selbsthilfegruppen und deren Mitglieder.
Zudem streben wir eine enge Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Intersexualität an, das im Rahmen des Förderprogramms „Seltene Erkrankungen“ beim Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründet wurde und die Forschungsanstrengungen unterschiedlicher Teams von Wissenschaftlern im Bereich der Intersexualität bündelt (www.netzwerk-is.de).

Insbesondere der letzte Satz wurde von verschieden Aktivist_innen seit längerem kritisiert.

2009 ist nun die Netzwerkfinanzierung ausgelaufen und das ehemalige "Netzwerk" damit Geschichte. Anfang Jahr wurde deshalb die Nachfolgeorganisation "Netzwerk DSD" aus der Taufe gehoben, die Gelder fliessen nun vornehmlich aus EU-Kassen via die inzwischen ebenfalls neu gegründete Orgnisation "Euro DSD" (Olaf Hiort, 1. Vorsitzender des "Netzwerk DSD", ist auch bei "EuroDSD" der verantwortliche "Koordinator").

Ironie des Schicksals: Just nun, wo es nix mehr bringt, wurde im letzten Frühjahr schliesslich doch noch zunächst der oben zitierte, kritisierte Satz von der IMeV-Vereinspage entfernt, dito auch von der XY-Frauen-Page. (Mittlerweile wurde auf der Vereinshomepage auch der Rest des Abschnitts gestrichen.)

Dies alles klammheimlich, ohne dass es je öffentlich erklärt oder begründet wurde, geschweige denn, dass das "Netzwerk DSD" jemals öffentlich für seine gebrochenen Versprechen und das Unterlassen jeglicher konkreten Hilfe für geschädigte Zwitter angeprangert oder gar zur Rechenschaft gezogen wurde.

Die Medizyner freut's ...

Siehe auch:
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht     
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000

Friday 10 July 2009

"Intersexualität" = "sexuelle Identität und Lebensweise"??! – Grüne VereinnahmerInnen immer noch nichts gelernt

Im Bundestag stellen die Grünen einen >>> Antrag "Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie" (PDF). An und für sich eine gute Sache. Schlichtwegs unerträglich ist jedoch, wie die Grünen dabei einmal mehr die Leiden genital zwangsoperierter Zwitter für LGBT-Partikularinteressen instrumentalisieren.

Auch im fraglichen Antrag sind die Zwitter einmal mehr bloss als obligates Schlusslicht kommentarlos "mitgemeint" und die Grünen behaupten gar erneut, Zwitter seien kein biologisch-körperliches Geschlecht, sondern lediglich eine besondere Form von "sexueller Identität und Lebensweise". Diese unsägliche Vereinnahmung muss endlich aufhören!

Die genitalen Zwangsoperationen und sonstigen nicht-eingewilligten Zwangseingriffe an Zwittern sind die wohl gravierendste Menschenrechtsverletzung in den "westlichen Industrienationen" seit dem 2. Weltkrieg – in Ausmass, Umfang, Schwere und Systematik wirklich nicht zu vergleichen mit den vergleichsweise klar "harmloseren" Diskrimierungen, denen LGBTs ausgesetzt sind.

Nach wie vor wollen die Grünen das um keinen Preis wahrhaben, sondern versuchen stur nach dem Motto "bei LGBT 'mitgemeint'" die Zwangsoperationen usw. unter den Tisch zu wischen und stattdessen sich selbst auf Kosten der zwangsoperierten Zwitterkinder politisch zu profilieren. Nach wie vor ist DIE LINKE die einzige Partei, die bisher zugunsten der Zwitter im Bundestag konkrete Vorstösse startete – immerhin 7 in den letzten 13 Jahren (eins / zwei / drei).

Allen jahrelangen Lippenbekenntnissen und schönen Versprechen zum Trotz haben die Grünen bis heute zur Beendigung der massivsten Menschenrechtsverletzungen an Zwittern auf Bundesebene noch KEINEN EINZIGEN konkreten Schritt unternommen!

Stattdessen missbrauchen die "Gender- und QueerspezialistInnen" der Grünen, allen voran immer wieder Volker Beck und Irmingard Schewe-Gerigk, die Leiden der Zwitter regelmässig dazu, ihre eigenen LGB-Anliegen voranzutreiben, und degradieren die Zwitter dazu in steter Regelmässigkeit als (oft nur "mitgemeintes") Anhängsel ihrer eigenen Partikularinteressen. Falls sie "Intersexuelle" überhaupt erwähnen, dann STETS und IMMER in der anscheinend gottgegebenen Reihenfolge als Schlusslicht.

So auch einmal mehr in einem aktuellen Antrag >>> "Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie" (PDF).

"Intersexuelle" werden darin 7 mal erwähnt, und zwar – Überraschung! – JEDES MAL und AUSSCHLIESSLICH als kommentarlos mitgemeintes Anhängsel unter "Lesben,  Schwulen,  Bisexuellen und trans-  oder  intersexuellen Menschen"!

Dabei entblöden sich die Grünen weiter, die Zwitter dabei JEDES MAL und AUSSCHLIESSLICH kommentarlos unter "sexuelle[...] Identitäten und Lebensweisen" (S. 2 2x, S. 3 2x) einzubinden.

Während die Grünen in ihrem Antrag für "Schwule, Lesben und Transgender" bzw. für "Lesben, Schwule,  Bisexuelle und Transsexuelle" eine Vielzahl konkreter Anträge stellen, bleiben die Zwitter punkto konkrete Anträge einmal mehr KOMPLETT aussen vor, genitale Zwangoperationen und das dauernd missachtete Recht auf körperliche Unversehrtheit werden KEIN EINZIGES MAL angesprochen.

Dies alles ist umso beschämender, nachdem nun immerhin der LSVD inzwischen mit einem konkreten Wahlprüfstein zugunsten von "Menschenrechte auch für Zwitter!" ein konkretes Beispiel gesetzt hat, wie's auch anders geht. Nur haben die Grünen offensichtlich auch das verpennt ... Stattdessen verbrüdern sie sich noch mit den menschenverachtenden Zwangsoperateuren!

Wetten, dass sich das alles ziemlich schnell ändern würde, wenn von den grünen VereinnahmerInnen mal ein paar am eigenen Leibe genital zwangsoperiert oder nur schon zwangskastriert würden??!!

Gefunden via Bundestags-Suchmaschine zu "Intersexualität":
http://suche.bundestag.de/searchAction.do?queryAll=&queryOne=intersexuell+intersexuelle+intersex

Siehe auch:
-
- "Intersexualität" = sexuelle Orientierung??! 
- Lauter leere Versprechungen: Fachgespräch der Grünen 27.5.09
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert – Grüne wollen nix gemerkt haben
- Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen: Yogyakarta untaugliches Instrument
- QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?"      

Thursday 9 July 2009

Protokoll 2. Ausschusssitzung Hamburg: Laut Senat für Zwitter Geschlechtseintrag "Nicht bekannt" jetzt schon möglich

Das >>> Protokoll zur 2. Sitzung (PDF) des Ausschusses für Gesundheit und Verbraucherschutz zum Thema "Politischer Handlungsbedarf bei der Regelung für ärztliche Behandlungen von Hermaphroditen" vom 2. Juni 2009 ist jetzt erhältlich. Es handelt sich um die Nachfolgesitzung der Anhörung vom 29. April 2009 zum selben Thema. Schwerpunkt waren diesmal Stellungnahmen des Senats zu den Ergebnissen der Anhörung.

Die Bombe war zweifellos, nach Auffassung des Senats sehe

das Personenstandsgesetz in Deutschland [...] aktuell keine Verpflichtung vor, bei der Anmeldung des Kindes nach der Geburt auch das Geschlecht festzulegen. Wenn das Geschlecht zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt sei, könne dies auch so eingetragen werden. Es werde derzeit eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Personenstandsgesetz diskutiert, nach der auch der Eintrag beim Standesamt, dass das Geschlecht nicht festgestellt sei, zulässig sei. Es werde danach keine Frist gesetzt, innerhalb der das Geschlecht festgelegt werden müsse. (S. 3)

Sieht fast so aus, als würde der seinerzeitige Prozess von Michel Reiter um Anerkennung eines 3. Geschlechtseintrags "zwittrig" doch noch späte Früchte tragen, obwohl er seinerzeit in 2 Instanzen unterlag ...

Nachtrag: >>> Thread dazu im Hermaphroditforum

Nach wie vor zu keinen konkreten Stellungnahmen durchringen kann sich der Senat auch betreffend der von RechtsexpertInnen und EthikerInnen weitgehend unbestrittenen Widerrechtlichkeit der genitalen Zwangsoperationen und Zwangskastrationen an Zwittern (vgl. auch seine wirklich beschämenden Antworten auf die Grossen Anfragen). 

Einmal mehr versteckt er sich hinter den nicht minder beschämenden Ausreden der Bundesregierung und führt weiter insbesondere die auf diesem Blog bereits eingehend kritisierte, nebulöse aktuelle AWMF-Leitline mehrfach ins Feld, die aus durchsichtigen Gründen u.a. behauptet, eine klare Trennung von "kosmetische" vs. medizinisch indizierte Operationen sei angeblich nicht möglich (AWMF-Leitlinie, "Chirurgische Therapie"). Tatsache ist demgegenüber, dass die weitaus häufigsten Eingriffe, die sog. "Klitorisreduktionen" und "Penisaufrichtungen" klar ausschliesslich kosmetisch sind, während lediglich Operationen medizinisch indiziert sind, wenn es z.B. darum geht, einen blockierten Harnabfluss zu ermöglichen, oder bestehende (und nicht medizynerseits eingebildete!) Tumore zu entfernen.

Auf die Stichworte "Menschenrechtsverträge" und "UNO" waschen sich die Delegierten des Senats die Hände wie gehabt in Unschuld rsp. in der altbewährte Zauberformel "sei ihnen nicht bekannt", garniert mit den üblichen schönen Ankündigungen: "Es müsse überprüft werden, ob es Auswirkungen auf deutsche Regelungen gebe." (S. 5)

Empörend auch, wie der Senat ohne Belege behauptet, "Die Einschätzung der Mediziner dazu [= Notwendigkeit medizinischer Eingriffe] habe sich in den letzten Jahren dramatisch verändert." (S. 2) Tatsache ist, noch die frisierte Version der "Lübecker Studie" belegt, dass nach wie vor 87% der Kinder zwischen 4 und 12 Jahren genital zwangsoperiert sind, über ein Viertel davon hat 3 und mehr Zwangsoperationen hinter sich! (Zum Vergleich: Von den heute Erwachsenen sind 90% genital zwangsoperiert, davon ebenfalls über ein Viertel mindestens 3 mal.) (Tabelle "Operationen nach Altersgruppen", S. 4)

Einmal mehr verbreitet der Senat ungehemmt das Medizynermärchen, Zwangskastrationen an Intersexuellen seien gar keine Kastrationen und würden deshalb nicht unter das "Kastrationsgesetz" fallen (S. 6). Tatsache ist, die Medizyner selbst sprechen oft genug von "Castratio", und auch die heute eher favorisierte Umschreibung "Gonadektomie" bedeutet dasselbe.

Auch in Sachen Statistiklüge hält es der Senat strikt mit den Medizynern, indem er ungeniert widersprüchliche Angaben zur Häufigkeit von Zwittern von sich gibt und ansonsten alles lieber weiterhin im Ungewissen belässt rsp. auf die strikt "individuelle Betrachtung des Einzelfalls" beschränkt haben will (S. 2), statt der Sache endlich auf den Grund zu gehen und verlässliche Zahlen zu beschaffen sowohl zum Vorkommen wie auch der "Behandlung" der Zwitter, sowie auch zum Verhältnis kosmetische vs. wirklich medizinisch notwendige Eingriffe.

Bezeichnend auch, wie der Senat pauschal weiter behauptet, "Formalrechtlich könnten Eltern ihre Einwilligung zu Operationen jeder Art geben", sowie, "es gebe nur einen Eingriff, nämlich die Sterilisation, zu dem die Eltern ihre Einwilligung nicht erteilen könnten" (die dann bei den Zwittern laut Senat ja gar keine Sterilisation bzw. Kastration ist, siehe oben). Ähm, schon mal was von übergeordneten Menschenrechten gehört, oder vom Grundgesetz auf körperliche Unversehrtheit?! Für den Senat offensichtlich alles "nicht bekannt[e]" Fremdwörter, bzw. auf Zwitter anscheinend nicht anwendbar.

Fazit: Es ist noch ein weiter Weg für die Urforderung dieses Blogs "Menschenrechte auch für Zwitter!", und ohne massiven zusätzlichen politischen, öffentlichen und juristischen Druck bleibt das wohl schlicht eine Fata Morgana bzw. ein frommer Wunschtraum.

Siehe auch:
- Hamburg: Ausschuss-Protokoll + Nachfolgesitzung 2.6.09 
- "Netzwerk DSD"-Chef Olaf Hiort: "keine Qualitätskontrolle" bei Zwangsoperationen an Zwittern 
- Hamburger Senat reiht sich ein unter die MittäterInnen
- Antwort der Bundesregierung zur 2. Kleinen Anfrage – Leugnen, Wegschauen, Schweigen wie gehabt ...   

Wednesday 1 July 2009

Antwort der Bundesregierung zur 2. Kleinen Anfrage – Leugnen, Wegschauen, Schweigen wie gehabt ...

Menschenrechte auch für Zwitter!

Nun liegt auch die Antwort vor zur 2. der beiden aktuellen Kleinen Anfragen der Fraktion DIE LINKE mit dem Schwerpunkt "Medizinische Aspekte und die Förderung Betroffener". Einmal mehr stellt sich die Bundesregierung – Überraschung! – praktisch vorbehaltslos und vollumfänglich hinter die Zwangsoperateure.

Nach wie vor lautet die fast durchgängige Standardlüge, Pardon, -antwort:

Dazu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.

Sogar wo die Bundesregierung nach 13-jährigem kontinuierlichen Nachhaken durch regelmässige kleine Anfragen sowie nach einer ersten Rüge durch den UN-Ausschuss CEDAW gezwungenermassen mikroskopische erste Schritte nach vorn unternimmt, kann sie es nicht lassen, sich gleichzeitig über die Betroffenen und ihre Leiden an den menschenrechtswidrigen Zwangseingriffen lustig zu machen, z.B. in Antwort 9:

Der Bundesregierung ist bekannt, dass von Betroffenen in Einzelfällen auch so genannte „Traumatisierungen“ als Spätfolge berichtet werden. Über deren Umfang liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.

Hier kommt nicht nur zum Schaden der Zwangsoperierten noch der Spott der MittäterInnen dazu, sondern diese Antwort ist auch (einmal mehr) klar gelogen. Wie leider nach wie vor praktisch alle anderen Antworten auch ...

Einmal mehr wird's wohl von den übrigen Bundestagsparteien eh niemand gemerkt haben wollen. Ebenso wie sich mit Ausnahme von DIE LINKE bisher auch jede andere Fraktion stets zu gut war, auf Bundesebene überhaupt irgend einen konkreten Vorstoss zu Gunsten der Zwitter zu unternehmen – obwohl die Menschenrechtsverletzungen an Zwitterkindern (nicht nur in Deutschland) wohl die gravierendsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem 2. Weltkrieg darstellen.

Trotz alledem wage ich zu behaupten: Es wir der Tag kommen, an dem nebst den Zwangsoperateuren auch ihre Brötchengeber und KomplizInnen zur Rechenschaft gezogen werden. Ihre Verbrechen sind bekannt und bestens dokumentiert, wie auch die vorliegende Antwort einmal mehr illustriert.

>>> Pressemeldung    >>> Antworten (PDF)

Siehe auch:
- Erste Antwort auf die neuen kleinen Anfragen – Bundesregierung deckt ZwangsOPs wie üblich ...
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Faule Eier für "die Bundesregierung"! 

Thursday 25 June 2009

"Netzwerk DSD"/"Euro DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure

Nachdem die (auch hier) oft kritisierte AMWF-Leitlinie "Störungen der sexuellen Differenzierung" (2003-2008) ("Entwicklungsstufe 1") der Urologenvereinigung DGU inzwischen auf dem Netz offiziell nicht mehr einsehbar ist, vertritt nun ein "multidisziplinäres" Konglomerat unter Federführung der "Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ)" mit der obligat betitelten AMWF-Leitlinie "Störungen der Geschlechtsentwicklung" ("Entwicklungsstufe 1 + IDA") den Offiziellen Branchenkonsens.

Zum ersten Mal überhaupt sind darin auch 2 Selbsthilfegruppen kommentierend mitbeteiligt und erwähnt, nämlich die "XY-Elterngruppe" und die "AGS-Eltern-und Patienteninitiative e.V."

Auf den ersten Blick liest sich die neue "Leitlinie" tatsächlich einiges freundlicher als die alte, die Kommentare der Selbsthilfegruppen stellen Verbesserungen dar, auch die "Ethische[n] Grundsätze und Empfehlungen" werden mehrfach gewürdigt.

Unter dem Strich werden jedoch wehrlosen Zwitterkindern "letztlich" einmal mehr jegliche (Menschen-)Rechte abgesprochen. Als Beleg wird – Überraschung! – ausgerechnet das Papier der Ethikgruppe des "Netzwerks DSD/Intersexualiät" [110] namentlich herausgestrichen (meine Hervorhebung):

Ein uneindeutiges Genitale kann eine erhebliche psychosoziale Belastung der Eltern und der Familie bedeuten [23, 84, 110]

Rechtlich steht letztlich den Eltern die Entscheidung zu (aus: Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen) [110]

Fazit: Schnipp, schnipp!! Es wird munter weiter widerrechtlich zwangsoperiert wie eh und je – einfach neu unter Berufung auf das Netzwerk-Ethikpapier! Erst Recht unter dem neuen Label der Netzwerk-Nachfolgeorganisation "EuroDSD"!

Als AutorInnen der aktuellen "Leitlinie" firmieren:

P.M. Holterhus, B. Köhler, E. Korsch, A. Richter-Unruh.

Nebst der DGKJ mitbeteiligt waren:

Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE) als Sektion der
der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ)
sowie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Arbeitsgruppe Disorders of Sex Development (DSD) der APE

Untenstehend in chronologischer Reihenfolge alle Ausschnitte, in denen sich die "Leitlinie" auf das Ethikpapier beruft, gefolgt von der Quellenfussnote:

Ein uneindeutiges Genitale kann eine erhebliche psychosoziale Belastung der Eltern und der Familie bedeuten [23, 84, 110]

Die Geschlechtszuordnung soll dabei auf der Grundlage einer Diagnostik und unter Einbeziehung von Experten, nach Möglichkeit in einem Zentrum mit einem erfahrenen multidisziplinären Team (mit erfahrenen Kinderendokrinologen, Kinderchirurgen oder Kinderurologen, klinischen Psychologen oder Kinder- und Jugendpsychiater, Gynäkologen, Genetiker, Neonatologen, Sozialarbeiter, Pflegenden und Ethikern) und nach offener Darlegung und mit Beteiligung der Eltern und deren Beratern erfolgen [105, 106, 107, 110, 111]

Genitale Korrekturoperationen jeglicher Art werden zur Zeit kontrovers diskutiert, da kontrollierte Studien dazu nicht vorliegen und Untersuchungen zum Outcome unbefriedigend sind [15, 44, 67, 76, 89, 110]

Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung sind nicht per se aus rein kosmetischen Gründen korrekturbedürftig und stellen bei einem Neugeborenen keinen chirurgischen, jedoch in der Regel einen psychosozialen Notfall dar. Jede Therapieentscheidung, die nicht eine unmittelbare Gefahr für Leben und Gesundheit des Kindes abwenden soll, muss unter Vermeidung von Zeitdruck und unter hinreichender Abwägung unterschiedlicher Optionen im Gespräch mit Vertretern des therapeutischen Teams und den Eltern sorgfältig geprüft werden. Das therapeutische Team muss die Eltern von Anfang an und umfassend in die Entscheidungsfindung und Therapieplanung einbeziehen und sich davon überzeugen, dass sie die geplanten Maßnahmen, deren Bedeutung und Tragweite verstanden haben. Rechtlich steht letztlich den Eltern die Entscheidung zu (aus: Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen) [110].

110.  Wiesmann C, Dörries A, Hampel E, Janssen-Schmidchen G, Korsch E, Kraus-Kinsky E, Leriche C, Loeser E, Müller L, Reutter H, Rothärmel S, Sinnecker G, Ude-Koeller S, Werner-Rosen K, Zöller G, eine weitere Person aus der Gruppe der Betroffenen. Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität „Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung“ Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD. Therapeutischer Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung/Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen. Monatschr Kinderheilk 156: 241-245, 2008

>>> AMWF-Leitlinie "Störungen der Geschlechtsentwicklung"

>>> "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD" (PDF-Download)

Siehe auch:
- "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD": Zwangsoperationen klar unzulässig
- Wie das "Netzwerk DSD"/"Euro DSD" die "Lübecker Studie" frisiert 
- "Euro-DSD"-Zwangsoperateure: transsexuell = intersexuell??! 

Saturday 20 June 2009

"Euro-DSD"-Chef Olaf Hiort: "keine Qualitätskontrolle" bei Zwangsoperationen an Zwittern

Menschenrechte auch für Zwitter!

Wie schon im entsprechenden Post nachgetragen, streicht Michel Reiter in einer treffenden Analyse des Protokolls der parlamentarischen Anhörung in Hamburg (--> 14.6.09) einige vielsagende Zitate heraus wie z.B. "Es gibt keine Qualitätskontrolle" (obwohl im Gesundheitswesen Qualitätsmanagement eigentlich vorgeschrieben wäre) und erläutert näher, was das konkret bedeutet. Prädikat: Unbedingt lesen! (--> 14.6.09)

Bleibt zu befürchten, dass das "Netzwerk DSD" und die nachfolgeorganisation "EuroDSD" der Politik und der Öffentlickeit künftig frisierte Versionen der "Lübecker Studie" als Nachreichung der bisher fehlenden "Qualitätskontrolle" bzw. als "wissenschaftliche Rechtfertigung" zur Fortführung der menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen verkaufen wird – und die Bundesregierung als langjährige Mittäterin dabei wie üblich noch so gern mitspielt ...

Nachtrag: Wichtiger Vorschlag von Einhorn, wie gegen die Verfälschung der "Lübecker Studie" vorgegangen werden kann, hier in den Kommentaren.

Wednesday 17 June 2009

Wie das "Netzwerk DSD"/"Euro DSD" die "Lübecker Studie" frisiert

Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB)

Bisher hoben sich die BMBF-finanzierten Netzwerk-Studien wohltuend ab von unseriösen Vorgängerprojekten à la Meyer-Bahlburg, die von vornherein auf Pro-Zwangsops designt waren und prompt auch Resultate brachten, die frappant an realkommunistische Wahlresultate erinnerten.

Die diversen Veröffentlichungen zur "Hamburger Studie" und die Vorabveröffentlichung der "Lübecker Studie" wirkten demgegenüber einiges glaubwürdiger und redeten immer (zumindest auch) Klartext. Einige Beispiele:   >>> mehr

  • Zwangsoperierte Zwitter haben eine höhere Selbstmordrate als nicht-traumatisierte Nicht-Zwitter, vergleichbar mit traumatisierten Frauen nach körperlicher Misshandlung oder Kindesmissbrauch. (Schützmann/Brinkmann/Richter-Appelt, Arch Sex Behav. 2009 Feb;38(1):16-33)

  • Genital zwangsoperierte Zwitter haben signifikant mehr Angst vor sexuellen Kontakten und mehr Angst vor Verletzungen beim Geschlechtsverkehr als "nur" zwangskastrierte. (Vortrag von Hertha Richter-Appelt, 19.4.2009)

  • "Menschen, die mehr als drei Operationen im Zusammenhang mit der besonderen Geschlechtsentwicklung erlebt haben, haben im Bereich körperliche Schmerzen eine niedrigere Lebensqualität als Menschen mit wenigen oder gar keinen Operationen." (Vorabbericht zur Lübecker Studie, S. 22)

But the times they are a-changing!

Mittlerweile sind die Hamburger ja aus dem "neuen" Netzwerk DSD und der Nachfolgeorganisation "EuroDSD" irgendwie draussen. Und aus Lübeck weht nicht erst seit gestern nicht nur für Zwitter, die an der Studie teilnahmen und auf weitere Veröffentlichungen mit Klartext gehofft hatten, ein mittlerweile deutlich rauherer Wind .

Schon nach der Vorabveröffentlichung Ende 2008 waren Stimmen laut geworden, die befürchteten, künftige "offizielle" Publikationen würden auf Kosten der Zwangsoperierten wohl wieder mehr auf medizynerfreundlich getrimmt (--> 3. e) Kritische Anmerkungen). Weiter hatte das durch das "Netzwerk DSD" unter den Zwischengeschlechtlichen weitherum Empörung ausgelöst wegen des mehrfach gebrochenen Versprechens, Teilnehmende würden die Publikation im Voraus zu lesen bekommen mit der Möglichkeit zu Kommentaren (ähnlich der DGKJ-Leitlinie). Ausserdem war Zusammenarbeit mit Zwitterorganisationen Bedingung bei der Vergabe der BMBF-Gelder für das Netzwerk!

Doch noch die pessimistischten düsteren Vorahnungen wurden nun vom "Netzwerk DSD"/"EuroDSD" an einem Vortrag über die "Lübecker Studie" an einem Fachgespräch im Bundestag vom 27.5. deutlich übertroffen!   >>> Bericht von Kitty

Betreffend der zentralen Frage, ob die Zwangsoperierten durch diese menschenrechtswidrigen Eingriffe mit oft verheerenden Folgen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden, behauptete die von Lübeck als Expertin an die 2. Anhörung der Bundestagsfraktion der Grünen delegierte Martina Jürgensen schamlos und mit noch krasserer Durchgängigkeit als seinerzeit Meyer-Bahlburg, nämlich 100% ausnahmslos:

  • keine Unterschiede bei der LQ [Lebensqualität] (Gesamtwert) bei unterschiedlichen medizinischen Interventionen

bzw.

  • keine Unterschiede zwischen operierten und nicht-operierten Personen

usw.

Wie gesagt, durchgängig 100%ig das selbe Fazit, egal ob es sich um die Lebensqualität, psychische Gesundheit oder "psychosexuelle Entwicklung" von Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen handelt – JEDESMAL, wenn überhaupt ein Vergleich Zwangsoperiert–Nichtoperiert gemacht wird!

(So nebenbei, von den über Dreijährigen Teilnehmer_innen der Studie waren ingsesamt nach wie vor 88% Prozent zwangsoperiert – davon ein Fünftel mindestens 3 Mal! Willkommen im 21. Jahrhundert!)

>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB)

Unter den anwesenden Zwischengeschlechtlichen war die Konsternierung gross, und noch ein Arzt sagte mir später im Gespräch, eine solche Verfälschung hätte er nicht erwartet.

Zwar räumte Martina Jürgensen einmal mehr ein, auch laut der "Lübecker Studie" gäbe es einen "grossen"

  • Problembereich von Jugendlichen und Erwachsenen mit DSD: Partnerschaft und Sexualität [vgl. auch Vorabbericht]

Just bei diesem "grossen Problembereich" unterschied Martina Jürgensen dann übrigens nicht mehr nach Operierten und Nicht-Operierten. (Auch über die – auch laut der Lübecker Studie notorisch schlechte – Behandlungszufriedenheit der Zwangsoperierten schwieg sie sich durchgehend vormehm aus.)

In der auf den Vortrag folgenden Diskussionsrunde sprach ich Martina Jürgensen sowohl auf die u.a. ihrem eigenen Vorabbericht widersprechende Behauptungen an, Operierte hätten insgesamt keinerlei Nachteile gegenüber Nicht-Zwangsoperierten Zwittern, wie auch auf die Auslassung des Vergleichs zwischen Zwangsoperierten und Nicht-Operierten ausgerechnet beim zentralen "grossen Problem".

Im ersten Anlauf wollte Martina Jürgensen grösstenteils gar nicht verstehen, worum es ging. Als ich nochmals nachhakte, gab sie dann zu verstehen, jetzt wisse sie, was ich meine, aber durch ein grössere Vergleichsgruppe als bei den Resultaten der Vorabveröffentlichung hätten sich deshalb die Resultate geändert, ausserdem bestehe auch bezüglich des Problemfelds Sexualität und Partnerschaft keine Unterschiede zwischen Zwangsoperierten und Nicht-Operierten, da gebe es "keine Korrelation". Danach war die Diskussion dazu (welche die Gesprächsleiterin der Grünen am liebsten schon vorher abgeklemmt hätte) zu Ende.

Mittlerweile traue ich Martina Jürgensen et. al. und dem "Netzwerk DSD"/"Euro DSD" voll und ganz zu, dass sie solches (und weiteres) auch künftig in den "offiziellen" Publikationen zur Studie bevorzugt absondern werden. So besehen macht es auch durchaus Sinn, dass das "Netzwerk DSD" es vorzieht, langjährige Versprechen gegenüber den Studienteilnehmer_innen zu brechen und und lieber hinter den Rücken der Zwangsoperierten zu publizieren.

Mal abgesehen davon, dass bei Vergleichen innerhalb der Untersuchungsgruppe (wie z.B. Zwangsoperierte vs. Nicht-Operierte) die Vergleichsgruppe gar keine Rolle spielt (!), und es schlicht weltfremd ist, zu behaupten, dass Zwangsoperierte zwar auch laut "Lübecker Studie" häufiger "körperliche Schmerzen" im Genitalbereich haben (S. 22), dies aber angeblich ausgerechnet im "grossen Problembereich [...] Partnerschaft und Sexualität" keine Auswirkungen haben soll.

Dass das "Netzwerk DSD"/"EuroDSD" solches offiziell so rumposaunt (und die Grüne Bundestagsfraktion es prompt nicht bemerkt haben will, s.a. bei Kitty), ist ein herber Schlag ins Gesicht und eine klare Kriegserklärung an alle Zwangsoperierten, die mit ihrer Behandlung nicht zufrieden sind (auch laut der Vorabveröffentlichung der "Lübecker Studie" klar die Mehrheit!).

Diese Desinformation ist die offensichtlich Antwort des "Netzwerks der unverbesserlichen Zwangsoperateure" auf die neu erstarkte Zwitterbewegung, auf das zunehmend öffentlich bekannt werden der Menschenrechtsverletzungen durch die genitalen Zwangsoperationen und der Forderung der Zwangsoperierten nach "Menschenrechte auch für Zwitter!"

>>> Das Corpus Delicti als PDF (2.34 MB)

An der Veranstaltung waren übrigens auch mehrere Mitglieder sowohl von IVIM (die vor Beginn ein Faltblatt verteilten) wie auch von Intersexuelle Menschen e.V. anwesend. Bisher haben beide Organisationen noch nicht öffentlich Stellung zu diesem ungeheuerlichen Vorgang bezogen ...

Nachtrag: Wichtiger Vorschlag von Einhorn, wie gegen die Verfälschung der "Lübecker Studie" vorgegangen werden kann, hier in den Kommentaren.

Siehe auch:
- Bericht von Kitty über das Fachgespräch vom 27.5.09 und das Corpus delicti
- Fachgespräch der Grünen, Berlin Mi 27.5.09 14-18h  
-
"Netzwerk DSD"/"Euro DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 
-
Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht   
- "Euro-DSD"-Zwangsoperateure: transsexuell = intersexuell??! 
-
Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008
- "Netzwerk DSD"-Chef Olaf Hiort: "keine Qualitätskontrolle" bei Zwangsoperationen an Zwittern  
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000  

Sunday 31 May 2009

Zwitterprozess: 3. Prozesstag 20.5.09 – "Netzwerk DSD" fällt Chirurgen in den Rücken


Am 20.5.09 war der 3. Prozesstag von Christiane Völlings Klage um Schmerzensgeld gegen ihren Zwangsoperateur, der ihr 1977 (wie heute noch bei Zwittern üblich) ohne Aufklärung die inneren Geschlechtsorgane entfernt hatte. Vor dem Landgericht hatte sich ein gutes halbes Dutzend solidarische Zwitter und Nicht-Zwitter zur Demo versammelt. In der Sache war der Prozess mit dem Urteil des Oberlandesgerichts vom 3.9.08 definitiv entschieden worden, es ging nur noch um die Höhe des Schmerzensgeldes. Als Expertin war die "Netzwerk DSD"-Endokrinologin Anette Richter-Unruh geladen, die dem Zwangsoperateur mit ihren Aussagen arg in den Rücken fiel. Der gegnerische Anwalt versuchte einige wenige Finten, kam damit jedoch nicht weit. Das Gericht liess durchblicken, dass es Christianes Anliegen wohlgesonnen ist. Die Urteilsberatung wurde angesetzt auf Mittwoch, 12.8.09 (nichtöffentliche Beratung).

3. Zwitterdemo vor dem Landgericht

Ein gutes halbes Dutzend Unentwegter hatte sich zur Demo vor dem Prozess eingefunden. Wie schon bei den letzten beiden Kölner Demos waren nebst Geschlechtsgenoss_innen von Christiane auch solidarische Nicht-Zwitter gut vertreten. Die meisten waren zum Teil mehrere hundert Kilometer extra zum Prozess angereist. Die Stimmung war gut und die mitgebrachten Flugblätter gingen weg wie warme Semmeln – wie sich nach dem Prozess herausstellte, hatten wir damit auch das Gericht und die Sachverständige erreicht. Die Polizei war diesmal mit einem martialischen Aufgebot vertreten, das allerdings einem gleichzeitig stattfindenden Russen-Mafia-Prozess galt. Trotzdem hatte das verschärfte Sicherheitsaufgebot auch für uns Folgen: Kameras wurden diesmal nur noch nach vorheriger Anmeldung zugelassen (deshalb aktuell keine Bilder aus dem Gerichtssaal).

Christiane erzählt

Zu Beginn stellte Richter Dietmar Reiprich klar, dass der Prozess in der Sache abgeschlossen ist, nachdem auch das OLG die Zwangskastration an Christiane für klar widerrechtlich eingestuft hatte, es geht nunmehr "nur" noch um die Höhe des zu zahlenden Schmerzensgeldes.

Zunächst hatte Christiane das Wort und schilderte, von gelegentlichen Nachfragen unterbrochen, ungewöhnlich zurückhaltend ihre Leidensgeschichte und machte geltend, seit der Zwangskastration mittlerweile ständig Antibiotika nehmen zu müssen wegen wiederkehrenden, teilweise lebensgefährlichen Harnwegsinfektionen, auch sonst sei ihr Immunsystem dauernd geschwächt und ihr körperliches Temperaturempfinden beeinträchtigt.

Ausführlich gab sie auch Auskunft über psychische Beeinträchtigungen. Jahre lang sei sie "auf der Flucht" gewesen, habe sich in ihre Arbeit vergraben, öfters den Arbeitsort gewechselt, wollte alles hinter sich lassen, habe kein Zuhause und auch keine Freunde oder sonstige wirklichen persönlichen Kontakte, sondern lediglich ArbeitskollegInnen. Auf Nachfrage des Geichts führte sie weiter aus, sie hätte noch nie einen Sexualpartner gehabt, das könne sie sich auch heute noch nicht vorstellen. Nach einem Zusammenbruch, nachdem sie 2006 endlich die Wahrheit über sich selbst erfahren hatte, befinde sie sich in psychotherapeutischer Behandlung, nach wöchentlichen Kriseinterventionssitzungen beginne sie nun eine eigentliche Psychotherapie.

Christianes Anwalt Georg Groth reichte zudem einige Beweisstücke ein wie z.B. Fotos, die belegen, dass Christiane vor der Zwangskastration ein erfülltes Leben als Frau durchaus noch offengestanden hätte.

Zwangsoperatuer als Bauernopfer des "Netzwerk DSD"

Als nächstes war als Sachverständige die "Netzwerk DSD"-Endokrinologin Anette Richter-Unruh an der Reihe. Wie sie sagte, sei sie aktuell noch Privatdozentin, erhalte aber demnächst eine ordentliche Professur. Ihre Ausführungen führten insbesondere bei den anwesenden Zwittern wiederholt zu Kopfschütteln und ungläubigem Staunen.

Ungefragt behauptete sie etwa gleich zu Beginn, es sei auch vor 30 Jahren höchst ungewöhnlich gewesen, dass der verurteilte Chirurg die Operation nicht sofort unterbrochen und die Patientin vollumfänglich aufgeklärt habe, als er laut dem Narkosebericht eine nicht-entartete weibliche Anatomie feststellte (der eigentliche OP-Bericht war – wie bei Zwangsoperationen an Zwittern generell üblich – auch in Christianes Fall bequemerweise längst "nicht mehr auffindbar"). Entgegen dieser Behauptung ist mir für das laut Richter-Unruh schon vor 30 Jahren "normale Vorgehen" kein einziges Beispiel bekannt (sie selber führte auch keines an). Hingegen berichten alle mir bekannten Zwitter übereinstimmend, wie ihnen dem Erziehungsgeschlecht widersprechende Gonaden ohne ihre Einwilligung entfernt wurden – wie auch bei Christiane mit der "Begründung", sie seien "verkümmert" und "entartet" gewesen, obwohl jedes Mal das Gegenteil der Fall war. Ebenso waren sie auch in der Regel nicht über ihre wirkliche Diagnose aufgeklärt worden. Damit fällt das "Netzwerk DSD" dem bereits rechtskräftig verurteilten Chirurgen wider besseren Wissens in den Rücken – wohl, um durch dieses Bauernopfer die Medizyner als Ganzes von künftigen politischen Forderungen nach Pauschalentschädigung, wie sie aktuell immer lauter werden, präventiv reinzuwaschen. 

Erstaunlich auch Richter-Unruhs Behauptung, bei AGS handle es sich nicht um Intersexualität – damit straft sie sämtliche bisherigen Leitlinien Lügen, wo AGS ausnahmslos mit aufgeführt ist, inkl. der aktuellen (unter der neuen Medizyner-Bezeichnung "DSD" a.k.a. "Störungen der Geschlechtsentwicklung"), an der sie persönlich beteiligt war. Ebenfalls im Widerspruch dazu stand ihre Bemerkung betreffend Christianes seelischen Beschwerden, "Inbalancen" seien bei Menschen mit GID nichts ungewöhnliches, "siehe auch Trans- und Homosexualität" (GID = Gender Identity Disorder  = Geschlechtsidentitätsstörung – kaum zufällig versuchen die Medizyner regelmässig, Zwitter, die mit ihrer Behandlung nicht zufrieden sind, auf die Trans- bzw. GID-Schiene zu zwängen, der Fehler liegt somit bei den "geistesgestörten Patienten" und nicht bei den heute noch üblichen, menschenrechtswidigen Zwangsbehandlungen der Medizyner).

Laut Richter-Unruh sei auch bei Christianes körperlichen Beschwerden nicht sicher festzustellen, ob diese mit Kastration und Testosterontherapie zusammenhängen würden. Sprich einmal mehr: Im Zweifel für die zwangsbehandelnde Medizynerkaste.

Darauf wandte allerdings Richter Reiprich ein, auch ohne die körperlichen Beschwerden hätte die Kammer aufgrund der massiven psychischen Folgen kein Problem, auf die geforderte Mindestentschädigung von 100'000 Euro zu kommen.


Fortsetzung folgt ...

Der gegenerische Anwalt versuchte es eher alibimässig noch mit der Finte, Christiane hätte ja auch Trotz der Zwangskastration anschliessend mit Östrogen statt Testosteron behandelt sowie die vermännlichenden Genitaloperationen hätten unterlassen werden können, weshalb für die Folgen nicht der Chirurg verantwortlich sei, kam damit jedoch nicht weit. Überhaupt schien er etwas überfordert, hatte es auch schon vorher sträflich versäumt, darauf zu pochen, dass das menschenrechtswidrige Verhalten seines Mandanten durchaus nicht der individuelle Einzelfall war, als den es auch Richter-Unruh darzustellen versuchte, sowie die Mitverantwortung der anderen behandelnden Medizyner und insbesondere der Endokrinologen gebührend herauszustreichen, so dass einem der verurteilte Chirurg rückblickend fast ein wenig Leid tun kann.

Stattdessen gab der Anwalt sich einmal mehr damit zufrieden, weiterhin eine Verzögerungstaktik zu fahren und die Urteilsverkündung so weit wie möglich hinauszuschieben. Diese wurde vom Gericht auf Mittwoch, 12. August 2009, um 9:00 Uhr, angesetzt. Es handelt sich um eine nicht-öffentliche Urteilsverhandlung, das Urteil werde den Parteien anschliessend telefonisch vorab mitgeteilt sowie danach schriftlich zugestellt. Bereits jetzt ist abzusehen, dass der fehlbare Chirurg, der "partout nicht zahlen" will, einmal mehr Berufung einlegen wird ...

Für Christiane ist die Sache damit trotz der definitiven Verurteilung ihres Zwangsoperateurs vor OLG im letzten Jahr wegen des "ohne Zweifel rechtswidrig[en]" Zwangseingriffs, der ihr "Selbstbestimmungsrecht [...] in ganz erheblichem Maße verletzt" habe, wohl noch lange nicht ausgestanden.

Siehe auch:
- Zwangskastrationen an Zwittern: "Keine Mutanten züchten"
- Krebslüge & Zwangskastrationen an Zwittern
-
- "Intersex Infant - Surgical Abuse" - Video
- Wie das "Netzwerk DSD/Intersexualität" seine Versprechen bricht
- Weiße Kittel mit braunen Krägen, reloaded
- Hiort, Holterhus, Sinnecker, Kruse (Ärzteblatt 1999):
   Aufzählung, bei welchen "Syndromen" / Zuweisungen wann zwangskastriert werden muss  

Zwitterprozess Tag 3, 20.5.09:
- "Menschenrechte auch für Zwitter!" – Flugblatt 20.5.09
- "Schmerzensgeld-Prozess" - Sat1 NRW 19.5.09
- Zwitterprozess: Erste Medienberichte zum 3. Prozesstag
- Merkel & Co: Einladung zum Zwitterprozess!
- Zwitterprozess: Verurteilter Chirurg als Gutachter für Behandlungsfehler    

Tuesday 19 May 2009

Zwitterprozess: Verurteilter Chirurg als Gutachter für Behandlungsfehler ...

Wie bei Intersexuellen heute noch üblich, hatte der Chirurg Prof. Dr. L. der Intersexuellen Christiane Völling 1977 die inneren Geschlechtsorgane entfernt, ohne sie über ihr wahres Geschlecht aufzuklären. In einem Aufsehen erregenden Pilotprozess wurde Prof. Dr. L. deswegen mit Urteil vom 3. September 2008 letztinstanzlich zur Zahlung eines Schmerzensgeldes verurteilt: "Der Chirurg hat die Patientin vor der Operation nicht hinreichend aufgeklärt und sie daher mangels wirksamer Einwilligung schuldhaft in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht verletzt." (5 U 51/08)

Der verurteilte Chirurg will jedoch "partout nicht zahlen" und lehnte auch einen Vergleichsvorschlag des für die Festsetzung der Höhe des Schmerzensgeldes zuständigen Landgerichts Köln rundheraus ab. Deshalb ist Christiane Völling gezwungen, weiter zu prozessieren. Morgen Mittwoch, den 20. Mai, kommt es deshalb im Landgericht Köln zu einer weiteren Verhandlung. Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org ruft auf zu einer Kundgebung vor dem Landgericht um 14:00 Uhr.

Laut diversen Einträgen auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein ist Prof. Dr. L. dort auch nach diesem letztinstanzlichen Urteil weiterhin als Gutachter  beschäftigt – ausgerechnet bei der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler!

Eine Gutachtertätigkeit, die Fragen aufwirft. Offensichtlich sind sich medizinische Standesorganisationen der Tragweite der an Zwittern systematisch begangenen Menschenrechtsverletzungen durch genitale Zwangsoperationen und sonstige nicht-eingewilligte Zwangseingriffe, denen vor allem Zwitterkinder nach wie vor systematisch unterworfen werden, immer noch alles andere als bewusst.

Christiane Völling: "Wie kann sich die Ärztekammer Nordrhein einen solchen Gutachter noch erlauben? Wo bleibt da die Würde?"

Tuesday 28 April 2009

Testo-Studie: Doch keine Placebos

Innerhalb der Selbsthilfegruppen bestand die Befürchtung, zusätzlich zu den längeren Absetzungen jeglicher HET zu Beginn und in der Mitte der geplanten klinischen Studie würden auch Placebos verabreicht, was die Absetzung noch einmal drastisch verlängert hätte. Der Studienverantwortliche Olaf Hiort gibt hierzu Entwarnung:

"Wir haben uns auf Grund der zu erwartenden kleinen Zahl an Teilnehmenden dafür entschieden, dass ein sogenannten doppel-blindes Cross-over Design verfolgt wird.  Dabei kommt kein Placebo zum Einsatz, sondern die Hormone werden als Gelpräparation geruchs- und verpackungsneutral geliefert und auf die Haut aufgetragen und nach einer bestimmten Zeitvorgabe gewechselt."

(Im Anschluss an die Pressemitteilung zum Thema hatte Nella plötzlich doch noch eine Antwort von Olaf Hiort auf ihre offizielle Stellungnahme erhalten. Leider ging Olaf Hiort weder darin noch in der folgenden Mail je inhaltlich auf die eigentliche Stellungnahme ein bzw. auf den pragmatischen flankierenden Vorschlag zur Behebung des Problems, dass zwangskastrierte Zwitter eine adäquate HET nach wie vor aus der eigenen Tasche bezahlen müssen ...)

Siehe auch:
- "Netzwerk DSD" plant Testostudie für Zwangskastrierte mit CAIS
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- PRESSEMITTEILUNG: Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen

Sunday 26 April 2009

Wie das "Netzwerk DSD/Intersexualität" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt

Ein Beispiel von vielen:

Nach dem Eklat beim Netzwerktreffen 2007 in Bochum und der darauf folgenden öffentlichen Kritik kam es am 1.11.2007 zu einer Aussprache zwischen VertreterInnen des "Netzwerk DSD/Intersexualität" und einer Delegation von Intersexuelle Menschen e.V. Dabei ging es unter anderem auch um die Veröffentlichungspolitik der Lübecker Netzwerkstudie. Dazu wurde vereinbart, dass betroffene Studienteilnehmer_innen die Publikationen im Voraus gegenlesen können und einen "Kommentar und die Anregungen und die Kritik dann entweder noch berücksichtigt oder zumindest als Diskussion mit veröffentlicht" werden.

Entgegen dieser Vereinbarung publizierte das "Netzwerk DSD/Intersexualität" im November 2008 auf seiner Homepage eine erste Veröffentlichung der Studienergebnisse, ohne dass irgendwer von den betroffenen Studienteilnehmer_innen diese im Voraus zu Gesicht bekam.

Auf eine entsprechende Beschwerde bei den Publikationsverantwortlichen des "Netzwerk DSD/Intersexualität" erfolgte am 24.11.2008 eine erneute Zusage, dass betroffene Studienteilnehmer_innen bei künftigen Publikationen "die Texte vorab bekommen, sobald eine Auswertung fertig ist". Es wurde vereinbart, dass eine Arbeitsgruppe von Intersexuelle Menschen e.V. die Publikationen im Voraus per Mail erhalten und sie anschliessend kommentieren kann.

Auch dieses Versprechen wurde in der Folge vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" erneut gebrochen.

Statt die Texte wie vereinbart vorab per Mail zu erhalten, erhielten die seinerzeitigen Vereinsdelegierten der Sitzung vom 1.11.2007 am 3.3.2009 eine Mail, worin sich das "Netzwerk DSD/Intersexualität" (ironischerweise) auf die besagte Aussprache vom 1.11.2007 und die damaligen Vereinbarungen bezieht und darüber informiert, "dass die ersten zwei Publikationen, die sich auf die Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie beziehen, in Kürze fertig gestellt werden". Es handle sich dabei um zwei Artikel: "Der eine beschäftigt sich mit der allgemeinen Situation von Jugendlichen, der andere mit der psychosexuellen Entwicklung von Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen."

Von der Vereinbarung, die Texte vorab zugeschickt zu kriegen und einen Kommentar schreiben zu können, war plötzlich keine Rede mehr. Denn "aus rechtlichen Gründen" sei es nicht möglich, "unveröffentlichte Manuskripte im Vorfeld zu verschicken oder einem größeren Kreis zugänglich zu machen". Ein konkreter Beleg für diese Behauptung wurde nicht mitgeliefert.

Als Ersatz machte das "Netzwerk DSD/Intersexualität" in besagter Mail vom 3.3.2009 zwei sehr kurzfristige Terminvorschläge, an denen je eine der Veröffentlichungen in Lübeck für kurze Zeit eingesehen werden könnten: 18.3. und 8.4.2009 (Rückmeldung/Anmeldung bis 12.3.2009). Die "relativ kurzfristige Terminplanung" wurde damit begründet, dass die Auswertungen "später als erwartet fertig gestellt werden" konnten und "die Manuskripte aus personellen Gründen zeitnah eingereicht werden" müssen.

Deshalb bleibe dem "Netzwerk DSD/Intersexualität" "leider wenig Spielraum".

Und uns Betroffenen wieder einmal weniger als das!

Wieder einmal hat es das "Netzwerk DSD/Intersexualität" geschafft, sich um sein Versprechen vom 1.11.2007 herum zu reden.

Eine der Delegierten teilte darauf mit, dass sie den Termin vom 18.3. wahrnehmen werde. Über das Resultat wurden bisher weder der Vorstand noch die Vereinsmitglieder unterrichtet.

Die andere Delegierte beschwerte sich beim Netzwerk in einem persönlichen Mail, dass sich das "Netzwerk Intersexualität/DSD" "wieder einmal über die Abmachungen" hinweg setze. Da sie keinen der beiden Termine wahrnehmen konnte, forderte sie die vertrauliche Zustellung der Manuskripte. Das "Netzwerk DSD/Intersexualität" ging darauf wie gewohnt nicht weiter ein.

Wenig überraschend ist schon jetzt abzusehen, dass auch bei allen weiteren Publikationen zur Lübecker Netzwerkstudie die betroffenen Studienteilnehmer_innen wie gehabt aussen vor bleiben werden. (Welcher Mediziner will schon jedes Mal einen womöglich kritischen Kommentar von Betroffenenseite?)

Ebenso ist absehbar, dass Intersexuelle Menschen e.V. all diese gebrochenen Versprechen, die beim "Netzwerk Intersexualität/DSD" sozusagen schon Tradition sind, nie öffentlich rügen oder sich wirksam dagegen zur Wehr setzen wird.

Siehe auch:
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
-
Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000 

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